lit-
s.a. lide-
MWB 3,3 1207,9;
lît
stNM.
‘Obstwein, Most’ (vgl. Schultz, Höf. Leben 1,403 und 2RGA
21,523-526):
des enmoht er nv ditz leit / auz dem kopf [Becher]
niht getrinchen Krone
1941.
1950.
7331;
hie ist semele unde lît Kchr
11615;
er hiz daz luit zu gan, / vullin eini cisternam / meddis undi
winis, / dis allir bezzistin lidis LobSal
70;
Hochz
317.
– im Gleichnis:
selbe er in schinket / den allirbezisten lit / daz ist der ewige lib
[das ewige Leben] , / des iemer enbizze / njeman ne
mac wizzen Glaub
3104
MWB 3,3 1207,10; Bearbeiter: Luxner
lîte
swF.
‘(Ab-)Hang, Halde, Leite’ (vgl. WMU 2,1146; DRW 8,1205f. s.v.
3Leite):
ich mocht an manger stat nit ritten. / ich erbaitzt do an den liten / und nam
min pferit an min hant / und zoch ez durch dez staines want MinneR
476
12;
ein Bêheim wert, / Otacker, der des rîches erbe noch sol wîten, / ob ers gert,
/ sîn wirt eben berc unt tal unt alle lîten Sigeher
18,14;
so wold er mit Pompeio / kumen und wider ienen io / menlich zu velde striten /
uf bergen und in liten HistAE
5548;
tal unde liten, / daz was allez vol Rab
473,1;
do der herre Noę uirstuͦnt / daz dev archa gestuͦnt / do sande
er an di liten [gemeint wohl die bereits hervorscheinenden Berge; vgl.
Gn 8,5] / ein uogel der heizet rappe VMos
13,4;
Dietr
8460;
ErnstB
886;
Krone
19897;
den túrn vnder Reysperch [...] mit samt dem
weíngarten, der do vnder leit, vnd den zwain leiten neben des weíngartens, der
aínev get vͤntz an den weg, div ander vͤntz an daz ceilach UrkCorp
(WMU)
2204,29;
UrkHeil
2,207
(a. 1349);
were oͮch, daz die vroner [...] aneinander iht
hettend zuͦ sprechende von dirre berge wegen, da svͤllent sie reht vmbe nemmen vor
vns oder vnsern voͤgeten vf der leiti vf den selben bergen vnd niene ansderswa
UrkFreiburgGr
12,371
(a. 1322),
vgl. Anm.z.St.; s.a. bergm.
leite
stswF. 1.2.
– hier wohl i. S. v. ‘Tal’ (vgl. Glr.z.St.):
sin wec im in den ziten / geburte in einer liten / da ein michel wazzer vloz
[vgl. gebürn 2
]
Pass III
184,49.
– für den Weg über eine lîte (vgl. Glr.z.St.):
hievon er balde neigete / sich durch den pusch besiten, / wand er die rechten
liten / nicht entorste wandern Pass III
347,28.
– umschreibend für die Hüfte:
und was der roc dâ mite / dâ engegene, dâ die sîten / sinkent
ûf ir lîten, / gefranzet unde genget Tr
10904.
– übertr. des gelückes ~
:
die viende [...] / die er
[Gott] in den geziten / von des geluckes liten /
genzlich warf besiten / in den sumpf vil witen Pass III
393,79
MWB 3,3 1207,20; Bearbeiter: Luxner
lîteigenstiure
stF.
Steuer aus der Produktion oder dem Ausschank von (Obst-)Wein,
‘(Obst-)Weinsteuer’
die wineigen [Weingüter] suln geben ze meien
sibenzehen vnze heller ze lideigensture UrkCorp (WMU)
29,1
MWB 3,3 1207,58; Bearbeiter: Luxner
lîtgëbære
stM.
‘Wirt, Schankwirt’
daz der vorgenant probst, [...], ewicleichen an dem
alten markcht haben mag und auch sol durch recht ainen leitgeber,
[...] der im seinen wein schenkchet, oder andern wein
den im der probst erlawt ze schenken UrkBaumb
232
(a. 1342);
StRMeran
429
MWB 3,3 1207,63; Bearbeiter: Luxner
lîtgëbe
swM.
auch leutkob (
StRPrag
154
), leikebe (
RbrfKlag
222
).
‘Wirt, Schankwirt’
tabernarius: litgebe Gl
3:357,18;
er geit dem leitgeben dicke viere / zu dem wine oder zu dem biere
Jüngl
509;
und der leitgeb, der trinckgelt behaben wil, der schol ein getreuer man sein,
der sich wohl behalten hab und dem man pilleich schol geleuben
StRBrünn
393.
360;
Macc
8643;
RbrfKlag
222;
StRAugsb
7,38
u. ö.;
StRMünch
192,2
u. ö.
MWB 3,3 1208,6; Bearbeiter: Luxner
lîtgëbe
swF.
‘Wirtin, Schankwirtin’
nu sult ir merchen da bi, / waz den beiden vil glich si /
––dem gaste und der litgeben StrKD
136,109;
ein gast chom zeinem [La.
zeiner
] litgeben ebd.
136,1.
– hier wohl irrtümlich Fem. (vgl. Anm.z.St.):
do gie er zu einer litgeben StrKD
53,37
MWB 3,3 1208,15; Bearbeiter: Luxner
lîtgëbehûs
stN.
‘Wirtshaus, Schenke’
kumpt [der Gast] des andern tages,
[...] hinwider in daz selbe leitgebhûs unde giltet dem
leitgeber sîn gelt mit pfennigen oder pfanten StRMeran
429
MWB 3,3 1208,21; Bearbeiter: Luxner
lîtgëbinne
stF.
auch leikebinn ( RbRupr ).
‘Wirtin, Schankwirtin’
vil süeziu lîtgebinne, / ir sult füllen uns den maser [Becher aus
Maserholz] ! Helmbr
1002;
gebt her [den Wein] ! daz ir sælic sît, / liebiu
lîtgebinne! Helbl
1,349.
1,337;
alle di leykeben, di in der stat sint gesezzen, oder leikebinn, di sullen
allen ir gantzeu mazz haben nâch der âmer mazze, di der stat gesworen habent
RbRupr
152;
StrKD
136,28.
136,131
MWB 3,3 1208,25; Bearbeiter: Luxner
lîthiusære
stM.
‘Wirt, Schankwirt’
qui dicuntur portatores vini vel leithauser UrkBabenb
2:41,25
(a. 1221-30);
pist du ein êprecher oder ein leythawser DRW
8,1216
(Schmeller²; 13. Jh.);
StRBrünn
354
MWB 3,3 1208,34; Bearbeiter: Luxner
lîthûs
stN.
‘Wirtshaus, Schenke’
welch edel kneht daz leithus minnet / und der bosen hulde da gewinnet, / der
hat dar umb der werden haz Jüngl
453;
jch sol weder spiln noch in dehain leithaus gen UrkCorp (WMU)
2363,3;
von der taberna daz quitt. vonme lithus ein halp fvder winis
UrbBayÄ
667,d;
swer den trinken wil in dem leithûse StRMeran
428;
BuchdRügen
779;
Dalimil (B)
44,23;
Helbl
1,309;
StiftZwettl
673;
Erz III
36,31.
– spez. Gasthaus, in das man sich zum Einlager begibt (s. 2HRG
1,1298f.):
so hant si [die Gläubiger] gewalt der bürgen zwene
ze nemen [...] und sulen sich die antwurten hie ze Augspurg
in ein lithus und sullen laisten in rehter geselschaffte und sulen nimmer auskomen,
untz ich in verrihte, darumme sie gemant haben UrkAugsb
1,74
(a. 1285);
vnd svͤlen die nach der manvnge inre viertzehen tagen in der stat ze Werde in
ain lithvs varn vnd suͤlen laisten ane geværde in rehter giselscheffte
UrkCorp (WMU)
2946,2.
806,22
MWB 3,3 1208,39; Bearbeiter: Luxner
lîthûsgên
stN.
subst. Inf.
‘Wirtshausbesuch’
leithaus gen ist manger slahte Jüngl
475
MWB 3,3 1208,59; Bearbeiter: Luxner
lîtkouf
stM.
auch lî-, lei-, lein- (
Brun
6226
) und
liet-
(
UrkDiessen
84
).
zur Sicherung der Vertragserfüllung zu erbringende Handlung bei Vertragsabschluss,
‘Leitkauf’ (zur Sache vgl. 2HRG 3,836f.).
1 vom Käufer an den Verkäufer über den Kaufbetrag hinausgehende Zahlungsleistung in Form von Geld oder Naturalien 2 der Gelöbnistrunk, der von allen Parteien und Zeugen bei Vertragsabschluss getrunken wird
1
vom Käufer an den Verkäufer über den Kaufbetrag hinausgehende Zahlungsleistung in
Form von Geld oder Naturalien:
hat mir min vorgnanter herr dar vmb geben zwai hundert pfunt vnd vier pfunt
Pazzawer pfenning vnd ein halbes fuder wines ze leichovf UrkEnns
4,443
(a. 1303);
dem conuent daselben ze chavfen han gegeben mein drittail der vogtai auf dem
hof ze Engelwoltzstorf, [...], vmb siben phvnt Regenspvrger
phenning vnd vmb den leitchaͤvf, der mir auch gevallen ist UrkStVeit
42
(a. 1323);
daz pfert er im ze lîtkouf bôt EnikWchr
25948;
UrkHeil
2,199
(a. 1346);
StiftZwettl
448;
UrkDiessen
84
(a. 1262-75).
– für den gesamten mit einem lîtkouf abgeschlossenen
Kauf:
wir wellen ouch, daz dehein burger durch leichouf noch durch deheinen
bosen list mit deheinem gast choufen noch verchoufen sulle, da den vorgenanten
choufluten ir reht mit zebrochen werde DRW
8,1220
(Tomaschek,Wien; a. 1312)
2
der Gelöbnistrunk, der von allen Parteien und Zeugen bei Vertragsabschluss
getrunken wird:
swelcher chauf mit leichauff gestaett wirt, der sol chraft
haben StRMünch
318,24;
swelch man sinen koufschatz wil bezugen nach der stat recht, der muz haben
sine likouflute, di den licouf getrunken haben StRFreiberg
95,25;
StRAugsb
204,7;
StRNordh
1,39.
– übertr.:
ich gebe mich in din [Satans]
geleite / und vorzie mich der drivaldekeite / und dar zu der kristenlichen
toufe. / ditz was ir zweier leinkoufe Brun
6226
MWB 3,3 1208,61; Bearbeiter: Luxner
lîtkoufære
stM.
Unterkäufer/-händler, dessen Zeugnis in Kaufsachen ungültig ist (vgl. DRW 8,1221
und Schmeller, BWB 1,1537):
wir setzen auch, daz dhain gast gen einem purger, noch dhain purger auf einen
gast icht muͤg erzeugen mit den, die da haizzent leitchaufer, er hab denn mit den
selben ander erber gezeugen UrkBabenb
2:293,2
(a. 1244).
2:299,5
(a. 1244).
1:117,37
(a. 1192)
MWB 3,3 1209,32; Bearbeiter: Luxner
lîtkoufliute
stM. (Pl.)
Zeugen, die bei einem Kauf herangezogen werden und dem →
lîtkouf
2 beiwohnen:
swelch man sinen koufschatz wil bezugen nach der stat recht, der muz haben
sine likouflute, di den licouf getrunken haben StRFreiberg
95,25;
testes honestos, dictos in wlgari leykaufleut SchöffIglau
85.
151;
StRPrag
47
MWB 3,3 1209,40; Bearbeiter: Luxner
lîtkoufman
stM.
Zeuge, der bei einem Kauf herangezogen wird und dem →
lîtkouf
2 beiwohnt:
her wert seyn leyp und seyn gut pas, danne man yn ichtes vberczugen mog, mit
eynem leytkawfman oder mit eynem totpetman oder mit eynem heyratman oder mit eynem
ratman SchöffIglau
63
MWB 3,3 1209,47; Bearbeiter: Luxner
litlôn
stMN.
auch lide-.
an eine in abhängigem Arbeitsverhältnis stehende Person ausgezahlter Lohn,
‘Dienst-, Arbeits-, Gesindelohn’ (z. Sache und Wortherkunft vgl.
2HRG 3,979-981, DRW 8,1298-1303 sowie DWB 6,994):
blibet ein man lon schuldic sime gemietten boten, iz si knecht oder mait, unde
wil im des nicht gelden, daz heizet lidelon, wil der bote daz vorderen unde
behalden, so muz he klagen also StRFreiberg
256,21;
wer czu chlagen hat auf den andern um hofczins und um lidlon oder um
trinckgelt StRBrünn
393;
StRBern
1/2:98,21
MWB 3,3 1209,53; Bearbeiter: Luxner
litnagel
stM.
‘Fingernagel’
onichina in kriechisch haizet lidnagel [La.
glidnagel
]
BdN
454,7
MWB 3,3 1210,1; Bearbeiter: Luxner
lit|scherten
swV.
‘jmdn. an den Gliedern verletzen, verstümmeln’ (vgl.
lideschart
und
lideschertic
):
ist daz ainer den andern wunt, und daz er gesunt wiert an den wunden und nicht
glischert wiert StRBrünn
346.
– als Part.-Adj. in gelitscherte wunde
‘eine durch Verstümmelung hervorgerufene Wunde’ (anders FWB 6,755 s.v.
geliedschert):
von gelitschert wunden. ist daz ainer dem andern ein vinger abslecht oder wunt
oder waz gelicze [Glieder] er vorwunt, daz glitschert
wunten haist StRBrünn
345
MWB 3,3 1210,3; Bearbeiter: Luxner
lit|schertwunde
swstF.
Wunde, die mit Verstümmelung, dem Verlust von Körperteilen einhergeht:
ist daz ainer den andern wunt, und daz er gesunt wiert an den wunden und nicht
glischert wiert [
si quis aliquem vulneraverit ita, quod vulneratus
convalescat sine detrimento membrorum, id est
lidtschertwunden
]
StRBrünn
346
MWB 3,3 1210,14; Bearbeiter: Luxner
litter
Subst.
von lat. littera.
1
‘Buchstabe’
2 meton. für Geschriebenes (meist im Pl.) 2.1
‘Schrift(-stück), schriftl. Quelle, Buch’
2.2
‘Brief, (Send-)Schreiben’
3 übertr. ‘(eigentliche) Bedeutung’
1
‘Buchstabe’
funf der litter von des vater teile / und zwene von der muͦter
[hatte der Name Titurels]
JTit
173,3.
174,2.
– hierher oder zu 2.1:
di hohe irre tugende grat, / di si in edelm willen treit,
/ kan nimmer werden vollen seit / von worte noch von littere Pass I/II
(HSW)
15193
2
meton. für Geschriebenes (meist im Pl.)
2.1
‘Schrift(-stück), schriftl. Quelle, Buch’
do sagt uns di littere / er machte mer dann tausent
rittere HvNstAp
13417
2.2
‘Brief, (Send-)Schreiben’
Ptolomeus wart ouch vugen, / daz er besande die rittre / des landes, daz
wurben littre [
et tribunis misit epistulas I Mcc
16,19]
Macc
6984
3
übertr. ‘(eigentliche) Bedeutung’
‘wilt du versten myn litter’, / sprach fraw Mazze, ‘ich schriben dir
[
in dins herczen buch V. 371] / war
nach gestellet ist myn gir, / wy ein ritter die manheit uͤbe / daz er mich, Maße,
iht betruͤbe’ MinneR 444
398
MWB 3,3 1210,21; Bearbeiter: Luxner
litvüege
stF.
‘(Zusammen-)Fügung der Körperteile, -glieder, Körperbau’
conpago: lidfuͤgi VocOpt
1.200.
conpages: lidfuͤgi
1.201
MWB 3,3 1210,39; Bearbeiter: Luxner
lîtwette
stN.
Gebühr für die Konzession des Weinausschanks (vgl. DRW 8,1225):
item leidtwette sub forma antiqua accipitur UrkBabenb
2:280,20
(a. 1244)
MWB 3,3 1210,42; Bearbeiter: Luxner
litwurz
stF.
‘Gliederkraut’ (vgl. Marzell 2,579 s.v. Galium mollugo, 5):
rubea maior: lidwurtz, lidwúrcz VocOpt
50.254;
rubea minor: lidwúrcz ebd.
50.255
MWB 3,3 1210,45; Bearbeiter: Luxner
litze
stF.
von afrz. lice (s. Tobler/ Lommatzsch 5,397-400; Schultz, Höf. Leben
1,21 und Suolahti 1,149); auch litte
(
GTroj
13551
).
‘Schranke, Absperrung, Palisade (zum Schutz einer Stadt, Burg etc.)’ (vgl.
auch
letze
):
haimlich da [am Garten] er ain
litte vant, / dar über er all do ze hand / sprang hartte
behendeklich [vgl. Anm.z.St.]]
GTroj
13551;
swaz ritterschefte löbelich / des mâles vor der litze was, / die zôch er an
sich KvWTroj
34175;
diu veste michel unde breit / was ir litze und ouch ir fride
[Einfriedung]
KvWPart
14097.
14118
MWB 3,3 1210,49; Bearbeiter: Luxner |