l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lenken swV. lennelîn stN. lent stF. lentboum stM. lentimunt stM. lenze swM. lenzelich Adj. lenzelîn stN. lenzemânôt stM. lenzen swV. lenzestiure stF. leo M. leocaffe swM. leolîn stN. leozephenâ Subst. leppelîn stN. leppenhunt (?) stM. lêr stN. lêr- lêrære stM. lêrærinne stF. lërc Adj. lerchboum stM. lêrche swF. lêrchenmunt stM. lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lenken
swV.
auch lingken [trincken :] (
FrSchw
6242
), Prät. auch lancte [clancte :] (
WhvÖst
17582
).
1
‘jmdn./etw. (wohin) lenken, führen, leiten’ (häufig mit (Pron.-)Adv. oder
präp. Erg.) 1.1 von Personen 1.2 von Konkreta 1.3 von (gesprochener) Sprache 1.4 von Abstrakta ( sin/ muot ) 1.5 unpers. 1.6 übertr. ‘etw. in die Wege leiten’ (?; anders FWB 9,967 z.St. ‘etw.
überlegen, erwägen, gedanklich hin und her wenden’ ) 2
‘sich/ etw. (wohin) wenden, richten’ (mit direktionalem Adv. oder präp. Erg.) 3
‘sich/ etw. biegen, beugen’ (mit fakultativer präp. Erg.) 3.1 allg. 3.2 übertr. ‘sich jmdm./etw. beugen, fügen’ (mit Dat. oder Präp.-Obj.) 3.3 Part.-Adj. ‘gebogen, gewunden, gefaltet’
4
‘etw. anbringen’ (mit präp. Erg.)
1
‘jmdn./etw. (wohin) lenken, führen, leiten’ (häufig mit (Pron.-)Adv. oder
präp. Erg.)
1.1
von Personen:
daz sich der bâbst liez lenken / ze solhen untriwen / mit
guot Ottok
3158.
54562.
54563;
si fürwâr wol westen, / die wîl daz lant wære / rehter
herren lære, / sô liez sich niemen lenken
[beherrschen]
ebd.
1387;
sin wunder was groz und groz, / daz sin herze alumme
sloz / und in sus wart lenken Pass I/II (HSW)
41471
1.2
von Konkreta:
er [Gott] wol kan / alle ding
[...], swî er wil, / lenkin NvJer
22234;
die schœne maget Blanschemanîs / ir blanken arme criuzewîs
/ vaste über einander schrenkete, / gein herzen sie die lenkete / und dructe sie
ûf ir brustel HvFreibTr
712;
also wil ich, herre, in deinem namen / [...] /
mein schifflin nider lenken, / denne do ez treibet der segel wint
MvHeilGr
150
1.3
von (gesprochener) Sprache:
so wil ich die wile gan / hin uz fuͤr die tuͤr stan, /
bizir iuch bedenket: / wie ir mir denne lenket / die rede, dar nach riht ich
mich WhvÖst
9034.
– die Zunge als Subjekt:
iedoch sol unverdrozzen / min zunge lenken wilde sage
WhvÖst
129;
nicht wort [...] daz man
sprichet mit lefsen, / [...] / noch daz zunge mac
gelenken, / noch daz herze mac gedenken HeslApk
625;
subst.:
mit aller zunge lenken / kan nimmer munt volbringen, / noch herze
volliclîchen volledenken, / waz guoter dinge man mit harren endet
Hadam
555,2
1.4
von Abstrakta (sin/ muot):
des sunis wîsheit lenke / mîne cranken sinne, / daz ich
vornumft gewinne NvJer
70;
dô wurdin abir denkin / dî brûdre unde lenkin / darûf ire
sinne, / als dî gotis minne / sî wîste ebd.
15822;
wo ich min sin hin lenck MinneR 298
29;
ez sol niht lenken / deheiner slahte
guot [Subj.] / eins so rîchen kuniges muot
Ottok
7469.
–
sînen ganc/ sîne vart ~
:
dar uber wolder sinen ganc / zu huse wider lenken
Pass I/II (HSW)
16003;
er [...] begonde lenkin /
sîne vart allumme NvJer
16308
1.5
unpers.:
den rossen ward gelencket, / unnd iedes sper gesencket
FrSchw
6253
1.6
übertr. ‘etw. in die Wege leiten’ (?; anders FWB 9,967 z.St. ‘etw.
überlegen, erwägen, gedanklich hin und her wenden’):
der zauberer wol erkannt / das sein zaubry was ertrant
[gebrochen] / [...]: /
ain annders begund er lingken FrSchw
6242
2
‘sich/ etw. (wohin) wenden, richten’ (mit direktionalem Adv. oder präp.
Erg.):
dâvon [von guter Zurede] begunde ir werden warm /
daz kreftelôse herze / und entliez sich ir smerze. / dâvon begunde sich ir muot /
tempern unde lenken LvRegSyon
1591.
– mit ane, (wâ) hin, zuo:
die tobenden wazzeres unden, / sturmwetter unde wint / alle wider mich nu
sint, / wand ich mich an in lenke Pass III
199,67;
daz herze an got sie lenken Pass I/II
(HSW)
10486;
daz du [...] minem herzen nach
jagest, / wa sich daz hin lenke ebd.
20677;
wa hin sin gemute sich lenket Physiogn
121;
daz sult ir bedenken / und iwern haz lenken / ze guot und
zuo barmunge Ottok
4834;
man siht an ir henden / mit vil hurticlîcher ger / iriu wînes volliu sper
[iron. für Becher] / gên dem munde senken / und
sich zer tjoste lenken, / diu in nicht harte vellet Helbl
13,100
3
‘sich/ etw. biegen, beugen’ (mit fakultativer präp. Erg.)
3.1
allg.:
daz waren blech begozzen / von golde, etewa beslozzen, / daz si sich
lenchen mohten Serv
499;
die [sieben Hörner] man sach uf dem lamme
lenken [vgl. Apc 5,6]
Frl
1:13,32.
– häufig vom Körper und seinen Teilen:
diu knie vor im lenken Ottok
14808;
wer sich lenket als ein stock [stocksteif
dasteht] , / des dienst kan ich gepruven niht
Jüngl
120;
eine chruchen [Krücke]
fraissam, / daruber muͦst er sich lênchen Wernh
A 1697;
die vuze sie begunden / an dem cruce lenken / und
uber einander schrenken Pass I/II (HSW)
6481;
sin arme und sin hende, /
[...] / die wurden da gelenket / und umb di sul
geschrenket ebd.
5961;
WhvÖst
17335
3.2
übertr. ‘sich jmdm./etw. beugen, fügen’ (mit Dat. oder
Präp.-Obj.):
vnserem râte solt dv dich lênchen Wernh
A 1408;
sî inmûstin lenkin / sich undir des geloubin joch
NvJer
4814;
er hete sich gelenket / und geschepfet nâch ir site
KvWTroj
16430;
nû enweiz ich leider wie / ich gedanc gelerne, / dâvon sich mîn muot gerne
/ in den willen lenke, / daz ich an in gedenke, / alsô daz ich im bî / in
geistlîcher beschöude sî LvRegSyon
1956
3.3
Part.-Adj. ‘gebogen, gewunden, gefaltet’
sine [des Vogels] reinen
swankeln sytten [
sîten
] / waren meisterlich
gelenket Minneb
5179;
diu selbe riche banier zier / was von drien stucken, /
[...] / daz ober und daz under / stuͤcke was
geroͤtet / [...] / daz drittail wiz begarwe / da durch
was schon geblenket, / ain larikant [ein strahlend weißer
Stoff] gelenket WhvÖst
16550;
und menig merwunder fin / das ist von gold gelenket drin
[hineingewoben (in das Gewand)] / da nidenan bi
dem orte EckenlE2
94,2;
daz hemde stuont gelenket / nâch einem fremden schrôte
[Schnitt]
KvWEngelh
3078;
HvNstAp
15100.
– übertr.:
sit vrouwen pris solch wirde / treit in lobes girde / gepartiret und
geschrenket, gelenket Frl
3:33,3
4
‘etw. anbringen’ (mit präp. Erg.):
ir gesinde rief si do / unde hiez daz hus
benken [Bänke darin aufstellen] , / ir ummehenge lenken
/ her unde dar an di want Pass I/II (HSW)
3106
MWB 3,3 1065,14; Bearbeiterin: Wemhöner
lennelîn
stN.
→
lœnelîn
MWB 3,3 1066,56;
lent
stF.
→
2lende
MWB 3,3 1066,57;
lentboum
stM.
dem Mastixstrauch ähnliches Gewächs (vgl. Marzell 3,794):
lentiscus haizt ain lendpaum. des paums stam ist sänft und
waich [...], dar umb hât er den namen ze latein lentiscus,
wan wir haizen allez daz lentum ze latein, daz dâ piegleich ist und waich
BdN
328,21.
328,20
MWB 3,3 1066,58; Bearbeiterin: Wemhöner
lentimunt
stM.
→
lenimunt
MWB 3,3 1066,64;
lenze, langeʒ
swM.
vereinzelt stM. (
HvHürnh
Reg. 37;
PsM
73,17
);
auch lantze (
UrkCorp
1546,36
), langiz (
GenM
71,1
); vgl. EWA 5,1015-18 s.v. langez, lenz.
‘Frühling’
ver: lenzo SummHeinr
2:70,61;
das ander vierde teil des iares heiset lenze
Macer
Prosavorr. 14;
MNat
6,23;
wohl verschrieben:
in dem lazen oder in dem sumer SalArz
66,19;
duo der langez chom duo fuor er
[Jakob] ze Bethlehem Gen
1675;
GenM
71,1;
den sumer unde den langezzen [interl. zu estatem et
uer
] du gebildetes PsWindb
73,17;
si [Nachtigall] singet neur in dem
lenzen, daz ist in der zeit von sant Peters tag, als er auf den stuol gesetzt
wart [Kathedra Petri, 22. Februar] , unz an sant Urbans
tag [25. Mai]
BdN
221,1.
397,17
u.ö.;
UrkCorp (WMU)
516,21
u.ö.;
in den lenczen sint [Krankheiten]
licht vnde cortz OvBaierl
67,47;
SalArz
18,55;
man vastet zu dirre zît in deme lenzin, daz ist umme di grôzen plagen di dâ
geschâhen zu dirre zît HvFritzlHl
102,30;
Renner
23661;
Köditz
31,31.
– phras. (vgl. TPMA 3,344):
man vindet sumelîche [Frauen] / die alsô wankel sîn
gemuot, / als in dem lenzen daz weter tuot UvEtzAlex
15620
MWB 3,3 1067,1; Bearbeiterin: Wemhöner
lenzelich
Adj.
‘dem Frühling zugehörig, Frühlings-’ (hier bezogen auf die Tag- und
Nachtgleiche):
zuo merzen so ist der lenzeliche equinoccium. equinoccium daz
ist, so diu naht unde der tac gelich lanc sint MNat
6,26
MWB 3,3 1067,25; Bearbeiterin: Wemhöner
lenzelîn
stN.
wohl Dimin. zu
lanze
, ‘kleine Lanze’, nur als Bestandteil von
Personennamen (vgl. WMU 3,2589 mit zahlreichen weiteren Belegen; Nölle-Hornkamp,
Handwerkerbez., S. 266):
mit sant mînem vndern pergmaister Chvnraten dem Læntzlîn UrkCorp
(WMU)
N470,20;
Lenzelin, der vrowen tohterman von Strazburg ebd.
N150,35
MWB 3,3 1067,30; Bearbeiterin: Wemhöner
lenzemânôt
stM.
‘März’ (vgl. AWB 5,817f. s.v. lenzen-, lenzinmânôd u.
lenzimânôd mit weiteren mhd. Glossenbelegen):
Martius propter Martem romane gentis auctorem, id est merze vel lenzimanot
[Laa. lenzemanoth, lencemanoth
]
SummHeinr
1:104,1117
MWB 3,3 1067,37; Bearbeiterin: Wemhöner
lenzen
swV.
1
‘es dem Frühling gleichtun, wie der Frühling glänzen’ (vgl. FrlWB 210) 2
‘Frühling werden’
1
‘es dem Frühling gleichtun, wie der Frühling glänzen’ (vgl. FrlWB
210):
er [Jesus] schin, ich
[Maria] glast, wir liuchten und erglenzen, / merzen,
meien, lenzen Frl
1:19,25
2
‘Frühling werden’
swenn der winder lenzet Frl
5:87,4.
– subst. und übertr. i.S.v. ‘Aufblühen’, hierher oder zu
lenze swM. (vgl. Anm.z.St. u. Glr.)?:
wie dez sumers lentzen / sin varbe habe gehangen / an ire
snee wisse wangen Minneb
3448
MWB 3,3 1067,43; Bearbeiterin: Wemhöner
lenzestiure
stF.
hier langiz-.
eine im Frühjahr zu entrichtende Abgabe:
2 lehen datz [
dâ ze
] Zaboge gebent
[...] langizstiure und chuchinstiure als man gedingen
mach UrbSonnenb
4
MWB 3,3 1067,52; Bearbeiterin: Wemhöner
leo
M.
→
lëwe
MWB 3,3 1067,56;
leocaffe
swM.
ein sagenhaftes Tier, dessen Asche Löwen tötet:
von dem leocaffen [Überschrift] .
leocophana ist ain klain tier, [...]. wenne man daz gevæht,
sô prent man ez zuo pulver [...]. ist danne, daz die lewen
des pulvers iht rüerent, sô sterbent si BdN
148,31;
ein tier ist wunderlîcher art, genennet leozephenâ KLD:
Kzl
16: 3,2
MWB 3,3 1067,57; Bearbeiterin: Wemhöner
leolîn
stN.
→
lëwelîn
MWB 3,3 1067,64;
leozephenâ
Subst.
→
leocaffe
MWB 3,3 1068,1;
leppelîn
stN.
hier laepplin.
Dimin. zu
1lappe
swFM., ‘kleiner Lappen,
Läppchen’
er sol auch geben einen huot mit lauter vehm [hellem
Pelzbesatz] , mit laepplin oder swi in der hertzog tragen wil
UrbBayJ
527
MWB 3,3 1068,2; Bearbeiterin: Wemhöner
leppenhunt (?)
stM.
eine Art Jagdhund (zur Hasenjagd? vgl. Anm.z.St.):
vur eynen [gestohlenen oder totgeschlagenen] leppen
hunt sol man gelten eynen also gutten und sechs schilling dortzu
KlKsr
4,25
MWB 3,3 1068,7; Bearbeiterin: Wemhöner
lêr
stN.
‘Richtmaß, Modell’ (s.a.
lêre
4):
ouch daz rote Cristes blut / gestrout in dem wege vrut /
[...] / daz si sich icht verirren / di in dem wege
wandern / [...]. / der sich verirret sere / dan von dem
weges lere, / [...] / der muz under hunen
[Riesen] won TvKulm
5298
MWB 3,3 1068,12; Bearbeiterin: Wemhöner
lêr-
→
lêre
-
MWB 3,3 1068,18;
lêrære
stM.
jmd., der anderen Wissen vermittelt, ‘Lehrer, Gelehrter; Autorität, Garant für
als gesichert geltendes Wissen’ (vgl.
meister
)
1 überwiegend in religiösem Kontext zur Bezeichnung für jmdn., der andere im Glauben
und in der richtigen Lebensführung unterrichtet 1.1 christlich-jüdisch, häufig zur Bezeichnung von Heiligen, Aposteln, Kirchenlehrern, aber auch allg. von Predigern 1.2 heidnisch 2 weltlich, ‘Lehrer’
1
überwiegend in religiösem Kontext zur Bezeichnung für jmdn., der andere im Glauben
und in der richtigen Lebensführung unterrichtet
1.1
christlich-jüdisch, häufig zur Bezeichnung von Heiligen, Aposteln,
Kirchenlehrern, aber auch allg. von Predigern:
sinen luͤten den gab er [Gott]
lerær ze allen ziten, von angeng ze aller erst die hiligen patriarche, dar nach
gab er in die si die hiligen e lerten, da nach gab er in die wissagen, da nach
die zwelfboten und noch hiutentag so ladent die hiligen lerær meins træchtins
luͤte zuͦ dem himelrich PrOberalt
70,40;
die hiligen poten und ander hilige lerær
[übers. lat. apostoli sive successores
eorum
]
ebd.
103,22.
121,36
u.ö.;
uber daz liset man in dem ewangelio von unserem hêrren
Jhêsu Christo [...], daz er die lêrere hôrte
[
audivisse doctores vgl. Lc
2,46] unde vrâgete StatDtOrd
96,17;
also sol dise welt uberwunden werden mit gotis worten,
die die lerer [
praedicatores
] sprechint
Lucid
85,13;
tapfere lerer unde bichter Tauler
132,17;
Dyonisius der lêrer WvRh
135;
der lieb sant Thomas [von
Aquin] , der lerer Seuse
180,17;
manec ander lêraere [
doctores V. 29]
/ hant von der mägde werdecheit / vil geschriben WvRh
144;
PsM
H 76,4.
H 95,7.
– zur Bezeichnung und Anrede von Gott, Christus und hl. Geist:
gote nâchgân und im volgen, daz ist êwicheit. die
gebe uns der lêrære der wârheit und der minnære der kiuscheit
Eckh
5: 274,6;
der vil reine Krist, / der got ie was und iemer ist,
/ ir [der Christen] lebennes lêrære
RvEBarl
10879;
swâ der heilige geist lêrer ist, / dâ lernet man vil in kurzer frist
Renner
13557;
Lucid
87,13.
2,11;
minsame Jhesu, getruͥe leidere / aller warheit geware
lerere MarlbRh
133,14.
2,4
u.ö.
– in Wendungen zur Bekräftigung des Dargestellten:
sam die lêrer sagent BdN
60,32.
349,5;
als Augustînus und ander lêrer schreibent ebd.
204,4;
als uns die hôhen lêrer künden / beidiu hier und anderswâ
Renner
13984.
22078
u.ö.
1.2
heidnisch:
daz sprichet ein heidenischer lêrære: ‘der mensche ist ein tier, daz von
natûre sanftmüetic ist’ Eckh
3:296,9;
und sprach zu im
[Hippokrates] sein junger: ‘löblicher
lerär [
doctor
] ,
[...].’ HvHürnh
27,17.
21,3;
sie [die Ägypter] wâren gotes
künste vrî. / ir lêrer, ir philosophî / wolten hôher künste phlegen
RvEBarl
10586
2
weltlich, ‘Lehrer’
meister Andres, der kinden lerer von Senhein UrkCorp (WMU)
2729,39;
Heinrich der lerær ebd.
1911,9;
den vil sussen / Appolonium, meinen lerer
HvNstAp
2142
(im Harfenspiel, vgl. ebd. 1912ff.);
von grôzen sinnen, die er
[Josaphat] truoc, / lêrt in sîner witze hort /
vürbringen sinnerîchiu wort, / mit den sîn wîslîchiu kraft / sîner lêrer
meisterschaft / von ir sinnen jagete RvEBarl
960.
– Lit.: M. Boeters, Lehrer. Eine wortgeschichtliche Untersuchung,
Diss. Hamburg 1962
MWB 3,3 1068,19; Bearbeiterin: Wemhöner
lêrærinne
stF.
‘Lehrerin’
catagitta, doctrix: lerarin SummHeinr
2:9,187.
– bildl.:
aller sprâche lêrerîn / ist kriechisch Renner
22327.
– Lit.: M. Boeters, Lehrerin - Ursprung und Frühgeschichte eines
unbeachteten Wortes, in: PBB (H) 79 (1957), S. 380-390
MWB 3,3 1069,14; Bearbeiterin: Wemhöner
lërc, lirc
Adj.
‘auf der linken Seite befindlich, linke(r/ s)’ (s.a.
lërz
,
linc
,
lürc
,
lürz
)
1 bezogen auf Körperteile, insbes. die Hand 2 in Anlehnung an Mt 25,31ff. (zur Linken Gottes stehen die
Verdammten) 2.1 in der Wendung zuo der lërken (hant)
‘zur linken Hand/ Seite, zur Linken’
2.2 mit den lërken sind die Verdammten bezeichnet
1
bezogen auf Körperteile, insbes. die Hand:
div zeswe vnd div lirke / hende sint mir erfrorn Martina
73,26;
mit der lirken fiuste UvZLanz (K)
1928;
dauon treit men den hantfan [liturgisches
Gewandstück, ‘Manipel’
] an dem lirken arme, daz wir fúrthen
[l. fürhten
] vnseres herren rache
Lucid
88,1.
– subst.:
der meister sprach: die zesuwe betútet den ewigin lip, die
lirke daz gegenwurtige lebin Lucid
87,22;
zuo der barmung werken / an zeswen und an
lerken [nach allen Seiten] / was er gereht und behende
Ottok
20965;
Frl
5:34,11
2
in Anlehnung an Mt 25,31ff. (zur Linken Gottes stehen die
Verdammten)
2.1
in der Wendung zuo der lërken (hant)
‘zur linken Hand/ Seite, zur Linken’
da [beim Jüngsten Gericht]
sezzet men die rehten zuͦ der zesewen alse die scaf vnde die v́belen zuͦ der
lirken hant alse die cikin Lucid
138,20.
138,22.
– subst.:
dyse beyde, / [...] / der
eine zu der zesewen din, / der ander zu der lirken, sin / sitzende in dime
riche EvStPaul
506.
2075
u.ö.;
Lucid
138,24
2.2
mit den lërken sind die Verdammten
bezeichnet:
Messias uns bereite / [...] / daz wir in richtes
stunden / nicht komen zu den lerken Frl
12:3,16
MWB 3,3 1069,20; Bearbeiterin: Wemhöner
lerchboum
stM.
‘Lärche’ (weitere mhd. Belege vgl. AWB 5,840; s.a.
larche
):
terebintum: lerchboͮm, lerchboum Gl
3:42,34
MWB 3,3 1069,45; Bearbeiterin: Wemhöner
lêrche, lërche
swF.
auch lewercke (
KarlGalie
7296
); lêriche (
HundesNot
3
); lereche (
Rumelant (K)
4:18,5
); lerke (
SM:UvB
1: 1,8
).
eine Vogelart, ‘Lerche’
alauda haizt ain lerch und ist als vil gesprochen als ain
lobvogel BdN
171,13;
diu lerch meldet den tag des morgens fruo, sô der morgenrôt
næhent ebd.
171,18;
ich gie eines morgens fruo / an daz velt [...]. / daz
was zen stunden, / dô sich ûf wunden / die lerchen mit gesange Helbl
8,15;
si furtin Iaromirum vf den berg / czu einer linden, do da sang ein lerche
Dalimil (B)
36,28;
Parz
378,7;
ain lerch, dú hât die nature: swenne si singen wil, so flúget si uf engegen
der sunnen, und so si der sunnen ie naͤher ist, so ir stimme ie suͤsser ist. also
geschiht der rainnen sele PrGeorg
326,35.
– häufig bes. im Minnesang als Künderin des Frühlings sowie
allg. als Bestandteil des locus amoenus:
schône singet lerche uber heide. / ich lobe dich, meie, dîner
kraft SM:Go
1: 1,6;
touwic gras, gel brûne bluomen schœne / diu vil liebe kunft des meien bringet,
/ sô diu lerche lüftet ir gedœne KLD: KvK
1:1,3;
SM:KvL
19: 1,11;
KvWLd
7,12;
KLD: UvW
Leich 4,8;
da stunden edle pewmelein: / muscat und nagelein, /
cardamomum und muscat pluet / trugen da di pewmel gut. / di lerche und di nachtegail
/ hetten da vil sussen schal HvNstAp
12937;
KvWTroj
10032;
SHort
185.
– als Bestandteil eines Ortsnamens:
daz gvͦt, daz er von v́ns hatte vffen lerchvn velde vnder Hahberch
UrkCorp (WMU)
443,13.
254,11.
– phras., bezogen auf Stärke und Schwäche (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
268):
schande wenket von ir sêre, / sam vor valken lerche tuot
KLD: BvH
2: 1,4;
daz in ein wîp betwingen mac, der wol zu strîte eines landes kemphe wære! / ir
lerche sî ein valke hô! hœret wunder, daz sint vremde mære! Fegfeuer
1:14,8
MWB 3,3 1069,48; Bearbeiterin: Wemhöner
lêrchenmunt
stM.
‘Lerchenmund’, hier als Kosewort:
min nachtigaln snebelin, / min lerchen munt, min ziselin, /
leg mir driakkers [des Theriaks, eines Heilmittels] trost
zu stund / in miner wunden sichen munt! Minneb
1494
MWB 3,3 1070,21; Bearbeiterin: Wemhöner |