l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
liebunge
stF.
1
‘Schenkung, Zuwendung, Bestechung’
2
‘(freiwillige) Stundung, Nachlass’ (vgl. DRW 8,1315f.)
1
‘Schenkung, Zuwendung, Bestechung’
als ander guot rihter, die weder durch miete, noch durch liebunge noch durch
kein dinc rihtent, wan nâch rehte PrBerth
2:100,5
2
‘(freiwillige) Stundung, Nachlass’ (vgl. DRW 8,1315f.):
wer oͧch, das su an uͥns ein libunge des zinses vordrotin
UrkZürich
8,271
(a. 1309)
MWB 3,3 1122,38; Bearbeiter: Hansen
liedelîn, liedel
stN.
Dimin. zu
liet
, ‘(kurzes,) ein- oder mehrstrophiges Lied,
Liedchen’
sô tihteter schanzûne, / rundate und höfschiu liedelîn
Tr
19211;
si hub an und sanck / ain liedel nach ir hertzen gier
HvNstAp
5342;
in disem niuwen dône / sô wolde ich gerne niuwiu liedel singen KLD:
Sachs
6:1,2;
HistAE
1430;
Neidh
WL 21:8,6.
WL 28:2,12
MWB 3,3 1122,45; Bearbeiter: Hansen
liederbuoch
stN.
‘Buch, das Strophen bzw. Lieder enthält’
wa vunde man sament so manig liet? / man vunde ir niet in dem
künigrîche, / als in Zürich an buochen stât. / [...] / der
Manesse rank darnâch endelîche, / des er diu liederbuoch nu hât SM:
Had
8: 1,6
MWB 3,3 1122,53; Bearbeiter: Hansen
liederlîche
Adv.
‘schnell, leicht’
so wirt uns och der lon gegeben / das unser lÿp als klain fuͤg wirt / das inn
kain creatur nit irt, / er dring da durch aͮn allen wank / als liederlich als ain
gedank KvHelmsd
2808;
von allen sinnen garwe / ez in dicke brâhte, / swenn der helt gedâhte / an der
schumpfentiure slaht, / waz grôzer helf und grôzer maht / er hât sô liederlîch
verlorn Reinfr
16381.
4917
MWB 3,3 1122,59; Bearbeiter: Hansen
liegære
stM.
‘Lügner’
swer der ist. der sprichet ich minne got. unde [...]
sinen nehsten hazzet. der ist ain rehter lieger [
mendax est
I Io 4,20]
PrSchw
1,121;
wem daz hâr der überprâw her nider gekrümt ist oder an ain
stat getwungen von nâtûr, der ist ain lieger, ain listiger und ain tôr
BdN
45,6;
trieger, lieger, bieger SHort
4847.
2719;
Marner
15,7;
Seuse
467,1
MWB 3,3 1123,3; Bearbeiter: Hansen
liegærinne
stF.
auch -în (:gesîn
Syon ).
‘Lügnerin’
sunderlich lieb on huͦte die ist ein valsch minnerin
[...] und ist ein liegerin in der frag Eckh
(J)
65,25;
du trigerin, du ligerin / wie mohtest du mir liep gesein? Syon
267
MWB 3,3 1123,11; Bearbeiter: Hansen
liegen
stV. (IIa)
auch liugen
(erziugen:
Ottok
84706
), part. auch gelougen
(
HeslApk
16707
).
‘die Unwahrheit sagen, lügen’
1 allg. 1.1 mit Akk. oder Obj.-Satz ‘etw. erlügen’ (vgl.
1.2
) 1.2 Part.-Adj. gelogen
‘gelogen, erlogen’
1.3 mit Dat.d.P. ‘jmdn. anlügen’
1.4 mit präp. Erg. 1.4.1
an/ ûf/ von etw./jmdn.
‘in Bezug auf etw./jmdn. lügen, täuschen; etw./ jmdn.
verleumden’
2 übertr. 2.1
‘(jmdm.) etw. schuldig bleiben’ (mit Gen. und ggf. Dat.) 2.2
‘jmdm./ einer Sache schaden’ (mit Dat.) 2.3 (phras.?) jmdm. liuget etw. ‘jmdm. misslingt etw., etw. geht
jmdm. fehl’ (mit Dat.)
1
allg.:
ich hân dâ her in mînen tagen / leider dicke vil gelogen / und
die liute betrogen / mit trügelîchen mæren RvEBarl
151;
dû liugest, muoter Eracl
3557;
sy log vil gern, pat man sy icht, / und swur dar zu, sy het
nicht HvBurg
5375;
SiebenZ
19;
VAlex
18.
–
‘(be)trügen, täuschen’
der arn, der uns nicht entlouc, / enmitten durch den
himel vlouc HeslApk
13595;
der mære wildenære, / die mit den ketenen liegent / und
stumpfe sinne triegent Tr
4667.
– subst.:
daz liegen solt ich hân verswigen Wh
390,4;
KLD:Kzl
16: 13,14;
HvNstGZ
825;
in der bekräftigenden Wendung âne/ sunder ~
‘wirklich, ungelogen’
ich wil die warhait hie von Got / sprechen aͮn liegen, /
niement da mitte triegen WernhMl
6677;
für wâr und âne liegen Parz
557,29
u.ö.;
ReinFu
K,347;
vgl.:
ez ist âne liugen, / swaz ich iu sag
Ottok
84706.
– vereinzelt ‘(unwissentlich, ohne Täuschungsabsicht) Falsches
behaupten, irren’
davon ligent etleich in der sternseher kunst, die da
sprechent, daz die himelzaichen eben gevirt sein. daz mag niht gesein
KvMSph
24,25
1.1
mit Akk. oder Obj.-Satz ‘etw. erlügen’ (vgl.
1.2
):
ich gib dem andern zwir als vil, / nimmer ich daz geligen
wil Erz III
71,26;
da log aver der tivel, ern mag niemt guͦt noch rich
gegeben PrOberalt
60,35;
liuget er [der Papst] , si liegent alle mit im
sîne lüge Walth
33,17;
Litan
494.
– mit zusätzlichem Dat.d.P. ‘jmdm. etw. vorlügen’
den muoz ich liegen disen tac, / swaz ich in geliegen
mac Tr
8706
1.2
Part.-Adj. gelogen
‘gelogen, erlogen’
daz ist war und nicht gelogen Brun
4101;
gelougen urkunde HeslApk
16707;
dar umb ist es doch nit gelogen, / das iement si da mit
betrogen WernhMl
6673;
Tauler
114,28;
Eracl
2615.
–
daz ist in ir hals gelogen, / durch êre nement sie sichs an
[maßen sie es sich an]
Helbl
2,1412.
– bildl. von Personen:
únser gothait ist ain spot / und ist das volk mit
úns betrogen: / er ist war und wir gelogen WernhMl
4126
1.3
mit Dat.d.P. ‘jmdn. anlügen’
swaz si iu sagent, daz ist wâr; / sine liegent iu niht umb
ein hâr KvHeimUrst
1492;
in han u nicht gelogen GrRud
Fb 33;
fremdiu chint lugen mir [
filii alieni
mentiti sunt mihi Ps 17,46]
JPhys
21,14;
ich hân ir gelobt ze dienen vil, / dar zuo, daz ichz gerne
hil, / und ir niemer umb ein wort geliegen wil MF:Reinm
23: 3,7.
–
‘jmdn. (be)trügen, täuschen’
die werlt die ir da truͤtet, der ir da volget, diu
ist unstæte, diu liuget eu PrOberalt
83,5;
ir herren, iu hât iuwer sin / und iuwer witze gar
gelogen RvEBarl
1889;
ob dir der wân geliuget KvHeimUrst
1791;
Brun
11695.
10260;
UvZLanz
3264;
Pass III
545,21.
– phras.:
ir lieget deme duvele an daz bein [lügt
unverschämt]
Roth
3138
1.4
mit präp. Erg.
1.4.1
an/ ûf/ von etw./jmdn. ~
‘in Bezug auf etw./jmdn. lügen, täuschen; etw./ jmdn.
verleumden’
diu werlt hât vil von im gelogen Iw
4560
u.ö.;
mir hât mîn wân an dir gelogen RvEBarl
7222.
1574;
getörste ich heizen liegen alsus edelen lîp, / sô het
ir tiuvellîchen an Rüedegêren gelogen NibB
2230,3;
ich louc durch ableitens list / vome grâl, wiez umb
in stüende Parz
798,6;
die sælden richen baid / ir kint so tugentlichen
zugent / daz si nit uf die lút lugent SHort
6210;
Brun
4808
u.ö.;
RvEWchr
26873.
30380;
HeslApk
5700.
– mit zusätzlichem Dat.d.P.:
dar an ich liuge niemen: / sîne schiltriemen, /
swaz der dar zuo gehôrte, / was ein unverblichen borte / mit gesteine
harte tiure Parz
37,1
2
übertr.
2.1
‘(jmdm.) etw. schuldig bleiben’ (mit Gen. und ggf. Dat.):
der tjost ein ander si niht lugen Parz
37,25;
der rîcheste von Azagouc / (sîn geslehte im des niht louc,
/ von küneges frühte was sîn art) ebd.
41,12;
diu rîterschaft von Azagouc, / daz dritte her, niht râche
louc / umb ir hêrren den künec Rûbîûn Wh
392,18
2.2
‘jmdm./ einer Sache schaden’ (mit Dat.):
Clitus der werde ûzerkorn, / des ellen ze manheit het gesworn, / sîn
swester Alexander souc. / sînem adele daz niht louc / in sîner kintheite zît
UvEtzAlex
13432
2.3
(phras.?) jmdm. liuget etw. ‘jmdm. misslingt etw., etw. geht
jmdm. fehl’ (mit Dat.):
Polixeno er den lip nam: / sin rame [sein
Zielen] im niht enlouc, / er schoz in, daz sin houbet flouc /
von dem buche zwene schiete Herb
7719.
5515;
mir enhat min stich niht gelogen ebd.
7508
MWB 3,3 1123,16; Bearbeiter: Hansen
liehe
swF.
→
liene
MWB 3,3 1124,40;
lieht
Adj. , liehte
Adv.
adv. selten und meist fraglich
(
vgl.
BdN
346,28;
Parz
807,13;
Tr
13499
);
auch liht (:siht
KLD:UvL
48: 3,2
).
1
‘hell, strahlend, leuchtend’
1.1 allg. 1.2 von heller Haut 1.3 vom Leuchten der Himmelskörper 1.4 von der Helligkeit des Tages 1.5 von (metallischem) Glanz ‘glänzend, spiegelnd, schimmernd,
blank’
1.6 von strahlender Blütenpracht 1.7 von Strahlen, Leuchten in religiösem Zusammenhang 1.8 in der Wendung lieht gemâl
‘hell, leuchtend, strahlend’
gemâl
2 (vgl. auch
liehtgevar
) 1.9 übertr. ‘strahlend, leuchtend, herrlich, schön’ (offen zur wörtl. Bed.) 2
‘klar, durchsichtig, rein’
2.1 von Flüssigkeiten 2.2 von Luft 2.3 von Glas und Edelsteinen (vgl. auch 1
i.S.v. ‘leuchtend’ ) 2.4 vom Auge 2.4.1 als Schönheitsmerkmal (vgl.
liehtklâr
) 2.4.2 als Merkmal des gesunden Auges 2.5 übertr. von moralischer Reinheit, ‘rein,
schuldlos’
1
‘hell, strahlend, leuchtend’
1.1
allg.:
die [Kerzen] harte liehte
brunnen Parz
807,13;
sie [...] leyte yn zu der
kamern die sere liecht innen was Lanc
428,25.
– bes. von hellen, strahlenden Farben:
[der Pfau] zaigt seins zagels schœne allermaist
gegen der sunnen, wan dâ sint sein varb aller liehtest und aller klârst
BdN
213,12;
wil er die [grüne] varb
lichter machen, so nem selbiu varb, dar zu auripigmentum vnd verb damit
BairFärb
8,3;
zwô liehte varwe an ir striten: / rôt und wîz alsam
ein snê Wig
9290
(vgl.
1.2
);
geuar als ein lichtez horn SalArz
20,38
1.2
von heller Haut:
der junge truoc / bî rôtem munde liehtez vel
Parz
306,23
u.ö.;
dîn liehte varwe wart von schame rôt SM:KvL
1: 4,12;
vil ist, des ich minn an ir: / sô des meijen êre / varwe
rêret, stolzen leijen, / secht, so gent ir wengel liechten schîn SM:
Wi
4: 2,10
(übertr. vgl. 1.9);
Tr
19382.
1212;
NibB
587,3.
– helle im Ggs. zu dunkler Hautfarbe:
si het och ê gesehen / manegen liehten heiden
Parz
29,5.
– selten von Leichenblässe:
sînes lîbes sterke muose gar zergên, / wand’ er des
tôdes zeichen in liehter varwe truoc NibB
987,3;
vgl. aber daneben:
ir rôsevarwer munt wart bleich, / ir lîch diu kam vil
garwe / von der vil liehten [rosigen, leuchtenden]
varwe, / diu dâ vor an ir lîbe lac Tr
1300
1.3
vom Leuchten der Himmelskörper:
der mane ist alle zit halb lieht, halb vinster
MNat
11,27;
willekomen sî diu liehte sunne, / diu den winter wîchen
tuot KLD: Kzl
7: 1,9;
do erscein in ein liehter sterne, den sahen si gerne
AvaLJ
23,4;
MF:Mor
1: 1,5;
Lucid
149,9;
Litan
278.
– bildl. und im Vergleich:
wâ ist nu hin mîn liehter morgensterne? MF:
Mor
15: 3,1;
dú liehte sunne miner ewigen gotheit / beschinet
dich mit dem verborgenen wunder miner lustlicheit Mechth
2: 25,116.
4: 22,24;
von Maria:
ave, vil liehtu maris stella, / ein lieht der
cristinheit, Maria MarseqM
1
1.4
von der Helligkeit des Tages:
iedoch schreibt man, daz Titus der kaiser in der vinster
sæh, wenn er wacht, reht als an dem liehten tag BdN
9,34;
ein stein / der vmme mitte nacht schein /
[...] / alsez liecht tac ware Roth
4955;
der uil liechte tac / wart uinster sam diu nacht
Rol
6940.
1576;
NibB
683,2.
1826,3;
Iw
7382
u.ö.;
vom Tagesanbruch:
si schuofen ir gemach, / unz man den liehten morgen aber
schînen sach NibB
1360,2.
1850,1;
unz an den liehten morgen Tr
7506;
KvHeimUrst
1319;
SM:St
8: 1,3;
bildl. und im Vergleich:
da woneten lichte uogele / unden unde obne, / si schinen
sam der lichte tâc Rol
1574;
rehter kiusche ein liehter tak SM:EvS
1: 13,8;
si liuhtet sam der sunne tuot / gegen dem liehten morgen
MF:Mor
8: 1,8.
–
liehte tage
‘heitere, schöne Tage; Sommertage’
ez wâren liehte tage, / harte wünneclich nâch sage, /
weder ze heiz, noch ze kalt UvZLanz
9047;
owê mîner besten zît / und owê mîner liehten wunneclîchen
tage! MF:Mor
7: 3,2;
SM:KvT
2: 1,2;
ähnl. vom Frühling, Sommer:
si hânt ersehen die liechten zît. / die bluomen lachent
gegen dem meijen SM:Had
23: 1,6;
sich fröid manig vogellîn wilde / gên des liechten meijen
güete / durch die sumerzît SM:Wi
5: 1,2;
Tannh
7,6
1.5
von (metallischem) Glanz ‘glänzend, spiegelnd, schimmernd,
blank’
ê daz der marcgrâve zuo z’im vol kœme dar, / des muosen
liehte ringe werden missevar [glanzlos]
NibB
2218,2;
ir schilde wâren niuwe, lieht unde breit, / und vil scœne
ir helme ebd.
72,1
u.ö.;
do reit vffe blankin marhe / in lechtime
geserwe [in glänzender Rüstung] / von Rothere deme
richen / ein herre werliche Roth
4933
u.ö.;
bereit quam er ze velde wol / und fuorte liehten purpur
[Purpurgewand] an KvWTurn
471.
302.
353;
Wh
75,25;
vgl.:
al sîne lide im wurden warm, / sô daz sîn vel gap liehten
schîn [wohl ‘frischen, rosigen Glanz’ (vgl. auch 1.9)]
Parz
459,13
– von Haar:
lieht reideloht
[gelockt] was im sîn hâr Parz
63,20;
sîn liehtez hâr, daz ê was blanc, / was nû vervilzet
unde lanc RvEBarl
15335;
kruselecht und liecht als ein golt
Lanc
91,5
1.6
von strahlender Blütenpracht:
die liehten bluomen lacheten / ûz dem betouwetem grase
Tr
562;
jârlanc ûf der heide breit /
valwent [entfärben sich, werden fahl] liehte rôsen
rôt KvWLd
5,2;
liehte bluommen entspringent ûf der haide SM:
Go
1a: 1,6;
SM:KvL
4: 3,4;
BdN
412,23;
von Maria:
eyâ, dû lieht prinnendeu rôs, erschein allen den, die
deinen namen êrent BdN
346,28
1.7
von Strahlen, Leuchten in religiösem Zusammenhang:
diu manlîche triwe sîn / gît im ze himel liehten schîn
Parz
107,26;
diu liehte himelische schar / wart durch nît nâch helle
var ebd.
463,13;
do sach er vͤf vnd sach das heilige cruce an dem himele
vil harte liehtiz vnd vil schones Konr
10,12;
unsers herren liehter schîn / erliuhtet hât daz herze dîn
RvEBarl
6957.
15735;
Hochz
799
1.8
in der Wendung lieht gemâl
‘hell, leuchtend, strahlend’
→
gemâl
2 (vgl. auch
liehtgevar
)
1.9
übertr. ‘strahlend, leuchtend, herrlich, schön’ (offen
zur wörtl. Bed.):
ir liehten münde rôsenrôt / vil senfter küsse pflâgen
KvWHerzm
224;
vrouwe, sælic wîp, / dîn liehtiu jugent, dîn schœner lîp
/ hât mir sorgen vil gegeben RvEBarl
12080;
des müeze diu vil werde sæliclîche leben, / diu mich von
meneger sorge vrî / gemachet hât und och vil liehten trôst gegeben SM:
UvS
2: 1,4;
von Maria:
liechte magit, magitumis gimme, / der engele furstinne
Litan
197.
–
‘leuchtend, beispielhaft’
dô sach ich ir liehten tugende MF:Mor
32: 2,5;
siner liechten tugenden schin Pass III
11,6.
–
liehter schîn
‘schöner Anblick, strahlende Schönheit’
des junkherren liehter schîn / vuogte ir herzen
grôzen pîn: / sie wolten in vil gerne hân RvEBarl
11913;
des verlôs Mahaute ir liehten schîn, / und lac
[...] tôt Parz
178,24.
–
liehteʒ antlitze
‘schönes Gesicht’ (vgl. 1.2):
lieht antlütze und hôhe brust Parz
361,22;
wan daz sprichet dǐ heilige schrift, daz
sin [Christi] antlv́ze also schoͤne vnde lieht
worden wære, sam ein heiliger engel von himel chomen wære
Konr
2 W1,115;
swaz dînes liehten antlützes was, / dar an gewuohs
noch nie dehein gran Wh
67,14.
156,21;
VMos
53,22
2
‘klar, durchsichtig, rein’
2.1
von Flüssigkeiten:
daz wazzer daz da lichte vnde luter ist. ringe. vnde
keinen smac hat SalArz
19,19;
liehtiu süeziu wazzer klâr RvEBarl
12386;
der magde harn sol wesen lieht unde louter
Barth
131,4.
131,5;
BdN
255,20
2.2
von Luft:
wan ain iegleich tier fräut sich des liehten lautern
luftes mêr denn des trüeben [
sereno aere gaudet et in eo plus
uagatur quam in turbido
]
BdN
207,22;
sich fræut der himel und der luft, daz si senfter und
lichter sint denn ze andern ziten PrOberalt
82,13
2.3
von Glas und Edelsteinen (vgl. auch 1
i.S.v. ‘leuchtend’):
die wâren steine tiure / lâgen drûf tunkel unde lieht: /
ir art mac ich benennen nieht Parz
735,29;
si brâhte im ein liehtez glas, / dar inne im bereitet was
/ sîn trinken RvEBarl
5557;
etleich
[
stain
] sint gar lieht sam ain cristall
BdN
436,30.
441,16;
HvNstAp
6058;
Wig
763
2.4
vom Auge
2.4.1
als Schönheitsmerkmal (vgl.
liehtklâr
):
lachen iuwerm rôten munde / schône stât und iuwern
ougen liht KLD: UvL
48: 3,2;
des wurden liehtiu ougen von weinen trüeb’ unde naz
NibB
371,4
u.ö.;
dâ wurden liehtiu ougen rôt Wig
3134;
MF:Wolfr
1: 1,5;
Hochz
597
2.4.2
als Merkmal des gesunden Auges:
daz [Olivenöl] macht diu
augen lieht und die siechen gesunt BdN
335,7;
batenie [...] machet
im [dem Menschen] di ougen liecht unde von
schimen [d.i. schëme, ein
Augenleiden] vri Macer
38,15;
der plinter von der muoter geboren wart, / den liezen
wir ze Jerusalêm in der stât, / dem gab er liehtiu ougen Kchr
1852;
Barth
145,22
2.5
übertr. von moralischer Reinheit, ‘rein,
schuldlos’
gnade maket de sele luther, licht vnde vullenkomen Gnadenl
3:Wo1,326;
iedoch si wir reckin / widir unsin trethin / beide lutir
unde licht / her in leciz uns under wege nit Roth
3950
MWB 3,3 1124,41; Bearbeiter: Hansen
lieht
stN.
auch lith
(z.B.
Lilie
23,30;
Roth
3579
),
liet
(
MarldA
23
u.ö.).
‘Licht’
1 allg. ‘Licht, Helligkeit, Leuchten, Strahlen’
1.1 Licht des Tages 1.2 Licht von Sternen und Himmelskörpern 1.3 Licht von Lampen, Kerzen usw. 1.4 Leuchten, Glänzen oder Strahlen von Edelsteinen 1.5 durch göttliches Wirken hervorgerufene Lichterscheinungen, bes. als Merkmal
von Heiligkeit, göttlicher Herrlichkeit (vgl. auch
4
) 2 eine Lichtquelle, ‘Lampe, Kerze, Fackel’ (u.ä.) 3
‘Augenlicht, Sehvermögen’
4 bildl. Gebrauch 4.1 (bibelsprachl. beeinflusst) ein geistiges Licht als Erkenntnis Gottes, der
göttlichen Wahrheit bzw. als Gott selbst (vgl. auch
erliuhten
4 ) 4.2 Licht als Merkmal des Göttlichen, auch für Gott und das Himmelreich selbst
(bes. im Ggs. zur Finsternis der Hölle; offen zu
4.1
) 4.3 leitendes Licht, Leitstern (offen zu 4.1 ) 4.4 philos./ myst. als Prinzip des Erkennens 4.5 Einzelnes 5 phras. 5.1 etw. zuo liehte bringen/ setzen/ tragen
‘etw. ans Tageslicht befördern, zustande bringen, öffentlich
machen’
5.2
zuo liehte komen/ gân (u.ä.) ‘ans Tageslicht kommen, sich
öffentlich zeigen’
5.3 etw. an daʒ ~ bewîsen
‘etw. offen zeigen’
5.4 jmdm. vor dem liehte stân
‘jmdm. im Wege sein, nicht hilfreich sein’
1
allg. ‘Licht, Helligkeit, Leuchten, Strahlen’
des menschen gesicht [Sehvermögen]
bedarf liehtes BdN
9,33
u.ö.;
iz ne beluchte nie chein lith [man sah nie
zuvor] / also manichen helin [l.
helm
] guth Roth
3579;
ThvASu
322,31
1.1
Licht des Tages:
ôwê daz ie der tag erschein, / bî des liehte disiu nôt
geschach Parz
526,13.
649,11;
zer fossiure oben inne / dâ wâren cleiniu vensterlîn /
durch daz lieht gehouwen în, / diu lûhten dâ unde hie Tr
16726;
swie lieht liuht der tac: / niht wan einer klâfter lanc
/ hât daz lieht dar în [in die Höhle] sînn ganc
EnikWchr
28912;
genuoge erstunden an dem tage [der Kreuzigung
Christi] , / die vor manegen jaren / gar ervulet waren; /
[...] sich verwandelote daz lieht
SüklV
834;
do div abent rot / witen ir lieht der erden bot
Albert
1489;
SM:Had
51: 1,4;
VMos
25,20
1.2
Licht von Sternen und Himmelskörpern:
also enloikenet nieman daz der mane enpfahet sin lieht von
der sunnen MNat
10,11;
der stern [der Saturn] ist von
seiner kraft kalt und trucken und ist sein lieht tunkel BdN
56,8;
hitze und lieht der sunne hât, / sîn glast den ougen
widerstât, / ir hitze und ouch ir liehtes maht / scheident uns tac unde naht
RvEBarl
9359;
Will
106,13;
SEzzo
57.
66
1.3
Licht von Lampen, Kerzen usw.:
dar inne stunt ein kerzestal / liht gab ez deme gezelte
uberal VMos
81,15;
der allerpest [der
Smaragde]
[...] ist der durchsihtich
ist [...] und des grüen weder von der sunnen dunkelt
noch von anderm lieht BdN
459,16;
Eracl
2126
1.4
Leuchten, Glänzen oder Strahlen von Edelsteinen:
eteslîcher [der
Edelsteine] tagete bî der naht / mit sînem liehte daz er gap
Wh
377,19;
der steine glast den strâzen bar / alsô liehten liehtes
schîn, / daz dâ mit stæte muoste sîn / tac zallen zîten RvEBarl
12411;
Hochz
444
1.5
durch göttliches Wirken hervorgerufene Lichterscheinungen, bes. als Merkmal
von Heiligkeit, göttlicher Herrlichkeit (vgl. auch
4
):
vnder div kom ein lieht von himele vber daz grap, vnde in
dem liehte nam in [Johannes] vnser herre Iesus
Christus ze sinen gnaden Spec
30,13
u.ö.;
Roͮlant uon der werlt verschît, / uon himil wart ain
michel liecht. / sa nach der wile / chom ain michel ertpibe, / doner unt
himilzaichen Rol
6925.
8563;
do trat der engel Gabriel har nider in einem himelschen
liehte Mechth
5: 23,18;
KvHeimHinv
680;
Konr
6,12.
14,83
2
eine Lichtquelle, ‘Lampe, Kerze, Fackel’ (u.ä.):
tag vnd naht so sol in der kirchen ain lieth prinnen
SpitEich
4,6;
auff dem turn stet ain liecht, /
[...] es leuchtet durch die lange nacht, / welichs
scheff auff dem mer far, / das er sich kund richten dar HvNstAp
1056;
die tumben [die fünf törichten
Jungfrauen] hâten niht genomen / öle, des muoste ir liehtes schîn /
erloschen und verdorben sîn RvEBarl
3551;
swer den sichtum [das
Augenleiden] habe. der [...] in sal in kein
wer [l. viuwer (vgl. La. der Hs. C)] noch
in kein licht sen SalArz
35,38;
miz eín liht einer
dumelen [Daumenelle] lanc unde inbirn iz an deme
sundage VatGeb
131;
WüP
7d,2;
Albrant
3,38;
Mechth
7: 27,11;
im Vergleich:
ez sint auch etleich läut gegen der sunnen aufganch,
[...] der augen läuhtent sam ain lieht in ainer lucern
BdN
493,25.
438,25.
–
vörheinz [von Föhren,
Kiefern] holz ist voller kiens und dâ macht man
lieht [Kienspäne] auz BdN
314,16.
–
êwigeʒ ~
‘immer brennendes Licht, ewiges Licht’ (vgl. auch
4.2
):
das ich auch ein ander vleishpanch [(Einnahmen aus einer)
Fleischbank] shaffe [...] in diu
capellen [...] zeinem ewigen liecht, das ewichlichen da
brinnen sol UrkCorp (WMU)
653,45
u.ö.;
er sol ein ewiges lieht erzivgen vber sin grab ze Rebdorf
UrkWittelsb
2,103
(a. 1300).
–
‘Lichterscheinung, Blitz’
so dannen erhoret werdent stimme jouch donerbliche, / die
der vone varent mit brinnenten liehten diche Himmelr
11,16.
11,20;
des drittin nachtis quam er [St.
Nikolaus] vor deme tage mit grôzime lîchte alse mit einime
blicke unt stîz die ture ûzze deme angin PrMd (J)
347,11
3
‘Augenlicht, Sehvermögen’
einer hât daz vieber oder daz vergiht, / einer verliuset hœren
oder daz liecht Erinn
548;
chain blinder man mak geziuk [erg.:
sin
] , ez ensi als verre do er gesah unde er sin
lieht hete StRAugsb
177,28;
do unser herr nahet zuͦ der stat ze Jericho, do chom dem
blinten daz liht wider PrOberalt
53,31.
55,10;
KvHeimUrst
603.
KvHeimHinv
736;
VEzzo
215;
bildl. (vgl.
4
):
die uns dâ lêrent, die sint blint; / ir ougen diu sint âne lieht
Priesterl
13;
PrOberalt
54,1;
vgl.:
daz lieht ir liehten ougen Tr
18479
4
bildl. Gebrauch
4.1
(bibelsprachl. beeinflusst) ein geistiges Licht als Erkenntnis Gottes, der
göttlichen Wahrheit bzw. als Gott selbst (vgl. auch
erliuhten
4):
wir schuͦln des lichtes gern von dem die hiligen engel
erluͤchtet sint und alle die got gedient habent, des liehtes daz angeng noch
ende hat, daz ist got selber PrOberalt
55,12
u.ö.;
der gotes sun alrerst durch ire [der
Apostel] munt dirre werlde chunte daz lieht des rehten geloͮben
Spec
124,17;
du [Maria] bis daz
alinge [unversehrte] glas, da der durg quam / daz
liet, daz vinesternisse der werlde benam MarldA
23.
24;
ein liut, daz in der vinster gie, / daz sach grôzen
liehtes schîn [vgl. Is 9,2] . /
[...] daz lieht was der süeze Krist
RvEBarl
2957;
oben in dem throne siht man den spiegel der gotheit, das
bilde der menscheit, das lieht des heligen geistes Mechth
3: 1,70.
1: Prol. 10
u.ö.;
SEzzo
11;
JPhys
12,11.
21,8.
– in Wendungen (bes. daʒ wâre
~ , auch daʒ himelische, heilige ~
u.ä.):
daz war licht und diu erchantnuͤsse des almæchtigen
gotes die chumt den sæligen von dem heiligen geist der alle geschepf
geschaffen hat PrOberalt
114,1;
daz heidiniski lîut daz uone suntin inuinstere was.
zuͦ gote bicherit wart unt zuͦ warim liehte JPhys
7,8;
Spec
32,15;
Rol
21;
TrSilv
738;
des himelischen liehtes schîn / erlûhte gar daz herze
sîn: / er nam die lêre in den gedanc RvEBarl
3129;
PrOberalt
31,40;
so mir daz heiliche licht / ich negebeite sin vor deme
kuninge nicht Roth
1058;
wâtit [rüstet] ivch mit dem
gewâffene des oberstin liehtis [vgl. induamur arma
lucis Rm 13,12]
Spec
10,24;
Eckh
5: 26,15;
BrZw
Prolog.
– in der Wendung daʒ/ ein ~ der wërlt für Christus und
seine Jünger (lux mundi nach Io 8,12 bzw. Mt 5,14):
wand des ich so lange muͦste beiden, / der werld
liͤcht, den heilgen heilant MarlbRh
43,3;
dar umb spricht unser herre zuo seinen zwelfboten und
allen seinen jungern: ir seit ain lieht der werlt BdN
63,8;
Konr
19,79;
Spec
124,15;
vgl. ähnl.:
die selbi herrn [Petrus und
Paulus] sint geheizzin an den buͦchin zwei lieht der
christinheit, wande div christinheit zerste wart erluhtit uon ir wortin unde
uon ir lêre ebd.
83,18
4.2
Licht als Merkmal des Göttlichen, auch für Gott und das Himmelreich selbst
(bes. im Ggs. zur Finsternis der Hölle; offen zu
4.1
):
hincze den choren, da imer lieht ist ane vinstre vnd
grozziu chraft ane allen siechtuͦm Konr
11,75;
mit dir [Maria] diu vinstere
wart / zu dem liehte verwandelot, / mit dir der ewige tot / aller wart zestoret
SüklV
251;
er lôste uns elliu unsriu phant / und wîste Âdam bî der
hant / ûz der vinster an daz lieht KvHeimUrst
2053;
got wil sie [die
Gerechten] trosten immer mê, / sie beruret nimmer ach noch wê. / ir
lieht sol da [im Himmelreich] schoner sin / wenne
sibenstunt der sunnen schin Erz III
6,487.
–
unde da von sprichet st. Paulus ‘zuo den Ephesien,’
in dem fünften capitele: ‘etwenne warent ir vinster, aber nu sint ir lieht
in dem herren. nu wandelent alse die kindere dez liehtes.’
[vgl. Eph 5,8]
ThvASu
214,30.
– vom Paradies:
Adam unser erster vater der waz in paradiso,
[...] do waz er in dem licht der hilicheit, do
waz er in dem liht der himelischen froͤud PrOberalt
53,22.
– häufig daʒ êwige ~
(vgl. auch
2
):
swer zu dem [Teufel] chert,
der verliuset daz ewig licht PrOberalt
31,38;
von dir [Maria] daz ewige
liht / uber alle dise werlt irscein SüklV
67;
nu uar du, liebiv moͮter min, in daz ewige lieht
Spec
92,31;
LobSal
217;
Himmelr
7,2;
vgl. ähnl.:
da nefurhtent si den tot, / da vindent si ewechlich
lieht VRechte
544;
da ewicliche scinit daz unzegancliche lieht
Himmelr
2,32;
bezogen auf Christus:
du [d.i.
dô
] sprach daz ewige lieht AvaLJ
114,2.
–
niuweʒ ~
, von Maria:
durch dri sachen haisset si [Maria] wol ain
núwez lieht PrGeorg
328,8
4.3
leitendes Licht, Leitstern (offen zu 4.1):
si dienete gotte andehtekliche in demuͤtiger einvaltekeit
[...] und nachvolgete vesteklich und vollekomenlich
dem liehte und der lere des predier orden Mechth
Vorbericht 38;
wande er vil rehte wege gat, / der uns daz lieht verlihen
hat. / mit deme schulen wir uns bewaren, / daz wir vil rehte gevaren
Hochz
525;
LvRegFr
3930.
– von Maria (vgl.
leitestërne
):
ave, vil liehtu maris stella, / ein lieht der
cristinheit, Maria, / alri magide lucerna MarseqM
2;
er mach dich [Maria] von
dannen / zuo deme sternen wole zelen, / wande dich got selbe zu dem liehte
wolde erwelen, / daz uns da sol wisen / zu deme vronen paradyse
SüklV
123
4.4
philos./ myst. als Prinzip des Erkennens:
swenne diu sêle kumet in daz lieht der vernünfticheit, sô enweiz si niht
widersatzunge Eckh
1:136,15;
ûzer aller dirre lêre, diu in dem heiligen êwangeliô
geschriben ist und sicherlîche bekant in dem natiurlîchen liehte der
vernünftigen sêle, vindet der mensche gewâren trôst alles leides ebd.
5: 11,21.
5: 240,4;
daz licht der sonnen ist cleine wider deme lichte der
fornuftikeit Parad
64,6
u.ö.;
ThvASu
214,24;
vgl.:
bekantnisse ist ein lieht der sêle, und alle menschen
begernt von natûre bekantnisse Eckh
5: 116,10;
die vierde juncfroͮwe ist erbarmherzekeit
[...]. si hat einen kamerer, das ist die huͦte
[...]. er treit das lieht vor der brúte
[...]. das lieht ist vernúnftekeit
Mechth
1: 46,22
4.5
Einzelnes:
vrou Herzeloyde gap den schîn, / wærn erloschen gar die
kerzen sîn, / dâ wær doch lieht [strahlender Schein, prächtige
Aura] von ir genuoc Parz
84,15.
167,19
5
phras.
5.1
etw. zuo liehte bringen/ setzen/ tragen
‘etw. ans Tageslicht befördern, zustande bringen, öffentlich
machen’
swenne ich daz werc ze liehte trage / und ich ez an der
strâze / sehen und hœren lâze KvHeimUrst
10;
dô di frowe brâhte / daz bilide ze lîhte / unde ze mînen
anesihte / daz hatte in irn handen SAlex
6153;
von mîner kleinen kunst / nam ich mich an ze suochen / ûz
den alten buochen / keiser zal unde phâht / und hân daz ze liehte brâht / ze
tiutsche von latîn Ottok
18
u.ö.;
wer mag wol dîn lob gesingen, / volleklîchen ze liehte
bringen? SM:EvS
1: 5,10;
Tr
15438;
KvWTroj
37741.
–
‘etw. offen zeigen, präsentieren’
ir banier vil von spêhem snite, / als sie in der hêten
erdâht, / wâren dâ zu liehte brâht Kreuzf
1358;
man hat auch gesetzt, daz nieman kain gra tuͦch noch kain leinen tuͦch
sol ze liehte setzen noch verkaufen [...] denne in
dem wathause NüP
92.
–
‘etw. bekanntmachen’
dc wir [...] ze rát wurden, wie wir die
alten gewonheit, die wir von alter han gehebt an dien muͥlinon, die ze
Zouingen hoͤrent nuͥwerotin vnd ze liechte brêchtin UrkCorp
(WMU)
3474,17
5.2
zuo liehte komen/ gân (u.ä.) ‘ans Tageslicht kommen, sich
öffentlich zeigen’
Vlixes binnen fier tagen, / sint daz Ayax was erslagen, /
entorste me zv lichte kvmen Herb
16760;
von Kempten Heinrich allez barc / sich vor des keisers
angesiht / und quam für in ze liehte niht KvWHvK
526;
nu la den brieb [Brief] zu liechte gan
Wartb (H)
423:6,1;
so heymlich mag auch niht gewesen, / ez enmuze ie doch zu
lihte cresen [
nec factum est occultum sed ut in palam
veniat Mc 4,22]
EvStPaul
2931;
vgl. ähnl.:
mîn name ist an daz lieht gevarn / in manger lande
kreizen KvWTroj
37394
5.3
etw. an daʒ ~ bewîsen
‘etw. offen zeigen’
ez suln auch die maister [(Tuch-)Beschauer,
Prüfer] die loden besehen unde zaichen an der stat auf dem
hause, da sie beweiset sint an daz lieht, an kainer andern stat
NüP
94
5.4
jmdm. vor dem liehte stân
‘jmdm. im Wege sein, nicht hilfreich sein’
ich stont ime ovch vor deme liechten / her ne bedorte min
dar zo niehte Roth
1730
MWB 3,3 1127,9; Bearbeiter: Hansen
liehtblâ
Adj.
‘hellblau, himmelblau’
der stain ist himelvar, wan er ist liehtplâ
BdN
457,21
MWB 3,3 1130,59; Bearbeiter: Hansen
liehtblic
stM.
‘Blitz’
dâ von daz nâch dem liehtblicke / kumt der donerslac dicke, / dâ von ist man
ân vorhte niht, / swenne man den liehtblic siht WälGa
13239
MWB 3,3 1130,61; Bearbeiter: Hansen
liehtbrëhende
Part.-Adj.
‘hellstrahlend’
ain liehtprehendeu veltpluom BdN
412,30
MWB 3,3 1131,1; Bearbeiter: Hansen
liehtbringærinne
stF.
‘Lichtbringerin’ (bildl. von Maria):
als dú kleinú voͤgelú in dem sumer den liehten tag gruͤzent
[...], also in der froͤlichen begirde gruͦzt er
[Seuse] die liehtbringerin des ewigen tages
Seuse
17,22
MWB 3,3 1131,3; Bearbeiter: Hansen
liehtbrinnende
Part.-Adj.
‘feurig leuchtend’
sein [des Vogels] augen seint
liehtprinnend in dem haupt BdN
185,7
MWB 3,3 1131,8; Bearbeiter: Hansen
liehtbrûn
Adj.
‘von hellem →
brûn
’
gar reineclîch rôt unde wîz / was âne valsch diu klâre, / mit liehtbrûnem hâre
/ schône geflôrieret Mai
9,34;
sin lip was sere wiß under synen cleydern, nicht zu vil wiß
noch zu vil schwarcz, von beyden gemenget, das man heißt liecht brun
Lanc
34,32;
die stirn was im hoch zu guter maß und sin augbrawen liecht
brun ebd.
35,16
MWB 3,3 1131,11; Bearbeiter: Hansen
liehtebære
Adj.
‘Licht mit sich führend, leuchtend, glänzend’ (vgl.
liehtgebære
):
dô wart mit stoube alsô verdaht / diu sunne liehtebære, / als
ob gegangen wære / dafür ein wolken tunkel KvWTurn
1039;
dâ gab ouch liehtebæren schîn / von Brûneswîc des herren
schilt ebd.
990.
559;
stæt als ein vester adamas / wâren im die ringe sîn, / die
gâben liehtebæren schîn KvWTroj
3810;
ir hâr was crispel unde krûs / und schein sô liehtebære, /
als ez gespunnen wære / ûz golde von Arâbiâ ebd.
19909.
3021.
17648.
– als schmückendes Beiwort:
in den zîten ouch geschach / [...],
/ daz der vurste lîchtbêre / [...] / der
maregrêve [l. marcgrêve
] von Mîzin, / der
dâ Heinrîch was genant, / quam gevarn in Prûzinlant NvJer
4747
MWB 3,3 1131,19; Bearbeiter: Hansen
liehtebërnde
Part.-Adj.
‘Licht spendend, leuchtend, glänzend’
nu kam ouch in den palas / geslichen iegenôte / mit sînem morgenrôte / der vil
liehtebernde tac KvWPart
8561.
9310.
5597;
an ainem liechtberenden tage GTroj
5821;
diu lûter und diu fîne / truoc liehteberndiu wangen, / diu
wâren umbevangen / mit rôte an iegelicher stat KvWTroj
19953
u.ö.;
sîn liehteberndez cleit KvWLd
25,65;
KvWGS
928;
Seuse
378,5.
– im Vergleich:
er ist doch iemer ane schranz, / alsam der liehtebernde glanz
/ der von der sunnen glizet KvWGS
1476.
– bildl. von Maria:
entliuhte uns, liehtebernder tac, / inbrinnend minne, balsmen smac
LobGesMar
15,1;
dû liehtebernder morgenrôt ebd.
17,5
MWB 3,3 1131,34; Bearbeiter: Hansen
liehtelîn
stN.
‘kleines Licht’
er graif nach dem fẃrzúg sein / unnd zundt an ain liechlin
FrSchw
1230
MWB 3,3 1131,48; Bearbeiter: Hansen
liehtelôs
Adj.
→
liehtlôs
MWB 3,3 1131,50;
liehten
swV.
‘hell werden’
nu gie schier vf des tages schin, / daz er liehten began
TürlArabel
*R 276,11;
ich bin vrô, sît uns die tage / liehtent unde werdent lanc MF:
Veld
2a:1,2;
lieht invert liehtet der himel [interl. zu lux intrat
albescit polus
]
PsM
H 19,1;
Iw
672;
unpersönl.:
wir sprechen des morgens, so ez liht, ez sei tak
KvMSph
50,25;
hiute an dem morgen [...] / dô ez
liehtende wart Tr
8833;
SalMor
477,2;
subst.:
nu begunde sich erzeigen / der tag als ie was sin site, /
daz er ein liehten nit vermite / da im zerunnen was der naht Rennew
22600.
–
‘leuchten, glänzen’
diû himilisge gotes burg diû ne bedarf des sunnen noh des manskimen da
zeliehtenne Himmel
2
MWB 3,3 1131,51; Bearbeiter: Hansen
liehterlohen
Adv.
‘mit hell scheinender Flamme, lichterloh’
unse alde vater Moyses / den pusch sach brinnen liechterluon
HeslApk
359
MWB 3,3 1132,1; Bearbeiter: Hansen
liehtgebære
Adj.
‘Licht bringend, leuchtend, glänzend’ (vgl.
liehtebære
):
Bîbunc und die sîne man / die heten ouch geleget an / zobel liehtgebære
Virg
700,3;
mit slegen liehtgebære [
‘Funken schlagend’
] / râmet er ûf den selben degen ebd.
734,6;
dô gap der künec Îmîân / ein beldekîn liehtgebære ebd.
1051,8.
– übertr. von Personen ‘hervorragend, vortrefflich’
der künec wart umbevangen / von maneger schœner megde kluoc / und vrouwen
liehtgebære Virg
706,8
MWB 3,3 1132,4; Bearbeiter: Hansen
liehtgëbære
stM.
‘jmd., der Licht bringt, aufklärt, erleuchtet’ (zur Übers. von lat.
Lucidarius):
sô nenne wir daz buoch alsus, / den kleinen Lûcidârius, / daz spricht ein
liehtgebære Helbl
1,31
MWB 3,3 1132,14; Bearbeiter: Hansen
liehtgemâl
Adj.
→
gemâl
2
MWB 3,3 1132,18; |