lînsât
stF., stM. oder N.
‘Leinsaat, Leinsamen’
swem die bruste sweren, der nem linsat und sied ez mit
hirzinem unslit oder mit smalz BenRez
50;
nim lin sat vnde stoz daz wol mit uioln ole. vnde wachs vnde
butter da lege di lin sat zu. vnde sut iz alliz mit ein ander SalArz
44,9.
45,25
u.ö.;
von dem linsat. semen lini haizet linsât BdN
422,23
MWB 3,3 1178,16; Bearbeiter: Richter
lînsâtöl
stN.
‘Leinöl’
salbe im den buch mit lin sat ole. vnde mit ruten
ole [Rautenöl]
SalArz
52,1
MWB 3,3 1178,23; Bearbeiter: Richter
linse
swM.
‘Wolf-Hund-Mischling’
von dem linsen. linsius ist ain tier vierfüezik, daz wirt von
ainer wülpen oder von ainer wolfsmuoter und von ainem hund, wan ietwederz der zwair
tier ist sô unkäusch, daz si den nâtürleichen haz zwischen enander lâzent und koment
zesamen durch den glust, und alsô nimpt der lins, der ir paider kint wirt, varb und
nâtürleich siten von in paiden, wan er ist starch und grimm BdN
148,22
MWB 3,3 1178,25; Bearbeiter: Richter
linse
swstF.
‘Linse, Same der Linsenpflanze’ (zur Sache vgl. Körber-Grohne,
Nutzpflanzen, S. 350-360):
dô hête Jacob gemachôt ein muos ûz linsen vile guot
Gen
1090;
sine linse [Pl.?]
er [Jakob] sot VMos
22,9;
zem vasttag hanf, lins und bôn; / visch und öl sie liezen schôn / die herren
ezzen Helbl
8,883;
ein plaster [...] uon rosen vnde uon
linsen. vnde mirtel SalArz
58,2;
StatDtOrd
67,34;
HvBurg
6399;
UrkLicht
7,467
(a. 1340).
– bildl. Ausdruck für Geringfügigkeit, zur Verstärkung einer Negation (vgl.
Friedrich, PhrasWB, S. 273f.):
er het niht eine linse / umb aller fürsten guot gegeben Reinfr
18412;
swaz sîn friunde und arme liute klagen, / daz sol er [der auf
tugendlose Weise in der Welt erfolgreich sein will] wegen
[dem soll er Gewicht beimessen] gein einer linsen
Renner
5033.
15773;
und ein ieglich engel, sô er ie hœher ist, sô sîn vröude ie grœzer ist, und
diu vröude al sament ist rehte als kleine als ein linse wider der vröude, die got in
dem werke hât Eckh
3:364,7
u.ö.;
ReinFu
K,1407;
JTit
3339,2
MWB 3,3 1178,34; Bearbeiter: Richter
linsenkoch
stN.
‘Linsenbrei, -gericht’
Esau verchoͮfte hinz Jacob sin erbreht umbe ein linsen choch
GenM
47,6
MWB 3,3 1178,55; Bearbeiter: Richter
linsenkorn
stN.
‘Linse, Linsenkorn’ (bildl. als Ausdruck für Geringfügigkeit):
e die natur eitel lid, e prech ain erein hafen von geprechen
ains linsenkornes, ob der hafen als dike wer piz an den himel; e geng daz wazzer ze
perge KvMSph
12,26
MWB 3,3 1178,58; Bearbeiter: Richter
linsenkrût
stN.
‘Linsenpflanze’
wil dû die zende wîz machen, sô nim die wurze des
linsenchrûtes unde schab die rinden abe unde rîp die zende vast dâ mit, sô werdent
si wîz Barth
147,12
MWB 3,3 1178,63; Bearbeiter: Richter
linsenmorgen
stM.
‘mit Linsen bebaute Fläche im Umfang eines morgens’ (hier
Toponym):
ein morge ackers, der ovch in dem hof horet, vnde heizet Linsenmorgen
UrkCorp (WMU)
1419,44
MWB 3,3 1179,3; Bearbeiter: Richter
linsenwal (?)
N.
‘Linsengericht’ (Zweitglied zu wallen i.S.v. ‘kochen’,
oder konjizieren zu -mâl
‘Mahlzeit, Gastmahl’?):
di erstekeit siner geburt / er [Esau] verkoufte
uberal / um ein lutzel linsenwal [Hs. lynsen
val
]
HistAE
1036
MWB 3,3 1179,7; Bearbeiter: Richter
lînsoc
stM.
Fußbekleidung aus Leinen, ‘Leinenschuh’
caligula: linsoc SummHeinr (Ho)
4,22;
dei bein nebedechent in hosen noch die linsoche
Himmelr
9,8
MWB 3,3 1179,12; Bearbeiter: Richter
linster
Adj.
‘auf der linken Seite befindlich, linke(r/ s)’ (kontaminiert aus →
linc
und →
winster
?, vgl. W. Röll: Eine Handvoll
Sprachgeschichte. In: Studien zu Literatur, Sprache und Geschichte in Europa [FS
Haubrichs]. Hg. A. Greule u.a., St. Ingbert 2008, S. 477-490, hier S.
487):
got spricht: ‘swer mir volgen wil, / der get nicht in dem
vinstern / zur rechten noch zur linstern / hende.’ HeslApk
7188;
zur zeswen und zur linstern / hende ebd.
21988
u.ö.
MWB 3,3 1179,16; Bearbeiter: Richter
lintboum
stM.
‘Tragestange’ an einer Bahre (vgl. aber Laa. der Stelle, s.
lînboumîn
,
line
):
nu vernemet von der barn. / die lintboume warn / von wizeme elfenbeyne
En (FSch)
7984
MWB 3,3 1179,26; Bearbeiter: Richter
lintîn
Adj.
→
lindîn
MWB 3,3 1179,30;
lint(-lîche)
Adj., Adv.
→
linde
(-lîche)
MWB 3,3 1179,31;
lintlockunn
Subst.
→
lindlockunge
MWB 3,3 1179,32;
linttrache
swM.
‘Lindwurm, (schlangenartiger) Drache’ (s.a.
lintwurm
):
einen lintrachen den sluoc des heldes hant NibB
100,2.
899,2;
[im Tal lebten] zwen grosze lintracken, / die usz iren
kynebacken / blieszen wildes fùwre, / da von was vngehùwre / der was
[Atem] , der da von brach Krone
12788
MWB 3,3 1179,33; Bearbeiter: Richter
lintwurm
stM.
‘Lindwurm, (schlangenartiger) Drache’ (s.a.
linttrache
):
do sie den berc uberstigen, / sie vunden vor der burch ligen / lintwurme und
trachen, / die von getwanges sachen / da hutten der pforten Brandan
1157;
er sleht lewen unde bern, / trachen, lintwürme Georg
467;
kein tracke noch kein lintwurm / sô rehte balde nie geswanc,
/ sam si diu ros ân allen wanc / bêd ûf ein ander brâhten KvWTroj
39324.
25350;
Lucid
26,1;
Erlös
453;
PrMd
22.
– als Bestandteil von Personennamen:
das gvͦt koͮfte er von hern Heinrike dem Lintwurme von Kienberg UrkCorp
(WMU)
N675,4;
Cunrat vom Lintwurme UrkWürzb
39,119
(a. 1319)
MWB 3,3 1179,40; Bearbeiter: Richter
lînwât
stF.
auch linwot, lywot (
HistAE
4414;
MarcoPolo
12,11
).
‘Leinen, Leinwand’
frouwen worhten / lînwât unt sîden Wernh
1359;
vel oder leinwat oder wolle oder rinderhaeut
StRMünch
234,6;
si hât gesant dir einen brieb / unde hêrlîche lînwât, /
phellil unde cindât SAlex
6529;
StRZürich (B)
189,4.
– Kleidung aus Leinen:
es ist noch unzuhte vil, / die manger niht erkennen wil. / sol ich daz nemen
uf minen eit, / wer sin gewant offen treit, / so daz da eneben man im siht / sin
linwat swartz und des ich niht / nennen wil noch ensol, / es gevellet niht den wisen
wol Jüngl
682;
an der zartten linwatt / was ain liste in genagtt / von
syden und von golde GTroj
20277;
HBirne
259;
Iw
6483
MWB 3,3 1179,54; Bearbeiter: Richter
lînwâtære, -wætære
stM.
Dat.Pl. auch (verschrieben?) linwetenn (
UrkBasel
2:6,18
(a. 1268 kopial)
).
‘Leinweber’ (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 360;
weitere Belege s. DRW 8,1186):
item, swelch chaufman arwait mit altem gewande als mentler und chursner und
leinwater und chramer und woller, der gibt von dem einczwagen
[Einspänner] in der stat czwen phenning
StRBrünn
374.
– als Bestandteil von Personennamen:
meister Salman der linweter UrkCorp (WMU)
226AB,11,8
MWB 3,3 1180,5; Bearbeiter: Richter
lînwâthûs
stN.
auch liwât-.
Haus (Lager und Handelshaus?) der Leinweber/ Leinenhändler:
notum sit, quod [...] Theodericus et
[...] Gerardus fratres dicti de Schiderich domum
ipsorum, que dicitur lijnwaythuͦys [...] cum sua area
donaverunt et remiserunt [...]
UrkKölnZunft
2:99,2
(a. 1345);
Wilhelm in deme linwaithus ebd.
1:227
(a. 1344);
inme liwaithus ebd.
1:59,9
(a. 1344)
MWB 3,3 1180,15; Bearbeiter: Richter
lînwâtmangære
stM.
auch liwât-.
‘Leinenhändler, Leinengewandschneider’ (weitere Belege s. DRW
8,1188):
dit sint bruͦder der bruͦderschaf der lynwaitmenger zuͦ Colne
UrkKölnZunft
1:227
(a. 1344);
wey man liwaitmengerin [...] de bruͦderschaf lenen
sal ebd.
1:62,10
(a. 1344).
– als Bestandteil von Personennamen:
Oͮlricus linwatmanger TradPrüf
195
(a. 1189)
MWB 3,3 1180,23; Bearbeiter: Richter
lînwâtmëʒʒer
stM.
jmd., der für das Vermessen der Leinwand zuständig ist:
gesezt, das sie [Leinenweber]
[...] ain geschworen leinwatmesser haben sollent, und soll
der iedes iars vor den maistern desselben hantwerks ain
[...] aid schweren [...], die
leinwat recht zu messen [...] und sollent die geschworen
zwen beschawer mit dem geschworen leinwatmesser alle leinwat ane geblaicht leinwat
allenthalben in der statt, in hewsern und an dem markt, kuntlich
[...] besehen DRW
8,1188
(Nübling, UlmBaumwollw.; a. 1346);
ebd.
8,1188
(ZSchwabNeuburg; a. 1327)
MWB 3,3 1180,31; Bearbeiter: Richter
lînwëbære
stM.
auch linin-, -wober.
‘Leinenweber’
und wer ez czu dem strichene nicht truge, der vorluset funf schillinge, und
daz selbe sullen tun die linwebere, wan sie ir linwat wollen lazzen enwegtragen odir
furen, bie der selben pyne StRMühlh
121;
lininweber, linwater und bleicher súln haben ein zunft und ein baner
DRW
8,1179
(ZürichZftG.; a. 1336);
s.a.
BerufeFrankf
79a.
– als Bestandteil von Personennamen (s.a. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S.
360):
Heinze der linwober UrkCorp (WMU)
N349,9
MWB 3,3 1180,43; Bearbeiter: Richter
lînzeichen (?)
stN.
Erstglied unklar, s.a. Schiller/ Lübben 2,698; vgl.
lîchzeichen
.
‘Wundmal, Narbe’
up yre lincker hant / wart eyn lyntzeichen erkant, /
[...] / da was yr in gevallen / eyn luchter, do sy was
eyn kynt KarlGalie
3619.
10612;
mer man sach dat leyntzeichen [an Papst Leo III., dem man
versucht hatte, die Augen auszustechen] alle zyt, /
[...] / als eynen syden vadem staen / bouen den ougen
sunder waen Karlmeinet
323,24
MWB 3,3 1180,54; Bearbeiter: Richter
lion
stM.
aus afrz. lion (Suolahti 1,148).
‘Löwe’
Tispe was ein lion bekant, / gen Piramus so stuont ir muot
Tannh
4,43
MWB 3,3 1180,63; Bearbeiter: Richter |