KRONIKE VON PRUZINLANT

Di Kronike von Pruzinlant des Nicolaus von Jeroschin. Hg. von Ernst Strehlke, in: Scriptores Rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft. Hg. von Theodor Hirsch, Max Töppen und Ernst Strehlke, Bd. 1, Leipzig 1861 (Nachdr. Frankfurt a.M. 1965), S. 291-648.

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IV. DI KRONIKE VON PRUZINLANT
DES
NICOLAUS VON JEROSCHIN.
HERAUSGEGEBEN VON EBNST STREHLKE.
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EINLEITUNG.

Die Chronik des Landes Preussen, welche Peter von Dusburg im Jahre 1326 dem Hochmeister Werner von Orseln überreichte, ist, wie in der Einleitung zu derselben (oben S. 7 ff.) näher begründet wurde, ein Werk, worin die Absicht, das Gedächtniss des Geschehenen zu überliefern, in hohem Masse nach einer religiös - ascetischen Richtung hin durchgeführt ist. Die Wunder, welche Gott durch den deutschen Orden in Preussen gethan hatte, sollten berichtet und ebenso im Ganzen als im Einzelnen dargethan werden, wie gerade die Obser­vanz dieses, schon im alten Testamente prädestinirt gefundenen Institutes eine zur Erlangung des himmlischen Heiles vorzüglich wirksame sei und die besondere Verehrung seiner Patronin, der Jungfrau Maria, vor allen eine sichere Hülfe gegen die Gewalt des Bösen.

An der Verbreitung und Kräftigung solcher Anschauungen, namentlich unter den Gliedern des Ordens selbst, musste den Leitern desselben vornehmlich ge­legen sein. Voigt (Jahrbücher Johannes Lindenblatt’s u. s. w. Königsberg 1823 Einleitung S. 18) führt aus alten Verzeichnissen an, dass sich in den Bibliotheken vieler Ordenshäuser in Preussen unter anderen deutschen Büchern, wie dem auf Bekehrung eines Heiden bezüglichen von ›Barlaam und Josaphat‹, dasje­nige ›vom Roland‹ befunden habe. Die Beschäftigung mit derartigen Werken mochte im Allgemeinen dazu dienen, die Ideen des geistlichen Ritterthumes in den Ordensbrüdern zu beleben und ihre Begeisterung zu Glaubenskampf und Märtyrertod rege zu erhalten. Nach jener besonderen Richtung aber zu wirken, war Dusburg’s Werk vornehmlich geeignet, wenn es jenen, welche grössten­theils ohne Zweifel der lateinischen Sprache nicht mächtig waren, durch eine deutsche Uebersetzung zugänglich gemacht wurde. Für eine solche lag die Wahl der leicht dem Gedächtnisse einzuprägenden Form episch - poetischer Rede zu damaliger Zeit sehr nahe, seit nach dem Vorbilde der Kaiserchronik aus der Mitte des xii. Jahrhundertes an den verschiedensten Stellen Deutschlands in wachsender Anzahl Reimchroniken verfasst worden waren, welche dem stets

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allgemeiner werdenden Bedürfnisse nach Erkenntniss der wirklichen Welt ent­gegen kamen.

Bereits der unmittelbare Nachfolger Werners von Orseln, der auch selbst in deutscher Dichtkunst thätige und als Förderer einer anderen dichterischen Uebertragung unten zu erwähnende Hochmeister Luther, Herzog von Braun­schweig (1331. 17. Februar † 1335 18. April), trug dem Deutschordenspriester Nicolaus von Jeroschin, welcher schon unter seiner Regierung hochmei­sterlicher Caplan gewesen sein mag, auf, eine Uebersetzung von Peter’s von Dusburg Chronik in deutschen Reimen zu verfassen (N. v. J. V. 182 ff.). Nach­dem Jeroschin schon mehr als achtzig Seiten davon geschrieben hatte, vertilgte ihm, wie er sagt, das arge Thier, das Joseph’s Rock zerriss, die Arbeit, worin man wohl mit Recht eine Anklage gegen neidische Mitbrüder des Ordens sieht. Hochmeister Dietrich von Altenburg (1335. 3. Mai — 1341. 6. Octbr.), der gleich­falls einige metrische Uebersetzungen theologischer Werke veranlasste, wieder­holte die Aufforderung seines Vorgängers, und gab so die Veranlassung zu der Entstehung der vorliegenden von Jeroschin der Patronin des Ordens, der Jung­frau Maria, geweihten (vgl. Vers 329 f. 3683 f. u. 1502) Reimchronik.

Ob eine Uebersetzung eines noch vorhandenen, in dieser Sammlung selbst herausgegebenen Werkes, welche noch dazu bei ihrem sehr grossen Umfange einen bedeutenden Raum beansprucht, ganz hier aufzunehmen gewesen sei, dürfte manchem zweifelhaft erscheinen. Die verhältnissmässig nicht zahlrei­chen grösseren Zusätze Jeroschin’s würden an sich einen solchen Abdruck aller­dings kaum rechtfertigen; davon abhalten könnte sogar, dass wohl auch der Zwang der gereimten Rede den Uebersetzer zu einzelnen unverhältnissmässigen Ausführungen über die von dem Originale gebotene Grundlage hinaus, zur Hin­zufügung von Ausfüllwörtern u. dgl., welche mitunter den sachlichen Inhalt alteriren, also zu einer Entfernung von strenger historischer Treue veranlassten. Aber, wie in der Vorrede zu Dusburg (o. S. 9 f.) bemerkt wurde, Nicolaus von Jeroschin lebte noch in der Anschauung derselben Verhältnisse als Peter von Dusburg fort und, besonders für die späteren, seiner Beobachtung (vgl. V. 271) näher liegenden Zeiten, sind seine im Einzelnen kaum ausscheidbaren kleineren Zuthaten und Aenderungen auch für historische Zwecke der Berücksichtigung nicht unwerth. Es trat noch eine andere Erwägung hinzu. Das Werk des Jero­schin, welches seiner Zeit seinen Zweck ganz erfüllte, indem es sogar das Ori­ginal lange ganz in den Hintergrund drängte, und welches somit eine bedeutende Stelle in der Ueberlieferung der Kunde preussischer Geschichte einnimmt, ist so oft in unserer provinciellen historischen Literatur angeführt, in ver­schiedenem Sinne beurtheilt und benutzt worden, dass einheimische Freunde unserer Landesgeschichte eine Lücke in dieser Sammlung sehen würden, wenn dieselbe ihnen nicht den vielberufenen Autor ganz und zu einheitlicher Beur­theilung entgegenbrächte. Zudem lässt sich seine poetische Begabung, so weit sie freien Spielraum gewinnt, als eine durchaus nicht gering zu schätzende er­kennen. Sein Vortrag bringt in die düster ascetischen Züge seines Vorgängers doch einige Lebenswärme hinein; sogar Scherz und Spott gewinnen unter seiner Hand Boden; Sprichwörter werden angeführt aus volksmässiger Rede, der er auch zum Theil seinen wunderbaren Schatz von bezeichnenden Worten ver­dankt, während er die Schriftsprache auch durch Worte bereichert, die er aus dem Lateinischen herübernimmt; wo ihn der Stoff lebhafter ergreift, tritt auch neben die Uebersetzung von Dusburg’s ›ego‹ sein eigenes ›ich‹, und wird sein

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Ausdruck schwungvoll; einmal in einer Aufforderung zum Kampfe gegen die Heiden (p. 161 d ff.) unterbricht er sogar in sonst ungewöhnlicher Weise das epische Versmass der kurzen Reimpaare und lässt der lyrischen Stimmung auch durch den Bau eigener Strophen ihr Recht widerfahren. —

Wir dürfen hoffen, dass auch in dieser Rücksicht Jeroschin’s Werk den Freunden unseres Unternehmens eine nicht unwillkommene Gabe sein werde. —

Den hohen Werth, welchen die Reimchronik aber in anderer als den bisher hauptsächlich berührten Bezichungen, nämlich in sprachlicher besitzt, zu­erst in seinem ganzen Umfange erkennend, hat Professor Franz Pfeiffer, der sich schon früher um die Geschichte der Ostseelande durch die Herausgabe der liv­ländischen Reimchronik (erschien Stuttgart 1844) verdient gemacht hatte, in neuester Zeit demselben ein umfassendes Studium gewidmet und die Resultate des letzteren nebst Fragmenten aus Jeroschin veröffentlicht in dem Werke: Bei­träge zur Geschichte der mitteldeutschen Sprache und Literatur. Die Deutsch­ordenschronik des Nicolaus von Jeroschin. Ein Beitrag zur Geschichte der mit­teldeutschen Sprache und Literatur. Stuttgart. Franz Köhler. 1854. 8°. LXXII und 316 Seiten. Der Herausgeber des Jeroschin bekennt gern, dass er bei der Bearbeitung des Textes in vielen Dingen an diesem Buche einen trefflichen Führer gehabt hat. —

Pfeiffer giebt in der Einleitung (I—LXXII) Mittheilungen über die dia­lectische und individuelle Redeweise des Dichters, über seine Verskunst, z. B. ausführliche Zusammenstellungen über seine Reime; eine vollständige Uebersicht seines Vocalismus und Consonantismus, insoweit sich dieselben von der mittel­hochdeutschen Sprache unterscheiden; auf S. 3 bis 112 zwei und funfzig grössere und kleinere Abschnitte aus dem Werke; endlich und vor allen auf S. 115—315 ein Glossar mit einer grossen Anzahl von Belagstellen, aus dem ganzen Umfange des Werkes zusammengetragen. Die bequeme Vergleichung mit dem diesen Band eröffnenden Originale wird dem Leser in unserer Ausgabe über manche Schwie­rigkeit hinweghelfen; manches, was der das Verhältniss zu anderen deutschen Sprachdenkmälern des Mittelalters speciell berücksichtigende Sprachforscher als eine ungewohnte, neue Erscheinung anmerken musste, wird ihm, da es gäng und gäbe geworden, leicht verständlich sein. Bei der Erklärung seltener und fremdartiger Ausdrücke konnten wir in den bezüglichen Noten häufig Pfeiffer folgen. Den Bewohnern der Provinz Preussen wird übrigens mancher aus der heute noch daselbst üblichen vulgären Sprache nicht unbekannt sein. —

Wie über die Persönlichkeit des Peter von Dusburg ist uns über diejenige des Nicolaus von Jeroschin nur das Wenige bekannt, was er selbst von sich angiebt. Er sagt V. 304 ff., dass er ›wenig deutsch könne‹, nur wie ihn die­jenige lehrte, deren Milch ihn nährte und dass auch seine Rede unhöfischer Art sei. Jedenfalls verstand er also das Deutsche von frühester Jugend an, daneben aber wohl auch das Polnische, wie denn sein Familienname, obwohl bereits durch germanischen Umlaut umgewandelt, die slavische Abstammung nicht verkennen lässt. Einmal (Cap. 169. pag. 102 c) gebraucht er ohne besondere Veranlassung mitten inne für »propugnaculum« ein slavisches Wort ›ozzek‹ (das im Polnischen jetzt freilich nicht mehr gebräuchlich durch ›zasiek‹ ersetzt wird), von ›siekę‹ ich haue und ›o‹ umher, der Verhack, Verhau, wofür er sonst ›hagen‹ anwendet. Als Ortsname ist dieses ursprüngliche Appellativum durch alle Län­der, welche jemals slavischer Zunge waren, sehr häufig anzutreffen.

Pfeiffer vermuthet aus der bereits erwähnten Fülle sonst in der Litteratur

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nicht anzutreffender Wörter bei Jeroschin, in welchen sich die Redeweise der niederen Stände erkennen lässt, dass seine Amme oder Mutter diesen angehört habe; auch Hanow (Nachricht von Nicolai Jeroschin’s gereimten Preuss. Chronick und deren Unterscheide von der Düszburgischen, Preussische Sammlung II, 69) sprach schon, obwohl die von ihm angeführten Beispiele nur zum Theile pas­sen, von den ›vielen gemeinen pöbelhaften Wörtern und Ausdrücken‹ unseres Dichters.

Ortschaften, welche den Namen Jaroschin oder einen ähnlichen tragen, finden sich in nicht sehr bedeutender Entfernung von dem Ordenslande meh­rere; ein Jaroschin in Oberschlesien im Kreise Rybnik1; ausser zwei Jerzyn im Regierungsbezirke Posen eine Stadt Jaroczyn (Jarocin) zwischen Krotoszyn und der Warthe im Kreise Pleschen2, welche ehedem zu deutsch Kesselberg hiess: 1369 Mittwoch nach S. Michaelis (3. October) trägt zu Oels ein gewisser Beniak von Kesselberg sein Schloss ›Kesselberg oder Jaroczyn‹ dem Herzoge Konrad II. von Oels auf3; im Regierungsbezirke Bromberg im Pfarrsprengel von Fordon, Kreis Bromberg, Jaruszyn; im Kreise Schubin, Regierungsbezirk Bromberg, Ja­ruzyn (auch Jaruszyn)4; endlich im Kreise Johannisburg, Regierungsbezirk Gum­binnen, also in Preussen selbst, ein kölmisches Dorf Jeroschen5, sowie Jersen, ein Stück Land bei Kulm6. Pfeiffer, der nur die beiden im Rybniker und Schubiner Kreise belegenen Ortschaften heranzog, glaubte, besonders mit Rücksicht auf den Umstand, dass Oberschlesien rechts der Oder sich von frühester Zeit bis zum heutigen Tage des Deutschen beharrlich erwehrt hat und wegen der Nähe an Preussen sich für das letztere entscheiden zu müssen; dieselben Bedingungen gelten aber auch für Jaruszyn im Bromberger Kreise; zudem sind uns Nicolaus von Jeroschin Jugendschicksale unbekannt. —

Von einem Geschlechte ›von Jarossin‹ finden wir gleichzeitig mit unserem Dichter, 1331, zwei Mitglieder in der Stadt Peisern (polnisch Pyzdry, an der Warthe, in Russisch Polen, nahe der preussischen Grenze, vier Meilen nord­westlich der genannten Stadt Jaroczyn im Kreise Pleschen, gelegen). Unter den von dem Grafen Titus Dzialyński (Lites ac res gestae inter Polonos ordinemque cruciferorum. Posnaniae. 1855. 4°. 1, 284 f.) herausgegebenen Aussagen der von den päbstlichen Nuntien 1339 gegen den Orden vernommenen Zeugen befindet sich die Angabe des lxxiiiten, nämlich eines Priesters Johannes, Sohnes des Conrad von Jarossin, dass er bei der Annäherung des Ordensheeres an Peisern (vgl. Voigt. G. Pr. IV, 490) in den Wald geflohen sei und dass unter den von demselben Erschlagenen sein Bruder Paczold gewesen sei. Einen Zusammenhang des Nicolaus von Jeroschin mit dieser Familie oder gar mit den im xvii. Jahr­hunderte in Schlesien genannten Freiherren von Jaroschin im Herzogthume Op­peln vermögen wir nicht nachzuweisen.

P. 128 d. scherzt Nicolaus über seinen kahlen Kopf. Da er hienach zur

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Zeit der Abfassung seiner Uebersetzung wahrscheinlich schon in vorgerückterem Alter stand, so wird es unmöglich sein, ihn noch in dem hochmeisterlichen Ka­plane Nicolaus wiederzuerkennen, welcher bei Voigt Cod. dipl. III, 177 in der Handfeste Winrich’s von Kniprode für Rastenburg d. d. Rastenburg 1378 S. Joh. Chrysostomi (27. Januar) und in der im Danziger Archive befindlichen Handfeste desselben Hochmeisters für Hela d. d. Marienburg 1378 Dienstag nach Marien Him­melfahrt (17. August) als Zeuge erscheint. In älteren hochmeisterlichen Urkunden werden sonst die Kapläne oft erwähnt und zwar meist als mit einer Domherrn­pfründe des samländischen oder pomesanischen Hochstiftes ausgestattet; solche, in denen Nicolaus von Jeroschin vorkäme, sind jedoch noch nicht bekannt geworden.

Die Mundart, in welcher Nicolaus von Jeroschin schreibt, steht in der näch­sten Beziehung zu denjenigen, welche in Mitteldeutschland, also den thüringi­schen, hessischen, nordfränkischen, obersächsischen Landen üblich waren, als Ausgleichungen und von beiden Seiten beeinflusste, mehrfach verschieden nuancirte Vermittelungen des Ober- und Niederdeutschen. Auf dem Mittel­deutschen erwuchs bekanntlich, zumeist durch Luther’s Bibelübersetzung ent­wickelt, die neuhochdeutsche schriftgemässe Sprache, das ›hoch‹ nicht mehr im localen, sondern im bürgerlichen Sinne genommen, die der Gebildeten im Ge­gensatze zu den Dialecten. Wenn aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands zur Kriegshülfe und zu friedlicher Ansiedelung Schaaren nach Preussen strömten, so musste die Redeweise der vorzugsweise zahlreich aus jenen mittleren Her­beigekommenen, welche zwischen dem Hoch- und Niederdeutschen stehend nach beiden Seiten hin Anknüpfungspunkte bot, in dem neu colonisirten Lande das Uebergewicht gewinnen. Die consonantischen Verhältnisse des Mitteldeut­schen bei Jeroschin sind im Ganzen die des Mittelhochdeutschen, jedoch findet sich auch mitunter nach niederdeutscher Art z. B. t für z, d für t, ch für g u. s. w. Wir müssen wegen des Näheren auf die erschöpfenden Zusammenstellungen bei Pfeiffer LXIII—LXIX verweisen, welche aus einer Fülle beweisender Reime ent­lehnt sind; ebenso wegen der Vocale und ihrer Beziehungen oder Vertauschun­gen miteinander daselbst auf LVIff. Hier gleicht dem Niederdeutschen u. a. auch das häufige Aspiriren des ›e‹ in ›er‹, zu ›her‹. Der Dialect ist ärmer an Verschie­denheiten der Vocale, als das Hochdeutsche; er ersetzt z. B. des letzteren Um­laute und Diphthonge ›ü‹, ›iu‹, ›uo‹, ›üe‹ durch das einfache ›u‹ oder ›û‹; vermeidet, darin dem Niederdeutschen ähnelnd, überhaupt gern Diphthonge (z. B. vornehm­lich ›ie‹ wofür er ›î‹ hat), aber auch die Umlaute, ausser bei ›a‹. Was jene Iden­tität des Dialectes mit dem mitteldeutschen betrifft, so bemerken wir hier, dass ebenso wie bei Jeroschin z. B. in der übrigens etwa ein Jahrhundert späteren Thüringischen Chronik des Johann Rothe († 1434), herausgegeben von R. von Liliencron als III. Band der thüringischen Geschichtsquellen. Jena. 1859, das tonlose ›e‹ in den meisten Fällen durch ›i‹ ersetzt wird; dass auch bei diesem die Umlaute (ausser ę) vermieden werden, und ›u‹ an Stelle des mittelhochdeut­schen ›u‹ und ›û‹ sowie aller daraus gebildeten Umlaute und Diphthonge, tritt, ferner für den mittelhochdeutschen Diphthong ›ie‹ ›i‹ geschrieben wird. Wenn Rothe auch nur in vereinzelten Fällen die Vorsilbe ›ir‹ statt ›er‹, wie Jeroschin durchgehend, bietet, so stimmen sie wiederum in dem alleinigen Gebrauche von ›vor‹ statt ›ver‹ überein; das Wort ›gegen‹ lautet bei beiden mit ›k‹ an, für ›odir‹ findet sich ›adir‹, ›t‹ erweicht sich nach ›e‹ häufig zu ›d‹; anstatt ›er‹ schreibt Rothe stets ›her‹, wie die Handschriften des Jeroschin in einzelnen Fällen bieten; bei bei­den ist in den betreffenden Formen der schwachen Verba der Rückumlaut durch­geführt,

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u. a. Verwandtschaften mehr, auch der Syntax, z. B. die ausgedehntere Verwendung von ›werden‹ als Hülfszeitwort z. B. in ›ich wart sehen‹ d. i. ›ich begann zu sehen‹ u. s. w. Von Pfeiffer ist nach der oft citirten Einleitung eine ausführliche Darlegung der mitteldeutschen Lautlehre und im Besonderen ein genauer Nach­weis der Uebereinstimmung der preussischen Mundart mit jener zu erwarten. —

Ganz consequent sind freilich gewisse Eigenthümlichkeiten der Mundart in den Handschriften unseres Autors nicht durchgeführt, z. B. die Anwendung des ›i‹ in Ableitungssilben statt ›e‹, sogar in aufeinander reimenden Wörtern; beson­ders häufig hat das Substantiv ›i‹, das vorangehende Adjectiv ›e‹. Um das Bild hier nicht durch eine jenen fremde Gleichförmigkeit zu trüben, wurden, wo die beiden ältesten Handschriften übereinstimmen, solche Abweichungen (z. B. auch ›ie‹ statt ›î‹) beibehalten, während, wo auch nur eine überhaupt die mittel­deutsche deutsche Form giebt, diese in den Text gesetzt wurde, ohne dass im Einzelnen darüber Rechenschaft abgelegt würde. Aehnlich wurde in anderen Fällen, z. B. wegen des allgemeinen Relativs verfahren, das bei Uebereinstimmung der Hand­schriften in der moderneren Form ›wer‹ u. s. w. gegeben wurde; wo auch nur eine ›swer‹, die vollständigere ältere, hat, in dieser. Die Handschriften verdop­peln ferner oft nach kurzen Vocalen die Consonanten, was sonst eine Eigenthüm­lichkeit der niederdeutschen Mundart ist. Da sich hiebei aber in ihnen eine sehr grosse Willkür zeigt, auch die Laute bei richtigem Lesen des Textes, nämlich mit Berücksichtigung der Längen und Kürzen, durch jene Geminirung nur eine sehr geringe Aenderung der Aussprache erfahren würden, so durfte im Allgemeinen davon abgesehen werden. In manchen Fällen könnte allerdings die Verdoppelung als eine organische erscheinen, z. B. in redde, reggen, lengge, liggen u. dgl., wo ein früher vorhandenes ›j‹ dieselbe bewirkt haben könnte. In unzähligen ande­ren ist sie es aber nicht (enggil, mitlidiggem, ruwigge, sigge (victoriae), oddir, widdir, capittil, wegge (viae), irbibben, eddelinc, abbir, bittirlich, siddir, her­zogge, vridde, in Namen: Nattangin, Attrebato u. s. w., wo sie bloss graphisch die Kürze des voraufgehenden Vocales ausdrückt. — Wechselnd mit ›û‹ musste ferner in gleichem Werthe der Diphthong ›ui‹, welcher auch sonst in preussi­schen Sprachdenkmälern oft vorkommt, wo kein Zusammenhang irgend welcher Art mit einem ›i‹ im Mittelhochdeutschen stattfindet, in den Text gesetzt werden, wenn mehrere Manuscripte ihn boten. Sogar aufeinander reimende Worte fin­den sich in den Handschriften das eine mit ›u‹ das andere mit ›ui‹, ›uy‹ geschrie­ben. Dieses ›ui‹ ist ein entschieden niederdeutsches Element, wie auch eine Vergleichung des heutigen Holländischen zeigt; findet sich jedoch im Anfange des xiv. Jahrhunderts auch in mittelrheinische Sprachdenkmäler eingedrungen. —

Einer besonderen Rechtfertigung bedarf jedenfalls nicht, dass wir, ob­wohl Jeroschin die ursprünglichen Quantitäten verwischt, indem er lange mit kurzen Wurzelsilben bindet, die allgemein angenommene Art der Bezeichnung durchführten, wodurch die Erkennung seiner der mittelhochdeutschen Art ent­gegenstehenden Eigenthümlichkeiten erleichtert wird.

Die Regeln, welche Nicolaus von Jeroschin als die für ihn bei dem Baue seiner Verse massgebenden aufstellt (V. 236 ff. 294 ff.) sind seit Hanow und Pisanski (Ent­wurf der preussischen Litterärgeschichte. Königsberg. 1791. S. 77 f.) zu wiederhol­ten Malen Gegenstand besonderer Betrachtung gewesen, indem dergleichen directe Zeugnisse aus den Zeiten der Blüthe der mittelhochdeutschen Dichtkunst und der unverdorbenen Ueberlieferung der Kunst gar nicht vorhanden, aus späteren, in welchen geschicktere Dichter einer einbrechenden Barbarei sich bewusst ent­gegenstellten,

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auch nur vereinzelt überliefert sind. Zuletzt hat sich nach Pfeiffer Karl Bartsch (›Die metrischen Regeln des Heinrich Hesler und Nicolaus von Jero­schin‹ in der Germania. Vierteljahrschrift für deutsche Alterthumskunde; her­ausgegeben von Franz Pfeiffer. I. Jahrgang. Stuttgart. 1856. 8°. S. 192—202) eingehend damit beschäftigt, indem er zur Vergleichung und Erläuterung die­jenigen Grundsätze herbeizog, welche Heinrich Hesler, der wohl etwas früher als Jeroschin (Bartsch setzt ihn in das Ende des xiii. Jahrhunderts) gleichfalls in Preussen schreibende Verfasser einer poetischen Paraphrase der Apocalypse als die seinen in dieser Beziehung angiebt (die betreffenden Verse zuerst heraus­gegeben von Karl Koepke im Neuen Jahrbuch der Berliner Gesellschaft für Deut­sche Sprache X, 88—89; dann bei Bartsch 194—196). Es bleiben indess hierin immer noch einige Dunkelheiten zu beseitigen.

Jeroschin setzt für seine Verse, welche, abgesehen von den oft angewen­deten Reimhäufungen und jener einmaligen Unterbrechung durch lyrische Stro­phengebäude, die alten kurzen Reimpaare der epischen Poesie sind, die Länge von sechs bis neun Silben fest (V. 249 ff. 294 ff.). Dass er nach Silben zählt, zeigt noch nicht etwa ein Verlassen des uralten Gesetzes der Hebungen; dieses »gilt ihm wie allen früheren Dichtern; nur sucht er jeder Hebung eine Senkung beizufügen«, ein Bestreben, worin die Königsberger Handschrift noch weiter geht, als die ältere Stuttgarter. — Für je ein Paar Reime (dies bedeutet sowohl Reimworte als Reimzeilen d. i aufeinander reimende Verse) verlangt er Gleichheit (damit kann hier aber wohl nur Entsprechendheit, Aehnlichkeit gemeint sein) der Länge, des Sinnes und des Lautes (V. 240 ff.), letzteres im speciellen Be­zuge auf die Schlusssilben. Er sagt, viele Wörter würden gleich geschrieben, aber nicht gleich ausgesprochen; diese müsse man nicht binden. Was er jedoch eigentlich gerade hiemit meint, ist nicht recht ersichtlich, da er unbedenklich ursprünglich kurze mit ursprünglich langen Vocalen bindet (oft sogar stunt: stûnt; stat: stât; namen: nâmen u. s. w.), wie ein Blick auf jede Seite des Textes lehrt. Hesler erklärt dies noch für entschieden verwerflich. Bartsch denkt an Worte wie ›vrîen‹ und ›jên‹, die allerdings in den Handschriften als ›vrien‹ ›ien‹ erscheinen. Dieser Fall ist jedoch wohl zu selten, um das Aufstellen einer be­sonderen Regel zu erklären, welche ohnedem überflüssig wäre, da die Aus­sprache kaum einen Anhalt für den Reim gäbe. Daran, dass Jeroschin gegen ein Binden von Endsilben mit Wurzelsilben im stumpfen Reime spreche, ist auch kaum zu denken; wenigstens reimt er im stumpfen Reime lange Silben auf ursprünglich tieftonige und sein Verknüpfen langer Wurzelsilben mit kurzen im klingenden Reime lässt auf ein Verrücken der Verhältnisse des Tieftones überhaupt schliessen. — Dass die Reimzeilen, abgesehen von dem willkürlichen Auftacte meist nur um eine Silbe in der Länge differiren, ist allerdings bei un­serm Autor zu beobachten. Der Ausdruck, die Länge beruht auf der Zahl der Silben (diese ›hält‹ jene, Vers 247), soll eben nichts Neues lehren, sondern er­scheint fast nur wie eine Gleichung; 248, ist ein umschriebenes: ›das heisst‹, und nimmt dasselbe Wort aus der Dispositionsangabe in V. 241 zur Einzelaus­führung wieder auf. — Die eine Erklärung, welche Bartsch für die geforderte Gleichheit des Sinnes andeutet, dass die Wahl des Reimwortes gewissermassen von dem Sinne abhänge, also gewissermassen ein Ideennexus der reimenden Wörter gefordert werde, wie in der Alliteration bei ›Haus und Hof‹ u. s. w., be­friedigt wohl nicht. Weiter sagt er: »Indess könnte das Verschneiden des Sinnes bei Nicolaus von Jeroschin noch eine andere Bedeutung haben; es könnte sich

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nämlich auf die Trennung von zusammengehörigen Worten durch den Reim be­ziehen, wie sie hauptsächlich zwischen Adjectiven und Substantiven vorkommt«. — Jeroschin verlangt nämlich, als nähere Erläuterung zu jener Einheit des Sin­nes, man solle denselben nicht verschneiden, d. i. wie Zeug durch falsches Zuschneiden und Anordnen verderben. Vielleicht warnt er hier vor dem Ein­fügen eigentlich dem Inhalte fremder, durch ein zufällig sich darbietendes Reim­wort veranlasster Einschiebsel. Jedenfalls hat er sich hievon, was auch bei einer Uebersetzung höchst schwierig war, nicht ganz frei gehalten. — Weiter erlaubt er sich bisweilen, wie er sagt, zwei kurze Silben nach der Stuttgarter Handschrift auf eine lange zu stürzen, d. h. folgen zu lassen, als Senkung; nach den Handschriften zu Königsberg und Heidelberg (vgl. auch Karl Frommann in Mones Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1836. 4°. Karlsruhe. S. 82) für (›vor‹) eine lange zu ›stürzen‹, das wäre zusammenzudrängen, womit, da ihm die Hebungen Längen sind, weniger die Silbenverschleifung, z. B. bei ›haben‹ zu dem Werthe einer Silbe, gemeint wäre, als die aber auch sonst gestattete Umbildung von Wörtern wie ›segen, degen‹ zu ›sein, dein‹. ›Kegn, kein, kên‹ (= gegen) ist bei ihm sehr häufig. Jenes ›ûf‹ ist dem ›vor‹ wohl vorzuziehn. —

Wie sehr Jeroschin, der trotz seiner oben berührten bescheidenen Aeusse­rung (V. 302 ff.) doch die feste Zuversicht verräth, dass sein Werk gelingen werde (V. 320 ff.), die Sprache auch in Betreff der Fertigkeit im Reimen in der Gewalt hat, zeigen am besten die von Pfeiffer (S. XLIX f.) aus unendlich vielen ausgewählten Beispiele von Reimhäufungen; er hat dreimal 4, 5, 6, 7, ja 10 Mal, bis zweimal drei, bis sechsmal vier, zweimal fünf Gleichklänge hintereinander; in dem Schlussspruche der ursprünglichen Chronik (d. i. vor den Fortsetzungen der Stuttgarter Handschrift) folgen sich je vier Reime auf ›-ant‹, ›-ent‹, ›-int‹, ›-ont‹, ›-unt‹; ebenso p. 171 b. je vier Reime auf ›-arc‹, ›-erc‹, ›-irc‹, ›-orc‹, ›-urc‹. — Ohne bemerkbar grossen Zwang drängt sich ihm diese sprudelnde Fülle von Gleichklängen in die Feder. —

Der stoffliche Inhalt der Reimchronik hat bereits bei Gelegenheit des Ori­ginales von dessen Herausgeber die nöthigen Erläuterungen erhalten. Diese sind also stets bei der Benutzung zu Rathe zu ziehen. Es blieben nur noch ver­einzelte Bemerkungen nachzutragen übrig. Unter einigen Ergänzungen vor­nehmlich aus anderen poetischen Werken schien es besonders angemessen, in den Beilagen die wichtigen auf preussische Verhältnisse bezüglichen Stellen der livländischen Reimchronik anzufügen. —

Von älteren Handschriften, d. h. aus dem xiv. und xv. Jahrhunderte, sind bisher vier und ein Bruchstück einer fünften bekannt geworden (von Dusburg keine); von neueren Abschriften erwähnt Pfeiffer S. LXX »mehrere« und werden unten noch andere genannt werden.

1) S. Die Handschrift der königlichen Privatbibliothek zu Stuttgart, die älteste, vollständigste und beste. Sie ist auch die Grundlage der Pfeiffer’schen Arbeit. Auf dem vorderen Deckelblatte innen, auf welches ausserdem ein Pa­pierstreifen mit einer gleichzeitigen Notiz über die Tannenberger Schlacht (1410) aufgeklebt ist, steht von einer etwa dem Ende des xvii. Jahrhunderts angehöri­gen Hand geschrieben: »Dieses Buch habe ahn her Johan Stephan Khayl ver­kaufft. — Hanss Caspar Maienhofen.« Pfeiffer giebt an, dass die Handschrift an ihre jetzige Stelle aus der Deutschordensbibliothek zu Mergentheim gekommen sei. Schon der jetzt etwas unscheinbar gewordene Einband von carmoisinem Leder auf Eichenholz, welcher ehedem noch durch drei Spangen an jedem Deckel

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geziert wurde (im xvii. Jahrhunderte ist er mit einem neuen Rücken versehen), bereitet auf die prächtige Ausführung des Inneren vor. Jede Seite der 188 Perga­mentblätter in gross Folio, mit Ausnahme der letzten, ist innerhalb eines breiten Randes in zwei Columnen von je 38 Zeilen beschrieben, die Capitelüberschriften in rother Farbe. Jeder Anfangsbuchstabe einer Columne ist nach oben hinauf verlängert und zu sehr zierlichen und mannigfaltigen Formen stylisirt; auch der Anfangsbuchstabe jeder gewöhnlichen Zeile ist Majuskel, jedoch nur in der Grösse der Textschrift. Die Initialen der einzelnen Capitel und der in manchen derselben sich absondernden Abschnitte sind mit sehr eleganten, sich längs des Textes hin­ziehenden farbigen Verzierungen geschmückt, stets ein solcher blau mit rothen Schnörkeln, der folgende roth mit blauen. Der Anfangsbuchstabe der zweiten Columne auf Blatt 3, ein J, (Vers 331) erstreckt sich über die ganze Seite hin und ist sehr reich aber nicht sehr geschmackvoll mit einem grossen Vogel, Rankenwerk und Schnörkeln decorirt; ähnlichen Schmuck hatte, nach den Ueberbleibseln zu schliessen, das schon im xvi. Jahrhunderte (nach Pfeiffer LXXI beginnt eine Abschrift aus dieser Zeit auf dem königlichen Staatsarchive zu Stuttgart gerade mit Vers 145, also dem zweiten Blatte unserer Handschrift) aus derselben aus­gerissene erste Blatt. Eine Hand des xvii. Jahrhunderts hatte, glücklicherweise nur bis II, 5 hin, die Handschrift durch Beischreiben der Dusburg’schen Kapitel­überschriften nach Hartknoch’s Ausgabe und andere Bemerkungen zu verun­stalten begonnen. —

Die Handschrift ist von einem gleichzeitigen Corrector, der jedoch man­cherlei offenbare Versehen stehen liess, durchgesehen worden und gewiss kein Autographon des Autors, wie manche jener Irrthümer, z. B. auch Auslassungen von Versen, zeigen; gewiss ist sie aber noch im xiv. Jahrhunderte, etwa um die Mitte desselben, geschrieben worden. Während die übrigen Manuscripte, so­weit sie bekannt geworden, nur die Dusburg’sche Chronik bis III, 362 in der Uebersetzung enthalten und dann mit der Schlussrede endigen, ist dieser in dem Stuttgarter noch die Uebersetzung der zwanzig ersten Kapitel des Supple­mentes zu Dusburg und endlich noch eine wohl auch von Jeroschin herrührende Fortsetzung bis 1331 in zwei Kapiteln hinzugefügt, vielleicht ursprünglich deutsch gedichtet. Der Inhalt einiger Abschnitte daraus, in lateinischer Sprache, aber weniger vollständig und darum wohl als Auszug aus denselben aufzufassen, findet sich in einem höchst eigenthümlich compilirten annalistischen Werke zur Geschichte Preussens aus dem Anfange des xv. Jahrhunderts (1414 focht der Verfasser gegen Polen mit) in lateinischer Sprache, welches sich in einer merk­würdig entstellten Abschrift aus dem xvii. Jahrhunderte in dem Codex der her­zoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel Augustea 7. 11. fol. p. 171 ff. befindet.

Zur bequemen Vergleichung mit Pfeiffer’s Citaten sind die Seitenzahlen der Stuttgarter Handschrift neben dem Texte angegeben; die Columnen derselben durch die Buchstaben a bis d.

2) K. Die Handschrift der königlichen Bibliothek zu Königsberg Ms. fol. 1547, klein Folio auf Pergament, in ganz neuem Einbande, enthält 216 Blät­ter, indem die nur 213 zählende, im xvii. Jahrhunderte geschehene Paginirung drei Zahlen, 66, 93 und 95 doppelt hat. Auf ein kurfürstliches Rescript vom 23. Juli 1698 wurde sie dem Hof- und Legationsrath von Seidel in Berlin für eine Zeit lang zum Gebrauche überlassen, indem derselbe den Jeroschin mit Anmerkungen herauszugeben beabsichtigte. Er starb aber darüber; nach den Preussischen Sammlungen II, 65 hätte er die Recension druckfertig hinterlassen.

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Später benutzte Johann Leonhard Frisch die Handschrift in Berlin, welche in­dessen in das Staatsarchiv gelangt, erst im Jahre 1774 vom Geh. Legationsrath Oelrichs hier aufgefunden und auf Ansuchen des späteren Consistorialrathes Pisanski (s. dessen Entwurf der preussischen Litterärgeschichte I, 79 f.) der Königsberger Bibliothek wiedergegeben wurde und daselbst von späteren Be­arbeitern und Freunden der preussischen Geschichte vielfach benutzt worden ist. — Die Handschrift ist jünger als die Stuttgarter, gehört jedoch jedenfalls auch dem xiv. Jahrhunderte an. Obwohl bei weitem nicht so prächtig als jene geschrieben, sieht sie dennoch mit dem breiten, leider bei einem früheren Ein­binden schon etwas beschnittenen Rande sehr stattlich aus. Jede Seite enthält zwei Columnen zu 32 Zeilen. Das G zu Anfang und noch wenige andere Initialen sind mit mässiger Geschicklichkeit schwarz und roth ornamentirt. Die Ueber­schriften und die Anfangsbuchstaben der Kapitel sowie letztere auch bei den innerhalb der Kapitel gemachten Abschnitten sind mit rother Farbe geschrie­ben. An vielen Stellen finden sich die Ueberschriften und einzelne Buchstaben am Rande in schwächerer Schrift noch einmal vor; der Schreiber des Textes zeichnete sie sich dort auf, um, wenn er die rothe Farbe zur Hand genommen hätte, alle Ueberschriften auf einmal hintereinander schreiben zu können. An den übrigen Stellen ist die Vorschrift ausradirt worden. Auch die paginirende Hand des xvii. Jahrhunderts hat den Codex durch einige Randbemerkungen ent­stellt. Er ist von einem gleichzeitigen jedoch nach einem anderen als dem der Abschrift zu Grunde liegenden Manuscripte durchcorrigirt worden, wobei mehr­fach mit der Stuttgarter Handschrift übereinstimmende Lesarten entfernt wur­den. Die Ueberlieferung des Textes ist auch in der Königsberger Handschrift eine recht gute. Es wurde bereits oben erwähnt, dass dieselbe häufig, obwohl nicht durchgängig, wo die Stuttgarter dem verskundigen Leser das Verschleifen von Silben u. s. w. überlässt, dies auch graphisch ausdrückt, dass sie auch durch Ausfüllen der Lücken zwischen zwei Hebungen (›unde‹ statt ›und‹ u. s. w.) dem neu eindringenden Principe der Versbildung mehr Rechnung trägt, alter­thümlichere Formen häufiger durch die entsprechenden neueren ersetzt (›wer‹ statt ›swer‹); sie verdoppelt ferner öfter als die Stuttgarter die Consonanten nach kurzem Vocale. Zu ihren Eigenheiten gehört auch u. a., dass sie stets ›ken‹ schreibt, wo die Stuttgarter Handschrift kegn hat. Zur Probe sind bei den ersten hundert Versen alle irgend abweichenden Lesarten auch in Betreff der Orthographie, welche die Königsberger von unserem Texte bietet, angemerkt worden. Alle solche Abweichungen durch den ganzen Text hindurch vorzufüh­ren, würde wenig Gewinn gebracht haben; es ist nur eine Auswahl des Wich­tigeren, besonders das die Substanz der Wörter Angehende gegeben worden.

2 a.) Eine Abschrift der Königsberger Handschrift ist die auf der Stadt­bibliothek zu Danzig (Politische Geschichte, I, quarto E. 78) befindliche Papier­handschrift, welche Hanow zu seinem erwähnten Aufsatze aus der Bibliothek des Rathsherrn Valentin Schlieff, dem sie damals gehörte, leihweise erhielt. Schon das Wappen auf dem Einbande verräth den Entstehungsort. Der Titel lautet: »Preusch Cronica Nicolai ieroschin ein Caplan des xvi homeister hern Ditrich Burgraf von Aldenburg der ist gestorben 1341 iar wie sein leichstein auszweiset zu Margenburg in der gruft zu S. Anna Als ich selbs gesehen Jm 1560 Adi 24 und 25 Martii; der leichstein war 12 Schuh lang und {6{1/2}} schuh breit und gehet diese Cronica bis auf den xiiii homeister«. Die Schreiber sind der von Töppen (Historiographie S. 204) besprochene Christoph Falk und zwei

--- S. 301 ---

seiner Schüler. Falk sagt, er habe die Chronik den 8. November 1557 zu schrei­ben angefangen »aus der alten Pergamen grossen Cronick, so ich von F. (ürstlicher) Gn. (aden) Canczler zu leihen bequam a. 1557. Vollendet durch Michel Vos und Joachim Gros s. Alter im 12 Jahr und der andre im 13 jar Adi 16 Dec. in Ko­nigsbergk Kneiphoff Ihrem Praeceptor Christophori (!). Falconi zu Forderung 1557 und ist uber dieser Cronicka gleich {30{1/2}} tag geschriben worden« n°. {?V ZIFU} 16. — Die Handschrift, noch dazu häufig unverständig abgeschrieben, hatte für uns keinen Werth. —

3) B. ein halbes Blatt einer trefflichen Pergamenthandschrift aus der Biblio­thek Hoffmann’s (von Fallersleben) in die königliche zu Berlin gekommen, da­selbst Ms. germ. fol. 725, etwa vom Ende des xiv. Jahrhunderts. Jede Seite ent­hält eine Columne von 32 Zeilen, die eine entsprechend Stuttg. S. 136 d ›daz wirt uns ungelucke‹ bis 137 a ›und slugin in der zit‹ die andere S. 137 c ›do wart so luyte ir gebrach‹ bis ›ein mechtig her, da mit er quam‹. —

4) Im Jahre 1572 besass Melchior von Lesgewang eine Pergamenthand­schrift des Nicolaus von Jeroschin. Caspar Hennenberger (1561—1590 Pfarrer in [Preussisch] Mühlhausen) bemerkt in einem seiner Collectaneenbände, welche sich jetzt auf der Danziger Stadtbibliothek befinden, daselbst I. E. folio 17, »1572 aus eynem alten Exemplar auf Pergament geschrieben, den edlen Melchior Leszgewang gehorig, diesen Auszugk gemacht.« Hennenberger’s Auszug, Bl. 1—63, z. Th. prosaisch, z. Th. in verderbter modernisirter Schreibung Verse des Ori­ginals enthaltend, endet mit dem Baue von Gilgenburg, wonach ›finis‹ steht, bis wohin also die alte Handschrift auch ging. Die Schlussrede, welche für den Epitomator kein historisches Interesse hatte, wird darin nicht gefehlt haben. Bei der guten Ueberlieferung durch die oben genannten Handschriften durfte von Hennenberger’s Arbeit abgesehen werden. —

5) H. der Sammelband der Universitätsbibliothek zu Heidelberg fol. 367, von Pergament, in Schweinsledereinband aus dem xvii. Jahrhunderte, enthält auf S. 1—172 b. die Reimchronik des Jeroschin (auf S. 192—265 b. die livländische Reimchronik von anderer Hand). Die Handschrift gehört etwa der Mitte des xv. Jahrhunderts an. Jede Seite umfasst zwei Columnen von je 40 Versen. Die abwechselnd roth und blauen Initialen am Anfange der Kapitel und sonstigen Abschnitte sind sowie der Inhalt der roth geschriebenen Kapitelüberschriften am Rande dem Rubricator vorgeschrieben. Der Rand ist beim Einbinden stark beschnitten. — Die Handschrift giebt schon eine schlechtere Orthographie als die oben genannten: ›cz‹ statt ›z‹; statt ›kumin‹, ›disin‹u. dgl. zieht sie die gebro­chenen Formen ›komin‹, ›desin‹ u. s. w. vor, schreibt meist ›er‹ für ›her‹ und um­gekehrt in niederdeutscher Weise, wie sie auch ›da‹ und ›do‹ confundirt; statt ›ofte‹ giebt sie ›ufte‹ u. dgl. An sinnlosen Lesarten, aus der Flüchtigkeit des Abschreibers entstanden, ist kein Mangel, welche alle anzuführen, besonders wo der lateinische Urtext den Massstab für die Beurtheilung der richtigen gab, zwecklos gewesen wäre. In dem Bestreben, auch wie die Königsberger Hand­schrift einen regelmässigen Wechsel von Längen und Kürzen herzustellen, be­wirkt sie manchmal andere Resultate. Uebrigens ist ihre Verwandtschaft zu derselben weit grösser, als zu der allen übrigen gegenüberstehenden Stuttgarter. — Eine moderne, nicht sehr genügende Abschrift der Heidelberger Handschrift befindet sich auf der königlichen Bibliothek zu Berlin Ms. Borussica folio 303. —

6) D. Die Papierhandschrift der königlichen Bibliothek zu Dresden in Kleinfolio, Ms. G. 38 a., in neuem prächtigem Ledereinbande. Sie ist im Inneren

--- S. 302 ---

vorne und hinten stark durch Wurmfrass angegriffen. Auf dem oberen Schnitte ist die Marke {?VZIFU} eingebrannt. Bis 1832 befand sie sich auf dem k. Archive zu Dresden. Sie enthält auf 425 Seiten, wovon die letzte nur zum vierten Theile beschrieben ist, die Chronik, wiederum ohne das Supplement. Die Seite ent­hält je zwei Columnen von 33 Zeilen von einer Hand aus der Mitte des xv. Jahr­hunderts. Die Ueberschriften der Kapitel sind wie die Anfangsbuchstaben der­selben und der Abschnitte innerhalb der Kapitel mit roth geschrieben; der Anfangsbuchstabe jedes Reimpaares ist roth durchstrichen. Das G in Vers 1 ist reich mit Gold, aber etwas roh gemalt. Die Blätter des ersten Custoden sind verbunden. Auf dem Vorstossblatte steht in Handschrift des xvii. Jahrhunderts: »Bruder Peters von Duisburg Preussische Chronika so durch des Hochmeisters Capellan Nicolaus von Geroschin in Teutsche Verse übersetzet« und darunter eine sehr rohe Zeichnung in Umrissen, welche einen deutschen Ritter zu Ross darstellen soll. Die Handschrift ist jedenfalls aus derselben Quelle als die Hei­delberger geflossen, mit der sie sehr auffällige Fehler und Auslassungen gemein hat. — Die Sprachformen und die Schreibart der Dresdner Handschrift sind in hohem Grade verderbt; zudem hat sich eine Fülle von geradezu sinnlosen Lesar­ten eingedrängt. Die Vocale ›î‹ und ›û‹ treten bereits durchweg in dem späteren, aus Oestreich stammenden Gewande der Diphthongisirung auf, ›ei‹ und ›au‹; statt ›ei‹ steht ›ai‹, statt ›ou‹—›au‹, statt ›z‹—›cz‹, statt ›b‹—›p‹ (z. B. ›pischolf‹), statt ›ch‹—›qu«, überhaupt alles östreichische Eigenheiten; statt ›ôt‹ steht ge­wöhnlich ›halt‹.

7) Eine Handschrift, welche Herr Ottmar Schönhuth zu Edelfingen im Königreiche Würtemberg besitzt, ist 1601 von dem Deutschordensritter Caspar von Flachsland, nach einer, wie letzterer mittheilt, lange verborgenen Hand­schrift, die in seine Hand gekommen, geschrieben (›renovirt‹). Wir konnten leider keine nähere Auskunft über dies Manuscript erhalten. Nach Schönhuth (im Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters 1858 Nr. 10. October. S. 332 ff.) besteht es aus 273 Blättern in Folio, in zwei Spalten mit je 30—32 Verszeilen beschrieben. Der Text steht auf 1—255; ein Register folgt auf funf­zehn Blättern. Der Text ist in dem alten Dialecte abgeschrieben. Die gereimte Ueberschrift des Registers, die ersten 46 Verse und eine Nachrede des Ritters von Flachsland gleichfalls in Versen sind a. a. O. bis 335 abgedruckt. —

Aus welcher älteren Handschrift die Münchener (Cod. Germ. 233, nach dem Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde I, 421 früher: P. 228) vom Jahre 1702 hervorgegangen sei, vermögen wir nicht anzugeben. —

Neben der guten directen Ueberlieferung durch Handschriften ist die oben S. 11 f. angeführte für Johann Długosz gemachte auszugsweise Rückübersetzung ins Lateinische ohne Werth. Das Manuscript, worin sich dieselbe befindet, ge­hörte der Familie Schottendorf in Thorn und kam von dieser an die Strobande da­selbst. Oberflächlich beschreibt es Peter Jaenich, Notitia bibliothecae Thoruniensis (in der es sich dann befand) in Georg Peter Schultz Gelehrtem Preussen. Thorn 1723. II, 223 f. Dass Jeroschin, wie Schultz selbst a. a. O. I, 17. 1722 nach ungenauer Kunde von diesem Manuscripte annahm, neben der Uebersetzung noch eine lateinische Chronik von Preussen geschrieben habe, bedarf bei der leicht ersichtlichen Entstehung dieser Vermuthung keiner besonderen Wider­legung. Die Handschrift, später durch Dr. Lucas im Bernhardinerkloster zu Thorn aufgefunden, kam dann in das k. geheime Archiv zu Königsberg. —

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--- S. 303 ---

KRONIKE VON PRUZINLANT.
1[1 a]    Got vatir, sun, heiligir geist,
2gewaldis, wîsheit, gûte meist
3dû hâst ob allen dingin.
4Âne dich volbringin
5mac sich keinrehande schaft.
6In gotlîchir meistirschaft
7himil, erde, meris trân
8unde swaz bevangin hân
9dî drî, mit wesins pflichte
10von nichte dû zu ichte
11gar gewerdin lîze,
12iz swebe, lige, vlîze,
13vlîge, loufe, swimme,
14krîche, slinge, wimme1;
15swaz ôt ist crêatûre,
16gehûre und ungehûre,
17weglîch unde unweggelîch,
18reglîch unde unreggelîch,
19dem hât dîn trinitas gegebin
20urhab, wesin unde lebin.
21Dir, vatir, ist benant gewalt,
22dir, sune, wîsheit zûgezalt,
23gûte dir, heilgem geiste,
24in gotlîchir volleiste.
25Dî drî persônen unzuslitzt
26sîn ein got gotlîch vorvitzt2,
27ûz dem, durch den, in dem ursprinc
28genomin habin alle dinc.
29Got vatir mit gewalt urhab
30[1 b]    allin crêatûren gab;
31got sun in gotlîchir wîsheit
32mit wundirlîchir undirscheit
33sî bildit unde formit;
34got heiliger geist sî normit
35in der nâtûren grûte3.
36Daz zimit gotis gûte.
37Sus alle geschaft volkomen stât
38von dir, ô vrône trinitât,
39in wunderen gar âne zil,
40wer iz rechte merkin wil.
41Unde ob al den wunderen
42hâstû dir besunderen
43nâch dînes râtis milde
44in einer volge bilde
45den menschin glîch getirmet4
46und des vornumft bevirmet5
47ob sîner arte grâdin
48mit sibinvaldir gnâdin,
49dî dîn geist îngeistit
50und allen menschen leistit
51mit sîner gâbin undirscheit
52iclîchem, swî daz im beheit
53und er dî herze lûtir weiz.
54ôwê, nû hât der sundin eiz
55bevlochtin mîner sêle gadim,
56daz des sûzin geistis âdim

--- S. 304 ---

57von mir lenkit sîne kumft,
58dâ von ich stumpf bin an vornumft
59unde tummir denn ein vî.
60Des bîg ich mînes herzin knî
61dir, vil mildir got, mit vlê,
62daz dû von allir sundin wê
63mîn armiz herze heilis
64unde an genâdin geilis
65durch dîner tuginde gebot.
66Berûche mich, getrûwir got:
67[1 c]    der vatir sende mir dî macht,
68daz iz werde vollinbrâcht,
69des ich hî gedenke;
70des sunis wîsheit lenke
71mîne cranken sinne,
72daz ich vornumft gewinne;
73ô sûzir geist, dîn gûte
74dî sêle mîn durchvlûte
75mich waschinde von erge,
76daz ich dir ein herberge
77muge sîn nâch dînre lust.
78Bewone, hêrre, mîne brust
79mich sêliclîch irlûchtinde
80und an genâdin vûchtinde;
81gib mir wâre wîse wort,
82daz dich mîner zungen ort
83gelobe mit getichte,
84dar ûf ich mich hî richte,
85alse mir gebotin hât
86des gebot mir obe stât!
87Zeichin unde wundir hôt1
88›getân bî mir der hôe got;
89›des wil ich sîne zeichin blôz
90›predigen, want dî sint grôz,
91›und kundin sîne wundir,
92›want sî sint starc besundir‹:
93Dise wort sprach dâ bevor
94kunic Nabochodonosor,
95dô er Daniellen
96mit sînen gesellen
97hîz werfin in den koven
98des gar gluenden oven,
99der ubir rechte gewonheit
100zu siben mâlen was geeit,
101daz ûz sich gôz des fûirs lô
102nûn und vîrzic ellin hô
103und vorbrante gar dî dît,
104dî vor des ovens eiten rît,
105und dî jungelinge drîe
106mitten in dem oven vrîe
107bliben allir brunst sô gar,
108daz wedir lîb noch kleit noch hâr
109dî glût an in vorterbete
110und roch nicht intverbete.
111Und dô der kunc daz wundir sach,
112dî vorgeleitin wort er sprach:
113›Got hât zeichin grôz getân
114[1 d]    ›und wundir starc bî mir begân.‹
115Dî selbin wort wol eigintlîch
116von Aldinburc brûdir Dîterîch,
117des dûtschin ordins hômeistir,
118mac sprechin, sint ein reistir
119gevurstent er in dirre vrist
120der lande dâ zu Prûzin ist:
121›Zeichin unde wundirtât
122›der hôe got begangin hât
123›bî mir in Prûzinlande
124›in schichtin manchirhande
125›an mînes ordins kindin,
126›den brûdrin, dî vor swindin
127›nôtin ofte hât irlôst
128›sîn vil zeichinlîchir trôst
129›in des ovens getwenge
130›gehôrsamlîchir strenge,
131›der in was sibinwerf geeit
132›mit sibinvaldir jâmirkeit.
133›Hitze, vrost, durst, hungirsnôt,
134›wundin, bant, den bittrin tôt
135›dem oven sî inmitten
136›durch got mit willen litten,
137›alsô daz ir menlîchir mût
138›in der mertirlîchin glût
139›nî wart vorsêrt mit ungedult;‹
140(als ir hernâch hôrin sult,

--- S. 305 ---

141wil got, daz wir gereichin
142zu der materien zeichin).
143Dî zeichin grôz, dî wundir starc
144›der vorgezzinheite barc
1452 a    ›nicht sol drucken undir.
146›Ich wil gotis wundir
147›predgen unde machin kunt
148›durch mînes capellânis munt,
149›want gotis wundirbêre werc
150›sol man nicht legen in vorberc‹
151mac jên der vurste wîse;
152und in der selben wîse
153warf er mir vor der crônken bûch
154von Prûzin, dî des prîstirs rûch1
155brûdir Pêtirs von Dûsburc
156vor etslîchir jâre schurc
157beschribin hatte zu latîne,
158und hîz dî sinne mîne
159mich darûf arbeitin
160unde in dûtsch bereitin,
161ûf daz er sus bedûten
162mug allen dûtschin lûten
163dî wundir unde zeichin gots,
164dî nâch gûte sîns gebots
165in Prûzinlande sîn geschên,
166und wâ man ir hôrt vorjên,
167daz sich dâ gote mêre
168lob, wirdekeit und êre.
169Der arbeit durch den werdin man
170ich mich angenumen hân
171und wil durch sîner gunst bejac
172sî volbrengin, ob ich mac;
173darumme, swer dâ lese
174diz bûch, daz im der wese
175zu wunschin heilis hî gereit
176und dort êwigir sêlikeit.
177Nîman mich hî vordenke,
178daz ich dî rede lenke
179brûdir Dîtirîche zû,
180der hômeistir wesit nû,
181want ich daran rechte tû.
182Ich weiz, iz ist gnûc lûten kunt,
1832 b    daz ich hatte vor der stunt
184ouch zu tichtene begunt
185bî meistir Lûdêre
186(sô got sîn sêle nere!)
187diz bûch durch sîne bete
188und des geschriben hête
189quinternen mê wen vîre,
190dî von dem argen tîre
191vortilgit wurdin, goteweiz!
192daz Josêphis roc zureiz.
193Dâvon, swaz ich nû mache,
194des ist gar ein sache
195der hômeistir Dîtirîch.
196Nû sol ich ouch hî nennen mich,
197zwâr nicht in rûmis gere,
198want ich des gerne impere,
199sundir durch dî geschichte,
200ob îman mîn getichte
201ansprêche, daz iz wêre tum,
202valsch, unglîch, sinnes krum,
203daz des in mîme namen ich
204schuldic stê, nîman vor mich.
205Darum wil ich mich kundin.
206Ouch nenn ich mich den vrûndin,
207daz sî nû durch vrûntlîche gir
208gerûchen heilis wunschin mir,
209daz ich diss bûchis lenge
210vornumfticlîch volbrenge,
211daz iz werd gezême,
212prîslîch und annême
213gote, Marîen und dem meistir,
214dem ich diss dînstis bin ein leistir
215und êwîclich im undertân
216wesen sol ein capellân;
217und daz des wirdic mug ich sîn,
218Nicolaus von Jeroschîn,
219des hilf mir, got vil gûtir,
220und dû, meitlîche mûtir!
2212 c    Wol bescheiden anbegunst
222ist des bûchis halbe kunst;
223und dâvon, swer dâ tichte,
224der hab des vlîzis pflichte,
225daz er vor dem beginne
226dî materie besinne,
227dâ sîn wille sich ûf treit,
228unde mit intscheidinheit
229sî teilinde zulitte2
230nâch predigêris sitte,

--- S. 306 ---

231der sîn rede in stucke schicht,
232ê er von der materien icht
233endehaftis spreche,
234unde nicht vorbreche
235der lidir ordenunge.
236Ouch des tichtêres zunge
237an der materien strâze
238sol dî rechte mâze
239behalden an den rîmen,
240glîch zu glîchim lîmen
241an lenge, sinne, lûte,
242daz ich alsus bedûte:
243vil wort man glîche schrîbit,
244der luit unglîch sich trîbit;
245sulch rîmen sol man mîden,
246den sin ouch nicht vorsnîden;
247dî lenge helt der silben zal:
248dar undir man ouch merken sal,
249daz vumf silben sîn zu kurz,
250zêne hân zu langen schurz;
251zwischin den zwên endin
252rîmen dî behendin,
253dî bûchir pflegin tichtin,
254und darnâch sal ich richtin
255mich an diss getichtis vart.
256Dî crônke teil ich in vîr part:
257zum êrstin wil ich sagen,
258von wem, in welchin tagen
2592 d    und wî von êrst sî wordin
260des dûtschin hûsis ordin.
261Daz andre teil ûch machit kunt,
262in welchir wîs, zu welchir stunt
263des dûtschin ordins brûder sîn
264zu Prûzinlande kumen în.
265Sô wil ich kundin an dem dritten,
266wî urlougit und gestritten
267mit der gotlîchen helfe craft
268widir dî vreise heidinschaft
269dî dûtschin brûdir in Prûzinlant
270hân, als ich geschriben vant
271und ein teil selbe hab gesehen.
272Daz vîrde teil sol ûch vorjehen,
273waz pêbist und keisir hân
274gerîchzit, sint daz êrst began
275des dûtschin ordins wesin;
276darin sô wil ich lesin,
277waz in iris lebins zît
278in der werlde manchirsît
279sîn vremdir schicht getriben,
280als ich dî vant geschriben.
281Daz wirt diss bûchis vîrde part.
282Nû ist mîn sin darûf gekart,
283daz ich daz teil wil mischin
284den andren teilen zwischin
285inhant der rede ein stucke
286vlechtinde in ein lucke,
287swâ daz ich dî gelege
288gevûclich noch gewege1,
289sô daz diz und gene mêr
290sich irvolgen î gewêr
291an der zal der jâre.
292Sus ist ûch offinbâre
293wurdin der materien stîm2.
294Ouch ich diss getichtis rîm
295ûf dî zal der silben zûne,
296sechse, sibene, achte, nûne;
2973 a    bîwîlen ich zwû kurze
298ûf eine lange sturze,
299und mîn rîm werdin gebuit
300an dem ende ûf glîchin luit,
301nicht velschinde der rede sin.
302Und want ich tummer sinne bin,
303meisterlîcher kunste wan,
304darzû lutzil dûtschis kan,
305ôt alse mich dî larte,
306der spune mich ê narte,
307dâvon ouch umbesnittin
308nâch hovelîchin sittin
309mînes mundis lippen sîn
310und an sprechin nicht sô fîn
311als in sîner schichte
312eischit diz getichte,
313des darf ich gûtis heilis wol,
314ob ich diz bûch volbrengen sol.
315Darum ich armer schrîe
316an dich, sûze Marîe.
317Ô mûtir, dich mir bîe
318und hulfe mich gezwîe3,

--- S. 307 ---

319als ich dir wol getrûwe!
320Ô vullemunt der trûwe,
321ûf dînen trôst ich bûwe:
322ich weiz dich sô getrûwe,
323daz ich gar bin zwîvils ân,
324dunmûzis mir bîgestân!
325Lâ sên, joch tarst dû mich vorlân! —
326Der trotz in hoffen ist getân
327dir, milde kuniginne;
328nû bis mîn leitirinne,
329want dir zu lobis winne
330diss bûchis ich beginne.

[Dusburg I, 1.]

3313 b    1In dem lobesamen
332unsers hêrrin namen
333sprechit allintsamen,
334dî diz hôrin: Âmen.
335Dô vorgangin wârin gar
336tûsint unde hundirt jâr
337in dem nûnzigstin vorwâr      [1190
338nach deme, daz dî meit sô clâr
339Cristum brâchte an gebort,
340in den zîten, dô aldort
341dî stat Akirs was belegen
342von der cristnenlûte wegen,
343den sî ouch in der selbin vart
344von gotis hulfe widir wart
345ûz den hendin der heidin
346nâch manchis sturmis vreidin;
347dâ wârin in der cristnen her
348ouch sô hin kumen ubir mer
349sumelîche burgêre,
350dî dâ vil minnenbêre
351andâcht zu gote hêtin.
352Sî wârin von den stetin
353von Lubek und von Bremen.
354Dî lîzin sich gezemen,
355daz sî an begondin sêhn
356und in mitlîdunge spêhn
357gebrechin grôz und ungemach,
358daz man dî armen sîchin sach
359lîdin in den zîten
360an der Dûtschin sîtin.
361Und als dî irbarmindin man
362griffin sî mildeclîchin an
363der barmeherzekeite amt
364unde stiften dâ intsamt
365ein spitâl ûf dem velde
366undir irme gezelde,
367daz von eime segle was
368einis koggin, als ich las,
3693 c    darîn dî sîchin wurdin brâcht,
370den sî mit dêmût und andâcht
371dînstis wârin dâ gereit;
372und in barmherzikeit
373schûfin sî in und gâbin
1) Zu dem Inhalte der von Jeroschin ausgelassenen Vorrede des Dusburg vor Buch I, o. S. 24 f. be­merke man noch das Folgende; vgl. auch u. V. 1080 ff. Der Name Romanien umfasst Achaja, Mittelgriechenland und die umliegenden Inseln. — Der deutsche Orden erhielt, als 1209 auf dem Parlamente zu An­dravida die Lehne des neugeschaffenen Fürstenthumes Achaja vertheilt wurden, wie die Johanniter und Templer, eine Baronie, nämlich vier grosse Lehne in der Castellanei Kalamata, dem eigentlichen Kron­lande der neuen französischen Fürsten von Achaja. Der Praeceptor von Romanien residirte in Mostenitza; die Besitzungen (darunter auch viele Klöster) erstreckten sich mit der Zeit bis zu dem venetianischen Modone und Korone, bis auf Negroponte und wohl auch bis Athen. Die Comture spielen in der Ge­schichte des Landes eine ziemlich erhebliche Rolle. 1432 bemächtigte sich der griechische Despot von Morea, Thomas Palaeologus, Schwiegersohn des letzten fränkischen Fürsten von Achaja, der Deutschordensbesitzungen in Morea. Nur in Modone bestand wohl bis zur Eroberung durch die Tür­ken 1500 noch ein Deutschordenshaus, das deutsche Pilger, welche zum heiligen Lande reisten, auf­nahm (erwähnt wird es noch 1484). — Die o. S. 25, Anm. 4 erwähnte Ernennungsurkunde des Johann von Scherwen im D. O. archiv zu Wien (früher in Altenbiesen) ist vom 14. Septbr. (Kreuzeserhöhung) 1337 aus Marienburg während des Generalcapitels datirt. S. den Abschnitt: ›Der deutsche Orden in Griechenland‹, in Karl Hopf, Veneto-Byzantinische Analekten, Wien 1860, S. 5—16 (aus dem Novem­berhefte vom Jahre 1859 der Sitzungsberichte der k. k. Akademie der Wissenschaften, XXXII, 367— 378), worin u. a. urkundliche Nachrichten aus den Archiven zu Venedig, Turin und Wien benutzt sind. — In dem Copiarium des Deutschen Ordens im kgl. Staatsarchive zu Berlin, Ms. fol. I. C. 12, befinden sich 22 Urkunden über die Vereinigung des dem Deutschorden von Gaufrid II. von Villehar­douin, Fürsten von Achaja, geschenkten Hospitals S. Jacob de Andrevilla mit ersterem aus den Jah­ren 1237—1241. — Unter Armenien ist Kleinarmenien oder Hormenien, d. i. Cilicien, zu verstehen; s. Wilbrand’s von Oldenburg Reise nach Palästina und Kleinasien, lateinisch und deutsch mit erklä­renden Anmerkungen und einer Biographie des Verfassers herausgegeben von J. C. M. Laurent, Ham­burg 1859, 4°, S. 73, vgl. auch Detmar lübische Chronik ed. Grautoff I, 123 und O. Abel, König Philipp der Hohenstaufe, Berlin 1852, S. 34 und 317. Im Jahre 1212 berührte Wilbrand von Oldenburg, Dom­herr von Hildesheim, (1226—1227 Bischof von Paderborn) in Cilicien auch die Schlösser des deut­schen Ordens ›Cumbetefort‹ und ›Adamodana‹ (wohl gleich Amuda). Letzteres, sagt er, habe König Leo, ›qui semper Alemannos dilexit‹ dem Orden ›pro remedio anime sue‹ geschenkt. Ausserdem ist in dem erwähnten Cod. dipl. p. 16 noch eine päbstliche Bestätigung über Schenkungen der arme­nischen Könige erhalten, nämlich von Innocenz III., d. d. 1213 25. Februar, Romae apud S. Petrum.

--- S. 308 ---

374mildeclîch von iren habin,
375dî in beschert hatte got,
376swes in durft was unde nôt.
377Sî nâmen daz zu sinne,
378daz in der tât der minne
379wirt an eim iclîchin
380armen adir sîchin
381intpfangin unsir hêrre Crist,
382der an des gerichtis vrist,
383sô sich jâmir grôz irbirt,
384vil lîblîchen sprechin wirt
385zu den zur zeswin sîten:
386›Kumt, ir gebenedîten,
387›besitzt mîn rîche êwiclich!
388›Mich hungirte, dô spîst ir mich;
389›ich was durstic unde nakt,
390›dô trenktit ir mich und dakt;
391›ich was sîch, ir pflâgit mîn. —
392›Ô hêrre, wâ hân wir dich sîn
393›gesêhn in den gebrechin?‹
394Sô wirt er zu in sprechin:
395›Vorwâr ich ûch daz sage,
396›dô iz mit mildir pflâge
397›dêmûticlîch von ûch irschein
398›an mînir minstin brûdre ein,
399›dô geschach iz mir vil gar.‹ —
400Nû sêt unde nemit war,
401wî Crist dî armen krankin hât
402und alle, dî dâ sîn vorsmât,
403sîne brûdere genant,
404daz wol wêrlich ist irkant,
405wan in menschlîchir mittewist
406er unser vleisch und brûdir ist.
4073 d    Nû sprichit sente Paulus
408der wîse lêrer alsus:
409›Ich habe pflanzin gesazt,
410›dî hât Apollo genazt;
411›abir got hât mit genucht
412›sî tûn wachsin zu der vrucht;
413swî an den wortin sich entslûzt,
414daz ›noch der, der dâ begûzt,
415›noch der dâ pflanzit, sullin icht
416›zu achtene sîn in der geschicht,
417›sundir der alleine ôt,
418›der daz wachsin gibit, got.‹
419Doch sol menschlîch vlîz sich wegin
420darûf, daz er rûche pflegin
421der pflanzin, dî in nûwir stift
422brengin rîchir vruchte gift
423und hernâch in rîfin tagin
424rîchir vrucht gelobin tragin.
425Darum dî vursten und dî hêrn,
426dî zu dînste und zu êrn
427gote dâ gesament wârn
428in des cristenheris scharn,
429als der werde patriarke
430der Jerusalêmschin marke
431und dî erzebischove dâ
432von Tirô, von Cêsareâ,
433von Nazarêth der dritte;
434und dî bischove dâmitte
435von Akirs und von Bethlêm,
436kunc Henrîch von Jerusalêm
437und sîner man ein grôze zal;
438der meistir ouch von dem spittâl
439des ordins sente Johannis;
440darzû der meistir vil gewis
441des ordins von dem tempil
442und ir beidir brûdre vil.
443Ouch man aldâ irkande
444ûz dem heiligin lande
4454 a    manchin grêvin, der dâ was,
446hêr Râdulf von Tiberias
447und sîn brûdir hêr Hûgô,
448hêr Johan von Ebelinô,
449von Cêsarîen hêr Eimar,
450hêr Rainalt von Sidon vorwâr
451und manch andir hêr êrlîche
452ûz Jerusalêm dem rîche;
453und ouch von dûtschin landen vil
454grôzir hêrren, dî in dem zil
455dar hatte brâcht der gotis rât:
456ein erzebischof hîz Conrât,
457der dâ zu Mênz des stiftis wîlt,
458und bischof Conrât, der dâ hîlt
459zu Wirzeburc den stûl gewêr
460und was benant ein kenzelêr
461ûf des rômischin rîchis hof;
462her Volkêr von Pazzow bischof;
463von Halbirstat bischof Gardolf,
464darzû von Zîz der bischolf,
465dî alle in den jârin
466durch got dar kumin wârin,
467und an geburt manch vurste clâr,
468dî kein den heidin nâmen war
469urlougis mit strîtlîchir hant.

--- S. 309 ---

470Dî vurstin wârm sus genant,
471als wir recht vornumen habin,
472herzoc Friderîch von Swâbin,
473dâswâr ein hêrre lobelîch;
474und ein vurste hîz Heinrîch,
475adilis und tuginde glanz,
476der was grêve der pfalanz
477an dem Rîne dâ genant
478und von Brûnswîc herzog irkant;
479ouch herzoge Friderîch
480ein vurste grôz von Ôstirrîch,
481und herzog Henrîch von Brâbant,
482der dem here vorgenant
4834 b    was gesazt ein houbitman;
484und ein vurste hîz Herman,
485pfalanzgrêve dâ zu Sachsin
486und an hêrschaft baz gewachsin,
487want er ouch lantgrêve was
488zu Duringin, als ich las;
489von Brandinburc marcgrêv Albrecht
490ein vurste creftig und gerecht;
491und ein hêrre vil genende1,
492der hîz Heinrîch von Kalende
493und was marschalc des rîchis dô;
494von Landisberc der marchiô,
495der hîz Conrât, sus las ich,
496und marcgrêve Dîterîch
497von Mîssin, als ich daz vornam.
498Dise hêrrin allintsam,
499dî ich genant habe nû,
500ouch grêvin, hêrrin vil darzû
501unde manig edil man,
502der ich allir nicht inkan
503bî namen ûch geoffinbârn,
504dî in dem selbin here wârn,
505dî sâhin sundir lougin
506mit irbarmenden ougin
507diss spitâlis pflanzunge
508sô nûwe und sô junge
509in gar bezîtir trechtikeit
510brengin vrucht der sêlikeit
511etslîchir mâze und daran
512hoftin sî des sundir wân,
513sô von gotis mildir gift
514gewûchse baz daz selbe stift
515und sîne zwîg irstrecte wît,
516iz wurde in kumftigir zît
517brengin ummêzlîche vrucht
518in gar rîchis nutzis tucht.
519Dâvon wart al der hêrrin rât
520mit beger darûf gesat,
5214 c    daz herzoge Friderîch
522von Swâbin undirwunde sich
523der sachin und benente
524botin, dî er sente
525nâch zimelîchir achtperkeit
526dem kunge hôhir lûtirkeit
527sînem brûdre Henrîche,
528der daz rômische rîche
529dô besaz und sint der vart
530der sechste keiser Henrîch wart,
531daz er dî sache tribe vort
532und an dem pâbest irwurbe dort,
533daz er mit stiftunge
534und bestêtigunge
535gerûchte widemen zuhant
536daz nûwe spittâl vorgenant.
537Dô dî botschaft vollingînc,
538der pâbist williclîch gehînc
539der reinen hêrrin bete,
540dî ir begirde hête
541an in gewant sô zimelîch
542unde stifte mildeclîch
543daz spittâl, dem er ebin
544gab des ordins lebin
545des spittâls sente Johannis
546als iz zu den sîchin is
547und armen pflegelîch gehaft.
548Ouch gab er im dî rittirschaft
549nâch des tempils ordin.
550Sus dî zwei lebin wordin
551dem spitâle vorgenant
552von dem pâbeste benant
553und in gotis namen
554bestêtigit intsamen.
555Des spitâls brûdrin beschît
556der pâbst ouch sulchin abît:
557sî soldin wîze mentil hân
558und swarze krûze dran.
559Ouch sô gab er dem spitâle
5604 d    dî vrîheite alzumâle,
561dî mit genâdin undirscheidin
562den êrbêrin ordin beidin
563des spitâls sent Jôhannis

--- S. 310 ---

564und des tempils vil gewis
565von den pêbistin wârin
566gegebin vor den jârin,
567daz ir daz spitâl vorgeseit
568gebrûch in allir nutzberkeit
569als gene ordne beidintsam;
570wan iz was wol wirdesam
571deswâr unde billîch,
572daz dî an genâdin glîch
573pêbistlîchir gâbin
574iz ouch soldin habin,
575dî an tugintlîchir tât
576woldin haldin glîchin grât.
577Sus wart bestêtigt und gestift
578und mit vil privilegien gift
579gewidmit und gemachit rîch
580der werde ordin rittirlîch
581der brûdre des spitâlis,
582daz sente Marîen is
583des dûtschin hûsis genant
584von Jerusalêm irkant.
585Diz ist der vil zarte
586irwelte wîngarte
587des hêrrin von Sabbaôt,
588den dû, Criste, sûzir got,
589has gestiftit und irlesin
590und bis sîn leitsman gewesin.
591Dû snit abe sîne sturziln
592und pflantztis sîne wurziln;
593des hât er lusticlîche
594irvullit daz ertrîche.
595Darnâch tructis dû in vort
596in daz lant zu Prûzin dort
597unde zu Lîflande,
5985 a    darûz dû manchirhande
599heidin has vorwurfin sâ
600und pflantztis in aldâ.
601Alsus hât er vil ebin
602gestrackit sîne rebin
603in gar wunniclîchir kêr
604manchirwein unz an das mer
605und bis an des wâgis vlût
606sînen zwîc in sûzir blût.
607Dise werde rittirschaft
608der bestêtigunge craft
609nicht allein intpfangin hât
610ûf erdin von der lûte rât,
611sundir got der rîche
612hat ouch in himelrîche
613sî bestêtigit und geprîst
614und an figûren vil bewîst.
615Wir lesin unvorborgin
616in den aldin histôrgin,
617daz der gûte Abrahâm,
618der grôze patriarch, ûznam
619sîner knabin gesundirt
620wol achzên und drîhundirt,
621mit den er an dî heiden reit
622und umme sînen brûdir streit,
623den sî gevangin hattin, Lôt,
624und irlôst in ûz der nôt
625und dî mit im gevangin wârn
626von den heidenischin scharn,
627den er den sic dô abeslûc.
628Und dô sîn wec sich widir trûc
629zu hûse von des strîtis dram,
630Abrahê inkegin quam
631Melchisêdêch, der, als ich las,
632ein kunic und ein prîstir was,
633und im dâ zu prisande
634brôt und wîn benande
635und bat sîn immir pflegin
636des allirhôstin gotis segin,
637in des schirme er ubirwant
638dî vîende gar mit sîner hant;
639und alsus von der selbin zît
640begondin rittirlîchin strît
641dî geloubinden mit vreidin
642zu ûbne kên den heidin.
643Ouch kuntte dô der heilige geist,
644mit welchir gunste volleist
645der, der dî obirste stat
646in der gots ecclêsien hât,
647lîb dî rittre sulle hân
648und mit dem segne sî intpfân
649zu der ecclêsien schirme,
650und sulle ouch nâch irme
651nutze daz gar wol bevestin
652mit vrîheit und hantvestin,
653swaz gûte lûte irre habe
654in gebin in geistlîchir gâbe.
655Dise rittirschaft ouch ist
656dî genêmste alle vrist
657und sal iz billîch hân zuvorn,

--- S. 311 ---

658want sî sich darzû hât gesworn,
659daz sî gots vorsmênisse
660und sînes crûzis gewisse
661rechin wolle mittir hant
662und vechtin um daz heilge lant,
663dan sî dî heidin hân vorstôrt,
664daz den cristnen zugehôrt.
665Der gûte sent Jôhan ouch sach,
666daz sich von himl hernidir brach
667dî strîtende ecclêsiâ
668in eime gleichnisse sâ
669Jêrusalêm der nûwin,
670darinne wol mit trûwin
671undir andrin himelischin scharn
672dî engle potestates wârn,
673dî mit strîtis kegintracht
6745 c    vortribin al des tûvils macht.
675Potestates gereite
676heizint mechtikeite,
677und ist bewîsit uns daran,
678daz dî ecclêsie solde hân
679sidir dise rittirschaft,
680dî dâ mit mechtigir craft
681von ir zu pflege tû vorschalt
682der ungeloubigin gewalt
683und alle sichticlîche plâge
684von ir nâch irre macht vorjage,
685als dî potestates
686sich zu pflege vlîzin des,
687daz sî dî cristinheit bewarn
688vor unsichtigin harmscharn;
689und daz ist wol offenbâr
690daz dise rittirlîche schar
691des dûtschin ordinis vorwâr
692vortrîbit engistlîche vâr
693mit strîtlîchir arbeit
694von der heiligin cristinheit.
695Sich vûgit ouch gewisse
696daz wol zu gezûgnisse
697Prûzinlande, daz dort ê
698undir Moysê und Josuê
699und andrin richtêrin geschach,
700dî man der Judin waldin sach,
701bî der richtêre jârin
702gotis rittere wârin,
703dî stritten als dî helde
704strîte, dî got irwelde
705und wol gevîlen im.
706Daz geslechte Enachim
707und andre ungewêre
708vermeinte înwonêre
709des heiligin landis sî bestrittin
710wol nâch der kûnen lewin sittin
711und ubir alle dî gebîte
7125 d    vortilgtin sô gar dî dîte
713von grunde ûf, daz ir nicht inbleib,
714ân dî daz gotis volc beschreib
715und behîlt zu sulchin sachin,
716daz sî sî kundic soldin machin
717des landis geleginheit
718und zu dînste sîn gereit. —
719Ouch als dî zît von anegenge
720hât gewachsin an der lenge,
721sus sîn gewachsin an mêrunge
722diss ordins vorbezeichenunge.
723Dâvît nâch gotis herzin was,
724ein kunic, den er selbe irlas
725an sînes volkis rîche
726und hôet in achperclîche
727und ouch ein grôz prophête
728was er, dâ von er hête
729kunftigir dinge kuntschaft.
730Des west er dise rittirschaft
731kumftic in disen stundin
732und wolde sî vorkundin
733nâch irme wesin rechte.
734Er welte zwei geslechte,
735das eine hîz Cerêti,
736daz andere Phelêti,
737ûz sînem volke allintsamt
738und bevûl in sulch ein amt,
739daz sî vor allin vârin
740soldin sîn houbt bewarin
741nâch irre namen entscheidinheit:
742Cerêti ist sô vil geseit
743als vortilgêre;
744wundirlîch heilêre
745spricht Phelêti der nam1.
746Dî ûzlegunge in wol gezam,
747want sî des kungis nâmen war
748und vortilgtin dî vil gar,
749dî sînes houbtis vârtin2.
750Dâwidir sî ouch kartin
7516 a    wundirlîchis heilis solt

--- S. 312 ---

752an dî, dî im wârin holt
753und sich bugin undir in.
754Wol zût sich der geschichte sin
755ûf dise rittirlîche schar,
756dî sich vlîzit des vorwâr
757in unvorvêrtim mûte,
758wî sî gepfleg der hûte
759dem kunge, der dâ heizit Crist
760und ein wâriz houbit ist
761der heiligin cristinheit;
762und daz dî rittere gemeit
763in den tôt ir lebin
764darumme sullin gebin,
765des sint sî harte clein irvêrt.
766Sî tragin rittirlîch ir swert
767dêswâr zu allin stundin
768ûf ir huf gebundin,
769als dî recken von Israhêl.
770An in ist ellenthafte wel
771zu strîtlîchir wette;
772sî ummegên daz bette
773des wârin Salomônis
774unde hûtin sîn gewis
775mit vil vrechir achte.
776Sus sî dî vâr der nachte,
777des vinstirn ungeloubin,
778crefticlîch betoubin
779und trîbin hin genende
780von der cristnen ende. —
781Wir nemen ouch zu sinne,
782waz durch dî gotis minne
783und durch dî gebot der ê
784dî werdin rittre lidin ê,
785dî Machabêi hîzin,
786dô sî ir erbe lîzin,
787und wichin in dî wûste,
788dâ ir manchir mûste
7896 b    ezzin lange gras vor brôt,
790als sî twanc des hungirs nôt,
791ûf daz sî wurdin nicht intreint
792noch mit der heidinschaft vormeint.
793Und wî sî strittin in der zît
794manchin lobelîchin strît
795kên den argin heidin,
796dî mit strengin vreidin
797sî darzû getwungin hân
798wolden, daz sî gar vorlân
799hêttin den obirstin got
800und sîner ê gebot
801und hêttin sich irgebin
802in ir heidenischiz lebin
803nâch suntlîchir abekust;
804dô stercte ires herzin brust
805got zu den selbin stundin,
806daz sî ubirwundin
807den argin Anthîochum,
808der dâ genant was darum
809ein wurzele der sundin,
810want er pflac erclîch schundin
811daz gotis volc zu sundin grôz,
812der dô vîl ûz im intsprôz.
813Sî zuribin in sô gar
814und alle sîne heris schar,
815daz sî in vridis sichirheit
816reinigitin andirweit
817al dî heiligin stete
818des tempils, dî dâ hête
819intreinigit dî heidinschaft.
820Ouch gewunnen sî mit craft
821den berc widir zu Syôn
822und besaztin den vil schôn
823und machtin mit strîtender hant
824vride ubir al ir lant.
825Disen strîtin ebin hât
826gevolgit nâch mit vrechir tât
8276 e    der heilige ordin rittirlîch
828des dûtschin hûsis, sô mein ich,
829und hât irarnit dâmitte,
830daz er mit manchim gelitte
831êrbêrlîch stêt gezîret,
832dî ouch geordenîret
833sîn nâch gotis lobe
834des ordins amtin obe.
835Rittre sint sî gewêre
836und irwelte strîtêre,
837dî sich in des tôdis wê
838wâgin durch dî gotis ê;
839unde um des vatir lant
840sîet man sî mit starkir hant
841vortilgin und betoubin
842dî vîende des geloubin.
843Ouch in der minnen ubirvlût
844entpfân dî werdin rittre gût
845geste, pilgerîm und armen.
846Sî sîn ouch, dî sich lân irbarmen
847dî sîchin, dî in den spitâlin

--- S. 313 ---

848ligin in manchir hande quâlin,
849den sî dâ von mildekeit
850sîn dêmûticlîch gereit
851mit dînstlîchir volleiste
852in eime burninden geiste.
853Undir disen gelitten
854sint pfaffin ouch enmitten,
855dî eine werde stat dâ hânt
856und sullin sîn gemant,
857daz sî in des vridis stunt
858glinstirnde sam dî vunkin tûnt,
859mittin undir in ummevarn
860und manen sundir sparn
861dî leigenbrûdre, daz sî sich
862vlîzin zu haldne vesticlîch
863dî regle und den ordin,
864des sî sint brûdre wordin.
8656 d    Darzû ouch dî pfaffin
866gotisdînst in schaffin
867mit den sacramentin
868nâch ires loufis rentin;
869sô man abir strîtin sol,
870sô sullin sî dî brûdre wol
871mit trôste sterkin an den strît
872unde manen in der zît,
873daz sî gedenkin an dî nôt
874und an den jâmirlîchin tôt,
875den got in grôzir bittirkeit
876ouch an dem crûze vor sî leit.
877Alsus sî vil genende
878von ende unz zu ende
879vil crefticlîchin rûrin,
880wen sî ir hûte vûrin
881von dem beginne der rittre starc1
882unz ûf den endehaftin sarc
883der unmechtigin sîchin,
884dî sî sorcveldiclîchen
885an den sêlin denne bewarn,
886sô sî hinnen sollin varn,
887und an allin dingin
888sullin sî vollinbringin
889in dînstlîche arbeit
890in des geistis senftikeit.
891Und want dirre ordin sundirlîch
892an nutze der ecclêsien sich
893gemeinlîchin irgûzit,
894dâvon er ouch genûzit,
895daz manchirleie pêbste hân
896vrôlîchin in gesehin an
897und mit grôzir vrîheit
898an privileigen undirscheit
899in bestêtigit habin,
900irlûchtit und irhabin.
Von brûdre Heinrîche Walbote genant, dem êrstin hômeistre des dûtschin ordins.

[Dusb. I, 2.]

9017 a    Brûdir Henrîch, der dâ was
902genant Walbote, als ich las,
903êrst zu hômeistre wart irkorn,
904daz er solde sîn bevorn
905dem spitâle der vrîen
906mait sente Marîen
907des dûtschin hûsis irkant,
908des sich dô undirwant
909der gotis helt gewêre.
910Alsus dô dî burgêre
911von Lubec und von Bremin,
912dî gotis vil genêmin,
913dî êrst stiftêre wârin
914des ordins in den jârin,
915als ich dâvor gesprochin habe,
916woldin hebin sich herabe
917widir heim zu lande,
918dô sich dî zît volande
919irre gelobtin mervart,
920mit râte iz dô geschickit wart
921herzogin Friderîchis vorwâr
922von Swâbin, eines vurstin clâr,
923den wir ouch ê nandin,
924und von dûtschin landin
925andirre grôzin hêrrin vil,
926dî ouch dâ wârin in dem zil,
927dô man Akirs belac,
928der allir rât sich darûf wac,
929daz sî daz spitâl vorgenant
930antwortin zu des meistirs hant
931mit den almûsin allin,
932dî im wârin gevallin
933und anderem gerête,
934des iz gnûc dô hête.
935Darinne ouch der degen gût

--- S. 314 ---

936mit sînen brûdren in dêmût
937den sîchin stête was gereit
9387 b    an dînstlîchir arbeit
939und in mildeclîchin schûf,
940swes irre nôtdurft was behûf.
941Darnâch dô Akirs dî stat
942widir ûf dî cristnen trat,
943dî sî gewunnen crefticlîch,
944dô koufte brûdir Henrîch,
945der selbe meistir gehûre,
946einen gartin bî der mûre
947vor sente Niclaus pforte
948und bûwete an des orte
949eine kirch und ein spittâl
950und gnûc gemachis ubiral,
951darinne der vil reine
952mit den brûdrin gemeine
953dînte vlîziclîchin
954gote und den sîchin. —
955In der selbin kirchin wart
956nâch etslîchir zîte vart
957herzoge Friderîch von Swâbin
958der hêrre wert begrabin,
959want der edle gotis helt
960dî bîgraft hatte dâ irwelt,
961dî wîl er dennoch lebete
962und in der sûche strebete,
963dî in bestandin hatte hart,
964dô er sich hûb kên lande wart;
965dâvon er ouch sîn ende
966nam in dem ellende
967und wart nâch sîner andâcht
968hin zu Akirs widir brâcht,
969dâ man, als er ê gerte,
970der bîgraft in gewerte. —
971Darnâch dô in gote
972meistir Henrîch Walbote
973des amtis manic jâr gepflac,
974zu Akirs er ouch tôt gelac
975und wart begrabin aldâ
9767 c    an dem vumftin tage sâ,      [5. Novbr.
977der nâch allin heilgin lît;
978sô ist sîne jârgezît1.
Von brûdre Ottin dem andren hômeistre.

[Dusb. I, 3.]

979Der ander meistir, der daz amt
980nâch im entpfînc, der was genamt
981brûdir Otte2 und pflac
982des spitâlis manchin tac.
983Zujungist starb er, dô man las
984brâchmândin vîrde nônas,      [2. Juni
985daz ist, sô wir begên alhî
986Marcellînî und Petrî,
987und wart begrabin dort
988zu Akirs, als ich hân gehôrt.
Von dem drittin hômeistre.

[Dusb. I, 4.]

989Darnâch der dritte meistir wart,
990der hîz brûdir Herman Bart
991und was dem ordin lanc bevor.
992Zuletst trat er des tôdis spor,
993des nîman mac sîn irhabin,
994und wart zu Akirs ouch begrabin.
995In dem aprile daz geschach,      [20. März
996dô man der kalendin sach
997drîzên wesin an der zal,
998daz er nam des tôdis val.
999Sîne jârgezît ir habint
1000an sente Benedictus âbint.
Von brûdre Herman dem vîrdin meistre des dûtschin hûsis.

[Dusb. I, 5.]

1001Brûdir Herman von Salzâ
1002vîrde meistir wart darnâ,
1003der manic jâr daz ammecht trûc
1004dêswâr lobelîchin gnûc.
1005Sîn lebin sach man endin
1006an den nûndin kalendin      [24. Juli
1007des oustin; man begrûb in dô
1008aldort zu Barlêtô
10097 d    mit vil jâmirlîchir clage
1010an sente Cristînen tage.      [24. Juli
1011Dirre ellenthafte degin
1012hatte den gotlîchin segin
1013an vil genâdin prîse;
1014gesprêche unde wîse,
1015vorbesichtic, minnesam,
1016gerêtic und ôt êrsam
1017was er an alle sînre tât.
1018Dô sînen ordin sach sô mat
1019wesin dirre gotis helt,
1020dem er zu meistre was irwelt

--- S. 315 ---

1021von sînen brûderen, er sprach,
1022daz vil sûfzinde geschach;
1023›Ô hêrre, himelischir got,
1024›nû wolde ich gerne an mînen tôt
1025›eines ougin ênic sîn,
1026›daz sô vil der ordin mîn
1027›bî mînre zît zunême
1028›und so hôhe quême,
1029›daz er mocht geleistin
1030›mit wâpenen zum meistin
1031›zên rittirbrûdre und nicht mê.‹
1032Diz wunschte er mit grôzir vlê.
1033Abir dû, vil mildir Crist,
1034der alle zît gereit ist
1035den gerechtin, dî dâ bittin
1036dich mit tugintlîchin sittin,
1037und irvullis vil gewêr
1038alle zimelîche ger,
1039waz têtsdû zu den sachin?
1040Lîzisdû vorswachin
1041sîne ger in îtilkeit?
1042Nein zwâr, dîn sûze mildekeit
1043in volleclîch gewerte,
1044des sîne sêle gerte;
1045want bî sîme lebene
1046gînc iz im sô ebene,
10478 a    dî wîle er wîlt der meistirschaft,
1048daz an rîcheit und an craft
1049der ordin alsô vil gewan,
1050daz man nâch sîme tôde sân
1051von dûtschin landin wol geborn
1052und an manheit ûzirkorn
1053gezalt zweitûsint brûdre vant
1054in dem ordin vorgenant.
1055Ouch sach man in den ordin varn
1056in des selbin meistirs jârn      [1234
1057den hêrrin an geburt vil clâr
1058lantgrêven Conrâde vorwâr
1059von Duringin, dem dâ was
1060meistir Herman, als ich las,
1061dennoch in werltlîchim wesin
1062zu gesinde ûzirlesin.
1063Alsus der hêrre lobesam
1064des ordins abît an sich nam,
1065und, der zu dînst im ê gezam,
1066dem swûr er nû gehôrsam
1067und irgab sich sînre zucht
1068mit einre lobelîchin trucht
1069ellinthaftir rittre gût,
1070dî beide gût unde mût
1071vorkurn durch got lûtirlîch
1072und mit im begâbin sich.
1073Dirre meistir ouch irwarb
1074dem ordne, ê den er starb,
1075dî nutzstin unde bestin
1076pêbistlîchin hantvestin
1077und ouch von keisirlîchir hant,
1078dî noch dî brûdre irgin hânt.
1079Ouch wart bî sîme lebin
1080dem ordene gegebin
1081manche hêrschaft vrîe
1082in Pulle, Romanîe,
1083Armenien, Dûtschinlande,
1084und ein gebît man nande
10858 b    in Ungirlande Wurzâ;
1086Lîfland unde Prûzin sâ;
1087diz alliz wart den brûdrin dô.
1088Er hûb den ordin alsô hô,
1089daz von anegenge ê
1090nî daz wart vornumen mê,
1091daz von eines menschin tât
1092kein ordin ûf sô hôhin grât
1093gestige î ûf erdin
1094an gûte und an werdin;
1095und daz enwas kein wundir.
1096Im hatte got besundir
1097gegebin der gnâdin runst,
1098daz alle lût im trûgin gunst,
1099sô daz man Salomônis wort
1100von im mochte sprechin dort
1101und in recht daran bedûten:
1102›Lîb ist er gote und den lûten‹.
1103Des gedechtnisse ist;
1104in dem segne alle vrist.
1105Lîb hatte in ûf erdin got,
1106want er î leiste sîn gebot,
1107dâvon er in sô hôhe zouch;
1108sô wârin im dî lûte ouch
1109gemein an lîbe zûgewant.
1110Des hatte er in sîner hant
1111pâbist und keisir gar,
1112kunge, herzog, vurstin clâr;
1113und ôt allir hêrrin mût
1114zôch an sich der hêrre gût,

--- S. 316 ---

1115daz alliz, daz er an in bat,
1116daz ûf nutz und êre trat
1117und ûf gemach des ordins sîn,
1118daz mûste gar irvullit sîn.
1119Dâvon geschach, daz in den jârn,
1120dô dî Venediêre wârn
1121gezuchtigit mit plâgin hert,
1122darumme daz sî sich gespert
11238 c    hattin erclîch widir daz rîche,
1124daz sî keisere Friderîche
1125dem andern sô hinabe
1126brâchtin zu hôhir gâbe
1127des heiligin crûzis ein grôz teil,
1128daran got worchte unsir heil.
1129Den ûzirweltin prisant
1130gab der keisir sâ zuhant
1131dem meistir Hermanne,
1132der iz ouch schîre danne
1133vurbaz kên Prûzinlande
1134zu dem Elbinge sande
1135ûf dî burc, dâ noch hûte
1136dî cristinlîchin lûte
1137im wirde grôz irbîten
1138durch sâldinbêr genîten,
1139daz sî dâ hân besundir,
1140want got vil manich wundir
1141an manchim menschin wirkit schôn
1142dâselbins durch sîn crûze vrôn.
1143Bî sînen zîten ouch geschach,
1144daz sich ein misshellunge irbrach
1145zwischin dem pâbste Honôriô,
1146den man den dritten nante dô,
1147und zwischin keisere Friderîche.
1148Dô dî gewêrte heimlîche
1149etslîche wîle undir in,
1150sî gevîlen ûf den sin,
1151daz sî ir sachin beide
1152ân alle undirscheide
1153zu brûdere Hermanne lîzin,
1154daz er sî solde entslîzin,
1155und waz er machte daran,
1156des woldin sî genûgic stân.
1157Sus was ir beidir willekur.
1158Und dô im quam dî rede vur,
1159nach wîsim sinne er sich brach
1160von den teidingin und sprach:
11618 d    ›Wî wêr mir daz gevûge,
1162›daz ich mich undirslûge
1163›des, daz ich zu sûne kêrn
1164›solde al der werlde hêrn,
1165›sint ich bin ein dêmûtic man
1166›und allir wirdekeite ân?‹
1167Darumme wurdin des in ein
1168keisir und pâbist gemein,
1169ûf daz brûdir Herman
1170,1wurde baz gesehin an
1170,2und desde achbêrre gehât,
1171daz sî in vurstintin ûf der stat,
1172und dî selbe wirdekeit
1173sold êwiclîchin sîn gereit
1174sînen nâchvolgêrin,
1175dî an dem amte wêrin
1176des dûtschin ordins meistirtûms.
1177Zur urkunde des vurstentûms
1178stîz im der pâbist vorgenant
1179ein vingirlîn an sîne hant;
1180darzû wart er gewirdit baz;
1181der keisir im vorlênte daz,
1182daz er sold an banîre,
1183an wâpin, an zimîre
1184vûrin des rîchis zeichin.
1185Diz lên ouch solde reichin
1186an dî meistre allentsamt,
1187dî nâch im quêmen an daz amt.
1188Den pâbist und den keisir dô
1189vorsûnte er vrûntlîchin alsô
1190und vil ofte ouch darnâch,
1191sô zwischin in sich icht irbrach.
Daz ist ein zûrede.
1192Nû sol ich ouch betichtin,
1193betichtinde intrichtin,
1194intrichtinde beschrîbin,
1195beschrîbinde întrîbin
1196und înbrengin dirre schrift,
11979 a    alse mir der schrifte gift
1198mit wârheit urkunde gît,
1199waz pêbste unde keisre sît
1200sîn gewesin von der zît,
1201daz der ordin mit begrift

--- S. 317 ---

1202des dûtschin hûsis wart gestift;
1203ouch darzû wol ebin trift,
1204daz ich herînvlichte
1205ein teil der geschichte
1206durch hovelîchiz sagin,
1207dî bî irin tagin
1208in der werlde sîn irgân,
1209und ouch was sî selbe hân
1210prûvelîchir tât getân.
1211In gotis namen heb ich an:

[Dusb. IV, 1.]

1212In Jhêsû Cristî jârin,
1213dô der vorgangin wârin
1214tûsint zweihundirt zehenre min,      [1190
1215dô der dûtsch ordin nam begin,
1216Cêlestinus pâbist was,
1217der dritte, und ouch, als ich las,
1218der sechste keisir Henrîch
1219rîchzte dô gewaldeclîch.
1220Darnâch man daz pâbistûm      [D. IV, 2]
1221den drittin Innocencium      [1198—1216
1222besitzin sach mit zîrde.
1223Keisir Otte der vîrde      [1198—1208
1224in der zît daz rîche hîlt.
1225Nâch deme ouch der crônin wîlt
1226rîchzinde wol keiserlîch
1227der andre keisir Friderîch. —      [1215— 1250
1228Dô der jâre unsirs hêrn      [D. IV, 3]
1229zwelfhundirt vorloufin wêrn      [1200 (1204)
1230dî stat Constantinôpolis,
1231dî daz hatte vil gewis
1232in irre prophetîen,
1233daz ir nîman gebîen
1234solde mit sô grôzir craft,
12359 b    durch den sich gêb in eiginschaft
1236ir mûrin ummekrengil,
1237wen durch einin engil,
1238dî gewunnin nû mit wer
1239dî Frankin und Venecier.
1240Sus wurdin dî burgêre
1241der prophetîen mêre
1242listiclîch betrogin,
1243swî doch ungelogin
1244blibin des wîssagin wort,
1245want sî durch dî mûre dort
1246quâmin, dâ ein engil stûnt
1247gemâlit. Zu der selbin stunt
1248wart zu keisere irkorn
1249aldâ der degin hôchgeborn
1250von Flandrin grêve Baldewîn.
1251Sint sach man ouch rîchzinde sîn
1252dî Latînin dâ vorwâr
1253sibin unde vumfzic jâr. —
1254Bî des Innocenciî      [D. IV, 4]
1255pâbstis zîtin an sich vî
1256vil nâch al dî cristinheit
1257sulchir bûze hertekeit,
1258daz sî karînen trûgin,
1259und want sî sich dâ slûgin
1260mit geislin in ablâzis ger;
1261des nante man sî geiselêr. —
1262In unsirs hêrrin jârin      [D. IV, 5]
1263dô der tûsint wârin
1264zweihundirt und zwei vorgân,      [1202
1265hûb sich der Tartren hêrschaft an.
1266In der selbin zît geschach,      [D. IV, 6]
1267daz man in Britannia sach
1268zu Roseô, ein stat sus hîz,
1269ein wundir, daz got schouwin lîz
1270aldâ ûf eim altâre.
1271Man sach daz offenbâre,
1272dô gotis lîcham handilte
12739 c    ein prîstir, das sich wandilte
1274brôt in vleisch und wîn in blût
1275zu sterkene der krankin mût. —
1276Ouch geschach ein wundir dô      [D. IV, 7]
1277dort in Vermendêsiô,
1278daz eime rittere sîn lebin
1279nâch tôde widir wart gegebin,
1280der kumftigir dinge vil
1281mit wârheit saite in dem zil
1282und lebte manche zît
1283sundir alle spîse sît. —
1284Bî sente Jôhannis tac      [24. Juni
1285des baptistin dort gelac      [D. IV, 8]
1286in Galliâ ein honictow,
1287der daz getreide sô durchzow,
1288swer sîn in den munt genam,
1289daz der hongis smac vornam. —
1290Zu Atrebatô ouch ein slôz      [D. IV, 9]
1291in dem heumânde irdôz
1292mit ungewittere vil grôz,
1293in dem sich hernidir gôz
1294sô ungevûge hagilstein,

--- S. 318 ---

1295der ob al daz lant gemein
1296slûc wîngarten, boume, korn,
1297daz ir vrucht wart gar vorlorn. —
1298In der vrist man ouch vornam,      [D. IV, 10]
1299daz in daz lant Ispânien quam
1300Almivolus1, ein vreisir
1301der Sarrazînin keisir,
1302mit menge volkis âne zal
1303kundinde daz ubiral,
1304er welde alle dî bestân
1305mit strîte, dî dâ bêttin an
1306den gekrûzigiten got.
1307Dirre uppeclîche spot
1308alsô nâ den kungin gî
1309von Ispânien, daz sî
1310in strît im kegingîngin
13119 d    und den sic gevîngin
1312und irslûgin alsô vil
1313Sarrazînin in dem zil,
1314daz man durch daz lant ir blût
1315sach vlîzin sam dî wazzirvlût.
1316Alsus Almivolus geschant
1317vlôch zurucke in sîn lant
1318mit lutzil sînre manne,
1319dî im volgtin danne. —
1320Dô der jâre unsirs hêrn      [D. IV, 11]
1321zwelfhundirt vorgangin wêrn
1322in des vîrden jâris vart      [1204
1323darnâch Lîflant bekêrit wart
1324zu dem geloubin, daz alsus
1325schûf pâbist Innocencius. —
1326Nâch Cristî unsirs hêrrin jârn,      [D. IV, 12]
1327dô der vorgangin zwelfhundirt wârn,
1328und darûf sibene irkorn,      [1207
1329wart sente Elizabeth geborn.
1330Honôrium den drittin dô      [D. IV, 13]
1331sach man pâbist wesin sô;
1332den andirn Friderîche
1333haldin daz keisirrîche. —
Diz ist, zu welchir zît dise ordin wurdin gestift.

[Dusb. IV, 14]

1334Darnâch ubir vumfhundirt jâr,      [500
1335daz Cristum eine mait gebar,
1336der ordin Benedictî
1337sîn wesin merclîch anevî.
1338Der dritte Fêlix, als ich las,
1339in den zîten pâbist was. —
1340Darnâch sach man wordin
1341der Clûniacensin ordin,
1342dô man Cristô zalte dort
1343nûnhundirt jâr von der gebort.      [900
1344Wesin in der zît sach man
1345den drittin pâbist Adriân. —
1346Der Kartusiêre
134710 a    ordin vil gewêre
1348begriffin und gestiftit wart
1349in unsirs hêrrin jâre vart
1350tûsint achzic, zwei dâmitte.      [1082
1351Pâbist dô was Victor der dritte. —
1352Des grawin ordins2 lebin
1353gestiftit und gegebin
1354wart in unsirs hêrrin jârn,
1355dô der gar mit loufe wârn
1356von sînre geburt vortribin
1357tûsint nûnzic sibin. —      [1097
1358Darnâch des spitâlis
1359ordin sente Jôhannis
1360ouch sîn wesin anevînc,
1361dô von gots geburt vorgînc
1362dî zal eilfhundirt jâre,
1363darzû vîre vorwâre.      [1104
1364Pâbist was dô mit gewalt
1365der andre Urbân gezalt. —
1366In unsirs hêrrin jârin
1367dô der eilfhundirt wârin
1368unde zwelve vorgân,      [1112
1369dô hûb sich mit wesin an
1370der ordin der Templêre.
1371Ein pâbist vil gewêre,
1372der andre Pascâlis,
1373pflac des stûlis dô gewis.
1374Der vorgenante ordin bleib
1375vil lange sint, unz in vortreib
1376und vortilgte allintsam
1377ein pâbst, Clêmens was sîn nam
1378und der vumfte gezalt.
1379Dirre ordin wart vorschalt
1380Viennê in conciliô,
1381daz der pâbist hatte dô
1382in den jârin unsirs hêrn,
1383dô der mit zal wêrn
1384tûsint und drîhundirt
138510 b    darzû zwelve gesundirt,      [1312. 22. März

--- S. 319 ---

1386dô der kalendin vîlin
1387eilve dem aprilin
1388des sibindin jâris der hêrschaft,
1389als er zu pâbiste was geschaft.
1390Nicht mit urteile endehaft
1391wart der ordin dô verschaft,
1392sundir in an kraft vorsneit
1393des pâbstis vorbesichtikeit.
1394Der sibinde Heinrîch, als ich las,
1395in den zîtin keisir was. —
1396Des dûtschin hûsis ordin wart
1397in unsirs hêrrin jâre vart
1398eilfhundirt nûnzic mitte;      [1190
1399Cêlestinus der dritte
1400des pêbistlîchin stûlis wîlt;
1401der sechste keisir Heinrîch hîlt
1402daz rîche dô gewêre. —
1403Der brûdre predigêre
1404ordin mit stifte began,
1405dô von gots geburt vorgân
1406wârn wol zwelfhundirt jâr
1407darzû sechzêne gar,      [1216
1408undir pâbiste Honoriô,
1409den man den dritten zalte dô. —
1410Bî des selbin pâbistis zît
1411der minre brûdre ordin sît
1412ouch mit anevange nam
1413sîn begin, als ich vornam,
1414nâch unsirs hêrrin jârin,
1415dô der mit loufe wârin
1416irvullit tûsint und dabî
1417zweihundirt zwênzic und drî.      [1223
1418Den orden der Heremîten,
1419genant ouch Carmelîten,
1420und den ordin vil mêre
1421des talis der schûlêre
1422bevestint mit stêtikeit
142310 c    der selbe pâbist vorgeseit. —
1424In den jârin unsirs hêrn      [D. IV, 16.]
1425dô der tûsint irvullit wêrn
1426zweihundirt zwênzic darzû ein,      [1221
1427Elisabeth dî vrouwe rein
1428zu êlîchin dingin
1429nam dort von Doringin
1430lantgrêvin Lûdewîge,
1431want von des adils zwîge
1432wolde got gewinnen vrucht
1433im zu lobelîchir zucht. —
1434Dô unsirs hêrrin jâr vorvarn      [D. IV, 16]
1435zwelfhundirt vumf und zwênzic wârn      [1225
1436in dem lande Burgundiâ
1437ûf eime salzgebirge dâ
1438mit geschichte sich irwûc
1439ein wundir wundirlîch genûc,
1440daz in sulche wîs gerît:
1441ein berc von sîm gebirge schît
1442in einre erdbibunge schûr
1443und zu andrin bergin vûr,
1444dî dâ kegin lâgin wît
1445und bedakte in der zît
1446dâ inzwischin al den tal,
1447darinne dâ mit rûmir zal
1448vumftûsint mensche sturbin,
1449dî irdrukt verturbin. —
1450Dô von der zît, daz gebar      [D. IV, 17]
1451Cristum eine mait clâr,
1452in irme loufe vil gar
1453tûsint und zweihundirt jâr
1454ouch zwênzic und sibin      [1227
1455wârn hin vortribin,
1456sent Elizabetin man,
1457der lantgrêve, vûr hin dan
1458mit des crûzis zeichin,
1459daz er im lîz reichin,
1460als sîn andâcht in bant,
146110 d    in daz heilige lant,
1462dô er sô vorsêrit wart,
1463daz er ûf der widirvart
1464von der sûche vortarb
1465und des lîbis irstarb
1466in Sicilien zu Ortrant,
1467eine stat ist sô genant,
1468dâ der hêrre tôt gelac
1469an Prôthî und Jacinctî tac,
1470dô man dem herbistmânde
1471das dritte idus nande.      [11. Septbr.
1472Der nûnde pâbst Grêgôrius      [D. IV, 18]
1473und keisir Friderîcus
1474der andre dô schône
1475trûgin der werlde crône. —
1476In unsirs hêrrin jârin      [D. IV, 19]
1477dô der vorgangin wârin
1478zwênzic und zwelfhundirt
1479achte darzû gesundirt      [1228

--- S. 320 ---

1480begundin in Italiâ
1481dî partîen wesin sâ
1482Gelfin unde Gibbelîn,
1483daz zweiir brûdre namin sîn,
1484dî sich schîdin in der stunt:
1485Gelphus bî der kirchin stûnt;
1486sô Gibbelîn zûlegete
1487dem rîche und daz hegete. —
1488Dô unsirs hêrrin jâr vorvarn      [D. IV, 20.]
1489zwelfhundirt und drîzic wârn,      [1230
1490der kunc von Arragûnen quam
1491in Ispânien, dâ er nam
1492dî inslin în mit strîten
1493genant dî Majorîten
1494unde Minorîten,
1495dî ouch in den zîten
1496wârn vientlîch belegin
1497von der Sarrazînen wegin. —
Hî endit sich daz êrste teil diss bûchis und beginnit daz andre, daz ist von der zûkunft der brûdere in Prûzinlant.
1498Hî endit sich daz êrste teil.
1499Nû gib mir, sûzir got, daz heil,
1500daz ich ouch daz andre
1501tichtinde durchwandre,
1502daz iz dir und der mûtir dîn
1503lobelîchin mûze sîn!
1504Leite mich, hêrre, an vornumft,
1505daz ich dî werde zûkunft
1506der dûtschin brûdere mache irkant,
1507wî sî quâmen in Prûzinlant! —

[Dusb. II, 1.]

1508In den zîten, dô vorwâr
1509der vurste edil unde clâr
1510herzoge Cunrât genant,
1511ein reine cristin irkant,
1512mit hêrschaft wîlt der lande dâ
1513Masow, Kuyaw, Poloniâ,
1514dâ was ouch ein bischof,
1515den der pêbistlîche hof
1516zu Prûzin hatte gesant,
1517daz er bekêrn solde dî lant
1518und an geistlîchin sachin
1519sî hirtlîchin bewachin.
1520Der bischof hîz Cristiân
1521und was ein geistlîchir man
1522des grawin ordins1 geacht.
1523Der pflag ofte mit andâcht
1524sêwin in gotis namen
1525der gotis lêre samen
1526sô hin an dî prûzsche dît,
1527dî er mante und in rît,
1528daz sî lîzin dî abgote
1529und des wârin gotis gebote
1530Jhêsû Cristî undirtân
1531wurden und den bêttin an.
1532Abir want der same werde
1533dâ nicht vîl in gûte erde,
1534des machte er ouch keine vrucht.
1535Ir bôse, suntlîche unzucht
1536hatte sî vorhart sô sêre,
1537daz dikeiner hande lêre
1538noch manunge der sêlikeit
1539sî konde entzîn von irrekeit
1540noch enmochte an in beroubin
1541iren valschin ungeloubin.
1542Swî sus vorsteinet was ir sin,
1543sô was einez doch an in,
1544daz man zu prîs in mochte kêrn,
1545want allein sî selbe wêrn
1546des geloubin gar geblant
1547und pflegin manchirhant
1548abgote anzubetin
1549îdoch sî vride hêtin
1550mit den cristin, dî in wârn
1551bîgesezzin in den jârn,
1552und lîzin sî sich ûbin
1553ân allirlei betrûbin
1554an des lebindin gôtis ê.
1555Diz tet dem argin vînde wê,
1556der ein widersache ist
1557wâris vridis allir vrist
1558und alle gûte ding î neit;
1559dâvon er dîz nicht lange leit.
1560Des hazzis tresp er drundir warf,
1561dâvon ein vêde harte scharf
1562undir in sich dô irhûb,
1563in der dî cristinheit intsûb
1564dêswâr jâmerlîchir nôt.
1565Ein teil wart geslagin tôt;
1566sumelîche weggetribin,

--- S. 321 ---

1567dî der Prûzin eigin blibin.
1568Ein teil ir mit der vlucht genas,
1569der doch zwâr vil cleine was.
157011 c    Sus schûf des argin tûvils nît,
1571daz in kurzir jâre zît
1572von den Prûzin Colmerlant
1573wart vortilgit und vorbrant
1574sô gar, daz iz vil manchin tac
1575sam ein wûstenunge lac.
Von der vorherunge polênschir lande.

[Dusb. II, 2.]

1576Und want herzoge Conrât
1577nicht zum êrstin widirtrat
1578irre turstigin gewalt
1579mit bequêmir bûze balt,
1580des wîstin sî dô vurbaz
1581iren vîentlîchin haz
1582und griffin gar erclîchin an
1583daz lant zu Polênen sân
1584mit vil grôzir heriscraft.
1585Daz lant wart ofte dô behaft
1586von in mit schadin harte grôz.
1587Sî hertin und brantin blôz;
1588swaz sî dô trâfin mannis wert,
1589daz irmorte gar ir swert;
1590wîb und kint sî dannen tribin,
1591dî êwiclîch sîn eigin blibin.
1592Waz ouch bîwîlen ein swangir wîb,
1593dî dâ trûc sô swêren lîb,
1594daz sî in nicht mochte gevolgin,
1595ûf dî wurdin sî irbolgin,
1596daz sî sî tôtten mit der vrucht.
1597Sî ructin vreislîch mit unzucht
1598den mûtren den vil armen
1599dî kindir von den armen
1600und spîztin sî mortlîchin sâ
1601ûf dî zûne hî und dâ,
1602dâ sî der pîn enzwischin
1603zabiltin unde krischin
1604und jâmirlîchin wurbin,
1605sô lange unz sî irsturbin.
1606Sus sî vorhertin her und dar
160711 d    des herzogin lant sô gar,
1608daz er allir sîner vestin
1609beide snôdin unde bestin,
1610der er ê mit hêrschaft wîlt,
1611nicht wen eine burc behîlt
1612dî ûf der Wîzelin dort lac:
1613Plotzk man sî nennen pflac.
1614Ouch wurdin in den stundin
1615vortilgit von den hundin
1616pfarrin wol drithalb hundirt,
1617dî man zalte gesundirt,
1618âne vil munstre schône,
1619darinne manich persône
1620geistlîch unde werltlîch
1621an gotis dînste ûbtin sich.
1622Capellin, muncheclôstre vil,
1623ouch nunnenclôstre in dem zil
1624vorterbtin sî mit brande
1625vil manchiz in dem lande.
1626Prîstere und andre pfaffin,
1627swî den was geschaffin
1628an ordenunge ir lebin,
1629begebin und unbegebin,
1630sach man sî vil gar irslân,
1631swaz sîr indirt quâmen an
1632bûzin kirchin und inbinnen.
1633Gar nâch tobinlîchin sinnen
1634pflâgin sî alumme varn.
1635Sî slûgin ubir den altarn
1636ir ouch vil in den stundin
1637dî wîle, daz sî stûndin
1638und handiltin mit andâcht gût
1639den hêrin lîcham und daz blût
1640Cristî, unsirs lîbin hêrn
1641Daz ubir gote zu unêrn
1642und zu smêhin unwerdin
1643wurfin sî ûf dî erden
1644und trâtin mit den vûzin
1645den tûweren, den vil sûzin
164612 a    Jhêsû Cristî lîcham
1647und sîn blût sô lobesam,
1648als in ir tobesucht gerît.
1649Noch sach man dî unreine dît
1650erge mêr irvullin;
1651kelche und ampullin
1652und allirhande kirchinvaz
1653nâmen sî durch iren haz,
1654ouch corporâlgewête1
1655mit allim dem gerête,

--- S. 322 ---

1656daz gotis dînste was gewît,
1657vûrtin sî dannen in der zît
1658und ûbtin gar dî heilikeit
1659in ungezêmir îtilkeit.
1660Ouch mochte man jâmir schouwen
1661an den reinen juncvrouwen
1662nicht alleine werltlîchin,
1663sundir ouch geistlîchin,
1664dî gewîhit wârin gote,
1665wan sî zôch des tûvils rote
1666ûz den clôstren mit gewalt
1667in herzeleide manicvalt
1668und tribin mit in ire lust
1669in schemelîchir abekust.
1670Und daz ich dem ôt gebe ein zil:
1671man sach sî ubils alsô vil
1672und lestirlîchir tât
1673an dem geloubin mit unvlât
1674und an den cristenen dô trîbin,
1675daz daz nîmant mac volschrîbin.
Diz capitil ist von den gâbin, dî der herzoge gab den Prûzin, ûf daz er semftigte ir vreidekeit.

[Dusb. II, 3.]

1676Ê von den Prûzin vorgenant
1677sô gar vortarb Polênir lant,
1678als ich dâvor itzunt las,
1679und dennoch etteswaz dâ was
168012 b    in dem lande her und dar,
1681dô was betwungin alsô gar
1682und in angist sô gesat
1683von in herzoge Cunrât,
1684swen sî im botin santen,
1685dî eischinde benanten
1686pferde odir schône cleit,
1687der mûste er in sîn gereit
1688und torste in keinewîs vorsain.
1689Dâvon, wen er sus betrain
1690was mit ungerête,
1691daz er nicht enhête,
1692dâ in an genûgete,
1693sus er iz denne vûgete,
1694als in twanc sîn armût:
1695zu einir wirtschaft er lût
1696sîn edilin wîb unde man
1697und andre, dî er wolde hân.
1698Und sô dî geste sâzin,
1699vrôlîch trunkin und âzin,
1700so schicte er den botin
1701der prûzischin rotin,
1702des sî woldin sîn gewert.
1703Der geste cleidir und pfert
1704schûf er in heimelîchin
1705und lîz sî dannen strîchin.
1706Daz was alliz gar vorlorn,
1707want er iren argin zorn
1708dâmite nicht gesweigete.
1709Ir vlîz sich darûf neigete,
1710daz sî vorterbtin gar sîn lant
1711als ich tet dâvor irkant. —
Diz capitil ist von den brûderin des or­dins der Cristisrittere, dî swertbrûdir heizin.

[Dusb. II, 4.]

1712Dô der herzoge vorgenant
1713sô jâmirlîchin sach sîn lant
1714vorterbin und sô gar vorhern
1715und des mochte nicht irwern,
171612 c    einis1 er dô anetrat
1717mit brûdir Cristânis rât,
1718von Prûzin des bischovis,
1719und ouch sînes hovis
1720etslîchir hêrn der bestin,
1721dî im zu ratene westin,
1722waz im und in daz beste was:
1723er stifte undir im, als ichz las,
1724zu schirme sîme lande
1725brûdere, dî man nande
1726dî rittere Cristî.
1727Wîze mentele trûgen sî
1728und darûffe rôte swert
1729mit sternen. Dise rittere wert
1730zu Lîflande in der zît
1731wontin, dâ sî manchin strît
1732ûf dî heidin hâtin,
1733der sî sô manchin tâtin,
1734daz sî irre lande vil
1735betwungin hattin in dem zil
1736undir des geloubin hof.
1737Der vorgenante bischof

--- S. 323 ---

1738nam dô und cleite sân
1739Brûnen, einen wîsen man,
1740in den ordin vorgeseit.
1741Mit im nâmen dô daz cleit
1742ouch andere wol vierzên;
1743und dô daz was geschên,
1744der herzoge in dem lande sîn
1745eine burc, dî hiez Dobrîn,
1746den selbin brudren bûwin lîz.
1747Nâch der burc man sî ouch hîz
1748dî brûdere von Dobrîn darnâ
1749dî wîle, dâ sî wontin dâ.
1750Darzû er in ein vorwerc gab,
1751daz was gelegin sô hinab
1752zu Kuyaw in dem lande,
1753Cedelicz man iz nande.
175412 d    Ouch mit den brûdrin gemein
1755quam des der herzoge ubir ein,
1756waz sî heidenischir lant
1757hernâch mit strîtendir hant
1758den heidin abgedringin
1759mochtin unde betwingin
1760mit gotis helflîchin pflichtin,
1761dî soldin sî ouch schichtin
1762mit mâze undireinandir glîch
1763und daz sus haldin eweclîch.
1764Dô diz wart den Prûzin kunt,
1765ir zorn hezlîchir wart entzunt
1766den dôvor ûf dî cristinheit.
1767Des zogin sî dô in vreidekeit
1768mit eime grôzin here
1769noch vîntlîchir kêre
1770zu Dobrîn vor dî vestin,
1771dî ouch wart von den gestin
1772gemûet mit manchim sturme swêr.
1773Sî wâren den brûdern sô gevêr
1774und anlâgin sô gemein,
1775daz sich seldin torst ir kein
1776ûz der burg irbîten.
1777Iz wart ouch von den dîten
1778darzû brâcht vil schîre,
1779daz vumfe odir vîre
1780der Prûzin eine gîngin,
1781slûgin unde vîngin
1782dî cristenen bî der burc vil nâ
1783und ûbtin ôt aldâ
1784ire strûterîe
1785allir vorchte vrîe. —
Diz ist, wî dî lant Prûzin, Colmen, Lu­baw gegebin wurdin den brûdren des or­dins dûtschin hûsis von Jêrusalêm.

[Dusb. II, 5.]

1786Nû hatte zu den zîten sâ
1787brûdir Herman von Salzâ,
1788der hômeistir vorgeseit,
178913 a    mit gûtir vorbesichtekeit
1790sô hô den dûtschin ordin brâcht
1791an brûdir menege und an macht,
1792an rîchtûm und an erberkeite,
1793daz sich dî lenge und dî breite
1794sîn lûmmunt und sîn name
1795gar sundir alle schame
1796an gûtem rûche wîte irgôz.
1797Sô verre joch sîn lob irdôz
1798an gar ellinthaftir tât,
1799daz herzoge Cunrât
1800zu Masow ouch dâ von vornam.
1801Ein wille in sîn herze quam,
1802daran er vil stête bleib,
1803als der gotis geist daz treib,
1804daz er wolde in sîn lant
1805des ordins brûdere vorgenant
1806zu beschirme ladin,
1807ob sî lîchte intladin
1808mochtin mit strîtlîcher craft
1809dî cristen von der heidenschaft
1810und dî heidin geswachin,
1811sint daz an den sachin
1812dî swertbrûdere nicht schûfin.
1813Alsust sach man berûfin
1814in zu sîme hove
1815alle dî bischove
1816und sîne edilin man,
1817dî er mochte dô gehân
1818unde offinbârte in
1819vil gar sînis herzin sin
1820und bat im darzû râtin.
1821Dô dî hêrren hâtin
1822vornomen des herzogin mût,
1823dêswâr iz dûchte sî wesin gut
1824und volgetin im dâan vil gar.

--- S. 324 ---

1825Sî sprâchin: ›Iz ist offinbâr,
1826›als wir vornomen hân
182713 b    ›von wârin mêrin sundir wân,
1828›daz dî dûtschin brûdere sint
1829›des geloubin vîendin vînt
1830›und rittere ûzirwelde,
1831›zu wâpin ellinthafte helde
1832›und geûbt von jungen zîten
1833›an urloige und an strîten.
1834›Darubir ist uns ouch bewêrt,
1835›daz sî ûzirmâze wert
1836›beide genême und gewêre
1837›sîn dem pâbiste und dem keisere
1838›und den vurstin, dî dâ pflein
1839›dûtschir lande allirwein.
1840›Des hân wir ganze hoffenunge,
1841›daz durch ire vurderunge
1842›der pâbist stifte ungespart
1843›sô her eine crûzevart,
1844›der diz arme lant getrôst
1845›werde und ûz nôt irlôst.‹
1846Dô dî hêrrin algemein
1847mit dem herzogin ubirein
1848trûgin an dem râte,
1849er schicte ûz vil drâte
1850boten wol achtbêre
1851mit brîven vil gewêre,
1852dî er sante danne
1853zu brûdere Hermanne
1854dem meistere ofte vorgeseit.
1855Und dô dî botschaft vorgeleit
1856im und sînen brûderin wart,
1857der meistir wûc dî sache hart
1858mit sînen brûdrin vorwâr
1859in manchim râte her und dar.
1860Zulest gerît der pâbist im sô
1861und der keisir, den sî dô
1862den andrin Friderîch nanden,
1863und von dûtschin landen
1864vurstin unde hêrrin vil,
186513 c    dî im gelobtin in dem zil
1866bîgestên in der geschicht
1867mit râte unde hulfe pflicht,
1868daz er nâch der bete,
1869dî da vlêlîch hête
1870herzog Cunrât an in gewant
1871sich der sachin undirwant.
1872Sus sante meistir Herman
1873brûdir Conrâde dan,
1874den man hîz von Landisberc,
1875an der botschafte werc
1876und noch einen andrin
1877brûdir, den er wandrin
1878hîz mit im und zogin
1879sô hin zu dem herzogin
1880von Polênen vorgenant,
1881daz sî besêhin Colmerlant
1882und irvûren ouch vorwâr,
1883ob dî botschaft wêre gar
1884geschên von sîme worte,
1885dî man dî boten hôrte
1886von sînen wegin werbin dâ.
1887Und dô dî brûdere quâmen sâ
1888zu Polênen, als ich las,
1889der herzoge ûzgezogin was
1890durch sache ein teil verre.
1891Dô hûb sich abir ein gewerre:
1892der Prûzin quam ein michil schar
1893und hertin her und dar
1894zu Polen in dem lande
1895mit roube und mit brande
1896dêswâr harte schedelîch.
1897Dô nâmen dî brûdere ouch an sic
1898der Polen ein michil rote
1899von der herzogîn gebote
1900Agâfien der vrouwen,
1901und begundin houwen
1902menlîch an der Prûzin her,
190313 d    daz ouch nam dî widirkêr
1904kegin in mit strîte hart.
1905Dô wanten sich ouch ûf der vart
1906an der êrstin zûzucht
1907dî Polêne an dî vlucht.
1908Alsô wurdin in der stunt
1909dî brûdre tôtlîchin wunt
1910und der Polênen houbtman
1911vûrtin sî gevangin von dan.
1912Darzû slûgin sî ouch vil
1913der Polênen in dem zil.
1914Und dô irgangin was dî nôt,
1915man vant dî brûdere vor tôt
1916ûf dem velde ligin
1917allir macht vorzigin.
1918Sî lîz dî vrouwe Agâfiâ

--- S. 325 ---

1919zu gemache brengin sâ
1920und schûf in gerête,
1921sô sî iz best dô hête;
1922darzû sî erzte in gewan
1923dî ire wundin heiltin sân;
1924und dô sî ledic wurdin
1925der smerzlîchin burdin,
1926sî wurbin wîslîch unvorholn
1927ir botschaft, als in was bevoln.
1928Dô her Cunrât vorgenant,
1929herzoge ûf polênische lant,
1930gehôrt ir botschaft hâte
1931mit clûgim rîfim rate,
1932als gesprochin ist dâvur
1933und mit vrîer willekur
1934mit voreintim mûte gar
1935und mit volge offinbâr
1936Agâfien der herzogîn
1937sîns weibes, und der sune sîn,
1938dî sus hîzin in der zît:
1939Boleslaw, Kasimir, Simowît,
1940gab er mit gesamtir hant
194114 a    dem dûtschin ordin dise lant:
1942Colmen ist daz ein irkant,
1943daz andre Lubau genant,
1944zu besitzene êwiclîch,
1945und al dî lant gemeinlîch,
1946dî sî nâch den zîten
1947mit gotis hulfe irstrîten
1948mochtin und intwendin
1949von der heidin hendin
1950mit al des nutzes rechte,
1951als er und sîn geslechte
1952sî her von anbeginne
1953mit hêrschaft hattin inne
1954und besezzin erbelîch.
1955Er vorzêch sich willeclîch,
1956darzû sîn wîb und sîne kint,
1957dî dâ vorgenennet sint,
1958allis rechtis und hêrschaft,
1959ansprâche und allir eiginschaft
1960êweclîch an den landin,
1961dî wir dâ vor benandin.
1962Und ûf daz dî gebunge
1963in ganzir vestenunge
1964mochte êweclîch bestân,
1965und daz dewedir wîb noch man
1966sî mochtin widirsprechin
1967noch hernâch vorbrechin,
1968des gab durch ganze sichirheit
1969der herzoge vorgeseit
1970den brûderen brîve wol bereit
1971nâch der sache intscheidinheit
1972mit sîme ingesigele ganz
1973wol bewârt ân allin schranz.
1974Dî dinc sach man urbarin
1975in unsirs herrin jârin
1976tûsint und zweihundirt
1977und darûf gesundirt
1978zwênzic und sechs jâr;      [1226
197914 b    in deme sechstin jâre zwâr
1980wurdin sî genende
1981berichtit ûf ein ende
1982vor hêrren und lûten vil,
1983der ich ein teil hî nennen wil
1984zu wârim gezûgnisse,
1985dî ouch vil gewisse
1986darzû gâbin râtis lêr:
1987von Masow bischof Gunthêr,
1988von Kuyaw bischof Michaêl.
1989Ouch was dabî in dem zel
1990von Prûzin bischof Cristiân,
1991prôbst Gernuld, Wilhelm decân,
1992und zwêne hêrren von Dirsaw,
1993dî beide hîzin Pacoslaw,
1994der alde und der junge.
1995Ouch gibt des gezûgunge
1996Jôhannes der kenzelêr,
1997der selbin brîve ein tichtêr,
1998der undirkenzelêr Gregôr,
1999und als ich ouch sprach dâvôr,
2000êrlîchir lûte noch vil mê,
2001dî bî den sachin wârin ê
2002dô sî wurdin sus bezilt,
2003der zu schrîbene mich bevilt1. —
Von der bestêtigunge der vorgesprochnen dinge und manunge, dî der pâbist zu den brûderen tet.

[Dusb. II, 6.]

2004Dô herzoge Cunrât,
2005von dem ir gnûc vornumen hât,

--- S. 326 ---

2006der heidin ummenschlîche tât
2007und dî clegelîche nôt,
2008dî sich sînen landin bôt,
2009in den hof zu Rôme intpôt
2010mit jâmirberndir clage sus,
2011der nûnde pâbist Gregôrius
2012in mitlîdunge wart beweit
201314 c    zu der armen cristinheit
2014in polênschin landin dort,
2015dô er dî clage hatte irhôrt
2016und gedâchte sî bewarn
2017vurbaz vor des jâmirs vârn,
2018darin gequelt was ir lebin.
2019Swaz geordint und gegebin
2020des dûtschin hûsis brûdren was
2021von dem herzogen, als ich ê las,
2022daz bestêtigte alliz sam
2023der pâbist in unsirs hêrren nam
2024und bevûl den brûdren daz
2025um allir sundin ablâz,
2026daz sî nâch all irre craft
2027soldin an der heidenschaft
2028daz unrecht rechin unde kêrn
2029des gecrûzigittin hêrn
2030mit vil swindin êchtin1,
2031und daz sî widir brêchtin
2032zu der cristenheite hant
2033dî gegenôte und dî lant,
2034dî von den heidin wârin
2035bekummirt in den jârin,
2036dî dî cristenen soldin hân.
2037Der pâbist dî brûdre ouch began
2038zu strîte manen unde sprach,
2039daz vil lîblîch sus geschach:
2040›Sune, gurtit ûwir swert
2041›und sît an creftin wert;
2042›gereit ûch zu allir zît
2043›kein der argin dît in strît,
2044›dî zu vorstôrne ist gereit
2045›uns und unsir heilikeit;
2046›wan uns bezzer ist dî nôt,
2047›daz wir in strîte ligin tôt,
2048›wenne daz wir sûllen sêhn
2049›und in jâmirkeite spêhn
2050›unsir volc bemeilgin
205114 d    ›und ouch unsir heilgin.‹
2052Er stercte ouch mit innekeit
2053dî brûdre zu grôzmûtekeit
2054mit wortin, dî got sprach vorwâr
2055zu der israhêlschin schar
2056dâ bevor in aldir zît:
2057›Zûch dû ûz‹, sprach er, ›in strît
2058›widir dî vînde dîn,
2059›und sîestû sî mechtigir sîn
2060›an menge, weinen und an rîtin,
2061›den dû sîs in den gezîtin,
2062›vorcht sî nicht in allir vrist
2063›want got dîn hêrre mit dir ist.‹
2064Ouch stêt dâbî ein andir wort,
2065dâmite er sî trôste dort:
2066›Ir sullit hûte sundir wân
2067›ûwern vîenden kegingân
2068›in vil hartis strîtis pflicht!
2069›Ûwer herze irschrecke nicht;
2070›nicht vorchtit sî, noch wîchit ôt,
2071›want mittin undir ûch ist got!‹
2072Dise grôze mûtikeit
2073volleclîchin was geleit
2074an Judam Machabêum zwâr;
2075want dô er hîlt mit cleinir schar
2076kein unzelîchir heidenschaft,
2077nâch unvorzagtis mûtis craft
2078stercte er dî sînen dô
2079und sprach zu in alsô:
2080»Invorchtit nicht ir menge grôz,
2081›noch ûch irschrek ir widirstôz.
2082›Nemit zu herzin und betracht,
2083›wî unsir vetre vrîe gemacht
2084›wurdin in dem rôtin mere,
2085›dô Pharaô mit sîme here
2086›in vîentlîchin zogete zû.
2087›Und schrîe wir in den himil nû,
2088›sô wirt ubir uns vil armen
208915 a    ›unsir hêrre sich irbarmen.
2090›Er wirt gedechtic der geschichte,
2091›wî er zu unsirn vetren pflichte
2092›und wirt vor unsern ougin hûte
2093›zurîbin al diss heris lûte,
2094›ûf daz alle dît irvarn,
2095›daz got alleine mac bewarn
2096›und irlôsen, wen er wil.
2097›Invorchtit ouch in keime zil

--- S. 327 ---

2098›des sundigin mannis wort,
2099›want al sîner êren hort
2100›ist ein unvlât und ein wurm.
2101›Hûte stîgit er als ein turm;
2102›morne ist er sô vorswundin,
2103›daz sîn nichtis nicht wirt vundin.
2104›Darum, ô lîbin sune, sît
2105der ê minnêre alle zît
2106unde wâgit bederbe
2107›umme der vetre erbe
2108›in strîte ûwir lebin hin!
2109›Vazzit gar in ûwirn sin
2110›und bedenkit ebene,
2111›waz bî irme lebene
2112›ûwir vetir hân getân;
2113›sô wert ir grôze êre entpfân
2114›und ûwer name sundir wân
2115›wirt êweclîch in prîse stân.
2116›Vazzit, edilin helde gût,
2117›vrîez herze, kûnen mût!
2118›Vorchtit keinerhande wê
2119›und werbit menlîch in der ê,
2120›want sô ir leistit dî gebot,
2121›dî ûch hât gebotin got,
2122›sô kumit ir in sulche êre,
2123›dî dô werit immir mêre.
2124›Des nemt zu ûch gewêre
2125›alle der ê gunnêre
2126und andit ûwirs volkis leit;
212715 b    sît mit starkir hant gereit,
2128daz ir geldit dî widirmîte1
2129der argin heidenischin dîte.
Von nûwen strîte der brûdere des dût­schin hûsis kegen den Prûzin.

[Dusb. II, 7.]

2130Dâbevor in aldir zît
2131manch und mancherleie strît
2132kegin den Prûzin ist geschên,
2133als dî histôrgen vorjên
2134von dem keisir Juliô
2135und von nûn gebrûdrin sô,
2136dî dî Gamptin wârn genant
2137und geborn von Swedinlant
2138und von hêrn Hûge, der dâ was
2139genant Potyre, als ich las,
2140zulest ouch bischof Cristân,
2141den wir dâ vor genennet hân,
2142von Prûzin ofte mit in streit
2143und dî swertbrûdere vorgeseit,
2144dî man nante von Dobrîn.
2145Abir swen dî Prûzin sîn
2146mochtin habin stâte,
2147sô rantin sî vil drâte,
2148daz sî ir houbitlûte sân
2149und andre, da icht macht lac an,
2150entwedir tôt irslûgin
2151odir mit unvûgin
2152sô verre sî vortribin hin,
2153daz sî nicht mochtin schadin in.
2154Mit sus getâne liste craft
2155sî daz joch der eiginschaft
2156und dînstlîcher arbeit,
2157dî in zûtreib dî cristinheit
2158von iren helsin leiten
2159und blibin in irrekeiten.
2160Abir in disen zîten
2161begondin kegin in strîten
2162dî dûtschin brûdere gemeit
216315 c    mit nûwir strîte sichirheit.
2164Diz mugin gene strîte wesin,
2165dî got nûwe hât irlesin,
2166daz er der vîende pfortin
2167vorkêr an allin ortin.
2168Want ob sî wol an eime tage
2169vortilgtin mit tôdis plâge
2170einen odir mêr houbtlûte,
2171sô werdin morgin oder hûte
2172alsô gûte an ire stat
2173odir bezzere gesat.
2174Und nicht allein dî nûwikeit
2175an ire strîte ist geleit,
2176sundir ouch mit undirscheit
2177in strîte nûwe forme treit,
2178want nicht alleine mit lîblîchin,
2179sundir ouch mit den geistlîchin
2180wâpenen wirt ubirwundin
2181der vîent in manchin stundin,
2182alsô daz gebete ist;
2183want von Môysê man list,
2184daz der bette bin den zîten,
2185dâz mit den Amalêchîten
2186streit dî israhêlische schar,

--- S. 328 ---

2187dî ouch gesigete vil gar,
2188dî wîl er zu gebete stûnt,
2189und swen sich im bôt dî stunt,
2190daz er des gebetis vorzêch,
2191sô gesigte Amalêch.
2192Diz selbe hât von Môysê
2193Salomôn gerûrt auch ê
2194in dem bûche der wîsheit,
2195dâ er alsust von im seit,
2196daz er ubirwant dî her
2197nicht mit wâpinlîchir wer
2198noch ouch mit des lîbis macht,
2199sundir mit wortin der andâcht.
2200Und ouch daz bûch der richtêre
220115 d    spricht von im sus gewêre:
2202›Gedenkit an den gotis wîgant,
2203›der nicht mit strîte ubirwant,
2204›sundir mit gebetis vlê
2205›Amalêch dî roten ê,
2206›dî in vrevele wilde
2207›sich trogin ûf ire schilde.‹
2208Ouch lese wir von den Machabên,
2209daz sî in gebete schrên,
2210dâ von irre vîende trucht
2211zegelîchin nam dî vlucht;
2212unde lesin ouch alsô
2213von Judâ Machabêô,
2214daz der zu gote sîn gebet
2215in zwein strîten nicht intet,
2216in den iz ubil im irgînc.
2217Kein Anthiocho er gevînc,
2218den man nante Eupator,
2219der strîte einen dâ bevor
2220und dô bleib er des sigis ân
2221und mûste intwîchin dan.
2222In dem andren gînc iz sus:
2223Bachides und Alchimus
2224zugin kegin im mit craft
2225und dô wart mit nôt behaft
2226der unvorzaite Judas,
2227der des mûts ein lewe was
2228und dez tat noch michil mê.
2229Alleine er tête harte wê
2230den vîandin ûf den tac,
2231der dô manchir tôt gelac,
2232doch sich der strît sô lange wîl1,
2233unz er ouch leidir dâ gevîl
2234und daz israhêlische her
2235wart dô vluchtic sundir wer.
2236Noch ist ein andir nûwekeit
2237zu strîtene uns vorgeleit
2238kein der alle sterke vûlt,
223916 a    und dî ist genant gedult.
2240In der hân vil gewêre
2241dî heiligin merterêre
2242des lîbis hi vorgezzin
2243und ir sêlin besezzin
2244bî gote dort in vroudin pflicht.
2245Dâ von sus ein pôêta spricht:
2246›Gedult ein edil kunne ist
2247›zu gesigne alle vrist;
2248›swer dâ dult, der vint den sic;
2249›wiltû gesigin, duldin pflic!‹ —
2250Ouch hât er geschribin sâ
2251von der gedult andirswâ:
2252›Gedult dî ist ein tugint grôz,
2253›des sigis pflegelîch genôz;
2254›sî ubirtwingit âne drôz
2255›dî in wapin unde blôz.‹ —
2256Von der gedult ouch sprichit sus
2257der gûte sente Gregôrius2:
2258›Ân îsins unde vlammen pîn
2259›mug wir merterêre sîn,
2260ob wir wêrlîch behaldin
2261›gedult in mûtis valdin.‹ —
2262Jêronimus ouch dâzû dônt:
2263›Sâ welch heilge wirt gecrônt,
2264›er endulde sundir crîgin?‹
2265Sint der kirchin von der wîgin
2266nî ab was druckindiz leit
2267noch duldende gerechtikeit.
2268Alsus sô hân wir nûwen strît,
2269dem nûw intscheidinheit bîlît,
2270in der wir mit geistlîchir wer
2271mugin der vîande her
2272der cristenheit und des geloubin
2273ubirwindin und betoubin.

--- S. 329 ---

Von vleischlîchin und von geistlîchin wâpenen.

[Dusb. II, 8.]

2274In canticis geschribin stât,
227516 b    daz allerleie wâpinwât
2276der reckin, als ich iz dâ las,
2277in kunic Davîdis turme was.
2278Von sechzic reckin ouch aldâ
2279stêt dâbî geschribin sâ
2280der sterkstin, sô man las mit wel
2281ûz den reckin von Israhêl,
2282gelart zu strîte und wert,
2283daz sî alle trûgin swert
2284und mit hûte nâmen war
2285ummewandrin her und dar
2286Salomônis bette.
2287Ir iclîchir hette
2288sîn swert ûf sîne huf vorwâr
2289gebundin durch der nachte vâr;
2290daran uns ouch bezeichint ist,
2291daz dî hûtêre alle vrist
2292des houbtis Jhêsû Cristî
2293wâpin sullin habin hî,
2294dâmitte sî betoubin
2295dî vîende des geloubin
2296und des geloubin turm bewarn
2297vor allin schedelîchin vârn
2298und vlîzin sich darzû,
2299daz sî in vridelîchir rû
2300und in stêtir sichirheit
2301hûtin der heiligin cristinheit,
2302dî dâ genant ein bette is
2303des wârin Salomônis.
2304Abir want dî schrift bewîst,
2305daz vrowe Judit ist geprîst
2306nicht von der wâpene achte,
2307sundir von tuginde machte,
2308dâmit sî Holofernem slûc:
2309›Wer hoffit dann, daz in genûc
2310›bewar sîn boge und sîn swert;
2311›odir welche sîn sô wert
2312›gewesin und sô vormezzin,
231316 c    ›daz sî hân besezzin
2314›mit ir swerte dî erdin?
2315Darum sol wir des werdin
2316Sente Paulus lêre intpfân
2317und dî wâpin legin an
2318gotis, daz sint tugint,
2319dî alleine mugint
2320den menschin, als Macrôbius1 spricht,
2321sêlic machin mit ir pflicht
2322und iren besitzêre
2323bewarn mit craft gewêre.
2324Der tuginde wâpin sullin gar
2325uns von vîentlîchir vâr
2326bewarin und beschirmen sus,
2327als dâ spricht Bôêcius:2
2328›Wir habin wâpin dir gegebin,
2329›dî dich bewart hêttin ebin
2330›mit ungeleztir vestinkeit,
2331›hêttis dû sî nicht abgeleit.‹
2332Nû sol ûch werdin hî geseit
2333von der wâpin undirscheit,
2334beide der vleischlîchin
2335und ouch geistlîchin,
2336der dî heilige schrift gewigit,
2337dâmit man in dem strîte pfligit
2338kempfin, den dâ nûw irkorn
2339got hât, als ich sprach dâvorn. —
Diz ist vom pukulêre.
2340Wer nû in disin strît wil gân,
2341der sal zum allir êrstin hân
2342den pokelêr und dâ stêt von
2343geschribin sus, daz Salomôn
2344machin lîz zweihundirt sper
2345und drîhundirt pokelêr.
2346Ouch lese wir dâvon alsô
2347in ecclêsiasticô:
2348›Der gerechte in allin zîten
2349›sol kein dem vîande strîten
235016 d    ›ûf den pokler des mechtigin,
2351›ob er an im wil gesigin.‹
2352Vor den poklêr sol uns zemin,
2353daz wir den geloubin nemin,
2354dâvon sente Paulus spricht:
2355›Nemt vor ûch in allir schicht
2356›des geloubin pokelêr,
2357›der ein vullemunt gewêr
2358›allir tugindin ist genant‹;
2359und âne den, als uns irkant

--- S. 330 ---

2360machit sente Augustîn,
2361alle tugint untuchtic sîn
2362und glîch dem zwîge werdin sôr,
2363der ûfwachsin wil inpor
2364unde enpirt doch der craft
2365des stammis, dî in tût besaft.
2366Ouch ist nâch sente Paulis sain
2367unmuglîch, daz îmant behain
2368gote ân geloubin muge
2369odir icht an genâdin tuge.
2370Hât in abir unsir mût,
2371uns kumt mit im alliz gût.
2372Des spricht unsir hêrre sô
2373in dem êwangeliô:
2374›Habit gotis geloubin gar,
2375›want ich sage ûch daz vorwâr
2376›swer dâ sundir zwîvils pflicht
2377›sust zu disem berge spricht:
2378»Irheb dich, lâz dich in daz mer!«
2379›geloubit er âne zwîvils kêr
2380›alliz, daz er spricht: »Geschich,«
2381›daz geschicht im sichirlîch.
2382Nû secht, wî rechte grôze craft
2383an den geloubin ist gehaft.
2384Diz ist der pokelêre
2385sô starc, sô sigebêre,
2386dâmite kunic Josaphat
2387von Judâ zu dem volke trat,
238817 a    daz er vorzaitis mûtis sach,
2389und sus mit trôste zû in sprach:
2390›Getrûwit gote ûwerme hêrn,
2391›sô wirt sich zu gelucke kêrn
2392mit sichirheit al ûwir dinc.
2393Daz ouch gar alsus irgînc:
2394want dî Amonîten
2395und ouch dî Moabîten,
2396dî geslechte beide,
2397dî in argir vreide
2398kegin in gesament wârn,
2399begundin dâ einandir vârn
2400und wuntin undir einandir sich
2401dêswâr alsô vîentlîch,
2402daz sî alle blibin tôt.
2403Dî nôt dâ vrûnt dem vrûnde bôt.
2404Ouch was iz, als wir lesin dort
2405eins starkin geloubin wort,
2406daz Dâvît sprach zu Goliat,
2407dô er in kampfe kein im trat,
2408›Dû kumist zu mir here
2409›mit swerte, schilde, spere,
2410›zu kempene vrevelîch;
2411›sô kum ich alhî widir dich
2412›in unsirs hêrrin namen.‹
2413Sus trâtin sî zusamen;
2414und dô gab got ouch alzuhant
2415Goliam in Dâvîdis hant,
2416daz er in dâ zu tôde slûc.
2417Ouch was grôz geloube gnûc
2418an Sauls sune Jonatâ
2419und Machabêô Judâ,
2420dô ir islîch dise wort
2421sprach bî sînen zîten dort:
2422›Gote ist des nicht zu vil;
2423›er mac helfin, swem er wil,
2424›sô wol kein grôzir menge zwâr,
2425›als kein einir cleinin schar.‹ —
242617 b    In des geloubin vestikeit
2427Jonatâs selbandir streit,
2428er ôt und sîn wêpenêr,
2429kegin der Philistêin her
2430und irslûgin ir zuhant
2431wol zwênzic, dî man ligin vant
2432kûm eins halbin morgins breit,
2433des dî dît gar wart irweit
2434und an dî vlucht gewant dâvon.
2435Man sach Judam ouch slân Serôn
2436und al sîn her getoubin
2437in creftin des geloubin.
2438Diz ist der sic, dâmite man
2439der werlde gesigit an.
2440Wer ist abir, der dâ gesigt,
2441wen der, der des geloubin pfligt,
2442daz gotes sun sî Crist Jhêsus?
2443Want unsir herre spricht sus:
2444›Swer an mich geloubit,
2445›und wêre er joch beroubit
2446›des lebins gar, im wirt gegebin
2447›widir wol gesunt sîn lebin.‹
2448Darumme wende her und dar
2449von ende bis zu ende gar
2450mit merkindis sinnis grift
2451der heilgin êwangêlien schrift,
2452sô vindistû vil nâch alle vrist
2453swâ man von unsim hêrrin list,

--- S. 331 ---

2454wî er hât nâch sîner macht
2455lîb und sele heil gemacht,
2456daz er î endet dî geschicht
2457mit sulchin wortin, dî er spricht:
2458›Dîn geloube hât gesacht,
2459›daz dû bist gesunt gemacht.‹
2460Alsus hât ir den pukeler.
Von dem swerte.
2461Nû nemt daz swert zu strîtis wer,
2462Von dem swerte sus ich las,
2463daz iz Jêremîas
246417 c    Judê gab und sprach zu im:
2465›Sêh, diz heilige swert nû nim
2466›von gote zu prisande,
2467dâmite dû dî vîande
2468›des volkis von Israhêl
2469›nidirwirfis sundir vêl
2470›und sî machis êren blas.‹
2471Diz ist daz swert, dâ mit Judas
2472pflac dî israhêlîschin scharn
2473schôn beschirmin und bewarn.
2474Diz swert, ir gotisrittere wert,
2475vûrt recht als Saul sîn swert,
2476daz nî îtel widirquam,
2477swâ iz sînen swanc hin nam,
2478daz an gotis vîendin dort
2479wirt irvullit gar daz wort:
2480›Bûzin sî daz swert vorhert,
2481›binnen gar dî vorchte irvêrt
2482›dî mait und ouch den jungelinc,
2483›den aldin und ouch den sûgelinc‹;
2484und daz sî sprechin alle zît,
2485sô icht nôt ûf in gelît:
2486›Nicht andirs ist, daz uns beswêrt,
2487›wenn ôt Gedeônis swert‹;
2488daz ist des getwangis craft
2489cristinlîchir rittirschaft.
2490Vor daz swert nim gûte tât,
2491want der geloube ist lebins mat,
2492der der werke nicht inhât. —
2493Etslîche wâpin ôt bewarn
2494den lîb vor vîentlîchin vârn.
2495Sô ist daz swert nâch sîne urbarn
2496wol dem werke glîch gezalt,
2497dâmite der vîent wirt gevalt;
2498und als daz swert itwedir sît
2499ist gescherfit unde snît,
2500sust dî gûtin werc gewêr
2501beschirmen irin wirkêr
250217 d    ûf ein sît vor der helle pîn,
2503ûf der andren sî in în
2504zu der vroudin leitin,
2505dî nîmant mac vol reitin1.
Von dem spere.
2506Nû nemit ouch zu strîtis ger
2507dî dritte wer, daz ist daz sper,
2508dâvon stêt geschribin sâ,
2509daz der prîstir Jôjadâ
2510sper den houbtmannen gab,
2511dî er gescheidin hatte ab
2512darzû, daz sî mit wartin
2513daz gotis hûs bewartin.
2514Dise sper Jôab mit craft,
2515ein vurste der ritterschaft,
2516in Absalônis herze stach,
2517an dem er vîentlîchin rach,
2518daz er vorvolgete mit nîde
2519sînen vatir, hêrn Dâvîde.
2520Vor daz sper, daz dâ ist recht,
2521nemt rechtin vorsatz slecht,
2522als sente Paulus lêre gît:
2523»Swaz ir tût zu allir zît,
2524›daz daz allentsamen
2525›geschê in gotis namen,
2526›iz sî an wortin odir an tât,
2527›swelchir wîs ir daz begât
2528›ezzinde odir trinkinde,
2529›wachinde odir winkinde2,
2530›und ôt waz ir andirs tût,
2531›daz des vorsatz wese gût
2532›und sich dâvon mêre
2533›gotis lob und êre.‹ —
2534Von disim spere sich vil schôn
2535beide lôn und ouch unlôn
2536eins itslîchin werkis treit
2537mit alsulchir undirscheit:

--- S. 332 ---

2538ein bôse vorsatz, der mac nicht
253918 a    zu gûtin werkin habin pflicht;
2540dawidir ouch ein vorsatz gût
2541bôsir werke nicht intût. —
Von deme schilde.
2542Den schilt ûch vor daz vîrde hât.
2543Dâvon in Isâiâ stât
2544mit wârin worten sus bezilt:
2545›Wol ûf, ir vurstin, vazt den schilt!‹
2546Zu Josuê sprach got ouch sô:
2547›Nim den schilt und heb in hô,
2548›den dû hâst in dîner hant
2549›und stê alsô gewant
2550›kein der stat Hay genant;
2551›dî wil ich gebin dir zuhant.‹
2552Darnâch stêt geschribin ouch,
2553daz Jôsuê nicht widirzouch
2554dî hant, dî er irhabin hîlt,
2555darinne er des schildis wîlt
2556sô lange, unz mit swêre
2557alle dî inwônêre
2558von Hay wurdin tôt geslagin.
2559In sulchir wîs sullin tragin
2560al edele strîtêre
2561iren schilt gewêre,
2562noch den vorwerfin in keinir vrist,
2563sam Saul tet, von dem man list,
2564daz ûf dem gevilde
2565vorwurfin wurdin schilde,
2566der starkin schilt, Sauls schilt,
2567sô zeglîch, sam er nî gebilt
2568zu kunge wêre vor der zît.
2569noch mit olei ê gewît.
2570Vor den schilt nim gotis wort,
2571daz dich mit lêre wîsit vort,
2572wiltû sî ebin merkin
2573zu allin gûtin werkin,
2574dâvon wir sus beschribin hân:
2575›Gotis wort ist sundir wân
257618 b    ›ein schilt durchvûgirt allin den,
2577›dî dran mit hoffenunge gên.‹ —
2578Der schilt darumme durchvûgirt heizit,
2579want er sicherheit intheizit
2580und bewart zu allin mâln
2581vor den vûrigin strâln,
2582dî der tûvil schûzit.
2583Hîvon dî schrift intslûzit,
2584daz Machabeus Judas
2585dî sînen alle, waz der was,
2586nicht wâpinte mit were
2587der schilde noch der spere,
2588sundir er pflac sî vestin
2589zu strîte mit den bestin
2590wortin, dî im wârin irkant
2591von gote, dî ouch sîn genant
2592dî bestin wol nâch rechte;
2593want gotis wort tût slechte
2594und machit waz iz wil;
2595iz nutzebêrit alle zil
2596dî, zu den iz wirt gesant.
2597Wirt der nutz an eim irwant,
2598sô hilft iz an dem andren sidir;
2599iz kumit î nimmir îtel widir.
Von dem halsberge.
2600Nû nemt zum vumftin den halsberc
2601ûf des nûwen strîtis werc.
2602Dâvon stêt geschribin sus,
2603daz Judas Machabêus
2604sam ein rise leite an
2605einen halsberc wolgetân
2606und beschirmte sîne lant.
2607Vor den halsberc sî genant
2608alhî dî gerechtikeit,
2609dâvon sente Paulus seit:
2610›Sît gemant, daz ir anleit
2611›den halsberc der gerechtikeit.‹
2612Gerechtikeit ist solchir art,
261318 c    daz sî gibit ungespart
2614daz sîne eim iclîchin wol,
2615als er von rechte habin sol.
2616Gote gibt sî dî dêmût,
2617dâmite sî sich undirtût,
2618(als er ouch selbe spricht, wir suln
2619sus al gerechtikeit irvuln);
2620dem nêstin mitlîdunge pflicht
2621irbûtit sî. Dâvon ouch spricht
2622sente Grêgôrius1 gereit:
2623›Dî wâre gerechtikeit
2624›stête mitlîdunge treit;
2625›dî valsche hât unwirdikeit.‹

--- S. 333 ---

2626Ir selbin gibt sî getwanc
2627des vleischis, daz gar sundir wanc
2628sal recht als eignîn
2629undir der sêle joche sîn. —
2630Dâvon ecclêsiasticus
2631sprichit dise lêre sus:
2632›Sun, wenne dû gevêhs den ganc
2633›in gotes dînstlîchin getwanc,
2634›sô stant in gerechtikeit;‹
2635und darzû sî dir mê geseit:
2636›Durch der rechte dulde pîn
2637›an dir um dî sêle dîn
2638›unde vicht unz in den tôt
2639›um dî gerechtikeit; wan got
2640›wil denne vechtin ouch vor dich
2641›kein dînen vîendin crefticlîch.‹
2642Sô wirt den irvullit dort
2643wol ebene ein sulchiz wort
2644gesprochen von Dâvîde1:
2645›Gerechtikeit und vride
2646›voreinit sîn in kûschir pflicht.‹ —
2647und andirs wirt kein vride nicht;
2648sundir daz vleisch treit gelust
2649widir den geist in abekust.
2650Dâwidir ouch der geist begert,
265118 d    daz dem vleische ist unwert.
Von dem kochir und von dem bogin.
2652Ouch vûgit sich zu des strîts gezoge2
2653beide kochir unde boge,
2654dâ von Isaac sprach zû
2655sîme sune Esaû:
2656›Nim zu handin dîne wer,
2657›bogin unde kocher!‹ —
Von der strâlin.
2658Strâln ouch hîzû gehôrn,
2659wolle wir dî vîende stôrn.
2660Von den strâln, als ich las,
2661sprichit Isâias:
2662›Den kunic von Mêdinlande hât
2663›irweckit der gotlîche rât
2664›widir Babilônem.‹ —
2665Vullit, daz ist ûch bequêm,
2666dî kochere mit pfîlen,
2667ûf daz in disin wîlen
2668got mit ûch muge andin
2669an sînes crûzis vîandin
2670dî wort, dî er gesprochin sô
2671hât in deutrônomiô:
2672›Samenen ich ûf sî wil
2673›ubils unde jâmirs vil
2674›unde wil ân irwendin
2675›nûn strâlin in in endin.‹ —
2676Wir sullin vazzin andrin sin
2677bî den vorgenantin drîn,
2678bogin, kochere, strâlin,
2679und dâbî uns mâlin
2680drî dinc, darûf sich ebin
2681ein iclîch geistlîch lebin
2682stiftin mûz, dî sint geseit
2683gehôrsam, armût und kûscheit.
2684Gehôrsam hât gewisse
2685wol des bogin glîchnisse;
2686wen als der bogin wirt gezogin
268719 a    gecrummit und widirbogin
2688und doch blîbit bruchis ân,
2689sust ein iclîch geistlîch man
2690sol ouch setzin sînen mût,
2691daz er ubil unde gût,
2692bequêm und unbequême
2693in glîchim mûte neme
2694âne murmelâte
2695unde in gehôrsam drâte
2696lâz er sich sundir trîgin
2697bîgin und widirbîgin.
2698Von dem bîgin sprach Isaac,
2699dô er Jacobe seines pflac:
2700›Vor dir bîgin sich zu tal
2701›dîner mûtir sune al.
2702›Ein hêrre dîner brûdre bis!‹ —
2703So mac sprechin wol gewis
2704der gehôrsame sâ
2705diz wort mit Jeremiâ:
2706›Den bogin sîn gespannin hât
2707›der hêrre und mich hât gesat
2708›als zu der strâlen ein zil.‹ —
2709Ô wî harte unde wî vil
2710bûgit sich denne in den span
2711der boge, sô ein geistlîch man

--- S. 334 ---

2712in strîte vor im sît den tôt
2713und nicht entwîchin tar der nôt!
2714Daz ist der gehôrsam
2715deswâr harte lobesam
2716und ubir alliz opfir gût;
2717want, als Grêgôrius1 kunt tût,
2718›Vremde vleisch daz opfir nôtit;
2719›der gehôrsam eiginz tôtit.‹ —
2720Dî strâlen daz geschutze treit
2721und bezeichint dî kûscheit,
2722want, als der wol schîzin wil,
2723mit sinnen merken mûz daz zil;
2724als mûz der sinnen ebin,
272519 b    der dâ wil kûschlîch lebin,
2726wî er mit der sêlin craft,
2727dî ir natûrin ist geschaft,
2728des vleischis sinnen widirstâ,
2729dî dâ sint geneigit nâ
2730zu den sundin alle zît.
2731Und als dî strâlin trîbin pflît
2732des schuzzis, nicht ir selbis macht,
2733als ist iz um kûscheit gemacht.
2734Nîmant kûsch mac gelebin,
2735iz werde von gote im gegebin.
2736Ouch vlûgt nâch vogils sittin
2737zwû vedren inmittin
2738dî strâl, ûf daz sî snelle
2739den vîant tôt gevelle.
2740Sust ouch an der kûscheit sint
2741zwû vederen, daz dî den vînt,
2742den argin, aldin trachin,
2743der kûsche widirsachin,
2744gar an creftin tû geblant.
2745Dî zwû vederen sint genant
2746aldis lebins nûwekeit
2747und des vornûwins nutzberkeit.
2748Von dirre zweir vedre schicht
2749Isâias alsust spricht:
2750›Dî ir hoffin hân gehaft,
2751›dî werdin wandelin ir craft
2752›des lîbis in des geistis gar
2753›und nemin vedrin als der ar:2
2754›want sô sich der vornûwin wil,
2755›sô legit er abe in dem zil
2756›al sîn alt gevidere
2757›und nimt nûwiz widere.‹
2758Zu alsulchir nûwekeit
2759mant uns Paulus, dâ er seit:
2760›Den aldin menschin abeleit
2761›mit der êrstin gewonheit,
2762›den der irrikeite ger
276319 c    ›pfligt machin wandilbêr,
2764›und tût den nûwen menschin an,
2765›der sich nâch gote schepfin kan
2766›in heilikeite und in tugint.‹ —
2767Sô wirt vornûwit ûwir jugint
2768glîchir wîse als des arn;
2769ir wert mit snellim vlûge varn
2770in der tugint der kûscheit
2771sundir alle mûdekeit,
2772want ouch dî strâle Jonathê
2773zurucke nî gepralte ê.
2774Des mac des kûschin menschin vleisch
2775mit Îoppe tûn alsulchin creisch,
2776sô iz twingit bande pîn:
2777›Dî gotis strâlin in mir sîn;
2778›der zorn ûztrinkit mînen geist
2779›der unkûschlîchen volleist.‹ —
2780Welchin zorn, wî harten strît
2781widir einandir alle zît
2782kûsche und unkûsche hân,
2783der kuntschaft wên ich nîman
2784alsô volleclîch gebrûcht
2785sam der, der iz hât vorsûcht.
2786Von der vornûwunge nutze sus
2787spricht sente Bernhardus:
2788›Sô waz hât grôzir zîrheit,
2789›wen dî reine kûscheit,
2790›dî daz wol reine machit,
2791›daz sich von unvlât sachit?
2792›Den vîent macht sî heimelîch.
2793›Ouch zûet ir vrucht sô hôe sich,
2794›swelch mensche ûf irin stengil
2795›sich pfropfit, der wirt ein engil.‹
2796Ouch lese wir von vrowin Judittin
2797daz sî nâch menlîchin sittin
2798Holofernem velte tôt
2799und lôste gotis volc ûz nôt.
2800Daz heil wart ir darum gegebin,
280119 d    daz sî minte kûschiz lebin.

--- S. 335 ---

2802Ô wî schôn in nutzis wunne
2803bistû, edilz kûschiz kunne! —
2804Der kochir uns bezeichint tût
2805mit glîchnisse daz armût;
2806want als dî strâl behaldin
2807wirt in des kochirs valdin,
2808sust wirt dî kûscheit in armût
2809vorborgin und behaldin gût.
2810Des mac dî kûsche sprechin dort
2811in Isâiâ ein sulch wort:
2812›Got der hât gesat mîn wesin
2813›als ein strâle ûzirlesin
2814›und hât vorborgin mich
2815›in sîme kochir sundirlîch.‹ —
2816Doch mac nicht gnûc gedûtin
2817an geistlîchin lûtin
2818daz armût zu der geschicht,
2819von dem sente Bernhart spricht:
2820›Sî wellin tragin der ermde joch,
2821›sô daz in nichtis gebreche doch,
2822›und minnen alsô daz armût,
2823›daz sî besitzin alliz gût‹;
2824sundir sich mûz darzû zechin
2825willig armût mit gebrechin,
2826dâvon Cristus sprichit alsô
2827in dem êwangeliô:
2828›Sêlic sint dî armin,
2829›dî in dem geiste armin.‹ —
2830Dî armunge sol geschên
2831nâch sente Bernhardis jên
2832in vorsatze gewêre
2833und in geistlîchir gere
2834allein durch gotis behegenis
2835und durch der sêlin heil gewis. —
2836Diz sint dî kochere rechte
2837Adâdezêris knechte,
2838dî der kunic Dâvît mit em
283920 a    vûrte zû Jhêrusalêm.
2840Sô vil sprichit Adâdezêr
2841als ein vordirstir scheidêr
2842und bedûtit armekeit,
2843dî dâ von rîchtume scheit.
2844Sô sprichit Dâvît mit witzin:
2845begerlîch des antlitzin,
2846unde bedûtit unsirn hêrrin Crist,
2847des antlitze sô schône ist
2848und sô rechte wunnenbêr,
2849daz dî engil in grôzir ger
2850âne drôzis mittewist
2851dar inbren zu allir vrist.
2852Der trûc dî kochre der ermde
2853mit bittirlîchir hermde
2854unz zu Jhêrusalêm sô hin,
2855dâ er durch unsers heilis gewin
2856an eime crûze nackit gehînc,
2857ûf daz wir ouch gên, als er gînc
2858und volgin sîme armûte
2859mit willigim gemûte.
2860Diz armûte vrîe
2861›ist ouch ein arzenîe,‹
2862als Grêgôrius dô seit:
2863›dî der sittin krancheit
2864›letzit unde machit kunt,
2865›dî tût armûte wol gesunt
2866›mit sîner arzedîe art.‹
2867Armûte tôtit hôchvart
2868mit sînes smackis pregiln1,
2869und dî zwû helleegiln,
2870unkûsche und girekeit
2871vorsteckit gar sîn tuchtikeit. —
2872Ouch sul wir ein slenkir hân,
2873ob wir zu strîte wollin gân.
2874Dâvon spricht, als ich las,
2875der wîssage Zacharias:
2876›Got der herre wirt bewarn
287720 b    ›und bedeckin sî vor vârn;
2878›sô werdin sî dem vrâze
2879›sich begebin mit unmâze,
2880›um daz vormeinen
2881›wirt er mit slenkir steinen
2882›herteclîch kein in swingin
2883›und sî dâmite betwingin.‹
2884Von der slenkern wir ouch hân
2885in der kunge bûche stân
2886sulche wort geschribin:
2887›Iz sal werdin getribin
2888›dî sêle um und umme
2889›nâch schîbelechtir2 crumme

--- S. 336 ---

2890›der vîende Dâvîdis vor wâr
2891›als in einim summin gar
2892›und in einim umme swenkirn
2893›des zirkils einer slenkirn.‹
2894Diz ist dî slenkre, dâ mit
2895kein Goliam trat Dâvît
2896und in in dî stirne warf
2897mit eime steine alsô scharf,
2898daz er im in den schedil dranc
2899dâvon der grôze rise lanc
2900vîl ûf sîn antlitze
2901dânidir âne witze.
2902Alsus Dâvît der cleine
2903mit slenkren und mit steine
2904den grôzin risin ubirwant
2905und slûc in tôt mit sîner hant. —
2906Ouch in dem nûwen strîte hab
2907bî der slenkren einin stab,
2908von dem spricht, als ich vornam,
2909got sus durch Isâiam:
2910›Wê dir, Assur, dî gerte
2911›mînes zornis vil herte
2912›wirt dich treffin und slân
2913›und mîn stab sal sundir wân
2914›in den êgiptschin wegin sich
291520 c    ›zu slag irhebin ubir dich.‹
2916Nû ist in der histôrgen
2917ein geistlîch sin verborgin
2918an slenkirn und an stabe,
2919dâ wir sus lesin abe,
2920daz Dâvît, dô der solde,
2921kempfin, als er wolde
2922mit dem risin Goliam,
2923sînen stab ôt mit im nam,
2924den er pflegelîchin trûc;
2925und vumf steine scharf gnûc
2926las er in sîn tasche
2927und eine slenkre rasche
2928trûc er ouch in sîner hant,
2929dâmit er velte ûf den sant
2930und tôtte alsô disin
2931wol gewâpintin risin.
2932Dirre rise Golias,
2933der sô hart gewâpint was,
2934den tûvil uns bedûtit,
2935der sich darzû irbûtit
2936mit wâpenen der liste,
2937wî er in allir vriste
2938den menschen angevechte.
2939Des saltû, bûzer rechte,
2940Dâvît sîn kên im genant,
2941want Dâvît spricht: starc mit der hant.1
2942Sust soltû widir in wesin,
2943und wiltû wol genesin
2944und gesigin an im, sô hab
2945des heiligin crûzis stab
2946bî dir zu allin stundin
2947und dî vumf scharfe wundin
2948Cristî des vil reinen,
2949dî dî vumf steine meinen,
2950dî er leit in strengir pîn;
2951dî lege in dî tasche dîn,
2952ich meine dînes herzin.
295320 d    Dî wundin mit iren smerzin
2954saltû recht bedenkin
2955und alumme swenkin
2956mit andâcht in der sêlin;
2957sô trifstû âne vêlin
2958den tûvil, daz er stirbit,
2959daz ist, sîn craft vortirbit
2960sô gar, daz er dir nicht enkan
2961mit bekorunge gesigin an.
2962Und ob der stab joch eine,
2963des crûzis vrôn ich meine,
2964nach Hêlisêî râte
2965wirt ûfgelegit drâte
2966des tôdin kindis antlitze,
2967daz ist, der âne witze
2968kintlîch pflegit gebârin
2969in vollinkumen jârin,
2970des sêle lît in sundin tôt;
2971daz tôde kint von tôdis nôt
2972wirt zu lebene widirbrâcht,
2973ob in der stab rûrt in andâcht. —
2974Wolt ir in vollim wâpin stân,
2975sô solt ir ouch gesturzit hân
2976helme unvorzagit,
2977dâ von dî schrift sus sagit,
2978daz Saul Dâvîd an tête
2979vil gar sîn strîtgewête,

--- S. 337 ---

2980und einen helm êrîn
2981sturzt er ûf daz houbt sîn.
2982Durch Jêrêmiam got ouch spricht:
2983›Zu dem strîte ûch bericht;
2984›sitzit ûf, ir rîter balt,
2985›und in vorbundin helmen halt.‹ —
2986Der helm bedûtit uns daz heil,
2987daz dem menschin wirt wol veil
2988von gote, der dâ ûbit sich
2989in disin wâpin tugintlîch.
2990Von dem helme sprichit sus
299121 a    der gûte sente Paulus:
2992›Den helm des heilis an ûch nemt
2993›der ûch zu sâldin wol gezemt!‹
2994So spricht Isâias:
2995›Ich sach, daz der gerechte was
2996›mit eime halsberg an geleit
2997›und mit der gerechtikeit
2998›und ûf sîme houbte stûnt
2999›der helm des heilis in der stunt.‹ —
3000Ô wî sichir macht dû stân,
3001in strîte, ob dû angetân
3002mit disem hergewête bist;
3003want got, hêr in allir vrist,
3004dîn heil wil selbe werdin
3005unz an daz ende der erdin. —
3006Diz sint dî wâpin starke,
3007dâ mit der patriarke
3008Jâcob ûz Amorêi hant
3009gewan daz abgeteilte lant,
3010daz er sîme sune ouch
3011Josêphe zû mit gâbe zouch.
3012Mit den selbin wâpin sint
3013ouch dî israhêlischin kint
3014vil wol nâch irre gere
3015tilgtin dî înwonêre
3016des heilgin landis gar
3017und besâzin iz vorwâr.
3018Ouch sô ubirwant Dâvît
3019sîns rîchis vîende dâmit.
3020Want dî Machabêî sidir
3021machtin und bûwetin widir
3022dî stat Jêrusalêm aldort,
3023dî dô vorterbit und zustôrt
3024vil gar von den heidin was
3025und gotis tempil, als ich las,
3026den besulwit hât ir mein,
3027machtin sî dô widir rein.
3028Ô ir starkin helde,
302921 b    ô rittere ûzirwelde,
3030ô ir ellinthafte man,
3031nû legit dise wâpin an
3032und rechit unvorzeit
3033daz unrecht und dî smâheit
3034des gecrûzigittin gots
3035und nâch willin sînes gebots
3036beengit daz heilige lant
3037ûz der argin heidin hant,
3038daz sî mit unrechtir kur
3039der cristenheit besitzin vur!
3040Tragit, edlin helde gût,
3041in dem strîte starkin mût
3042und ûwir hende nicht entlât,
3043wan ûwir arbeit lôn intpfât,
3044daz lôn vorwâre, dâvon ê
3045got sus sprach zu Abrahê:
3046›Ich wil selbir wesin schôn,
3047›dir ein alzû grôziz lôn.‹
3048Darumme ist, daz ûch irvert
3049dî arbeit, ûwir ougin kêrt
3050an daz lôn sô wunnenclîch
3051unde wizzit sichirlîch,
3052als dikeine missetât
3053ungepînit sich vorgât,
3054alsust inblîbit sundir wân
3055dikeine tugint lônis ân
3056und in daz lôn sich selbe wigit,
3057daz dî tugint gebin pfligit.
Diz ist von den sachin der ûbunge vleisch­lîcher und geistlîcher wâpene.
3058Sechs sachin sich irsûchin,
3059durch dî wir gebrûchin
3060der wâpene vleischlîchin
3061und ouch geistlîchin.
3062êrste sache daran lît,
3063daz wir ûbin unsin strît
3064nâch gotes willin, des wir hân
306521 c    ein urkunde wol daran
3066daz got ouch vor den zîtin
3067manc den Israhêlîtin
3068blîbin lîz der heidin vil,
3069ûf dazs dî Judin alle zil,
3070dî strîtis ungeûbit wârn
3071nâch heidenischin urbarn,
3072bî in strîtin lêrtin,

--- S. 338 ---

3073und dî lêre kêrtin
3074vurbaz ouch an ire kint,
3075daz dî kundin strîtin sint
3076kein den vîentlîchin hern
3077und geûbit in wâpin wêrn;
3078wan lutzil touc zu strîte ein man,
3079der mit wâpene nicht enkan.
3080Darumme in des vridis zît
3081man turnîre ûbin pflît
3082und andir rittirlîche spil,
3083swen intstê urlougis zil
3084und man des kein den vîndin darf,
3085daz man sî zu strîte scharf
3086und daz der ungeûbte nicht
3087sprechin durfe in der geschicht,
3088als zu Saule sprach Dâvît:
3089›Ich inhabe der ûbunge nit,
3090›daz ich gewâpint muge gân‹
3091und blîbe sust der wâpin ân
3092und mûze gar mit schandin
3093undirligin den vîandin. —
3094Und want des menschin lebin ist1
3095ein strît ûf erdin alle vrist,
3096und sô er kumt zur werlde, sân
3097trit er ouch ûf den plân
3098zu strîtene kein der macht der luft2,
3099daz ist kein der tûvile guft,
3100und want kein den vîanden nicht
3101dî wer vleischlîchir wâpin vicht,
3102sundir macht von gote,
3103des mant uns gotis bote
3104Paulus, daz dî wâpincleit
3105gotis sîn an uns geleit,
3106tuginde ich meine,
3107dî got gibit eine,
3108der sîn volc tût muginde
3109an craft und ouch an tuginde,
3110und daz wir ûbin uns daran,
3111sô daz wir kunnen widirstân
3112und mugin an dem argin tage,
3113der dâ gibit bekornde plâge,
3114und daz des ûbins lêre
3115tugint an uns mêre.
3116Dâvon uns Crisostomus
3117Jôhannes beschrîbit sus3:
3118›Als iclîche kunst gemêrt,
3119›gewunnen und behaldin wert
3120›mit des lîbis ûbindir tât,
3121›sust ouch iclîche tugint hât
3122›von ûbene mêrunge breit
3123›und minrunge von lazheit.‹ —
3124Dî andre sache, durch dî man
3125vleischlîche wâpin legit an,
3126durch vîndelâge daz geschît,
3127dâ von dî israhêlische dît
3128durch vîentlîcher lâge vâr
3129leitin an ir wâpin gar
3130unde sâzin an dî stête,
3131dî dî strâzze kên in hête,
3132und hîlden warte dâ mit macht
3133den tac vil gar und ouch dî nacht
3134Ouch sâ lisit man alsô
3135von Jûdâ Machabeô,
3136daz er dî israhêlische schar
3137hîz, daz sî gewâpint gar
3138an vêrlîchin stetin wêrn,
3139daz sî von der vînde hern
3140schadin durftin nicht entpfân,
314122 a    ob sî sî gelîch quêmen an.
3142Von der selbin sachin wein
3143wir ouch geistlîchir wâpin pflein,
3144alse sente Pauwil gît:
3145›Gecreftigit in gote sît
3146›und in sîner tuginde macht;
3147›legit an unvorswacht
3148›dî gotlîchin wâpin sân,
3149›uf daz ir mugit widirstân
3150›des tûvils lâge, der uns pflît
3151›vêrlîchin lâgin alle zît
3152›als ein lewe in sîme hol.‹ —
3153Diz ist genre lewe wol,
3154von dem Petrus tût irkant:

--- S. 339 ---

3155›Der tûvil, unsir vîant,
3156›der dâ ummewandirt swinde
3157›sûchinde, wen er vorslinde,
3158und den sullin wir betoubin
3159mit der tugint des geloubin.
3160Dî dritte sache, daz man leit
3161dem vleische an dî wâpincleit
3162ist durch offinlîchin strît,
3163den uns ouch der vîende nît
3164zûtrîbit mit gesûche.
3165Hîvon stêt in dem bûche
3166Machabêorum, als ich las,
3167dô der arge Lisias,
3168des hoffenunge unde tât
3169an heris menge was gesat,
3170dî gotis craft nicht wolde
3171betrachtin als er solde,
3172sundir mit vorlâznim mûte
3173Jêrusalêm dî stat vil gûte
3174und den gotis tempil ouch
3175vorterbit wolde hân, der gouch,
3176und dô er hatte und sîn her
3177gewunnen itzunt dî vorwer,
3178Machabêus leite an
317922 b    wâpin; und dô sîne man,
3180dî bî im wârin, daz gesân,
3181ir iclîch weinende began
3182mit heizin trênin gote vlên,
3183daz er wolde sendin en
3184einin gûtin engil dar,
3185der ir mit heile nême war.
3186Und dô daz gebete geschach,
3187ir mût zu creftin sich irbrach.
3188Des irhûbin sî ouch sich
3189an dî vîende vîentlich
3190und irslûgin in der stunt
3191vûzgenger wol eilftûsunt
3192und darzû gesundirt
3193tûsint und sechshundirt
3194slûgin sî der rîten.
3195Ouch wart in den zîten
3196al daz her in vlucht gekart,
3197dâ ouch wunt vil manchir wart,
3198der der vûze doch genôz,
3199daz er quam von dannen blôz.
3200Mit der vlucht bewarte sich
3201ouch Lysias vil lêstirlîch.
3202Diz ist dî sache ouch, dâvon
3203dî brûdere des sîn gewon
3204des dûtschin hûsis genant
3205von der înkunft in Prûzinlant
3206unz dâ her zu disin tagin,
3207daz sî ir swert zu pflege tragin,
3208ûf daz sî sîn mit wer gereit,
3209ob icht kegin in irweit
3210wurde vîntlîchir vâr
3211touge odir offinbâr.
3212Alsus wir ouch der tuginde wer
3213gebrûchin kein des tûvils her,
3214sô iz uns offinlîch anvicht.
3215Hîvon sente Pauwil spricht:
3216›Allein wir in dem vleische gân,
321722 c    ›doch sul wir nicht zu strîte stân
3218›nâch des vleischis gewonheit,
3219›want unsirs strîtis wâpincleit
3220›sint nicht vleischlîch,‹ (daz ist cranc),
3221›sundir creftic âne wanc
3222›hât sî got gemachit,
3223›daz dâmit geswachit
3224›der tûvle vestenunge sî,‹
3225(daz ist ir list), ›und dâbî
3226›zustôrt wirt ir rât vormeint,
3227›und al ir hôhe sî vorsweint,‹
3228(daz ist ir tûfe an vornumft,)
3229›dî sich ûflenit kein gotis kumft,‹
3230(daz ist kein dem geloubin,
3231den sî sust wellin toubin.)
3232Darumme saltû zu allin zîten
3233kein des tûvils anstrîten
3234gereit sîn unde muginde
3235mit wâpenen der tuginde,
3236want Paulînus1 tût irkant,
3237daz der tûvil unse vîant
3238zu schadene hât tûsint list,
3239und dem saltû alle vrist,
3240sô manchir wîse widirstân,
3241als er dich pflig zu vechtin an.
3242Anvichtit er dich offinlîch
3243odir lîchte touginlîch
3244mit dem lastir der hôchvart,

--- S. 340 ---

3245sô sî in wer kein im gekart
3246zuhant dî tugint der dêmût,
3247dî in vluchtic von dir tût.
3248Sust tû kein allin sunden,
3249darzû er dich wil schunden;
3250habe jô in dîner wer
3251kegintuginde in rechtir kêr,
3252swî er bûtit dir den schric,
3253sô gewinnestû den sic
3254Dî vîrde sache ist vride,
325522 d    durch dî wir dî gelide
3256mit wâpin deckin glîch,
3257ûf daz wir mugin vridelîch
3258besitzen unse habe.
3259Dâ hat gesprochin abe
3260in dem êwangeliô
3261unsir hêrre Crist alsô:
3262›Swen gewâpint der starke
3263›sîner wonunge marke
3264›mit hûte pflît, sô ist bevitzt1
3265›in vride gar, swaz er besitzt.‹ —
3266Sust wir alleine vride hân,
3267dî wîle wir in tugindin stân
3268gewâpint; want in keiner vrist
3269vride mit den argin ist.
3270Darumme spricht der wîse man:
3271›Di rîchin lûte, dî dâ hân
3272›tugintlîchir zirde rûch
3273›und vridelîchin sûch
3274›in iren hûsrin minnen,
3275›dês wâr dî gewinnen
3276›grôzir êrin mîte
3277›in iris kunnis dîte.‹
3278Hîvon Baruch gesprochin hât:
3279›Hêtstû gewandirt gotis pfat,
3280›so wêre dir gegebin
3281›ûf erdin vridis lebin.‹ —
3282Want als Salomôn dâ sait:
3283›Swen des menschin wec behait
3284›gote, sô kêrt er vorwâr
3285›zu vride sîne vîende gar.‹
3286Dî vumfte sache ist sus gewant,
3287daz wir widir zu der hant
3288gewinnen daz vorlorne gût;
3289als ouch dî schrift zu wissene tût,
3290daz dî israhêlsche schar
3291leitin an ir wâpin gar,
3292dô sî vûrin in daz lant,
329323 a    daz von gote was benant
3294iren vetren und gegebin
3295und gewunnen daz vil ebin
3296ûz der vîende hende widir,
3297dî iz bekummirt hattin sidir.
3298Sus wirt uns widir sundir wân,
3299ob wir der tuginde wâpin hân,
3300des himils lant zu erbe irkorn,
3301daz wir mit sundin hân vorlorn,
3302want dî tuginde sint sô balt,
3303daz sî iz zuckin mit gewalt,
3304als dâ Cristus selbe gît:
3305›Gewalt daz himmilrîche lît
3306›und dî gewaldigin iz zuckin,
3307›daz sint, dî tugint an sich ruckin,
3308›und besitzin iz êwiclîch.‹ —
3309In dise rede mischit sich
3310dî glôse unde sprichit blôz:
3311›Iz ist dêswâr gewalt vil grôz,
3312›ûf erdin nemin hî gebort
3313›und den himil zuckin dort
3314›und mit tugindin gewinnen,
3315›daz natûrlîch pflît intrinnen.‹ —
3316Dî sechste sache hât daz meinen,
3317daz man sich wâpint durch irscheinen,
3318ûf daz dî vîende inpfâhin schric,
3319sô sî der wâpin nemin blic,
3320als man Jûdit hôrte sain,
3321dô sî hatte tôt irslain
3322den vursten Holofernem;
3323sî sprach: ›Ûwir iclîch nem
3324›und lege sîne wâpin an,
3325›und sô man sîet dî sunne ûfgân
3326›sô loufit alle ûf mînen rât
3327›mit eime hûwe ûz der stat
3328›und kumit doch hin nidir nicht.
3329›Irscheinit ôt in der geschicht,
3330›als ir in in dî bûdin
333123 b    ›wolt loufin und sî lûdin,2
3332›ûf daz Holofernis man,

--- S. 341 ---

3333›dî dar an der warte stân,
3334›ûwir werdin sus gewar
3335›und îlen in der vâr
3336›balde sô hin mit den mêrn
3337›zu Holoferne irme hêrn,
3338›und sô sîn weckin wollin,
3339›daz sî in gar bewollin
3340›vindin in sîme blûte.
3341›Want sô wirt irme mûte
3342›ein vorchte alsô grûsam
3343›zûgên, dâvon in allintsam
3344›sô gar intgêt menlîche tucht,
3345›daz sî sich hebin an dî vlucht.‹ —
3346In der selben wîse hân
3347wir der tuginde wâpin an,
3348daz wir daran machin schîn,
3349daz wir in dem dînste sîn
3350des hêrrin, der zu allir vrist
3351ein kunic allir kunge ist.
3352Zu des selben dînstis pflicht
3353irbîte wir in allir schicht
3354als dî gotis dînêre
3355in vil gedult gewêre
3356begurt nâch gotis gere
3357mit wâpenen der gerechtikeit,
3358dî gotis tugint ist geseit.
3359Dî wâpin der gotlîchin tugint
3360gerechtikeit wol heizin mugint,
3361wan sî lêrit uns vil ebin
3362daz sîne eim iclîchin gebin,
3363alsô daz man sol vorlân
3364dî werlt und swaz ir clebit an
3365und zîn zu gote sân,
3366der dâ hât an sînem van,
3367der uns ist von im bevoln
3368hî zû vûrne unvorholn,
336923 c    gesatzt daz zeichin, dâvon dort
3370der engil sprach nâch Cristis gebort,
3371dî er den hirtin macht irkant.
3372Er jach: ›Zu zeichne sî benant
3373›ûch, daz ir vint ein kindelîn
3374›gewundin in kranke windelîn
3375›und geleit in eine krippe.‹ —
3376Nû sint drî tugint hî besippe
3377disin wortin ûzgeleit.
3378Zum êrstin an der kintheit
3379wir dêmûtikeit vorstân,
3380dî dî hôchvart dempfin kan.
3381Dî windlin bedûtin armût,
3382daz kein girekeit ist gût;
3383sô dût dî krippe ein herte lebin,
3384daz dî wollust dempfit ebin.
3385Disin vanin recke ûf
3386hô in tugintlîchir gûf
3387und pflig in oft irscheinin
3388dem tûvele dem unreinin,
3389want ein vorchte alsô grôz
3390und ein engistlîchir drôz
3391sich von dem zeichin ûf in zuit,
3392daz er zegelîchin vluit. —
Diz ist von der êrstin burc der brûdre des dûtschin hûsis, dî dâ hîz Vogilsanc.

[Dusb. II, 10.]

3393Nû wir dî wâpin hân intricht,
3394dî zu dem strîte tragin pflicht,
3395sô grîfe wir dî materie an
3396widir, dâ wir sî hân gelân.
3397Dô dî vorgesprochnin lant
3398Colmen, Lubaw, Prûzin genant
3399von herzogin Cunrâte
3400nâch vil manchim râte
3401ûfgegebin wordin
3402des dûtschin hûsis ordin,
3403als ir dâ vor vornumin hât,
340423 d    dô bleib brûdir Cunrât
3405von Landisberc, den wir ê nandin,
3406mit sîm gesellin bî den landin,
3407zu Prûzin ich dâ meine.
3408Ir hêrschaft abir cleine
3409dennoch dâ was und ir gewalt,
3410want sî keiner hant inthalt
3411in den landin mochtin hân;
3412des dâchtin sî zum êrstin an
3413von verrins zû und nêhir baz,
3414sô in got gevûgte daz,
3415alsô daz nû durch sichirheit
3416dî Wîzil wêr ein undirscheit
3417zwischin den Prûzin und in.
3418Darûf bezilte sich ir sin
3419und bâtin dâ vil drâte
3420den herzogin Cunrâte,
3421daz er in zum bestin
3422bûwete eine vestin,
3423darûf sî sich inthîldin

--- S. 342 ---

3424und des urlougis wîldin
3425Des was der edele reine man,
3426want er in gotis minne bran
3427alzuhandis in bereit.
3428Im wart in sinne vorgeleit,
3429daz er ouch betrachte dort
3430ein alsus pôêtinwort:
3431›Swer dâ wol gehebit an,
3432›der hât daz werc wol halb getân‹,
3433und saminte sîn volc vil gar
3434und lîz in eine burc vorwâr1
3435bûwin bî der Wîzlin nâ
3436ûf einin berc gelegin dâ
3437kein deme, dâ Torûn nû lît,
3438der Wîzelin ûf andir sît.
3439Dî burc man nante Vogilsanc,
3440darûffe des urlougis lanc
3441dî brûdere nâmen den anvanc
344224 a    und satztin sich gar âne wanc
3443mit wêninc wêpenêrin kranc
3444widir den heidenischin tranc,
3445(ummêzlîch was des ummeswanc,)
3446und sungen dâ vil nôtin manc,
3447nicht der nachtegalin klanc,
3448sundir manchin jâmirsanc,
3449als der swane singit,
3450sô in sîn sterbin twingit;
3451want sî hattin gar vorlorn
3452daz sûze lant, dâ sî geborn
3453und gezogin wârin
3454und hattin sich vorvarin
3455verre in ein vremde lant,
3456dar sî kummir manchir hant
3457mûstin lîdin al ir jâr,
3458und wârn âne hoffin gar,
3459daz daz mochte icht geschên,
3460daz sî immir mê gesên
3461ubir lanc odir ubir kurt
3462soldin daz lant der geburt.
3463Sî hattin ouch gelâzin
3464lant in gûtin sâzin
3465vruchtic, rûic, vridelîch,
3466und hattin vorellendit sich
3467in ein lant des grûwin,
3468daz nîmant dô pflac bûwin
3469durch wilde wûstenunge grôz,
3470dî allirwein darin erdôz.
3471Allir wunne was iz hol
3472und ôt hartis strîtis vol
3473und daz ichz alz beslîze ôt,
3474sî hattin slecht gelân durch got
3475vrîheit, êre, kunne
3476und al der werlde wunne
3477und hattin sich gegebin
3478in kummirlichiz lebin.
3479Durch hungir, ungemach,
348024 b    armût, snôdekeit man sach
3481sî in dêmût ummevân.
3482Nicht gar ich ûzgedruckin kan
3483mit wortin, noch vol sprechin
3484dî nôt und den gebrechin,
3485dâ mit sî wârin bewundin.
3486Hî von sî in den stundin
3487mochtin sprechin ouch alsô
3488wol mit sente Pêtrô:
3489›Nu sich, hêrre got, wir hân
3490›ûf erdin alle dinc gelân
3491›und hân dir gevolgit schôn:
3492›waz wirt darumme unsir lôn?‹ —
3493O sûzir Jêsû, der gewis
3494ein crône allir heilgin bis,
3495mit waz crônen soln gecrônt,
3496mit waz zîrheit suln geschônt
3497dî reinen von dir werdin,
3498dî sulche nôt ûf erdin
3499durch dich lîdin mit gedult?
3500Dêswâr an in wirt irvult
3501vil gar daz gotlîche wort,
3502daz Isâias schrîbit dort:
3503›Got hêrre trôstin wirt Siôn
3504›und iren val ûfrichtin vrôn.
3505›Er wirt ire wûste breit
3506›setzin als ein lustberkeit
3507›und ir wiltnis in allir wîs
3508›als daz gotis paradîs.
3509›In ir wirt wunne vundin
3510›und vroude in allin stundin;
3511dâ wirt gehôrt genâdin danc
3512und ein sûzir lobesanc.
Diz ist von der zûkumft mêr brûdre des dûtschin hûsis und von der bûunge der burc Nessow genant.

[Dusb. II, 11.]

3513Dô daz hûs, als ich nû las,

--- S. 343 ---

351424 c    Vogilsanc gebûwit was,
3515brûdir Cunrât sante,
3516den ich dâ vor ouch nante
3517brûdre Hermanne von Saltzâ,
3518dem hômeistere botin sâ,
3519dî dâ soldin im vorjên,
3520wî iz alliz was geschên
3521bî den sachin und volant,
3522darumme er was ûzgesant,
3523und bat mit grôzir vlê,
3524daz er im sente brûdere mê
3525und andre wêpenêre;
3526des ouch vil gewêre
3527der homeistir vorgeseit
3528was mit willin dô gereit.
3529Er sante im zu meistre sân
3530einen brûdir, der Herman
3531Balke was geheizin dô,
3532und sprach zu deme sô,
3533alse got gesprochin ê
3534hatte ouch zu Jôsuê:
3535›Starcmûtic und creftic bis,
3536›want dû leitin solt gewis
3537›der israhêlschin sune schar,
3538›daz sint dîne brûdere gar
3539›und brengin in daz lant,
3540›daz in von gote ist benant
3541›und got sal mit dir sîn
3542›in allin den arbeitin dîn.‹
3543Ouch sô sante er danne
3544mit brûdre Hermanne,
3545den man nante Balke,
3546einin zu marschalke,
3547der hîz brûdir Tîterich,
3548ein rittir dêswâr lobelîch,
3549und was von Bernheim genant.
3550Ouch sô wart mit in gesant
3551brûdir Cunrât, der geborn
355224 d    von Intele was und dâ bevorn
3553gewesin mit vil grôzir zucht
3554ein kemerêr der sûzin vrucht
3555sente Elizabêtin.
3556Mit in sî ouch dâ hêtin
3557noch zwêne brûdre rittirlîch,
3558dî hîzin beide Henrîch.
3559Ein Dorinc was der ein irkant
3560und von dem Berge genant;
3561sô was der andir von Zîz,
3562von Wittindorf derselbe hîz.
3563Disin brûdrin mite was
3564genûc wêpenêre, als ich las,
3565dî der hômeistir sande
3566alle kein Prûzinlande
3567zu hulfe brûdir Cunrâte,
3568als er gebetin hâte.
3569Und dô sî sus intsamen
3570zum Vogilsange quâmen,
3571ir rât vil snel dâ ûf gesaz,
3572daz sî bûweten nidir baz
3573ûf der Wîzlin strande
3574ein hûs, daz man dô nande
3575darumme ouch Nessouwe,
3576want dî selbe ouwe
3577dî dî burc dâ ummesaz,
3578was bevlozzin unde naz.
3579Und dô man ûf dem hûse sach
3580dî brûdre wonen, dô geschach,
3581daz dî Prûzin quâmen
3582in vîentlîchim râmen
3583in Polênsche lant sô hin;
3584und dô sî sâhin volgin in
3585dî brûdre in ir hergewête,
3586michil wundir sî des hête,
3587wan sich ir kumft irscheinte
3588und waz sî ouch dâ meinte.
3589Secht, dô wurdin sî bericht
359025 a    von eime Polêne der geschicht,
3591den sî gevangin vûrtin dô.
3592Er sprach: ›Daz volc, daz ir alsô
3593›hât gesehen hûte,
3594›daz sint begebene lûte;
3595›dî sint zu strîte helde
3596›unde rittere ûzirwelde.
3597›Der pâbist hât sî hergesant
3598von dûtschin landen in diz lant,
3599›daz sî zu allin zîten
3600›wider ûch sullin strîten
3601›unz sî gar betwingin
3602›ûch und darzû bringin,
3603›daz ir den heiligin touf
3604›intpfât nâch des gelouben louf,
3605›den Cristus geboten hât,‹

--- S. 344 ---

3606unde zu gebote stât
3607der rômischen kirchin dort.
3608Dô sî hattin daz erhôrt,
3609vil hônlîch sî sîn lachten
3610und sich kein hûse machten.
Diz ist von brûdre Hermanne Balkin dem êrstin lantmeistre zu Prûzin der brûdre des ordins des dûtschin hûsis.

[Dusb. II, 12.]

3611Brûdir Herman Balke genant
3612von dem dûtschin hûs irkant
3613der êrste lantmeistir was
3614in Prûzinlande, als ich las,
3615und pflac wol zwelf jâr
3616des gebîtis dâ vorwâr.
3617Ouch man in zu Lîflande
3618den êrstin meistir nande
3619und dô er des gebîtis dâ
3620ouch gepflac sechs jâr vil nâ
3621und beide lant mit strîtis macht
3622in gûte sâze hatte brâcht,
3623(want daz urloig in sînre hant
362425 b    was nâch wunsche î gewant
3625als hernâch wirt offinbâr)
3626dô was er wurdin ouch sô swâr
3627von arbeit und von aldirs wein,
3628daz er nicht inmochte pflein
3629des amtis mê; des vûr er widir
3630kein dûtschin landin, dâ er sidir
3631starb und ouch begrabin lît.
3632Wî gar achtber in sînre zît
3633mit sîme tûne sî gewesin
3634dirre degin ûzirlesin,
3635daz wîsit manche grôze tât,
3636dî er prîslîch begangin hât. —
Diz ist von der predegunge des crûzis und von dem ablâz der pilgerîme kên Prûzin unde kên Lîflande.

[Dusb. II, 13.]

3637Dî wîle dise dinc geschân,
3638alse wir dâ vor vorjân
3639brûdir Herman von Saltzâ
3640der hômeistir, der î sâ
3641vorbesichtic und klûc
3642was ûf rechtis nutzis vûc,
3643mit bete zu dem pâbste trat,
3644den er manchirleie bat,
3645daz sîme ordne was behûf.
3646Undir andrin betin er daz schûf,
3647daz der pâbist dô beschît
3648etslîche rîche unde gebît
3649als der homeistir wolde,
3650darin man predigin solde
3651daz crûze vil gehûre
3652zu helfelîchir stûre
3653Prûzinlande sô herab.
3654Der selbe pâbist ouch dô gab
3655und Innocencius darnâch,
3656den man den vîrdin wesin sach
3657pâbist in sulchim namen,
365825 c    den ablâz allintsamen
3659den pilgerîmen, dî durch got
3660zu swechene des tûvils spot
3661und den geloubin zu bewarn
3662in daz lant Prûzin varn
3663und ouch zu Lîflande dort
3664mit allir der genâdin hort
3665in privileigin êwikeit
3666mit vollenkummir sichirheit,
3667alse man zu allir zît
3668den pilgerîmin gebin pflît,
3669dî dâ varn in daz heilge lant
3670zu Jhêrusalêm genant. —
Hî endit sich daz andre teil diss bûchis und beginnit daz dritte teil und ist von den strîtin der brûdre des dûtschin hûsis widir dî Prûzin und zum êrstin von dem strîte kên den înwonêrin des colmischin landis.
3671Nû hab ich, als ich hatte gedâcht,
3672vil kûmelîchin vollinbrâcht
3673tichtinde daz andre part
3674diss bûchis von der învart
3675der dûtschin brûdre in Prûzinlant,
3676wî iz in gînc darnâch in hant
3677mit strîte kein den heidin,
3678daz ich daz nû intscheidin
3679wol mûze mit getichte.
3680Criste, daran mich richte

--- S. 345 ---

3681und lêre mit genâdin pflicht,
3682wânt âne dich intouc ich nicht!
3683Darzû hilf, sûze kunigîn,
3684want mîn getichte, daz ist dîn! —

[Dusburg III, 1.]

3685Brûdir Herman Balke genant
3686meistir ubir Prûzinlant
3687mit allim vlîze darûf gînc
368825 d    wî er des geloubin dinc
3689vorgetribe nutzeberlîch.
3690Des nam er den herzogin an sich
3691von Polênen vor geseit
3692mit allir sîner macht bereit
3693und vûrn in gotis namen
3694ubir dî Wîzil intsamen
3695ûf dî colmischin sîtin
3696und bûweten in den zîtin
3697nider baz ûf der Wîzlin strant
3698eine burc Torun genant.
3699Diz was nach unsirs hêrrin jârn
3700dô der gar vorgangin wârn
3701tûsint und zweihundirt
3702ouch drîzic darûf gesundirt      [1231
3703und einiz, in dem daz geschach,
3704daz min sî dâ bûwin sach
3705dî burg, als ich gesprochin hân.
3706Diz bûwin was alsus getân:
3707ein grôze eiche in der stunt
3708ûf eime hubele dâ stûnt
3709gewachsin; ûf der este
3710machtin sî erkre veste
3711geordint wol mit zinnen
3712nâch werlîchin sinnen.
3713Sî hîbin ouch dî crumme
3714dî burc allum und umme
3715veste heine her und dar
3716und vormachtin iz sô gar,
3717daz nicht inbleib den ôt ein pfat,
3718daran man zu der burc getrat.
3719Der brûdre, dî dâ blibin
3720was dô nicht mê wen sibin.
3721Dî mûsten ouch zu pflege hân
3722aldâ ir kanen bî in stân
3723durch der Prûzin anehurt,
3724swen iz hette sich geburt,
3725daz sî nicht mochtin blibin sîn,
372626 a    daz sî gevallin wêrn darin
3727und gevarin kein Nessow
3728und dâ besezzin vor ir drow.
3729Ubir etslîche zît ôt darnâch
3730dî brûdre man ouch stiftin sach
3731vor dî burc Torun ein stat,
3732dî man sint durch nutzis rât
3733mûste legin sô hin dan,
3734dâ Torun burc und stat nû stân
3735wan sich dî Wîzil oft irgôz,
3736daz sî dî stat hî gar durchvlôz.
3737Doch bleib dî burc vil manchin tac
3738ligin dâ, als sî ê lac. —
Diz ist von den gemerkin des landis zu Prûzin.

[Dusb. III, 2.]

3739Prûzinlant gelegin is
3740bin disin merkin gewis:
3741der Wîzlin, der gesalznin sê,
3742der Memlin, Rûzinlande mê,
3743dem herzogtum Masow genant
3744und herzogtûme Dobrîn irkant.
3745Wîzil ist eins wazzirs nam
3746und hât vil snellin stram.
3747Iz vlûzit von Krakow zu tal
3748und nimit in daz mer den val
3749in Pomerânschim lande sâ
3750bî Dantzk der burc gelegin dâ.
3751Dise Wîzle scheit Polênen
3752und ouch Pomerênen
3753mit irem vluzze offinbâr
3754von Prûzinlande, daz ist wâr. —
3755Memil ist ouch ein wazzir gût
3756und vlûzit in strengir vlût
3757ûz rûzischim rîche her
3758und in daz vorgenante mer
3759velt sî ouch bî einir stat,
3760an der ist ein burc gesat;
3761burc und stat dî beid intsam
376226 b    beslûzit Memilburc der nam.
3763Dise Memle vorgeseit
3764Kûrlande gibit ein undirscheit,
3765Littowin unde Rûzin
3766von dem lande Prûzin.
3767Sô ist daz mer dî dritte want1
3768und dî vîrde gene lant,

--- S. 346 ---

3769dî dâ vor genennit sîn,
3770Rûzin, Masow und Dobrîn.
Diz ist von der Prûzin undirscheit und von irre macht.

[Dusb. III, 3.]

3771Prûzinlant alsus gereit
3772ist geteilt mit undirscheit
3773in eilf teil und der iclîch
3774hât sînen namen sundirlîch,
3775nâch den ouch geheizin sîn.
3776dî Prûzin, dî den wonen în.
3777Daz erste teil was sus genant
3778Lubaw und Colmer lant
3779und daz was wûste allintsam,
3780ê dî brûdre lobesam
3781des dûtschin hûsis quâmen
3782und Prûzinlant înnâmen.
3783Daz andre heizit Pomezênen,
3784und daz dritte Pogezênen;
3785Ermin man daz vîrde nent;
3786Natangin man daz vumfte irkent.
3787Das sechste heizit Samin;
3788daz sibinde bî nâmen
3789geheizin ist Nadrowen
3790und daz achte Schalowen.
3791Sudowen man daz nûnde pflît
3792nennen und bî deme lît
3793daz zênde, als wir vindin,
3794und ist genant Galindin.
3795Daz eilfte Bartin nennet man,
3796dâ lît Plicke Bartin an,
3797dî man nû nent gemeine
379826 c    grôz Bartin unde kleine.
3799Undir disin landin al
3800was dikeiniz alsô smal,
3801iz leiste in allin zîten
3802wol zweitûsint rîten
3803und manch tûsint strîtêre
3804genennet vûzgengêre,
3805swen sî strîten soldin
3806odir reisin woldin.
3807Doch was Samen sunderlîch
3808vor den andrin alsô rîch
3809und volkis alsô vol,
3810daz iz mochte habin wol
3811vîrtûsint rîtêre
3812unde vûzstrîtêre
3813mêr den vîrzictûsunt.
3814Diz was ir macht in der stunt.
3815Sô wârin dî Sudowin,
3816als man mochte schouwin
3817dî edilstin vor in allin.
3818Des was in ouch gevallin,
3819daz sî an rîchtûm und an macht
3820vor sî alle wârin geacht.
3821Sî mochtin pflegelîchin hân
3822von rîtin wol sechstûsint man
3823unde vûzstrîtêre
3824âne zal als mêre.
3825Ouch hât iclîche dirre dît
3826dâvon ich dâ vor intschît,
3827veste burge und der vil,
3828dâvon ich nû nicht sprechin wil,
3829want iz vordrôzsam wêre
3830unde nutzis lêre.
3831Nû merkit al hîrundir
3832wî grôz sîn gotis wundir
3833unde wâ sîne zeichin,
3834mit creftin hin reichin,
3835daz sibin dûtsche brûdre ein
383626 d    mit wêninc wêpenêrin gemein
3837vestinde ein eiche dort,
3838als ir dâ vor hât gehôrt,
3839zum êrstin torstin setzin sich
3840mit urloige vîentlîch
3841kein sô unzellîchir dît
3842und in doch sô wol gerît
3843manic wunderlîchir strît,
3844sô daz nâch etlîchir zît,
3845nâch drîn unde vumfzic jârn,
3846von in sô gar betwungin wârn
3847al dî heidin vorgenant,
3848daz man einin nicht invant
3849in al den landen her und dar,
3850her inwêre gebogin gar
3851undir des geloubin joch.
3852Diz half in Crist der sûze doch;
3853des sî im lob und danc geseit
3854in immir werndir êwikeit!
Von der vorwûstenunge des landis Ga­lindin.

[Dusb. III, 4.]

3855Nû wârin dî Galindin
3856gewâchsin an gesindin

--- S. 347 ---

3857und was ir alsô vil
3858wurdin in der jâre zil,
3859daz ir menge âne zal
3860ir lant irvullit hatte al
3861dî breite und dî lenge
3862und was in joch zu enge.
3863Dês dâchten sî zu tûne sô,
3864als dâ vor Pharaô.
3865Dô der dî israhêlsche schar
3866wolde machin crefte bar
3867und ir menge minrin,
3868dô begunde er inren1
3869dî helfammin sulchir list;
3870er sprach: ›Daz haldit alle vrist,
3871›swaz knechtelîne wirt geborn,
387227 a    ›den sî der tôt von ûch irkorn;
3873›dî meidelîn ôt lebin lât.‹
3874Dâkegin sô was dirre rât:
3875dî solde man alle tôtin hin
3876waz meide wurdin undir in,
3877und allein behaldin
3878dî knecht ûf strîtis waldin.
3879Doch was dirre vunt ein wicht;
3880sî inschûfin alsus nicht,
3881wan sô dî wîb irsân dî barn,
3882daz sî sô zart, sô schône wârn,
3883sî irbarmte gar der nôt,
3884daz sî sî soldin mordin tôt;
3885des lîzin sî genesin
3886dî meidil unde wesin,
3887dâ man sî touginlîchen zouch.
3888Dô daz dî man gesâhin ouch,
3889sî wurdin al gemeine
3890mit râte des in eine
3891nach tobelîchin sittin,
3892daz sî gar abesnittin
3893allin iren wîbin
3894dî bruste von den lîbin,
3895ûf daz sî nicht inmochtin sint
3896irnerin keiner hande kint.
3897Dise unmenschlîche tât
3898und dî smâheit nâhin trat
3899den selbin wîbin in der zît.
3900Des quâmen sî ouch hin besît
3901zu einim wîbe, zu einir aldin,
3902dî dâ was gehaldin
3903von al der dît gewisse
3904ein heilge prophêtisse,
3905sô daz nâch irm gebote
3906al des landis rote
3907sich richte vil ebin
3908gar âne widirstrebin,
3909und dî mit vlîze bâtin,
3910daz sî in wolde râtin,
391127 b    wî sî gerochin wurdin
3912der smêhelîchin burdin,
3913dî in was mit bittirkeit
3914von iren mannen ûfgeleit.
3915Dî vrowe disen ungevûc
3916vil hôhe an den wîbin wûc,
3917want sî mitlîdunge trûc,
3918irme kunne grôz genûc,
3919dâvon sî ouch besande
3920dî bestin von dem lande
3921und sprach zu in mit listin dô:
3922›Ûwir gote wollin sô,
3923›daz ir alle sundir wer
3924›wâpin unde îsins lêr
3925›und allis des, daz wundin pflît,
3926›ûch irhebt in dirre zît
3927›und ûf dî cristnen reisit
3928›und dî mit strîte neisit.‹
3929Zuhant dô sî der vrouwin wort
3930hattin in sulchir wîs gehôrt,
3931gehôrsam wârn sî und nicht laz
3932und besamenten alliz daz,
3933swaz dâ reisin mochte
3934und zu strîte tochte,
3935und irhûbin sich zuhant
3936mit vroudin in der cristnen lant
3937daz in lac nêhist in dem zil
3938und tâtin aldâ schadin vil.
3939Ân andir ubil, daz sî dâ
3940begîngin in dem lande sâ,
3941tribin sî her dannen
3942von wîbin und von mannen
3943und von vîhe michil roub.
3944Des wart der cristnen vroude toub.
3945Und dô sî an der widirvart
3946zugin kegin lande wart,
3947der gevangin sumelîch
3948in intlîfin heimelîch,

--- S. 348 ---

394927 c    dî wider zu den cristen
3950quâmen und in gewîsten
3951sulche botschaft mit eidin,
3952daz daz her der heidin
3953gar âne wâpin wêre
3954und allir wer impere,
3955und rîtin daz mit trûwin,
3956daz sî in âne grûwin
3957volgtin mit menlîchin sittin
3958und sî sichirlîch bestrittin.
3959Von disin wortin wart vil gar
3960gecreftigit der cristnen schar.
3961Hîvon sî sich ûf machtin
3962und nach den vîendin gâchtin,
3963dî sî ouch anquâmen
3964nâch vîentlîchin râmen
3965und slûgin daz mechtige her
3966sô gar darnidir âne wer,
3967daz der heiden allintsam
3968dikeiner nî von dannen quam.
3969Und dô den Sudowin daz
3970und andren dîtin, waz der saz
3971dâ umme, genzlîch wart vorgên,
3972wî den Galindin was geschên,
3973sî zugin ân irwindin
3974in daz lant Galindin.
3975Dî mûtre mit den kindin
3976und allin den gesindin,
3977dî dâ wârin blibin,
3978sî von dannen tribin
3979und brâchten sî in ire haft
3980zu êwigir eigenschaft.
3981Alsus unz hûte an dise zît
3982daz selbe lant noch wûste lît. —
Diz ist von den abgotin und von dem ungeloubin und sittin der Prûzin.1

[Dusb. III, 5.]

3983Dî Prûzin nicht irkantin got
3984noch diwedir sîn gebot;
398527 d    tum und einveldic was ir sin,
3986des inmochtin sî nicht in
3987bevân mit der vornumfte grift,
3988und want sî ouch nicht hattin schrift,
3989darin man gote pflît irspên,
3990des mochtin sî in nicht irsên
3991mit den ougin der kentnisse.
3992In was joch sô ungewisse
3993und sô vremde von vornunst
3994der schrifte wîsheit unde kunst,
3995daz sî zum êrstin sundirlîch
3996daz dûchte alzû wundirlîch,
3997daz ein man dem anderen
3998mit brîven zwischinwanderen
3999mochte hin in vremde lant
4000sînen willin tûn irkant.
4001Und want in got sus was unkunt,
4002dâ von dî irrikeit intstûnt,
4003daz sî in tumplîchir vûre
4004ein iclîche crêatûre
4005vur got pflâgin betin an;
4006donre, sunne, stêrne, mân,
4007vogle, tîr und ouch dî crotin
4008wârin in irkorn zu gotin.
4009Ouch sô hattin sî velde,
4010wazzere unde welde
4011heilic nâch irme sinne,
4012sô daz sî nicht darinne
4013pflûgin noch vischin torstin,
4014noch houwin in den vorstin.
4015Nû was undir dirre
4016heidinschaft sô irre
4017wol inmittin gesat
4018eine vornême stat
4019in dem lande Nadrowe.
4020Dî stat dî hîz Rômowe
4021und was nâch Rôme genant,
4022want dâ was wonende irkant
402328 a    der obriste êwarte
4024nâch heidenischir arte.
4025Criwe was genant sîn name.
4026Dî heidin pflâgin allintsame
4027vor einin pâbst in haldin;
4028want als der pâbist waldin
4029pflît gemein der cristinheit,
4030sust wârin disem ouch gereit
4031dî Prûzin nicht alleine,
4032sundir ouch gemeine
4033Littowin und Lîflande;
4034swaz man dâ irkande

--- S. 349 ---

4035von heidenischin rotin,
4036dî wârin sînen gebotin
4037gehôrsamlîchin undirtân.
4038Gewalt sô grôz sach man in hân
4039undir in und achberkeit,
4040daz nicht alleine wirdikeit
4041im odir sînen mâgin
4042dî heidin irbîtin pflâgin,
4043sundir swâ ein bote ouch
4044durch ire gegenôte zouch,
4045dem dâ Criwe sînen stab
4046odir ein andir zeichin gab
4047der heidenischin dît bekant,
4048daz er wêr von im gesant,
4049den pflâgin sî sêre êren.
4050Dî kunge und dî hêren,
4051darzû dî gemeine schar
4052sich im irbôt mit dînste gar.
4053Ouch hegte und bewarte
4054der vorgenante êwarte
4055ein burnde vûer immir mê
4056nâch gewonheit der aldin ê.
4057Dî Prûzin ouch genende
4058geloubtin der urstende
4059und doch nicht rechtverteclich.
4060Alsus trûg ir geloube sich:
406128 b    swî nû hî ein wesin
4062dem menschin wêr irlesin,
4063edil odir unedelîch,
4064durftig odir gûtis rîch,
4065gewaldig odir âne gewalt,
4066sust wirt sîn wesin ouch gestalt
4067nâch der urstende ebene
4068in dem kumftigin lebene.
4069Hîvon daz pflegelîch geschach,
4070sô man dî edelin sterbin sach,
4071daz man wâpin unde pfert,
4072knechte, meide, cleidir wert,
4073jaithunde und vedirspil
4074und andirs gezûgis vil,
4075daz man zu hêrschaft nante,
4076mit den tôdin brante.
4077Sô mit den unedlin wart
4078vorbrant nâch iris tôdis vart,
4079swaz dâ angehôrt ir amt;
4080want, daz dî selbin dinc intsamt
4081mit in soldin widir irstân,
4082sus was irs geloubin wân,
4083unde in dînen vorbaz mê,
4084als sî getân hattin ê.
4085Bî disen tôdin was gewis
4086ein sulch tûvelisch trugnis:
4087want sô des tôdin mâge
4088quâmen hin durch vrâge
4089zu Criwin und in bâtin jên,
4090ob er îmande hêt gesên
4091an deme odir an dem tage
4092adir an sulchir nachtelâge
4093varin vor sîme hûse hin,
4094secht, sô pflac er sagin in
4095unde gar intscheidin
4096an wâpenen und an cleidin,
4097an gesinde und an pferdin
4098und ouch an gebêrdin
409928 c    mit zeichenin gewisse
4100des tôdin gesteltnisse.
4101Und daz sî des geloubtin baz,
4102sô wîste er in ofte daz,
4103daz er gevarn wêr dâ vur:
4104er hêt ein zeichin in sîn tur
4105gestochin odir gehouwin,
4106als sî dâ mochtin schouwin.
4107Al dise heidin vorgeseit
4108hâtin ouch gewonheit,
4109swen sî gesigit hâtin,
4110daz sî ir opfir tâtin
4111den abgotin durch ir heil,
4112und al der habe dritte teil,
4113dî in zûval des sigis gab,
4114wart von in geteilit ab
4115und geantwortit Criwin sân,
4116der daz den gotin ouch vorbran.
4117Nû pflegin dî Littouwin,
4118als man dâ mac schouwin,
4119und andere des tûvils kint,
4120dî des geloubin ênic1 sint,
4121daz sî sundirn an einir stat,
4122dî von in heilic ist gehat,
4123nâch iren tummen sinnen
4124daz selbe opfir brinnen.

--- S. 350 ---

4125Und sô sich daz geburt,
4126daz man zu dem opfre vûrt
4127pfert, dî man vorburnen wil,
4128dî rent man êrstin alsô vil
4129und jagit sî sô lange an,
4130unz sî vor mûdikeit gestân
4131kûme ûf den vûzin mugin.
4132Sust sî deme opfre tugin.
4133Dî Prûzin wâren ouch gewon,
4134als ich vornumen hab dâ von,
4135daz sî seldin tâtin icht,
4136was icht merklîch dî geschicht,
413728 d    sî wurfin êrstin ire lôz
4138nâch irem ungeloubin grôz,
4139dâ mit sî dâchtin sundir wân
4140irvarn an iren gotin sân,
4141ob in dî sache sus getân
4142wol odir ubil solde irgân.
4143An cleiderin rîcheite
4144und ubirvluzzikeite
4145nicht achtit noch daz selbe lût:
4146als er sî hûte abezût,
4147sus er sî morgin ouch antût.
4148Er lêzit daz gar wesin gût,
4149ob sî ebich sint gekart.
4150Weiche bette, spîse zart
4151sîn in ouch ungewonlîch.
4152Ir tranc, des sî ouch nertin sich
4153in aldin zîtin, was ouch drilch:
4154wazzir, mete, kobilmilch;
4155nicht westin sî von tranke mê.
4156Ouch intrunkin sî nicht ê
4157dî milch, unz sî geheilgit wart
4158nâch irre heidenischin art.
4159Swenn in ouch komen geste,
4160den tûn sî gar daz beste,
4161daz sî indirt mugint
4162(daz ist ir grôste tugint),
4163und nicht in irme hûse ist
4164von tranke, spîse in der vrist,
4165sî inteiln iz williclîch
4166in mitte unde mildiclîch.
4167Sî indunkit des ouch nicht,
4168daz sî iz vrûntlich hân bericht
4169und gepfloin der geste wol,
4170inwerdin sî nicht alsô vol
4171trankis, daz sî spîin.
4172Gewonlîch ist daz bî in,
4173daz sî einandir pflichtin
4174in unmêzlîchin schichtin
417529 a    glîche trunke und der vil.
4176Dâvon geschît iz in dem zil,
4177sô sî in tranc gesetzin sich,
4178daz dem wirte ein iclîch
4179hûsgenôze brengt ein maz
4180und trinkit im zû ûf daz,
4181daz der wirt ouch âne haz
4182ûztrinke vol daz selbe vaz.
4183Sust trinkin sî einandir zû
4184und lân dem napfe keine rû:
4185er loufit hin, er loufit her,
4186itzunt vol, itzunt lêr.
4187Sô lange trîbin sî daz an,
4188unz daz wîp unde man,
4189wirt und hûsgenôzin,
4190dî cleinin mit den grôzin,
4191alle werdin trunkin.
4192Daz ist nâch irn gedunkin
4193kurzewîl und êre grôz,
4194doch dunkit iz mich êren blôz. —
4195Nâch der aldin gewonheit
4196sich noch der Prûzin sitte treit,
4197daz sî koufin mit gedinge
4198ire wîb umme pfenninge.
4199Des helt er1 sî als eine mait.
4200Sîn tisch ist ir ouch vorsait,
4201daz sî dâ icht ezzin mûze.
4202Sî mûz tegelich dî vûze
4203dem hûsgesinde alle twân
4204und den gestin sundir wân. —
4205Betlin pflît ir keinir gân,
4206want sî dî gewonheit hân:
4207swer dâ arm ist undir in,
4208der mac her gên unde hin
4209von hûs zu hûse unvorjait
4210und ezzin dâ, swenn im behait. —
4211Geschît ouch an in ein tôtslac,
4212nîman daz vorsûnen mac,
421329 b    iz inwerde irslagin
4214von des tôdin mâgin

--- S. 351 ---

4215zum êrstin der schuldige,
4216odir tôt gelige
4217sînre nêstin vrûnde ein
4218von in um den selbin mein.
4219Swenn ouch den Prûzin unvorsên
4220ein unmêzlich leit geschên
4221was bîwîlin etswâ von,
4222secht, sô wâren sî gewon,
4223daz sî sich in den nôtin
4224selbe pflâgin tôtin. —
4225Ouch nemelîche undirscheit
4226an den tagin was vorseit
4227den heidin vorgesprochin;
4228sî reitin1 ouch nicht wochin.
4229Dâvon, sô iz sus gelac,
4230daz sî soldin einin tac
4231bescheidin unde machin
4232durch sumelîche sachin,
4233dî sî denne woldin
4234hantîren odir soldin,
4235den tac man mit der zal beschît
4236und den merkte sus dî dît:
4237swenn î ein tac vorvûr,
4238an einin rîmen odir ein snûr
4239machte einin knotin
4240iclîchir von der rotin
4241adir nam ein holzil sân
4242und sneit ein zeichin dran.
4243Sust reitin sî der tage zal,
4244unz daz sî irvullit al
4245biz an den genantin wârn,
4246an dem man sold dî sache urbarn. —
4247Etslîche Prûzin vlizzin sich,
4248daz sî battin tegelich
4249zu lobe irn abgotin.
4250Sô wârin in den rotin
425129 c    sumelîche ouch gesat,
4252dî nimmir quâmen in ein bat. —
4253Wîb und man manc disen scharn
4254beidentsamen spunnen garn,
4255dî wullîn, gene lînîn,
4256als sî den gotin dâchtin sîn
4257dar an behegelîch unde wert. —
4258Sumelîche swarze pfert
4259vormidin gar mit vlîze;
4260sumelîche wîze,
4261etslîche ouch andirsgevar;
4262in lac daran sô grôze vâr,
4263daz sî in keinen zîtin
4264dî pfert getorstin rîtin.
(Wî Dorge der heiden bekêrt wart.)

[Dusb. III, 6.]

4265Ein Prûze in Samelande
4266was, den man Dorge nande,
4267in dem gebîte Schâkin,
4268der hatte einin hâkin
4269an im sulchir irrekeit,
4270daz er nicht wîzir pferde reit.
4271und ir in sînen gewaldin
4272joch nicht wolde gehaldin.
4273Disen ungeloubin
4274wolde an im betoubin
4275der vogit ubir Samelant,
4276brûdir Dîterîch genant
4277und koufte im ein wîz pfert.
4278Daz was dem Prûzin unwert;
4279îdoch er in darzû twanc,
4280daz er âne sînen danc
4281iz nemen mûste in der stunt.
4282Und dô iz ubir nacht gestûnt
4283in dem stalle Dorgens
4284und iz quam des morgens,
4285daz pfert irwurgit vundin sî
4286und darzû tôt al sîn vîh.
4287Diz wart zu drîn stundin
4288vorsûcht und î sô vundin.
4289Zum vîrden male abir an
4290koufte der voit der reine mán
4291daz vîrde pfert von wîzin hârn,
4292als dî drî êrstin wârn,
4293daz er abir Dorgen gab.
4294›Nicht wil ich‹, sprach er, ›tretin ab
4295›der gâbe mit dir, unz ich deme
4296›ungeloub in dich intneme.‹
4297Sus bleib dô daz virde pfert
4298von dem tûvele unbeswêrt
4299und dô bekarte Dorge sich
4300unde bîchte lûtirlich
4301sîns ungeloubin irretûm

--- S. 352 ---

4302des er pflac durch des tûvils rûm
4303und wart nâch den vristin
4304ein vil gûtir cristin
4305und des geloubin ein gewêr
4306beschirmêr unde minnêr.
4307Er karte in brinnindir andâcht
4308an gotis dînst al sîne macht
4309und der nûwetouftin dît
4310er vil von ungeloubin schît,
4311want er sî zu geloubin sterkin
4312pflac mit wortin unde werkin.
Diz ist, wî zwû burge der Prûzin in wurdin gebrochin.

[Dusb. III, 7.]

4313Von sumelîchin wirt gehôrt,
4314dî wîl dî brûdre wontin dort
4315ûf der eichin, dâvon ê
4316ich gesprochin habe mê,
4317daz dî Prûzin hattin dô
4318eine burc gelegin sô
4319bobin Torûn der Wîzlin nâ,
4320Rogow hîz dî burc aldâ;
4321sô hattin sî ein andre ouch,
4322als man dî Wîzle nidir zouch
4323dâ bî gelegin in der zît
432430 a    dâ nû der alde Colme lît.
4325Zwischin disin burgen zwên
4326saz ein edil Pomezên,
4327der was geheizin Pippîn
4328unde hatte dî wonunge sîn
4329ûf eime bercvride1
4330an eime sê gelegin dâ,
4331der nâch im sint immir mê
4332ist genant Pippînissê.
4333Er hatte bî im heidin vil,
4334mit den er stritte alle zil
4335unde morte vîntlîch;
4336swâ der cristen indirt sich
4337einir vor dî burc irgînc,
4338den irslûc er odir vînc.
4339Dî cristnen grôze nôt dô lidin,
4340want gene obin, dise nidin
4341und Pippîn dâmittin saz
4342sî mûhende ân undirlâz.
4343Diz werte unz an eine zît,
4344daz von geschichte doch in strît
4345dî brûdre susamin
4346mit den von Rogow quâmin
4347unde, alse daz dô wolde got,
4348daz sî ir vil irslûgin tôt
4349und vûrtin mit in dan
4350gevangin iren houbtman,
4351der ouch zu der brûdre hant
4352Rogow dî burc vorgenant
4353mit willin dô antwortte
4354ûf daz man in nicht mortte,
4355sundir in lîze lebin.
4356Diz quam den brûdrin ebin,
4357want dô etslîche zît darnâch
4358was irgangin, dô geschach,
4359daz der selbe Prûze nam
4360an sich dî brûdre allintsam
4361mit irre macht ûf gûtin sin
436230 b    unde brâchte sî sô hin,
4363dâ dî burclûte lâgin
4364und irs getrenkis pflâgin,
4365(der andrin burc ich meine).
4366Und dô sî al gemeine
4367trunkin lâgin sam dî swîn,
4368dô vîlin ouch dî brûdre în
4369und iz dâ wol begîngin:
4370sî slûgin unde vîngin
4371in der burge sundir wer
4372al daz heidenische her,
4373darzû dî burc sî brantin
4374und dî in asche wantin
4375und saitin dem leitsmanne danc.
4376Darnâch ouch nicht ubir lanc
4377schikte er den swâgir sîn,
4378den vorgenantin Pippîn,
4379mit listin vil genende
4380in der brûdre hende,
4381des sî wurdin ouch vil vrô.
4382Sî bundin Pippîne dô
4383einem pferde an den stert
4384und sleiftin in kein Torûn wert,
4385dâ man an einin boum in hînc.
4386Alsus iz Pippîne irgînc

--- S. 353 ---

4387Dirre Pippîn, als ich las,
4388gens edlin mannis vatir was
4389von Pomezênen irkant,
4390der dâ Matte was genant;
4391und als der vatir toubin
4392pflac cristenengeloubin
4393und des was ein êchter,
4394sust was sîn ein vorvechter
4395der sun mit allim vlîze sint.
4396Vor den geloubin und dî kint
4397der vil heilgin cristenheit
4398was er zu strîtene gereit;
4399dâvon treib in dikeine nôt,
440030 c    unz er gelac darumme tôt. —
Diz ist von pilgerîmen und der bûunge des hûs und der stat Colmin.

[Dusb. III, 8.]

4401Nû wart ouch von des pâbstis wort
4402gepredigit daz crûze dort
4403in dûtschin landen ubiral;
4404und dô der nûwe strît irschal
4405in der predigâte,
4406den got irwelit hâte
4407zu Prûzin in dem lande
4408und dô man ouch benande
4409den ablâz und dî vrîheit,
4410dî den strîtêrin wêr bereit;
4411iz wart manch edil helt beweit
4412in dem dûtschin rîche breit,
4413der herze got dô rûrte
4414und in den willin vûrte
4415daz sî in gotis namen
4416das crûze an sich nâmen
4417und vorzigin allir rû.
4418Sî machtin ire wâpin zû
4419unde begundin zechin1,
4420daz sî woldin rechin
4421daz unrecht an den heidin,
4422daz sî in argin vreidin
4423an dî gelidir pflâgin kêrn
4424des gecrûzigitin hêrn.
4425Sî schubin ouch vil gar besît
4426swaz dâ mochte in der zît
4427geirren odir tûn gespart
4428ir sô sâldinbernde vart
4429und vûrn vrôlîch vort.
4430Zu herzin nâmen sî ein wort,
4431daz dâ spricht Jerônimus
4432in sêligir manunge sus:
4433›Is, daz dîn vatir dir daz pfat2
4434›vortretin ûf der swellin hât
443530 d    ›und dîn brûdir dich sô twengit,
4436›daz er dir an den hals sich hengit
4437›und ouch ob dî mûtir dîn
4438›implôzinde dir machit schîn
4439›dî bruste, dî dich hân gespunt,
4440›und alsus dir widirstûnt;
4441›nim doch nicht den widirwanc
4442›trettinde joch ubirganc
4443›vatir unde mûtir sân
4444›und île zu des crûzis van.‹
4445In sulchir wîs manch pilgerîn
4446vorzeich sich dô der vrûnde sîn,
4447der undir deme crûze ouch
4448hin kein Prûzinlande zouch.
4449Und dô ir gnûc zu Torûn quam,
4450brûdir Herman Balke nam,
4451der lantmeistir lobelîch,
4452al dî pilgerîm an sich
4453und bûwete mit den gestin
4454ân undirlâz dî vestin
4455Colmen burc unde stat,
4456dâ noch der alde Colmen stât,
4457in unsirs hêrrin jârin
4458dô der vergangin wârin
4459tûsint und zweihundirt      [1232
4460drîzig und zwei gesundirt.
Von den strîten der brûdere widir dî Po­mezênen und von der bûunge der burc Sente Merienwerdir.

[Dusb. III, 9.]

4461Dô dî vestin vorgenant
4462mit gotis helflîchir hant
4463gebûwit wârn in Colmirlant
4464und darûz mit besmin hart
4465dî unvlât der heidin wart
4466an allin endin wol gekart,
4467der meistir mit den brûdrin sîn
4468und dî reinen pilgerîn
446931 a    an gotis arbeit vil unlaz
4470griffin abir vurbaz

--- S. 354 ---

4471in dî lant und dî gebît
4472der nêstin heidenischin dît
4473mit sulchir vorbesichtikeit:
4474sî schûfin alliz daz gereit,
4475des man zu einer burc bedarf,
4476wan sî wârin der witze scharf,
4477und vûrtin ûz mit in
4478zu schif ûf einen werdir hin
4479der hîz Quedin, als ich vornam.
4480Diz triben dî brûdir allintsam
4481heimelîch und âne gûf.
4482Sî richtin eine burc dâ ûf
4483ûf eime huble, der gelein
4484was der stat vil nâ inkein,
4485dâ nû Merginwerdir lît.
4486Dî selbe burc sî in der zît
4487ouch Merginwerdir nantin;
4488und dô sî daz volantin,
4489dô zalt man unsirs hêrrin jâr
4490tûsint und zweihundirt gar      [1233
4491drî und drîzic ouch vorwâr
4492von dem, daz in dî mait gebar.
4493Darnâch ouch von Sachsin quam
4494ein rittir dêswâr lobesam
4495in pilgerîmis wîse
4496menlîch unde wîse,
4497wan er âne wandils turc1
4498burcgrêve von Meideburc
4499was in der zît irkant;
4500man nant in ›mit der kleinen hant.‹
4501Der brâcht ouch mit im in dem zil
4502rittir unde knechte vil,
4503mit den er zu dem Colmen bleib,
4504unz sich ein ganziz jâr vortreib,
4505ûf der burc vorwâre;
4506und in demselbin jâre
450731 b    vûr er und dî sînen al
4508mit den brûderin zu tal
4509und nâmin Mergenwerdir dan
4510dî burc von dem werdre sân
4511zu Quedin, dâ sî was gesat
4512und leitin sî hin an dî stat,
4513dâ man sî nû ligin sît
4514in ein pomezênsch gebît,
4515daz Risin genennit ist.
4516Der burc gewandilt in der vrist
4517wart an der bûunge schicht
4518dî stat und doch der name nicht.
Von der bûunge der stat Sente Merien­werder.

[Dusb. III, 10.]

4519Dô dennoch zu dem Colmin was
4520der burcgrêve, den ich las
4521dâ vor, von Meideburc genant
4522und er dennoch nicht volant
4523hatte sîns gelubdis ger,
4524secht, dô sach man komen her
4525zu Prûzin in daz lant vor wâr
4526manchin grôzin vurstin clâr
4527von polênschin landin dâ.
4528Diz wârin sî bî namen sa:
4529herzoge Cunrât von Masow
4530und der herzoge von Crakow2,
4531der herzoge von Kuyaw
4532und darzû der von Wrezlaw
4533genant herzoge Henrîch,
4534ein vurste dîswâr lobelîch,
4535den darnâch mit unvûgin
4536dî Tatarin irslûgin.
4537Ouch sach man dâ von Gnisin
4538den herzogin Odewisin
4539und vil manchin edlin man,
4540dî dâ sâzin sô her dan,
4541als dî Odir vlûzit
4542unz dâ dî Wîzil schûzit
454331 c    in irem vluzze nidirwart,
4544und von des vlîzis vart,
4545daz dâ heizit Bobir,
4546unz alsô hin obir
4547an des vlîzis vletze3,
4548daz dâ heizit Netze.
4549Swaz dâ zwischin in den jârn
4550mechtigir herrin gesezzin wârn,
4551dî quâmen alle und ir volc.
4552Ouch sô quam hêr Swantopolc,
4553ein herzoge sus genant
4554ubir pomerênsche lant;

--- S. 355 ---

4555darzû sîn brûdir her Schambor.
4556Dî hêrrin al genant hî vor
4557brâchtin sulche rîttirschaft
4558und sô grôzir menige craft
4559zu Prûzin, als ich hab irvarn
4560daz von cristinlîchin scharn
4561nî sô grôz ein her was ê
4562gesehen in dem lande mê,
4563daz in der zît ouch allintsam
4564zu sente Mergenwerder quam
4565und bûwetin dâ dî stat
4566und dî burc, dî dar gesat
4567was nûwelîchin vor dem zil;
4568dî machten sî ouch vestir vil.
Von eime sige der cristenin, dâ vumftû­sint Prûzin tôt blibin.

[Dusb. III, 11.]

4569 Dô daz bûwin was getân
4570und der wintir was intstân,
4571sô daz iz hart gevrorn was,
4572brûdir Herman an sich las,
4573der meistir, dô dî brûdir sîn
4574und darzû dî pilgerîn
4575dî ich dâ vor nante,
4576der ger ouch darûf brante
4577wî sî têtin hin geleit
4578der Prûzin arge turstikeit,
457931 d    und reiste mit in ôt
4580zu Risin in dî gegenôt,
4581dâ sî iz wol begîngin.
4582Sî slûgin unde vîngin
4583vil der heidenischin dît
4584und durchrittin daz gebît
4585unz an daz vlîz Sirgûne,
4586dâz sich ouch ein lûne
4587in vûgte und ein sulchiz spil,
4588des sî gewunschit hattin vil.
4589Gesamint sî dâ vundin
4590der Prûzin in den stundin
4591ein geweldic michil her
4592bereit mit strîtlîchir wer,
4593daz ouch dî cristnen vil gewêr
4594rittin an mit strîtis ger.
4595Und dô dî Prûzin sâhin
4596dî cristenen kein in gâhin
4597mit sô menlîchim mûte
4598ir spitz ein aftirhûte
4599wart1 in zegelîchir flucht.
4600Den sin der heidenischin trucht
4601vornam man dâ wol âne tolc.
4602Des richte zû her Swantopolc
4603und sîn brûdir her Schambor
4604mit irem volke, want sî vor
4605der Prûzin strîtlîch wandrin
4606baz westin wen dî andrin,
4607und vorhîldin kegen in
4608dî wege vor den hegenin,
4609ûf daz ir keinre quême dan.
4610Dî wart ein stechin und ein slân
4611hindin unde vorne
4612in vreislîchim zorne;
4613dâ wart daz rittirlîche swert
4614der cristinheite wol gewert
4615des vleischis der sundêre,
4616daz iz dâ vraz mit gere,
461732 a    und gerôtit wol ir sper,
4618want dî Prûzin hin noch her
4619sich mochten dô geneigin;
4620sî vîlen sam dî veigin.
4621Daz spil dî cristnen tribin
4622so lang unz dâ blibin
4623tôt der Prûzin in dem snê
4624wol vumf tûsint unde mê.
4625Und dô irgangin was der val
4626der Prûzin, dô hûb sich ein schal
4627in vroudin, der dô wît irhal
4628von den pilgerîmen al,
4629wan in dâ sô wol gelanc.
4630Des saitin sî mit lobe danc
4631Cristô dem heilande
4632und vûrn heim kein lande.
Von der bûunge der burc genant Reddin und von eime wundirlîchin gesichte eins brûdirs dâselbins.

[Dusb. III, 12.]

4633In unsirs hêrrin jârin
4634dô der vorgangin wârin
4635tûsint und zweihundirt      [1234
4636ouch drîzic zûgesundirt

--- S. 356 ---

4637und das vîrde darnâch,
4638dô man itzunt vortribin sach
4639vil gar ûz Colmerlande
4640dî Prûzin, dô besande
4641der meistir brûdir Herman
4642swaz er volkis mochte hân
4643und bûwete in daz selbe lant
4644eine burc Reddin genant
4645vil veste unde gewisse
4646sô hin vor dî wiltnisse,
4647dî zwischin Pomezênen was
4648und Colmerlande, als ich las,
4649al dâ an ein gelêge
4650dâ offene herwege
465132 b    kein Colmerlande lâgin,
4652dâ ê dî Prûzin pflâgin
4653sprengin in daz lant vorwâr
4654heimelîch und offinbâr.
4655Ûf dirre burc, hân ich gelesin,
4656sach man zu den zîten wesin
4657einen dûtschin brûdir,
4658den des tûvils lûdir1
4659mit trûgene zôch ûf den sin,
4660daz des genzlîch dûchte in,
4661des dûtschin hûsis ordin,
4662des er was brûdir wordin,
4663mochte im dî sêle nicht irnern.
4664Des wart sîn mût darûf sich kêrn,
4665daz er wolde sundir sparn
4666in einen andrin ordin varn,
4667der dâ wêre strengir
4668zu traine und getwengir.
4669Und dô er disin mût gevînc,
4670ein sulch gesicht im widirgînc
4671in eime troume, dô er lac
4672unde sînis slâfis pflac:
4673er sach sente Bernhardum,
4674Dominicum, Franciscum
4675unde sante Augustînin,
4676iclîchin mit den sînin
4677brûdrin schôn gezîrit
4678und wol geordinîrit
4679in ênzelin scharin vor sich gên,
4680dî er ouch bitten unde vlên
4681wart mit heizin zêrin,
4682daz sî in gewerin
4683woldin irre brûdirschaft
4684und zu ir ordin tûn gehaft,
4685daz im ouch vorsait vil gar
4686wart dô von iclîchir schar.
4687Und dô er alsus stûnt vorzait,
4688sô sît er komin her dî mait
468932 c    dî reine, wandils vrîe
4690gotis mûtir Marîe,
4691und mit ir brûdre vil
4692des dûtschin hûsis in dem zil
4693in wunnenclîchim schouwin.
4694Dô vîl er der juncvrouwin
4695weinende vur dî vûze
4696unde bat dî edle sûze
4697vlêhende dêmûticlîch,
4698daz sî ubir in irbarmte sich
4699und in wolde vurbaz lân
4700bî sînen brûderin bestân.
4701Dô sprach sî sust in der geschicht:
4702›Nein, nein, iz invûgt dir nicht
4703›want dich, tummir affe,2
4704›dunkit, daz dô slâffe
4705›dîn ordin allis jochis vrîe
4706›und daz darinne nicht insîe
4707›zu lîdene nâch dînre ger.‹
4708Dâmitte vûr dî vrouwe her
4709und zôch dî mentele besît
4710den brûderin, dî in der zît
4711bî ir aldâ stûndin,
4712und wîste im dî wundin
4713und dî slege manicvalt,
4714dâmit sî in den tôt gevalt
4715wârn durch des geloubin schirm
4716von den heidin ungehirm
4717und sprach zu im: ›Nû sich!
4718›mac daz icht gedunkin dich,
4719›daz hî dise brûdre dîn
4720›icht gelidin habin pîn
4721›durch den minnesamen
4722›Jêsû Cristî namen?‹
4723Nâch den wortin ouch zuhant
4724daz gesichte gar vorswant
4725und der brûdir intwachte,
4726vil balde sich ûfmachte
472732 d    und îlte sundir sparn
4728in daz capitil, dâ ouch wârn
4729dî brûdre dâ gesamint
4730und vor in allintsamint

--- S. 357 ---

4731knîte er dâ nidir
4732und quam des willin widir
4733dêswâr vil dêmûticlîch,
4734den er ê vrevelîch
4735den brûdrin hatte vorgeleit,
4736als in trôc sîn irrekeit
4737unde kuntte in gemein
4738daz gesicht, als im irschein.
4739Von dem mâle sich ouch vleiz
4740mit innenclîchir andâcht heiz
4741der selbe brûdir vurbaz mê
4742zu gotis dînste denne ê
4743und wart darnâch in kurzin tain
4744von den heidin ouch irslain.
Von der kunft in Prûzinlant des marc­grêven von Mîssin.

[Dusb. III, 13.]

4745In den zîten ouch geschach
4746dô man gebût den Reddin sach,
4747daz der vurste lîchtbêre
4748zu gote vil gewêre
4749mit andacht âne glîzin
4750der maregrêve von Mîzin,
4751der dâ Heinrîch was genant,
4752quam gevarn in Prûzinlant
4753und brâchte mit im sundir wân
4754wol vumfhundirt edele man
4755in wâpenen genende
4756unde ûf strît behende,
4757unde allis des gerêtis gnûc,
4758daz man zu des nôtdurft wûc.
4759Dirre edle hêrre gût
4760wante darûf sînen mût
4761mit allim vlîz und allir craft,
4762wî er dî arge heidinschaft
476333 a    mochte gar vorterbin,
4764vortilgin und interbin
4765und dî lant der cristinheit
4766gemêrin und gemachin breit.
Wî dî cristnen vil vestin brâchin unde dî Pomezênen wurdin betwungin.

[Dusb. III, 14.]

4767In pomezênschim lande was
4768gelegin, als ich ouch ê las,
4769genennit Risin ein gebît,
4770darinne wonte vreche dît
4771zu strîte und gar vormêrt;1
4772dî greif dô an der vurste wert
4773mit menlîchin hendin
4774âne widirwendin,
4775den ich dâ vor ouch nante.
4776Er roubte unde brante;
4777blûtis vil er ouch vorgôz
4778unde herte ofte blôz
4779nach vientlîchin vreidin
4780dî vorgenantin heidin.
4781Ouch eine burc was bî eime vlîz
4782gebûwit, daz dâ Muckir hîz,
4783dî man dî Prûzin haldin sach.
4784Dî gewan er unde brach
4785unde waz sî vestin hêtin
4786gelein an disin stetin,
4787als dâ Risinburc nû lît
4788und Risinkirche dâ besît
4789bî Postelin, bî deme Stûme,
4790Wildinberc ich darzû nume
4791und bî Drûsin deme sê.
4792Hî lâgin alliz vestin ê,
4793dî alle er ouch dô gewan
4794ubirhoubit den Prûzin an,
4795und waz ir in den stundin
4796darûffe wurdin vundin,
4797dî slûc er alle unde vînc,
479833 b    und sô ouch daz irgînc,
4799dî vestin er mit brande
4800vil gar in asche wande.
4801Sus zoite der marcgrêve dâr2
4802in dem lande her und dar
4803geweldic, menlîch, offinbâr
4804recht als ein lewe, der dâ bar
4805vert allir irschreclîchin vâr,
4806und treib sô manic harmschar
4807ûf dî ungetoufte schar,
4808daz ich des nicht kan dêswâr
4809vol tichtin noch vol schrîbin gar.
4810Er was in joch ein last sô swâr
4811in strîtin und alsô gevêr,
4812daz sî wedir hin noch her
4813mochtin im intwenkin;
4814sî inmûstin lenkin
4815sich undir des geloubin joch,

--- S. 358 ---

4816daz man sî sît tragin noch
4817Sus schûf der gotis werde man
4818daz den brûdrin undirtân
4819dî Pomezênen wurdin dô.
4820Des mach in got in himle vrô!
4821Und alse mit entscheidinheit
4822der Pomezênen vrîheit
4823in den zîten wart gegebin,
4824darnâch richtin sich ouch ebin
4825dî andrin lant vurbaz hinnidir,
4826dô sî sich ouch satztin sidir.
Von zwên herschiffin unde von der ab­vart des marcgrêven.

[Dusb. III, 15.]

4827Der wîse wîslîch alle zît1
4828trachtin unde werbin pflît
4829und schûbit manchin schadin besît,
4830der sich kumftic kein im vlît.
4831Deme tet wol glîche dô
4832der vorgenante marchiô,
4833want er vorbesichtic
483433 c    was und gar intrichtic
4835in vil wîsir sinne grif.
4836Des lîz er bûwin zwei herschif;
4837daz ein was ›Pilgerîm‹ genant
4838und daz andre ›Vridelant‹.
4839Den schiffin ouch dî namin
4840vil ebene gezâmin
4841nâch ires amtis achtin;
4842want sî den cristenen machtin,
4843in Prûzinlande vridis vil,
4844dî drinnen wontin in dem zil.
4845Mit disin selbin schiffin
4846wurdin êrst begriffin
4847und gebûwit, als ich vornam
4848dî zwû burge lobesam,
4849der Elbinc und dî Balge,
4850und ûf des wâgis swalge,
4851der dâ heizit daz vrische hab,
4852wart sô gar gelegit ab
4853der heidinschaft ir wandrin,
4854daz noch ein noch andrin
4855darûf getorstin komen
4856den cristnen zu unvromen.
4857Dise selbin schif vorwâr
4858wurdin ubir manic jâr
4859vorsenkit beide nâch der stunt
4860in des Drûsinsêhis grunt.
4861Und dô iz alsô wol getân
4862der vil edle gotis man,
4863den ich dâ vor ouch nande,
4864hât in Prûzinlande
4865swechinde mit allir craft
4866dî vreitsame heidinschaft,
4867als ûch dâvor intscheidin ist,
4868und irvullit was dî vrist
4869sîner pilgerîmschin vart,
4870dô vûr er heim kein lande wart.
4871Doch so lîz er in dem zil
4872zu Prûzin in dem lande vil
4873blîbin sîner rittirschaft
4874dî mit hulfe zûgehaft
4875dô den brûdrin soldin,
4876want sî bûwin woldin
4877aldâ dî burc den Elbinc,
4878als iz sint vollingînc.
Von dem strîte der Pogezênen und von bûunge der burg Elbinc.

[Dusb. III, 16.]

4879Dô von gotis genâdin
4880dî cristinheit intladin
4881von den Pomezênen wart
4882und sî hattin sich bekart
4883und den brûdrin undirtân,
4884dô schictin ouch dî brûdre sân
4885nach strîtlîchin witzin
4886vurbaz ire spitzin2
4887kein der Pogezênschen dît.
4888Daz urloige sus gerît:
4889Der meistir und dî brûdre sîn
4890und darzû dî pilgerîn,
4891dî zu Prûzin hatte dô
4892gelân der clâre marchiô
4893von Mîsinlande vorgeseit
4894schictin in der zît gereit
4895in gene schif gerêtis gnûc,
4896daz zu gebûwe hatte vûc,
4897und quâmen in daz lant,
4898daz Pogezênin ist genant
4899ûf einen werdir, den bevînc

--- S. 359 ---

4900aldâ daz vlîz der Elbinc.
4901Der werdir lac alsô hinab,
4902dâ der Elbing in daz hab
4903sînes vluzzis vellit;
4904dâ wart ouch zûgestellit
4905von den cristinlîchin scharn
4906und gebûwit sundir sparn
4907eine burc, dî man dô hîz
490834 a    ouch den Elbing als daz vlîz.
4909In unsirs hêrren jârin
4910dô der vorgangin wârin
4911tûsint und zweihundirt
4912drîzic zûgesundirt
4913und in dem sibindin darnâch      [1273
4914dise bûunge geschach.
4915Dî selbe burc, hab ich gehôrt,
4916von den heidin wart zustôrt;
4917des bûwten sî dî cristin sît
4918dâhin, dâ sî hûte lît
4919und ouch eine stat daran,
4920dî man aldâ noch sît stân. —
Von eime zeichene.

[Dusb. III, 17.]

4921Dî brûdre vom Elbinge
4922âne vridis gedinge
4923hîldin sint der selbin zît
4924sô manchin lobelîchin strît
4925kein der dît von Pogezên,
4926daz daz nîmant kan voljên
4927mit schrift noch mit getichte;
4928doch wil ich ein geschichte
4929harte wundirlîch dêswâr
4930ûch hî machin offinbar,
4931daz den brûdrin widir quam
4932von dem Elbinge, als ich vornam.
4933Zu einen zîtin iz geschach,
4934daz man sî in zorne sach
4935ûf dî heidin irbolgin
4936mit wêninc lûtin volgin
4937einim michlin here,
4938daz in argir kêre
4939hernde unde burnde blôz
4940einen roub genumen grôz
4941hât in irme gebîte.
4942Und dô sî mit der dîte
4943itzunt zusamin soldin slân,
4944secht, dô wante sich hin dan
494543 b    zegelîchin an dî vlucht
4946al dî heidenische trucht,
4947dâ mit sî ouch intgîngin,
4948sô daz dî brûdre vîngin
4949nicht wen einen Pogezên.
4950Dannen vûrtin sî ouch den;
4951und dô er sach sô cleine
4952der brûdre her gemeine,
4953er vragete, wâ ir wêre mêr,
4954dî dâ gehôrtin in daz her.
4955Des wart er alsus bericht,
4956ir wêre mêr gewesin nicht,
4957wen als er sêge in der schar.
4958Dô sprach er: ›Wizzit daz vorwâr,
4959›daz wir sâhin hûte,
4960›al daz velt vol lûte
4961›zu strîte rechte wol bereit,
4962›dî hâttin gar ân undirscheit
4963›wâpin und gewête an,
4964›als dî brûdre pflegin hân,
4965›und von der menige craft
4966›wurdin wir sô zagehaft,
4967›daz wir allintsamen
4968›an dî vlucht uns nâmen.‹
4969Daz selbe sprâchin offinlîch
4970dî Pogezênen gemeinlîch,
4971dî mit gewesin wârn dâ,
4972dô sî bekartin sich darnâ
4973zu dem geloubin cristinlîch,
4974daz darnâch schîre vûgete sich;
4975want wî hart, wî swêre
4976kein den brûdrin wêre
4977der Pogezênen strîten,
4978doch wart in den zîten
4979sî ein teil irweichin
4980diz wundirlîche zeichin.
4981Ouch sî dâbî zechtin,
4982daz sî daz anvechtin,
498334 c    daz mit pflegelîchir mû
4984in dî brûdre tribin zû,
4985nicht lengir mochtin dougin;
4986des wurdin sî dô bougin
4987ir hertin nackin allintsam
4988und ir helse vil unzam
4989âne widirstroubin
4990undir den geloubin
4991und zu der brûdre hant;

--- S. 360 ---

4992des wurdin gîsele benant
4993den brûdrin durch sichirheit.
4994und durch wernde stêtikeit.
Von dem strîte der brûdere, der Ermin, Bartin und Nattangin und daz vil brû­dere unde cristenen wurdin geslagin.

[Dusb. III, 18.]

4995Iz mac nîmant vol achtin,
4996vol schrîbin noch vol trachtin,
4997noch vol sprechin, wên ich, gar
4998daz ungemach, dî nôt, dî vâr,
4999dâ sich zu pflege satztin în
5000der meistir und dî brûdre sîn,
5001ûf daz durch sî gemêrte sich
5002der geloube cristinlîch
5003und dî lant der cristinheit
5004gelengit wurdin und gebreit;
5005dâvon in der zît geschach,
5006dô man von gotis hulfe sach,
5007ân den gûtis nicht geschît,
5008daz dî heidenische dît,
5009ich mein dî Pomezênin
5010und ouch dî Pogezênin
5011den geloubin angetân
5012hatten und sich gelân
5013in der brûdere gewalt,
5014daz dî selben brûdre balt
5015kein Ermin, kein Nattangin,
5016dî sî dâ pflâgin drangin,
501734 d    und kein den Bartin
5018mit urlouge kartin.
5019Des hattin sî ein sulch begin:
5020der meistir sante brûdre hin
5021und wêpenêre gnûc mit in
5022in genin schiffin ûf den sin,
5023daz sî soldin sô hin abe
5024varn ûf dem vrischin habe
5025und irspêhin eine stat,
5026dî bequêmlîch wêr gesat
5027zu bûwne eine vestin dâ
5028bî dem stadin ettiswâ
5029kein den Prûzin vorgenant.
5030Und dô sî quâmen an daz lant,
5031daz man Ermin nande,
5032dô trâtin sî zu lande
5033und wurdin dâ gewar
5034einer Prûzschin burc vorwâr,
5035dî was gelegin in der zît
5036dâbî, dâ nû dî Balge lît.
5037Der burc torstin sî nicht vârn,
5038want sî alzû kranc dâ wârn;
5039îdoch daz nicht mit lêrir hant
5040ir reise dannen wurd irwant;
5041sô herten sî dî dorfir gar
5042gelein darumme her und dar
5043mit roube und mit brande.
5044Und dô ouch daz irkande
5045dî însezne heidinschaft,
5046daz sô cleine was ir craft,
5047dî vart sî kein in nâmen
5048und slûgin allintsamen
5049dî brûdre und ir wâpinman,
5050daz nî keinre quam her dan
5051ân dî, dî dâ geschickit wârn
5052zu den schiffin durch bewarn
5053Und dô dî ouch sâhin
5054dî iren sus irslahin
505535 a    und in gehelfin mochtin nicht,
5056betrûbit sêre der geschicht
5057an dî vlucht sî griffin
5058vil balde mit den schiffin
5059und quâmen in den stunden,
5060dâ sî den meistir vunden,
5061dem sî genzlîch vorjân,
5062wî iz jenin was irgân.
Von der burc Balge.

[Dusb. III, 19.]

5063Dô der meistir vil gewêr      [1239
5064dise jâmirberndin mêr
5065von den botin sus vornam,
5066so grôz betrûbnis ûf in quam
5067und sô leidir smerze,
5068daz des geloubt kein herze;
5069doch nam er im zu trôst ein wort
5070damitte Dâvît trôste dort
5071den vurstin sînir rittirschaft
5072Joâbe, der sich tet gehaft
5073in al zu grôzir leide pîn
5074um den tôt der lûte sîn.
5075Den strâfte er sus unde sprach,
5076dô er in alzû leidic sach:
5077›Diz dinc lâz dich bewegin nicht,
5078›wan manchirlei ist dî geschicht

--- S. 361 ---

5079›des strîtis, als wir ofte sên;
5080›itzunt disen, itzunt den,
5081›tôtit des urlougis swert.
5082›Des sterke dû daz volk beswêrt
5083›und mane dîne strîtêre,
5084›daz sî sîn gevêre
5085›des rîchis widirsachin
5086›und dî verterbit machin!‹
5087Sust wart der meister doch getrôst
5088und ein teil von leide irlôst
5089und sant ein michil her
5090bereit zu strîte wol mit wer
5091zu schiffe sô hinnidir,
509235 b    daz sî soldin widir
5093tûn daz unrecht und daz leit
5094der irslagnen cristenheit.
5095Und dô sî quâmen an den strant
5096zur Balge, aldâ alzuhant
5097sî zu lande trâtin
5098und vor dî burc dâ gâtin
5099und waz sî schutzin hâtin
5100dî sach man sî bestatin1
5101kein der burc bequêmelich.
5102Ouch schiktin sî zu sturme sich
5103und gîngin menlîch an
5104mit leitrin, dî sî leitin an
5105in des hûsis zinnen.
5106Nû hât aldâ inbinnen
5107der beseznin houbitman
5108zu den brûdrin sich getân
5109in tougim gerûne;
5110genant was er Kodrûne.
5111Der half ouch in, daz sî balt
5112dî burc gewunnen mit gewalt.
5113Secht, dô wart ein tôtin,
5114dô rach man nôt mit nôtin;
5115dô wart gerochin wol daz blût,
5116daz dâ vor dî cristnin gût
5117vorguzzin bî dem hûse,
5118want in dem geprûse
5119den Prûzin harte leit geschach.
5120Stich, how, morde und slach
5121was der cristnen spil irkant,
5122dî wîl man icht dâ Prûzin vant;
5123doch man der dît ein teil dâ vînc.
5124Und dô dî kurzewîle irgînc,
5125dî brûdre saitin gote danc,
5126daz in dâ sô wol gelanc.
5127Dî burc sî ouch wol besâzin,
5128und kein der dît vorwâzin
5129hîldin sî dâ sint der zît
513035 c    manchin lobelîchin strît.
5131Diz was in Cristis jârin
5132dô der vorloufin wârin
5133tûsint und zweihundirt
5134drîzic drûf gesundirt
5135und darnâch in des nûndin vart,      [1239
5136daz besatzt dî Balge wart.
Diz ist wî dî Balge von den Prûzin wart belegin.

[Dusb. III, 20.]

5137Dô kein Prûzin in daz lant
5138wurdin dise mêr irkant,
5139Pyopse hîz ein houbtman
5140der Ermin, der besante sân
5141alle sînes heris craft
5142und mit der selbin heidinschaft
5143dî burc zur Balge er belac.
5144Ouch want er dô des amtis pflac,
5145daz er ein houbt der andrin
5146hîz, des wolde er wandrin
5147zuvordirst vor den sînen
5148und sam ein helt irschînen
5149an des hûsis sturme dâ.
5150In sulchim rûme er ouch sâ
5151vaste hinzû gâhete
5152und er sus genâhete,
5153daz er quam in rechtin râm2.
5154Ein brûdir daz gemerke nam
5155zu im mit eime pfîle
5156und schôz in in der wîle,
5157daz er allis sturmis laz
5158zu der erdin tôt gesaz.
5159Dirre sô vreislîche blic
5160gab den andrin sulchin schric,
5161daz sî ouch ûfbrâchin sân
5162und ungesturmit zugin dan.
Von der bûunge einre mul und wî sî ouch wart vorterbit.

[Dusb. III, 21.]

5163In der selbin zît geschach,
516435 d    daz man gnûc von Ermin sach
5165der edlin unde mechtigin,

--- S. 362 ---

5166dî dâ lîzin ligin
5167iren ungeloubin gar
5168unde ir erbe ouch dêswâr
5169und vûrn zu den brûdrin hin
5170zu der Balge ûf gûtin sin
5171mit wîbin und mit kindin
5172und allin irn gesindin,
5173want sî merctin offinlîch,
5174daz got zu pflege zeichinlîch
5175mit in was und vor sî streit.
5176Ouch wârn dî brûdre vil gemeit
5177irre zûkunft in dem zil,
5178want ir schar gesterkit vil
5179von der selbin rotin wart.
5180Des bûwtin sî ouch mit der vart
5181eine mul mit rûche1
5182ûf andir sît dem brûche,
5183dâ dî brucke ende hât
5184und nû ein lantstrâze gât.
5185Dî mul sach man sî vestin
5186vor vîentlîchin gestin,
5187der vil darumme sâzin nâ.
5188Ouch sô lîzin sî aldâ,
5189zwêne brûdre und genûc
5190wêpenêre durch den vûc,
5191daz sî soldin ir mit wer
5192hûtin vor der vîende her,
5193daz nicht lange doch bestûnt;
5194want darnâch in kurzir stunt
5195wart dî selbe mul behaft
5196von den Prûzin, dî mit craft
5197sî ouch dô gewunnen
5198und sî gar vorbrunnen.
5199Darzû dî brûdre und ir man
5200dî mit in wârin dâ gelân
5201sach man sî mit vreisir nôt
520236 a    allintsament slâhin tôt.
Diz ist von dem geistlîchin lebene der brûdre von der Balge und ouch ûf an­drin hûsirn.

[Dusb. III, 22.]

5203Welchis lebins lûtirkeit,
5204waz tugint, welche strengekeit
5205und welchin twanc geistlîchir zucht
5206truge dô der brûdre trucht,
5207zu der Balge unde andirswâ
5208in dem lande hî und dâ
5209ûf allin hûsirn gemein,
5210zwâr daz weste der allein,
5211dem alle herzin offin sint
5212und dem kein touge sich bewint.
5213Ir betehûsir der betêre
5214harte seldin wârin lêre;
5215keinen winkil man ouch vant
5216ûf den hûsirn vorgenant,
5217dâ sich nicht vorborgin hêttin
5218nach complête und nâch mettin
5219brûdere, dî dâ heimelîch
5220castigitin mit rûtin sich
5221odir vîlin venien2 vil.
5222Iz quâmen munche in eime zil
5223hin zu Engilsberc gevarn,
5224dî einis andrin ordins wârn;
5225und dô dî prûftin ebin
5226aldâ der brûdre lebin
5227und ir geleginheite irsân,
5228sî begundin vragin sân
5229um des hûsis namin.
5230Und dô sî vornâmin,
5231daz iz hîze Engilsberc,
5232›Wêrlîch der name und dî werc
5233›sich wol ebin‹, sprâchin sî,
5234›an dirre burc irvindin hî,
5235›wan dî brûdre, dî hî wonin
523636 b    ›in engilischim lebene donin3.‹
Von der bûunge des hûsis Partegal und des bercvridis Schrandin.

[Dusb. III, 23.]

5237Iz wârn in Erminlande
5238Prûzin, dî man nande
5239dî Gobotinin und dî wârn
5240sêre mechtic in den jârn
5241und den brûdrin gar gevêr;
5242dî besamintin ein her
5243von strîtêrin âne zal
5244und ûf dem velde Partegal

--- S. 363 ---

5245bûwtin sî mit starkir hant
5246ein hûs ouch Partegal genant
5247nâch dem velde, und dâmit
5248ouch ein andir bercvrit
5249bûwte daz gesperge1
5250dort ûf Schrandinberge.
5251Dî selbin vestin beidirsît
5252mannetin sî in der zît
5253mit vil wêpenêrin starc,
5254dî ouch den brûdrîn alsô arc
5255wârn zur Balge tegelîch,
5256daz ir keinir torste sich
5257darnâch vor den dîtin
5258ûz der burc irbîtin.
Von der bûunge der burc Snigkinberc.

[Dusb. III, 24,]

5259Daz velt, darûffe ist gelein
5260daz hûs zur Balge, allirwein
5261hât ein ummelâge
5262von brûche und von wâge,
5263daz sumirzît darûf nîman
5264gerîtin mochte noch gegân
5265ân ubir einir bruckin pfat,
5266dî ob daz brûch noch hûte gât.
5267Vor der selben brucke
5268ûf kumftic gelucke
5269und zu vortrîbne vêrlich ubil
527036 c    bûwtin dâ ûf einin hubil
5271dî brûdre eine burc, der nam
5272hîz Snickinberc, als ich vornam,
5273und satztin dar ûf brûdre gnûc,
5274ouch einin edlin man der klûc
5275und menlîch zu urloige was;
5276Hertwîc hîz er, als ich las.
5277Derselbe ouch einin sun sint lîz,
5278der Hertwîc von Pokarwin hîz,
5279unt strîtlîchir lûte mêr
5280dî der dît soldin mit wer
5281unde mit warte dâ engin
5282ir heimelîch însprengin.
Von der kumft herzogin Ottin von Brûns­wîc2 und von der slachtunge der Prûzin unde von der vorterbunge der burc Par­tegal und des bercvridis Schrandin. —

[Dusb. III, 25. 26.]

5283Ûf dî vestin vorgeseit,
5284dî von den Prûzin wârn bereit,
5285ich meine Schrandinbercvrit
5286unde Partegal dâmit,
5287was der dît sô vil geleit,
5288dî stête kein den brûdrin streit
5289und vorhîlt in dâ dî vart
5290vil gar kein den vîndin wart
5291und allis anevechtins vûc.
5292Des wârn dô betrûbit gnûc
5293dî brûdre unde quâmin
5294vil ofte des zusamin
5295sûchinde in râte
5296wî sî vundin state
5297dî Prûzin an zu strîtin;
5298und dô sî in den zîtin
5299des keine list irtrachtin
5300kundin, sî gedâchtin,
5301daz nicht tochte ir wesin dâ
5302sint sî wêrn vorbûwit sâ
5303von den vîendin sô starc,
5304dî in ouch tâtin manig arc,
5305des sî gekêrn mochtin nicht.
5306Ouch twanc sî ein andir schicht,
5307dî in was zumâle swâr:
5308in gebrach der lîbnar.
5309Des woldin sî dî Balge hân
5310vorbrant und intwîchin dan.
5311Doch was beswêrit in der mût,
5312daz sî der vestin alsô gût
5313soldin sus vorzîen.
5314Mit trênin hôrt man schrîen
5315sî ofte an den sûzin got,
5316daz er durch sîner trûw gebot
5317in wolde hulfe sendin
5318und diz leit intwendin.

--- S. 364 ---

5319Dî wîle sî diz tribin an
5320noch inwestin waz angân
5321und in zu mûte was vil wê,
5322dô sâhin sî ouch ûf der sê
5323schif dort here strîchin
5324darinne sî genzlîchin
5325hoftin sô her in zu vromin
5326cristinlîche lûte komin.
5327Îdoch in harte bange
5328waz unz alsô lange,
5329daz dî schif înquâmen.
5330Und dô sî ganz vornâmen,
5331wes kumft in was aldâ benant
5332und wî sîn komin was gewant,
5333eiâ, hêrre got, und ô1!
5334wî wunnenclîch, wî rechte vrô
5335wurdin in den vristin
5336dî brûdere und dî cristin!
5337Want als ein brunne vrisch und kalt
5338kumt deme, der in durste qualt,
5339und als ein bote, der von vern
5340landin kumt mit lîbin mêrn,
534137 a    sus in den zîtin ouch vorwâr
5342daz edle blût, der vurste clâr,
5343der got was î minnende
5344und in der minne brinnende
5345nî vorlîz der tuginde stîc,
5346herzog Otte von Brûnswîc
5347und ouch von Lûneburc genant,
5348der quam aldâ in Prûzinlant
5349durch got in pilgerîmis wîs.
5350Derselbe grôze herre wîs
5351brâcht ouch mit im allgemein
5352sînen hof, als der irschein
5353dort heime an gerête.
5354Mit im her ouch hête
5355jaithunde und vedirspil
5356und jaitgezûgis vil,
5357des in Prûzinlande ê
5358nicht inwas gewesin mê,
5359darzû sîne jegêre
5360und, daz ich ôt dî mêre
5361mit kurzin wortin ende,
5362der vurste vil genende
5363brâchte allis des genûc,
5364des sîner herschaft was gevûc
5365und ein strîtlîch her vil grôz.
5366Der kumft daz lant vil wol genôz
5367und dî brûdre alsam,
5368want er in zu hulfe quam
5369und hûb ûz nôtin sî.
5370In sulchir wîs sich daz irgî.
5371Der herzoge leite sich
5372zur Balge ûf sô heimelich,
5373daz dî ummesezne dît
5374der heidenschaft inweste nit
5375sîn wesin dâ noch sîne kumft.
5376Nû was der hêrre an vornumft
5377behende unde wîse;
5378des gînc er ûz vil lîse
537937 b    mit vragindir bescheidenheit
5380um der brûdre geleginheit
5381und umme des urlougis schicht;
5382und dô er des was gar bericht,
5383mit gâbe grôz zôch er daran
5384Pomandin, einin edlin man
5385an geburt nâch Prûzschir art,
5386der ouch nûlich sich bekart
5387zu dem geloubin hatte zwârn
5388und zu den brûdrin was gevarn,
5389dem dâ vor vil achtberkeit
5390manc den Prûzin was gereit,
5391daz er der sachin des geloubin,
5392den dî Prûzin pflâgin toubin,
5393gar mit vîntlîchir hant
5394in sulchir wîs sich undirwant.
5395Der selbe Pomande nam
5396sich von der Balge unde quam
5397zu sînen lantlûtin,
5398den Prûzin, den er dûtin
5399dô in sulchir wîse wart
5400dî sache sîner abevart:
5401er sprach, er wêre komin
5402den cristnen zu unvromin
5403und welde in zihin zû
5404grôzin schadin unde mû,
5405want er ir tûn wol weste dort.
5406Und dô dî Prûzin diz irhôrt
5407hattin von Pomandin sô,
5408dêswâr sî wurdin harte vrô,
5409want sî hoftin sundir wân,
5410daz sî vorterbin soldin dan

--- S. 365 ---

5411dî brûdre vil drâte
5412nach Pomandin râte.
5413Sus in Pomande dô gerît,
5414daz dî allirwêgste1 dît
5415von Ermin, von Natangin
5416von Bartin ûz den crangin2
541737 c    sich besaminte in ein her
5418und darzû alle, dî mit wer
5419kondin unde mochtin
5420unde icht zu strîte tochtin,
5421und zogin vur dî Balge hin
5422gar ûf sichirin gewin
5423unde stalletin dâvor.
5424Nû westin ûf der burc inpor
5425dî brûdre vil wol dî geschicht,
5426wî iz was dâ vor bericht
5427mit Pomandin tougintlîch.
5428Des irhûbin sî ouch sich
5429mit dem vil lûtrin vurstin
5430von Brûnswîc, den dô durstin
5431pflac in heizim mûte
5432nâch der heidin blûte
5433und mit alle sîner schar,
5434dî mit im was komen dar,
5435und wurfin ûf daz hûs
5436unde nâmen einin sûs
5437mit den Prûzin zusamen
5438in unsirs hêrrin namen
5439unde hîldin in der zît
5440einen hôch gelobtin strît
5441mit den ungetouftin.
5442Sô gar sî sî besouftin
5443in ires selbis blûte,
5444daz sîn got der gûte
5445immir mûse êre hân.
5446Jâ quam ir nî dikeinre dan,
5447der dâheime mochte gên,
5448wî daz desin was geschên.
5449Dô der strît was sus volant
5450und dî heidin gar geschant
5451wârin von der cristinheit,
5452dô wart ouch lengir nicht gebeit.
545337 d    Herzoge Otte von Brûnswîc,
5454dêr alse ein sûze vruchtic zwîc
5455dî brûdre in der zît so matte
5456mit trôste wol irlabit hatte,
5457schaffinde der Prûzin val,
5458zôch vor dî burc zu Partegal
5459und der brûdre macht dâmit,
5460dî beide hûs und daz bercfrit,
5461daz man nante Schrandin,
5462gewunnin, vorbrandin;
5463und waz dar ûffe Prûzin was,
5464ein einigir der nicht genas;
5465sî mûstin alle reisin
5466in tôtlîchin vreisin
5467nâch iren hergesellin
5468ân undirlaz zur hellin.
5469Nû bleib zur Balge ein ganziz jâr
5470der vorgenante vurste clâr
5471mit alle sîner heris macht,
5472daz er zû Prûzin hatte brâcht,
5473und streit sô manchin strît
5474kein den Prûzin bin der zît,
5475daz ich der inweiz kein zil;
5476dâvon ich ir geswîgin wil.
5477Waz sol ich lange redin mê?
5478Er worcht in ôt sô wê
5479und sô hertlîch ûf in lac
5480mit urlouge nacht und tac
5481und mit sô swindir âchte,
5482daz er sî dôzû brâchte,
5483daz sî mûstin gote ebin
5484und den brûdrin sich irgebin
5485und inpfân dî cristinheit,
5486als ûch wirt hîrnâch geseit.
5487Und dô daz jâr ein ende nam,
5488der herzoge lobesam
5489dî brûdre rîchlîch berît
5490und mit grôzin vroudin schît
549138 a    zu schiffe hin kein lande wert.
5492Er lîz in wâpin unde pfert,

--- S. 366 ---

5493swaz er der dô hête,
5494und alle sîn gerête
5495von spîse. Der was alsô gnûc,
5496daz sich daz hûs dâ von betrûc
5497zur Balge wol ein ganziz jâr
5498nâch sîner heimvart vorwâr.
5499Ouch lîz er in der stunde
5500in alle sîne hunde,
5501dî er hatte zu gehetze
5502und alle dî wiltnetze,
5503dî er brachte in daz lant,
5504als ich tet dâvor irkant
5505und sîner vûzjegêre
5506zwêne vil gewêre,
5507dî beide brûdre wurdin
5508sint in dem dûtschin ordin.
5509Mit disem jaitgeverte
5510vil manic jâr man nerte
5511dî nidirstin hûsir al,
5512want man wildis âne zal
5513dâ mitte slûc und darzû ouch
5514man von den hundin hunde zouch.
5515Alsus man von des Ottin zît1
5516unz hûte grôzir jait pflît
5517in Prûzinlande manchirwein.
5518Und daz dî dûtschin brûdre pflein
5519sulchir jagit bisundirn,
5520des darf nîmande wundirn,
5521want in irloubit ist dî jait2,
5522dî andrin ordin ist vorsait. —
Diz ist wî dî Ermin, Natangin und Bar­tin sich undir dî brûdre satztin und von bûunge mê burge.

[Dusb. III, 27.]

5523Nû wârn ouch der dîte
5524von Ermin dem gebîte,
552538 b    von Bartin und Natangin
5526sô vil itzunt vorgangin
5527von der ordenunge gotis,
5528der nâch willin sîns gebotis
5529daz schûf mit der edlin hant
5530des hêrrin von Brûnswîc vorgenant
5531und mit der brûdre macht,
5532daz sî wârn sô gar geswacht,
5533daz sî nicht mochtin widirstân
5534den brûdrin mê; und dô sî sân
5535sich wesin sô unmuginde
5536an dî werc der tuginde,
5537betwungin sî dô trâtin      [1241
5538unde gîsle satin,
5539daz sî vurbaz sundir wân
5540woldin wesin undirtân
5541Cristô dem wârin gote
5542unde der brûdre gebote.
5543Nû wârn doch dî brûdre dis
5544dennoch ein teil ungewis
5545noch torstin wol getrûwin in.
5546Des vîln sî ûf sulchin sin
5547nâch wîslîchim râte,
5548daz sî in dî state
5549woldin gar vorsperrin,
5550daz dikeinin werrin
5551gestiftin mochtin lîchtelîch
5552dî Prûzin vornoigîrnde sich,
5553und bûwitin zuhant
5554ein hûs Crûceburc genant
5555in Nattangin ûf ein vlîz,
5556daz dî Kauxtere dô hîz.
5557Ouch in dem lande Bartin
5558sî des nicht inspartin:
5559sî bûwitin drî burge dâ,
5560Wisinburc und Reisil sâ
5561und darzû Bartinstein.

--- S. 367 ---

5562Sumelîche sus ouch sein1,
556338 c    als ich genzlîch hab gehôrt,
5564daz sî in Erminlande dort
5565bûwtin zweiir vestin werc,
5566Brûnsberg unde Heilisberc
5567ubir etslîche zît dar nâch,
5568unde eine stat, dî man sî sach
5569bûwin in dem lande,
5570daz man Galindin nande.
5571Und ûf dî vestin vorgeseit
5572wurdin brûdre gnûc geleit
5573mit andrim volke, zu bewarn
5574sî vor schedelîchin vârn.
5575Darzû wurdin in dem zil
5576unde sint gebûwit vil
5577ouch andirre vestin
5578von den edlin gestin,
5579rittrin unde knechtin,
5580dî ouch mit irn geslechtin,
5581wîbin unde kindin,
5582und allin irn gesindin
5583albûwis2 quâmen in den jârn
5584von dûtschin landin gevarn
5585zu hulfe deme lande her
5586zu Prûzin in willigir ger
5587und in innekeit vil heiz.
5588Got ir allir namen weiz.
5589Von den selbin stundin
5590zu breitin ouch begundin
5591sich dî cristenin vorwâr
5592in Prûzinlande her und dar
5593und gotlîch dînst sich mêrin
5594zu lobe und zu êrin
5595Cristô dem vil hêrin,
5596der ouch âne kêrin
5597sî in deme lande wît
5598êwiclîch gebenedît! —
Diz ist, wî Lîflant quam an dî brûdre des dûtschin hûsis.

[Dusb. III, 28.]

559938 d    In der zît ouch sundir wân
5600wârn wol sechs jâr vorgân,
5601in den brûdir Volgwîn,
5602den man den andrin meister sîn
5603des ordins der swertbrûdir sach,
5604geworbin hatte al darnâch
5605wesinde zu Lîflande,
5606mit botin, dî er sande
5607wol achberlîch von danne
5608zu brûdre Hermanne,
5609der von Salzâ was genant
5610unde hômeistir irkant
5611des dûtschin ordins in dem zil,
5612vlêhinde mit bete vil
5613daz er gerûchte schaffin
5614an dem obirstin pfaffin,
5615den pâbist ich dâ meine,
5616daz sîn ordin eine
5617wurde mit dem ordne sîn
5618unde gewandelit darîn.
5619Dî wandelunge was alsô,
5620daz dî swertbrûdre dô
5621irin ordin soldin lân
5622und den dûtschin ordin intpfân.
5623Und dô meistir Herman
5624und mit irn brûdir Jân
5625von Meideburc (der, als ich las,
5626dô ein bote bî im was,
5627von brûdre Volgwîne
5628um dî sache sîne),
5629vor den pâbist wârin komen
5630und hattin ûfgenomen
5631dî sache und im vorgeleit,
5632dô quam ein brûdir ouch gereit,
5633von Lîflande ein bote,
5634genant Gêrlach der rôte,
5635unde brâchte mêre,
5636daz meistir Volgwîn wêre
563739 a    wol mit vîrzic brûdren sîn
5638und dar zu manch pilgerîn
5639und der cristnen grôze zal
5640gevaln in eime strît zu tal
5641nûlîch vor den tagin
5642von den heidin irslagin.
5643Dô diz dem pâbste wart irkant,      [1236
5644dô volant er o