l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lîdenlîchen
Adv.
→
lîdelich
MWB 3,3 1115,10;
lîdensuln
stN.
→
lîden
MWB 3,3 1115,11;
lidere
F.
Bezeichnung für den weiblichen Lachs (vgl. SchweizId 3,1093):
vische, die man nemmet salmen, si sigint wisse oder swarcze, oder wie si
genant sint, daz salmen, lechse oder liderre namen hat, er si klein oder grosse
UrkAargau
1,6:17,20
(a. 1347)
MWB 3,3 1115,12; Bearbeiterin: Baumgarte
1lideren, lidern
swV.
‘angliedern, zusammenfügen, verknüpfen’ (zu
1lit
, vgl.
1liden
):
in diseme capitile glichet sich unser vrowe eineme reinen lichamen, an deme
alle geistliche kinder gelidert schollen sin, und dez lichamen houbet ist Jesus
Christus, Gotis sun von himelriche HlReg
2,7
MWB 3,3 1115,18; Bearbeiterin: Baumgarte
2lideren
swV.
→
lëderen
MWB 3,3 1115,24;
liderîn
Adj.
‘aus Leder’
an den henden sullen si [die
Gerichtskämpfer] dünne hantschuohe haben liderîn unde blôz swert in
den handen SpdtL
175,15;
Achilles [...] wart gewar vil
schiere des, / daz er in einer hiute lac, / wan der liderîne sac / sô clâr und alsô
heiter was, / daz er durch in als dur ein glas / daz mer und manic wunder kôs
KvWTroj
14064;
Parz
129,24;
KarlGalie
8577;
SchwSp (W)
285,2.
– aus Fischhaut:
er [der Zentaur Cheiron] von leder
truoc ein cleit, / daz er [...] sneit / ab einem wilden
vische rûch. / [...] / weich unde niht ze rösche / was diu
liderîne wât KvWTroj
5951
MWB 3,3 1115,25; Bearbeiterin: Baumgarte
lideschart
Adj.
‘verletzt, verstümmelt’ (vgl.
litscherten
):
die búrtig warin von der art, / ane die da warin lideschart,
/ hovirot [buckelig] , blint oder crump / oder in toubin
sinnin tump RvEWchr
12719
(s.a. Rudolf His, Die Körperverletzungen im Strafrecht des deutschen Mittelalters,
in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 41 (1920), S. 75-126, hier
S. 111f.)
MWB 3,3 1115,37; Bearbeiterin: Baumgarte
lideschertic
Adj.
‘verletzt, verstümmelt’ (vgl.
litscherten
):
swelhe burger den andern verseret vnd vberwundet mit geverlichen oder
flizenden wunden, also die man meizzeln [mit meizel, einem
spez. Verbandszeug, offenhalten] muz, ledeschertig sin oder
bwnschrötig [l. beinschrötig
]
StRRotenb
505
(Lit. s.
lideschart
).
– übertr.:
daz mir worden ist lideschertig / min freude
Minneb
4680.
2129
MWB 3,3 1115,45; Bearbeiterin: Baumgarte
lidesiech
Adj.
‘an den Gliedmaßen, Gelenken erkrankt’
heiz einen betterisen [Bettlägerigen] her / vil
schiere tinsen [schleppen] unde tragen / des lîp von
sînem siechtagen / niht gerüeren künne sich. [...] sô lâ
zehant die priester dîn / al dîne göte schrîen an / daz si dem lidesiechen man / hie
wider geben sîne genist KvWPant
1002.
– subst.:
lidesiechen unde lamen / generte diu magt alsamen WvRh
13782
MWB 3,3 1115,54; Bearbeiterin: Baumgarte
lidesiechtuom
stM.
‘schmerzhafte Erkrankung der Gliedmaßen, Gelenke’
si [die Arznei Iera
rufini
] ist fur di gicht. vnde fur den huf sichtum. vnde fur
den lide sichtum. vnde fur den fuz sichtum SalArz
99,3
u.ö.
MWB 3,3 1115,63; Bearbeiterin: Baumgarte
lidesuht
stF.
‘schmerzhafte Erkrankung der Gliedmaßen, Gelenke’
artetica: lidsuht, lidsucht VocOpt
43.096;
sciatica : lidsuht in der huft, in der huf lidsucht ebd.
43.099
MWB 3,3 1116,4; Bearbeiterin: Baumgarte
lideweich
Adj.
‘biegsam, geschmeidig’, übertr.: ‘formbar, beeinflussbar,
gefügig’
sîn houbt muoz zieren schône / diu kunic Karles krône, /
[...] / diser kunst und disem list / machtens dem von
Engellant / sô lideweich die hant, / daz sîn hort wart an geruort. / ez wart sô vil
gefuort / her ze tiutschen landen sînes guotes, / daz [...]
Ottok
12336;
wir jungen namen den weize [den Weizen, in der
Auslegung des Gleichnisses: den Glauben] / der alt vorborgen
zeichen [des alten Testamentes] , / wen wir lide
weichen / nach den worten uns bekarten / die jen alden uns vor larten
HeslApk
11030
(Glr.z.St. ‘wankelmütig’)
MWB 3,3 1116,8; Bearbeiterin: Baumgarte
lidic
Adj.
→
lëdic
MWB 3,3 1116,21;
lîdic
Adj.
graphische Interferenz mit i-Schreibung in
lëdic
.
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
2
‘annehmbar, erträglich, akzeptabel’
3
‘leidend’
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
froelich und gespraeche / was si [
Maria
]
sunder waehe, / lîdec, gedultec, kiusche / und milt ân alle tiusche
WvRh
13296;
si [die minne unsers herren
] machet dich
in armuͦt willich. unde in arbaiten lidich PrSchw
2,103;
wenne denne dise bekorunge
[Versuchung] kummet, so sol er
[...] sich liden in gelossenheit und in lidiger
gelossenheit und warte Gottes in dem getrenge [Bedrängnis]
Tauler
93,32
u.ö.
2
‘annehmbar, erträglich, akzeptabel’
missehellent die, so sol der ertzebischof von Meintze den schaden machen
[regeln] , als in beidenthalp lidik vnde mugelich
dvnket UrkCorp (WMU)
931,29;
daz dem lidenden menschen liden dest lidiger werde
Seuse
396,24
u.ö.
3
‘leidend’
herre, nu sihe ich, daz ich dich als warlich enphahe alse
er [Simeon, vgl. Lc 2,28] , und so vil adellicher, als
vil din zarter lib nu glorifizieret und unlidig ist, der do lidig waz
Seuse
294,13
MWB 3,3 1116,22; Bearbeiterin: Baumgarte
lidicheit
stF.
→
lëdicheit
MWB 3,3 1116,43;
lîdicheit (?)
stF.
graphische Interferenz mit i-Schreibung in
lëdicheit
(2 und 3) und umgekehrt;
der eigene Ansatz von lîdicheit trägt der Unterscheidung zwischen
‘Nicht-Handeln, Geschehenlassen’ und ‘Freisein von Aufgaben, Arbeit’
(vgl. lëdicheit
3) bei jenen Belegen Rechnung (im Tauler-Glr. bei
lëdicheit), die einen Ggs. zu
wirkelîcheit
‘Tätigkeit’ enthalten und wenn es darum geht, sich dem Wirken Gottes
anzuvertrauen (vgl.
lîdiclich
2).
ein sich von Tätigkeit Enthalten, ‘Tatenlosigkeit, Untätigkeit,
Passivität’
leider mine lidicheit / du hat mig dikke verleit, / daz ig van
minen sculden / verworte sine hulde MarldA
132;
och sol der mensche vil innerlichen war nemen wenne in der
geist gotz mane och ze lidikeit oder ze wúrklicheit Tauler
178,30;
alsus so sol der mensche etwenne wúrken, etwenne rasten,
[...] nach dem das er bevint das in aller meist zuͦ
gotte reissen mag, es si in wúrklicheit oder in stillin. der nút mit lidikeit
innerlichen enkan, der kome dar mit wúrklicheit heiliger bilde und uͤbunge ebd.
238,30.
–
valsche ~
:
in etlichen landen vint man lúte die einer valscher lidikeit
phlegent und tuͦnt sich aller wúrklicheit ab, und inwendig huͤtent si sich vor
guͦten gedenken, und sprechent si sin ze friden komen, und enwellent sich och nút
uͤben an den werken der tugende Tauler
218,11;
si minnent ir inwendige valsche lidikeit, die nút gesuͦchet
enist mit wúrklicher minne von innan und ussen ebd.
167,15.
219,2.
250,7.
250,23;
valsche ledikeit ebd.
250,32
MWB 3,3 1116,44; Bearbeiterin: Baumgarte
lîdiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen.
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
2
‘passiv, ohne selbst einzugreifen’
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
er leit vil gar die arbeit, / diu an in ie wart
geleit [die ihm auferlegt wurde] , / mit lîdeclîchem
sinne RvEBarl
5971.
– überw. adv.:
er truoc sîn arbeit / lideclîche in gotes namen / âne
weltlîchez schamen RvEBarl
15285.
5967;
so daz selbe liden ie mer ist und so sú ein einig Pater
noster noch Ave Maria nút mugent lidekliche gesprechen one daz veige gerúne
Seuse
505,1;
daz aber ich vil lîdiclîchen [Hs.
lediklichen
] tuo HartmKlage (G)
659
2
‘passiv, ohne selbst einzugreifen’
und wenne man des gewar wirt das der herre do ist, so sol man
im das werk lossen lideklichen Tauler
238,20
u.ö.
MWB 3,3 1117,11; Bearbeiterin: Baumgarte
lidiclîche
Adv.
‘stückweise, Glied für Glied’ (zu
1lit
; membratim, vgl. Glr.z.St.;
oder zu (bei Märtyrern naheliegendem) lîdiclîche
‘geduldig leidend, duldsam’ verschriebene Spontanbildung lidelîche
zur Übers. von membratim, was dem Wortbildungsparadigma zu
1lit mehr entspräche, vgl. z.B. lidelos,
-schart):
Sant Jacob lidklich ward zerschnitten / mit messern gar nach hertem sitten
KvHelmsd
3777
MWB 3,3 1117,26; Bearbeiterin: Baumgarte
lidundei
Interj.
Ausdruck zum lautmalerischen Nachahmen einer Nachtigall (VocesWack, S. 26):
deilidurei faledirannurei / lîdundei faladaritturei! SM:
HvStr
1: 1,11
MWB 3,3 1117,35; Bearbeiterin: Baumgarte
lîdunge
stF.
1
‘Ertragen, Aushalten, Ausharren’
2 das, was jmdm. zu ertragen bestimmt ist (z.B. äußere Makel, Tadel, Schmach, Leid) 3
‘Abgabe(pflicht), Last’ (vgl. DRW 8,1159f.)
1
‘Ertragen, Aushalten, Ausharren’
so wirt diu minne unsers herren [zu unserem Herren]
bewêret. mit ainer lidunge aller widerwertechait. dc ist dc der mensch armuͦt unde
ungeluͥche unde alle arbait gedulteclich lidet durh got PrSchw
1,123;
dar nach koment si mit helfe [durch
Fürbitten] und lidunge úber alle not, das ist dem himelriche also
nahe, das si alle vroͤde habent ane drierleie vroͤde Mechth
6: 8,30;
ein pinlicheit, ein gehorsam und ein lidunge
Tauler
83,15.
14,32
2
das, was jmdm. zu ertragen bestimmt ist (z.B. äußere Makel, Tadel, Schmach,
Leid):
di herrin [Herrscher] sullen han gedult / an
lidunge mit unschult / und an der lute bruche [Fehlerhaftigkeiten,
Verfehlungen]
PfzdHech
258,27;
also sol der mensche sin in eime woren sloffe ussewendig zuͦ
allen lidungen und bekorungen die uf in gevallen múgent, und sol nút denne in
einer gelassener lidunge [zu 1
] sich
demuͤtekliche underboͤigen und liden in einer entslaffener wisen und enker sich nút
daran Tauler
14,31;
diu lîdunge der sinne und der nidersten krefte diu engât in
niht ane noch disiu anvehtunge Eckh
5: 271,7;
Daniel
2707;
HvBer
3114;
PrWack
99,98.
– im Ggs. zum aktiven tüeliche, tüegunge das Passive
hervorhebend:
aber die wandelunge bestat in der tüeliche unde in der
lidunge [
mutatio autem consistit in actione et
passione
]
ThvASu
28,25;
aber die ufnemunge treit inne die tüegunge, nach dem unde
man sprichet, daz etwer ufnimet, oder die lidunge, nach dem unde etwaz ufgenomen
ist [
assumptio autem actionem secundum quam dicitur
aliquis assumens, vel passionem secundum quam dicitur aliquid
assumptum
] . ebd.
28,29
3
‘Abgabe(pflicht), Last’ (vgl. DRW 8,1159f.):
wir wellen auch, daz allez daz guet, daz geistlich leut in unser stat czu
Brunne chaufen oder wie sie iz gewinnen, daz daz alle losunge und alle beswerung mit
der stat tragen schol und leiden und chain hantvest noch chain gnad schol geistlich
leut derselben leidung uberheben StRBrünn
387
MWB 3,3 1117,39; Bearbeiterin: Baumgarte
lie, liewe
stF.
‘Laube’
mangen vogel [
hôrte
man
] singen / in den liewen über al Wig
242.
345;
TrudHL
32,6.
– bildl.:
ich wil des sinnes lie florieren / mit roselechten worten, schon probieren /
mit redeblumen sunder frist Frl
11:1,1.
– im Vergleich:
also ich min lip sie [meine Geliebte
sehe] , / so ist iz geschaffen an schoner lie [an einer
schönen Laube] / also ein wintrubel von Cypri / komen uz dem
wingarten Engaddi [vgl. botrus cypri dilectus meus mihi in vineis
Engaddi Ct 1,13]
Brun
7469
MWB 3,3 1118,16; Bearbeiter: Hansen
liebamîe
stF.
‘Geliebte’ (vgl.
trûtamîe
):
in ir süezen wazzers vliezen / miner zarten liebamie / ir sirenen symphonie /
væhet ie sa mins herzen kiel MinneR 28
1,95
MWB 3,3 1118,26; Bearbeiter: Hansen
liebe
Adv.
→
liep
MWB 3,3 1118,30;
liebe
stF.
auch
swF.
(
z.B.
HlReg
20,15,
Lilie
71,172,
Mechth
),
md. auch lieve, leive
(
z.B.
Roth ,
HagenChr
); Formenüberschneidungen mit liep stN., von dem es nicht immer sicher
zu unterscheiden ist, vgl.
liep
Adj. 3.1.
‘Zuneigung, Liebe’, metonymisch auch eine konkrete ‘Zuneigungs- oder
Liebesbekundung, Gefälligkeit, Zärtlichkeit’
1 allg. ‘Zuneigung, Freundschaft, Wertschätzung, Gunst’
2 Partnerliebe (von selbstloser, partnerschaftlicher Zuneigung über sehnsüchtige
Verliebtheit bis hin zu körperlicher, sexueller Begierde; vgl.
minne
) 3 elterliche, familiäre Liebe 4 religiöse Liebe 4.1 Liebe der Menschen zu Gott 4.2 Liebe Gottes 5 Neigung zu Dingen und Sachverhalten, ‘Verlangen, Sehnsucht, Lust’
1
allg. ‘Zuneigung, Freundschaft, Wertschätzung, Gunst’
wizz, daz gâb und zuotætichait vil lieb und lobs enzündet
BdN
59,34;
daz der hailig gaist den menschen entzünt zuo gotes minne und
zuo des næhsten lieb ebd.
70,10
u.ö.;
ein mensche gibet doch sîn guot und lîdet ungemach, daz er
sînen vriunt ervröuwen müge und im eine liebe bewîsen Eckh
5: 49,14;
wir wollen noch me durch uwer lieb [aus Zuneigung
zu euch] thun Lanc
78,23;
swer durch liebe oder durch leide oder durch gâbe oder durch
vriuntschaft oder durch vîntschaft iht anders rihtet danne alse ditz buoch saget,
daz ist wider got SpdtL
80,12
u.ö. (für den spezifisch rechtssprachl. Gebrauch vgl. auch DRW 8,1306f. mit
weiteren Belegen);
SchlierbAT (LS)
1,99;
Pelzb
135,3.
–
‘Zustimmung’ (vgl.
5
):
daz inmac min nicht vircophi noch virsezzi ani des mannis
liebi, demi iz zu werin gisazt is Mühlh
129,11.
146,23.
178,12
2
Partnerliebe (von selbstloser, partnerschaftlicher Zuneigung über sehnsüchtige
Verliebtheit bis hin zu körperlicher, sexueller Begierde; vgl.
minne
):
swer sich kunne / mit liebe lieblîch zweien, / der sol fröide
in herze heien [hegen]
SM:KvL
3: 1,6;
stætiu liebe heizet minne. / liebe, minne, ist al ein: / die
kan ich in mînem sinne / niht gemachen wol zuo zwein KLD: UvL
28: 4,1;
diu liebe den herren sô betwanc, / daz er eins halben tages
lanc / die frouwen selten vermeit Eracl
2467.
2480;
er [der Stein] hât auch die art,
daz er der êläut lieb widerpringt BdN
436,23;
wizze din liebe [deine
Liebesbezeugungen] ir / nu sint hart smæhe WhvÖst
10360;
sît si herzeliebe heizent minne, / so enweiz ich, wie diu
liebe heizen sol MF:Mor
11a: 3,2;
do begunden wir do beide ein gemellichez
machen [d.h. Geschlechtsverkehr haben] ; / daz geschach
von liebe und ouch von wunderlichen sachen Tannh
3,84;
wir sint vleischlicher lieben / entprant in diner gere, / dar
umme uns gewere / dines libes sundir haz! Daniel
7544.
7454;
RvEWh
5002;
Parz
202,30;
KvWHerzm
7.
– bildl./ personif.:
diu blinde liebe [...], / diu
mit in beiden umbe gie Tr
16453;
der liebe swert sere sneit / alhie die alden beide
Daniel
7464;
frou liebe iu gît geselleschaft Parz
291,17;
frô liebe KLD: RvB
4:11,1.
4:10,1
u.ö.;
SM:Te
8: 1,8.
– übertr. auf Tiere:
diu taub enzünt ir lieb mit snäbeln sam die menschen mit
küssen BdN
180,1;
wenn der man [die männliche
Schlange] mit dem weib unkäuscht, sô ist si sô gar vol
gelustes, daz si im daz haupt von lieb ab peizt ebd.
285,14
3
elterliche, familiäre Liebe:
do neigte sich dú jungfroͮwe mit muͤterlicher liebi in
maͤgtlicher zuht zuͦ irme gepingetem kinde Mechth
5: 23,67.
1: 44,62;
filadelfia lutet, / als uns Beda bedutet, / ‘in bruderlicher
liebe.’ HeslApk
5351;
die suͤne die dient ir vater getriulich durch die libe und
durch die trew die si zuͦ im habent PrOberalt
92,30;
Eckh
5: 25,12;
Tr
1942.
– übertr. auf Tiere:
die storch habent [...] grôz
lieb zuo irn kinden BdN
175,16.
178,30.
210,7
4
religiöse Liebe
4.1
Liebe der Menschen zu Gott:
der stain bedäutt die volkomen stætikait der hailigen
marterær, die ir pluot vergozzen habent in der liebe unsers herren
BdN
461,28;
die ewig liebi zuͦ gotte wonot in der sele
Mechth
7: 46,16
u.ö.;
dar umbe solt dû daz merken in dir, ob dîn liebe wahse ze
gote Eckh
5: 264,3;
PrOberalt
42,20
u.ö.
4.2
Liebe Gottes:
gedenche unser herre in der liebe uolches dines [
in
beneplacito populi tui
]
PsM
105,4;
durch unser lieb nam unser herre unser menscheit an sich
PrOberalt
38,17
u.ö.;
des heiligen geistes liebe diu erfullet dïr dine hercze
Konr
8,21.
23,105.
– in der Bez. des Hoheliedes:
in der liebe buche dort / hore Salomonis wort
Daniel
2079.
3500
5
Neigung zu Dingen und Sachverhalten, ‘Verlangen, Sehnsucht, Lust’
habe ich di libe daz ich uber mer wil, und hette ich gerne
ein schif, daz were allein daz ich gerne uber mer were Parad
130,19;
reinige, herre, hútte min herze von aller irdenischer liebin
Mechth
6: 37,11
u.ö.;
swer sleht die Nibelunge [...] durch
deheines schatzes liebe [aus Gier nach Schätzen]
NibB
1900,3;
sô hân ich und hât mîn herze noch liebe und minne ze
zergenclîchen dingen Eckh
5: 17,10;
PrOberalt
9,25.
4,8;
DvAPatern
312;
BdN
291,27
u.ö.
MWB 3,3 1118,31; Bearbeiter: Hansen
liebe
swMF.
→
liep
Adj. 3.2
MWB 3,3 1119,59; |