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ABCDEF s.VGHIJK
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k – kachez
kachezen – kalamît
kalander – kaldiment
cale – kalopeiʒ
kalopieren – kaltlîchen
kaltnisse – camênisch
kamer- – kamerlant
      kamer- stN.
      kamerambet stN.
      kamerære stN.
      kamerærinne stN.
      kamerærse stN.
      kamerbëlle stN.
      kamerbirse stN.
      kamere stN.
      kamererstap stN.
      kamergewant stN.
      kamergrâve stN.
      kamerguot stN.
      kamerhof stN.
      kamerholz stN.
      kamerhort stN.
      kamerhuobe stN.
      kamerîe stN.
      kamerinne stN.
      kamerknëht stN.
      kamerlant stN.
kamerlêhen – kamerwîp
kamerwise – kampfgeziuge
kampfgezouwe – kampfwât
kampfwërc – kannel
kannelgieʒære – kantner
kantnisse – kapfel
1kapfen – kappel
kappelære – kappûnen
capût (?) – karclich
kardamôm – Karlingen
karm|bendic (?) – karrer
karret – karvrîtac
karvunkel – kæselîn
kæse|lüppe – kastëlân
kastëllære – kastvogetîe
kasugele – katzenhurt
katzenkint – kavalerîe
kâwerzîn – kefse
1kegel – keiserinne
keiserlich – këlcheht
kelchvaʒ – këllerhûr
këllerknëht – kelten
kelterboum – 2kemelîn
kemelînvleisch – kempfen
kempfenbrôt – kennen
kenneschaft – kërbelîn
kërben – kerlingisch
ker|mël – kerrîne
kerschlich – kerzentâht
kerzestal – kestigen
kestigunge – ketzerkint
ketzerlich – keʒʒelgarn
keʒʒelhuot – kîche
kîchen – kienlîte
kienmarket – kîlhouwe
kilîn – kinde|lege
kindelen – kindischheit
kindischlich – kintbettegemach
kintbetten – kîp
kipel (?) – kirchære
kirchberc – kirchenvride
kirchgâbe – kirchlêhen
kirchlich – kirchtac
kirchtor – kirchzëhende
kirchzûn – kistelîn
kistenphant – kiusche
kiusche – kiver
kiverære – klâfterlanc
klâftermâʒe – klageliet
klagemære – klagevüerære
klagewandel – 1klanc
2klanc – klarisian
klârivunkel – klëber
klëbereht – klefte
kleftic – kleine
kleine – kleinnæsic
kleinôt – kleithûs
klemberen – klepfze
kleppisch – klinc
klincwerft – kliusel
kliuselen – klopfen
klopfunge – klôsterliute
klôsterlugenære – klôsterweide
klôsterwërre – kluc
kluche – klunsen
klünzen – klûsentür
klûsenvrouwe – knabelich
knaben – knëhtelîn
knëhten – kniebein
kniebëten – knistunge
kniuwelîn – knopfelære
knöpfelîn – knüpfel
knüpfen – kobel
kobel – kochespîse
kochgëlt – cochie

   kamer- - kamerlant    


kamer- s.a. kemer -

kamerambet stN. 1 Tätigkeit des Kammerdieners (zum persönlichen Dienst)
2 (niedriges) Kämmereramt, betraut mit finanziellen Aufgaben bzw. der Verwaltung von kamerguot (zur Sache vgl. DRW 6,800ff.)
   1 Tätigkeit des Kammerdieners (zum persönlichen Dienst): ‘vrowe, waz sol ich sprechen mêr? / wan iwer hof stât ritterlîch: / man wirt dar inne wol êren rîch. / und wirt mir iwer kameramt, / ich hânz, ob got wil, ungeschamt / und wilz ouch von iu mit den spern / enpfâhen, swenne ir welt, vil gern.’ UvLFrd 235,29    2 (niedriges) Kämmereramt, betraut mit finanziellen Aufgaben bzw. der Verwaltung von → kamerguot (zur Sache vgl. DRW 6,800ff.): vonme kamær ampet git man zwai pfvnt UrbBayÄ 1556,g; das ich in vnd dem closter in das vor genanntchamer ambt dienen sol [...] ainen emer weins UrkEnns 6,138 (a. 1334 kopial); eyne halbe huwe, die wart gegeben zu selegerete in das kameramicht den vrowen zu der kappellen DRW 6,801 (Diefenb.-Wülcker 685; a. 1346); wohl hierher: die sine chamer ampt hant StrKD 107,197; der dô des kameramtes phlac Ottok 91044

kamerære stM. auch kemerer. ‘Kämmerer’ (rechtl. stärker differenziert mit zahlr. weiteren Belegen DRW 6,843-850; zur Sache vgl. 2HRG 2,1548ff.): camerarius: kamrer VocOpt 41.071 1 in der Verantwortung für die kamere (ihre Ausstattung, herscherl. Kleidung, Schatz, Einkünfte) und die mit ihrer Verwaltung verbundenen Aufgaben wichtigstes Hofamt neben marschalc , schenke , truhtsæʒe in den meisten weltl. wie geistl. Herrschaften (vgl. hovemeister , kamermeister )
2 ‘Diener, untergeordneter Bediensteter’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden)
3 Verantwortliche oder Bedienstete im Bereich städt. oder dörfl. Verwaltung bzw. bei Gericht
4 übertr. ‘Verwalter, Hüter’
5 Einzelnes
5.1 als Bestandteil von Flurnamen
5.2 als Bestandteil von Personennamen
   1 in der Verantwortung für die → kamere (ihre Ausstattung, herscherl. Kleidung, Schatz, Einkünfte) und die mit ihrer Verwaltung verbundenen Aufgaben wichtigstes Hofamt neben → marschalc , schenke , truhtsæʒe in den meisten weltl. wie geistl. Herrschaften (vgl. hovemeister , kamermeister ): ich bevalh den kemerere min / beide ros vnde gewant / daz sie brachtin indiz lant Roth 2614. 1138; Marssilies gebot den kamereren / daz si gereite waren / der uil herlichen gebe Rol 2707; Eraclîus der gewære / hiez die kamerære / dem guoten man daz silber wegen Eracl 1042; Rennew 12273; RvEWchr 7129; do kom der burg kamerer Minneb 224; daz vns [dem Abt von Limburg] di [ vischerie zu Eychene ] dienen sal oder vnserme kemerere also lange, also wir zu Nuwenburch sin UrkCorp (WMU) 3067,25; jch Otto von Liehtenstain, chamerer in Steir ebd. 3413,9; Bruich, der vrauwen kemereir van Guilche StRechAachen 409,30. – in Verbindung mit den anderen drei zentralen Hofämtern marschalc ; schenke ; truhtsæʒe : div geistlichen fvrsten ampt vnd div weltlichen fvrsten ampt, div sin gestiftet von erste mit vier fvrsten ampten, mit einem trvhsæzen vnd mit einem marschalke vnd mit einem kamerær vnd mit einem schenchen SchwSp 33a; dô nam mîn hêr Gâwân / vier werde rîter sunder dan, / daz einer kamerære / und der ander schenke wære, / und der dritte truhsæze, / und daz der vierde niht vergæze, / ern wære marschalc Parz 666,25; Wh 261,22; Eracl 1609; die ambtliute us des bischoves costen suln ime rat tuon, der marschalch sinen rossen, der trussezze daz essen als dem bischove, der schenke den win also, der camerer daz gewant RbBasel 12,8; UrbBayJ 529. – bezogen auf die Erzämter der Kurfüsten: daz riche uz siben münden / maz ie sin kür mit kreften: / [...] / der marschalc ist von Sachsen; / sol sin ein kamerere / wol Brandenburc, der herre Frl 12:9,7; wir Ludowig von gots genaden marchgraf ze Brandenburch, des heyligen romischen reychs oberister chamerer StRMünch 142,33; RvZw 240,9. [Judas] was Christes kamerêre Renner 3220; des endekristes kamerer / sint ûf erden gar ahpêr, / die guot în sament âne selde, âne êre ebd. 8693; alle zungen suln ze gote schrîen wâfen / und rüefen im, wie lange er welle slâfen. / [...]. / sîn kamerære [der Papst] stilt im sînen himelhort Walth 33,28    2 ‘Diener, untergeordneter Bediensteter’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden): des wirtes kamerære in becken von golde rôt / daz wazzer für truogen NibB 606,1; UvLFrd 226,30; sich huop dâ harte grôz gedranc / dô si gekrœnet giengen vür. / die kamerære bî der tür / wielken ez mit starken slegen Wig 9490 (vgl. kamerstap ); WälGa 3243; juncfrouwen, kamerære, / swaz der dâ bî ir wære, / die lie si slâfen über al Parz 192,21; Mai 94,9; Ottok 46424    3 Verantwortliche oder Bedienstete im Bereich städt. oder dörfl. Verwaltung bzw. bei Gericht: swaz si da [während der Feuerlöscharbeiten] verliesent, daz suͤllen in der stat chamrer gelten StRMünch 419,29; ez muͤgen aber zwen arm pecken wol auf ainer panck sten, nach der chamrer rat und wizzen ebd. 433,9 u.ö.; vnnd sünndt dissz die amptleüth: ein marschalckh, ein schultheisz [...] ein cammerer WeistGr 4,190 (a. 1339 kopial); gebutet der richter dem kemmerer, das her in lade DRW 6,848 (ÄltpolnRdm.; vor 1320)    4 übertr. ‘Verwalter, Hüter’ di da hie beuore were / des heiligen geistis camerere Litan 695; VRechte 370; Mechth 1: 44,43; Jôsep den du mir ze huote / gaebe, daz er mîner kiusche ware / hüeter unde kameraere Philipp 7473; der züchte marschalc Kurvenal / und aller tugent ein kamerer HvFreibTr 1541; iuwers heiles kamerære Craun 582    5 Einzelnes    5.1 als Bestandteil von Flurnamen: vnser holz zvͦ Alungen, das da heizet der camerere holz UrkCorp (WMU) N709,41    5.2 als Bestandteil von Personennamen: Niclaus Kamerere vnd andere erber luͥte UrkCorp (WMU) 2300,2; her Albreht der alte Kamerer ebd. 790,46. – bereits als fester Familienname her Ulrich, der kamerer uon Wellenpurch UrkCorp (WMU) 3443,28 u.ö. – Lit.: W. Rösener, Hofämter an mittelalterlichen Fürstenhöfen, in: DAEM 45 (1989), S. 485-550.

kamerærinne stF. auch kamerinne (Mai ). ‘Kämmerin’, von der Hofmeisterin bis zur Kammerdienerin, -frau (nicht immer klar zu differenzieren, vgl. kamerîe ): dar inne guͦt gesteine / smaragden, jachande, / robine unde diamande, / saphire unde ander steine gnuͦc / her fur di kemmereren druͦc Elis 520. 2711; [die Königin] und ir zway kindelein / und auch di kamererin HvNstAp 4734; diust [die Nachtigall] dâ ze hove kamerærîn: / diu sol ir leitærinne sîn [vgl. auch V. 4800 meisterinne ] Tr 4811. – übertr.: wîsheit pflac dîner [Beaflor] sinne. / triwe dîn kamerærinne [Hs. chamerinne ] was Mai 176,15; trvwe ist der tugenden ein gezelt / und wiget in allen hohis gelt / sist allir tugent ein kamererin / vnd schenkit in der minne win Martina 25,47; gîtikeit hât alterseine / mit aller missetât gemeine: / bôsheit ist ir kamererîn, / karkeit ist ir kelnerîn Renner 4567; sa sie [die Seele] vor ir da schauwit / die godelichen gnade, / die [...], / eyn kemmereren godis ist PrHess 11,416; Mechth 7: 36,37 u.ö. – Ehefrau des Kämmerers: jch Elsbet von Lengenbach, chamererinne in Oͤsterrich, vergich an disem brief [...], daz ich den cehent datz Gvntherstorf,, verchovfet [...] han [...], vnde ist daz geschechen mit meines wirtes Frideriches, des chamerers in Oͤsterrich, gvetem willen UrkCorp (WMU) 1732,30

kamerærse swF. ‘Kammerdienerin, -frau’ (zur Bildung -se, -sen vgl. Mhd. Gr. Wortb. § S 183ff.): der kunig hatte tusint jungelinge und also vil kemeryrschin, dy do dyntin in syme hove MarcoPolo 40,9; in rechten trouwen, her Godyn, / ir souldet eyne kamerersse syn, / want ir wyllet vmmer syn gereit / zo wyssen vrauwen heymlicheit KarlGalie 13667

kamerbëlle swF. spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a. kamerbirse , kamerrûʒe ): dô sprach diu kamerbelle: / ‘nû vârent al getelle! / mîn rât der wirt iu nütze. / [...].’ HBirne 311

kamerbirse swF. spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a. kamerbëlle , kamerrûʒe ): si wart noch grüener dan ein gras / und dar nâch als ein kirse. / dô sprach diu kamerbirse: / ‘ frouwe, ich hân ez wol vernomen, / wir sint ze laster beide komen. / [...].’ HBirne 455

kamere stswF. ‘Kammer’ (v.a. zu den rechtl. Aspekten vgl. DRW 6,784-797; 2HRG 2,1544-48) 1 in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums)
1.1 allg.
1.2 mit Hinweis auf verschiedene Funktionen
1.3 häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von 3.1 , vgl. auch )
2 selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort)
3 in rechtl. Zusammenhängen
3.1 bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu trennen von 1.3 )
3.2 bezogen auf ein Gericht
4 bezogen auf den Himmel, das Paradies
5 bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.)
5.1 in seiner Gesamtheit
5.2 auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz
6 Einzelnes
6.1 übertr.
6.2 umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg
   1 in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums)    1.1 allg.: ir findent mich in der schönsten kamern die in dißem sal [Palasgebäude] ist Lanc 350,12; alse vil wonungen und kammeren sint in eime huse, also sint in dem menschen vil krefte und sinne unde wúrckunge Tauler 104,16; erlpleter habent die art, wâ man si sträut in ain kamern, dâ tœtent si die flœch BdN 315,8. – übertr. (von der Seele als Braut): so gat dú allerliebeste zuͦ dem allerschoͤnesten in die verholnen kammeren der unsúnlichen gotheit Mechth 1: 44,78    1.2 mit Hinweis auf verschiedene Funktionen: der künic ze der vürstîn urloup nam er volget dem Lutringaere, / der wîst in in ein kamer wît, / diu mit rîchen tepchen schône was beleit, / dar inne stuont ein bette kostebaere Loheng 858; die maget wolgêtan / mit dem künige ist gegân / ze kamern und ze reste ErnstD 2841; in der kamern lac Hector, / vnz er wol gesunt wart Herb 9375; do was bi Priamis trone / ein kamere vil schone: / [...] / Priamvs hiez in daz gaden / sine ratgeben laden ebd. 7216; vnde so si dv nvwin [Kleider] impfant so svns dv altin zehant widir gebin zir chamra [ in vestiario ] BrEng 55; darnach kamen sie in ein kamern, da stunden zwenczig habich und valcken off eim rick. darnach kamen sie in ein ander kamern, da stunden zwenczig der schonsten roß Lanc 428,13. – ‘Abtritt, Toilette’ wir sollen och iewederhalp des baches vber den selben bach machen zwo offene kameren mit vier sessen, zvͦ den maneglich moͤge gan von iewederre strasse, vmbe sin gemach da ze habende UrkCorp (WMU) N714,33,34; von deme swîgene zu haldene in den heimelichen cameren [ in locis nature necessariis ‘Toiletten’ ] . / in den stûlen unde in den cameren der privoisen [ ante sedes et in sedibus ‘Toiletten’ ] sulen die brûdere zu allen cîten ir swigen vesteclîche halden StatDtOrd 71,24; itwanne dunket enem, wo he gerne to stole ginge vnde et krimmet en sere in den lif; wan he vf dy kammeren kommet, so wyl nych von eme OvBaierl 25,2. – Lager und Verkaufsstätte eines Kaufmanns (vgl. koufkamer ): wer zu kamern stet, der sal zu cynse geben eyne halbe mark UrkBresl 103 (a. 1324); alle [...] sullen geben uz der kameren vumf virdunge alle iar StRFreiberg 251,29. – in der Wendung ~ unde këller: da sie in der burg da waren und die kelre und die kamern besuchten Lanc 478,33; jch sol auch dem capitel ze Salzburch mit cheller vnd mit chamer vnd mit allem gemach warten UrkCorp (WMU) 1436,31; daz si [...] antwürten [...] sullent [...] vnser heilgen sant Felix vnd sant Regeln fünff mütt kernen in die kamer vnd in den keler WeistGr 1,9 (a. 1338). – hierher oder Kompositum ‘Zimmer im Untergeschoß’ (vgl. Steinhoff, Lanc., S. 989): ein ander bot kam und sagte das ers durch got dete und durch synen willen und zu im keme, zu Bertelac in die nieder kamer, er were so siech das er yczu sterben wönde Lanc 539,27. – wohl Verschreibung: die wile daz got in ertriche was. do erquickete er dri totin. einen in der kartuͦrn PrLpz (L) 70,29 (vgl. der in der kamirn ligt bezlozzin ebd. 71,1 )    1.3 häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von 3.1, vgl. auch ): nu vore golt vnde schaz / des ein michil mancraft / indiner kameren / is gelegit zo samene Roth 598; Frúoté der küene der kamere er dô phlac, / dâ golt und gesteine und vil dínges inne lac Kudr 280,1; ist daz ein christe eim iuden ein wunden slecht, [...] der selbt geit dem chunich oder herczogee czwelf marck goldes in sein chamer StRBrünn 369; PKchr 209,42; Hawich 4518; lât mich pflegen der kamere. belîben ûf der fluot / wil ich bî den frouwen, behüeten ir gewant NibB 531,2; silber, gesteine, pfellor vnd golt / vnd al der kvͥneginne kamer, / ahzek soͮmer, die nam er, / die gar die kamer trvͦgen TürlArabel *A 255,3; chumt ein wcherære dar, / [...], / swaz si [Menschen, Einwohner] habent, daz wirt sin. / er ist ir chamer und ir schrin, / dar in ir gut allez muͦz StrKD 138,8. Engellant ze ainer kamere [ ‘Vorratskammer, Einnahmequelle’ oder ‘Gebiet eines Staatsgebildes’ (vgl. 6.2)] / eruacht ich dem chunc Karle / unt andriu uil manigiu riche Rol 6855    2 selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort): er schuof den rittern ir gemach, / und gienc da er sîne kamern sach, / ein kleine gezelt von samît Parz 93,8. 800,16; einen helfant zôch ein knappe kluoc / der des küniges kamer truoc Wig 10688; das werde helffant was perait, / der frauwen kamer dar auff gelait HvNstAp 17910    3 in rechtl. Zusammenhängen    3.1 bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu trennen von 1.3): alle di, di gehoren in ains bischof von Wirtzburg camer unn hof WüP 104,9; wan diu munzze in in sine [des Bischofs] kamer hoeret StRAugsb 18,8; die selben [Juden] gap der künic Tytus in des rômischen küniges kamer ze eigen SchwSp (W) 214,15; SchöffIglau 178; er sulle im senden hin / die juden in Francrîch / und die sullen eigenlich / in des rîches kamer gehôren Ottok 91327 (vgl. kamerknëht ); swer avch in vnser [des Hzgs. von Bayern] chamer ist oder chvmt, wír meinen in di mvͤnz vnd an den wehsel [ in camera nostra, hoc est in loco monete vel concambij (2273A,42)] , dem pannen vnd gebieten wir frid UrkCorp (WMU) 2237B,18; ist 1 lêhen, daz hoͤrt in der abtassinne chamer [ pertinet ad cameram abbatisse ] UrbSonnenb 80    3.2 bezogen auf ein Gericht: aber jst, daz vf der hofmarch vor dem rihter iht ze chrieg chumpt, daz an des voites reht gêt, daz sol er [der Richter] an den voit bringen, so der denne in sin hvͦs zv chamer chumt UrkCorp (WMU) 1100AB,21,20; er sal zu der schepphen cameren nicht gehen RbMagdeb 251,15. 252,54    4 bezogen auf den Himmel, das Paradies: daz wir gerne unsen scaz / beginnen hine samenen / in di himelischen cameren Glaub 2601; kuͤnginne, gammer [Maria, gehen wir] ! / wis mich zu der kammer / mit diner wishait sluͤzzel, / daz mir gnaden schuͤzzel / dar inne gefuͤllet werde WhvÖst 14410    5 bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.)    5.1 in seiner Gesamtheit: [die Heiligen, die] uz dem chamer disses broden libes in diu himelischen wunne zv der genozzeschefte der heiligen engel fuͤr das antluz des almehtigen gotes chomen sint Konr 19,5. 22,93    5.2 auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz: vzer dez wibes leberen gant zuo vil enge aderen in die kameren, da daz kint inne lit Lucid 62,16. 62,2 u.ö; min lieber sun spilt harte fruͦ / in des leibes kamere Wernh A 2409 u.ö.; daz hirne ist geteilt in drie cameren Lucid 63,7; kæme ich in ir herzen kamer, / ob si daz mit willen lieze, / dâ wont ich KLD:BvH 16: 4,7. – übertr.: niht an der an gebornen wât, / diu von des herzen kamere gât, / die si dâ heizent edelen muot Tr 4994; mins herzen grunt, mins sinnes kamer Frl 3:29,7    6 Einzelnes    6.1 übertr.: unschuldic ist der zungen hamer. / ez [ daz getiht ] muoz kumen von des herzen künste kamer Loheng 7645; wez sleht diner bosen zungen hamer / muntz falsch in truwen kamer? Minneb 4006; nv hvͦp sich manger hande spil, / der ich nv niht sagen wil. / floytirn tambvren vnd tschalmin, / in dem kle muos ir kamer [Aufenthalt] sin TürlArabel F 497    6.2 umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg: das [sie] [...] verkoufet han ir wingarten [...] eine halbe juchert rebon [...], siben kamer rebon UrkZürich 7,142 (a. 1300); 15 kamern reben und 1 steg SchweizId 3,250 (ZUrk; a. 1335)

kamererstap stM. unklar, ob Syntagma oder Kompositum. Stab der Kammerdiener (v.a. um im Gedränge Raum zu schaffen): nû het ouch diu keiserîn der gaehe sich niht versûmet: / sie und diu rein Elîzabeth / sich ein teil vür die pfafheit gemachet het, / vil kameraer steb [ kamerstebe Konj., vgl. Rückert,Loheng. z.St.] in durch gedrenge rûmet Loheng 3020 (vgl. swie doch die kamerære stebe heten JTit 1842,2 und kamerære 2)

kamergewant stN. bei besonderen Gelegenheiten getragenes Gewand (das auf Reisen mitgeführt wird): manec soumær muose tragn / kappeln unde kamergewant. / manec soum mit harnasche erkant / giengen ouch dar unden Parz 669,5. 353,8; ir kamergwant truoc man în / und entladete den helfant Wig 11460; Eilh (L) 6424. 6417

kamergrâve swM. leitender Kämmereibediensteter der Finanzverwaltung in habsburgischen Ländern (vgl. DRW 6,895f.), ‘Kammergraf’ jch, Pittrolf von Tuln vnd purger ze Wienne vnd zden zeiten chamergraf, tun chunt UrkCorp (WMU) 3148,2. 1818,35

kamerguot stN. von der → kamere verwaltetes bewegliches und unbewegliches Gut eines Landesherrn bzw. dessen Erträge (vgl. 2HRG 2,1560f.), ‘Kammergut’ wer hintz kamer gelten sol, und des laugent, wann man es an in vodert, das pringt ain ieder hausgenoss wol mit seinem schreiber. gicht aber der antwurter, er hab des kamerguet gewert, und das der hausgenoss des laugnet, das pringt der antwurter wol mit zwain ietzlichen pider erber mannen, als recht ist StRWien 36. 37

kamerhof stM. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörender Hof: darnâch fuorten si in [den gewählten jungen König] / in den kamerhof hin. / in der selben klûse / wont der kunic mit hûse Ottok 80255

kamerholz stN. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörender Wald (hier als Flurname, vgl. kamervorst ): aput silvam dictam kamerholz prope Bliswilr UrkSlgAlmende 416 (a. 1284); daz der stift von Selse suͦnderliche hat drie welde, ligende in demme vorgenanten eigen, daz ist daz Rôtris, der Mülnhart unt daz Kamerholz WeistGr 1,761 (a. 1310)

kamerhort stM. ‘Schatz’, der in der → kamere aufbewahrt wird (hier übertr.): dîner werke pflac Stæte / und aller dîner ræte / gedanke unde worte / und dîner kamerhorte Mai 177,30; minne ist ein daz beste wort, / minne ist ein übergulde, ob allen tugenden kamerhort, / minne ist ein sloz der sinne, dâ mite man guotiu werc besliezen sol RvZw 32,2

kamerhuobe stF. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörende Hufe: in Smidhaim chamerhvb et donacio eiusdem UrbNAlteich 18; curia in Dvrrenperge, que est una chamerhvb ebd. 397a u.ö.

kamerîe stF. md. auch kemerîe. ‘Kammerdienerin, -frau’ (zur Bildung vgl. Suolahti 1,116; s.a. kamerærinne ): Kunegunt die frîe, / die ist ir kamerîe, / ir ingesinde tegelîs; / sie hat ouch sunderlîchen prîs EbvErf 3164. 1285; die edele furstinne bat iren hern zu einem male unde sprach ‘gnediger herre, ich bete uwer gnade daz ir mir und minen kemerien erloubit daz iz bestalt werde, waz geroubit adir armen luten wider got abe gebrochen si’ Köditz 28,28

kamerinne stF. kamerærinne

kamerknëht stM. 1 niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’
2 zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2 HRG 2,1562f.; weitere Belege DRW 6,923-25)
   1 niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’ dô si geriten hêten wol nâch ritters rehte, / dô wurden vil unmüezic ûf des küniges hóve vil manige kámerknehte Kudr 180,4    2 zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2HRG 2,1562f.; weitere Belege DRW 6,923-25): wir Ludweich von gots genaden roͤmischer chuͤnich [...] enbieten unsern lieben chamerchnechten den juden ze Regenspurch unser huld MGHConst 5:598,7 (a. 1323); sehzig marck silbers geltes, die er von uns und dem riche hat uf den juden ze Spyer, unsern lieben chamerknechten UrkSpeyer 340,26 (a. 1331); wanne die juden zuͦ Nuͤrenberg unser camerknecht itzunt sitzent in manigerley vehe des gemainen volkes und auch die burger in der stat irs leibs und guͦts, die weil die juden in der stat seint, nicht sicher seint MGHConst 9:463,4 (a. 1349); (vgl. daz er di juden (seiner chamer chnecht) vreien vnd beschirmen wil UrkWürzb 39,218 (a. 1323 kopial) und kamere 3.1)

kamerlant stN. der → kamere bzw. dem → kamerguot zugehörendes Landstück, Hofeinheit (weitere Belege DRW 6,930f.): ez svͤln ouch des gotshouz amptleute den selben wein vnd andern wein, den di maier von ir chamerlant dienent, alliv iar nemen nah zwaier frumer gemainer manne rat UrkCorp (WMU) 3479,19 u.ö.; [wir] vergehen [l. verjehen ] offenlichen unt tuon kunt [...], das wir [der Propst des Klosters Polling] [...] habent lassen [...] unser chamerlant ze T. unt unsern zehenden ze P. DRW 6,931 (SchlernSchr. 112; a. 1312)