l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
laʒ
stM.
‘Trägheit, Faulheit, Nachlässigkeit’
du solt vlihen muzekeit, / such der hende arbeit; / der laz
machet die sele kranch, / unkunst zeuhet der muͤz ganch Erz III
36,391.
– meist sunder
~
‘unverzüglich, eifrig’
din name [...] da vor e was / an
gerufen sunder las Daniel
6394.
8134;
[Jonathan] van dem honegseume az / wider daz gebot sunder
laz [vgl. I Sm 14,27]
HistAE
1994.
937;
AvaLJ
68,3;
TvKulm
2953;
Ottok
95884
MWB 3,3 922,58; Bearbeiter: Richter
lâʒ
stM.
(auch stF.? So Hrsg. zu
Albert
1250
).
1 das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses 2
‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert ) 3
‘Verhalten, Haltung’ (vgl.
gelâʒ
stMN. 4 ) 4 hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw.
Abgabe daraus (vgl.
gelæʒe
stN. 5 )
1
das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses:
hie mite begunde er mâzen / [...] /
einen wurf und einen swanc, / der was grôz unde lanc: / dem hæte er sîne mâze / an
der seige [Neigung, Wurfrichtung] und an dem lâze / reht
in der merke gegeben, / daz er Tristande an sîn leben / solte sîn gegangen
Tr
16018
2
‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert ):
in deme selben iare / starp der phaffe zware / wand er nach
den lazen / saz #(mpu) da die luͦte azen Albert
1250;
ain vierdaiͤl der selben guͦlt sol man iemer me ze Wilar den suestern geben,
die von tranͤch ald von laiͤssin ald von ander licher cranhaith ir reuendar nith
gehalten múgen UrkCorp (WMU)
1624,21
3
‘Verhalten, Haltung’ (vgl.
gelâʒ
stMN. 4):
ein teil baz ich bekant mir bin / an mines herzen lazze, /
hie von ich mich verwazze [verwünsche]
Vät
33387
4
hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw.
Abgabe daraus (vgl.
gelæʒe
stN. 5):
nie hab me so wol geviel: / von alten rehten, lassen, zol /
siht man si getregtes also vol / sam die vil richen stette ligen
SHort
6491
MWB 3,3 923,3; Bearbeiter: Richter
lazan
M. oder N.
ein Tier (lanzani in der lat. Vorlage):
von dem lazan. lazania ist ain tier gar grimm, alsô sprechent
Solînus und Jacobus, und von des grimmichait mag kain tier sicher gesein
BdN
146,12;
daz tier streitt neur mit den, die seins geslähtes niht sint,
aber ez kriegt niht mit andern lazann ebd.
146,18
MWB 3,3 923,26; Bearbeiter: Richter
lâʒære, læʒære
stM.
hier wohl gekürzt lesser, lozzer (vgl. 2
5Mhd. Gr.
§ L 22).
1
‘jmd., der andere zur Ader lässt’
2
‘jmd., der zur Ader gelassen wird’
1
‘jmd., der andere zur Ader lässt’
flebotomator: lesser VocOpt
31.013.
– als Bestandteil von Personennamen:
Walther der Swaͤwichs losser UrkRegensb
738
(ca. 1325-1350);
Ulle lozzer ebd.
762
(ca. 1325-1350)
u.ö.
2
‘jmd., der zur Ader gelassen wird’
so es heiss waz und er vil muͤd von dem
gene [Gehen] und krank waz worden, ald so er ein
lesser waz und er denne in den erbeiten also gevangen lag
[...], so lag er underwilent und grein und grisgramet
in im selb Seuse
39,18
MWB 3,3 923,33; Bearbeiter: Richter
læʒærebinde
swstF.
‘Binde, (Ver-)Band des Aderlassers’
fasciola: lesserbind, lesserbinde VocOpt
31.016
MWB 3,3 923,45; Bearbeiter: Richter
lâʒe
stF. (?)
→
lâʒ
stM.
MWB 3,3 923,48;
lâʒen, lân
stV. (VII)
zur Formenvielfalt s. Mhd. Gr. (KSW) 2 § V230-236, urkundenspr. WMU 2,1095f.;
volle und kontrahierte Form auch nebeneinander (
lâzen unde lân KvWTroj
45226
); einzelne Sonderformen:
3. Sg. Ind. Präs. leciz (
Roth
3951
); 1. u. 3. Sg. Prät. auch lie (
PrOberalt
36,27;
Wig
6766;
Rol
5798
); Imp. Sg. lach (
SM:Had
10: 2,1
u.ö.;
SM:Te
11: 3,1
); Imp. Pl. lönd (
GTroj
2751.
9741
).
1 als selbständiges Verb 1.1
‘jmdn./etw. (in bestimmter Weise) von sich lassen,
loslassen’
1.1.1
‘jmdn. verabschieden, fortlassen’
1.1.2
‘jmdn. frei lassen’
1.1.3 in Verbindung mit binden mit Ersparung des
Obj., zum Ausdruck von Verfügungsgewalt (oder zu
lœsen
?, s.
binden
8 ) 1.1.4
‘(Jagdhunde/ Falken) loslassen’ (s.a. Dalby, Mediaeval Hunt, S. 131) 1.1.5 myst. ‘etw./sich aufgeben, loslassen’ , auch als
Part.-Adj. ‘losgelöst von der Welt und eigener Intention, Gott
ergeben’ (vgl. Zirker, Wortschatz S. 53f.; Largier, Eckh. 1,959-962;
s.a.
gelâʒenheit
) 1.1.6
‘etw./sich lösen’
1.1.7
‘jmdn./etw. in einem bestimmten Zustand, eine Position/ Richtung lassen
bzw. bringen’
1.1.7.1 mit halbpräd. Adj. (mit Ersparung des Inf.
sîn/ wësen ?, vgl. unter
2.3.2.2
) 1.1.7.2 mit halbpräd. Subst. 1.1.7.3 mit präp. Erg., Pron.-Adv. oder selten Adv.
‘jmdn./etw. in einem best. Zustand/ einer Position lassen, in
einen Zustand/ eine Position/ Richtung bringen’ u.ä. (modal,
direktional) [vgl.
1.10
] 1.2
‘(jmdn./etw.) zurücklassen, loslassen, aufgeben’
1.2.1 ohne Obj. ‘loslassen, nicht festhalten’
1.2.2
‘jmdn./etw. aufgeben, verlassen, zurücklassen’
1.2.2.1 überw. mit Akk.d.P. 1.2.2.2 mit Akk.d.S. 1.2.3 mit Gen.d.P. und Neg.-partikel niht (hier kaum
als Akk. zu lesen, vgl.
1.4.2
) ‘aufgeben, ablassen von jmdm., im Stich
lassen’
1.2.4
‘in Ruhe lassen, gewähren lassen, von jmdm./etw.
ablassen’ (meist mit Akk.d.P.) 1.2.5
‘ablassen von etw. (Erzählinhalten)’
1.2.5.1 mit Akk. 1.2.5.2 ohne Akk., mit präp. Erg. 1.3
‘(jmdm./einer Sache) jmdn./ etw. (über)geben,
überlassen’
1.3.1 allg. 1.3.2 als Frage beim Abschied, die das Schutzbedürfnis der
verlassenen Person ausdrückt ( wem lâʒest du mich? u.ä.) 1.3.3 etw. hër ze jmdm.
‘jmdm. überlassen’
1.3.4 etw./jmdn. (sich) ane/ûf/ ze jmdn./etw.
‘überantworten, überlassen, in jmds. Hände legen’ (weitere Belege aus Rechtstexten s. WMU 2,1097 u. DRW 8,720f.) 1.3.5 jmdm. den namen ~
‘Namen geben’
1.4
‘(unter)lassen, sein lassen, bleibenlassen, ablassen’
(vgl. auch wësen/ sîn/ stân ~
unter 2 ) 1.4.1 ohne Akk. 1.4.1.1 allg 1.4.1.2 mit explizierendem Satz 1.4.1.3 in Doppelausdrücken 1.4.2 mit niht (Neg.-Partikel oder Akk.?) 1.4.2.1 allg. 1.4.2.2 mit explizierendem Satz ‘(nicht) ablassen,
unterlassen’ (zur Bekräftigung, dass das Genannte getan wird) 1.4.3 mit Akk. 1.4.3.1 allg. 1.4.3.2 mit Obj.-Satz 1.4.3.3 mit explizierendem Satz 1.4.3.4 im Doppelausdruck tuon unde ~
1.5
‘enden, aufhören’
1.6
‘etw. zulassen, gewähren’
1.6.1
‘(jmdm./einer Sache) etw. gestatten,
gewähren’
1.6.2 oft etw. âne haʒ/ nît/ zorn
‘(gleichmütig/ wohlwollend) zulassen, gewähren, zugestehen’ , auch als
Litotes i.S.v. ‘sich wohl gefallen lassen’
1.6.3 hierher? nieman vür sich ~ (an gewalt)
‘niemanden (in Bezug auf Macht) vor sich lassen; niemandem mehr Macht als
die eigene zugestehen’
1.7
‘etw. erlassen, nachlassen’ , oft mit Dat.d.P. 1.8
‘aussehen, sich (in bestimmter Weise) verhalten, benehmen,
einen gewissen Anblick bieten’ (vgl.
gelâʒ
stMN. u.
gelæʒe
sowie Schiller/ Lübben 2,636) 1.9
‘etw. fließen, hervorkommen lassen’
1.9.1
‘etw. fließen lassen’
1.9.2
‘etw. (überw. fließend Gedachtes) von sich geben,
hervorkommen lassen’
1.9.3
‘etw./sich (wachsend) ausstrecken’
1.9.4
‘etw. (aus Schöpferkraft) hervorbringen,
erschaffen’
1.10 (von Bewegungen) mit präp. Erg. oder Pron.-Adv., oft mit
Refl.-Pron. [vgl.
1.1.7.3
] 1.10.1 allg. 1.10.2 etw./sich zesamene ~
‘etw./ sich zusammentun, vereinen’
1.10.3
‘sich (an einen Ort/ von etw. weg) begeben,
bewegen’
1.10.4
sich an/ ûf diu knie ~
u.ä. ‘sich
niederknien’
1.11 bezogen auf Aderlass (zur Sache s. LexMA 1,150f.) 1.11.1 ohne Dat. oder Akk. ‘zur Ader lassen’
1.11.1.1 ohne präp. Erg. 1.11.1.2 mit präp. Erg. 1.11.2 mit Dat.d.P. (und meist präp. Erg.) ‘jmdm. zur Ader
lassen’
1.11.3 mit Akk. (und fakultativem Dat.) 1.11.3.1
‘(eine Ader) zum Aderlass verwenden, eine
bestimmte Ader lassen’
1.11.3.2
‘(Blut) durch Aderlass abgeben’
1.11.3.3 mit Refl.-Pron. ‘sich durch Aderlass Blut nehmen
lassen’
2 nach Art eines Modalverbs mit Inf. eines weiteren Verbs ‘lassen,
zulassen, veranlassen (eine Handlung, einen Vorgang u.ä.)’ ; mit bestimmten
Verben (z.B. belîben, ligen, sîn, stân ) ‘ablassen, bleiben lassen,
unterlassen’
2.1 ohne Erg. beim Inf. 2.1.1
stân
‘aufhören, einhalten’ (vgl. Öhmann, Lehnprägung, S. 74) 2.1.2
sîn
‘sein lassen, ablassen’
2.1.3
‘lassen, zulassen, erlauben, gestatten’ (hier nur
mit (be-)sëhen und explizierendem Nebensatz) 2.2 mit Erg. beim Inf., die nicht Akk. sind 2.2.1
‘lassen, (eine Verbalhandlung) veranlassen,
bewirken’
2.2.2
‘lassen, (eine Verbalhandlung) zulassen, erlauben,
gestatten’
2.2.3
dar
gân ~
(in Richtung eines Gegners) ‘auf jmdn. losgehen,
einschlagen’
2.3 mit einem Akk. beim Inf. 2.3.1 Inf. von intr., unpersönl. (oder absol. gebrauchten tr.)
Verben (der Inf. erschiene in Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im
Aktiv, der Akk. als das Subjekt) 2.3.1.1 allg. 2.3.1.2 mit Ersparung des Inf. 2.3.1.3 mit halbpräd. Adj. 2.3.1.4 formelhaft (?) 2.3.1.5
lôʒ gên
‘das Los ziehen/ entscheiden lassen (in Bezug auf etw.)’
2.3.1.6
belîben/ ligen/ stân
‘bleiben lassen, ablassen von etw.’
2.3.1.7 mit gân/ strîchen u.a. Bewegungsverben,
überwiegend von Reitern, die ihre Pferde antreiben, übergehend zu
‘(auf jmdn.) losgehen, (jmdn.) angreifen’ ; der Akk. ist meist erspart (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 263f. mit zahlreichen Belegen) 2.3.1.8
(er-/ în-)klingen
2.3.1.9
schînen ~
oder schîn wërden/
wësen ~
‘sichtbar werden lassen, zeigen, beweisen’
2.3.2 mit sîn/ wësen
2.3.2.1 etw. sîn/ wësen
‘etw. sein lassen, unterlassen’
2.3.2.2 jmdn./etw. (in best. Weise) sîn/ wësen
mit Prädikat (und fakultativem Dativ) 2.3.2.3 mit adv. Best. 2.3.2.4 mit Obj.-Satz 2.3.2.5 mit Ersparung des Inf. (s.a.
2
5 Mhd. Gr. § S 232,2) 2.3.3 Inf. von tr. Verben mit Akk.-Obj. (der Inf. erschiene in
Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im Passiv, der Akk. als das
Subjekt) 2.3.3.1
‘veranlassen, bewirken’
2.3.3.2 Akk. ist Refl.-Pron. ‘lassen,
zulassen’
2.3.4 mit Inf., Akk. und Dat. 2.4 mit Inf. eines Vollverbs und doppeltem Akk. 2.5 mit Part.Prät. statt Inf. ‘lassen, veranlassen’ (in Rechtstexten)
1
als selbständiges Verb
1.1
‘jmdn./etw. (in bestimmter Weise) von sich lassen,
loslassen’
1.1.1
‘jmdn. verabschieden, fortlassen’
wie lieplîchen sie / der bâbst enphienc unde lie
LvRegFr
1475;
Ägidius
1459;
der hêrre in liez, als im wol zam, / mit guoter
handelunge HvFreibTr
1438;
Will
48,10.
– übertr., mit Refl.-Pron.:
dvͥ naht zvͦ gaht [eilte
heran] , der tag sich lie TürlArabel
*A 270,28
1.1.2
‘jmdn. frei lassen’
Moyses gienc für den künic unde sprach: lâ die liute,
oder dir tuot got übel BuchdKg
31,8;
Pylatus Barraban do liess, / Jesum er crútzegen do
hiess SHort
9454;
er was ein sô gewaltic man, / daz er alle die hiez
lân, / die gevangen wâren EnikWchr
21832.
28942;
dô er die frouwen wolgetân / von dem gewerb niht
wolt lân [von seiner Werbung nicht freilassen
wollte] , / dô gie si zuo irm wirt ebd.
23814;
RvEWchr
9949;
UrkCorp (WMU)
2176,40
1.1.3
in Verbindung mit binden mit Ersparung des
Obj., zum Ausdruck von Verfügungsgewalt (oder zu
lœsen
?, s.
binden
8):
diu selben wazzervogel sint
[bedeuten] die hailigen lêrer,
[...], die gotes stat
verwesent [vertreten] auf ertreich und sein
reht vitztüem [rechtmäßige Verwalter] sint ze
pinden und ze lâzen, sam die pfaffen, die löbleich priester sint
BdN
211,28
1.1.4
‘(Jagdhunde/ Falken) loslassen’ (s.a. Dalby,
Mediaeval Hunt, S. 131):
ir sult den bracken lâzen NibB
947,2;
do liezen sie uf ir uart / die gerechten hunde
Ägidius
366;
Tr
17290
(vgl. Komm.z.St. bei 2Okken, Tr.);
lieber vriunt, nu schawe, / wa du ain tuͤrteltuͤbelin
/ sehest in dem venster min, / dar zuͦ dinen valken la!
WhvÖst
7079.
7385.
– mit Ersparung des Akk.:
sie liezen zu einem hirze dô
HvFreibTr
2391;
man suoch, man lâz, man henge, / man birs, man jag, man schieze
Hadam
43,1.
44,2.
54,7;
die jeger heten gelâzen / ze einem hirze UvEtzAlex
18958;
Tr
3430.
3446
1.1.5
myst. ‘etw./sich aufgeben, loslassen’, auch als
Part.-Adj. ‘losgelöst von der Welt und eigener Intention, Gott
ergeben’ (vgl. Zirker, Wortschatz S. 53f.; Largier, Eckh. 1,959-962;
s.a.
gelâʒenheit
):
dodurch lident sú und lossent alle ding und
enpfohent von gotte und tragent ime alles daz sú enpfohent
Tauler
30,12;
in einre gelossenre gebeitsamer langmuͤtikeit ebd.
23,22;
und wære ein mensche zweinzic jâr gelâzen, næme er sich selben wider
einen ougenblik, er enwart noch nie gelâzen. der mensche, der gelâzen hât
und gelâzen ist und der niemermê gesihet einen ougenblik ûf daz, daz er
gelâzen hât, und blîbet stæte, unbeweget in im selber und unwandellîche, der
mensche ist aleine gelâzen Eckh
1:203,1.
1:196,7;
ein reht gelassenr mensch Seuse
166,21;
alse die gelazenen plegent Lilie
36,36.
– mit Refl.-Pron. u. zum Teil mit Dat. oder ze
gote:
wer mîn jünger wil werden, der muoz sich selben lâzen; nieman
enmac mîn wort hœren noch mîne lêre, er enhabe denne sich selben gelâzen
Eckh
1:170,1;
got und der túfel sind in dem menschen; der sich
selb wil fuͤren ald sich selb wil lassen, der vindet den underschaid
Seuse
167,12.
162,25;
nu nemen wir daz ander wort her fúr, daz er
spricht: lazsen. daz meinde er ufgeben oder verahten ebd.
336,1;
Tauler
16,16;
da der mensch mit einem ufgebene sines frien
willens sich got lasset in einem ieklichen nu Seuse
161,2;
so kumment sú es an got demuͤteclichen und
lossent sich sime willen Tauler
23,30;
die menschen, die sich ze gote lâzent Eckh
1:61,1
1.1.6
‘etw./sich lösen’
ich wil daz ir diu bant [Fesseln des
Gefangenen] lât StrAmis
2278.
– mit Refl.-Pron.:
sie [Mäuse] nuogen alsô
vaste dar, / biz diu wurz vil nâch sich lie RvEBarl
4637
1.1.7
‘jmdn./etw. in einem bestimmten Zustand, eine Position/ Richtung lassen
bzw. bringen’
1.1.7.1
mit halbpräd. Adj. (mit Ersparung des Inf.
sîn/ wësen?, vgl. unter
2.3.2.2
):
swer [...] die gürtel
witer lat TannhHofz
126;
sî [Lunete] ist
getriuwe unde guot. / ich [Laudine] hân sî
übele lâzen [schlecht behandelt] . / ich möhte
wol verwâzen / mîne zornige site Iw
2025;
got lâze sî mir vil lange gesunt MF:
Mor
1: 3,1;
SM:JvW
4: 4,4;
MarldA
28;
SM:Gl
3: 5,16.
–
ledic/ vrî
~ u.ä. ‘freilassen, befreien’
er [der Herr] læt
si [die Eigenfrau] ledic, unde si wirt
vrî SpdtL
133,19;
Parz
52,21.
86,13;
wærer dâ zuo ledec lân / aller sîner schulde
Iw
1712;
sî müezen iuch lâzen vrî, / od ich erslahe sî
alle drî ebd.
4347;
ob iht wandels an mir sî, / daz er
[der Leser] mich doch lâze vrî /
valscher rede: daz êret in Wig
6;
Parz
220,18;
SM:Gl
2: 5,19;
die [Gefangenen] sal die stat los
inde quit lazen van ierme gevenkenisse UrkCorp (WMU)
78,18.
–
wâr/ stæte ~
‘(ein Versprechen) wahr werden lassen, einhalten’
nû muose der künec lâzen wâr / daz er
gelobete wider in Iw
4608.
5555;
des swuoren si und liezenz wâr
Wig
3585.
11237;
er hat niht wandels umb ein har, / swaz er
geredet, daz lat er war Tannh
1,40;
KvWHvK
7;
RvEBarl
11297;
HvFreibTr
1072;
Rennew
31557
u.ö.;
sînen jungern er erschein, / als er in globet hæte; / daz liez
er vil stæte LBarl
2731.
7496;
SM:Had
5: 2,3;
Tr
6366;
Rennew
27634;
Wahrh
42;
vereinzelt unmein
‘ohne Falschheit’
~ :
des sworen sie ime eide / die liezin sie
vmmiene Roth
824.
– mit Part./Part.-Adj. (vgl. unter
2.5
, s.a. 2
5Mhd. Gr. S
30,2):
dô er si sêre weinde liez, / des tages dô er
von ir reit Parz
629,6;
[wir] muosten unsern bruoder hinder uns
gevangen lâzen BuchdKg
19,13;
StrKD
6,355;
StatDtOrd
33,33
1.1.7.2
mit halbpräd. Subst.:
augbrawen von guten mazzen / wil ich die besten
lazzen [sein lassen, nennen]
Physiogn
152;
maget ~
‘jmdn. jungfräulich, unberührt bleiben lassen’
die künegîn er maget liez Parz
202,22;
ich pit dich, laß mich magt / durch aller frawen
ere! HvNstAp
15717;
übertr. (Inschrift auf einem Helm):
elliu werlt wafen / di muzen mich maget lazen
Rol
3298
1.1.7.3
mit präp. Erg., Pron.-Adv. oder selten Adv.
‘jmdn./etw. in einem best. Zustand/ einer Position lassen, in
einen Zustand/ eine Position/ Richtung bringen’ u.ä. (modal,
direktional) [vgl.
1.10
]:
– mit präp. Erg.:
sie suln [sorgsam
sein]
[...] / und sich
nicht lasen in den slaf HeslApk
1168;
mich lât wol ir helferîchiu hant / ûz banden
SM:HvS
1: 7,3;
daz er die hant zem
brîtel [Zügel] liez / und den linken
vuoz gestiez / wol vaste in den stegereif Tr
7041;
âne trôst lât mich diu liebe in klage
SM:JvW
5: 2,10
(vgl. hierzu die Belege unter 2.3.2.3);
er liez en wâge [warf in die
Waagschale, setzte aufs Spiel] iewedern tôt, / der
sêle und des lîbes Wh
3,4;
dô kunic Ruodolf daz ervant, / er liez in
niht ab den wegen [ließ ihn nicht beiseite
stehen] , / er müest ouch sîner amte phlegen
Ottok
18625;
ab herzen liezen si daz [sie
gaben es auf (Glr.)]
ebd.
29420;
der rede nam er kleine war / und lie si fúr
dú oren gar [vollständig zu den Ohren
hinaus] , / als obers hete niht virnomen
RvEWchr
22898;
des nimt er vil kleine war; / er lât ez durch
diu ôren gar, / zem einen în, zem andern ûz Wig
112;
uf daz volk sin gelazen / die vier tuvel in
Eufrate, / daz sie vru werben und spate, / stunde, tac, mane und
jar, / daz in der nimmer ein har / entrinne noch entge
HeslApk
14404;
ich hân ûf êre lâzen
[ausgerichtet] nu lange mîniu dinc
NibB
2028,2;
EnikWchr
6364;
der rihter mac in mit reht niemer ûz der æhte
lâzen SpdtL
188,3;
KvWTurn
900;
SM:JvW
1: 3,3.
– mit Pron.-Adv. (dar în/ dar ûf/ da
vür):
si [die Mutter des
Moses] bereitt dem kind ein
ledelîn [einen kleinen Behälter, Korb]
/ und lie [setzte] daz kint dar în schier
EnikWchr
6291;
der selbe knabe reine / des tages dâ ze hove
gie / vor den tischen unde lie / dar ûf die blanken hende sîn
KvWHvK
62;
er [...] lie sich dâ
ze lande nider / ûf ein rîchez lêhengelt. /
[...] / dar ûf liez er
sich [ließ er sich nieder]
ebd.
388;
tuo mir ûf der sælden tür, / sliuz zuo und lâ
mich niht dafür SM:HvS
3: 2,6;
HeslApk
7340.
– mit Adv. (vürbaʒ):
durh disin vorhtlichin nit / saztin sih ouh
da gein im / die gotis virmeindin philistim / und liezin in da niht
fúrbas me RvEWchr
5592
1.2
‘(jmdn./etw.) zurücklassen, loslassen, aufgeben’
1.2.1
ohne Obj. ‘loslassen, nicht festhalten’
– im Doppelausdruck halten unde ~
i.S.v. Verfügungsgewalt/ Verhaltensweise (weitere Belege s.
halten
5.4):
du bist nah vnde uerre, / du heldis vnde lezis, /
du bist michel vnde mezich Litan
77;
alle die wîl und der man
[...] ûf ein ros mit einem schilte unde mit
einem schafte gesitzen mac [...] und eine mîle
gerîten mac, die wîle mac er halten unde lâzen, als ob er vierzic jâr
alt wære SpdtL
121,19;
subst.:
sin halden und sin lazen RvEWh
3351
1.2.2
‘jmdn./etw. aufgeben, verlassen, zurücklassen’
1.2.2.1
überw. mit Akk.d.P.:
von diu sol ieglich man sînen vater jouch sîne
muoter lâzzen. / er sol siu begeben, sol mit sînem wîbe guotlîche leben
Gen
303;
Litan
837;
Eckh
5: 24,7;
so ruͦft er an dem crúze: ‘got, got min, wie
hast du mich gelossen!’ Tauler
197,5;
Romere die muͦsten lazen / al ir abgot, / alse der
kuninc selbe gebot TrSilv
318;
Armênje daz lant / in [König
Philipp] ze herren wolde lân, / daz was im biz dar
undertân RvEAlex
2815;
alsus verderbet mich ein sælig wîb, / diu mich lât
/ âne rât, / den si hât SM:KvT
5: 1,10;
SAlex
1127;
AvaLJ
48,7;
TürlArabel
*A 17,28.
–
under wëge(n)
~ :
du gotes geberærinne; / nu nela mih under wegen
niht! SüklV
66;
AvaLJ
26,2;
RvEWh
15684;
her in leciz uns under wege nit
Roth
3951;
Rol
1098;
Wig
3217;
Wernh
3293;
Iw
1658
u.ö.
–
‘jmdn. (in Bezug auf etw.) im Stich lassen’ (mit präp. Erg.
oder Gen.d.S.):
ich ließ uch umb keynerleyslahte gut mit
sorgen oder mit engsten Lanc
5,15;
ez wære niht êrbære, / ob si in dheiner dinge
liezen Ottok
15041.
79612.
–
‘jmdn. in einer bestimmten Position (hier: Führungsrolle)
zurücklassen’
der herre den er dâ liez / ze fürsten über
allez daz lant, / der was Militô genant KvHeimHinv
92;
das selbe sol oͮch der herzoge tuͦn oder sin hoͮbetman, den er
an siner stat in dem lande lat UrkCorp (WMU)
1615,34;
StatDtOrd
110,38.
– mit unbelebtem Subjekt ‘jmdn. verlassen,
von jmdm. weichen, ablassen’
ob du unrechte sveris daz dich di muselsucht
biste [befalle] di Naamannen liz. vnde
Iezi bestunt [vgl. IV Rg 5,9-27]
ErfJud
7;
von wurzen hêt ez [das
Brot] solhe kraft / daz in lie diu hungers nôt /
als erz engegen dem munde bôt Wig
4473;
diu vil liebe aleine / mich betwungen hât, /
daz ichz beweine, / ob ir trôst mih nu lât SM:KvL
8: 3,12;
sælde und ellen iuch niht lât
Parz
371,16.
–
‘jmdn. hinterlassen’ (hinterbliebene Angehörige):
dise zwei lizen eine dochter HlReg
38,3;
swâ ein man stirbet der ein wîp læt unde niht
kinde SpdtL
99,16.
86,3;
waz hat Got gemeint / daz [...] die
aht kuͤnigrich / alle gar on erben sint, / ir keine gelaßen hat kein
kint? MinneR 444
206;
EnikFb
181;
mit Dat. und präp. Erg.:
dirre Ulrîch uns nâch im liez / einen sun
Kreuzf
1061
1.2.2.2
mit Akk.d.S.:
waz riet dir den muot, / dô dû hætest sô grôz
guot, / daz dû ez lieze umb einen wân? RvEBarl
339;
[wir sollen] loͮfen zvͦ dem lebintigim
brunnen, dem heiligim Crist, sûln unser alte hût da lazzin
Spec
9,24;
ich lâze einen trôst noch hinder mir MF:
Mor
3: 3,4;
Märt
5988;
Lanc
5,33;
TürlArabel
*R 54,19;
die netze liessen si von der
hant [ließen sie aus der Hand] / und
volgeten im [Jesus] na ze hant
SHort
5123;
Hochz
583.
– zur Übers. von lat. ponere:
er chût indem euangelio. ich habe gewalt minen
lîp zelazîne. unte aue zenêmine [vgl. Io 10,18
potestatem habeo ponendi eam et (...) sumendi
eam
]
JPhys
27,3.
–
‘etw. (als Erbschaft) hinterlassen’
ir vater hiez Dancrât, der in diu erbe liez /
sît nâch sîme lebene NibB
7,2;
suaz he dan sienis guitis hindir umi leizit
Mühlh
100,1.
104,10;
tôtleibe heizet daz swaz ein man læt von
varndem guote unde von andern dingen SpdtL
109,8;
Parz
52,11;
übertr.:
do fuͦr der fuͤrste zu hymel schone /
[...] / vnd liez vns allen sinen segen,
/ die sines gelauben wollen pflegen TürlArabel
*R 112,17.
–
daʒ lëben/ den lîp ~
‘sterben’
und [
der
kneht
] vrâget dâ der mære /
[...] wie ir beider veter hiezen, / und
wenne si daz leben liezen StrAmis
1252;
er muoz mir lâzen daz leben / oder muoz mir
mîn silber geben ebd.
1943;
dich helffent nit die grossen liste din, / du must mir hie
lassen din leben SalMor
274,3;
Herb
9132.
16253.
–
‘etw. (einen Ort oder Weg) verlassen’
er [David] lie /
die stat und ouh das riche. / er kerte vlúhtecliche / von dan
RvEWchr
29488;
do zoget er in Galileam. vnd liez di stat
Nazareth EvAug
6,5;
KvWLd
1,169;
der nider wech [in das
Himmelreich] daz ist der wech der gebot vnsers
herren, der ist als liht ze genne als ze lazen
PrBerthKl
4,5;
PrMd (J)
340,23
1.2.3
mit Gen.d.P. und Neg.-partikel niht (hier kaum
als Akk. zu lesen, vgl.
1.4.2
) ‘aufgeben, ablassen von jmdm., im Stich
lassen’
ein reiniu wîse, saelic wîp, / *der lâz ich doch sô
lîhte niht MF:Reinm
4: 4,9;
ter tot ter bezeichint ten tieb, / iuer ne lat er hie
niet MemMori
94;
gottes sun [...] sinen uattir so innicliche
anruͦfte, daz er sin niht lieze PrGeorg (Sch)
23,184;
daz er [...] gotte gar durnehticliche
getrúwe, daz er sin niht laze ebd.
23,193
1.2.4
‘in Ruhe lassen, gewähren lassen, von jmdm./etw.
ablassen’ (meist mit Akk.d.P.):
her hiez in [den Teufel]
uaren virwazen, / daz her den man lieze, / daz her ime nichein schade ne
were Ägidius
1145;
dirre mensche tuͦt grosse zeichen; lossent wir in
alsus, so kumment die Roͤmer und nemment unser stat Tauler
65,9;
dhein lant er niht enliez, / er wolt ez betwingen
EnikWchr
21042;
MF:Wolfr
2: 4,2.
– mit von:
dâ diu natûre læzet von irm werke, dâ hebet got ane ze würkenne
Eckh
2:64,3.
– hierher? ‘außer Acht lassen’
ob des bischolfes zorn / ein abt wolt gestillen,
/ daz er [...] / liez unser vogtî hin dan
Ottok
26826
1.2.5
‘ablassen von etw. (Erzählinhalten)’
1.2.5.1
mit Akk.:
wa ich die aventuͤre han / gelazen, da grif ich
wider an TürlArabel
*R 140,4
u.ö.;
diu
zwei [Edelsteinsorten] lâz ich under wegen
/ und wil der selben nû gedagen Volmar
72;
HvFreibTr
1299;
RvEWchr
3090;
BdN
27,16;
Eckh
1:142,8
1.2.5.2
ohne Akk., mit präp. Erg.:
nv merkent, wa wir liezzen e / von dem
tsahtelvr [
schahteliur
‘Kastellan’
] vnd von dem Markis
TürlArabel
*A
168,18
1.3
‘(jmdm./einer Sache) jmdn./ etw. (über)geben,
überlassen’
1.3.1
allg.:
wie [l. wir
] lazen ouch ime
[um den Streit beizulegen] Turgowe, hus vnde
stat, lant vnde lute vnde allez, daz dar zu gehoret UrkCorp
(WMU)
1062,28;
so rihtet got rehte, / wan er uns nimet unde lat, / als
er des gewalt hat, / beidiu lutzzil unde vil VRechte
90;
er muz uns me der gisele lan GrRud
Bb 24;
ir unminne mir niht lât / ir minne, an der mîn fröide
lît SM:WvK
6: 2,3;
Mühlh
99,13;
KvMSph
36,6;
SuTheol
12.
106;
do liezzen si in den vogeln und den tyren
Konr
2 O,205;
sime rosse er den zom liez Herb
11560.
– mit ze:
daz er mir mûz lâzen / ze phande sîn houbit
SAlex
1568;
SalMor
53,5.
Parz
394,29;
sînen neven er mir ze knehte liez ebd.
498,13;
wære doch Jôhannes hie, / den mir mîn
sun [Jesus] ze sune lie / und mich ze
muoter im beschiet KvHeimHinv
300.
– im Doppelausdruck
~ unde
gëben:
daz selbe guͦt [...] habn wir gelazzen
vnd gegebn ze rehtem aigen den vorgenanten frawen ze Muͤnchen
UrkCorp (WMU)
1025,39;
allez daz guot [...], daz han ich gebn
vnt glazen Albrechtn dem Sumerekker ebd.
3205,22;
ein ander mensche, der niht enhæte lîplîches noch geistlîches ze
lâzenne noch ze gebenne, der mensche lieze allermeist
Eckh
1:202,10
1.3.2
als Frage beim Abschied, die das Schutzbedürfnis der
verlassenen Person ausdrückt (wem lâʒest du mich? u.ä.):
herre vatir, weme leizist dû uns? die armin schâf sulin
die vreislichin wolve vil schiere bestân PrMd (J)
340,34;
vil lieber herre min, wem wildv mich nu lazzen oder
emphelehen Konr
6,34;
als dû, mîn trût, nu von mir scheidest, / wem lâst du
danne ein senedez wîp? SM:Wi
8: 1,3;
Machmêt, vil süezer got, / ich hân dich geminnet ie;
/ wem hâstu mich nu lâzen hie? Wig
7719;
Flore (P)
2730;
MarHimmelf
317;
GFrau
449;
mit Akk.d.S.:
wer wirt vür iuwer swære / dâ iuwer helfære? / wem
lânt ir iuwer êre dâ? RvEBarl
3777;
wem lieze du kiuschlîche zuht? Wh
157,7;
NibB
522,1
1.3.3
etw. hër ze jmdm. ~
‘jmdm. überlassen’
nû duz her ze mir lâst. / ez muoz, als dû geredet
hâst, / versuochet werden hie zestunt Eracl
1599;
swaz ez nû sî des ich bite, / dâ êret mich mite / und
lât die bete her ze mir [gewährt die Bitte, gebt mir das
Erbetene] , / wand ich ir anders gar enbir
Iw
4553;
der strît ist lâzen her ze mir ebd.
7690;
du solt im sîn ungemach / wenden: alsô sol er dir. /
lât ir daz peidiu her ze mir [Artus] : / ich wil
den kampf undervarn Parz
716,8
1.3.4
etw./jmdn. (sich) ane/ûf/ ze jmdn./etw. ~
‘überantworten, überlassen, in jmds. Hände legen’ (weitere Belege aus
Rechtstexten s. WMU 2,1097 u. DRW 8,720f.):
ich hân die sinne / vil stæte breit / an dich gelân: /
war, wie wê mir diu liebe tuot! SM:HvS
2: 1,7;
got hât ûf erde an zwêne man die kristenheit gelân
SM:We
1: 2,1;
StrAmis
1082;
Tauler
45,32;
daz wir den kriek vnd die missehellunge [...]
also verrihte vnd verscheiden haben, wan ez von beiden tailen
[Streitparteien] an vns genczlich gelezzen
wart UrkHohenz
2,443
(a. 1331);
StiftStBernh
231;
Gnadenl
1,546;
ich las es auf dy trewe dein Hawich
3667;
daz er vil ungerne entphie / daz amt, daz man uf in lie Pass
III
10,54;
der tet als die wisen tunt, / die ir dinc lan zu gote ebd.
9,65;
diz ist zu deme urteile des obersten unde der brûdere
gelâzen StatDtOrd
86,3.
– mit Refl.-Pron. ‘sich auf jmdn./etw.
verlassen, sich jmdm. anvertrauen’
lâ dich an unsern herren LvRegFr
1330;
ich wil mich sîn an iuch lân
EnikWchr
21328;
hastu icht vil gelogen / oder iemant betrogen /
der sich an dein trewe lie? HvBurg
731;
er lett sich an di guten wein
HvNstAp
12767;
SM:HvF
5: 1,7;
Tr
6380;
PrGeorg (Sch)
17,207;
der brûdre
trucht [Schar] sich ûf in [den
Verräter] lîz / unde tâtin sînen rât
NvJer
12202;
er liez sich gar uf got Pass III
122,9.
595,89;
ein muͦnich [...] durch sine suchede
[...] liez sich al ze vil uf ertzenie
HlReg
42,6;
Brun
8637;
MinneR 444
217
1.3.5
jmdm. den namen ~
‘Namen geben’
Chana sô wart ez genant / nâch dem herren als er
hiez [
Chanaus
] . / den namen er
dem wazzer liez EnikWchr
3466;
der selb Metius hiez. / den namen er der stat liez,
/ wan si hiut Metz ist genant ebd.
22268.
13502.
21082;
EnikFb
886;
vgl.
daz wort ‘homo’ nemen wir von vrouwen und von mannen, aber die Walhe
wellent ez niht den vrouwen lâzen durch ir krankheit
[Schwachheit]
Eckh
2:345,5
1.4
‘(unter)lassen, sein lassen, bleibenlassen, ablassen’
(vgl. auch wësen/ sîn/ stân ~
unter 2):
1.4.1
ohne Akk.
1.4.1.1
allg:
doch lâze ich niemer, / ich diene ir iemer
SM:UvB
6: 1,15;
ir gemahelen sin [
si
in
] hiez, darumbe er niene liez, / er nedienet
ir mit triwen also mit rehte siner frouwen AvaLJ
3,3;
ich wære dicke gerne vrô, / wan daz ich nit gesellen hân. / nû si
alle trûrent sô, / wie möhte ichz [Hs.
ich
] eine denne lân? Walth
120,1;
do sprach únser herre: ‘las, si ist dir alze
swere.’ Mechth
5: 34,23;
Herb
6336.
– mit Ergänzung durch Präp. von
‘ablassen (von etw.), aufhören (mit etw.)’
Apollonius, der ir vater hiez, / von rehter
demuͦt nie geliez Vät
6200;
von dem gebet sie liezen ebd.
14555.
17531
1.4.1.2
mit explizierendem Satz:
darnah vil unlange liez / Abraham der reine man /
er sante riliche dan / gein Mesopotamia RvEWchr
5255
1.4.1.3
in Doppelausdrücken:
–
tuon unde ~
:
si wolte unde enwolte; / si wolte tuon unde
lân Tr
10275;
Iw
510;
an rate wil ich iemer stan, beide tuͦn und
lan, doch mag ich nu dar nit gan Mechth
1: 44,53;
[die vrîheit,] in disem
gegenwertigen nû gote ze wartenne und dem aleine ze volgenne in dem
liehte, mit dem er dich anwîsende wære ze tuonne und ze lâzenne
Eckh
1:29,3;
daz ich mich sein verzeich gar vnd ganzleich, daz si furbas da
mit mugen tun vnd lassen als mit andern irem aigen gut
UrkCorp (WMU)
758,39;
Frl
9:2,12;
subst.:
nu gebiet nâch iweren mâzen / mîn tuon odr
mîn lâzen Parz
405,14;
Eckh
2:450,8;
alles des menschen tuͦn und lossen
Tauler
28,16
u.ö.;
Frl
4:18,12.
–
lîben unde ~
wohl ‘außer Acht lassen’ (vgl.
Ottok unter 1.2.4), →
1lîben
1.4.2
mit niht (Neg.-Partikel oder Akk.?)
1.4.2.1
allg.:
dú gottes minne twingen wil / mich ungelerten heben
an, / beginnen dez ich nie began, / so daz ich nit gelaussen mag
SHort
21;
dâ von si niht enliez, / si sant ze pfingsten
nâch ir EnikWchr
A II,244.
– mit niht und Gen.:
ich kan noch wunder machen, des ich niht wil
lazen Tannh
1,90;
ich newolde des nit lazen, / des ich zubele
gedathe, / er ich iz mit werken volbrehte SüklU
22;
mit Ersparung des niht (im hinteren
Vers):
dhein red er niht enlie, / er sagt sie hern
Pharaô, / und liez sîn durch dhein drô EnikWchr
7836
1.4.2.2
mit explizierendem Satz ‘(nicht) ablassen,
unterlassen’ (zur Bekräftigung, dass das Genannte getan
wird):
Moyses do nith enliez / er thete als got in heiz
RvEWchr
11540
u.ö.;
dhein wîl er dô niht lie, / er bat got den rîchen
/ vil andæhticlîchen EnikWchr
17100;
dvͥ bvrkgrevin nvͥt enliez, / si were mit vliz
Arabeln bi TürlArabel
*A 275,2;
Märt
10887;
KgTirol
7,2.
– mit Negation in beiden Teilsätzen (s. hierzu
2
5Mhd. Gr. § S 147,3):
doch dar umbe lâze ich niht,
in [d.i. ich ne
] sî
gemeit [ich lasse nicht davon ab, fröhlich zu
sein]
MF:Reinm
64: 2,3;
si wesse wol daz er niht enliez / swes si in
bat ern tæte daz Wig
352;
Reinhart do niht enlie, / ern gienge ze hove
mit sinnen ReinFu
K,42;
Parz
405,4;
Vät
4676.
– mit Gen.-Korrelat im übergeordneten
Satz:
der Brittun kraft des nit enliez, / sine
wurben ritterlichen da TürlArabel
*R 36,28;
der helt Gâwân des nicht enliez, / ern
sprêche zu den jegern HvFreibTr
2380;
StrAmis
1162;
der selb bot des niht enliez, / ûf sîn ros er
dô saz EnikWchr
9596
u.ö.;
dye selbig des nicht enlie, / zü dem alter sy
auch gie Märt
3703
u.ö.;
TürlArabel
*A 173,8;
RvEWchr
21807;
HvNstGZ
4844
1.4.3
mit Akk.
1.4.3.1
allg.:
ob wir durch diu minne des almæhtigen gotes die
suͤnde nicht lazzen PrOberalt
6,1;
ouh begunder lâzen / urlôge und giricheit / und
was mit zuhten gemeit SAlex
7264;
iz wer der gotsdienst ze lange lazzen in der vorgenanten chyrhen
sande Jacobs UrkAltenb
135
(a. 1314);
Gnadenl
1,167;
lât selchen spot SM:UvS
5: 1,6;
ReinFu
K,89;
sô muoz ich lân die fröide mîn KLD:
UvL
9: 2,8;
daz si üppeclîche sprüche lâzen under wegen
NibB
862,2;
des mvsten sie ir rede lan Herb
943;
Iw
4880;
Eracl
2368;
Volmar
449;
Mechth
2: 8,8
1.4.3.2
mit Obj.-Satz:
wî torste wir lâzen, / daz unser hêre uns gebôt, /
durh siheiner slahte nôt! SAlex
1507;
marcgrâf Albreht niht enliez, / swaz in sîn
bruoder tuon hiez, / daz tet er des morgens drâte EnikFb
363
1.4.3.3
mit explizierendem Satz:
ouch liez er nie deheinen tac [er ließ
keinen Tag aus, ließ nie ab davon] , / er sant einen
kneht vür / daz er spehet StrAmis
940;
der künic daz vil selten liez / ern rite baneken
drin [in den Wald]
Wig
179;
die hôhgemuoten degene diene wolden daz niht lân,
/ sine drungen, dâ si sâhen die minneclîchen meit NibB
284,2
1.4.3.4
im Doppelausdruck tuon unde ~
:
vnd sol Tægene mit dem houe tvͦn vnd lazzen, swaz er wil
UrkCorp (WMU)
N810,10;
ihtes iht mê ze tuonne oder ze lâzenne Eckh
2:450,7
1.5
‘enden, aufhören’
der [der Dame] bin ich worden undertân, / als
daz schif dem stiurman, / swanne der wâc sîn ünde alsô gar gelâzen hât
MF:Eist
12:1,5.
– mit Refl.-Pron.:
hiemite sich die rede lie. / ieglicher heim zu huse gie Pass
III
356,23
1.6
‘etw. zulassen, gewähren’
1.6.1
‘(jmdm./einer Sache) etw. gestatten,
gewähren’
nún tusent [...] / er tote
und nieman frid liess SHort
3235;
daz er die vart solt lâzen Ottok
83219;
zehant der kunig zu im sprach: / ‘erkennest du wol
den man?’ – / ‘ja, her. welt irs also lan, / so kenne ich in wol pey namen.’
HvNstAp
2113.
– mit Ersparung des Akk.:
der edele Rûal lieze / und hætez nôte verlân, /
ezn müese allez vür sich gân, / des sîn vriunt Tristan bæte
Tr
2178;
EvAug
5,7.
–
‘etw. (be)lassen’ (auch mit Dat.d.S.):
ich lâz des puoches ordnung ze latein
BdN
55,6;
das wir die nuwe mulin ze Celle heizen abe brechen vnd deme
wassere sinen alten rùns [Lauf] lassen
UrkCorp (WMU)
96,18
1.6.2
oft etw. âne haʒ/ nît/ zorn
~
‘(gleichmütig/ wohlwollend) zulassen, gewähren, zugestehen’, auch als
Litotes i.S.v. ‘sich wohl gefallen lassen’
ist iemen, dem gelinge baz, / daz laze ich iemer ane
haz Tannh
3,97;
Bêne unders küneges armen saz: / diu liez den kampf
gar âne haz Parz
686,2.
766,7;
KLD:BvH
8: 1,5;
NibB
296,3;
si mugen ez lâzen âne nît, / obe ich der wârheit ime
vergihe MF:Reinm
5: 5,3;
NibB
651,1;
Wig
6196;
StrAmis
59;
diz wort lazet ane zorn, / wen ichz vorswigen nicht
entar HeslApk
18570;
Iw
2391;
Wh
290,22;
StrAmis
1138
im Ggs. dazu:
er lat es niht durch smaehen haz
Tannh
1,20
1.6.3
hierher? nieman vür sich ~ (an gewalt)
‘niemanden (in Bezug auf Macht) vor sich lassen; niemandem mehr Macht als
die eigene zugestehen’
Nabuchodonosor sîn nam hiez, / an gewalt er nieman
für sich liez. / er was ein gewaltic man, / als ich von im gehœret
EnikWchr
16944
u.ö.;
der selbe keiser Lotharjus hiez, / an gewalt er nieman
für sich liez, / wan man vant nindert sîn gelîch EnikFb
956
1.7
‘etw. erlassen, nachlassen’, oft mit Dat.d.P.:
dô liez er die schulde / und swaz im leides was getân
Wig
11163;
Parz
301,2;
laz uns schulde unser als wir lazen scholæren unseren
[interl. zu dimitte nobis debita nostra sicut et nos
dimittimus debitoribus nostris
]
PsM
C 12,4.
24,18;
Walth
6,10;
HeslApk
2710;
HagenChr (G)
3058;
dem [Schächer]
her [Christus] liez allen sinen mein / durch eine
mezeliche bicht HeslApk
3214;
swer aber daz vͤber gieng, der sol von dem schaff ein pfunt pfenning
geben; des sol man im nihtsniht lazzen UrkCorp (WMU)
1796,24;
darzu ist mir lazzen aller hande dienst, der von demselben hof dem
gotshous drew iar an vnderlazz versezzen ist, vnd han ouch mich des selben hoves
fvrzicht getan UrkKlostern
1,126
(a. 1311);
UrbBayÄ
1910,b;
WüP
61,5
1.8
‘aussehen, sich (in bestimmter Weise) verhalten, benehmen,
einen gewissen Anblick bieten’ (vgl.
gelâʒ
stMN. u.
gelæʒe
sowie Schiller/ Lübben 2,636):
do begvnde er mit dem wibe / svfzen vnd weinen. / sie
liezzen durch in einen / alle iemerliche Herb
9798.
7530
u.ö.;
se liet als se onsinnich were MinneR 336
486;
din arger mut lat als daz swin Frl
11:9,16;
subst.:
dâ hôrter und vernam / in gazzen unde in strâzen / von
clage al solch gelâzen, / daz ez in muote starke Tr
6022
1.9
‘etw. fließen, hervorkommen lassen’
1.9.1
‘etw. fließen lassen’
der wermaten saf mit ochsengallen gemischet unde in
das ore gelassen vortribet das clophen Macer
3,24
u.ö.;
vnde laz iz in di ougen SalArz
38,26;
du lazest die brunnen in den telren [interl. zu que
emittis fontes in convallibus
]
PsM
103,10;
unze uns der niu Adam sines vater hulde gewan, / daz
er daz bluot an die erde liez AvaLJ
153,4.
– übertr.:
laze den zoren din [interl. zu effunde iram
tuam
]
PsM
78,6
1.9.2
‘etw. (überw. fließend Gedachtes) von sich geben,
hervorkommen lassen’
manigen zaher [Träne] er
lie dô er von in gie Gen
1821;
TürlArabel
*A 226,23;
der geliez nie vorhtlîchen sweiz Parz
145,6;
VRechte
136;
sus kan diu wunnebære / vil manigen siufzen lâzen
KvWTroj
15947.
16092;
er [Morolf] ließ vor der kunigin einen
großen furtz SalMor
244,2.
661,5
1.9.3
‘etw./sich (wachsend) ausstrecken’
[gesegnet ist, wer auf Gott vertraut] vnd wirt
als ein holz daz wirt gepelzet vf div wazzer, daz ze der viuhte lât wurzen
sîne [interl. zu quod ad humorem mittit radices suas
Ier 17,8]
PsM
Per 20,8;
jungez gras, / daz sich hie zu durch nuwe werde /
gelazen habe uz der erde Brun
11734
1.9.4
‘etw. (aus Schöpferkraft) hervorbringen,
erschaffen’
den dunre und diu blicschôz / von viurînem lufte lât /
dîn [Gottes] kraft RvEBarl
57;
der daz firmament gelazen hat / und in des hant gar elliu dinc
beslozzen stat, / der schirme mich vor dir mit siner tougen Wartb
(H)
371:19,4;
daz beste wîb mir leide tuot, / die got ûf erde hât
gelân SM:HvF
3: 2,4
1.10
(von Bewegungen) mit präp. Erg. oder Pron.-Adv., oft mit
Refl.-Pron. [vgl.
1.1.7.3
]
1.10.1
allg.:
er [Virgilius] sprach:
‘frou wol getân, / den korp sült ir her ab lân, / dâ wil ich sitzen in. /
[...].’ / zehant si den korp liez, / als sie
Virgilius dâ hiez EnikWchr
23903
1.10.2
etw./sich zesamene ~
‘etw./ sich zusammentun, vereinen’
wunde vnd gesvnde zesamen sich liezen
TürlArabel
*A 231,11;
ir kraft [Gefolgsleute]
sich do zesamne lie / vnd ilten ser vns nah ze varn ebd.
*A 241,16;
bas hilfet venchel saf unde hangalle
[...] das zusamene gelassen unde di ougen mit
bestrichen Macer
8,13
1.10.3
‘sich (an einen Ort/ von etw. weg) begeben,
bewegen’
er [der Falke] lïss sich
über die bome GTroj
8391;
in di wuste sich der liz HistAE
662;
was Got gn̈aden pegie / als er sich her von himel lie
Hawich
3378;
ob dv gotes svn bist. lazz dich
hinab [
mitte te deorsum Mt 4,6]
EvAug
5,20;
do lie sich aber wider dan / das mer [das
Rote Meer] an sine stat als ê RvEWchr
10941;
Quintilion sich gegen im [seinem
Gegner] liz Herb
5730.
17811;
Tr
12634;
HvNstAp
2140
1.10.4
sich an/ ûf diu knie ~
u.ä. ‘sich
niederknien’
daz ain [Pferd] daz lie
sich an diu kniu, / da ez den degen erste sach WhvÖst
4282;
fur den keiser er nv gie, / zetal liez er sich vf
ein knie TürlArabel
*R 316,14;
der dritte unde ouch sie beide / liezen zu gebet hie
/ sich mit andaht uf die knie Vät
10767.
21527
1.11
bezogen auf Aderlass (zur Sache s. LexMA 1,150f.)
1.11.1
ohne Dat. oder Akk. ‘zur Ader lassen’
1.11.1.1
ohne präp. Erg.:
da von wart ez verbotten, daz nieman lazin solte
an disen tagen MNat
17,34.
6,34.
14,19;
kain zeit ist pesser unnd nützer ze
lassenn [
ad minutionem
]
HvHürnh
37,11.
38,10;
des nehsten tages ließen sie alle vier
Lanc
456,11;
Herb
1982;
subst:
sô der mensch geswillet von dem lâzen
Barth
142,20;
KvMSph
23,20;
BdN
54,4
1.11.1.2
mit präp. Erg.
1.11.1.2.1
allg. ze (der) ader(n)
~ :
vnd swenne si siech sint oder ze ader hawent
gelazen, so sol man ir flizlichen vnd milticlichen phlegen
SpitEich
15,3;
Tr
15117;
SalArz
24,6;
der edele furste gelazen hatte zu der adirn
Köditz
23,10
1.11.1.2.2
zur Bestimmung des Ortes/ der Ader:
jst der houbit we uon dem blute. so la an der
houbit ader SalArz
30,31.
44,34;
la hinder den oren vnde an deme
slafe [an der Schläfe] an den adern
ebd.
38,52;
daz man auf der denken
[linken] hant oder auf dem denken arm
dâ für [Milzleiden] lâz
BdN
30,33;
der laze rechtirhalbin uz der ader an deme
kinne SalArz
31,22.
42,8
1.11.2
mit Dat.d.P. (und meist präp. Erg.) ‘jmdm. zur Ader
lassen’
so la deme sichen uf der rechtin hand an der ader di
da heizit basilica SalArz
55,10.
64,39.
77,18;
ir sult iu heizzen lâzen, / daz frumt iu zuo den
sachen Eracl
3580;
obir wir [= vier] tage zo
laz im denne abir Albrant
3,63.
1,7;
Lanc
456,10;
BdN
336,24.
– als Umschreibung für Kampfwunden:
die die wirtschaft dâ besâzen, / den was
almeistic lâzen / zer adern oder sus zem verhe Wh
449,2.
– als Tötungsmittel:
man liez im ûf der mêdiâ. / des muost er lân sîn
leben dâ / sanft unde lîse EnikWchr
23021
1.11.3
mit Akk. (und fakultativem Dat.)
1.11.3.1
‘(eine Ader) zum Aderlass verwenden, eine
bestimmte Ader lassen’
dor noch laz ym dy span odir
Albrant
3,63;
laz im uor dem houbite di mittel adern
SalArz
29,48;
das wir alle dry die ader laßen an dem rechten
arme Lanc
456,9
1.11.3.2
‘(Blut) durch Aderlass abgeben’
diseu truckent unnd krenckent den leib: das ist
[...] essenn gesaltzenn essenn, das pluet
übermaß lassenn [
minuendo mensuram
excedere
] , gar übel und traurigk gedänck habenn
HvHürnh
43,1;
[ich] weiz doch wol, ê ich ein argen zagen
getwünge ûf milten muot, / daz ich mit riemen lîhter twünge einen stein,
daz man im an der âder lieze bluot WernhSpr (Z)
73,14
1.11.3.3
mit Refl.-Pron. ‘sich durch Aderlass Blut nehmen
lassen’
da sprach Lancelot, im wurd nie gelaßen zur
adern; wolt myn herre Gawan, er dete sich laßen Lanc
456,10
2
nach Art eines Modalverbs mit Inf. eines weiteren Verbs ‘lassen,
zulassen, veranlassen (eine Handlung, einen Vorgang u.ä.)’; mit bestimmten
Verben (z.B. belîben, ligen, sîn, stân) ‘ablassen, bleiben lassen,
unterlassen’
2.1
ohne Erg. beim Inf.
2.1.1
stân
~
‘aufhören, einhalten’ (vgl. Öhmann, Lehnprägung, S. 74):
nein, dur got, lât stân! SM:Te
10: 3,7;
lât stân lieben brüeder, slahent iuwern bruoder niht
BuchdKg
6,3;
Tr
10199;
Herb
18227;
Frl
14:32,1
2.1.2
sîn
~
‘sein lassen, ablassen’
nu lâzze eht sîn SM:HvF
3: 3,7;
lâ sîn SM:AvR
2: 3,10;
KLD:BvH
16: 2,10
2.1.3
‘lassen, zulassen, erlauben, gestatten’ (hier nur
mit (be-)sëhen und explizierendem Nebensatz):
hilf, hilf, guot wîp, lâ besehen, / ob du brechen maht
/ sorgen bant MF:Wolfr
9: 3,1;
nû lâ sehen, wer mich gelêren kunne, / daz ich singe
niuwen sanc! MF:Mor
2: 3,11
2.2
mit Erg. beim Inf., die nicht Akk. sind
2.2.1
‘lassen, (eine Verbalhandlung) veranlassen,
bewirken’
die porten vant er uf getan, / dar in lies er balde
gan RvEWh
1370
2.2.2
‘lassen, (eine Verbalhandlung) zulassen, erlauben,
gestatten’
ach vil liebú tohter min, / laz an dinen gnaden sin
/ und tuͦ das, tohter min, durh mih RvEWchr
9127.
– mit Dat. (teils refl. Dat.):
das mir [der Kranken] der froͤden
úbermäß / wider stan und gan laß, / deß ich wenig hab gedingen
FrSchw
3664;
darzuo habe ich guot gedingen: / lât diu liebe mir
gelingen, / sô mag ich in fröiden wesen SM:JvW
3: 4,5;
SM:Wi
2: 2,4;
zu den bettecleideren an eime sacke,
[...] unde an eime kussene lâze im igelich
brûder genûgen StatDtOrd
39,15;
so wil der smerze / im nicht genügen lazen Frl
14:26,9;
lâz lingen dir [beeil dich, mach
schnell] ! Boner
48,34.
–
gâch sîn/ wësen
~ mit refl. Dat.:
lât iu sîn niht ze gâch NibB
425,2;
Tr
3185;
nû lâ dir wesen gâch Iw
958.
2143;
nu lâ dir von mir niht sîn sô gâch
Wh
122,2;
lâ dir nâch mir wesen gâch RvEBarl
5345
2.2.3
dar
gân ~
(in Richtung eines Gegners) ‘auf jmdn. losgehen,
einschlagen’
er erbeizte und hiez in ûf stân. / zesamene liezen si dar gân
Er
833;
die crichen alle gemeine / huben sich in engeine /
vnde liezzen so dar gan. / in kvnde niht vor bestan, / irn slegen noch irn
stichen Herb
13997.
5092.
7467;
Lanc
83,5
2.3
mit einem Akk. beim Inf.
2.3.1
Inf. von intr., unpersönl. (oder absol. gebrauchten tr.)
Verben (der Inf. erschiene in Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im
Aktiv, der Akk. als das Subjekt)
2.3.1.1
allg.:
in deme munde [des
Menschen] liez er [der
Schöpfergott] hangen eine zungen lange
Gen
124;
Vät
3.
8623;
di seli læt er von den sundin irstan
SuTheol
287;
nv sol ich vch wizzen lan, / wa von die rede ist
getan ReinFu
K,11;
la varn dine forhte! Lucid
154,7;
VRechte
87;
du la ligin den satin buch ÄJud
215;
JPhys
16,8.
20,7;
mid allin erin hizzer si biwarin, / er li si
vrolichin von imo varin LobSal
206;
Himmelr
3,32;
er wolde si lâzen leben SAlex
967;
nu la du den zorn din / uber mich verworhten niht
gan SüklV
432;
welt, nu lach mich des geniezzen, / daz ich dîner
fröiden ie leiter und venre ie was! SM:Te
11: 3,1;
MarseqM
50;
SM:JvW
5: 1,1;
ich wil daz ir in slâfen lât / unz morgen
StrAmis
2314;
StatDtOrd
35,15;
SpdtL
168,14;
laß es sieden BvgSp
49;
Macer
49,8;
Barth
136,22;
daz er diz unde daz, / zwîvel unde arcwân / allez
zeiner hant lie gân [er ließ es beiseite/ außer
Acht]
Tr
16514
(vgl.
ich lâze ez allez zeiner hant / beidiu liute unde
lant ebd.
14219
)
2.3.1.2
mit Ersparung des Inf.:
ich kume iu gerne, lânt sî mich Iw
5134;
[der Truchsess, der der Lüge überführt
wurde,] kunde sprechen noch gelân Tr
11255;
des wolde ich geswigen hân / und swige ouch noch,
und liezze er [der Fragende] mich SM:
Gl
3: 5,10;
SM:HvR
2: 2,5;
Lanc
4,10
2.3.1.3
mit halbpräd. Adj.:
wolt er sus ze mîme gebote stên, / gesunt lieze
i’n hinnen gên Parz
539,28;
dâ sterbent wan die veigen: die
lâzen [l. lâzent
‘lasst!’
] ligen tôt NibB
150,2
2.3.1.4
formelhaft (?):
so laze mich got leben, / sus getaner ratgeben /
ist luzel imme lande GrRud
#g+d#g-b 1
2.3.1.5
lôʒ gên
~
‘das Los ziehen/ entscheiden lassen (in Bezug auf etw.)’
sy crucegeten en unde teileten syne cleydere unde
lizen eyn loz ubir sy gen [
mittentes sortem super
eis Mc 15,24]
EvBerl
59,2.
– mit Ersparung des Inf.:
uf gewant minez liezen si ir loz [interl. zu
super uestem meam miserunt sortem
]
PsM
21,19;
sie teilten in mîne wât / und liezen lôz ûf
mîn gewant RvEBarl
2887.
2866;
dî Nattangin woldin dort / den gotin tûn ein
opfir grôz / und lîzin ire lôz / undir dî cristnin sâ, / dî sî
gevangin hattin dâ NvJer
11168
2.3.1.6
belîben/ ligen/ stân
~
‘bleiben lassen, ablassen von etw.’
durch gute la man dizz beliben!
Physiogn
332;
die rede lât belîben NibB
17,1;
Lucid
17,5;
KvWHvK
124;
die rede wil ich nu lazen ligen
TürlArabel
*R 73,24;
wie man in lobe und in spreche und in nenne, daz lâze ich ligen
Eckh
2:166,3;
daz wir di rache lazen stan VMos
61,22;
Eracl
2232
2.3.1.7
mit gân/ strîchen u.a. Bewegungsverben,
überwiegend von Reitern, die ihre Pferde antreiben, übergehend zu
‘(auf jmdn.) losgehen, (jmdn.) angreifen’; der Akk. ist meist
erspart (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 263f. mit zahlreichen
Belegen):
si liezen dar strîchen / mit verhancten zoumen
diu marc UvZLanz
4468;
sî wâren alle viere / ze orse komen schiere / und
liezen [die Pferde] von ein ander gân, /
dazs ir puneiz möhten hân Iw
5311;
die werden und die frischen / zein ander liezen hürten
KvWEngelh
2797;
diu ros nâmens mit den sporn / und liezen dare strîchen
En
8935.
7530;
Rab
665,3.
759,1;
si liezen zesamene strîchen / alsô krefteclîchen / sô si meiste
von ir sinnen / ûz den rossen mohten gewinnen Er
812.
766.
– mit den Pferden als Subj.:
von Munsalvæsche wâren sie, / beidiu ors,
diu alsus hie / liezen nâher strîchen / ûfen poynder hurteclîchen
Parz
679,25.
– in anderen Kontexten:
sie liezen dar strîchen [im
Zweikampf ohne Pferd] , / nû gâhen, nû entwîchen
Eracl
5091;
der ungehiure rise Urgân / er lie wol balde
hine gân / des endes, dâ diu stange lac Tr
16044;
der wint liez ouch dare gan / vnde warf
sie [auf den Wellen] vort vnde wider
Herb
17091;
nu loset, wie diu nahtegal dar nâher strîchen lât
[vgl. NeidhWB s.v.
strîchen
]
Neidh
SL 16:2,6
2.3.1.8
(er-/ în-)klingen
~
2.3.1.8.1
vom Klang der Waffen:
mîn swert lieze ich klingen / beidiu durch
îser unt durch vel [Haut]
Parz
747,10;
die liezen swert erklingen Wh
417,18;
PleierGar
4298;
UvEtzAlex
1568.
7507;
di liezzen ir swert chlingen / durch maneges heiden lip
StrKarl (S)
9648;
JTit
4135,2.
– mit Ersparung des Akk.-Obj.:
lâzâ klingen! Wh
413,1;
PleierGar
15900;
nu lat dar naher chlingen! Dietr
6578;
si liezzen dar chlingen / mit æislichen slegen
Rab
815,1;
do nam er Schemmingen [sein
Pferd] / ze beiden sporn, do liez er dar
chlingen ebd.
393,6.
395,1.
596,3;
JTit
137,2;
mit Ersparung des Inf.:
diese jungen recken / sie lant die
scharfen ecken GrRud
Cb 5
2.3.1.8.2
von Musik u.a., hier auch erklengen
~ :
Tristan der begunde / einen leich dô lâzen
clingen în Tr
3585.
17205;
ir niuwen sumerwîse / die liezen si dâ
clingen KvWTroj
10029;
KvWPart
17407;
si wil uf der linden alrest niwe clage lazen klingen
JTit
5170,4;
do liez der walt ir clage stimm erklengen ebd.
5138,3;
[so mancher Spieler] bi im selber treit /
sinen vint, der im widerseit, / die wurfel, wen er si let klingen
Jüngl
383
2.3.1.9
schînen ~
oder schîn wërden/
wësen ~
‘sichtbar werden lassen, zeigen, beweisen’
wol ir heiligin pilgerime / nu lat wol schinin /
durch waz ir uz sit komen Rol
246;
Gen
19;
du salt durh den willen mîn / hûte lâzen werden
schîn, / ob du bist alsô wîs, / alse man saget SAlex
6314;
nu lâ des wesen guot schîn, / daz dich got erwelt
hât Wernh
3326.
D 514.
D 1665.
D 4137;
mit Ersparung des Inf.:
ih wil dir lâzen schîn, / daz ih ein gwaldich got
bin SAlex
3006
2.3.2
mit sîn/ wësen
2.3.2.1
etw. sîn/ wësen
~
‘etw. sein lassen, unterlassen’
lâ du dîn rede wesen VAlex
422;
herr, lönd die rede sin! GTroj
2751;
ir frawen, ir sult [...]
ivr tuteln dazz der porte vnd ze dem venster mit den mannen lazen sin
PrBerthKl
4,25;
Lucid
130,3;
SM:JvW
6: 2,8;
Iw
178;
TannhHofz
69
2.3.2.2
jmdn./etw. (in best. Weise) sîn/ wësen
~ mit Prädikat (und fakultativem Dativ):
er ist ane zwivel / ein rehter lugenære; / lat in
iu sin ummære! Wahrh
54;
KvWHvK
118;
ich wil dich lazen vri wesen / dinev dinc solen
dir wole irgen VMos
14,23;
got lâz iuch iemer sâlich sîn VAlex
346;
lant mich ungehindert sin Mechth
1: 44,47;
lâ dir mîn leit geclaget sîn
KvWKlage
15,5;
SM:JvR
1: 6,4;
lât diz vingerlîn / einen geziuc der rede sîn
Iw
2945.
2136;
den sul wir voget wesen lân NibB
522,4;
Parz
715,29;
TannhBu
25;
MarlbRh
13,25;
Eckh
1:92,8
2.3.2.3
mit adv. Best.:
swie si mich doch lât in sorgen sîn SM:
WvT
1: 2,4;
ach, sî lie mich in jâmer sîn SM:
Had
5: 5,4;
des sol mir ir trôst niht wenken, / sie enlâze mich
ir sîn / [...] nâhen bî KLD: UvL
4: 4,4
2.3.2.4
mit Obj.-Satz:
laz sin daz [angenommen,
dass] nicht wen ein man / an dem kristengelouben si
bestan, / bi deme solde di kristenheit / zum gelouben komen widir, also
man seit Brun
11110;
‘nu lânt mit iwern hulden
sîn [gestattet, gewährt] ’ / sprach er
‘swes ich vrâge / und zeigt mir mîne mâge, / wan ich enweiz wer ich bin
[...] ’ UvZLanz
312
2.3.2.5
mit Ersparung des Inf. (s.a.
2
5Mhd. Gr. § S 232,2):
in der werlte ist manec man / valsch und
wandelbære, / der gerne biderbe wære, / wan daz in sîn herze enlât
Iw
201;
lâtz iu von mir niht swære [nehmt es
mir nicht übel]
Parz
555,7;
durch iwer zuht lât iu niht leit, / ob i’u mînen
kumber klage ebd.
24,18.
526,28.
535,22
2.3.3
Inf. von tr. Verben mit Akk.-Obj. (der Inf. erschiene in
Umwandlung der Inf.-Konstruktion als Verb im Passiv, der Akk. als das
Subjekt)
2.3.3.1
‘veranlassen, bewirken’
ne mache ich ivch nicht gesunt odir heilen, / so
lazet mich antwedir hahen odir steinen TrSilv
64;
daz her [...] / ein
munstir wirken lieze / vnd da samenen hieze / die gotis holden
Ägidius
750;
Tristrant ime geben liez / hundert sillinge /
guter sterlinge Eilh
St,7370;
SüklV
391;
Herb
56
2.3.3.2
Akk. ist Refl.-Pron. ‘lassen,
zulassen’
dar umb lie sich der heilig gotes sun an daz heilig
chruͤtze hahen PrOberalt
4,20.
4,30.
5,34;
wa lát si sich vínden? Tannh
1,101;
ein grâve wert von Bâre / lie sich in dirre parte
sehen KvWTurn
623;
sold ouch daz immer geschehen, / sô müeste si sich
lâzen sehen [zeigen, sich bewähren] , / daz si
wurde sô gehiwer, / daz von ir helfe stiwer / daz lant erben bekæme
Ottok
1848;
junger lúte hertze
[...], die von naturen wilde sint und
geneiget zuͦ der welte sint, daz sú sich múgent lossen zemmen und
vohen, und volgent gotte noch Tauler
60,5;
JPhys
11,37;
Spec
15,18;
Wahrh
96
– auch in Aussagen über Eigenschaften bzw.
Möglichkeiten unbelebter Subjekte:
er [der Stein
Calcedonius] enlat sich niht ergraben
HimmlJer
181;
ein anderslachte korn
[...] let sich ringe malen
SalArz
8,47
2.3.4
mit Inf., Akk. und Dat.:
ne la mir herre nit gewerren / mine manicfalden missetat
Litan
4;
[Gott] laze uns den tranc wol zemen!
TannhHofz
200;
lâze ez ime gevallen wol, / die wîle ez ime gevallen sol
Tr
15.
– refl. Dat.:
die wunnechlichen engel clar / geschûf got mit
worten gar, / daz liez er im gevallen GvJudenb
13;
nu lat iu die zuht behagen!
TannhHofz
225
2.4
mit Inf. eines Vollverbs und doppeltem Akk.:
lâ míh dîne stímma uernéman Will
148,2;
er liez si iz sehen und versten AvaLJ
50,3;
er liez sie habin ir ruwe Athis
A* 56;
got lazze uch sine hulde gewinnen Rol
838;
lâ mich dîn güete machen heil SM:Tu
6: 6,3;
sol er ez den gast selbe verkaufen lan in dem rehte als
davor geschrieben stat StRAugsb
46,13;
sît dû, herre, bist sô wol gemuot /
[...], / daz dû den sündære /
[...] dîn hulde haben lâst / durch dîne barmunge: /
des enist dehein zunge, / diu dich müge vol loben Eracl
56;
lâ mich trôst erwerben SM:KvL
9: 4,5;
KvWHerzm
202;
MarldA
221;
Lucid
158,6;
HvHürnh
18,7.
– mit Obj.-Satz anstelle eines Akk.:
ich wil iuch lâzen hœren, / wer Eraclîus wære
Eracl
106;
ich wil uch wissen lan, das vierhande rure ist:
dyssenteria, dyarria, lyenteria, cyliaca Macer
6,5;
nv schvlt ir hivte lazzin gniezzin die heiligin
christenheit, daz ivch min trehtin hivte hie gesamnet hat in sinem dienest
Spec
6,6.
– mit Refl.-Pron. und weiterem Akk.:
lât mich iuch machen gesunt Iw
5464;
lânt iuch mîn bitter ungemach / erbarmen, herre
tugentrîch! KvWSchwanr
442;
lâ mich, frowe, erbarmen dich! SM:St
9: 1,13;
SM:Te
2: 3,10;
sus liez ich sich weiden / mîniu ougen dar SM:
KvL
15: 2,7;
MarldA
244;
SüklU
59;
Hochz
124;
wes lazet ir vch disen gebvren schelden?
ReinFu
K,143;
UvZLanz
41;
mit Obj.-Satz:
lâz erbarmen dich, sprach ir gespil zehant, / daz mich
armen / niht geschuof diu gotes hant, / wan sî geschuof mich rîchen
KLD: BvH
7: 2,1
2.5
mit Part.Prät. statt Inf. ‘lassen, veranlassen’ (in
Rechtstexten):
daz dise rede vnde tat gantz vnde stete blibe, des han ich disen brief dar
vber lazen ge machet UrkWürzb
39,220
(a. 1323);
des han wir vnser jngesigel laezen gihenket an disen geinwertigen brief zv
eim vrkunde dar vber ebd.
40,198
(a. 1338);
vnd hebben vnse briven gegeven vnd beingesilelt [l.
beingesigelt mit einem Siegel versehen] laten
mit vnsen ingesigeln UrkCorp (WMU)
1612,30.
N572,31
MWB 3,3 923,49; Bearbeiter: Richter
lâʒguot
stN.
in rip./niederrh. Quellen (s.a. mnd. Belege im WMU s.v. und unter
lâʒhuobe).
vom Grundherrn gegen Zins oder Dienste überlassenes Grundstück oder Gut,
‘Lassgut’
beneficium quod lazgut dicitur DRW
8,726
(CDRhMos.; a. 1190);
qui etiam ab eadem ęcclesia beneficiatus erat bonis feodalibus et bonis
censualibus. que uulgo leenguͦt. et lazguͦt dicuntur UrkNiederrh
1,324
(a. 1176);
allodium et quoddam Laizguͦith. quę habuit Thesdorp ebd.
1,389
(a. 1197)
MWB 3,3 938,6; Bearbeiter: Richter
laʒheit
stF.
‘Trägheit, Nachlässigkeit’
als iclîche kunst gemêrt, / gewunnen und behaldin wert / mit
des lîbis ûbindir tât, / sust ouch iclîche tugint hât / von ûbene mêrunge breit /
und minrunge von lazheit NvJer
3123;
alle die sêle die von iuwern schulden verlorn werdent, von unrehtem gerihte,
von der lazheit des gerihtes, daz ir iuch versûmet oder vergâhet mit gerihte unde
witewen unde weisen und armen unde rîchen niht fride machet als verre ir müget unde
sült PrBerth
1:364,28;
lazheit: diu sol nu gên her in / mit irem gesinde, daz ich iu nenne /
[...]: / senfteleben und müezikeit, / ûfschieben und
unstêtikeit, / unflât und versiumikeit, / trâkeit und unverstandenheit
Renner
15962.
4361;
ich hân vernumen daz [...] man manige metten habe /
von lazheit lâzen ungesungen ebd.
16913.
16013-16037
u.ö.;
wer, daz der bote siech wͦrde, stuͤrbe oder geuangen wͦrde oder durch lazheit
antwͦrte versuͤnde [= versûmte
]
UrkCorp (WMU)
N408,37;
von trakheit noch von lazheit JTit
103,4;
HartmKlage (G)
1167;
Loheng
3620;
Lanc II
212,7;
Krone
11944;
LvRegSyon
2199
MWB 3,3 938,16; Bearbeiter: Richter
læʒic (?)
Adj.
‘zulässig, geziemend’
sin kleider, die er truc / waren ouch mitelmezec, / wand ez ist wol ezec
[l. wol lêzec, vgl. Diemer in WSB 48 (1864), S.
351
] , / swaz allen luten mite hilt / und idoch drunder
nicht engilt [La. enhilt
] / verborgene
valscheit. / sus waren disses herren kleit / nicht zu bose, nicht zu gut Pass
III
429,84
MWB 3,3 938,38; Bearbeiter: Richter
læʒlich
Adj.
vgl. dagegen
leʒlich
.
‘gering, leicht’ (im Gegensatz zu
houbethaftic
):
daz dehain rihtær noch amptman[...] gegen den
vorgenanten purgern ze Wienne iht suͦln haben ze rihten vͦber læzlich geschiht oder
vͦber hauptheftige, noch vͦber leiplich oder des gutes
[...], nvr alaine der statrihter UrkCorp
(WMU)
2345,15
MWB 3,3 938,45; Bearbeiter: Richter
laʒstein
stM.
→
laststein
MWB 3,3 938,52;
lâʒunge
stF.
1
‘Aderlassen’
2
‘Unterlassung’
3
‘Unterordnung, Sich-Gott-Überlassen’
1
‘Aderlassen’
swem di adre geswullen ist von der lazunge,
hirzwam [Hirschtrüffel] gezzen und kuwen mite
bestrichen, vertribet di swulst Macer
97,7
2
‘Unterlassung’
sprechen wir von den gesteltnüssen der sünde, die an der
lazunge lit oder an der tuowunge [
de specie peccati omissionis et
commissionis
]
ThvASu
172,20
3
‘Unterordnung, Sich-Gott-Überlassen’
daz virde ist: daz sich der mensche turre gote zu mâle lâzen und nicht
intsetzen in sîner lâzunge weder diz noch daz. [...] dirre
geist ensal nicht setzen weder diz noch daz, sunder her sal sich got lâzen setzen
war hin in got haben wil HvFritzlHl
238,20
MWB 3,3 938,53; Bearbeiter: Richter
laʒverticheit
stF.
‘Faulheit, Nachlässigkeit’
in der hizze wirstv irnivwit. vnd verbrennit an der tracheit. vnd an aller
lasvertikeit. daz dv denne rehte wirst ein nivwer mensche PrWack
56,341
MWB 3,3 939,3; Bearbeiter: Richter
laʒʒe
stF.
‘Müdigkeit’ (so BMZ 1,942b und Lexer 1,1845) oder
‘Sich-Gehen-Lassen’ (?):
dez wart mit leidez craft / Limenius vnd sin geselleschaft / vbir laden da
zemale / mit lazze vnd nidez strale / vnd von zornis vnsitten Martina
146,56
MWB 3,3 939,7; Bearbeiter: Richter
laʒʒe (?)
M.
‘Höriger, Minderfreier’ (s. 2HRG 3,1013-1015 s.v. Liten, vgl.
mnd. lat Schiller/ Lübben 2,634):
in villa W. VJ mansos litonum i.e. lazze DRW
8,717
(HHalberstUB.; a. 1189 kopial)
MWB 3,3 939,12; Bearbeiter: Richter
laʒʒen
swV.
1 intr. ‘laʒ sein oder werden’
1.1
‘säumen, träge sein’
1.2
‘nachlassen, geringer/ schwächer werden’
1.3 subst. ‘Säumen, Trägheit, Nachlassen’
2 tr. ‘jmdn./etw. laʒ machen, schwächen, träge machen,
aufhalten’
1
intr. ‘laʒ sein oder werden’
1.1
‘säumen, träge sein’
ich breng dich, dâ dû nims nâch gir / rîchir habe roubis
mê, / wen dû î gewunnes ê. / wes lîstû unde lazzis sô? NvJer
22408
1.2
‘nachlassen, geringer/ schwächer werden’
bi wilen lazzet mir daz leit / vnde wirt mir der freuden
me Herb
746;
nû lazte unde pûst [pausierte, kam einer
Pflicht nicht nach] / der Pettouwære darab
Ottok
24069;
sô daz [Haupt] mit siechtum
wirt betoubt, / zehant lazzent unde serbent [werden
krank] / alliu gelit und verderbent ebd.
24496;
dar nach uber manigen tac / begonde er ein teil lazzen /
und liez sich undervazzen / an dem herzen mit vulheit Pass I/II
(HSW)
14897;
Rennew
3484;
Kreuzf
5011.
–
ane etw. ~ :
er enlazzet daran niht, / daz dinc er ordenlich
verriht Ottok
22294;
dâvon er an freuden lazt ebd.
63308;
der an triwen nie gelazt, / von Beiern herzog Otte,
/ der kam dar mit grôzer rotte ebd.
69103
u.ö.;
diu kerge treit der milte haz, / [...], / diu
kerge lazzet an der schrift, / diu kerge an werdekeit ist gar verstummet
Boppe
1:4,11;
WhvÖst
12620
1.3
subst. ‘Säumen, Trägheit, Nachlassen’
ir wirde snel an prîse / und mîn dienest træge: /
[...] / mîn lazzen mac ir snelle niht ergâhen
Hadam
141,5;
waz sucht ir, meit, so spate in disen gazzen? / kein lazzen, / wir vazzen
/ die liebe Frl
1:4,15;
Daniel
2042.
–
âne/ sunder ~
:
die sele heilen / ane lazzen mit gebete
Daniel
1845;
an tentzen ir gerne gat / abendis uf den gazzen, /
tribet da ane lazzen / mit der jugent bose dinc ebd.
2934;
steteclich sunder lazzen ebd.
550
2
tr. ‘jmdn./etw. laʒ machen, schwächen, träge machen,
aufhalten’
si [Elisabeth] lazzet uwer [des
Fürsten] wirdekeit [indem sie dem Festmahl fern
bleibt]
Elis
2676;
alle die, / die si [die
Gegner] niht wellen lazzen hie Ottok
84652;
din [Gottes] bermede hat gelaszit / die rache zvͦ
aller stunde / gein vns vmme vnse sunde PrHess
63,176.
– mit Akk. und Gen. (s. Anm.z.St.) ‘etw. um etw. schmälern,
berauben’
daz vil manigen irret / hochswebender tugende, dem sus von art anders
nicht enwirret. / daz ist ein not, der [wenn einer]
richen mut kan grozen ellens lazzen Frl
5:49,6.
– mit Refl.-Pron.:
vil grâven von ir lande / begundenz an si hazzen; / wes
si sich wolde lazzen [weshalb sie sich davon
abhielte] , / daz se einen man niht næme, / der ir ze hêrren zæme
Parz
824,16;
ob wol der wille were balt, / doch lazzet sich di andacht
/ von des herzen umme tracht Pass I/II (HSW)
18037;
Permêniô sich niht lazzet. / under den werden begienc er mort
UvEtzAlex
8128
MWB 3,3 939,16; Bearbeiter: Richter
lê
stM.
auch stN. (
UrkCorp
N308,41.
N184,36
).
‘Hügel, Anhöhe’ (vgl.
lêwer
):
ich saz ûf eime grüenen lê, / dâ ensprungen bluomen unde clê / zwischen mir
und eime sê Walth
75,32;
si chomen in der maze / zu dem her oͮf einen le Dietr
6148;
jtem <1/2> ager nidewendig des grozsen lêz iuxta scultetum
UrkCorp (WMU)
N184,41;
seht wie des meres ünde / walgen ûf und ze tal: / sus vuor
der strît über al, / hie ûf slihte, dort ûf lê Wh
392,9;
Martina
251,8;
Helbl
5,14;
LobGesMar
13,3;
HvNstAp
4283;
WhvÖst
6154.
– übertr.:
hochvart ist uf der tugende le / ein blünder kle, / den nimmer me / versalwet
[beschmutzt] keiner schanden sne Frl
5:38,14;
da ich di blumen vinde / vol craft der suzen winde, / di sich czu der nwen e /
schrenken uz dem alden le, / dir zu lobe TvKulm
64;
Helbl
12,13.
– als Bestandteil eines Personennamens:
Johans an dem lewe UrkCorp (WMU)
2064,22
MWB 3,3 940,4; Bearbeiter: Richter
lêbart, lêbarte
stswM.
aus lat. leopardus;
auch leb(e)hart, lepart, lewart,
auch leo-, lew-, li(e)-.
1
‘Leopard’ (s.a. Batereau, Tiere, S. 45f. und Schmidtke,
Tierinterpr., S. 328–330) 1.1 allg. 1.2 in theologischer/ metaphorischer Auslegung, Träumen u.ä. 1.3 besondere Merkmale, auch in Vergleichen 1.3.1 das scheckige Fell 1.3.2 Schnelligkeit 1.3.3 Sprungvermögen 1.4 als Bildelement (z.B. auf Rüstung oder Schutzsteinen);
heraldisch kommt es zu Überschneidungen mit dem Löwen (vgl. G.
Scheibelreiter, Tiersymbolik und Wappen im Mittelalter, in: Das Mittelalter
12,1 (2007) , S. 9–23, hier S. 14f.) 2 als Bestandteil von Eigennamen (Personennamen und Hofname)
1
‘Leopard’ (s.a. Batereau, Tiere, S. 45f. und Schmidtke,
Tierinterpr., S. 328–330)
1.1
allg.:
von dem leoparden. leopardus ist ain tier geporn von dem
lewen und von dem parden BdN
145,6;
lewparten, lewen, wilde swein, / obentin und kamelein, /
ainhuren und rinoceros, / wisinttier und frosch HvNstAp
10138;
leparten, wolve, luchse, / hasen, tachs, fúchse
WernhMl
3683;
TrudHL
52,29;
Brun
637;
Rol
7095;
ReinFu
K,2006;
Wig
3878;
HvNstAp
6687.
8152;
StrKarl (S)
3630;
MarcoPolo
72,7.
– gezähmt oder in Gefangenschaft gehalten:
tigris, lêbarte, seltsæn tiere, / vil lewen wurden schiere / ûz irn
holn gelâzen / gegen im an die strâzen UvEtzAlex
14627;
RvEAlex
13282;
ouch het der mære degen balt / zwêne liebart erzogen, / die mit dem
helt vür unbetrogen / liefen swâ er kêrte, die wâren sô gelêrte, / daz sie
tâten swaz er in gebôt PleierTand
9106
u.ö.;
der leopard wirt zam etswenne, aber er wirt nümmer sô
zam, daz er seiner grimmichait vergezz BdN
145,17;
als Geschenk:
si sante mir pantêre / seszich unde mêre / und
hundrit liebarte, / di dâ loufint harte SAlex
5555.
– abgerichtet für die Jagd:
si habent die leoparden pei in, die in daz wilt
vâhent BdN
493,18.
145,27;
man setzet valken und lêbarten / hûben ûf, daz si niht warten
[spähen] / hin und her Renner
10035;
MarcoPolo
21,5;
JTit
1678,3
1.2
in theologischer/ metaphorischer Auslegung, Träumen
u.ä.:
ez [das Untier, das den Antichrist bezeichnet]
was eim lebarte gelich, / wan der selbe wuoterich / hat misliche lere, / nu
demuote, denne here LAntichr
449;
der man bezeichent di unkuscheit, / der lebehart den
sunder so man seit, / der lewe di hochvartikeit Brun
2591.
9403;
HistAE
4332;
Litan
114;
daz êrste tier was ain liebarte; / der vier arenvetech
habete, / der bezaichinet den Chrîchisken Alexandrum, / der mit vier hern vuor
after lande Kchr
536;
Anno
14,1;
und wundert mich sere warumb yn Merlin ein lepart hieß;
sit der lewe werder ist dann der lepart, darumb solt er yn zu recht eim lewen
geglichet han Lanc
504,10.
505,1
1.3
besondere Merkmale, auch in Vergleichen
1.3.1
das scheckige Fell:
lebeharde mit den vil
wehen [bunten] vlecken Brun
9401;
En
5261;
ûf den goffen
[Hinterbacken] hâtiz rindis hâr, / an den
sîten liebarten mâl: / sô sarrazîn joh cristinman / nie nihein bezzer ros
gwan SAlex
291.
5483;
im stuͦnden gar die guffe wol / gevar rehte alsam ein
lebart / (nie dehein oͤrshe [Pferd] der varwe
wart) Rennew
2701;
GTroj
4252;
des môres hût unsanfte lât / ir swarze varwe, die si hât: / des
lêbarten hiute sam geschiht, / diu enlât ir maneger flecken niht
[vgl. Ier 13,21] : / als wizzet, daz ein übel
man / sîn übel niht vermîden kan Freid
88,21;
sô der môr die swerze lât / und ouch der liebarte / sîne vêhe swarten,
/ sô tuost ouch dû vil lîhte wol [dann erst wirst du Gutes
tun] ; / du bist des übels alsô vol LBarl
13466;
ein liepart nie sô vêher / an maniger varbe wart
gesehen, / als man dem kunic muoste jehen / daz sîn gemüete
wære [= er ist wankelmütig]
Ottok
2058;
der [Ovid] nam den vrowen ere und gab in
mal, daz lewart nie so schecker / wart, dann er di frowen hat gemeilet
JTit
263,2
1.3.2
Schnelligkeit:
daz münechlîn gar snelle / kam als ein liebart her gevarn
Mönchl
155;
die wurden zornic vnde snel als der lebarte
Lucid
61,8;
dar qvam der zobel vnd der mart / vnd der lewart snel
ReinFu
K,1337;
hierher (?):
si sante mir pantêre / seszich unde mêre / und
hundrit liebarte, / di dâ loufint harte SAlex
5555
1.3.3
Sprungvermögen:
swer lobt des snecken springen / und des ohsen singen, / der kam nie,
dâ der lêbart spranc / noch dâ diu nahtegale sanc Freid
139,21;
ein snegge vúr einen lehpart wol tusent klafter lang sprang
[Motiv der verkehrten Welt]
Marner (W)
6:11,4;
RvZw
160,6;
Pass I/II (HSW)
34690;
[der gejagte Hirsch] entran den hofwarten, / die
in sam die lewarten / von sprunge waren an chumen StrKD
7,50;
daz half dem schermmeister, daz er wîte spranc / alsam ein lêbart
wilde Kudr
361,2;
Bit
9339;
EckenlE2
36,7.
– die drei Sprünge des ~ :
der lêbart ist ein snellez tier, / und swaz er niht begrîfen
schier / mac mit wîten sprüngen drîn, / nâch dem lêt er sîn loufen sîn
Renner
19367;
[aus der Vereinigung von pardus und Löwin
entsteht] snel, vêch, in valwer varwe der lêparte, /
des snelheit nicht entrinnen kan / in sprüngen drîn, swaz loufens pfligt
ûf erden Boppe
1:7,10;
[eine Dame ist] noch süzer dan dem hering
dünke wazzers glins, / [...], / noch süzer dan
dem lebartin / dri roubes gernde sprünge sin, /
[...], / noch süzer dan dem kempfen siges
crone Frl
3:18,9;
vgl.:
wenne man in zuo jagen ablæzt und er daz tier in
dem vierden oder in dem fünften sprung niht begreift, sô stêt er still
zorniger und grimmiger BdN
145,20;
hier symbolisch für Christus:
du reiniu
creatiure [Maria] / gebære uns den vil
zarten / erwelten lebarten, / des drivalteclicher sprunc [an
das Kreuz, unter die Erde (Grab), in die Hölle] / daz
wilde tier, alt unde junc, / mac ergahen, so man giht
KvWGS
746
1.4
als Bildelement (z.B. auf Rüstung oder Schutzsteinen);
heraldisch kommt es zu Überschneidungen mit dem Löwen (vgl. G.
Scheibelreiter, Tiersymbolik und Wappen im Mittelalter, in: Das Mittelalter
12,1 (2007), S. 9–23, hier S. 14f.):
mit golde lieht von Arâbîn / was im [dem
Schild] sîn velt bedecket, / und wâren drîn gestrecket /
entwerhes drî lêbarten KvWTurn
313;
Altistrates von hoher art / trug den starcken libart /
[...] / in ainem roten schilte
HvNstAp
17649;
mit dem lebarten paniere ebd.
17833.
17828;
ein wapen, [...] / das was ein richer lebart / vf
zobel von harm gesnitten Krone
18093;
GTroj
4252;
uf dem helm sich regte / mit sprungen ain lebart
WhvÖst
15557.
15568;
PleierGar
10833.
– apotropäisch:
auf aim swarzen stain ain mensch, der sitzt auf aim
leoparden und hât ain rœrn in der hant,
der [Stein] ist guot wider diu pœsen tier und
wider ertrinken in wazzer BdN
470,36
2
als Bestandteil von Eigennamen (Personennamen und Hofname):
Cuͤnrat Lebarte UrkCorp (WMU)
2550,41;
der alte Lebarte ebd.
2550,31;
hus vnd houestat zuͦ dem lehbarten ebd.
3252AB,5
MWB 3,3 940,23; Bearbeiter: Richter
lêbartinne
stF.
‘Leopardin, Leopardenweibchen’
der tier fräulein sint krenker wan [schwächer
als] die man, ân [bis auf] diu perinne
und diu leupartinne BdN
116,8
MWB 3,3 942,21; Bearbeiter: Richter
lëbe
stM.
→
lëwe
MWB 3,3 942,25;
lëbehaft
Adj.
auch leben-, lebenthaft.
‘lebend, lebendig’ (vgl. auch
lîphaft
):
vrouwe, nû mâzet iuwer klagen! / jâne kan niemen entsagen / wol dem andern den
tôt. / werte nû immer disiu nôt, / sine wurden doch niht lebhaft
KlageB
3751;
KvWPart
6394;
daz was dc loͮp mînes herzen, daz er mir gab leibinthaften
lîp, uirnunstecliche sêle, willigen geist TrudHL
24,13;
hette ich doch solcher stimme kraft / als der lewe, der lebenhaft
[lebendig, ins Leben] / uz schriet sine jungen
SchülerA
A 532
(
vgl.:
sô wolde ich schrîen âne schame / und lûte ruofen rehte alsame / der lewe
sînen kinden, / daz si daz leben finden ebd.
B 739-42
).
– subst. oder flekt. präd. Adj.:
der selbe [Gott] hiez mich werden,
/ und allez daz lebehaftes ist Wh
215,15
MWB 3,3 942,26; Bearbeiter: Hansen
lëbehaftic
Adj.
auch lebenhaftic.
‘lebend, lebendig’
daz dritt ist daz, daz der mensch vergangen
[überwunden] hab alle lebhaftig dinch Eckh
(J)
37,16;
mach mich lebenhaftig [
vivifica me Ps
118,17]
PsMb
33(Glossar)
MWB 3,3 942,42; Bearbeiter: Hansen
lebeküechære
stM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565 s.v. Lebkuchen).
‘Lebkuchenbäcker’, als Bestandteil von Orts- und Personennamen (vgl. auch
ZGO 15,34 mit einem weiteren Beleg):
in vico dicto lebekuͤchergassen UrkSpeyer
272,39
(a. 1321);
Hiltegundis conversa, dicta Lebekucher UrkKraich
13,421
(a. 1298);
BerufeFrankf
76b
MWB 3,3 942,47; Bearbeiter: Hansen
lebekuoche
swM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565).
‘Lebkuchen’
libum: lebkuͦch, lepkuͦch VocOpt
13.209.
13.210.
– bildl.:
so ist diz lebekvoche / daz clare gotes antliute / daz iemer me vnd och hute /
süeze spiset dez geistes munt Martina
248,98
MWB 3,3 942,55; Bearbeiter: Hansen |