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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lide- - 2lideren    


lide- s.a. lit-

MWB 3,3 1109,11;

lîdebære Adj. ‘duldbar, akzeptabel’ wir müezen des dem künige jehen, / er möht alein niht wol für sehen, / waz in dem rîche brüchic wær; / dâ von ist ez wol lîdebær, / er habe, die im helfen phlegen, / durch daz daz reht iht under wegen / belîb an keinen enden HvBer 2718

MWB 3,3 1109,12; Bearbeiterin: Baumgarte

lîdebære stF. ‘Duldsamkeit, Verträglichkeit’ daz der mensch nit kumet ze goͤtlichen tugenden, als gehorsami, lidberi, unbehabenlichi und dero glich Seuse 340,15

MWB 3,3 1109,18; Bearbeiterin: Baumgarte

lidebrëchen stN. das Brechen der Glieder: mit sweren lidebrechen / des cruces presse [Auslegung eines Bildes der Weinpresse] alleine ich [Jesus] habe / dort getreten, und dar abe / spranc daz blut uf mine wat Pass I/II (HSW) 9754 (vgl. Is 63,3)

MWB 3,3 1109,22; Bearbeiterin: Baumgarte

lidegrôʒ Adj. ‘mit großen Gliedmaßen versehen, großgliedrig’ er [Agamemnon] was lancreche [lange auf Rache aus] , / als daz wol schin wart / an der langen heruart, / wiz hutic vnde lide groz Herb 2957

MWB 3,3 1109,27; Bearbeiterin: Baumgarte

lîdehaft Adj. ‘leidend’ wizzet, daz der von Baldach / niht lîdet dann von minne; / [...] / sô wæn ich endelîchen daz, / daz er lîht minne etewaz, / daz iuch von mâcschaft angehœr. / nu fürht er lîht, daz ez im stœr / gein iu geselliclîche kraft / und wil ê wesen lîdehaft, / ê er iu daz ze kunde sag, / daz iu vil lîhte nit behag HvBer 5605

MWB 3,3 1109,32; Bearbeiterin: Baumgarte

lidelam Adj. ‘gelähmt (an den Gliedmaßen)’ er sleht in ze tôde oder er machet in lidelam an sînem lîbe oder treit im iemer nît unde haz PrBerth 1:427,29

MWB 3,3 1109,39; Bearbeiterin: Baumgarte

lîdelich Adj. , -lîche Adv. auch lîden- ( Parz 13,7 ), adv. auch -lîchen ( Tauler 119,35; Parz 13,7 ). ‘in der Lage (ein meist unangenehmes, schmerzliches) Geschehen und Erleben hinzunehmen’ (vgl. lîden ) 1 ‘geduldig, duldsam, annehmend’ (vgl. lîdiclich )
2 ‘verletzlich’
3 ‘gut (oder auch schwer? - vgl. 3.2) zu ertragen’
3.1 ‘annehmbar, erträglich’
3.2 unklar: wohl ‘schwer zu ertragen’ und nicht zu 3.1 (Glr.z.St. ‘leidvoll’ )
   1 ‘geduldig, duldsam, annehmend’ (vgl. lîdiclich ): ir muͤssent schof sin in worer senftmuͤtikeit, in stillikeit und aller gelossenheit, lidelicheit, das du habest ein under geworffen gemuͤte under Got und durch in under alle creaturen in lidelicher wise, wie dich Got suͦcht oder suͦchen wil Tauler 142,7. 243,25. – im Ggs. zum aktiven → wirkelich das Passive hervorhebend (s.a. lîdunge 2): wie geschicht dise suͦchunge die in den menschen geschicht? die eine die ist in im wirklich und die ander ist lidelich Tauler 143,26; und nach sinen nidersten kreften so was er wirklich, bewegelich, lidelich unde hatte gebruchen und wúrken und liden mit einander ebd. 157,18. 302,1; sîn [Gahmurets] rüemen [Prahlen] daz was kleine, / grôz êre er lîdenlîchen leit [nahm er (bescheiden) hin] Parz 13,7    2 ‘verletzlich’ wir sehen verre me von unserm herren Jesu Christo wan die junger taten, wan S. Peter oder S. Johannes, si sahen einen armen kranken [schwachen] lidelichen totlichen menschen vor in gon Tauler 196,23; [als Christus uns seiner selbst beraubte,] als er lîdelich und tœtlich was, dô gap er uns einen andern sich an dem sacrament unlîdelich und untœtlich Eckh 4:741,31; ThvASu 92,27; in dem lidelichen libe [in corpore passibili] ebd. 130,10    3 ‘gut (oder auch schwer? - vgl. 3.2) zu ertragen’    3.1 ‘annehmbar, erträglich’ wir schaffen auch, daz vnser vitztuͤm fuͤrbaz leidleich vnd beschaiden sein mit ir chost, swo si di habent von ir handlvng wegen der vitztumampt UrkWittelsb 2,359 (a. 1340). – hierher oder zu 3.2 (Glr.z.St.: ‘erträglich, leidlich’): nû erfunden die kargen, / daz man den kunic vienge, / und sô daz ergienge, / daz man im ab erdrôt / mit lîdelicher nôt, / daz er dem lande / sîniu reht erkande Ottok 76394; tolerabilis: lidelich EvAlem 69 (Mt 10,15); remissius: lidelicher ebd. 63 (Mt 11,24)    3.2 unklar: wohl ‘schwer zu ertragen’ und nicht zu 3.1 (Glr.z.St. ‘leidvoll’): turn und erker musten lyden / lytlich gebrechen von den plyden [Belagerungsmaschinen] , / wann daz must allez samt entzwey Minneb 3644

MWB 3,3 1109,43; Bearbeiterin: Baumgarte

lîdelîcheit stF. 1 ‘Duldsamkeit, Geduld’ (zu lîdelich 1 )
2 ‘Verletzlichkeit, Gebrechlichkeit’ (zu lîdelich 2 )
3 ‘Ertragen, Aushalten’ (zu lîdelich 3 )
   1 ‘Duldsamkeit, Geduld’ (zu lîdelich 1): ir muͤssent schof sin in worer senftmuͤtikeit, in stillikeit und aller gelossenheit, lidelicheit, das du habest ein under geworffen gemuͤte under got Tauler 142,6. 217,11    2 ‘Verletzlichkeit, Gebrechlichkeit’ (zu lîdelich 2): die erste lidunge das ist das der mensche geneiglich ist ze gebresten, und das ist gepflanzet in die nature. und die lidelicheit die sol alwegen dem menschen wider sin, und sinen willen dannan ab keren mit gantzer kraft, als verre es Gotte wider ist Tauler 163,6    3 ‘Ertragen, Aushalten’ (zu lîdelich 3): diu götlîche frîheit des geistes frîheit nimet, [...], und ûf disem puncten müezent alle kunstrîche meister belîben unde man mac mit aller nâtiurlîcher crêatiurlîcher kunst niht für baz komen, wan alleine in dem geiste in lîdelicheit gotes Eckh (Pf) 417,20 (vgl. ein blôz gegenwurf in dem geiste âne alles mittel, dâ von der geist nâch frîer art unde nâch vernünftigem glîch allez daz gelîden mac, daz got gewürken mac über alle redelicheit ebd. 417,14f. ); dô unser herre Jêsus Kristus nâhete sîner pînlicheit [Marter] , dô twang in diu lîdelicheit der pînlicheit in der inwendikeit [im Inneren (in der Vorstellung)] , daz er Judas verweiz obe dem tische unde sant Pêter ûf dem berge ebd. 641,10 (vgl. sô was ime diu künftige pînlicheit sô gegenwürtic, daz si alle sîner sêle krefte durchpînigete [heftig peinigte] ebd. 654,21 )

MWB 3,3 1110,25; Bearbeiterin: Baumgarte

lidelîn stN. auch lidelî. Dimin. zu 1lit , ‘kleiner (Körper-)teil, Gliedchen’ articulus: lidelin Gl 3:439,70 (BStK926); articulus: lideli VocOpt 1.177; articulus: lidli ebd. 1.177

MWB 3,3 1110,54; Bearbeiterin: Baumgarte

lidelôn stMN. litlôn

MWB 3,3 1110,58;

lidelôs Adj. auch lid-. ‘verstümmelt’ slecht ein man dem andern einen vinger ab oder ein lid, man sol im hin wider einen vinger oder ein lid abslahen. [...] an swedrer seitten er in lidlôs machet, an der selben seitten sol man im daz selb hin wider tuon RbRupr 16; ez ist gar ein groziu sünde, der den andern tœtet oder lidelôs machet: ez ist aber michel grœzer sünde, der im ez selbe tuot mit willen PrBerth 2:129,11. 2:129,9

MWB 3,3 1110,59; Bearbeiterin: Baumgarte

lidemâc stM. zu 1lit (Körperglied) und mâc . Verwandter, dessen Verwandtschaftgrad sich an den Körpergliedern abzählen lässt (z.B. Kopf = Ehepartner → houbetmâc über Schulter, Ellenbogen, Hand usw. bis zum → nagelmâc , vgl. z.B. SpdtL 84,5ff. ): so denne die muͦter stirbet, so erbent die nechsten lidmage, stirbet aber vatter vnd muͦter, vnd ein svn lebet, so denne der darnach stirbet ane wib vnd an kint, so sol in der nechste lidemage von vatter old von muͦter erben StRBern 1/2:55,35; ein S. Petersman, den sein armut darzu zwinget, das er sein gut verkaufen mus, der sol es bieten seinem lidemagen oder neven von erst WeistGr 1,755 (o.J.); UrkAargau 1,2 Brugg:16,35 (vor 1309)

MWB 3,3 1111,4; Bearbeiterin: Baumgarte

lidemâʒ, lidemæʒe stN. Pl. -mâʒ (z.B. Kreuzf 7980 [daz:]), -mæʒe (z.B. Eckh 3:24,2 ), -mæʒer ( Eckh (S) 22,54, vgl. auch gelidemæʒe ). 1 ‘Körperteil, Gliedmaß, Organ’
2 ‘Mitglied einer Gruppe’ (vgl. DRW 4,943f. mit Belegen ab 1400 s.v. Gliedmaß 2); hier in der Wendung der tiuvel und sîne lidemâʒe ‘der Teufel und seine Gesellen’
   1 ‘Körperteil, Gliedmaß, Organ’ organum: lidemeze VocAbstr (H) O,10; [daran] ist vns bezeichent der guͦz [Guss (Eingießen)] der waren minne, [erg. der ] die reinen magt sente Marie so gar durchvuͦr, daz ein lidemaz an irm reinen magtliche libe nicht ein bleib [l. enbleib ] iz were wol [l. vol ] der minne und des heiligen geistes PrLpz (L) 26,32; sîne innerlîchen lidemâz, / von den der mensche sîn leben hât, / [...] / im wâren versêrt Kreuzf 7980; swelch burger den andern nider wirfet also daz he vme sin ŏgen wolle vz breche oder ander sine lidemeze wolle vorstummele StRNordh 1,50; Eckh 3:24,2. 3:400,10; swanne der mensche in nœten ist, sô wirt er bleich, daz ist, daz diu natûre und daz bluot verzîhet aller der lidemæze und vliuzet ze dem herzen und wil dem herzen bîstân ebd. 3:403,23; dâ endarf ich hende noch fûze zû noch keinerlei ledemêzer Eckh (S) 22,54; so det er mit des tivils gewalt mit in daz er wolde. unde machite si toub. vnde blint. vnde stumm. vnde irrite si an ir lide meizen [Verschr. lidemâʒen oder l. lidemêʒen ] PrMd 36    2 ‘Mitglied einer Gruppe’ (vgl. DRW 4,943f. mit Belegen ab 1400 s.v. Gliedmaß 2); hier in der Wendung der tiuvel und sîne lidemâʒe ‘der Teufel und seine Gesellen’ ir [Marias] kuͦscheit vnd ir othmuͦticheit die habn gesiget wider den tuͦuel vnd sine lidemaze PrLpz (L) 95,27. 129,23

MWB 3,3 1111,19; Bearbeiterin: Baumgarte

1liden swV. ‘zusammenfügen, (an-, ver-)knüpfen, angliedern’ (vgl. zesamene liden ): die heiligen wurden beide / mit grozen keten do besmidet, / die umme sie wurden gelidet, / und in den kerker also bracht Pass III 304,24; darabe [vom Turm] man wite sach hin vor. / [...] / ein kete vollen groz gesmidet / und uzen uf daz dach gelidet ebd. 560,22; grosse not / mir empot, / der mir drot / auf den tod, / das ist Hildebolt von Bernreute. / Irrenfrid / und der smid / werden glid [d.i. gelidet ] / an eim wid [Strick] , / das sie mit gemach lan die leute Neidh (S) 2,72 c18:3,8

MWB 3,3 1111,50; Bearbeiterin: Baumgarte

2liden swV. ‘(zer-)gliedern, teilen’ lege die ersten schiht von epfeln, [...], dor noch daz huͦn, daz sol cleine gelidet sin. tuͦ vf ieglich schiht ein wenig wuͤrtze BvgSp 51

MWB 3,3 1111,62; Bearbeiterin: Baumgarte

lîden stV. (Ia) kontrahiert lîn ( Virg 1010,5 ). 1 Relikt einer alten Verwendung ‘gehen, weggehen, vorübergehen’ (vgl. Kluge, S. 568; AWB 5,904)
1.1 intr. ‘(zeitlich) vorübergehen’
1.2 tr. ‘an etw. vorbeigehen, etw. passieren’ (vgl. Anm.z.St.)
2 Geschehen, Erleben, Handlungen, Tatsachen bereitwillig hinnehmen, hinnehmen müssen oder geschehen lassen
2.1 tr. ‘etw. (er)dulden, ertragen, erleiden’ meist von körperlichem und seelischem Schmerz (typische Kollokationen sind nôt , arbeit , kumber , marter , bei Eckh auch leit ; seltener armuot , hunger , jâmer , pîne , smachheit , smërze , sorge , swære , tôt , ungemach )
2.1.1 ‘etw. hinnehmen, über sich ergehen lassen oder ertragen müssen’
2.1.2 ‘etw. freiwillig auf sich nehmen, ertragen’
2.1.3 ‘etw. aushalten können’
2.1.4 ‘etw. dulden, erlauben’
2.1.5 ‘jmdn. (gut) ertragen können, jmdn./etw. (leiden) mögen, schätzen’
2.1.6 ‘(die Anwesenheit/ das Verhalten von jmdm.) dulden’
2.2 refl.
2.2.1 ‘sich gedulden, sich in die Gegebenheiten fügen’ (vgl. 2.1.1 )
2.2.2 ‘sich (den anderen) angenehm machen’ (vgl. 2.1.5 ),
2.3 wohl tr. mit Ersparung eines Obj. (insbes. i.S.v. ‘Not’ , ‘Schmerz’ oder ‘Schaden’ , vgl. 2.1 ), im Übergang zu intr. ‘leiden’
2.3.1 ‘Schaden nehmen, beeinträchtigt werden’
2.3.2 überw. in späten, bes. in myst. Texten übergehend zu ‘Schmerz empfinden, leiden’ (oft als subst. Inf., vgl. 2.3.4 )
2.3.3 subst. und flekt. Inf. ‘Leiden’ , hier auch die terminologische Aufladung und Differenzierung von lîden , lîden suln und geliten hân und (bes. bei Eckh ) die Verknüpfung von lîden mit leit
   1 Relikt einer alten Verwendung ‘gehen, weggehen, vorübergehen’ (vgl. Kluge, S. 568; AWB 5,904)    1.1 intr. ‘(zeitlich) vorübergehen’ also der worde veil geleden [d.i. geliden; so waren viele der Worte vorübergegangen, waren geredet] , / so wysset, dat sy beyde scheden KarlGalie 9153. – überw. von Zeitspannen (zum ge-losen Part. Prät. vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 73, bes. Anm. 4): e sie begraben weren, / waren liden vierzehen nacht Herb 8125; dô di nône liden was SAlex 5108; des is leden [La. geleden ] zwei jar MorantGalie 3205; da dese dry wechen waren geleden KarlGalie 12506    1.2 tr. ‘an etw. vorbeigehen, etw. passieren’ (vgl. Anm.z.St.): dus hant si geleden / Paris [waren an Paris vorübergeritten] inde komen gereden / vur’t munster sente Dionise MorantGalie 407    2 Geschehen, Erleben, Handlungen, Tatsachen bereitwillig hinnehmen, hinnehmen müssen oder geschehen lassen    2.1 tr. ‘etw. (er)dulden, ertragen, erleiden’ meist von körperlichem und seelischem Schmerz (typische Kollokationen sind nôt, arbeit, kumber, marter, bei Eckh auch leit; seltener armuot, hunger, jâmer, pîne, smachheit, smërze, sorge, swære, tôt, ungemach)    2.1.1 ‘etw. hinnehmen, über sich ergehen lassen oder ertragen müssen’ die [verhängten Strafen] sol er alle liden an alle widerrede und auch an alle gnade WüP 58,10. 90,7; ich klagen nit, das [...] ich wetag lide Mechth 7: 17,21; daz si gevestent und gesterchet wurden von dem heiligen geist wider alle widerwærticheit die si liten von der werlt PrOberalt 110,17; SAlex 6704; sol ich lîden / von im langez mîden, / daz müet mich wol sêre MF:Reinm 55: 1,7; des muoz ich lîden spottes hû [d.i. huoch ] SM:UvS 27: 5,7; Parz 491,15; sie musten beidesampt leben und sterben und ubel und gut mit einander liden Lanc 83,26. – im Positiven übergehend zu ‘empfangen’ sîn rüemen [Gahmurets Prahlen] daz was kleine, / grôz êre er lîdenlîchen leit [nahm er (bescheiden) entgegen] Parz 13,7; swer von in solde lîden / trûten unde minne, / dem wæren sîne sinne / wol getiuret dâ von Wig 7415. – zur Hervorhebung des Passiven ‘eine (wie immer geartete) Einwirkung erfahren’ ‘celum vim patitur,’ daz spricht: der himel leidet gewalt BdN 361,17; herre, din lop muͤsse an minem herzen niemer geswigen, swas ich tuͦ, lasse unde lide Mechth 7: 64,20. 2: 25,76; im Part.Präs.: wan wenne zwei súllent eins werden, so muͦs sich daz eine halten lidende und daz ander wúrckende; sol min ouge enpfohen die bilde in der want oder waz es sehen sol, so muͦs es an ime selber blos sin aller bilde Tauler 9,35    2.1.2 ‘etw. freiwillig auf sich nehmen, ertragen’ wir svln dvrh got gern arbeit liden vnd svln vns des niht lan verdriezen WhvStTh 214,19; doch wil ich gerne lîden, / swaz mir ze lîden geschiet Eracl 2142; genuoge sprechent, armuot, / daz diu sî ze nihte guot. / swer die durch triwe lîdet, / hellefiwer die sêle mîdet Parz 116,17; woltent sú mir guͦt tuͦn und guͤtlich sin, daz solte ich nemen, oder woltent sú mich bissen, obe ir hundert werbe alse vil were, daz solte ich liden und mich dran lossen Tauler 15,12    2.1.3 ‘etw. aushalten können’ daz er [Gott] an im [ Jôsaphât ] versuochte, / ob er in grôzer swære / alsô gedultic wære, / daz er mit gedultekeit / kunde weltlîch arbeit / alsô gelîden, daz er got / geminnen möhte und sîn gebot / âne murmels underswanc RvEBarl 15129; ich wene ein suze minnen bant / unde grozer leide craft, / da mide ir herze nu behaft / was umme ir zweier scheiden: / des kunde si geleiden / [...] / als verre dagereise [eine so weite Tagesreise] Elis 4444; si mochte unwol geliden [konnte schwer ertragen] / ir frundes aberiden ebd. 4433; wære ich ein ungeduldig man / so meniger, der niht lîden kan, / ich wære vor mengen jâren tôt SM:Gl 2: 2,8; der guͦten mete [Met] machen wil, der werme reinen brunnen, daz er die hant dor inne liden kuͤnne BvgSp 14; si [Elefanten] mügent gar wênig kelten geleiden BdN 135,23. 116,16    2.1.4 ‘etw. dulden, erlauben’ daz aug ist ain klaineu wonung, wan ez leidet kainen gast BdN 454,29; wanne sú wellent die stricke des gevengnisses dis vinsternisses nút liden von Egipten Tauler 14,19; Herb 5211; sô fleuht der hailig gaist von danne, wann er ist sô zart, daz er niht unrainikait pei im leidt BdN 71,6; unreht ich kûme dulde / und mac sîn niht gelîden KvWSchwanr 643. – mit Obj.-Satz: werden si [die Armmuskeln (mäuslein) an den Ellenbogen] aber verwunt, sô stirbt der mensch. iedoch leidet daz leben, daz man den arm absneidet mit den mäuslein BdN 20,20; daz got und natûre enlîdet niht, daz lûter bœse oder leit müge gesîn Eckh 5: 15,15. 5: 15,12    2.1.5 ‘jmdn. (gut) ertragen können, jmdn./etw. (leiden) mögen, schätzen’ waz dirre werltliche schin / von golde unde ouch von siden / zu hochfart mac geliden [zur prachtvollen Lebensführung geschätzt wird] , / daz brach di selege alles abe / ir siechen ummer me zu labe Elis 7282; ir ougen lieht und wolgestalt, / si was an sprüchen niht ze balt, / man mehte si wol liden Tannh 3,36. 4,72; si half im inner zweinzec tagen, / daz man in allenthalben leit Tr 7959; si [die sechstausend Teufel in jenem Menschen] mit ein ander niht striten / und ein ander gutlich liten StrKD 119,710    2.1.6 ‘(die Anwesenheit/ das Verhalten von jmdm.) dulden’ nû kund in niemen des erbitten, / daz er die frouwen hiet geliten / in der stat die einen naht, / daz si vor dem regen wær bedaht Ottok 6575; so wir in erzúrnen, so súlin wir in flehen; so er úns uͤbet, so súlen wir in liden; so er sich birget, so súlen wir daz gemint lieb suͦchen Seuse 392,3    2.2 refl.    2.2.1 ‘sich gedulden, sich in die Gegebenheiten fügen’ (vgl. 2.1.1): du endarft dich keinre sunderlichen uͤbungen annemen; dan halt die gebot und den heiligen glouben; die artickele des glouben die lerent und die heilgen gebot, und lident und lossent úch in allen dingen Tauler 397,10; in der selben klag entspringet ein nagendú gelassenheit, dú den menschen geswind wider in sezzet; und daz ist, da sich der mensch noh menschen vindet und sich also got ze lob lidet Seuse 162,8. 524,11    2.2.2 ‘sich (den anderen) angenehm machen’ (vgl. 2.1.5), in der Wendung sich ~ lân: ein ritter der niht wæte habe von golde noch von sîden, / der sol ûz triuwen unde ûz manheit cleider an sich snîden; / sô lât er sich lîden / swâ man die werden schouwen sol KvWLd 32,198    2.3 wohl tr. mit Ersparung eines Obj. (insbes. i.S.v. ‘Not’, ‘Schmerz’ oder ‘Schaden’, vgl. 2.1), im Übergang zu intr. ‘leiden’    2.3.1 ‘Schaden nehmen, beeinträchtigt werden’ carista, [...], ist ain vogel, der fleugt in prinnendeu flammen ân [...] allen smerzen, alsô daz weder sein federn noch sein flaisch von dem feur leident BdN 175,2; daz aber daz herz leit auch sam diu andern glider, des entuot ez niht, wann der tôt vürkümpt des herzen siehtagen ebd. 26,35    2.3.2 überw. in späten, bes. in myst. Texten übergehend zu ‘Schmerz empfinden, leiden’ (oft als subst. Inf., vgl. 2.3.4): maniger lait da sere / von grozzen wunden der er pflac WhvÖst 18344; daz si ümmer muosten leiden in dem vegfeur, wie grôz rew si hieten umb ir sünd BdN 211,11; wanne der sun mensche werden wolte und lîden solte Eckh 5: 415,5. 5: 44,12 u.ö. – von Organen ‘schmerzen’ daz milz leidet oft und beswært den menschen [dolet plerumque et gravat hominem] , ez BdN 30,31    2.3.3 subst. und flekt. Inf. ‘Leiden’, hier auch die terminologische Aufladung und Differenzierung von lîden, lîden suln und geliten hân und (bes. bei Eckh ) die Verknüpfung von lîden mit → leit : owê daz er nû komen sol, / durh den [...] daz angestlîche lîden / die getouften niht wil mîden! Wh 399,9; daz im leiden und schad dâ von köm BdN 462,2. 258,20 u.ö.; daz dem menschen kein lîden oder leit zuokome Eckh 5: 20,21. 5: 55,18; und dar umbe spriche ich, daz ein solich mensche ouch hazzet noch-lîden-suln, wan daz ouch niht lîden enist. doch hazzet er minner lîden-suln dan gelitenhân, wan geliten-hân ist verrer und unglîcher lîdenne, wan ez zemâle vergangen ist ebd. 5: 40,3; teti liden nit we, so hiesse es nit liden. es ist nút pinlichers denn liden, und ist nút vroͤlichers denn gelitten han. liden ist ein kurzes leid und ein langes liep Seuse 249,22; daz dem lidenden menschen liden dest lidiger werde ebd. 396,24. in lidenne (bes. Eckh ): ist got mit mir in lîdenne, waz wil ich danne mê Eckh 5: 50,7; waz ist der beste trôst in lîdenne und in ungemache? ebd. 5: 20,13. 5: 49,16 u.ö.

MWB 3,3 1112,1; Bearbeiterin: Baumgarte

lide|næheste swM. jmd., der bei der Bestimmung des Verwandtschaftsgrades über die Zuordnung zu Körperteilen, dem nächstliegenden Körperteil zugeordnet ist, ‘nächster Verwandter’ (vgl. SpdtL 84,5ff.; vgl. lidemâc ): jst aber, daz die von Wizemburg sprechent, daz der [ lúte ] denkeinre den von Vleckenstein niht an hoͤre, hat in danne der von Vleckenstein her braht in rehten gewer vúr einen foitman, so sol er zuͦ Wizenburg varn vnd sol in da behaben mit den lidenehesten von der muͦter UrkCorp (WMU) 360,29

MWB 3,3 1114,45; Bearbeiterin: Baumgarte

lîdenhaft Adj. ‘leidvoll’ Jhesum, des liden dir fúr war / wol mag in truren froͤd geben / und trost in liden hafftem leben KvHelmsd 1698

MWB 3,3 1114,56; Bearbeiterin: Baumgarte

lîdenisse stN. Hs. überw. leidnus ( JvFrst 3290. 3334. 3339. 10162 ). ‘Leiden’ nû sprichet Damascenus: / unser menschlich lîdnus / daz von natûre uns anevelt / was ouch Christo zûgeselt / nâch der natûre eigenheit, / wan di gewaldige gotheit / lîz daz vleisch nicht mîden / beide tûn und lîden JvFrst 3272; unser lîdnis manichvalt ebd. 3290; des vîl an in [Christus, angesichts der bevorstehenden Gefangennahme] des trûrens last / mit vorchte und mit rûsen, / di hût begunde im grûsen. / doch [...] / sulch lîdnis nicht verkart / der vernunft verstentikeit, / [...] / ein trûren wêre in christo, / daz hîz mit recht propassio, / nicht eigenlich ein lîdnis [ passio Ferber 58,15] ; / in menschlich gerndem sinne ist iz ebd. 3345 u.ö.

MWB 3,3 1114,59; Bearbeiterin: Baumgarte

lîdenlîchen Adv. lîdelich

MWB 3,3 1115,10;

lîdensuln stN. lîden

MWB 3,3 1115,11;

lidere F. Bezeichnung für den weiblichen Lachs (vgl. SchweizId 3,1093): vische, die man nemmet salmen, si sigint wisse oder swarcze, oder wie si genant sint, daz salmen, lechse oder liderre namen hat, er si klein oder grosse UrkAargau 1,6:17,20 (a. 1347)

MWB 3,3 1115,12; Bearbeiterin: Baumgarte

1lideren, lidern swV. ‘angliedern, zusammenfügen, verknüpfen’ (zu 1lit , vgl. 1liden ): in diseme capitile glichet sich unser vrowe eineme reinen lichamen, an deme alle geistliche kinder gelidert schollen sin, und dez lichamen houbet ist Jesus Christus, Gotis sun von himelriche HlReg 2,7

MWB 3,3 1115,18; Bearbeiterin: Baumgarte

2lideren swV. lëderen

MWB 3,3 1115,24;