l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic læʒlich Adj. laʒstein stM. lâʒunge stF. laʒverticheit stF. laʒʒe stF. laʒʒe (?) M. laʒʒen swV. lê stM. lêbart stswM. lêbartinne stF. lëbe stM. lëbehaft Adj. lëbehaftic Adj. lebeküechære stM. lebekuoche swM. lëbelich Adj. lëbelîche stF. lëbelîcheit stF. lëbelôs Adj. lëbemeister stM. leben swV. lëben swV. lëben stN. lëbende Part.-Adj. lëbendic Adj. lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
læʒlich
Adj.
vgl. dagegen
leʒlich
.
‘gering, leicht’ (im Gegensatz zu
houbethaftic
):
daz dehain rihtær noch amptman[...] gegen den
vorgenanten purgern ze Wienne iht suͦln haben ze rihten vͦber læzlich geschiht oder
vͦber hauptheftige, noch vͦber leiplich oder des gutes
[...], nvr alaine der statrihter UrkCorp
(WMU)
2345,15
MWB 3,3 938,45; Bearbeiter: Richter
laʒstein
stM.
→
laststein
MWB 3,3 938,52;
lâʒunge
stF.
1
‘Aderlassen’
2
‘Unterlassung’
3
‘Unterordnung, Sich-Gott-Überlassen’
1
‘Aderlassen’
swem di adre geswullen ist von der lazunge,
hirzwam [Hirschtrüffel] gezzen und kuwen mite
bestrichen, vertribet di swulst Macer
97,7
2
‘Unterlassung’
sprechen wir von den gesteltnüssen der sünde, die an der
lazunge lit oder an der tuowunge [
de specie peccati omissionis et
commissionis
]
ThvASu
172,20
3
‘Unterordnung, Sich-Gott-Überlassen’
daz virde ist: daz sich der mensche turre gote zu mâle lâzen und nicht
intsetzen in sîner lâzunge weder diz noch daz. [...] dirre
geist ensal nicht setzen weder diz noch daz, sunder her sal sich got lâzen setzen
war hin in got haben wil HvFritzlHl
238,20
MWB 3,3 938,53; Bearbeiter: Richter
laʒverticheit
stF.
‘Faulheit, Nachlässigkeit’
in der hizze wirstv irnivwit. vnd verbrennit an der tracheit. vnd an aller
lasvertikeit. daz dv denne rehte wirst ein nivwer mensche PrWack
56,341
MWB 3,3 939,3; Bearbeiter: Richter
laʒʒe
stF.
‘Müdigkeit’ (so BMZ 1,942b und Lexer 1,1845) oder
‘Sich-Gehen-Lassen’ (?):
dez wart mit leidez craft / Limenius vnd sin geselleschaft / vbir laden da
zemale / mit lazze vnd nidez strale / vnd von zornis vnsitten Martina
146,56
MWB 3,3 939,7; Bearbeiter: Richter
laʒʒe (?)
M.
‘Höriger, Minderfreier’ (s. 2HRG 3,1013-1015 s.v. Liten, vgl.
mnd. lat Schiller/ Lübben 2,634):
in villa W. VJ mansos litonum i.e. lazze DRW
8,717
(HHalberstUB.; a. 1189 kopial)
MWB 3,3 939,12; Bearbeiter: Richter
laʒʒen
swV.
1 intr. ‘laʒ sein oder werden’
1.1
‘säumen, träge sein’
1.2
‘nachlassen, geringer/ schwächer werden’
1.3 subst. ‘Säumen, Trägheit, Nachlassen’
2 tr. ‘jmdn./etw. laʒ machen, schwächen, träge machen,
aufhalten’
1
intr. ‘laʒ sein oder werden’
1.1
‘säumen, träge sein’
ich breng dich, dâ dû nims nâch gir / rîchir habe roubis
mê, / wen dû î gewunnes ê. / wes lîstû unde lazzis sô? NvJer
22408
1.2
‘nachlassen, geringer/ schwächer werden’
bi wilen lazzet mir daz leit / vnde wirt mir der freuden
me Herb
746;
nû lazte unde pûst [pausierte, kam einer
Pflicht nicht nach] / der Pettouwære darab
Ottok
24069;
sô daz [Haupt] mit siechtum
wirt betoubt, / zehant lazzent unde serbent [werden
krank] / alliu gelit und verderbent ebd.
24496;
dar nach uber manigen tac / begonde er ein teil lazzen /
und liez sich undervazzen / an dem herzen mit vulheit Pass I/II
(HSW)
14897;
Rennew
3484;
Kreuzf
5011.
–
ane etw. ~ :
er enlazzet daran niht, / daz dinc er ordenlich
verriht Ottok
22294;
dâvon er an freuden lazt ebd.
63308;
der an triwen nie gelazt, / von Beiern herzog Otte,
/ der kam dar mit grôzer rotte ebd.
69103
u.ö.;
diu kerge treit der milte haz, / [...], / diu
kerge lazzet an der schrift, / diu kerge an werdekeit ist gar verstummet
Boppe
1:4,11;
WhvÖst
12620
1.3
subst. ‘Säumen, Trägheit, Nachlassen’
ir wirde snel an prîse / und mîn dienest træge: /
[...] / mîn lazzen mac ir snelle niht ergâhen
Hadam
141,5;
waz sucht ir, meit, so spate in disen gazzen? / kein lazzen, / wir vazzen
/ die liebe Frl
1:4,15;
Daniel
2042.
–
âne/ sunder ~
:
die sele heilen / ane lazzen mit gebete
Daniel
1845;
an tentzen ir gerne gat / abendis uf den gazzen, /
tribet da ane lazzen / mit der jugent bose dinc ebd.
2934;
steteclich sunder lazzen ebd.
550
2
tr. ‘jmdn./etw. laʒ machen, schwächen, träge machen,
aufhalten’
si [Elisabeth] lazzet uwer [des
Fürsten] wirdekeit [indem sie dem Festmahl fern
bleibt]
Elis
2676;
alle die, / die si [die
Gegner] niht wellen lazzen hie Ottok
84652;
din [Gottes] bermede hat gelaszit / die rache zvͦ
aller stunde / gein vns vmme vnse sunde PrHess
63,176.
– mit Akk. und Gen. (s. Anm.z.St.) ‘etw. um etw. schmälern,
berauben’
daz vil manigen irret / hochswebender tugende, dem sus von art anders
nicht enwirret. / daz ist ein not, der [wenn einer]
richen mut kan grozen ellens lazzen Frl
5:49,6.
– mit Refl.-Pron.:
vil grâven von ir lande / begundenz an si hazzen; / wes
si sich wolde lazzen [weshalb sie sich davon
abhielte] , / daz se einen man niht næme, / der ir ze hêrren zæme
Parz
824,16;
ob wol der wille were balt, / doch lazzet sich di andacht
/ von des herzen umme tracht Pass I/II (HSW)
18037;
Permêniô sich niht lazzet. / under den werden begienc er mort
UvEtzAlex
8128
MWB 3,3 939,16; Bearbeiter: Richter
lê
stM.
auch stN. (
UrkCorp
N308,41.
N184,36
).
‘Hügel, Anhöhe’ (vgl.
lêwer
):
ich saz ûf eime grüenen lê, / dâ ensprungen bluomen unde clê / zwischen mir
und eime sê Walth
75,32;
si chomen in der maze / zu dem her oͮf einen le Dietr
6148;
jtem <1/2> ager nidewendig des grozsen lêz iuxta scultetum
UrkCorp (WMU)
N184,41;
seht wie des meres ünde / walgen ûf und ze tal: / sus vuor
der strît über al, / hie ûf slihte, dort ûf lê Wh
392,9;
Martina
251,8;
Helbl
5,14;
LobGesMar
13,3;
HvNstAp
4283;
WhvÖst
6154.
– übertr.:
hochvart ist uf der tugende le / ein blünder kle, / den nimmer me / versalwet
[beschmutzt] keiner schanden sne Frl
5:38,14;
da ich di blumen vinde / vol craft der suzen winde, / di sich czu der nwen e /
schrenken uz dem alden le, / dir zu lobe TvKulm
64;
Helbl
12,13.
– als Bestandteil eines Personennamens:
Johans an dem lewe UrkCorp (WMU)
2064,22
MWB 3,3 940,4; Bearbeiter: Richter
lêbart, lêbarte
stswM.
aus lat. leopardus;
auch leb(e)hart, lepart, lewart,
auch leo-, lew-, li(e)-.
1
‘Leopard’ (s.a. Batereau, Tiere, S. 45f. und Schmidtke,
Tierinterpr., S. 328–330) 1.1 allg. 1.2 in theologischer/ metaphorischer Auslegung, Träumen u.ä. 1.3 besondere Merkmale, auch in Vergleichen 1.3.1 das scheckige Fell 1.3.2 Schnelligkeit 1.3.3 Sprungvermögen 1.4 als Bildelement (z.B. auf Rüstung oder Schutzsteinen);
heraldisch kommt es zu Überschneidungen mit dem Löwen (vgl. G.
Scheibelreiter, Tiersymbolik und Wappen im Mittelalter, in: Das Mittelalter
12,1 (2007) , S. 9–23, hier S. 14f.) 2 als Bestandteil von Eigennamen (Personennamen und Hofname)
1
‘Leopard’ (s.a. Batereau, Tiere, S. 45f. und Schmidtke,
Tierinterpr., S. 328–330)
1.1
allg.:
von dem leoparden. leopardus ist ain tier geporn von dem
lewen und von dem parden BdN
145,6;
lewparten, lewen, wilde swein, / obentin und kamelein, /
ainhuren und rinoceros, / wisinttier und frosch HvNstAp
10138;
leparten, wolve, luchse, / hasen, tachs, fúchse
WernhMl
3683;
TrudHL
52,29;
Brun
637;
Rol
7095;
ReinFu
K,2006;
Wig
3878;
HvNstAp
6687.
8152;
StrKarl (S)
3630;
MarcoPolo
72,7.
– gezähmt oder in Gefangenschaft gehalten:
tigris, lêbarte, seltsæn tiere, / vil lewen wurden schiere / ûz irn
holn gelâzen / gegen im an die strâzen UvEtzAlex
14627;
RvEAlex
13282;
ouch het der mære degen balt / zwêne liebart erzogen, / die mit dem
helt vür unbetrogen / liefen swâ er kêrte, die wâren sô gelêrte, / daz sie
tâten swaz er in gebôt PleierTand
9106
u.ö.;
der leopard wirt zam etswenne, aber er wirt nümmer sô
zam, daz er seiner grimmichait vergezz BdN
145,17;
als Geschenk:
si sante mir pantêre / seszich unde mêre / und
hundrit liebarte, / di dâ loufint harte SAlex
5555.
– abgerichtet für die Jagd:
si habent die leoparden pei in, die in daz wilt
vâhent BdN
493,18.
145,27;
man setzet valken und lêbarten / hûben ûf, daz si niht warten
[spähen] / hin und her Renner
10035;
MarcoPolo
21,5;
JTit
1678,3
1.2
in theologischer/ metaphorischer Auslegung, Träumen
u.ä.:
ez [das Untier, das den Antichrist bezeichnet]
was eim lebarte gelich, / wan der selbe wuoterich / hat misliche lere, / nu
demuote, denne here LAntichr
449;
der man bezeichent di unkuscheit, / der lebehart den
sunder so man seit, / der lewe di hochvartikeit Brun
2591.
9403;
HistAE
4332;
Litan
114;
daz êrste tier was ain liebarte; / der vier arenvetech
habete, / der bezaichinet den Chrîchisken Alexandrum, / der mit vier hern vuor
after lande Kchr
536;
Anno
14,1;
und wundert mich sere warumb yn Merlin ein lepart hieß;
sit der lewe werder ist dann der lepart, darumb solt er yn zu recht eim lewen
geglichet han Lanc
504,10.
505,1
1.3
besondere Merkmale, auch in Vergleichen
1.3.1
das scheckige Fell:
lebeharde mit den vil
wehen [bunten] vlecken Brun
9401;
En
5261;
ûf den goffen
[Hinterbacken] hâtiz rindis hâr, / an den
sîten liebarten mâl: / sô sarrazîn joh cristinman / nie nihein bezzer ros
gwan SAlex
291.
5483;
im stuͦnden gar die guffe wol / gevar rehte alsam ein
lebart / (nie dehein oͤrshe [Pferd] der varwe
wart) Rennew
2701;
GTroj
4252;
des môres hût unsanfte lât / ir swarze varwe, die si hât: / des
lêbarten hiute sam geschiht, / diu enlât ir maneger flecken niht
[vgl. Ier 13,21] : / als wizzet, daz ein übel
man / sîn übel niht vermîden kan Freid
88,21;
sô der môr die swerze lât / und ouch der liebarte / sîne vêhe swarten,
/ sô tuost ouch dû vil lîhte wol [dann erst wirst du Gutes
tun] ; / du bist des übels alsô vol LBarl
13466;
ein liepart nie sô vêher / an maniger varbe wart
gesehen, / als man dem kunic muoste jehen / daz sîn gemüete
wære [= er ist wankelmütig]
Ottok
2058;
der [Ovid] nam den vrowen ere und gab in
mal, daz lewart nie so schecker / wart, dann er di frowen hat gemeilet
JTit
263,2
1.3.2
Schnelligkeit:
daz münechlîn gar snelle / kam als ein liebart her gevarn
Mönchl
155;
die wurden zornic vnde snel als der lebarte
Lucid
61,8;
dar qvam der zobel vnd der mart / vnd der lewart snel
ReinFu
K,1337;
hierher (?):
si sante mir pantêre / seszich unde mêre / und
hundrit liebarte, / di dâ loufint harte SAlex
5555
1.3.3
Sprungvermögen:
swer lobt des snecken springen / und des ohsen singen, / der kam nie,
dâ der lêbart spranc / noch dâ diu nahtegale sanc Freid
139,21;
ein snegge vúr einen lehpart wol tusent klafter lang sprang
[Motiv der verkehrten Welt]
Marner (W)
6:11,4;
RvZw
160,6;
Pass I/II (HSW)
34690;
[der gejagte Hirsch] entran den hofwarten, / die
in sam die lewarten / von sprunge waren an chumen StrKD
7,50;
daz half dem schermmeister, daz er wîte spranc / alsam ein lêbart
wilde Kudr
361,2;
Bit
9339;
EckenlE2
36,7.
– die drei Sprünge des ~ :
der lêbart ist ein snellez tier, / und swaz er niht begrîfen
schier / mac mit wîten sprüngen drîn, / nâch dem lêt er sîn loufen sîn
Renner
19367;
[aus der Vereinigung von pardus und Löwin
entsteht] snel, vêch, in valwer varwe der lêparte, /
des snelheit nicht entrinnen kan / in sprüngen drîn, swaz loufens pfligt
ûf erden Boppe
1:7,10;
[eine Dame ist] noch süzer dan dem hering
dünke wazzers glins, / [...], / noch süzer dan
dem lebartin / dri roubes gernde sprünge sin, /
[...], / noch süzer dan dem kempfen siges
crone Frl
3:18,9;
vgl.:
wenne man in zuo jagen ablæzt und er daz tier in
dem vierden oder in dem fünften sprung niht begreift, sô stêt er still
zorniger und grimmiger BdN
145,20;
hier symbolisch für Christus:
du reiniu
creatiure [Maria] / gebære uns den vil
zarten / erwelten lebarten, / des drivalteclicher sprunc [an
das Kreuz, unter die Erde (Grab), in die Hölle] / daz
wilde tier, alt unde junc, / mac ergahen, so man giht
KvWGS
746
1.4
als Bildelement (z.B. auf Rüstung oder Schutzsteinen);
heraldisch kommt es zu Überschneidungen mit dem Löwen (vgl. G.
Scheibelreiter, Tiersymbolik und Wappen im Mittelalter, in: Das Mittelalter
12,1 (2007), S. 9–23, hier S. 14f.):
mit golde lieht von Arâbîn / was im [dem
Schild] sîn velt bedecket, / und wâren drîn gestrecket /
entwerhes drî lêbarten KvWTurn
313;
Altistrates von hoher art / trug den starcken libart /
[...] / in ainem roten schilte
HvNstAp
17649;
mit dem lebarten paniere ebd.
17833.
17828;
ein wapen, [...] / das was ein richer lebart / vf
zobel von harm gesnitten Krone
18093;
GTroj
4252;
uf dem helm sich regte / mit sprungen ain lebart
WhvÖst
15557.
15568;
PleierGar
10833.
– apotropäisch:
auf aim swarzen stain ain mensch, der sitzt auf aim
leoparden und hât ain rœrn in der hant,
der [Stein] ist guot wider diu pœsen tier und
wider ertrinken in wazzer BdN
470,36
2
als Bestandteil von Eigennamen (Personennamen und Hofname):
Cuͤnrat Lebarte UrkCorp (WMU)
2550,41;
der alte Lebarte ebd.
2550,31;
hus vnd houestat zuͦ dem lehbarten ebd.
3252AB,5
MWB 3,3 940,23; Bearbeiter: Richter
lêbartinne
stF.
‘Leopardin, Leopardenweibchen’
der tier fräulein sint krenker wan [schwächer
als] die man, ân [bis auf] diu perinne
und diu leupartinne BdN
116,8
MWB 3,3 942,21; Bearbeiter: Richter
lëbe
stM.
→
lëwe
MWB 3,3 942,25;
lëbehaft
Adj.
auch leben-, lebenthaft.
‘lebend, lebendig’ (vgl. auch
lîphaft
):
vrouwe, nû mâzet iuwer klagen! / jâne kan niemen entsagen / wol dem andern den
tôt. / werte nû immer disiu nôt, / sine wurden doch niht lebhaft
KlageB
3751;
KvWPart
6394;
daz was dc loͮp mînes herzen, daz er mir gab leibinthaften
lîp, uirnunstecliche sêle, willigen geist TrudHL
24,13;
hette ich doch solcher stimme kraft / als der lewe, der lebenhaft
[lebendig, ins Leben] / uz schriet sine jungen
SchülerA
A 532
(
vgl.:
sô wolde ich schrîen âne schame / und lûte ruofen rehte alsame / der lewe
sînen kinden, / daz si daz leben finden ebd.
B 739-42
).
– subst. oder flekt. präd. Adj.:
der selbe [Gott] hiez mich werden,
/ und allez daz lebehaftes ist Wh
215,15
MWB 3,3 942,26; Bearbeiter: Hansen
lëbehaftic
Adj.
auch lebenhaftic.
‘lebend, lebendig’
daz dritt ist daz, daz der mensch vergangen
[überwunden] hab alle lebhaftig dinch Eckh
(J)
37,16;
mach mich lebenhaftig [
vivifica me Ps
118,17]
PsMb
33(Glossar)
MWB 3,3 942,42; Bearbeiter: Hansen
lebeküechære
stM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565 s.v. Lebkuchen).
‘Lebkuchenbäcker’, als Bestandteil von Orts- und Personennamen (vgl. auch
ZGO 15,34 mit einem weiteren Beleg):
in vico dicto lebekuͤchergassen UrkSpeyer
272,39
(a. 1321);
Hiltegundis conversa, dicta Lebekucher UrkKraich
13,421
(a. 1298);
BerufeFrankf
76b
MWB 3,3 942,47; Bearbeiter: Hansen
lebekuoche
swM.
oder lëbe-? (Etymologie unklar, vgl. 2
5Kluge, S.
565).
‘Lebkuchen’
libum: lebkuͦch, lepkuͦch VocOpt
13.209.
13.210.
– bildl.:
so ist diz lebekvoche / daz clare gotes antliute / daz iemer me vnd och hute /
süeze spiset dez geistes munt Martina
248,98
MWB 3,3 942,55; Bearbeiter: Hansen
lëbelich
Adj. , -lîche
Adv.
auch leben-, lebentlich
(
MarHimmelf
1779;
Kröllwitz
1123(La.)
);
adv. auch -lîchen; s.a.
lieplich
.
1
‘lebend, lebendig’
1.1 allg. 1.2 im Ggs. zu pflanzlichem Leben 1.3 von in Holz eingeschlossener Luft 1.4 vom ewigen Leben im Himmelreich 1.5 bildl. 2
‘lebhaft, frisch’
3 wohl ‘lebenswert’ (oder zu
lieplich
?)
1
‘lebend, lebendig’
1.1
allg.:
ob Krist ûz tôten sachen / machet lebelichiu dinc KvWSilv
5033.
3257;
ob er [der Kranke] lebelich oder tœtlich sî
PrBerth
1:510,22;
swaz lebelîche sich verstât / unde lebende sinne hât
RvEBarl
31.
501;
dâ sanger [der tödlich verwundete
Tristan] unde harphet in / niht alse ein lebelôser man, / er
vieng ez lebelîchen an Tr
7826.
1847;
daz sterket daz hirn und daz herz und erlüftigt die
lebleichen gaist BdN
345,33
u.ö.;
lebelich blut SalArz
9,6;
ob unser lebelîchez zil [unser Leben] / aber
hie verendet, / des werdent gesendet / die sêle frœlîche / schier ze himelrîche
Reinfr
15972;
daz erstorben herz begond wider leblich
[tätig, aktiv] werden Seuse
90,3;
des heiligen geistes güete, / mit der daz lebelîche leben / lebelîchen ist
gegeben RvEGer
383;
Spec
76,22;
Parz
577,29.
99,17;
leblich: vitalis GlAnzfKdVz
5:90,278;
vivax ebd.
5:87,134;
vivificus ebd.
5:88,188.
–
~
kraft
‘Lebenskraft, Leben’
mîn vater [...] het bî lebelîcher kraft
[zu Lebzeiten] / eins vürsten tohter mir
behaft, / die ich nâch sîme tôde nam UvEtzWh
7003;
sie sündære / [...] jâhen
durch des tiuvels spot, / daz alliu dinc von eigenschaft / trüegen lebelîche
kraft RvEBarl
2104;
swie edel ein boum ist, swie schône er stêt in sîner edeln blüete und
in sîner lebelîchen kraft, sô houwet man in abe daz er sîn niht enpfindet
PrBerth
1:375,23;
Pass III
353,15;
HvHürnh
75,2;
vgl.:
in lebelîchir volleist NvJer
7461
1.2
im Ggs. zu pflanzlichem Leben:
du sollt wissenn das die wasser nütz sind ainem ieglichem
lebennden als wol dem leblichen als dem wachsendenn [
tam
animalibus quam vegetabilibus
]
HvHürnh
51,1
1.3
von in Holz eingeschlossener Luft:
daz holz [des
Haselstrauchs] hât lebleich luft in im, den ez auz im dünst nâch
dem spalten BdN
334,19
1.4
vom ewigen Leben im Himmelreich:
diz wehsellîche scheiden gît / nâch tôde ein lebelîchez
zît, / daz behalten ist von gote RvEBarl
6306
1.5
bildl.:
dân [in ihrem Herzen] was niht
lebenes inne / niwan diu lebende minne / und daz vil lebelîche leit, / daz
lebende ûf ir leben streit Tr
1733;
von der wúrdikeit, [...], die
alleine eime luteren, einfaltigen, lebelichen [mit Leben
erfüllten] gelouben zuͦgehoͤrent Tauler
118,13;
entsink in din nút und an dinen heiligen geloͮben mit
einer goͤtlicher leblicher hoffenunge ebd.
212,34;
daz man bevinde lebelîcher wârheit mit lustiger gegenwürticheit in guoten
werken Eckh
3:488,17.
3:485,15
2
‘lebhaft, frisch’
diu minne sol innân daz herze enzünden, daz ûzwendige werc lebelich sîn, niht
slêwic [kraftlos, träge] als eines touben bilde
DvAOff
46;
nû sich wie leblîch er gert! / erne ist mir niht unmære, /
der selbe mûzære [Falke] / ervlüge den kranech wol, würf
ich in dar Wh
273,10;
er hate gar ein leblich natur in siner jugende
Seuse
39,3
3
wohl ‘lebenswert’ (oder zu
lieplich
?):
o suͤßes leben lebelich! / o suͦßes, liep und minneclich!
HvNstGZ
7780
MWB 3,3 942,61; Bearbeiter: Hansen
lëbelîche
stF.
hier leblichi.
‘Lebendigkeit’
daz antlút war ime erbleichet, sin mund erswarzet und ellú
leblichi waz da hin als eines toten menschen, den man uf die bare hat geleit
Seuse
88,7.
– bildl.:
dar umbe so sol ein vliziger mensch den usvergangen rúnsen
diser suͤzen ler nah ilen, daz er si lerne an sehen nah dem ursprunge, do sú in ir
leblichi, in ir wúnklicher schonheit waren Seuse
200,3
MWB 3,3 943,58; Bearbeiter: Hansen
lëbelîcheit
stF.
‘Lebendigkeit’
wir essen ein wenig von den oͤppfelen und trinken ein wenig
des wasseres, das der lichame sine leblicheit behalte Mechth
7: 57,15;
leblichkeit: vivacitas GlAnzfKdVz
5:85,51;
mit dem mens meinet man den kleinen ganster
[Funken] , die lebelicheit des geistes
Überschall (Pf)
520,9;
Überschall
Gl 112;
doch beleip der haft der lebelicheit an dem lîbe als diu forme an ir materie
Eckh (Pf)
656,31;
leblicheit der verstentnissi RvBib
74,8
MWB 3,3 944,3; Bearbeiter: Hansen
lëbelôs
Adj.
‘leblos, wie tot’
dâ sanger [der tödlich verwundete
Tristan] unde harphet in / niht alse ein lebelôser man, / er vieng
ez lebelîchen an Tr
7825;
also ward im menig bitter straich / daz er was lïb loss unde
blaich / und jemerlichen gestaltt GTroj
6184
MWB 3,3 944,13; Bearbeiter: Hansen
lëbemeister
stM.
jmd., der das vollkommene, nach geistigen Prinzipien geordnete Leben führt:
wêger wêre ein lebemeister denne tûsent lesemeister Eckh (Pf)
599,19;
wir wellen nu al hie sagen von den lebmeistern
Tauler
196,30.
– Lit.: F. Löser, Lebemeister oder Lesemeister?, in: A. Speer/ T. Jeschke
(Hgg.), Schüler und Meister, Berlin/ Boston 2016, S. 255–276
MWB 3,3 944,19; Bearbeiter: Hansen
leben
swV.
‘etw. (Milch) gerinnen lassen’ (zu
2lap
; vgl.
1liberen
):
als da man eine milch lebet HeslApk
18018;
wilt du machen ein gebraten milich, so nim die, do niht
veiztes zvͦ si kummen vnd die gelebt si BvgSp
25
MWB 3,3 944,27; Bearbeiter: Hansen
lëben
swV.
md. auch leven.
‘leben’
1
‘am Leben sein, lebendig sein’
1.1 allg. 1.2 von Gott, in der Beteuerungsformel ‘so wahr Gott lebt’ (vgl.
bibelsprachl. vivit dominus/ deus z.B. II Sm 2,27; Iob 27,2) 1.3 vom ewigen Leben im Himmelreich 1.4 vom schlagenden Herzen 1.5 von ungelöschtem Kalk, ‘brennen, ätzen’ (vgl.
lëbendic
1.6 ) 1.6 im Vergleich ‘als würden sie leben’ (von Abbildungen lebendiger Wesen) 1.7 bildl. i.S.v. ‘weiterleben, fortbestehen’
2
‘sein Leben (auf bestimmte Art und Weise) verbringen’
2.1 allg. 2.2 mit Dat. ‘für jmdn. oder etw. leben, jmdm. sein Leben weihen, jmdn. oder
etw. zu seinem Lebensinhalt machen’
2.3 mit Präp. nâch
‘nach jmdm. (jmds. Vorbild) oder etw. leben, auf jmdn./etw. hin
leben’
2.4 mit Gen. in der Wendung (jmds.) râtes ~
‘nach einem/ jmds. Rat oder Vorbild leben’
3
‘wohnen, seinen Wohnsitz haben’
4
‘von etw. leben’ (mit Gen., seltener Präp. von, in ) 4.1
‘sich von etw. ernähren’
4.2
‘seinen Lebensunterhalt von etw. bestreiten’
5
‘etw. erleben’ (mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz; häufig
gelëben ) 6 Part.-Adj. gelëbet
‘im (geistlichen) Leben erfahren’
1
‘am Leben sein, lebendig sein’
1.1
allg.:
daz dinc lebet, daz bewegunge nimet von sînem eigene Eckh
2:384,2;
ob mich got leben lazze Hochz
667;
aldâ wart er sîch, daz er niht langir lebe solde
PrMd (J)
340,33;
wie lange lebete Adam? Lucid
15,12;
der visch mag uf dem sande nit lange leben und frisch
wesen Mechth
3: 1,10;
wie wol ich iu des gunde, het iuch der bote betrogen, /
durch Rüedegêres liebe, daz lebte noch sîn lîp [er noch am Leben
wäre]
NibB
2256,3;
SalArz
48,22;
VMos
12,1.
–
‘auf der Welt sein, existieren’
du soltest mich zu recht lieber han dann alle die
lebent Lanc
418,26;
ez lebete niender sîn gelîch / in manger lande creizen
KvWTurn
6;
swer ie turneie pflac / oder nu lebet in ritters
namen, / der mac sich unmæzlîche schamen, / swenne er disen hof verlît
UvZLanz
2643;
Gen
406;
Rol
3979
1.2
von Gott, in der Beteuerungsformel ‘so wahr Gott lebt’ (vgl.
bibelsprachl. vivit dominus/ deus z.B. II Sm 2,27; Iob 27,2):
daz ist ein blôziu wârheit, als got lebet Eckh
3:97,9;
lebt got, vor dem ich stan, / so solt du das gewis han
RvEWchr
34314.
35687.
36233;
vgl.:
als got ist lebinde ebd.
25789
(vgl.
lëbende
Part.-Adj. 1.2)
1.3
vom ewigen Leben im Himmelreich:
si [...] fuoren zuo den
himelisken gnâden, / dâ si iemer lebeten Gen
276;
daz dir got mit liebe gebe / ein leben, in dem dîn sêle
lebe / ân ende vrœlîche RvEBarl
15494.
15448;
ich wil, daz er sich bechere unde êwiclich lêbe
Spec
43,8.
123,5;
Roth
5159;
Mechth
7: 32,21;
MarlbRh
112,36
1.4
vom schlagenden Herzen:
daz herz ist daz êrst, daz an dem tier lebt in der muoter
leib, und ist daz letzst, daz stirbt BdN
26,4.
26,35;
mîn herze iedoch nâch hœhe strebet: / ine weiz war umbez
alsus lebet, / daz mir swillet sus mîn winster brust Parz
9,24
1.5
von ungelöschtem Kalk, ‘brennen, ätzen’ (vgl.
lëbendic
1.6):
der ungenetzte kalch lebet vnde ist heiz an dem uierden
gradu SalArz
92,6
1.6
im Vergleich ‘als würden sie leben’ (von Abbildungen lebendiger
Wesen):
ouch fuorte der herre milte / einen lewen an dem schilte,
/ von golde, als er lebte Eracl
5005;
ein ar von gold dar ob swebt, / er was reht als er lebt
EnikWchr
16044;
ûf des schilde vander / einen trachen als er lebte
Parz
262,5;
Er
7648;
UvZLanz
5827;
EnikFb
3056;
Wig
834
u.ö.;
vgl. dagegen:
waz liutes mac dizze sin? / ob der walt lebete / unt
waren diu pleter elliu perente, / so ware iz groz wunder Rol
6350
1.7
bildl. i.S.v. ‘weiterleben, fortbestehen’
er hât den lop erworben, / ist im der lîp erstorben, / sô
lebet doch iemer sîn name Iw
17;
al eine und sîn si lange tôt, / ir süezer name der lebet
iedoch Tr
223;
min liͤf is dot, / ind uͥr haz levet
MarlbRh
32,24.
35,9;
noch lebet dîn ungetriuwer rât KvHeimUrst
159;
vgl.:
hie mite sô lebet ir beider tôt. / wir lesen ir leben, wir
lesen ir tôt Tr
234.
238
2
‘sein Leben (auf bestimmte Art und Weise) verbringen’
2.1
allg.:
er nam vür sich niht sorgen war, / wan lebete und lebete
und lebete êt dar Tr
304.
3501;
daz wir vridelichen unde guͦtlihen mit anandir lebin
Spec
70,5.
143,11;
wie lepstu so? was tuͦstu hie? RvEWchr
21829;
er gelepte mit ganzer tugent UvZLanz
9416;
[Pilatus:] ich hân den juden den gewalt gegeben / und
wil sîn [was ihn (Jesus) betrifft] âne müe leben, / ob
er erstât oder niht KvHeimUrst
842;
ich [...] wil in siner lere /
also willechlichen leben StrKD
161,195;
ich leb in jâmers quâle ze mâle nach ir, / diu mîn nicht
gedenket SM:Tu
5: 2,3;
fênix ein vogel ist genant der wunderlîcher art enpfligt.
/ er lebt alleine sunderbâr, / dekeine fruht er birt KLD: Kzl
16: 2,3;
Physiogn
20;
StatDtOrd
48,28;
PsM
67,4;
Rol
544.
3368
2.2
mit Dat. ‘für jmdn. oder etw. leben, jmdm. sein Leben weihen, jmdn. oder
etw. zu seinem Lebensinhalt machen’
ich hân ir vil manic jâr / gelebet und sî mir selden einen
tac MF:Reinm
21: 4,2;
maneger wænet vrouwen leben, / der in lop niht kunde halben wec ze rehte
geben RvZw
52,1;
genâde, frowe, mir alsô bescheidenlîche: / lâ mich dir einer iemer leben
Walth
70,23
u.ö.;
also das der mensche gotte lebete und nit im selber
Mechth
6: 4,33;
wer da inne [in valschen
tugenden
] wonet, der lebet der lugine ebd.
3: Reg. 23;
er lept dem lip herteclich / und pflag der sel schone
SHort
3652;
Iw
8080;
HlReg
1,7;
vgl.:
sô wolde ich [...] ir reinen
wîbes güete / prîsen wol mit hôhgemüete, / der ich wil für eigen leben
SM:HvS
4: 2,10;
vom Körper:
den lebte beiden der lip / so reine, do sie ersturben, /
daz sie e hie erwurben / dort daz here paradys Rennew
32724;
mit minneclîchem küssen schiet vil maniger dan, / dem in
hôhem muote lebte dô der lîp NibB
1520,3
2.3
mit Präp. nâch
‘nach jmdm. (jmds. Vorbild) oder etw. leben, auf jmdn./etw. hin
leben’
ob er wolde ordenlichen leben nach dinem gebot
DvAPatern
281.
93;
diu lebt nâch im ins lîbes zer Parz
87,13.
301,3;
der ie nach der gîrde des fleisches lêbte
Spec
17,10.
45,20;
der kunich het einen bruͦder, / der was der werlt luͦder.
/ der chunde [...] niht wan nach der werlde lebn
StrKD
98,18;
Eckh
5: 111,1;
RvEBarl
14557
2.4
mit Gen. in der Wendung (jmds.) râtes ~
‘nach einem/ jmds. Rat oder Vorbild leben’
sît ich was ein swacher kneht, / sô lebt ich iuwers râtes
ie Wh
146,29;
bistû [Christus am Kreuz] nû ein kunec hêr, /
sô kum hernider ummer mêr, / suln wir dînes râdes leben Erlös
5219;
swer râtes üeben [La. leben
] sol, /
der sol suochen dâ er rât / vinde âne missetât RvEGer
848;
noch saltu ratis lebin: / vmmederbe
[unnütze] gift in saltu nicht gebin
Elmend
A 471.
A 161;
Lanc
517,13.
– in der Wendung umme etw. râtes
~ auch spez. i.S.v. ‘sich (wegen einer Sache) beraten, Rat
einholen’
do sprach der keiser ‘nu enthalt, / ich wil darumme rates leben’. /
Silvestrum nam er hin beneben / und sagete im dise mere Pass
III
90,62
3
‘wohnen, seinen Wohnsitz haben’
diz was dâ diu archa gesaz, / diu ûf dem wazzer swebete, / dâ
Noe inne lebete VAlex
1472;
bildl.:
daz ist div heilige sele, div in den goͮten werchen lebet
unde darane uunden wirt, div ist liehter denne der sunne Spec
146,31;
allez, daz des guoten ist, daz nimet er beidiu von der güete
und in der güete. dâ ist und lebet und wonet er Eckh
5: 9,16.
– von Tieren, ‘seinen Lebensraum haben’
laurus haizt ain laur. der hât zwairlai nâtûr, wan er
lebt in dem wazzer und in dem luft BdN
203,17
4
‘von etw. leben’ (mit Gen., seltener Präp. von, in)
4.1
‘sich von etw. ernähren’
ich vragete in, wes si lebten na mensclicher nature. do
sprach er: ‘wir essen ein wenig von den oͤppfelen und trinken ein wenig des
wasseres’ Mechth
7: 57,13.
4: 27,87;
so daz kint lebinde wirt, wez lebet ez denne vnz es
geboren wirt? Lucid
62,13;
da bi ein lút noch wonende ist, / das lept deckeiner
genist / ze spise noch ze lipnar RvEWchr
1653;
dâ von list man von sant Johansen in den êwangeli, daz er
der locusten lebt BdN
150,17;
HvNstAp
678;
VMos
66,15.
– von Tieren:
daz tier [...] lebt des
raubes in dem mer BdN
232,1;
ain iegleich vogel, der krump klâen hât, der lebt des
flaisches ebd.
164,24
u.ö.;
KLD:UvL
55: 7,2;
Wh
136,8.
– übertr.:
sô bin ich doch ûf ânders niht geborn, / wan daz ich
des trôstes lebe, / wie ich ir gediene und sî mir swaere ein ende gebe
MF:Reinm
21: 5,5;
ez ist geschriben. niht in dem brot alein lebet der
mensche [
non in pane solo vivet homo Mt 4,4
(vgl. Dt 8,3)] svnder in elle dem worte daz da fürget von
dem mvnd gotes EvAug
5,17;
der mensch lebt alein des protes niht
PrOberalt
59,36;
Spec
36,10;
Mechth
2: 23,4.
4: 12,18;
KLD:UvL
55: 7,3;
vgl.:
war habt ir iuch durch minne ergebn? / diu muoz doch
sînre genâden lebn [hängt von seiner Gnade ab]
Parz
693,26
4.2
‘seinen Lebensunterhalt von etw. bestreiten’
hûs, acker, wîngarte / het sie schiere hin gegeben; / und
des sie dar nâch solde leben, / des het sie kleine ahte Eracl
604;
di apostolen lebeden irer hende und irer grozen erbeit
HlReg
21,4;
daz er des choldes solde leben VAlex
1063
5
‘etw. erleben’ (mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz; häufig
gelëben):
si gelebte vil der vreuden ouch bî Etzelen sider
NibB
1286,4.
2153,1;
ich gelebte noch den lieben âbent gerne MF:Mor
15: 3,5;
gelebt ich noch den tag, / daz mich vro Sælde erkande SM:
Pf
1: 1,10;
Wig
6387;
Gen
2509;
übertr.:
mîn dienst gelebet noch die zît / daz ir mich zeinem friwende
nemt Parz
90,2;
vereinzelt mit Gen. (oder adv. Gen. und zu 2? vgl. auch
AWB 5,704):
neséhent daz nîeth ána. uuéleches lêides íh lébe
Will
10,4.
–
‘etw. (Zeiträume) verbringen, lebend zubringen, verleben’
uns tete ê winter sorgen vol, / nu mag man frœlîch leben /
den sumer guot SM:Had
41: 1,5;
daz was in der liebeste tach / den sie gelebet haten
Wernh
D 4681;
nie gelebte Prünhilt deheinen leideren tac
NibB
847,4;
ezn lebt nu niemen sîne zît; / diu gîticheit bœse ende
gît Wig
10267.
9734;
diu jâr diu ich noch ze lebenne hân MF:
Reinm
10: 5,1;
da by weiß ich wol das er dot ist und das selb
unselikeit haben muß den tag den ich lebe [alle Tage, die ich am
Leben bin]
Lanc
589,14;
vil chume gelebete
[überlebte] si die naht AvaLJ
167,5;
Rol
6377;
MF:Reinm
18: 5,2;
vgl.:
so wirt [
die
sele
]
[...] goͤtlich und lebet
eins goͤtlichen lebendes Tauler
350,23;
bildl.:
er lebte niht wan töude Parz
230,20
6
Part.-Adj. gelëbet
‘im (geistlichen) Leben erfahren’
wol sprichet ein schrift, daz man vindet einer hande
menschen, usgesúndertú und geleptú menschen, daz die sijen so gar gelútertes und
gotfoͤrmiges gemuͤtes, daz die tugenden in in standen nach goͤtlicher glicheit
Seuse
338,2;
von dem aller hoͤhsten úberflug eins gelepten vernúnftigen
gemuͤtes ebd.
184,2.
184,7.
– subst.:
waz die aller gelertesten und geleptesten
[...] hettin gesprochen Seuse
328,4
MWB 3,3 944,32; Bearbeiter: Hansen
lëben
stN.
md. auch stM.
(z.B.
SAlex
999;
Roth
680
),
md. auch lebent
(z.B.
HeslApk
13214
u.ö.;
SAlex
2409
).
1
‘irdisches Dasein, Leben’ (vgl.
lîp
2 ) 1.1 allg. 1.2 metonymisch für eine Person 1.3
ditze ~
im Ggs. zum ewigen Leben (vgl.
diser
1.1.2 ) 2
‘Dauer des irdischen Daseins, Lebenszeit’
3
‘Lebendigkeit, Lebenskraft’ (offen zu 1 ) 4
‘Lebensweise’
5
‘Art und Weise des Daseins, Lebensumstände; Alltag’ (offen zu 4 ) 6
‘Leben nach dem Tod, ewiges Leben im Himmelreich’
7
‘Lebensunterhalt, Nahrung’
1
‘irdisches Dasein, Leben’ (vgl.
lîp
2)
1.1
allg.:
den tôt mac erwenden niet / deheines mannes wîstuom, /
[...]. / nu ist daz ein grôz unsælecheit, / daz wir
sô lützel dar zuo schouwen / und dem leben sô wol getrouwen Eracl
506;
after diu wâren si gwis alles ire lebenes. / Joseph si sô
brâhte ûz dere hungerjâre nôte Gen
2631;
sie [...] clagt und weynt
ußermaßen sere und sprach, ir were der dot lieber dann das leben
Lanc
14,6;
er vorhte dannoch mêr schaden, / daz si im næmen daz leben
KvHeimUrst
747;
daz gebot er ime an sin liben Roth
426;
ich scol uerwandelen daz
leben [sterben]
Rol
6885;
ReinFu
K,616;
KvHeimUrst
131.
– in der Wendung lîp unde
~ :
wir suln in iuwer gebot / beidiu lîp unde leben /
eigenlîchen immer geben KvHeimUrst
1371;
wir mvzzen lip vnd leben / lazzen ane gezucke
Herb
5712
u.ö.;
bi irme libe vnde lebenne UrkCorp
N2A,31;
Iw
2422;
SM:HvR
1: 2,5.
– bildl./ personif.:
in lebens garten der tot iat TürlArabel
*A 47,28;
tot vnde leben / vuren an einer strazze / mit grozzer
vmmazze Herb
10976.
– bildl. von Christus:
der heiligen weg, der toten leben
HvBurg
2201;
der heilig Christ der ein leben ist aller lebentigen
mennischen Konr
11,55;
sint dat in dins lives boumgart / de boum des levens
geplantet wart. / dis boum is Jhesus, din suͤz kint MarlbRh
7,12
(
vgl.
div urstendi des heiligin Cristis div ist ein lebin
der tôtin, ein antlaz der suntâre, ein ere allir heiligin
Spec
60,26
)
1.2
metonymisch für eine Person:
hie dachte er, daz er sinen nefen / furraten wolte, daz
iunge leben Herb
208;
mîme leben tet sîn sterben wê Parz
440,12.
435,22;
im ze spîse was benant / unvertiger liute
lebn [Verbrecher] / die im wurden vür gegebn, /
der ez in drîer jâre zil / dâ vor hâte gezzen vil RvEAlex
2195;
des vreute sich des küneges leben RvEBarl
782;
GTroj
15915;
vgl. ähnl.:
iuwer leben ist nützer danne daz mîn Iw
4323.
7316
1.3
ditze ~
im Ggs. zum ewigen Leben (vgl.
diser
1.1.2):
fruo an dem dritten tac / dô starp er und verphlac /
ditze kurze leben Ottok
38244;
do schiet si von disem leben hincze dem himelriche
Konr
10,168.
5,93
u.ö.;
sie dutet zweierleie leben: / dises lebenes und dort
HeslApk
4179.
13214;
er verdiente in disem lebene / umbe got den êwigen lîp
Eracl
182.
5389;
KvHeimUrst
1671;
vgl.:
nach der minne diz zitlichen lebennes
[übers. per caritatem viae, verlesen zu
vitae?]
ThvASu
72,20;
die wile er hat des vleisches leben Vät
25355;
HeslApk
8836
2
‘Dauer des irdischen Daseins, Lebenszeit’
alsus gêt mir mîn leben hin MF:Reinm
24: 3,6;
sven gebeiz der slange / des leben was uil unlange
VMos
62,7;
lât in uns after wegen / tragen, daz wir nâch tôde lônen noch
dem man. / wir hetenz billîche bî sîme lebene [zu seinen
Lebzeiten] getân NibB
2263,4;
zu nemend an dem lebende [mit zunehmendem
Alter] / er wart den gernden gebende, / da von sin lop gebluͤmet
wart WhvÖst
549;
Eracl
18;
BdN
14,21;
al sîn leben Wh
417,24.
419,24;
Gen
408;
KvHeimUrst
1237.
– allgemeiner, ‘Dauer’
einen geheiz tuon ich iu, daz ich wil wonen mit samt iu / die
zit der werlt lebenes AvaLJ
185,7;
sînes lebenes begin / der gie mit kurzem lebene hin
Tr
312
3
‘Lebendigkeit, Lebenskraft’ (offen zu 1):
daz herz ist ain anvanch des lebens, und der anvanch ainr
iegleichen wegung ist in dem herzen BdN
25,29.
272,24;
alles daz in vræuden stat / daz wehset oder daz leben hat
Rennew
33184;
got [...], der allen dingen ir leben git
[
vivificans
]
WhvStTh
293,4;
dvrch daz er sin leben [
animam
suam
] enphangen hat ebd.
26,17
u.ö.;
KvMSel
392;
Vät
7822.
10255.
–
unz daz der gast dem wirte sluoc / durch den helm einen
slac / zetal unz dâ daz leben lac [bis zum Herzen]
Iw
1050
4
‘Lebensweise’
sie [Kirke] hete ein svnderlichen
art / vnde vor andern wiben ein ander leben Herb
17630;
nu hân ich mir ein leben genomen, / daz sol, ob got von himel
wil, mir ze bezzern staten komen MF:Reinm
5: 3,7;
sîn swert und rîterlîchez lebn / hete Trevrizent ergebn / an
die süezen gotes minne Parz
823,19;
mit zühten frô, daz ist ein leben / dem got vil êren hât
gegeben KLD: UvL
27: 1,5;
drîzec man / leiten dâ geistlich leben an LvRegFr
2593;
driu leben in dirre welte lebent, / diu vil goten sich
ergebent, / diu wil ich dir bescheiden: / juden, kristen, heiden
RvEBarl
9251;
ia waren di herren edele / in cristenlichem
lebene [lebten wahrhaft christlich] . /
[...] / ir herce hin ze gote stunt Rol
3418;
were aber, [...] dc si sich mîssehvͦte an erberm
lebenne UrkCorp (WMU)
913,22
u.ö.;
Rennew
30098;
PrOberalt
133,3.
–
dîn werdicheit ist gar mîn leben
[Lebensinhalt, Berufung]
Wig
9690.
– spez. ‘klösterliche Lebensweise’
sit uwer ist danne also vil, / ob ieman noch kumen wil /
unde sich durch got zu uch [in die
Klostergemeinschaft] begeben, / enphet man den ouch in daz
leben? Vät
27980;
in ein klôster fuor sie sâ, / sie zôch sich in der frouwen
leben Eracl
845.
–
‘Stand’
got hât driu leben geschaffen: / gebûre, ritter unde pfaffen
Freid
27,1;
unser leben und unser geburt / diu suln wir iu vil gerne
sagen Iw
6320;
wær iu bekant / ir geburt und ir leben, / sô solt ir ir
wider geben / daz pfärt daz ir erteilet wart Wig
2789.
– nur umschreibend (vgl. auch 1.2):
do gewan dar umbe Hagene ein zornlîchez leben
[wurde zornig]
NibB
698,3
5
‘Art und Weise des Daseins, Lebensumstände; Alltag’ (offen zu 4):
iuwer leben wirt bî Etzel sô rehte lobelîch, / daz ez iuch
immer wunnet NibB
1239,2;
swem got ein leben nach wunsche gît, / nu seht, wie gæhes daz
zergât! SM:UvS
35: 7,3;
wie stet sin leben [seine Verhältnisse] ? / mag er
geleisten und gegeben / zehen phunt an liber stat? Zwickauer
101;
Eraclî, lieber sun mîn, / möhtez mit dînen hulden sîn, / ich
schüefe dir ein bezzer leben Eracl
687.
1476;
âne freude stuont sîn lebn, / unz er ir werden minne enpfant
Parz
730,4;
Iw
5574.
8159;
MF:Reinm
5: 4,3;
bildl.:
die juncfrouwen cluoc, / diu mit ir lîbe wunnevar / ein
niuwez leben im gebar KvWTroj
15650.
–
‘Lebensverlauf, Lebensgeschichte’
Thômas von Britanje [...], / der
[...] an britûnschen buochen las / aller der
lanthêrren leben / und ez uns ze künde hât gegeben Tr
153
6
‘Leben nach dem Tod, ewiges Leben im Himmelreich’
ich selbe an dem chriuze erstarp / und dem menschen daz leben
erwarp KvHeimHinv
518;
die einen die vindent das leben, die andern den ewigen tot
Tauler
78,14;
das dritte leben ist ein vollerichis leben. [...] das
wirt ze himelrich PrGeorg (Sch)
36,113;
we möcht an dat himelsch leven / in erden behalden siner selen
leven? MarlbRh
4,25.
4,27;
Konr
11,100;
Roth
4133.
– bes. daʒ êwige ~
:
daz ewige leben / wil ich dir zu lone geben / binnen des
himeles kore HeslApk
2739;
also versehent sich die sæligen nach disem leben dez
ewigen lebens PrOberalt
104,36.
111,41;
ich gelovbe an [...] daz ewige leben
[interl. zu vitam eternam
]
PsM
C 13,8;
die redelich creaturen, die da begriflich ist dez ewigen
lebennes [
quae est capax vitae aeternae
]
ThvASu
282,2;
in dem ewigen leben [
in
patria
]
ebd.
322,16.
324,8;
Rol
3439;
Konr
4,7.
10,175
u.ö.;
Wh
37,21.
– vereinzelt auch von der Hölle:
wir sun alle geloͮbin ain kúnftigis lebin nah disime libe, ainweder mit
ewigir not alde mit ewigir vroͮde, iegelich mensche nah sinen werchin
PrGeorg (Sch)
21,13
7
‘Lebensunterhalt, Nahrung’
die tierlein suechent ire höler, die schlanngen ire löcher,
da si gesament habennt das lebenn durch den winnter [
ubi colligunt
victum suum propter hyemen
]
HvHürnh
39,5
MWB 3,3 947,34; Bearbeiter: Hansen
lëbende
Part.-Adj.
kontrahiert lende
(
Wig
5449
).
1
‘lebendig, lebend, am Leben’
1.1 allg. 1.2 von Gott, Christus 1.3 vom ewigen Leben im göttlichen Himmelreich 1.4 von Wasser, ‘fließendes, quellendes Wasser; aus einer Quelle bzw. einem
Brunnen geschöpftes Wasser’ (vgl. DWB 8,2313), häufig bildl. 1.5 von glühenden Funken (hier im Vergleich) 1.6 bildl.
~ stein für Christen (vgl. bibelsprachl. lapides
vivi I Pt 2,4f) 1.7 bildl. von Sachverhalten, ‘lebhaft, wirksam’
1.8 subst. (swMF., stN.) 2
‘was gelebt, erlebt wird’ (von Zeiträumen)
1
‘lebendig, lebend, am Leben’
1.1
allg.:
dô stûnt der tôte ûf unt wart lebinde PrMd
(J)
345,35.
353,8
u.ö.;
des löuwen welfer lebende tuot / sîn wüefen unde sîn
geschrei KvWLd
1,65;
lebende oder tôt Tr
8823;
Herb
3930;
HeslApk
8399.
–
‘auf der Welt, existierend’
die knechte die nu lebende sint Erz
III
178,129;
ein herre [...], / der ubir
al si uf habente / daz ie wart lebente Hochz
475
1.2
von Gott, Christus:
dv bist Christus des lebenden gotes
svn [
filius dei vivi Mt 16,16]
EvAug
38,10;
des lebenten gotes sun Spec
145,3;
gegruͤsset siest du, lebender got Mechth
5: 17,2.
6: 37,2
u.ö.
–
das lebende gottes lamp Mechth
5: 23,147;
des helf uns daz lebende brôt / alphâ et ô, künec
Sâbâôt RvEBarl
16163;
din name vnde din gebot / heizit war mennische vnde
warir got / vnde heizit wunderlicher ratgabe, / ein lebindiz brot vnde ein
warir winrebe Litan
110;
vgl.:
got herre, [...] / sunder
ende und âne ursprinc was ie dîn lebende majestât KvWLd
32,9;
got [...], dîn kunst / ân
anegenges begunst / was ie, dîn gotlîchiu kraft / lebende in werder
meisterschaft RvEBarl
6.
– in der Beteuerungsformel ‘beim lebendigen Gott’ (vgl.
lëben
swV. 1.2):
bi dem lebenden got mane ich dich, das du mir sagest
dinen namen Mechth
4: 17,25;
vgl.:
bi dem immer lebenden [Gott]
HeslApk
15120
1.3
vom ewigen Leben im göttlichen Himmelreich:
das lebende lip [Leben] der
ewekeit Mechth
2: 3,11;
wellest dû iemer mêre sîn / lebende êwiclîche / ze gotes
himelrîche RvEBarl
8411;
vgl.:
daz iemer lebende [ewige] guot
ebd.
5629
1.4
von Wasser, ‘fließendes, quellendes Wasser; aus einer Quelle bzw. einem
Brunnen geschöpftes Wasser’ (vgl. DWB 8,2313), häufig bildl.:
Abraham hâte gegraben in sînem acker lebende brunnen und
übeltætige liute vulten sie mit erden [vgl. Gn 26,15 bzw. aquam
vivam Gn 26,19]
Eckh
5: 113,11;
gotes bilde, gotes sun, ist in der sêle grunde als ein
lebender brunne ebd.
5: 113,5.
5: 113,13;
tochtir Daujdis, / wec des ewigen libis, /
[...] / dv bist di lebinde burn adre, / uze dir der
rinne floz allir gnade Litan
293;
du ein lichte spelende sunne, / du der lebenden wazzer
orspring Brun
299.
5283;
in dirre juncfroͮwen herze inwendig sach ich einen
lebenden brunnen entspringen Mechth
4: 3,66;
Krist, aller künege ein keiser hêr, / aller güete ein
lebender brunne RvEBarl
13949.
14996.
14988
1.5
von glühenden Funken (hier im Vergleich):
so brennest du iemer mere unverloschen als ein lebend
funke in dem grossen fúre der hoher maiestat Mechth
1: 28,6
1.6
bildl.
~ stein für Christen (vgl. bibelsprachl. lapides
vivi I Pt 2,4f):
so die steine louhtent harte / in der himilischen porte /
alliz gemeine. / lebentiz gesteine / daz louhtet dar inne, / da mit zimberot got
der riche / al sin himilriche Hochz
456;
Johannes quît, de vivis atque electis lapidibus, von den
leibindin steinin unt von den irweltin steinin PrMd (J)
352,7
1.7
bildl. von Sachverhalten, ‘lebhaft, wirksam’
daz vil lebelîche leit, / daz lebende ûf ir leben streit
Tr
1734;
dem wirt verteilet hie sîn leben, / dem lîbe ein urhap
gegeben / des tôdes, der mit lebender nôt / ist iemer ein sterbender tôt
RvEBarl
15251
1.8
subst. (swMF., stN.):
sine sehen in dirre werlte / ne heinen so starchen
lebenten Rol
1657;
wie man biten sule vur die lebenden unde vur die tôten
StatDtOrd
36,24;
swaz dem [
wurm
]
lendes widervert, / daz ist benamen unernert Wig
5449;
al daz ter was lebentes, vliugentes oder gêntes, / wurm
oder tiere Gen
288.
2949;
ligentez unde lebentez / crichentez unde chresendez
VMos
12,15
(vgl.
ligen
1.2.4);
SüklU
39;
Lucid
136,16
2
‘was gelebt, erlebt wird’ (von Zeiträumen):
kaeme aber iemer mir ein lebender tac, / ich kan noch, daz ich
ie kunde oder mêre MF:Reinm
30: 1,4;
daz dû in sînen hulden stêst / und dienstes im niht abe gêst
/ alliu dîniu lebenden jâr RvEBarl
7053.
– in der Wendung bî jmds. lëbenden jâren
‘zu jmds. Lebzeiten’
bi minen lebenden jaren / wil ich sie ymmer toͤten
Rennew
11234
MWB 3,3 949,58; Bearbeiter: Hansen
lëbendic
Adj.
auch lebentic,
kontrahiert lendic, lentic
(
Wig
4764.
5213
),
lemptic, lemtic
(z.B.
VAlex
547.
1170;
KLD:Kzl
2: 11,18
); md. auch levendic
(z.B.
Roth
2343
), vgl. mnd. levendich Schiller/ Lübben 2,679;
bair. vereinzelt
lewentic
(
SpitEich
17,20
); vgl. auch den ausführlichen Formteil in WMU 2,1101.
1
‘lebendig, lebend, am Leben’
1.1 allg. 1.2 von Gott (bes. bibelsprachl.) 1.3 vom ewigen Leben im göttlichen Himmelreich 1.4 von Wasser, ‘fließendes, quellendes Wasser; aus einer Quelle bzw. einem
Brunnen geschöpftes Wasser’ (vgl. DWB 8,2313), hier nur bildl. 1.5 von glühender Kohle 1.6 von ungelöschtem Kalk 1.7 von unbehandeltem Schwefel 1.8 rechtssprachl. von (persönlicher) Bezeugung 1.9 rechtssprachl. in der Wendung bî jmdm. lëbendigem/
lëbendic
‘zu jmds. Lebzeiten’ (vgl. auch 2 ; vgl. WMU 2,1102 mit weiteren Belegen) 1.10 vom ‘Buch des Lebens (der Lebendigen)’
1buoch
4.2
1.11 bildl. (bibelsprachl.) lëbendigiu ërde für das Himmlische Jerusalem 1.12 bildl. lëbendige stein für Christen (vgl. bibelsprachl.
lapides vivi I Pt 2,4f) 1.13 bildl. lëbendiger tôt
‘Tod bei lebendigem Leibe’
1.14 subst. (swMF., stN.) 2
‘was gelebt, erlebt wird’ (von Zeiträumen), in der Wendung bî
jmds. lëbendigen zîten/ tagen
‘zu jmds. Lebzeiten’ (vgl. 1.9 )
1
‘lebendig, lebend, am Leben’
1.1
allg.:
der man si lebendick oder tot, / so ist im iedoch eren
not Erz III
175,201;
der heilige Crist [...] ist
hiute lebintigir gestandin ûz dem grâbe Spec
60,20.
70,21;
als man prüeven mac bî der kraft der sunnen, daz si lebendigiu werk würket
ûf dem ertrîche, wan si alliu dinc lebendic machet und entheltet an irm wesene
Eckh
2:153,6;
lemtich oder tode UrkCorp (WMU)
3251,24;
Ägidius
1650;
du ginc si [Maria] forbaz und
lugite in daz grap. si suchte einin todin menschin und vant zvene lebindige
engile Parad
61,9;
von lebentigen pfanden [Überschrift] . setzet
ein man dem anderm ein lebentich pfant [d.h. Tiere]
SchwSpK
2,159 (Kt);
er lebendic rê [
‘lebender Mord’, Mörder]
RvZw
209,5;
StRAugsb
88,8;
PrMd (J)
345,1.
–
‘auf der Welt, existent’
swaz mâlære nû lebendic sint Wh
241,28;
daz er der tiurste ritter wære, /
[...], / den er iendert lebendic wiste
UvZLanz
2738;
Lanc
317,16
u.ö.
– im Vergleich (von Abbildungen lebendiger Wesen):
den trachen zugen vier wintseil, / reht alser
lebendec dâ flüge / untz poulûn gein den lüften züge Parz
278,17.
– bildl.:
din heilsame tot haltet min
húgenisse [Erinnerung] lebendig in dir
Mechth
2: 24,5;
was ist nu ein lebendig gloube? das enist nit anders
wan ein lebendiger gunst zuͦ gotte und zuͦ allem dem das goͤttelich ist
Tauler
420,5
u.ö.;
mîn freude ist lebendec begrabn Parz
461,12;
do wir getauffet wurden
[...], do ersturben wir in den sunden und
wurden lebentich ze dem recht PrOberalt
26,9;
Brun
1521
1.2
von Gott (bes. bibelsprachl.):
du bist der heilige Crist, / des lebentigen gotes sun
AvaLJ
75,5;
nu sît ir daz edele hûs des lebentigen gotes
Spec
135,18;
minne unde ere / si dir irboten / uon deme lebendingen
gote, / der himel unde erde / uon nichte hieze gewerden Rol
714;
lemtiger got HvBurg
2484;
EvBerl
133,26.
49,1;
Mechth
7: 47,6
u.ö.;
JPhys
6,8.
–
ego sum panis uiuus, qui de celo descendi. ‘ih bin daz
lebentige brot, daz von himele komen ist.’ Spec
24,18.
61,27;
MarseqM
44;
Ottok
15716
1.3
vom ewigen Leben im göttlichen Himmelreich:
alsô macht er [Gott] seineu
kint wider lebentig von dem êwigen tôd BdN
211,19;
si wellent lebentich machen die erstorben sele
PrOberalt
83,1
1.4
von Wasser, ‘fließendes, quellendes Wasser; aus einer Quelle bzw. einem
Brunnen geschöpftes Wasser’ (vgl. DWB 8,2313), hier nur bildl.:
herre got, himlischer vater, dv bist ein lebentiger brvnne
allez gvͤtes, von dem vns alle gnade flivzzet DvAPatern
3;
also schuln wir suntare [...]
loͮfen zvͦ dem lebintigim brunnen, dem heiligim Crist Spec
9,23.
41,13;
din suͤsse himmelval, der hernider gússet ane underlas
us dem grundelosen lebendigen brunnen diner ganzen heligen drivaltekeit
Mechth
6: 2,34;
Eckh
3:115,5;
vgl.:
do huͦp únser herre zwene guldin koͤppfe in sinen
henden, die waren bede vol lebendiges wines Mechth
2: 7,10;
im Vergleich (vgl. Ier 2,13):
vliezend wazzer [...] (daz ist
diu lebendik götleich kunst) BdN
120,33
1.5
von glühender Kohle:
sô die dieb in ain haus koment, sô legent si lebentig
koln an die vier end des hauses [vgl. dagegen in quatuor
partibus domus carbones ponunt
]
BdN
451,34
1.6
von ungelöschtem Kalk:
lebentiger kalk, daz ist newer kalk, hât verporgenz
fewer. [...] sô man ain kaltz wazzer dar auf geuzt, sô
gibt er hitz BdN
443,21
1.7
von unbehandeltem Schwefel:
ainerlai haizt lebendiger swebel, daz ist swefel in der
weis und er auz der erden kümt BdN
480,32
1.8
rechtssprachl. von (persönlicher) Bezeugung:
mit leuendichme vͦrkuͦnde zweier ove driere guͦder manne
UrkCorp
53,19;
dar wider sal der bishof den heren van Henesberg wider sezen in alle sin
guͦt als sine hantfestene sprigget inde leuendig urkunde gyt ebd.
21B,43
1.9
rechtssprachl. in der Wendung bî jmdm. lëbendigem/
lëbendic
‘zu jmds. Lebzeiten’ (vgl. auch 2; vgl. WMU 2,1102
mit weiteren Belegen):
also daz er da mit schaffen sol immer mer, swaz er wil, ze dem nvtze sines
libes oder siner sele bi im lebentigen oder an sinem tode UrkCorp
(WMU)
2588,44;
daz ich bei mir lembtich von dem vorgenantem hovs vnd weingarten gestanden
bin ebd.
1436,12;
wer aber daz, daz ich [...] di vorgesprochen
lehenschaft pi mir lebentigen niht auz præht UrkEnns
4,397
(a. 1301).
4,462
(a. 1304)
1.10
vom ‘Buch des Lebens (der Lebendigen)’
→
1buoch
4.2
1.11
bildl. (bibelsprachl.) lëbendigiu ërde für das Himmlische
Jerusalem:
credo uidere bona domini in terra
uiuentium. [vgl. Ps 26,13] ‘ich gedinge
[...] daz ich gesehe die suͦzze mînis herrin in dem
lebintigim lande.’ waz ist div lebintige êrde? div himelische Ierusalem
Spec
40,26
1.12
bildl. lëbendige stein für Christen (vgl. bibelsprachl.
lapides vivi I Pt 2,4f):
daz diu burch gworht ist von lebentigen steinen
Himmelr
8,7;
uz den lemtigen steinen, / die Johannes sah, der gotes trut
HimmlJer
6;
Litan
1019
1.13
bildl. lëbendiger tôt
‘Tod bei lebendigem Leibe’
ich trage den lebendigen tôt, / sît ich von ir gescheiden
bin Parz
213,22;
daz was ein lebentiger tot StrKD
132,46
1.14
subst. (swMF., stN.):
niht enist er der toten got. svnder der lebentigen
EvAug
55,2;
die sulen drî saltere vur die lebendigen unde drî vur die
tôten sprechen StatDtOrd
37,20.
27,21;
svasso an der erden / lebentiges werde / daz si dir allez
undertan VMos
7,12;
nicht lebentiges im entlief Rol
5596.
8155;
da sizit er ze der zeswin sines vater des almahtigin gotis,
dannin ist er kv̂nftich zerteilin die lebintigin vnde die tôtin
Spec
1,14
u.ö.;
sam man auch schreibt von dem land der lebentigen, dâ
niemant inn ersterben mag BdN
456,32;
Konr
1,52;
DvAPatern
437
2
‘was gelebt, erlebt wird’ (von Zeiträumen), in der Wendung bî
jmds. lëbendigen zîten/ tagen
‘zu jmds. Lebzeiten’ (vgl. 1.9):
leut vnd gvͦt, di vns der Walher ledig lie bi sinen lebentigen ziten
UrkCorp (WMU)
869,4;
pey unsern lepentigen zeiten UrkEnns
6,108
(a. 1333);
pey vnsern lebentigen tagen oder noch vnserm tod ebd.
6,27
(a. 1331).
6,96
(a. 1333)
u.ö.
MWB 3,3 951,11; Bearbeiter: Hansen |