1linden
swV.
‘linde sein, werden’
nû begund daz weter linden; / nâch den vil starken winden / wart der tac schœn
unde klâr RvEGer
1241;
des gewaldige hant / ist ein wâr gebiete / aller rîche diete, / der gebiutet
den winden / daz sie scharfen unde linden UvEtzAlex
Anh.1442;
Frauentreue
408(S. 1184);
subst.:
din [Gottes] kraft [bei der Flucht der
Israeliten durch das Rote Meer] dem wazzer werte al sin naturlich
linden. / gelich dem steine herte wart iz zu hohen sælden dinen kinden
JTit
77,1
MWB 3,3 1173,48; Bearbeiter: Richter
2linden
swV.
auch linderen (La. zu
Wernh
2452
).
‘linde machen’ in fließendem Übergang zwischen den einzelnen
Verwendungsweisen:
–
‘erweichen’
nie herze wart sô wilde, / ir schœne möht ez binden / und künde herzen linden
/ diu herter wæren denn ein stein Reinfr
2132.
3624;
ez [...] möht ouch herten vlins
gelinden SM:St
9: 3,3.
– von Böden (Part.Prät.) ‘locker, weich’
etslich erde ist sô gelindet, / daz man daz wazzer lîhte vindet
LvRegSyon
3438;
swâ man niht grundes vindet, / der sanfte si gelindet / mit
süezer tugende fiuhtekeit KvWTroj
6466.
–
‘besänftigen’
ob man iht mug ervinden, / dâmit man mug gelinden / iwern
muot herten Ottok
56834.
12389;
der künic [...] vlîzet sich, wie er
[...] moht gelinden irs herzen muot Wigam
(B)
5970;
Martina
212,40;
Kerbelkraut
158;
SM:EvS
1: 6,6.
–
‘mildern, lindern’
si [...] stillen den hustin. vnde
lindent di scerfe der brust SalArz
11,2;
wie Got daz guͦt sterken / kan und daz arge linden
WhvÖst
525;
mag ich iuch sorge linden / und füegen hôhen smerzen? Reinfr
3176;
JJud
1026
MWB 3,3 1173,59; Bearbeiter: Richter
lindenbast
stMN.
nicht entscheidbar, ob Kompositum oder Syntagma.
Lindenbast als Verbandmittel:
dem der cramph we tu, der nem lindinbast und binde ez, da in
der cramph begrife BenRez
41
MWB 3,3 1174,17; Bearbeiter: Richter
lindenblat
stN.
‘Lindenblatt’
sich dar inne [im Drachenblut]
badete der küene ritter guot, / dô viel im zwischen die herte ein lindenblat vil
breit. / dâ mac man in versnîden NibB
902,3;
Tr
4914.
– als tertium comparationis:
ainen schiltte vil schwere / schwang der tegen mere / für
die bruste nebend sich / ainem linden blatte gelich GTroj
21434;
einen hirzînen vezzel / den truoc ich niden umbe mich; / den slouc sî daz er
zarte sich [zerriss] / als ein marwez
[zartes] lindenblat BFrau
659;
si riten ritterlîch ze samen, / daz schilt unde sper benamen
/ zerstuben als ein lindenblat EnikWchr
16289;
EnikFb
3599
MWB 3,3 1174,22; Bearbeiter: Richter
lindenloup
stN.
‘Lindenblatt’
sîn schilt grüen als ein linden loup / was geverwet schône
KvWTroj
12012.
– als bildl. Ausdruck für Geringfügigkeit zur Verstärkung der Negation:
beide ors verzageten, daz si niht furbaz wolten, / von stoͤzen, die si
trageten, daz si alle die sleg der sporen dolten / und ir umb ein linden loup niht
ahten JTit
4769,3
MWB 3,3 1174,35; Bearbeiter: Richter
lindenrîs
stN.
‘Lindenzweig’
daz wizzet, helde mære, / vil guote sturmære / sint die helde ûz Beheimlant. /
dem si niht rehte sint bekant, / der warte an jeniu linden rîs, / dar under si
versuochent prîs Bit
10005
MWB 3,3 1174,42; Bearbeiter: Richter
linderen
swV.
→
2linden
MWB 3,3 1174,47;
lindicheit
stF.
‘Weichlichkeit, Nachgiebigkeit, Schwäche’
dv solt och sagen [beichten] von zarten, vnd ze
linden geberden, da bi man merken mag des herzen lindeckeit vnd krancheit
Bihteb
47;
daz ander [Merkmal der tragheit
] ist
lindecheit des libis, vnd des herzen, vnd des geistes ebd.
68
MWB 3,3 1174,48; Bearbeiter: Richter
lindiclîche
Adv.
‘sanft’ (s.a.
lindelîche
):
dez [Dornes] natur ist also herte, swie lindeklich
man in an grifet, so stichet er doch da wider PrGeorg
316,12;
sprichet dir ieman herteklich zuͦ, dez antwúrt du lindeklich zuͦ ebd.
280,1
MWB 3,3 1174,54; Bearbeiter: Richter
lindîn
Adj.
‘von der Linde’
den [Bogen] sennwete er gar vaste /
mit lindenem paste HvNstAp
6752.
–
‘aus Lindenholz’
des swertes site was so getan, / swa erz hin sluͦc, / daz iz
durch den stal wuͦt, / sam er ware lintin Rol
4145;
StrKarl (S)
5069;
Briczlab sagete den sinen: / daz wirt wol schinen, / daz wir nit chinvorhen
pogin [Bogen vom Holz der Kienföhre] haben / noch lindin
swert tragin Dalimil (B)
45,14
MWB 3,3 1174,59; Bearbeiter: Richter
lindlîche
Adv.
→
lindelîche
MWB 3,3 1175,4;
lindlockunge (?)
stF.
oder -locken stN.?
‘Schmeichelei’
[der Abt] sol auch wizzen wie gar ein mülich vnd ein hoch
dinch er enphangen hat ze richten die sel vnd dienen vil läut site vnd einen mit
lintlockunn einen mit straff einen mit schündung [
alium quidem
blandimentis, alium vero increpationibus, alium
suasionibus
] vnd nach eines ieglichen wielichin oder
verstandenheit BrAlt
2
MWB 3,3 1175,5; Bearbeiter: Richter
lindmüetic
Adj.
‘sanftmütig’
do mit [mit genade und götlichem
friden
] erliucht er die sele vnt machet das herce
lindmuetige vnd smeltzende als das wachse von der heissen sunnen fliusset
PrWack
64,29
MWB 3,3 1175,13; Bearbeiter: Richter
line
stF.
1
‘Geländer (an einem Fenster oder Balkon), Fenster’ (vgl.
lëne
) 2
‘Tragestange’ an einer Bahre? (vgl. Anm. z. St.
1
‘Geländer (an einem Fenster oder Balkon), Fenster’ (vgl.
lëne
):
dâ wart ich enpfangen wol. / die line dâ wâren vrowen vol, / die alle wol
enpfiengen mich UvLFrd
182,10;
dô gieng ich [...] / gein einer line hin nâher stân.
/ dâ für sô was ein tepich guot / gehangen, als man ofte tuot / für line, dâ man wil
windes niht / noch lieht: für diu ez geschiht. / vor der line der tepich hie, / dar
in vil kleine iht windes gie ebd.
331,14;
sâ dô ich die bet gesprach, / ein juncfrowe ûz der lin her sach. / dô sî uns
sach dô sunder stên / und unser wâren niwan zwên, / dô tet si wider zuo die lin /
und gie sâ zuo ir vrowen hin ebd.
331,30
u.ö.;
do neigt sich Hildebrant / durch die line unde sprach, / do der den boten
chomen sach Dietr
4660.
4690;
owe, er karrende tur! / er kirret wider unde fur / als
[...] ein blenkende [sich hin und her
bewegende] lin Jüngl
919
2
‘Tragestange’ an einer Bahre? (vgl. Anm. z. St.
En (Fm)
216,30,
s.a.
lînboumîn
):
nu vernemet von der bâren. / die lin boumîn [
‘aus Holz’; Hs. linboumin, La. lintbovme
u.a.] wâren / und von helfenbeine En
7984
MWB 3,3 1175,18; Bearbeiter: Richter
lîne
swstF.
1
‘Seil, Leine’
2
‘Messschnur’ (zum Vermessen von Grundbesitz, vgl. DRW 8,1176f. u. MNW 4,655) 3
‘Waldstück, Waldanteil’ (?)
1
‘Seil, Leine’
zebrochen sint die maste / unde diu rûder vaste, / die lînen und diu ankerseil
En
501;
Pass I/II (HSW)
36252;
die niht mohten gehaben / ab der mûr deheine / leiter noch
leine, / die vielen sus hin nider Ottok
57850;
do wurden sy grisgrainen / sam dy hunt an einer lainen Hawich
2652;
‘nû brenget eine lînen, / daz wir Lengewînen / uns machen wol zû mâzen.’ /
[...] / Lengewîn wart gebunden LivlChr
2869.
2916;
Pass III
660,81;
Virg
256,8.
– bildl.:
wan alleyne er als eyn bly / tyf indiz ebgrunde sy /
geczogen mit der sunden lyne Hiob
10113
2
‘Messschnur’ (zum Vermessen von Grundbesitz, vgl. DRW 8,1176f. u. MNW
4,655):
die vursprochgene muͦre is as lang as die lyne, die in disme schrine leyt
DRW
8,1177
(KölnSchrB.; a. 1349).
8,1176
(Planitz,UrkKölnRG.; um 1170)
3
‘Waldstück, Waldanteil’ (?):
also vil alse der burgreue holzis darf zu buene vnde zu burne, das sal he
howen in des riches vorsten in der line vnde in deme kamervorste vnde in deme
tirgarten UrkCorp (WMU)
1168,32
MWB 3,3 1175,40; Bearbeiter: Richter
linebërge
swstF.
1
‘Bank mit Lehne/ Stütze, Ruhebank’
2
‘Geländer, Brüstung’
1
‘Bank mit Lehne/ Stütze, Ruhebank’
díu líneberga ze démo díske. díu íst gúldîn
Will
52,18;
der de mûode íst. dér lêinet síh gérno an dîe líneberga
ebd.
52,23.
52,3;
diu guldîne lineberge daz ist diu heilige uernunst dâ sich
got ubere gelainet hât zuͦ sîner gemahelen daz ist diu heilige cristinhait
TrudHL
42,30
u.ö.;
reclinatorium: leneberga SummHeinr
2:83,110;
fulcrum: liniberga ebd.
2:309,03.10
2
‘Geländer, Brüstung’
[er] síhet ûz den uénstron. unte uuártet ûz uón den
línebergon Will
37,2.
37,8;
TrudHL
31,32.
32,6;
diu burch gworht ist von lebentigen steinen, / da sich die
muoden an die linebergen suln leinen Himmelr
8,8
MWB 3,3 1175,61; Bearbeiter: Richter
linen
swV.
→
lënen
MWB 3,3 1176,11;
lînen
swV.
‘jmdn. anseilen’, hier übertr. ‘jmdn. an sich binden’
mit gabe er an sich linde / manigen vrechen sarrjant
WhvÖst
5958
MWB 3,3 1176,12; Bearbeiter: Richter
lînephat
stM.
‘Leinpfad, Treidelpfad’ (zur Sache vgl. DRW 8,1183f. und 2HRG
3,827-829):
in ripa que linpat uocatur UrkNiederrh
1,334
(a. 1180)
MWB 3,3 1176,15; Bearbeiter: Richter
lîngadem
stN.
‘Verkaufsstätte für Leinware’
de illis, qui stant under den lingademen et vendunt linea vestimenta preparata
WeistErf
111
(1. H. 14. Jh.)
MWB 3,3 1176,18; Bearbeiter: Richter
linge
Adj.
→
linc
MWB 3,3 1176,21;
linge
stF.
‘Gelingen, Erfolg, Glück’
alsus was übel bî guote, / bî linge schade, bî liebe leit
Tr
5097;
gelückes unde linge / an manlîchem dinge / und âventiure
erwarber vil ebd.
18455
u.ö.;
Irot von Roisabinse, der sprangte ouch an dem ringe. / ich wene, uz einem
vlinse moht man sanfter howen prises linge / danne ab im und den, di er da fuͦrte
JTit
2094,2.
1820,2;
Parz
177,6.
489,17
MWB 3,3 1176,22; Bearbeiter: Richter
lingen
stV. (IIIa)
unpersönl. mit Dat.d.P.
1
‘vorankommen’
2
‘Erfolg haben, vonstattengehen, geraten’ (s.
gelingen
)
1
‘vorankommen’
in dûhte im lünge ze fuoze baz, / im wâren diu bein unmâzen lanc
StrDan
3156;
ze füss lang im des weges wol GTroj
2307.
–
~
lâʒen
‘sich beeilen’
wol ûf und lât iu lingen: / der tac ist komen KLD: UvW
29:2,5;
Irmendrût, belîp / nicht lange! [...]lâz lingen
dir! Boner
48,34;
sy lïssend in do lingen. / ze walde mitt schalle /
kertten sy do alle GTroj
2448.
6964.
21378
2
‘Erfolg haben, vonstattengehen, geraten’ (s.
gelingen
):
allez daz, des er began, / dâ lang im allerdickest an
Tr
5078
MWB 3,3 1176,30; Bearbeiter: Richter
lîngewant
stN.
‘Kleidung aus Leinen’
swenne ain frowe oder man ain tohter hin ze manne gibt, der schol man me niht
geben leingewandes denne ain rockelein und ain mursnitz [dünnes
Kleid] und hemde, swievil man wil NüP
150;
were es dir denn nit ungemach, / so weltt ich sydin
[seidenartige] linegewant [Hs.
linegewatt
] / in allen geben von miner hand
GTroj
3805
MWB 3,3 1176,41; Bearbeiter: Richter
lînhose
swF.
‘Beinkleid aus Leinen, Leinenhose’
die selben gotes knehte / die truogen an ir schenkelen /
lînhosen Tr
2642
MWB 3,3 1176,49; Bearbeiter: Richter |