l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
latîn
Adj., Adv.
1 adj. ‘lateinisch’
2 adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’
1
adj. ‘lateinisch’
den latin brief antwurtit hern Rudolfe [lückenhafte
Zusatzbemerkung zur Urk.]
UrkCorp (WMU)
3566,12;
als der [Thomas d’Angleterre] von
Tristande seit, / die rihte und die wârheit / begunde ich sêre suochen / in beider
hande buochen / walschen und latînen Tr
159
2
adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’
latine welle wir ez sagen VMos
66,25;
sand Peters tag vor vaschang den man latin nennet kathedra Petri
UrkCorp
3228,29.
3229,4;
etwenne rinnet uon deme houbite durch di nase locher da uon
ein sichtum wirt der heizit latine coriza SalArz
40,50;
latîne manic red ergie, / het er si tiutsche getân, / im wære
zuo slagen der ban Ottok
13094.
13129;
RvEBarl
16054
MWB 3,3 913,24; Bearbeiter: Richter
latîn, latîne
FN.
selten sw. (
UrkCorp (WMU)
3571,11;
WhvÖst
3304
).
‘Latein, die lateinische Sprache’
1 ohne Präp. 2 mit Präp. 2.1 mit in (oft in Verbindung mit
sprëchen ) 2.1.1 ohne Art. 2.1.2 mit best. Art. 2.2 mit nâch und best. Art. 2.3 mit ûʒ
2.3.1 ohne Art. 2.3.2 mit best. Art. 2.4 mit von , ohne Art. 2.5 mit ze/ zuo
2.5.1 ohne Art. (oft in Verbindung mit
heiʒen ) 2.5.2 mit best. Art.
1
ohne Präp.:
sie weren alle gern grosse pfaffen, und etzliche leeren kaum
kranck latein und boͤs grammaticam Seuse
519,26;
nu ir daz latin habit uernomen, / nu uernemet ze dute dabi, / waz di selbe
rede si Glaub
64;
[der Dichter muss sich Mühe geben,] daz beide der und der
iht jehe, / der die latîne [die lateinische
Vorlage] geschriben sehe, / ez sî ein künstelôser man / der des
getihtes êrst began RvEAlex
8060;
sie [Grammatica] lert den ersten
buͦchstab / und dar nach latin sprechen wol HvNstGZ
803;
VAlex
172;
Tr
11949;
WhvÖst
5604;
KvWSilv
2713;
Parz
312,21.
– mit kunnen:
si kunde franzois und latîn Tr
7986;
[die Spitalbrüder] svlen niht athten, daz si niht
latin kvnnen SpitEich
36,10;
nu gebristet mir túsches, des latines kan ich nit
Mechth
2: 3,48;
Ottok
43536.
– hier übertr. auf den Gesang der Vögel (s.a.
2Okken, Tr. z.St.):
diu wilden waltvogelîn / hiezen si willekomen sîn / vil
suoze in ir latîne Tr
17361
2
mit Präp.
2.1
mit in (oft in Verbindung mit
sprëchen)
2.1.1
ohne Art.:
diz wort, daz ich gesprochen hân in latîne, daz stât geschriben in dem
heiligen êwangeliô Eckh
1:375,2;
zv kriechen was sin [des
Buches] erste stam; / in latin ez dannen quam
Herb
50;
MarlbRh
114,33;
Macer
32,10;
wir haizen si [verschiedene
Pflanzen] in däutscher zung als man si nennet in latein
oder in anderr sprâch BdN
354,16;
di knospin heysin in latin gemma Pelzb
121,7.
125,20;
RvEAlex
13035;
Brun
5219
2.1.2
mit best. Art.:
also iz an dem buͦche gescribin stat / in
franczischer zungen, / so han ich iz in die latine bedwngin, / danne in di
tutiske gekeret Rol
9082;
also ich in dem latine las Brun
5915.
2153;
ich hân ein wörtelîn gesprochen in der latîne Eckh
2:6,2;
in dem latîne ebd.
1:24,3
u.ö.
2.2
mit nâch und best. Art.:
porrum haizt ain pforr oder lauch, aber daz êrst däutsch
ist nâch der latein genomen BdN
415,32;
strix haizt aigenleich nâch der latein ain säuser oder
ain zandklaffer ebd.
223,32
u.ö.;
vgl.:
pellicanus haizt nâch der aigenchait der latein ain
grâhäutel ebd.
210,3
2.3
mit ûʒ
2.3.1
ohne Art.:
gip mir wîsheit unde sin, / sô daz ich brenge ûz latîn
/ von dem heiligen criuze dîn / in diutsche wort sô süeze, / dâ von gelobet
müeze / werden dîn gotlîcher nam HvFreibKr
73
2.3.2
mit best. Art.:
daz puoch, daz ich auz der latein in daz däutsch hân
prâht BdN
430,10
2.4
mit von, ohne Art.:
nu ist úns von latin irchant / das der walt heizet
silva RvEWchr
26570;
daz ich diz buoch verrihte / und ez in tiusch getihte / bringe von latîne
KvWSilv
87;
KvWHvK
759;
KvWAlex
1390;
alsô trag ich ain puoch von latein in däutscheu wort
BdN
Reimvorr. 6,2
2.5
mit ze/ zuo
2.5.1
ohne Art. (oft in Verbindung mit
heiʒen):
der selbe sichtum heizit zu latine litargia
SalArz
32,4.
33,9;
nepita zu latine, calamentum in chrieschen, biminze zu
dute Macer
11,1.
1,2;
Pelzb
130,28;
der minste vinger daz ist gewis / der heizet zu latin
auricularis Brun
3722;
ze latîne erz rihte RvEBarl
130;
asinus ze latein haizt ze däutsch ain esel
BdN
119,28
u.ö.
2.5.2
mit best. Art.:
verstêst dû des niht, gib dir die schult, daz dû in
den dingen niht geüebt pist. wan wer daz deutsch zuo der latein mizzet
gänzleich und reht, sô beleib ich ân strâf BdN
33,2
MWB 3,3 913,39; Bearbeiter: Richter
latînisch
Adj., Adv.
adv. auch -en.
1 adj. ‘lateinisch’
2 adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’
1
adj. ‘lateinisch’
dû gib mir dînen wîstuͦm, / daz ich muge wandilôn / mit tûtiskeme munde / der
latînisken zungen Exod
20;
in latinscher zungen RvBib
73,2;
geschrebyn mit crycheschyn unde mit latynschyn unde mit
judeschyn buchstabyn EvBerl
64,28;
EvBeh
Lc 23,38;
mânic grüezen kluoc / in latînischer sprâch / zwischen in dô
geschach Ottok
43529;
dû pringst daz lateinisch puoch niht reht ze däutsch
BdN
132,28;
KvHeimUrst
46;
Parz
455,4;
EnikWchr
4841;
RvEAlex
9447;
Eckh
2:347,8;
MarcoPolo
2,11
2
adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’
und darumme lâsin dise ubirscrift vile Juden, wan di stat dâ Jhêsus gecrûciget
ist, was nâhe der stat, und was gescriben eebrêischen, krîgeschen und latînisch
EvBeh
Io 19,20;
vnd was geschriben hebraischen. chriechischen. vnd
latinischen EvAug
269,3;
diz ungentum heizit latineschvn grvͦne Ipocr
303
MWB 3,3 914,42; Bearbeiter: Richter
latîniste
swM.
‘Priester’ (?):
daz hailige grab ze Jerusalem / habnt inne der bruͤder zwen /
mit fuͤmf latinisten WhvÖst
6197.
– hier ‘jmd., der Latein versteht’? (La. des 15. Jh.s):
sehs buͦchstaben tuͦnt / richen schin in ainer chron, / die
des kindels haubt schon / zierent und auch nennent, / ob ir latin erkennent. / so
sagent die antisten [
‘Prälaten’, La. latinisten
] min / Cupido haizz
daz kindelin WhvÖst
5605
MWB 3,3 914,61; Bearbeiter: Richter
Latrisëte
M.
Bewohner von Latriset:
die von Sotters und die Latriseten / und die von Collône
Wh
84,8.
347,3.
378,25
MWB 3,3 915,6; Bearbeiter: Richter
latrôn
stM.
→
larrûn
MWB 3,3 915,9;
lâtûn (?)
Subst.
zu afrz. laitue, s. Suolahti, 1,145.
‘Lattich’ (vgl.
latich
; s.a. Nellmann, Parz. z.St.):
dô brâht ein des wirtes sun /
purzeln [Bürzelkraut] unde lâtûn / gebrochen in den
vînæger Parz
551,20
MWB 3,3 915,10; Bearbeiter: Richter
latwârje, latwærje
stswF.
auch late- (
ReinFu
S4,1887;
Elis
3419
); lacte- (
ReinFu
K,1889
); let- (
MinnebaumG
465
); auch -(i)ge (
Minneb
366;
Macer
Gewürzvorr. 3
); auch mit gekürztem Vokal (z.B. latwergen [bergen:]
Minneb
3510;
lattewerjen [:gerjen]
Elis
3419
);
auch in dem Lat. nahestehenden Varianten wie (e)lectuari(e), lactuarie
(
HvHürnh
40,7;
Macer
Gewürzvorr. 3;
SalArz
106,48
u.ö.); zu lat. electarium, das bereits in großer
Formenvielfalt auftritt, vgl. MlatWB 3,1163.
‘eingedickte, süße, aromatische Masse; Latwerge’ (zur Sache
vgl. LexMA 3,1798)
1 meist mit Wirkstoffen als Heilmittel zum Einnehmen 1.1 allg. 1.2 bildl. 2 zur Konservierung (z.B. von Gewürzen) oder als Leckerei
1
meist mit Wirkstoffen als Heilmittel zum Einnehmen
1.1
allg.:
der reine herre wol gedan / bat nu den arzet machen / nach fruntlichen
sachen / ein edel lattewerjen: / di hiez er starke gerjen
[bereiten] , / daz si in mochte reizen / unde
innerliche heizen Elis
3419;
so sal manz [das Medikament]
geben mit einer electuarie. oder in einer spise oder mit einem trinken
SalArz
84,32;
swer di lactuarie wil nutzen fur di heiser der sal si
lange haben in dem munde. vnde sal si nutzlichen slinden ebd.
106,37
u.ö.;
vil schône man sîn phlac / mit latwerje und
triac [Theriak] / und mit aromaten rein
Ottok
68324;
Macer
Gewürzvorr. 3
KvWTroj
951;
RvEWh
5056;
Tauler
320,17;
die kreft siner sele waren erfúllet dez suͤssen
himelsmakes, als so man ein guͦt latwergen usser einer búhsen schútet und dú
búhs dennoch dur na den guͦten smak behaltet Seuse
11,15
1.2
bildl.:
so mocht mir werden basser, / wenn
[...] min hertz auch genuße / ir gnaden suße
confeckt / und auch ir helfflich bulver leckt, / und daz ab irr gnoden bergen /
heylsamen flußen latwergen / in miner sorgen schrunden / und mines hertzen
wunden / heilen mit susser meysterschaft / mit irre gnaden
swedenn [Pflaster] kraft Minneb
3510;
SHort
3512.
– als Marienumschreibung:
ei frouwe sante Marje, / ein salbe und ein latwarje / maneger siechen
sêle wunt KvWPart
1322;
der siechen sele wunden / verheilen kan din süezer
list, / wan du dem sündesiechen bist / ein salbe und ein lactwarje
KvWGS
809.
– der Name Jesus als ~ :
der nam Jesus ist ein ertznei wirt ieman betrvebt.
[...] der nam Jesus ist ein letwari der sel
MinnebaumG
465
2
zur Konservierung (z.B. von Gewürzen) oder als Leckerei:
in electuariis, die man ze däutsch latwergen haizt, und in
edelm gestüpp, wenn man ez [Honig] dar zuo mischt, sô hât
ez die kraft, daz diu dinch dester lenger guot und frisch beleibent
BdN
293,21;
wurze unde lectvarien und syropel unde susgetâne dinc sulen
die brûder niht nutzen âne urlop StatDtOrd
66,25;
smir ein taueln wol mit honige vnd schuͤte die kirsen dor vf
[...], biz daz ez trucken si.
[...] vnd mache daz wuͤrfeleht vnd snidez
[...] vnd iz als ein latwergen BvgSp
85;
Freudenl
225
MWB 3,3 915,14; Bearbeiter: Richter
lauchstampf
stM.
→
lôstampf
MWB 3,3 916,6;
laudanum
Subst.
Ladanum, ein Harz, das aus Zistrosen gewonnen wird (s.a.
lôröl
):
sein [des Baums
holzgatze
] pleter gemischt mit lôröl, daz laudanum
haizt, und mit wermuot, daz ist wunderleichen guot wider den kalten fluz auz dem
haupt, der reuma haizt BdN
363,22;
nym mirren ses quentyn, laudani, olybani vunf quentyn
OvBaierl
93,25
MWB 3,3 916,7; Bearbeiter: Richter
laudônisch
Adj.
‘mit laudanum hergestellt, vermischt’
daz laudônisch hong ist pitter und wer ez izt, der wirt
unsinnig BdN
293,35
MWB 3,3 916,15; Bearbeiter: Richter
laur
swM.
ein Wasservogel:
von dem lauren. laurus haizt ain laur. der hât zwairlai
nâtûr, wan er lebt in dem wazzer und in dem luft. er swimmet in dem wazzer und
fleuget in dem luft und ist sein glust in paiden elementen BdN
203,15
MWB 3,3 916,18; Bearbeiter: Richter
lausmettî, -mettine
stF.
auch -metene, -meitene (
BrHoh
8
).
‘Morgenlob’, Laudes Matutinae (Morgenhore des Stundengebets,
z.S. LexMA 8,260-265):
alse balde nach der metin singen wir laus metin
Lucid
82,11;
daz benedictus, / das man da singet loblich / ze laus metti
tagelich SHort
994;
vnde [
die vischere
] sulent jngan ze
lausmettin vnze primen, vnde was sú die wile geuachent, daz sulnt si geben
UrkCorp (WMU)
244AB,20,22;
alle svnnetage vzir der vastin. so werdin di cantica. div laus metene· prime·
tertie· sexte· vnd none mit alleluia gesvngin BrHoh
15
u.ö.;
BrEng
12.
13;
BrAdm
12;
PrGeorg (Sch)
18,128
MWB 3,3 916,23; Bearbeiter: Richter
lauwer
stM.
→
lôhære
MWB 3,3 916,36;
lavendele
F.
auch lavande (
HvBurg
5511;
vgl. Glr.).
‘Lavendel’
[im Paradies wachsen] crocus unt ringele, tille jouch
chonele, / mit deme fenechele diu suoze lavendele Gen
248;
dar na an deme dritten daghe mache er eyn bad, dar
calcamentum [...] vnde lauendula
[...] ynne gesoden sy OvBaierl
133,8;
amaracus: lauendula SummHeinr
1:208,476;
livendula: lavendla ebd.
1:193,286;
samsucus: lauendel Gl
3:512,11.
– eine Salbe:
sich, sich, geselle guet, / dicz schon puchslein, / da sol
klainat inne sein: / dew edel lavande / die sy mit ir hande / under ir antlucz
straich HvBurg
5511
MWB 3,3 916,37; Bearbeiter: Richter
lâwen
swV.
zu
lâ
Adj.
1 intr. 1.1
‘warm werden’ s. AWB 5,652 mit Beleg des 11. Jh.s 1.2
‘lau, kalt werden’
1.3
‘lasch, unmotiviert, kühl sein’
2 tr. 2.1
‘etw. anwärmen, lauwarm machen’
2.2
‘etw. abkühlen, abschwächen’
1
intr.
1.1
‘warm werden’ s. AWB 5,652 mit Beleg des 11. Jh.s
1.2
‘lau, kalt werden’
wen du mit diner buze / bist wider suer noch suze, / noch
warm noch kalt wider mich; / hir noch richt ich ober dich / und werde din
vorziende, / von minem munde spiende / glich warmer spise, so sie lat
[vgl. Apc 3,16]
HeslApk
6469
1.3
‘lasch, unmotiviert, kühl sein’
ich wolde swer es horte lesen / [erg. der
möge] nicht in tugenden lawen Pass I/II (HSW)
42099
2
tr.
2.1
‘etw. anwärmen, lauwarm machen’
nim daz saf der wizzvn bilsun. vnde lawiez. vnde toͮ ez in
daz ore [Anm.z.St.: simphoniace candidioris sucum tepefactum in
aurem mitte
]
Ipocr
40
2.2
‘etw. abkühlen, abschwächen’
daz niht [...] lasters unsvͦberheit lawe hitze
geistes [interl. zu tepescat ardor
spiritus
]
PsM
H 24,4
MWB 3,3 916,49; Bearbeiter: Richter
lâwicheit
stF.
auch lawkeit ( Seuse
); auch umgelautet lewikeit (
PrNvStr
278,22;
Seuse
499,9
).
‘Trägheit, mangelnder Eifer, Halbherzigkeit, Laschheit (des Glaubens)’
doch stont dise lúte muͤssig, daz ist sú stont in lauwikeit,
in kaltheit, minnelos und gnadelos Tauler
29,21;
da von, mensche, wis gereit / und laz dich mit truwen / dine
lawekeit beruwen HeslApk
7288;
swer den helen visch, der da heisset ein al, bi dem sweif wil
haben und ein heiliges leben mit lawkeit wil an vahen, der wirt in baiden betrogen
Seuse
9,17
u.ö.;
PrNvStr
278,22
MWB 3,3 917,1; Bearbeiter: Richter
læwiclîche
Adv.
auch -lichen.
‘halbherzig, lasch, träge’
denne spricht er ist dv gehorsami anpfanchlich gotte. vnde
svͦzv din monschon. da daz. daz da geheizin wirt. nvt forchtlich. noh trachlich. noh
levchlich [
non trepide, non tarde, non
tepide
] . old mit widirstendim entwurte wirt getan
BrEng
5.
– bezogen auf den Glauben:
wie hastu [mein Herz] so traklich
und so lawklich da her gelebt! Seuse
228,3.
408,1;
sú [...] kumment also zuͦ gotte in
dis wasser; aber daz tuͦnt sú also leweklichen, blintlichen und treglichen, und
darumb, alleine sú genesent, so blibent sú doch also verre alse es an in ist, nút
alse es an gotte ist Tauler
35,9.
126,18
MWB 3,3 917,13; Bearbeiter: Richter
laxis (?)
Subst.
eine Speise (vgl. Hayer, BvgSp., S. 14):
tuͦ daz muͦs [aus Leber und Eiern]
gantz in die pfannen, druͤcke ez wol, daz ez gantz blibe an eime stuͤcke vnd laz ez
backen. als ez gar si gebacken, so gibz hin, vnd daz heizzet laxis
BvgSp
40
MWB 3,3 917,26; Bearbeiter: Richter
laʒ
Adj., Adv.
selten adv. (nur vereinzelt im Superl., s.u. 2.2.1,
Kreuzf
7650;
Pelzb
126,23
). Auch loʒ (
HvNstAp
11305
);
Komp. laʒʒer, leʒʒer, auch leizir (
Mühlh
144,26
u.ö.);
Superl. leʒʒist, auch lest, letst, letzt (zur Affrikate s.
AWB 5,873 mit Lit.).
Die semantische Differenz zwischen Positiv und Superlativ ist schon ahd.
ausgeprägt; im Komparativ sind beide Verwendungen belegt.
1
‘träge, langsam, schwerfällig, kraftlos, nachlässig’
1.1 im Positiv 1.1.1 allg. 1.1.2
‘nachlässig, faul, schwach in Bezug auf etw./jmdn.’
1.1.2.1 mit präp. Erg. ( ane, gegen, mite, wider, ze ) 1.1.2.2 mit Gen. 1.1.2.3 mit Dat. 1.1.3 übergehend zu ‘frei von etw.’
1.1.3.1 mit präp. Erg. ane 1.1.3.2 mit Gen. 1.1.4 subst. 1.1.5 mit starker Flexionsendung oder Komparativ 1.2 im Komparativ ‘träger, matter, langsamer’
1.2.1 allg. 1.2.2 mit Gen. 1.2.3 subst. (phras.? s.u.
2.2.5.3
, 2 (in einer bestimmten Abfolge bzw. Ordnung) ‘später, weiter hinten’
2.1 im Komparativ ‘jünger, neuer, später’
2.1.1 allg. 2.1.2 mit starker Flexionsendung in der Wendung noch letzerer noch
erer ( HeslApk ) zur Beschreibung der Gleichheit in der Dreifaltigkeit 2.1.3 in der Datumsangabe unser vrouwen tag der leʒʒeren u.ä. für
‘Mariä Geburt (8. Sept.)’ , das spätere Marienfest im Jahr (s.
Grotefend, Zeitrechnung 1,68; vgl.
êrer
2.3 , weitere Belege s. WMU 2,1095; vgl. auch unten
2.2.5.4
) 2.2 im Superlativ ‘letzt’
2.2.1 allg. 2.2.2
‘höchst, äußerst’
2.2.3 als Gegensatz zu beʒʒist
‘schlechtest, geringst’
2.2.4 bezogen auf das Ende des Lebens oder das Ende der Welt (oft mit
tac oder zît ; vgl.
junc
2.2 ) 2.2.4.1 bez. auf das Lebensende (für weitere Belege s. WMU 2,1094f. und DRW 8,1244–1246) 2.2.4.2 bez. auf das Ende der Welt (christl.-eschatologisch) 2.2.5 subst. 2.2.5.1 allg. (s.a.
leʒʒiste
stF.) 2.2.5.2
korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit
bzw. Einzigkeit (vgl.
êrst
unter 1.1.2 , s.a.
unten zu 2.2.5.5.4 ) 2.2.5.3 phras. (?), vgl. die Vorstellung, die letzte Person sei schlecht dran/ wenig angesehen (s. TPMA 7,385–387) 2.2.5.4 in Datumsangaben (vgl. auch oben
2.1.3
mit Lit.) 2.2.5.5 mit Präp.
1
‘träge, langsam, schwerfällig, kraftlos, nachlässig’
1.1
im Positiv
1.1.1
allg.:
sîn snelheit, diu ist niht ze laz: / er kom ze vuoz
vor den die riten Wh
272,6;
Parz
10,3;
das wetter was heiß, und sin athem begunde kurczen,
und wurden syn slege laß Lanc
387,28;
SM:KvA
3: 1,6;
treͣg und las HvBurg
3129;
wann der chünigk gewar wirt dehainerschlächt guetes,
das nutz ze tuen ist, das sol er tuen mit weschaidenhait, nichtt gar
sain [träge] noch ze schier, das er nichtt
gesehenn werd ungestuem noch ze laß [
ne videatur
impetuosus vel remissus
]
HvHürnh
10,4;
HvNstGZ
297;
Daniel
6682;
MF:Mor
27: 2,7;
Herb
10144;
Eracl
3024.
5050;
Iw
128;
sie tichtent gerne ettewaz, / oder sint zum minsten
niht laz [faul]
Physiogn
52;
swen sünde twinget, der sî niht laz / er helfe der sêle ze aller
stunde Renner
19464.
22909;
unwillic unde laz KvHeimUrst
36;
KLD:GvN
39: 5,4;
KvHeimHinv
1103;
Ottok
1436;
KLD: WvB
2:2,8;
HistAE
605;
WhvÖst
1505.
18805;
spriche ich ‘gel,’ sî sprichet ‘rôt,’ / spriche ich ‘rot,’ sî sprichet
‘gel;’ / spriche ich ‘laz,’ sî sprichet ‘snel,’ / spriche ich ‘snel,’ sî
sprichet ‘laz.’ BFrau
68;
ich bin so krank, von alter las SHort
1973;
von stritt waz er worden lass GTroj
8098.
9710;
Seuse
548,19.
– selten attr.:
ôwê, dû lazzer tôt, / dû sûmest dich an mir ân nôt, / daz dû mich
niht nimest hin UvEtzWh
2817;
sie hazzen starken lazzen lîp
Kreuzf
6558;
mîn lazzer munt nicht offenbâr / kan sîn
ritterschaft volzeln HvFreibJoh
46.
322;
in unklarer Verwendung:
also behielt Friderich / daz bemisch rich. / vnd er hilt ez furbaz
/ mit siner [Friedrichs oder des Reiches?]
zcung laz Dalimil (B)
69,152;
stark flekt. oder Komparativ (vgl. unten
1.1.5
):
ich enmüge nicht über daz wazzer, / mîn lîp siech
unde lazzer / mac nicht die vart erlîden HvFreibTr
4636.
– übertr.:
si [
dutische zunge
] ist mir
noh al ze laz [schwerfällig]
Pilatus
1,60;
dü selbe magtt / hette ieren schwestran gesagtt /
wie ir mortt gerochen waz. / des ward ir sendes truren las
[ließ nach, schwächte sich ab]
GTroj
9652.
17298;
ir sneller prîs wirt anders laz
Parz
147,8;
vil trûreclîche er nidersaz, / als im sîn vreude
wære laz RvEBarl
8164;
dâ wâren wîse meister dô, / mit hôher kunst niht
ze laz ebd.
11637
u.ö.;
SM:Tu
6: 5,2;
Herb
742.
13333;
wær des geburt ein wênic laz [wäre er von niedriger
Geburt]
Helmbr
491;
vor was ez [das Gebet]
heiz und balt, / nu was ez laz und kalt Vät
4716;
Iw
7040;
Mechth
4: 2,91
1.1.2
‘nachlässig, faul, schwach in Bezug auf etw./jmdn.’
1.1.2.1
mit präp. Erg. (ane, gegen, mite, wider, ze):
daz die meisterschaft iht zu laz sî an deme
gerihte [Überschr.]
StatDtOrd
77,24;
Ottok
20089.
21833;
bin ich gein [=
gegen
] dem strîte laz, / ich vreische
iedoch diu mære wol Parz
420,16
u.ö.;
Wh
267,28;
Rennew
16012;
daz man laz / wirt gegen übeler sünde LobGesMar
36,3;
Daniel
8208;
RvEBarl
7374;
Hiob
10870;
Isôt mit rede nicht zu laz / was
HvFreibTr
3784;
wis gen den vînden hôchgemuot, / den vriunden niht mit dienste laz
Winsb
39,7;
wâ nû dîner helfe list? / der schînet wider mich ze laz
KvWTroj
18873;
bist du aber trêge und laz und lêwe [
‘lau’, lustlos] zuo gottes dienste
SprMyst (Pf)
234b,38;
ze manheit wart er nie laz Wig
2303;
SHort
1032;
HartmKlage (G)
1857;
WhvÖst
67;
Himmelr
5,2;
daz heilictum nider saz. / si wurden alle zu im laz
[zu schwach, um es weiter zu tragen] , /
daz si nicht huben vurder daz Pass III
50,57
1.1.2.2
mit Gen.:
daz er vrâgens was sô laz, / do’r bî dem trûregen
wirte saz, / daz rou dô grœzlîche / den helt ellens rîche
Parz
256,1;
wesantt helffe nitt ze lass! GTroj
11570;
er waz der reise nit zu laz / und ging aber fuͦrbaz
HvNstGZ
149;
er was des libes laz, / uf eime esele er do saz Pass
III
607,29;
Daniel
7666;
mit Gen. und präp. Erg. mit ane, gegen zur Angabe von
Personen:
wis dîner helfe an mir niht laz
Parz
715,23;
wirdestu kein uns des
laz [unwillig] , / so wizze daz wir uf dich
/ zugen beide sulch begich [Zeugnis, testimonium
Dn 13,21] / wie zu dir ein jungelinc / were uf
unkusche dinc / kumen Daniel
7548
1.1.2.3
mit Dat.:
besait
[angeklagt] wurden sie darna /
kein [gegen] dem kunge umme daz / wie sie
weren harte laz / sime gebote werde Daniel
1230
1.1.3
übergehend zu ‘frei von etw.’
1.1.3.1
mit präp. Erg. ane:
ein kuͤnc an vræuden laz, / der sældelose Tybalt
Rennew
14510.
24294;
an valsche snel, an rehte laz KLD:
Kzl
16: 8,6;
ich ward doch nie an eren loß
HvNstAp
11305;
GTroj
22664;
Parz
562,8.
144,11;
SM:Pf
1: 2,8;
RvEWchr
28990;
SpdtL
158,14;
WhvÖst
7601
1.1.3.2
mit Gen.:
diu frouwe valsches laz Parz
128,20;
sus wart diu frouwe trûrens laz ebd.
270,22;
Wh
76,26;
unprises was er laz Rennew
18735;
ein toubez œde vaz, / daz lære ist, lebender
witze laz RvEBarl
12952;
der fröden bin ich worden lasz
GTroj
8472;
Ottok
38751;
WhvÖst
16896
1.1.4
subst.:
payde tantzen und springen / sach man in den gassen.
/ man sach da niemand lassen : / si waren allesampt fro
HvNstAp
17310;
man sach nieman sô lazzen, / [...] / sô alten
noch sô grîsen, / er engienge tanzen unde treten Flore (P)
7558;
kom nimmer uf daz lazze [werde nicht
nachlässig]
Frl
7:38,15;
ein træger, ein iugent [l.
tugent?] lazzer, / der so vil sunden beget
StrKD
11,18;
SM:Tu
1: 2,3;
Warnung
2837;
WhvÖst
6004.
– als Schimpfwort:
lazzer, / wes trubest du mir daz wazzer FabelCorp
1,11
1.1.5
mit starker Flexionsendung oder Komparativ:
ern was der lider nicht lazzer / und swam snellîch
und gerade / gein sînen vriunden zu dem stade HvFreibTr
3212;
die wîl ir [der sêle
] muot ist
sô lazzer / daz sie die vedern niht erhebt LvRegSyon
1747;
ir deheiner was sô lazzer, / er gâhte für den andern
hin Ottok
7279.
8925;
Brun
5284
1.2
im Komparativ ‘träger, matter, langsamer’
1.2.1
allg.:
wan man ze tugenden lasser / da wirt
SHort
5575;
dâ kom gezimieret / manec sarrazîn durh wîbe lôn /
[...] / der was sneller, der was lazzer
Wh
404,1;
swen in turst tet lazzer [ihn schwächte] , /
sô tranc er îtal wazzer WvRh
6554;
also di cisterna kaldet daz wazzer, / also machet uns
di sunde lazzer Brun
4895.
10373;
so sprichet dise werde magt / und hat daz wider mich gesagt, /
geselleschafft si beßer. / dez ist myn frewde leßer
[schwächer]
MinneR 480
326;
Rennew
12728
1.2.2
mit Gen.:
wirt mir din helff niht geboten, / so wirt ich synnen
laßer Minneb
2519;
bin ich der sinne nicht lazzer Brun
4046.
7114;
wie ich si der rede lazzer ebd.
5205
1.2.3
subst. (phras.? s.u.
2.2.5.3
,
Märt
2143
)
2
(in einer bestimmten Abfolge bzw. Ordnung) ‘später, weiter hinten’
2.1
im Komparativ ‘jünger, neuer, später’
2.1.1
allg.:
[ich] weiz alles din
geberk [Geheimnisse] , / und dine lezzeren werk
/ schinet [l. schinent, vgl. App.z.St.]
vor mir herren / maniger den erren [
et opera tua novissima
plura prioribus Apc 2,19]
HeslApk
3570;
die lezern mit den erren / vier und zwenzic alden
herren ebd.
16251;
da habin die leizirin kint [aus der
zweiten Ehe] alsi gut recht alsi di erstin· unde di erstin
alsi di lezisti Mühlh
148,28.
144,26.
146,4
2.1.2
mit starker Flexionsendung in der Wendung noch letzerer noch
erer ( HeslApk ) zur Beschreibung der Gleichheit in
der Dreifaltigkeit:
ir kein der drier [der drei Personen
Gottes] / ist mechtiger noch vrier, / noch gewaldiger noch
herer, / noch letzerer noch erer, / wen die drie sint allentsamen / ein war
got HeslApk
11174.
682.
8928
(vgl.
letzeren
swV.)
2.1.3
in der Datumsangabe unser vrouwen tag der leʒʒeren u.ä. für
‘Mariä Geburt (8. Sept.)’, das spätere Marienfest im Jahr (s.
Grotefend, Zeitrechnung 1,68; vgl.
êrer
2.3, weitere Belege s. WMU 2,1095; vgl. auch unten
2.2.5.4
):
iz enschol ouch nîmant brûwen nâch sende Walpurge tage biz vf vnser
vrowen tak der letzern UrkZeitz
39
(a. 1322);
wir willen ouch, dat dat iar inde der tirmt
[Termin] diser vorgenuͦmder gulden ze Colne
allewege anege an unser vrouwen dage der lazzer, den man in latine heizet
nativitas, inde ouch allewege uzge an derselver unser vrouwen avende
[Vorabend des besagten Feiertags]
UrkKöln
3,88
(a. 1275 kopial).
3,89
(a. 1275 kopial);
an dem achtin tage unsir lieben frouwen der letzern
Köditz
76,26.
90,25;
ad festum s. Marie lazene [l.
lazere
]
UrkKölnSchr
2,1:39
(ca. 1190-1202)
2.2
im Superlativ ‘letzt’
2.2.1
allg.:
in dem letzten stuck diss puochs BdN
103,5
u.ö.;
zu dem letsten thurney Lanc
228,10;
PrMd (J)
352,21;
sun mîn der lezziste [der
Jüngste] , dû [Benjamin] nebist
der wirsiste noch der bezziste Gen
2966;
als ez begriffen ist an der lesten hantveste, die datz Regensburch
gegeben ward an vnser vrowen abent in der vasten UrkCorp
(WMU)
1411,23;
uris [ihres (der zweifach verwitweten
Frau)] lezistin mannis neisti
vatirmac [nächster Verwandter
väterlicherseits]
Mühlh
178,24;
sô der leste tac / des gelobeten frides vergât, / uns
niht ungemût er lât Kreuzf
4890;
in der lesten wochen, / do der fride vz ginc
Herb
12654;
RvEBarl
14970;
KLD:Kzl
1: 4,10.
16: 10,16;
KvMSph
47,14;
Kreuzf
51;
Tauler
65,8;
alle täding vnd vrtail, die da beschehen czbischen dem leczten vrtail
[das den Rechtsstreit beendende Urteil] vnd
des kriegs, sol man dem noder [Schreiber,
notarius
] geben zw verschreiben XII den. vnd
nicht mer StatTrient
134.
–
‘hinterbleibend (länger überlebend)’
so aber daz leste gemahel ir baider ze iungeste tot leit, den
selben leichnamen shulle wir [...] zuo vnserm
chloster bringen UrkCorp (WMU)
N748,12;
so aber das leste vnser baider stirbet ebd.
N749B,13.
– rechtssprachl. zur Unterscheidung, aus welcher Ehe die Kinder
stammen (vgl. êrst unter 1.1.2):
da habin die leizirin kint alsi gut recht alsi di
erstin· unde di erstin alsi di lezisti Mühlh
148,30.
– adv. ‘zuletzt’
werlt, die dir nâch willen leben, / den leste
leidet dînes lônes geben Kreuzf
7650;
eczliche kirsboume werdin gepflanczt allir lest in
Nouember Pelzb
126,23
2.2.2
‘höchst, äußerst’
die oberste und die woreste hochzit und die aller
leste ist die hochgezit des ewigen lebens Tauler
57,2;
ein innemen und ein habin des ubersten und des
leistin gudis Parad
92,2.
11,34;
die zeigent dan ir leste tugent / mit degentlicher
heldes mugent / und vechten sige mit gewalt HeslApk
19007
2.2.3
als Gegensatz zu beʒʒist
‘schlechtest, geringst’
si [...] sullen mich
[...] wan [...] in ein
guet ledich wirt, daz weder daz best noch das löst ist, an gevärd besideln
UrkSteing
596
(a. 1341)
2.2.4
bezogen auf das Ende des Lebens oder das Ende der Welt (oft mit
tac oder zît; vgl.
junc
2.2)
2.2.4.1
bez. auf das Lebensende (für weitere Belege s. WMU 2,1094f. und DRW
8,1244–1246):
so were daz sin leste tag Herb
7131.
12482;
von got mich nieman bringen mac / unz an den
lesten tac EnikWchr
13368;
biz an die lesten zît ebd.
11751;
daz ist ein gemeiniu klage, / diu mich an vröuden wendet: / daz
ist an mînem lesten tage [Todestag] / leider
unverendet Neidh
WL 30:1,9;
Rennew
18451.
25296;
he lit diͤ leste stunde, / den grimmen dot
MarlbRh
26,19
u.ö.;
HvFreibTr
6625.
– in Verbindung mit gescheffede/ wille
‘Testament, letzter Wille’
ez sol och chain frow [...] zivch sin
vͤber dehain dinck wan vͤber elichen heirat, notnvnft vnd vber das
lest geschæft an dem tod, wan bi den drein dingen spvlgent die
frowen aller maist ze sein UrkCorp (WMU)
1975AB,8;
von geschaften vnd brieuen oder des leczten willen ains
menschen StatTrient
135;
vgl.
daz ich an mînen lesten zîten min gescheft gesetzet han, als
hie gescriben stet UrkCorp (WMU)
923,11.
– subst. oder ellipt. an sinem oder sinen
letzten
‘an seinem Lebensende’ (vgl.
leʒʒiste
stF.):
allez daz recht, daz Perchtold von Luͤchsenekke mit nutz vnde
mit gewer gehabt het vnde mier vnde minen chinden an sinē lesten
geschaffen het UrkCorp (WMU)
1814,20
2.2.4.2
bez. auf das Ende der Welt (christl.-eschatologisch):
in dem letzsten geriht unsers herren
BdN
218,13.
238,3;
hinne vür unz an den lesten tac [bis zum jüngsten
Gericht]
Neidh
WL 23:6,13;
dis waz der minnecliche Paulus ein worer prophete
do er sprach: ‘in den lesten tagen so súllent die lúte werden grosse
minner ir selbes’ [vgl II Tim 3,1-4] ; sit
Tauler
94,21.
34,32;
sun, nim ie darunder war / gotes und der lesten
zit / die diu welt mit grimme git RvEWh
15189
2.2.5
subst.
2.2.5.1
allg. (s.a.
leʒʒiste
stF.):
liplich frucht ist das leiste unde daz suziste
daz da ist in dem menschin Parad
71,11;
daz herz ist daz êrst, daz an dem tier lebt in der
muoter leib, und ist daz letzst, daz stirbt BdN
26,5;
der letscht an der schar ebd.
185,10;
Herb
4807;
si was nû diu leste Ottok
7234;
got [...] hat versuchet
mynen mut, / recht als eyn golt in heyzer glut / versucht wirt hin uf
diz leste [bis zum Äußersten] / und inmancher
glute gleste Hiob
9403
2.2.5.2
~ korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit
bzw. Einzigkeit (vgl.
êrst
unter 1.1.2, s.a.
unten zu 2.2.5.5.4):
der erste und der leste [=
jeder] / sol ietzunt bereiten sich dar zuͦ / daz er
Orense shaden tuͦ Rennew
15176;
mit den ersten vnde mit den lesten
[= mit allen]
Herb
12982;
Wh
209,8;
si muoz diu êrste und ouch mîn
leste [= die einzige] unz an mîn ende sîn
KLD: GvN
8: 2,5;
got ist der allir erste und der leiste
Parad
117,37
2.2.5.3
phras. (?), vgl. die Vorstellung, die letzte Person sei schlecht dran/
wenig angesehen (s. TPMA 7,385–387):
‘got gehaz den lesten!’ / sprâchen, die dâ fluhen
hin Ottok
7435;
dô hazzet man die lesten / und wurden die die
hêrsten, / die des allerêrsten / an die vînde sluogen ebd.
5616;
vgl.:
der tiefel verchert do iren sin, /
[...]. / der leczt scholt sein der
lasser [der Letzte musste derjenige sein, der langsamer
war = alle beeilten sich sehr] , / zehauffen lieffens
in das wazzer Märt
2143;
der zum ersten darinn [
in jhen
burg
] mocht komen der enbeite des letsten
nicht Lanc
178,17
2.2.5.4
in Datumsangaben (vgl. auch oben
2.1.3
mit Lit.):
–
nach unser vrouwen tac der letzten u.ä. für ‘Mariä
Geburt (8. Sept.)’
vnd ist daz geschehen [...] des
næhsten vritages nah vnser frowen tach der lesten UrkCorp
(WMU)
2020,41;
ze vnserr vrowen messe ze der letzsten ebd.
3423,3.
–
an des hîligen kriuzes tac dem letzten = der zweite
Kreuztag (14. Sept., Kreuzerhebung) im Unterschied zum ersten
Kreuztag (3. Mai, Kreuzfindung):
ditz ist geschehent, do von Christes geburd waren tausent jar,
zwai hundert iar, in dem vier vnd nevntzichsten iar, an des heligen
chrvͤcez tag dem lesten UrkCorp (WMU)
2023,30
2.2.5.5
mit Präp.
2.2.5.5.1
mit ane:
und waz lôns er von ir hie / an dem lesten
[zuletzt] enphie! Ottok
16916
2.2.5.5.2
mit in:
wie sint sú in daz urteil gottes in dem
lesten gevallen Tauler
66,28
2.2.5.5.3
mit mite:
dô im [Christus am Kreuz] der tôt
mit leste [zuletzt] / gewan sîn
menschlîch leben an Loheng
3886
2.2.5.5.4
meist mit ze, zuo:
vile harte er si chlagete, ze lezzist er
gedagite Gen
949;
zi leste si sich suonten, mit guote si
scieden ebd.
1476;
vmbe alle die sache vnd bruche, die zwischen vns vnde im
[Graf Eberharte von
Wirtemberg
] vf geloͮffen waren sit der
svͦne, die nv zv leste [letzthin,
kürzlich] zv Stutgarten wart gemachet, biz an
disen hutigen dach UrkCorp (WMU)
931,19;
Segremors aß zu dem ersten krencklichen, und
zuletst was er starck und mechtig worden das im nichts enbrast
Lanc
428,4.
581,3.
598,9
u.ö.;
alleu grôzeu wazzer fliezent ze letzt in daz
mer BdN
102,14;
daz nider tail an dem tier ist als daz nider
tail ains adlarn [...], und hât ze letzt
[hinten] ainen swanz mit schüepeln als
ain visch ebd.
240,17;
sich, arme werlt, daz ist dîn lôn, / den du
gibes zu leste! Kreuzf
7621;
ce lezzes MarldA
290;
zu leszisten Macer
90,2;
zu leist Elis
9434;
ze lesten Ottok
36672;
zeletscht BdN
161,12;
biz zu leste Rennew
10264;
zu allerletste Lanc
279,2;
zo alre leste HagenChr (G)
1082;
SM:Te
4: 2,5;
Tauler
33,9;
GTroj
7722.
– korrelierend mit êrst zum Ausdruck von
Gesamtheit (s.a. oben 2.2.5.2):
zu eristen vnde zu lezisten
[zu jeder Zeit, stets]
Litan
1337;
er gebârte untâre / von êrst unz hin ze
leste UvZLanz
5567.
6623;
diz meisteret alliz allir meist / der vil heilige geist. /
der ist zerist vnde ze lezist / allir meistere bezist, / der
meisteret alle di dinc, / di da gut vnde reht sint
Glaub
1714;
zêrist unde ze leste [ohne
Unterlass, von vorne bis hinten] / hîz si ire
geste / vil harte flîzlîchen plegen SAlex
5931;
von erste biz zu leste / werdent luͤte
und ligent tot Rennew
25994;
von erst biz hin zu leste ebd.
31058;
vgl.
tuͦ als ich dich wise, / daz ist bi namen
daz beste / beide nu und zu leste! ebd.
18354.
– mit (enklitischem) Artikel:
sither ich uch zum letsten sah
Lanc
489,34;
wie dir was, dô dû in zem lesten hâtest,
alsô tuo nû, die wîle dû sîn missest Eckh
5: 225,4;
darüber rettens lange. / iedoch wart ez
zem lesten / mit eiden und mit hantvesten / vergewisset wol
Ottok
53837;
zuo dem lesten ebd.
17089;
zem lest ebd.
48684;
zem leste ebd.
56641.
– Pl.:
von erste biz hin zu den lesten
Rennew
8742
MWB 3,3 917,32; Bearbeiter: Richter
laʒ
stM.
‘Trägheit, Faulheit, Nachlässigkeit’
du solt vlihen muzekeit, / such der hende arbeit; / der laz
machet die sele kranch, / unkunst zeuhet der muͤz ganch Erz III
36,391.
– meist sunder
~
‘unverzüglich, eifrig’
din name [...] da vor e was / an
gerufen sunder las Daniel
6394.
8134;
[Jonathan] van dem honegseume az / wider daz gebot sunder
laz [vgl. I Sm 14,27]
HistAE
1994.
937;
AvaLJ
68,3;
TvKulm
2953;
Ottok
95884
MWB 3,3 922,58; Bearbeiter: Richter
lâʒ
stM.
(auch stF.? So Hrsg. zu
Albert
1250
).
1 das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses 2
‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert ) 3
‘Verhalten, Haltung’ (vgl.
gelâʒ
stMN. 4 ) 4 hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw.
Abgabe daraus (vgl.
gelæʒe
stN. 5 )
1
das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses:
hie mite begunde er mâzen / [...] /
einen wurf und einen swanc, / der was grôz unde lanc: / dem hæte er sîne mâze / an
der seige [Neigung, Wurfrichtung] und an dem lâze / reht
in der merke gegeben, / daz er Tristande an sîn leben / solte sîn gegangen
Tr
16018
2
‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert ):
in deme selben iare / starp der phaffe zware / wand er nach
den lazen / saz #(mpu) da die luͦte azen Albert
1250;
ain vierdaiͤl der selben guͦlt sol man iemer me ze Wilar den suestern geben,
die von tranͤch ald von laiͤssin ald von ander licher cranhaith ir reuendar nith
gehalten múgen UrkCorp (WMU)
1624,21
3
‘Verhalten, Haltung’ (vgl.
gelâʒ
stMN. 4):
ein teil baz ich bekant mir bin / an mines herzen lazze, /
hie von ich mich verwazze [verwünsche]
Vät
33387
4
hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw.
Abgabe daraus (vgl.
gelæʒe
stN. 5):
nie hab me so wol geviel: / von alten rehten, lassen, zol /
siht man si getregtes also vol / sam die vil richen stette ligen
SHort
6491
MWB 3,3 923,3; Bearbeiter: Richter
lazan
M. oder N.
ein Tier (lanzani in der lat. Vorlage):
von dem lazan. lazania ist ain tier gar grimm, alsô sprechent
Solînus und Jacobus, und von des grimmichait mag kain tier sicher gesein
BdN
146,12;
daz tier streitt neur mit den, die seins geslähtes niht sint,
aber ez kriegt niht mit andern lazann ebd.
146,18
MWB 3,3 923,26; Bearbeiter: Richter
lâʒære, læʒære
stM.
hier wohl gekürzt lesser, lozzer (vgl. 2
5Mhd. Gr.
§ L 22).
1
‘jmd., der andere zur Ader lässt’
2
‘jmd., der zur Ader gelassen wird’
1
‘jmd., der andere zur Ader lässt’
flebotomator: lesser VocOpt
31.013.
– als Bestandteil von Personennamen:
Walther der Swaͤwichs losser UrkRegensb
738
(ca. 1325-1350);
Ulle lozzer ebd.
762
(ca. 1325-1350)
u.ö.
2
‘jmd., der zur Ader gelassen wird’
so es heiss waz und er vil muͤd von dem
gene [Gehen] und krank waz worden, ald so er ein
lesser waz und er denne in den erbeiten also gevangen lag
[...], so lag er underwilent und grein und grisgramet
in im selb Seuse
39,18
MWB 3,3 923,33; Bearbeiter: Richter
læʒærebinde
swstF.
‘Binde, (Ver-)Band des Aderlassers’
fasciola: lesserbind, lesserbinde VocOpt
31.016
MWB 3,3 923,45; Bearbeiter: Richter |