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ABCDEF s.VGHIJK
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k – kachez
kachezen – kalamît
kalander – kaldiment
cale – kalopeiʒ
kalopieren – kaltlîchen
kaltnisse – camênisch
kamer- – kamerlant
kamerlêhen – kamerwîp
kamerwise – kampfgeziuge
kampfgezouwe – kampfwât
kampfwërc – kannel
kannelgieʒære – kantner
kantnisse – kapfel
1kapfen – kappel
kappelære – kappûnen
capût (?) – karclich
kardamôm – Karlingen
karm|bendic (?) – karrer
karret – karvrîtac
karvunkel – kæselîn
kæse|lüppe – kastëlân
kastëllære – kastvogetîe
kasugele – katzenhurt
katzenkint – kavalerîe
kâwerzîn – kefse
1kegel – keiserinne
keiserlich – këlcheht
kelchvaʒ – këllerhûr
këllerknëht – kelten
kelterboum – 2kemelîn
kemelînvleisch – kempfen
kempfenbrôt – kennen
kenneschaft – kërbelîn
kërben – kerlingisch
      kërben Adj.
      ker|bëseme Adj.
      kerclich Adj.
      kërden Adj.
      kêre Adj.
      keren Adj.
      kêren Adj.
      kerenter Adj.
      kerge Adj.
      kergel Adj.
      kergen Adj.
      kerkære Adj.
      kerkeltor Adj.
      kerkeren Adj.
      kerkerhaft Adj.
      kerl Adj.
      Kerlinc Adj.
      Kerlingære Adj.
      Kerlingen Adj.
      kerlingisch Adj.
ker|mël – kerrîne
kerschlich – kerzentâht
kerzestal – kestigen
kestigunge – ketzerkint
ketzerlich – keʒʒelgarn
keʒʒelhuot – kîche
kîchen – kienlîte
kienmarket – kîlhouwe
kilîn – kinde|lege
kindelen – kindischheit
kindischlich – kintbettegemach
kintbetten – kîp
kipel (?) – kirchære
kirchberc – kirchenvride
kirchgâbe – kirchlêhen
kirchlich – kirchtac
kirchtor – kirchzëhende
kirchzûn – kistelîn
kistenphant – kiusche
kiusche – kiver
kiverære – klâfterlanc
klâftermâʒe – klageliet
klagemære – klagevüerære
klagewandel – 1klanc
2klanc – klarisian
klârivunkel – klëber
klëbereht – klefte
kleftic – kleine
kleine – kleinnæsic
kleinôt – kleithûs
klemberen – klepfze
kleppisch – klinc
klincwerft – kliusel
kliuselen – klopfen
klopfunge – klôsterliute
klôsterlugenære – klôsterweide
klôsterwërre – kluc
kluche – klunsen
klünzen – klûsentür
klûsenvrouwe – knabelich
knaben – knëhtelîn
knëhten – kniebein
kniebëten – knistunge
kniuwelîn – knopfelære
knöpfelîn – knüpfel
knüpfen – kobel
kobel – kochespîse
kochgëlt – cochie

   kërben - kerlingisch    


kërben swV. 1 ‘etw. einschneiden, einkerben’
2 übertr. ‘etw. feststellen’ (wörtl. ‘in ein Kerbholz schneiden’ )
   1 ‘etw. einschneiden, einkerben’ kerbe tweris [quer] das gelit [den Knoten des Pflanzenstängels] bis an den kern Pelzb 120,19; wisset daz gar sunder schrancz: / ob ir den boum [den Baum der Erkenntnis] jo kerbet [wohl ‘auch nur anrührt’ ] , / ir sundet unde sterbet! TvKulm 215    2 übertr. ‘etw. feststellen’ (wörtl. ‘in ein Kerbholz schneiden’): daz ist valsch, daz wil ich kerben / und wil uch des bescheiden schir Hiob 4450

ker|bëseme swM. auch kere-. ‘Besen zum Kehren’ man trvg ovch dar [als Essen in dem hölzernen Land] bereitet wol / stemph [Stampfer] vnde slegele [Stößel] , / ker pesen vnde vlegele [Dreschflegel] / in mancher hande wise. / an nie keiner spise / gewan ich nie so richen smac Wachtelm 106. – in Gl. (vgl. AWB 5,131 s.v. keribes(a)mo): verriculum: kerebesemo SummHeinr 1:374,443

kerclich Adj. , -lîche Adv. auch karklich; adv. auch -lîchen. 1 ‘schlau, listig’
2 ‘sparsam, geizig’ , sprichw.
   1 ‘schlau, listig’ durch ir kärclichen sin / wolten si [die Geistlichen] in [den Pfaffen Amis] versuochen StrAmis 1490; iedoch het er den sin, / daz ers chær(c)hlichen ane vie StrKD 50,17; er begunde im entwîchen / vil harte kärclîchen / zuo den sînen vür daz tor Greg 2106; daz wârin charchlîchiu dinch Exod 876    2 ‘sparsam, geizig’, sprichw.: der karklich seget [säht] , der schnidet [erntet] och ermlich, aber der rilich seiet, der samnet och rilich [vgl. 2 Cor 9,6] Seuse 363,19. 421,19

kërden swV. ‘jmdn. speisen’ (hier bildl.; vgl. W. Grimm, in: ZfdA 10 [1856], S. 1-137, hier S. 4 und Anm. S. 135): dat himelsch leven is dit brot, / dat uns kert [Hs. kerdet ] in aller not MarlbRh 4,28

kêre stF. , kêr stM. auch kâr (EvStPaul ). ‘das Sich-Wenden’ 1 ‘Kehrtwendung, Umkehr’
1.1 eigentl., im Kampf
1.2 übertr.
1.2.1 ‘Bekehrung’
1.2.2 myst. ‘(geistige) Kehrtwendung, Abkehr bzw. Zuwendung zu etw.’ (vgl. 4 )
1.2.3 jmds. lëbens ~ ‘jmds. Tod’
2 ‘Wendung (in eine Richtung), Bewegung, Fahrt’
3 ‘Zustand des Ausgerichtet-Seins, Ausrichtung auf etw.’
4 übertr. ‘Ausrichtung, Orientierung, Hinwendung’ (v.a. von geistiger Orientierung), auch i.S.v. ‘Art und Weise’
5 wohl ‘Turnier’ (vgl. afrz. tornoi Tobler/  Lommatzsch 10,437f., wörtl. ‘Drehung, Wendung’ , zu mit kêren bedeutungsverwandtem torner V.)
6 in der Wendung sunder ~
6.1 ‘unablässig’
6.2 ‘geradewegs, ohne Umschweife’
7 semantisch abgeschwächt (häufig als Reimwort)
   1 ‘Kehrtwendung, Umkehr’    1.1 eigentl., im Kampf: der kêre si sô vil tâten / unz daz si gar vertrâten / beide bluomen unde gras Er 9162; er treip den künic Valerîn / umbe in manege kêre / und wundet in als sêre, / daz er vor im muose ligen UvZLanz 5325    1.2 übertr.    1.2.1 ‘Bekehrung’ im sehsten jâre sîner kêre / erhuop sich dâ von sîner lêre / in geistlîcher ordenunge / ein vil êrsam samenunge / von meiden und von frouwen, / der man noch dâ vil mac schouwen LvRegFr 1004    1.2.2 myst. ‘(geistige) Kehrtwendung, Abkehr bzw. Zuwendung zu etw.’ (vgl. 4 ): aber wilt du úber winden, so tuͦ einen wackern ganzen abker und sprich du enwellest niemer me getuͦn, mit eime gantzen kere Tauler 326,2; gebe ime got einen gantzen woren ker von den súnden zuͦ gonde ebd. 125,24. 130,6 u.ö.; ist aber, daz dû widerkêrest [den Zustand des Nicht-Wirkens der Vernunft wieder verlässt] , daz enmac niht sîn von keiner wârheit wegen, ez muoz ein anderz sîn: entweder die sinne oder diu werlt oder der tiuvel. und volgest dû dem kêre, von nôt vallest dû in gebresten Eckh 4:479,52    1.2.3 jmds. lëbens ~ ‘jmds. Tod’ biz an sines lebins kere Macc 1020    2 ‘Wendung (in eine Richtung), Bewegung, Fahrt’ des Sarrazînes kêre / was wider gein Terramêre Wh 334,3; vierzig tusint hat Asser, / die mit dem kúnne taten ker / swar si solten keren hin RvEWchr 13161; von dem tempel keine kar / sie dag vnd auch die naht getede EvStPaul 5995. 9462; Gawein nam ein ker, / die jne die beste duhte da. / [...] die truͦg jne gein einem hol Krone 26216; er was die dritten kêre komen durch den sal [durchschritt zum dritten Mal den Saal] , / dâ viel von sînen handen vil manec recke zetal NibB 2292,3; Rennew 570; WhvÖst 1051. – von Flüssen: daz wir Eufraten des wenden, / daz sîn fluz iht mêre / tuo in Egyptum die kêre Ottok 52974. – vom Gang der Sonne: bî der sunnen kêre / bezeichent mir der schate mîn, / daz im gelîch zergât mîn leben KvWLd 32,258. – bildl. vom Sterben (vgl. ähnl. todes vart; vgl. auch 1.2.3): swenn ich tuͦn des todes ker Rennew 33059; des manhaitt rich und usserweltt / nam din mütter uss todes ker GTroj 4809    3 ‘Zustand des Ausgerichtet-Seins, Ausrichtung auf etw.’ die [Armbrüste] heten algelîchen kêr / reht ûf daz bette aldâ er lac Parz 569,6; ich bin unwert der ere, / daz ich in sulcher kere / gecruciget uf der erde / als min herre werde, / des wendet mir min cruce Pass I/II (HSW) 21264; tútschir lande get ein ger [spitz zulaufendes Stück Land] / ubir Rin: des teiles ker / get ein sit an welschú lant RvEWchr 2413    4 übertr. ‘Ausrichtung, Orientierung, Hinwendung’ (v.a. von geistiger Orientierung), auch i.S.v. ‘Art und Weise’ nun wirtt ze dissen stunden / menig rautt gebe [Ratgeber] funden / der zü der bösten lerre / richtett sine kerre GTroj 3752; der [Frau Gewissen] sind wol chund dein ker / und die steig deiner sund HvBurg 1632; in harte wiser kere / einen got er lerte Pass I/II (HSW) 19800 u.ö.; nâch sînes râtes kêre / ir sin began in zwîvel sîn: / sie betten an des mânen schîn / und gên dem sunnenglaste RvEBarl 2094; du [göttl. Gnade] bist nit got, du bist aber der gerechte ker zuͦ got Gnadenl 1,175. 1,159; HvNstAp 7482; Frl 10:10,8(La.)    5 wohl ‘Turnier’ (vgl. afrz. tornoi Tobler/  Lommatzsch 10,437f., wörtl. ‘Drehung, Wendung’, zu mit kêren bedeutungsverwandtem torner V.): wol sechtzigg er da nider reitt. / ze jungst waz kain held gemeitt / der an dem selben kerre / im wider ritte mere GTroj 3967. 5089    6 in der Wendung sunder ~    6.1 ‘unablässig’ lob und ere / immer mere, / sunder kere, / al vollen sere, / von aller creature / si dir gesaget Pass III 691,3; daz si aͤllu̍ jar den win, der in dem selben wingarten wirt, gaͤnzlich und sunder ker sont legen in sundrigu̍ vaͤsser UrkKlWald 474 (a. 1342)    6.2 ‘geradewegs, ohne Umschweife’ sus wonnen [gewannen] sy menlichen weder / mit helpen irre edelre burgere / veirzein portzen [Tore] sonder kere HagenChr (G) 2475    7 semantisch abgeschwächt (häufig als Reimwort): an manigerhande kere [bei mancherlei Gelegenheit] / sin meister im do vor las Pass I/II (HSW) 14628; Iacobus vnd Iohannes / auch [...] des / erquamen [erschraken] , die zu diesen karen / nu Symonis gesellen waren [ qui erunt socii Simonis Lc 5,10] EvStPaul 6462; wir suln ie von dir wizzen / durch was du sist vervlizzen / zu uns der nuwen lere, / und ouch von welcher kere [wodurch] / si daz begin entpfangen habe Pass III 546,90; naturlich sweiz ist an der rechten kere [richtig, gesund] . vnde ist so sich der man hat mezelichen gearbeit in der hitze SalArz 72,48; man weiz daz von wârheit wol / daz stahel golt silber êr / wendet gar in sîne kêr [wohl i.S.v. ‘dass Stahl Gold, Silber und Eisen gefügig machen kann’ ] / und ez trîbet und snîdet / daz ez ir kraft niht mîdet RvEAlex 15562. beidenthalp der vürste reiz / gein sîner sîten kêren [an den Seiten] / ûz dem rocke einen gêren [Stoffkeil, Rockschoß] UvEtzWh 2251

keren swV. kern

kêren swV. Prät. und Part. (besonders md.) auch kârte, gekârt, selten kôrte, gekôrt ( z.B. Parad 11,20. 51,32 ). 1 ‘ eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’
1.1 ohne weitere Erg.
1.1.1 eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’
1.1.2 übertr., subst. in der Wendung âne ~ ‘unablässig’ (vgl. kêre stF. 6.1 )
1.2 mit präp. Erg. oder Adv.
1.2.1 eigentl. ‘sich wohin bewegen’ (zu etw. oder jmdm. hin, von etw. oder jmdm. weg, aus etw. heraus usw.)
1.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin wenden, sich jmdm. oder einer Sache zuwenden bzw. sich abwenden, sich mit etw. beschäftigen bzw. von etw. ablassen’
1.2.3 übertr. ‘sich wohin entwickeln, sich wandeln’
2 ‘etw. oder jmdm. eine Richtung geben, etw. oder jmdn. (wohin) lenken’
2.1 ohne weitere Erg.
2.1.1 eigentl. ‘etw. oder jmdn. umwenden, umkehren (lassen)’
2.1.2 übertr. ‘etw. in sein Gegenteil verkehren, umwenden’
2.2 mit präp. Erg., Adv. (auch Adverbialsatz) oder Dat.d.P.
2.2.1 eigentl. ‘etw. wohin ausrichten’
2.2.2 eigentl. ‘etw. oder jmdn. wohin leiten, sich wohin bewegen lassen bzw. wohin bringen’
2.2.3 übertr. ‘etw. (sich, seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin ausrichten’
2.2.4 übertr. ‘etw. auf bestimmte Art und Weise ein- bzw. ausrichten’
2.2.5 übertr. ‘etw. jmdm. oder einer Sache zukommen lassen oder entziehen’
2.2.6 übertr. ‘jmdn. zu etw. bewegen’
2.2.7 übertr. ‘etw. in etw. wandeln, verkehren’
3 ‘etw. (einen Weg) nehmen, sich (einem Weg) zuwenden’
4 refl. ‘eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’
4.1 ohne weitere Erg., eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’
4.2 mit präp. Erg. oder Adv. (auch Adverbialsatz)
4.2.1 eigentl. ‘sich wohin wenden, sich in eine Richtung drehen’
4.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin (aus)richten, sich (etw. oder jmdm.) zu- bzw. (von etw. oder jmdm.) abwenden’
4.2.3 übertr. ‘sich in etw. verwandeln’
   1 ‘ eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’    1.1 ohne weitere Erg.    1.1.1 eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’ dô twanc in des tôdes leit / mêre dan sîn zageheit / daz er kêrte und gap die vluht Iw 1055; si vliehent unde jagent, / si entwîchent unde kêrent, / si lasternt unde êrent Parz 2,11. 21,17; kere, helt, kere! Herb 7801 u.ö.; Wh 87,1. 436,27; Kreuzf 2186    1.1.2 übertr., subst. in der Wendung âne ~ ‘unablässig’ (vgl. kêre stF. 6.1): zu lobe und zu êrin / Cristô dem vil hêrin, / der ouch âne kêrin / sî in deme lande wît / êwiclîch gebenedît! NvJer 5596    1.2 mit präp. Erg. oder Adv.    1.2.1 eigentl. ‘sich wohin bewegen’ (zu etw. oder jmdm. hin, von etw. oder jmdm. weg, aus etw. heraus usw.): sie namen die ruder in die hant / vnde karten hin zv Troygen lant Herb 340; nu lant vns uber se da hin / gekeren! EvStPaul 7226; do ilten die herren ze Jerusalem cheren AvaLJ 19,1; Gâwân sîn ellen lêrte, / ze fuozer fürbaz kêrte / manlîche und unverzagt Parz 564,24; nâch dem rîter kêrter sâ / und hêt in harte schiere ervarn Wig 5109; wâ kêrter hin? ebd. 4967; dô kêrte der keiser Fôcas / ûz des fiuwers flammen Eracl 1276; RvEWh 9944; WhvÖst 5182; subst.: KvWTroj 23364. nu chert ein grozzeu stat zuͦ in [fiel ihnen zu] , die hiez Gabaon PrOberalt 73,19. – im Kampf (s.a. ane kêren 1): dô er an in kêrte, / daz starke sper er durch in stach Wig 3557; si cherten uf di heiden Rol 166; der kuͤnc von Marroch kerte / da uͤber si mit sinem her WhvÖst 8778. 8801; Lanc 261,27; Wh 408,16; bildl.: SM:UvS 22: 4,5. hinter sich ~ ‘umkehren’ do chert si hinder sich PrOberalt 87,28; Lanc 198,4. hinnen, dannen ~ ‘fortgehen, sich entfernen’ do hup sich geschrie / vf der zinnen: / ‘there hei, sie kerent hinnen’ Herb 10242; sumer hinnen kêre! KvWLd 8,1; Tr 16201; daz münster und den gotes tuom / liez er unde kêrte dan KvWAlex 519; sie riefen alle: ‘kêrâ dan!’ RvEBarl 12297; subst.: Parz 54,29    1.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin wenden, sich jmdm. oder einer Sache zuwenden bzw. sich abwenden, sich mit etw. beschäftigen bzw. von etw. ablassen’ swenne vns vbele gedanche mvͦgen, so svln wir ze den gvͦten keren Spec 37,5; kêrent her, seht, waz hie gê! RvEBarl 1179; swenne aver sî von im [ihrem Gott] gechêrten / unde einen andern got êrten, / sô wurden sî gevangen unde erslagen JJud 617; AvaLJ 216,2. mit hîrât wold er kêren / zder frouwen Margreten guot Ottok 1826. – beim Erzählvorgang: an den wil ich nu keren / mit disem suͤzen mære Rennew 33142; nu mugen wir wol mit eren / an die gotes muotir cheren Hochz 790; Herb 17052. 1709; UvZLanz 8918. – ‘sich zu etw. oder jmdm. bekennen, bekehren’ wil er got eren, / zu der cristinheit cheren, / ich lihe ime halbe Yspaniam Rol 1507; Herodes der betuͤtet den tiufel. swer zu dem chert, der verliuset daz ewig licht PrOberalt 31,38; chert zuͦ mir in allem iurem hertzen ebd. 56,15; Wh 44,28    1.2.3 übertr. ‘sich wohin entwickeln, sich wandeln’ sie sazin alle vnde hortin / war daz spil hinen karte Roth 2521; so die werlt von sorgen / in die freude keret Herb 13881    2 ‘etw. oder jmdm. eine Richtung geben, etw. oder jmdn. (wohin) lenken’    2.1 ohne weitere Erg.    2.1.1 eigentl. ‘etw. oder jmdn. umwenden, umkehren (lassen)’ mit zügen harte swinden kêrt’ ez [das Schiff] der gast, / unz im daz starke ruoder an sîner hende brast NibB 1564,1; daz alunige [alaunhaltige] wazzer keret vnde truckent das uzvlizende blut SalArz 20,5; ruͤfær und spilman, / [...] / und ander, die sich des begent, / daz si rîtent und gent / mit niwen mæren in daz lant. / die chere ich alle zeiner hant StrKD 161,232. man busset da mit der suche, di da heizet thetanus, daz di senadern so sere sich stringen [verkürzen] , daz man den halz nicht mac gekeren Macer 79,15    2.1.2 übertr. ‘etw. in sein Gegenteil verkehren, umwenden’ ez ist ir êre, / daz si kêre / kumber, den ich von ir hân SM:Gl 1: 8,5; den muot er wider kêret / und büezet sîne schulde / dir und der gote hulde RvEBarl 7718; nu kêret iwer gemüete, / daz er iu danke güete Parz 467,9    2.2 mit präp. Erg., Adv. (auch Adverbialsatz) oder Dat.d.P.    2.2.1 eigentl. ‘etw. wohin ausrichten’ gegen dem lande sy do / [...] / kertten segel unde mast GTroj 15333; die sîte kêrte er gegen ir dar, / daz si dâ bî næme war / daz im diu scham wê tet Wig 5934; man sol den mantel kêren, / als ie die winde sint gewant Tr 10426; MF:Sperv 1:12,1 (vgl. mantel 1.3); sin antlicz wolt er ir auch gancz nit kern Lanc 611,30; daz [das gliedersteife Pferd] plet sich und chert [streckt] all virew von im Albrant 1,8; Kreuzf 6847; MarlbRh 133,30. 48,8; BdN 295,20. 73,10; part.: auch sint läut, die hinder sich gekêrt [verdrehte] hend habent BdN 490,1; Lanc 457,22 u.ö.; PrOberalt 4,36. – in der Wendung (jmdm.) den rücken ~ ‘(jmdm.) den Rücken zuwenden’, sowohl eigentl. als auch übertr. (phras.) i.S.v. ‘(vor jmdm.) fliehen’ und ‘sich (von jmdm.) abwenden’ als schiere so im des tiuvels kneht / sînen rücke kêrte, / [...], / dô sluoc er in kurzen stunden / im vil manege wunden Iw 6773; sie kerten den ruck und flohen Lanc 474,21 u.ö.; Eracl 4799; RvEWchr 18017; KvWWelt 217; er [...] kêret den rücke der menscheit und daz antlitze ze gote Eckh 5: 112,5. 5: 16,6; SM:Tu 1: 3,7; PrOberalt 87,31; ähnl.: jmdm. den nac ~ : swes man mit ihte enberen mac / ze hofe, dem kêrt man gerne den nac Renner 6812 (vgl. Mechth 4: 12,75) – phras. (?) swie wir eʒ ~ (vgl. nhd. ‘wie man es dreht und wendet’): daz sint dev geslahte / swi wir ez chêren / ir nist niht mêre VMos 15,8    2.2.2 eigentl. ‘etw. oder jmdn. wohin leiten, sich wohin bewegen lassen bzw. wohin bringen’ mit dem sper erz [das im Wasser treibende Pferd] kêrte / sô nâhe her zuo an daz lant, / den zoum ergreif er mit der hant Parz 603,12; den swaiz im manic senftiu hant / von dem antluͤtz kert WhvÖst 12399; der kuninc heiz die botin kere / ineinin kerkere Roth 342    2.2.3 übertr. ‘etw. (sich, seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin ausrichten’ nu chere here dinen sin VMos 36,27; daz man gerne hœren mac, / dâ kêrt er sînen vlîz an: / er was genant Hartman / und was ein Ouwære Iw 27; er mohte sin gemuote / zuo ime niht cheren, er hazete sinen herren AvaLJ 55,5. 196,5; Litan 827; JPhys 5,9; part.: dâ mîn lîp an slâfen was gekêret MF:Mor 32: 2,3; swenne diu sêle gekêret ist von allen gewordenen dingen Eckh 3:229,2; sin leben hatte er ie gekart / an reine wandelunge Elis 3970; sich, Job, wi bistu nu gekart! Hiob 1577. 14577; Brun 128; Pass III 7,32    2.2.4 übertr. ‘etw. auf bestimmte Art und Weise ein- bzw. ausrichten’ – von Rede: do daz kint gehôrte / wi der chunic di rede kerte / iz nam den prant sa ze stunt VMos 34,7. 23,10. – von der Gesangsstimme: von mûsicâ was Alzippus / sîn [Alexanders] meister der in lêrte / wie er die stimme kêrte RvEAlex 1366    2.2.5 übertr. ‘etw. jmdm. oder einer Sache zukommen lassen oder entziehen’ man sol die huote kêren / an irriu wîp Iw 2894; so sal man di ercenie keren an di druse. vnde an daz geswer SalArz 68,29; er sol uns leren, / wie wir unsir gewæte cheren / innen von den sunten, / ouzzen von den schante VRechte 507; daz si daz heilic grap kêrten / an der kristenheit gewalt Ottok 12994; wir tuͦn oͮch kunt, daz Anne vnser tohter div guͦt [...] mag geben swem si wil, vnde wenden [verwenden, vermachen] vnde keren swie si wil UrkHohenz 2,237 (a. 1295); der herre kêre ez [die Erbmasse] in sînen nutz, ez ensî danne alsô daz den erben êhafte nôt letze SpdtL 109,21; UrkCorp (WMU) 1309,32; wir wellen unser dienst mit vlîz ir kêren Loheng 1190; WhvÖst 15285; KvWLd 32,188; sus wart der sarc gehêret, / grôz rîcheit dran gekêret Wig 8301; Parz 107,2. 129,20; von milte uns diu gnâde beschach, / daz got dur uns leit den tôt und er uns geruochte ûz wernden nœten kêren SM:JvR 1: 14,13; ich wil ze diute kêren [auslegen] / daz swert und ouch den sunnenwagn, / die rehte bîschaft von im sagn RvEAlex 984. – jmdm. etw. ze etw. ~ ‘jmdm. etw. als etw. auslegen’ die argen strâfer [Tadler, Kritiker] , die den läuten kainen schimpf noch kain werk ze guot kêrent und all zeit verkêrent zuo dem pœsten BdN 227,29; wer mirs zu arg keret [übel auslegt] der ist nit húbsch Lanc 254,9; Tr 17978. schult ûf/ an jmdn. ~ ‘jmdm. die Schuld zuschieben’ stvmme wart er [Adam] an der bîhte, wande leider sine schulde cherter gâr ûf sin wîp Spec 7,17; si [Eva] wolde di sculde keren / an den scephâre hêre VMos 9,5    2.2.6 übertr. ‘jmdn. zu etw. bewegen’ sô wolden si williclich / ir herren kêrn und trîben / in friuntschaft mit in blîben Ottok 46581; die fürsten hôch geprîset / sult ir ze kampfe kêren KvWTroj 18529. – wohl hierher, mit ëʒ als formalem Subj.: duo Kaîn gehôrte war iz got chêrte, / vil hart er irbleich Gen 624    2.2.7 übertr. ‘etw. in etw. wandeln, verkehren’ in guot ende kanst du kêren / Êven tumben anevank SM:EvS 1: 11,11; zucht wirt in unzucht gekârt Athis F 18; der reht mit triuwen lêret, / unreht ze rehte kêret RvEBarl 12940. 8715; KvWLd 14,24; KLD:BvH 6: 5,7; Serv 47. die werlt gekart wart in blut / an irme dritten ende HeslApk 13360. 15790. – spez. von Übersetzung von Sprache: also iz an dem buͦche gescribin stat / in franczischer zungen, / so han ich iz in die latine bedwngin, / danne in di tutiske gekeret Rol 9083. 9033; Cornelius den strit las, / als er in kriechish gescriben was. / als hat er in inz latin gekart Herb 59; nû solen wir enden diz bûch. / ez dûht den meister genûch, / derz ûz der welsche kêrde En 13431    3 ‘etw. (einen Weg) nehmen, sich (einem Weg) zuwenden’ dâ vander von geschihte / einen waltstîc âne slihte / mit grase verwahsen unde smal; / den kêrte er anderhalp ze tal Tr 2574; von dem hûse kêrt er / eine strâze, diu was wol gebant Wig 6250; her Gwîgâlois kêrt von dem wege / ein engez pfat, daz was niht breit ebd. 4492. 8533; sweder vart [Kampf oder Flucht] ir kêren welt, / wir sîn me schaden doch verselt [wir werden so oder so verlieren] Wh 52,27. daz mer zu berge [aufwärts] er kerte [er ging den Strand entlang] Rennew 10677    4 refl. ‘eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’    4.1 ohne weitere Erg., eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’ Phariens kerte sich und reyt under sie und stach einen mit dem roß darnyder Lanc 101,4    4.2 mit präp. Erg. oder Adv. (auch Adverbialsatz)    4.2.1 eigentl. ‘sich wohin wenden, sich in eine Richtung drehen’ swar sich ein ouge keret, dar keret sich daz ander nach Lucid 156,11; die hende er in ein ander want / und kêrte sich gein der want Eracl 3324; sich kêrte gegen dem schalle Gunther der künec hêr NibB 2004,1; wider hoster [ostwärts] her sich karte ReinFu K,938; MNat 14,5. do cherte sich eines visces grat [...] im in den hals Konr 5,21. – vom Lauf der Sonne: daz ergie an der zit, do sich die sunne gein dem abent chert und diu nacht nahen begunde PrOberalt 44,11; davon haizzet er der kraiz der windersunwenden oder der winterisch widerkerer, wanne deu sunne kert sich danne wider zu uns KvMSph 30,23. sich (hin)widere/ danne/ umbe ~ ‘sich umwenden, umdrehen’ duo Joseph ire rede fernam er chêrte sich hine dane, / der âmer inen dwanch daz ime der zaher ûz spranch Gen 2193; dô kêrt er sich hin widere und sach Volkêren an NibB 2000,2; her karte sich hine umbe Roth 2431    4.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin (aus)richten, sich (etw. oder jmdm.) zu- bzw. (von etw. oder jmdm.) abwenden’ swer sich an niht wil kêren / wan an des lîbes gelust, / daz ist der êren verlust Tr 12510; ze wer sol ich mich kêren Parz 571,10; an spot er sich niht kêrte UvZLanz 248; swer sich von zwîvel kêret, / der hât den geist bewart Walth 77,30; ich enmag mich nit von der minne keren, ich muͦs ir gevangen wesen Mechth 1: 28,9; ich kêre mich gegen der crêatûre, [...] und kêre mich von gote Eckh 5: 14,15. 5: 16,5; SuTheol 298; di fornuft inmac sich nicht gekerin dan uf ein dinc Parad 46,4. – vom Erzählvorgang: lâ mich aber kêren / wider an daz mære hie, / dâ ich die rede hie vor lie RvEBarl 11866    4.2.3 übertr. ‘sich in etw. verwandeln’ er [der alte Blanscandiz] iteniute [verjüngte] sich ander stunt: / daz alter cherte sich in die íugent Rol 1901; frowe mîn, dur dîne güete / twing mîn herze ûz ungemüete, / daz ze fröiden kêre sich SM:JvW 3: 5,3; HeslApk 18354. 15874

kerenter stM. Ort für die Gebeine der Toten, ‘Beinhaus, Karner’ (vgl. karnære ): in dem spiegel ich erkenne daz ich asche bin als er: / sô kan mir der kerenter / mit dem gebeine künden, / daz mich die würme nagende werdent KvWLd 32,265

kerge stF. auch karge. 1 ‘Klugheit, Schläue’
2 ‘Geiz, Knauserigkeit’
   1 ‘Klugheit, Schläue’ ez kumt von mîner kerge, / daz ich si kan genennen Helmbr 828. 1648; mit grôzen witzen und mit kerge Ottok 18555; daz bevilh ich dîner kerge, / daz er werde ûf die naht / alsô in die stat brâht, / daz daz hofgesinde / sîn înfart iht [nicht] befinde ErnstD 5298. – ‘(Arg-)List’ als wil der genadige Christ, daz wir biderbe sîn in aller slahte goͮte vnde wîse wider die cherge des leidigen tieuels Spec 125,15; sô getâne kerge / wolden si undervarn Ottok 28929. 5612    2 ‘Geiz, Knauserigkeit’ diu kerge gen der milte treit / den iemer wernden haz KLD:Kzl 16: 19,7 u.ö.; ich wæn da luͤtzel kerge / ieman wolt walten: / die varnden die bezalten / sie mit gabe riche WhvÖst 15018. 6588; nâch dem lützel ougen trüebet, / der in kerge stirbet Rumelant (R) 1:7,4; der alte treit mit karge / dez gitsackis zarge Martina 125,37; Boppe 1:4,1 u.ö.

kergel stM. ‘Schlaukopf’ (hier appellativisch als Spottname): bischolf Kergel, dâ muost / dû grœzer arbeit zuo legen Ottok 59282

kergen swV. kern

kerkære , kerker , kerkel stM. karkære

kerkeltor stN. ‘Kerkertür’ (hier als Ortsname in Colmar): von eime hofe, der was Cvͦnradeͥs des weibels seligen vnd liget bi kerkel toͮr UrkCorp (WMU) 713,21

kerkeren swV. Part. auch gekerket. ‘jmdn. einsperren, einkerkern’ der [Barrabas] wart gekerkeret da von, das er manschlacht getan hete EvPass 237,18; alle die gene [jene] / di mit sorclicher sene / stark und veste gekerkert lagen / und mit totlichen pflagen / waren gevangen um ir missetete Brun 413; ich waz siech und kleider bar / und gekerchert Erz III 6,338. 6,511. 6,522; LvRegFr 4856. mîn bilde, obe ich gekerket bin / in dir, sô lâ mich ûz alsô, / daz wir ein ander vinden frô, / wan ich muoz aber wider in Walth 68,4

kerkerhaft Adj. ‘in Kerkerhaft, gefangen’ muotwille und bœsiu geselleschaft / machent manige liute kerkerhaft Renner 13830. – bildl.: [Christus,] vüer uns hin von sünden wegen, / dar in wir sîn sô kerkerhaft RvZw Leich 195

kerl stM. karl

Kerlinc , Karlinc stM. ‘Franzose’ die grôzen clagelîche nôt / die clagete manec Kerlinc StrKarl 6373; kleine als ein bône / was der selbe stein. / [...] / dâ hafte si ir buosem mit / nâch der Kärlinge sit Wig 847; under al Karlingen / was ne hein ros so gezale, / uber berch unde uͦber tale Rol 1629 u.ö.; Serv 2003

Kerlingære stM. ‘Franzose’ darnâch mit rotten wünniclîch / ûf disen turnei quam gezoget / der werden Kerlingære voget / reht als ein rîcher künec tuot KvWTurn 528. 268; dar kam ein künic Amantrîs, / der werden Kerlingære voget KvWTroj 23949

Kerlingen , Karlingen stN. ‘Frankreich’ daz ander teil [der Welt] heizet Europa. [...] da inne lit Swaben, Beiern, Sazhen, Dúringen, Denemarc, Friesen lant, Kerlingen vnde Frankin Lucid 32,12; von Karlingen Pippînus, / ain chunich rîche Kchr 14309; swelich burgaer silber kaufen wil, des er bedarf hinze Kaerlingen, ze Franken, ze Bozen oder ze Venedic StRAugsb 16,21; Parz 87,21; Wh 334,10

kerlingisch Adj. ‘französisch’ daz hemde si bedahte, / daz manz loben mahte, / mit einem rocke wol gesniten / nâch kerlingischen siten, / weder zenge noch ze wît Er 1547