linge
Adj.
→
linc
MWB 3,3 1176,21;
linge
stF.
‘Gelingen, Erfolg, Glück’
alsus was übel bî guote, / bî linge schade, bî liebe leit
Tr
5097;
gelückes unde linge / an manlîchem dinge / und âventiure
erwarber vil ebd.
18455
u.ö.;
Irot von Roisabinse, der sprangte ouch an dem ringe. / ich wene, uz einem
vlinse moht man sanfter howen prises linge / danne ab im und den, di er da fuͦrte
JTit
2094,2.
1820,2;
Parz
177,6.
489,17
MWB 3,3 1176,22; Bearbeiter: Richter
lingen
stV. (IIIa)
unpersönl. mit Dat.d.P.
1
‘vorankommen’
2
‘Erfolg haben, vonstattengehen, geraten’ (s.
gelingen
)
1
‘vorankommen’
in dûhte im lünge ze fuoze baz, / im wâren diu bein unmâzen lanc
StrDan
3156;
ze füss lang im des weges wol GTroj
2307.
–
~
lâʒen
‘sich beeilen’
wol ûf und lât iu lingen: / der tac ist komen KLD: UvW
29:2,5;
Irmendrût, belîp / nicht lange! [...]lâz lingen
dir! Boner
48,34;
sy lïssend in do lingen. / ze walde mitt schalle /
kertten sy do alle GTroj
2448.
6964.
21378
2
‘Erfolg haben, vonstattengehen, geraten’ (s.
gelingen
):
allez daz, des er began, / dâ lang im allerdickest an
Tr
5078
MWB 3,3 1176,30; Bearbeiter: Richter
lîngewant
stN.
‘Kleidung aus Leinen’
swenne ain frowe oder man ain tohter hin ze manne gibt, der schol man me niht
geben leingewandes denne ain rockelein und ain mursnitz [dünnes
Kleid] und hemde, swievil man wil NüP
150;
were es dir denn nit ungemach, / so weltt ich sydin
[seidenartige] linegewant [Hs.
linegewatt
] / in allen geben von miner hand
GTroj
3805
MWB 3,3 1176,41; Bearbeiter: Richter
lînhose
swF.
‘Beinkleid aus Leinen, Leinenhose’
die selben gotes knehte / die truogen an ir schenkelen /
lînhosen Tr
2642
MWB 3,3 1176,49; Bearbeiter: Richter
linie
swF.
stF. (
Rumelant (K)
1:5,9
), auch linee, linige.
1
‘Linie, Strich’
2
‘Abstammungslinie’
1
‘Linie, Strich’
alz er [
der ainen zirkel macht
] den
ersten punt geseczt, bestet der also, so wirt dy linie guet Eckh
3:414,17;
ein punctel einer linien anegenge ist, unde ist doch niht ein
linige MNat
4,11.
4,15;
Rumelant (K)
1:5,2.
1:5,9.
– übertr.:
her umbe ist daz aleine ein gereht mensche, der alliu geschaffeniu dinc
vernihtet hât und an einer glîchen linien âne allez ûzluogen in daz êwige wort
gerihtet stât Eckh
1:273,2;
ir sünd wissen, das ich der linien vnsers herren Ihesu Christi niemer ab
ston wil! Katrei
346,7.
346,2;
wizze daz Got mit nichte / under grebet das gerichte! /
daz were gar unmugelich / daz der solde vergezzen sich / der da ist mit
sicherheit / dy lynege [Richtschnur] der gerechtekeit
Hiob
2654
2
‘Abstammungslinie’
entsprozen von Eleasar / sint dize phaffen [Stammväter der
Israeliten] alle gar, / di in dizer lineen sten / und vort also
nider gen / unz hin zu Cristi zukunft HistAE
1047;
Jesus Cristus der heilant, / der von Marien wart geborn, /
[...], / di an kuniclicher vrucht / von Davites linien
vloz Pass I/II (HSW)
407.
32890
MWB 3,3 1176,52; Bearbeiter: Richter
linienstrich
stM.
‘Richtschnur, Orientierungslinie’
sie [die meister
] duchte ouch ie nutze
wesen, / daz ieglich mensche uz solde lesen / zu siner liebe ez beste, / und hiengen
daran veste, / daz were ein recht linienstrich Pass III
673,35
MWB 3,3 1177,11; Bearbeiter: Richter
liniere
Subst.
auch linger.
‘Lineal’
ja ist er [Heinrich I. von Niederbayern] gote unde
al der werlde an tugenden gar gereht, / ane valsch unde ane wanc alsam ein liniere
sleht FvSonnenburg
45,6;
linea: linger VocOpt
23.024
MWB 3,3 1177,16; Bearbeiter: Richter
liniieren
swV.
‘mit Linien versehen’ (hier als Part.Prät., von Fellzeichnung):
do sint ouch vil giraffin di sint gar schone an czu seen, si han lange helse
[...] und di corperige gelynygirt wys und rot
MarcoPolo
70,19
MWB 3,3 1177,21; Bearbeiter: Richter
1lînîn
Adj.
auch lînen (
StatDtOrd
39,14;
Elis
3207;
HeslApk
10975
).
‘leinen, aus Leinen’ (s.a.
lînînerîn
):
er gienc dâ snidære nâten / wît unt blanc lînîn gewant
Wh
196,7;
er het ein swartz linin gewant, / ander cleider waren im vremde Erz
III
81,62;
linin, wúllin, sidin cleit SHort
6656;
in einem leinînen tuoch Barth
138,11;
StatDtOrd
38,20;
BdN
440,17;
EvAug
246,4
MWB 3,3 1177,26; Bearbeiter: Richter
2lînîn
Adj.
‘schwächlich, weich’ (vgl. DWB 6,706 s.v. leinen adj.):
ich sol sîn tôrel hiuwer sîn - / er [der Herzog von Schwaben, auf
den ein Attentat geplant wird] ist niht sô lînîn, / daz ir iuch
sîn mugt erwern Helbl
4,310
MWB 3,3 1177,34; Bearbeiter: Richter
lînînerîn
Adj.
zur Suffixform -erîn (hier an -în angehängt) vgl. Mhd. Gr.
Wortb. § A 85.
‘leinen, aus Leinen’ (s.a.
1lînîn
):
[die Tuchhändler] soln auch kein tuch verkauffen, sie sin
denne gezeichent, und daz leininerin tuch niht anders wann von der wollen mezzen,
und verkauffen, und daz leininerin tuch sol haben an der zal zu dem minsten an zwen
vierzig genge [Webgänge, s. ganc 10
]
StRRotenb
496
MWB 3,3 1177,39; Bearbeiter: Richter
linize
swF.
→
lunze
MWB 3,3 1177,48;
lînkappe
swF.
‘Leinenumhang’
die selben wallenden man / die truogen unde hæten an /
lînkappen unde solhe wât, / diu wallæren rehte stât Tr
2631
MWB 3,3 1177,49; Bearbeiter: Richter
linket
Adj.
→
linc
MWB 3,3 1177,52;
lînlachen, lîlachen
stN.
auch lîlach (
EnikWchr
10298;
Albrant
3,6
).
‘Laken, Betttuch’ (s.a.
lîchlachen
):
secht, wa die lilachen, / darin zun ersten stunden / der
licham was gebunden, / lagen da besit hin abe Pass I/II (HSW)
8476;
gar lind ist dir gebetet / mit sydenen lin lachen / unter
vehen [mehrfarbigen] deklachen SHort
10535;
sie liez ir lîlachen / von guotem hâre machen EbvErf
3513;
UvLFrd
344,19;
Tr
18148;
StatDtOrd
38,21
MWB 3,3 1177,53; Bearbeiter: Richter
lînmengære
stM.
‘Leinenhändler’
notum sit [...] abbatissam
[...] mensam inter linmengere delegasse Petro et suis
heredibus UrkKölnSchr
1,108
(12. Jh.)
MWB 3,3 1177,62; Bearbeiter: Richter
lînöl, -olei
stN.
‘Leinöl’
tzu golt varwe nim merren und âlôe glîch giwegin und alsô vil lînôleys, daz
sûd mit einandir in eime nûwen tupphine biz daz ôley vorsûd, sô sês du die varwe
Barth (H)
492.
492;
bestreich iz dann mit lein œl: so wirt ez gesunt
Albrant
1,20;
darumb han ich ir vnd irem gotzhauz geben achtzehen pfunnt guter Hallar vnd
einen centen leinoels UrkCorp (WMU)
290,20
MWB 3,3 1178,1; Bearbeiter: Richter
linpfic
Adj.
→
limpfic
MWB 3,3 1178,9;
lînsâme
swM.
auch lint-.
‘Leinsame’
brenne den linsamen. vnde missche in mit ole. vnde salbe daz
hâr Ipocr
25;
nym ybysche [von (der Pflanze)
Eibisch] wortzn vnde pappiln bleter vnde linsamen
OvBaierl
106,29;
nym papiln vnde ybisten [des
Eibischs] worczelen, lintsamen ebd.
83,7.
159,2
MWB 3,3 1178,10; Bearbeiter: Richter
lînsât
stF., stM. oder N.
‘Leinsaat, Leinsamen’
swem die bruste sweren, der nem linsat und sied ez mit
hirzinem unslit oder mit smalz BenRez
50;
nim lin sat vnde stoz daz wol mit uioln ole. vnde wachs vnde
butter da lege di lin sat zu. vnde sut iz alliz mit ein ander SalArz
44,9.
45,25
u.ö.;
von dem linsat. semen lini haizet linsât BdN
422,23
MWB 3,3 1178,16; Bearbeiter: Richter
lînsâtöl
stN.
‘Leinöl’
salbe im den buch mit lin sat ole. vnde mit ruten
ole [Rautenöl]
SalArz
52,1
MWB 3,3 1178,23; Bearbeiter: Richter
linse
swM.
‘Wolf-Hund-Mischling’
von dem linsen. linsius ist ain tier vierfüezik, daz wirt von
ainer wülpen oder von ainer wolfsmuoter und von ainem hund, wan ietwederz der zwair
tier ist sô unkäusch, daz si den nâtürleichen haz zwischen enander lâzent und koment
zesamen durch den glust, und alsô nimpt der lins, der ir paider kint wirt, varb und
nâtürleich siten von in paiden, wan er ist starch und grimm BdN
148,22
MWB 3,3 1178,25; Bearbeiter: Richter
linse
swstF.
‘Linse, Same der Linsenpflanze’ (zur Sache vgl. Körber-Grohne,
Nutzpflanzen, S. 350-360):
dô hête Jacob gemachôt ein muos ûz linsen vile guot
Gen
1090;
sine linse [Pl.?]
er [Jakob] sot VMos
22,9;
zem vasttag hanf, lins und bôn; / visch und öl sie liezen schôn / die herren
ezzen Helbl
8,883;
ein plaster [...] uon rosen vnde uon
linsen. vnde mirtel SalArz
58,2;
StatDtOrd
67,34;
HvBurg
6399;
UrkLicht
7,467
(a. 1340).
– bildl. Ausdruck für Geringfügigkeit, zur Verstärkung einer Negation (vgl.
Friedrich, PhrasWB, S. 273f.):
er het niht eine linse / umb aller fürsten guot gegeben Reinfr
18412;
swaz sîn friunde und arme liute klagen, / daz sol er [der auf
tugendlose Weise in der Welt erfolgreich sein will] wegen
[dem soll er Gewicht beimessen] gein einer linsen
Renner
5033.
15773;
und ein ieglich engel, sô er ie hœher ist, sô sîn vröude ie grœzer ist, und
diu vröude al sament ist rehte als kleine als ein linse wider der vröude, die got in
dem werke hât Eckh
3:364,7
u.ö.;
ReinFu
K,1407;
JTit
3339,2
MWB 3,3 1178,34; Bearbeiter: Richter
linsenkoch
stN.
‘Linsenbrei, -gericht’
Esau verchoͮfte hinz Jacob sin erbreht umbe ein linsen choch
GenM
47,6
MWB 3,3 1178,55; Bearbeiter: Richter |