l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge 2liden swV. lîden stV. (Ia) lide|næheste swM. lîdenhaft Adj. lîdenisse stN. lîdenlîchen Adv. lîdensuln stN. lidere F. 1lideren swV. 2lideren swV. liderîn Adj. lideschart Adj. lideschertic Adj. lidesiech Adj. lidesiechtuom stM. lidesuht stF. lideweich Adj. lidic Adj. lîdic Adj. lidicheit stF. lîdicheit (?) stF. lîdiclich Adj. lidiclîche Adv. lidundei Interj. lîdunge stF. lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
2liden
swV.
‘(zer-)gliedern, teilen’
lege die ersten schiht von epfeln,
[...], dor noch daz huͦn, daz sol cleine gelidet sin.
tuͦ vf ieglich schiht ein wenig wuͤrtze BvgSp
51
MWB 3,3 1111,62; Bearbeiterin: Baumgarte
lîden
stV. (Ia)
kontrahiert lîn (
Virg
1010,5
).
1 Relikt einer alten Verwendung ‘gehen, weggehen, vorübergehen’ (vgl. Kluge,
S. 568; AWB 5,904) 1.1 intr. ‘(zeitlich) vorübergehen’
1.2 tr. ‘an etw. vorbeigehen, etw. passieren’ (vgl. Anm.z.St.) 2 Geschehen, Erleben, Handlungen, Tatsachen bereitwillig hinnehmen, hinnehmen müssen
oder geschehen lassen 2.1 tr. ‘etw. (er)dulden, ertragen, erleiden’ meist von körperlichem und
seelischem Schmerz (typische Kollokationen sind nôt ,
arbeit , kumber , marter , bei
Eckh auch leit ; seltener armuot ,
hunger , jâmer , pîne , smachheit ,
smërze , sorge , swære , tôt ,
ungemach ) 2.1.1
‘etw. hinnehmen, über sich ergehen lassen oder ertragen müssen’
2.1.2
‘etw. freiwillig auf sich nehmen, ertragen’
2.1.3
‘etw. aushalten können’
2.1.4
‘etw. dulden, erlauben’
2.1.5
‘jmdn. (gut) ertragen können, jmdn./etw. (leiden) mögen, schätzen’
2.1.6
‘(die Anwesenheit/ das Verhalten von jmdm.) dulden’
2.2 refl. 2.2.1
‘sich gedulden, sich in die Gegebenheiten fügen’ (vgl. 2.1.1 ) 2.2.2
‘sich (den anderen) angenehm machen’ (vgl. 2.1.5 ), 2.3 wohl tr. mit Ersparung eines Obj. (insbes. i.S.v. ‘Not’ ,
‘Schmerz’ oder ‘Schaden’ , vgl. 2.1 ), im
Übergang zu intr. ‘leiden’
2.3.1
‘Schaden nehmen, beeinträchtigt werden’
2.3.2 überw. in späten, bes. in myst. Texten übergehend zu ‘Schmerz
empfinden, leiden’ (oft als subst. Inf., vgl. 2.3.4 ) 2.3.3 subst. und flekt. Inf. ‘Leiden’ , hier auch die terminologische
Aufladung und Differenzierung von lîden , lîden suln
und geliten hân und (bes. bei Eckh ) die
Verknüpfung von lîden mit
leit
1
Relikt einer alten Verwendung ‘gehen, weggehen, vorübergehen’ (vgl. Kluge,
S. 568; AWB 5,904)
1.1
intr. ‘(zeitlich) vorübergehen’
also der worde veil geleden [d.i. geliden; so
waren viele der Worte vorübergegangen, waren geredet] , / so
wysset, dat sy beyde scheden KarlGalie
9153.
– überw. von Zeitspannen (zum ge-losen Part. Prät. vgl.
2
5Mhd. Gr. § M 73, bes. Anm. 4):
e sie begraben weren, / waren liden vierzehen nacht
Herb
8125;
dô di nône liden was SAlex
5108;
des is leden [La. geleden
] zwei
jar MorantGalie
3205;
da dese dry wechen waren geleden KarlGalie
12506
1.2
tr. ‘an etw. vorbeigehen, etw. passieren’ (vgl. Anm.z.St.):
dus hant si geleden / Paris [waren an Paris
vorübergeritten] inde komen gereden / vur’t munster sente
Dionise MorantGalie
407
2
Geschehen, Erleben, Handlungen, Tatsachen bereitwillig hinnehmen, hinnehmen müssen
oder geschehen lassen
2.1
tr. ‘etw. (er)dulden, ertragen, erleiden’ meist von körperlichem und
seelischem Schmerz (typische Kollokationen sind nôt,
arbeit, kumber, marter, bei
Eckh auch leit; seltener armuot,
hunger, jâmer, pîne, smachheit,
smërze, sorge, swære, tôt,
ungemach)
2.1.1
‘etw. hinnehmen, über sich ergehen lassen oder ertragen müssen’
die [verhängten Strafen] sol
er alle liden an alle widerrede und auch an alle gnade WüP
58,10.
90,7;
ich klagen nit, das [...]
ich wetag lide Mechth
7: 17,21;
daz si gevestent und gesterchet wurden von dem
heiligen geist wider alle widerwærticheit die si liten von der werlt
PrOberalt
110,17;
SAlex
6704;
sol ich lîden / von im langez mîden, / daz müet mich
wol sêre MF:Reinm
55: 1,7;
des muoz ich lîden spottes hû [d.i.
huoch
]
SM:UvS
27: 5,7;
Parz
491,15;
sie musten beidesampt leben und sterben und ubel und
gut mit einander liden Lanc
83,26.
– im Positiven übergehend zu ‘empfangen’
sîn rüemen [Gahmurets
Prahlen] daz was kleine, / grôz êre er lîdenlîchen leit
[nahm er (bescheiden) entgegen]
Parz
13,7;
swer von in solde lîden / trûten unde minne, /
dem wæren sîne sinne / wol getiuret dâ von Wig
7415.
– zur Hervorhebung des Passiven ‘eine (wie immer geartete)
Einwirkung erfahren’
‘celum vim patitur,’ daz spricht: der himel
leidet gewalt BdN
361,17;
herre, din lop muͤsse an minem herzen niemer
geswigen, swas ich tuͦ, lasse unde lide Mechth
7: 64,20.
2: 25,76;
im Part.Präs.:
wan wenne zwei súllent eins werden, so muͦs sich
daz eine halten lidende und daz ander wúrckende; sol min ouge enpfohen
die bilde in der want oder waz es sehen sol, so muͦs es an ime selber
blos sin aller bilde Tauler
9,35
2.1.2
‘etw. freiwillig auf sich nehmen, ertragen’
wir svln dvrh got gern arbeit liden vnd svln vns des niht lan
verdriezen WhvStTh
214,19;
doch wil ich gerne lîden, / swaz mir ze lîden
geschiet Eracl
2142;
genuoge sprechent, armuot, / daz diu sî ze nihte
guot. / swer die durch triwe lîdet, / hellefiwer die sêle mîdet
Parz
116,17;
woltent sú mir guͦt tuͦn und guͤtlich sin, daz solte
ich nemen, oder woltent sú mich bissen, obe ir hundert werbe alse vil were,
daz solte ich liden und mich dran lossen Tauler
15,12
2.1.3
‘etw. aushalten können’
daz er [Gott] an im
[
Jôsaphât
] versuochte, / ob er
in grôzer swære / alsô gedultic wære, / daz er mit gedultekeit / kunde
weltlîch arbeit / alsô gelîden, daz er got / geminnen möhte und sîn gebot /
âne murmels underswanc RvEBarl
15129;
ich wene ein suze minnen bant / unde grozer leide craft, / da mide ir
herze nu behaft / was umme ir zweier scheiden: / des kunde si geleiden /
[...] / als verre dagereise [eine
so weite Tagesreise]
Elis
4444;
si mochte unwol geliden [konnte schwer
ertragen] / ir frundes aberiden ebd.
4433;
wære ich ein ungeduldig man / so meniger, der niht
lîden kan, / ich wære vor mengen jâren tôt SM:Gl
2: 2,8;
der guͦten mete [Met] machen
wil, der werme reinen brunnen, daz er die hant dor inne liden kuͤnne
BvgSp
14;
si [Elefanten] mügent gar
wênig kelten geleiden BdN
135,23.
116,16
2.1.4
‘etw. dulden, erlauben’
daz aug ist ain klaineu wonung, wan ez leidet kainen
gast BdN
454,29;
wanne sú wellent die stricke des gevengnisses dis
vinsternisses nút liden von Egipten Tauler
14,19;
Herb
5211;
sô fleuht der hailig gaist von danne, wann er ist sô
zart, daz er niht unrainikait pei im leidt BdN
71,6;
unreht ich kûme dulde / und mac sîn niht gelîden
KvWSchwanr
643.
– mit Obj.-Satz:
werden si [die Armmuskeln
(mäuslein) an den Ellenbogen] aber
verwunt, sô stirbt der mensch. iedoch leidet daz leben, daz man den arm
absneidet mit den mäuslein BdN
20,20;
daz got und natûre enlîdet niht, daz lûter bœse
oder leit müge gesîn Eckh
5: 15,15.
5: 15,12
2.1.5
‘jmdn. (gut) ertragen können, jmdn./etw. (leiden) mögen, schätzen’
waz dirre werltliche schin / von golde unde ouch von siden / zu
hochfart mac geliden [zur prachtvollen Lebensführung geschätzt
wird] , / daz brach di selege alles abe / ir siechen ummer
me zu labe Elis
7282;
ir ougen lieht und wolgestalt, / si was an sprüchen
niht ze balt, / man mehte si wol liden Tannh
3,36.
4,72;
si half im inner zweinzec tagen, / daz man in
allenthalben leit Tr
7959;
si [die sechstausend Teufel in jenem
Menschen] mit ein ander niht striten / und ein ander
gutlich liten StrKD
119,710
2.1.6
‘(die Anwesenheit/ das Verhalten von jmdm.) dulden’
nû kund in niemen des erbitten, / daz er die frouwen
hiet geliten / in der stat die einen naht, / daz si vor dem regen wær bedaht
Ottok
6575;
so wir in erzúrnen, so súlin wir in flehen; so er
úns uͤbet, so súlen wir in liden; so er sich birget, so súlen wir daz
gemint lieb suͦchen Seuse
392,3
2.2
refl.
2.2.1
‘sich gedulden, sich in die Gegebenheiten fügen’ (vgl. 2.1.1):
du endarft dich keinre sunderlichen uͤbungen
annemen; dan halt die gebot und den heiligen glouben; die artickele des
glouben die lerent und die heilgen gebot, und lident und lossent úch in
allen dingen Tauler
397,10;
in der selben klag entspringet ein nagendú
gelassenheit, dú den menschen geswind wider in sezzet; und daz ist, da sich
der mensch noh menschen vindet und sich also got ze lob lidet
Seuse
162,8.
524,11
2.2.2
‘sich (den anderen) angenehm machen’ (vgl. 2.1.5),
in der Wendung sich ~ lân:
ein ritter der niht wæte habe von golde noch von
sîden, / der sol ûz triuwen unde ûz manheit cleider an sich snîden; / sô
lât er sich lîden / swâ man die werden schouwen sol KvWLd
32,198
2.3
wohl tr. mit Ersparung eines Obj. (insbes. i.S.v. ‘Not’,
‘Schmerz’ oder ‘Schaden’, vgl. 2.1), im
Übergang zu intr. ‘leiden’
2.3.1
‘Schaden nehmen, beeinträchtigt werden’
carista, [...], ist ain
vogel, der fleugt in prinnendeu flammen ân [...]
allen smerzen, alsô daz weder sein federn noch sein flaisch von dem feur
leident BdN
175,2;
daz aber daz herz leit auch sam diu andern glider, des
entuot ez niht, wann der tôt vürkümpt des herzen siehtagen ebd.
26,35
2.3.2
überw. in späten, bes. in myst. Texten übergehend zu ‘Schmerz
empfinden, leiden’ (oft als subst. Inf., vgl. 2.3.4):
maniger lait da sere / von grozzen wunden der er
pflac WhvÖst
18344;
daz si ümmer muosten leiden in dem vegfeur, wie grôz
rew si hieten umb ir sünd BdN
211,11;
wanne der sun mensche werden wolte und lîden solte
Eckh
5: 415,5.
5: 44,12
u.ö.
– von Organen ‘schmerzen’
daz milz leidet oft und beswært den
menschen [dolet plerumque et gravat
hominem] , ez BdN
30,31
2.3.3
subst. und flekt. Inf. ‘Leiden’, hier auch die terminologische
Aufladung und Differenzierung von lîden, lîden suln
und geliten hân und (bes. bei Eckh ) die
Verknüpfung von lîden mit →
leit
:
owê daz er nû komen sol, / durh den
[...] daz angestlîche lîden / die getouften
niht wil mîden! Wh
399,9;
daz im leiden und schad dâ von köm
BdN
462,2.
258,20
u.ö.;
daz dem menschen kein lîden oder leit zuokome
Eckh
5: 20,21.
5: 55,18;
und dar umbe spriche ich, daz ein solich mensche ouch
hazzet noch-lîden-suln, wan daz ouch niht lîden enist. doch hazzet er minner
lîden-suln dan gelitenhân, wan geliten-hân ist verrer und unglîcher lîdenne,
wan ez zemâle vergangen ist ebd.
5: 40,3;
teti liden nit we, so hiesse es nit liden. es ist
nút pinlichers denn liden, und ist nút vroͤlichers denn gelitten han.
liden ist ein kurzes leid und ein langes liep Seuse
249,22;
daz dem lidenden menschen liden dest lidiger werde
ebd.
396,24.
–
in lidenne (bes. Eckh ):
ist got mit mir in lîdenne, waz wil ich danne mê
Eckh
5: 50,7;
waz ist der beste trôst in lîdenne und in
ungemache? ebd.
5: 20,13.
5: 49,16
u.ö.
MWB 3,3 1112,1; Bearbeiterin: Baumgarte
lide|næheste
swM.
jmd., der bei der Bestimmung des Verwandtschaftsgrades über die Zuordnung zu
Körperteilen, dem nächstliegenden Körperteil zugeordnet ist, ‘nächster
Verwandter’ (vgl.
SpdtL
84,5ff.;
vgl.
lidemâc
):
jst aber, daz die von Wizemburg sprechent, daz der
[
lúte
] denkeinre den von Vleckenstein
niht an hoͤre, hat in danne der von Vleckenstein her braht in rehten gewer vúr
einen foitman, so sol er zuͦ Wizenburg varn vnd sol in da behaben mit den
lidenehesten von der muͦter UrkCorp (WMU)
360,29
MWB 3,3 1114,45; Bearbeiterin: Baumgarte
lîdenhaft
Adj.
‘leidvoll’
Jhesum, des liden dir fúr war / wol mag in truren froͤd geben / und trost in
liden hafftem leben KvHelmsd
1698
MWB 3,3 1114,56; Bearbeiterin: Baumgarte
lîdenisse
stN.
Hs. überw. leidnus (
JvFrst
3290.
3334.
3339.
10162
).
‘Leiden’
nû sprichet Damascenus: / unser menschlich lîdnus / daz von
natûre uns anevelt / was ouch Christo zûgeselt / nâch der natûre eigenheit, / wan di
gewaldige gotheit / lîz daz vleisch nicht mîden / beide tûn und lîden
JvFrst
3272;
unser lîdnis manichvalt ebd.
3290;
des vîl an in [Christus, angesichts der
bevorstehenden Gefangennahme] des trûrens last / mit vorchte und
mit rûsen, / di hût begunde im grûsen. / doch [...] / sulch
lîdnis nicht verkart / der vernunft verstentikeit, / [...]
/ ein trûren wêre in christo, / daz hîz mit recht propassio, / nicht eigenlich ein
lîdnis [
passio Ferber 58,15] ; / in
menschlich gerndem sinne ist iz ebd.
3345
u.ö.
MWB 3,3 1114,59; Bearbeiterin: Baumgarte
lîdenlîchen
Adv.
→
lîdelich
MWB 3,3 1115,10;
lîdensuln
stN.
→
lîden
MWB 3,3 1115,11;
lidere
F.
Bezeichnung für den weiblichen Lachs (vgl. SchweizId 3,1093):
vische, die man nemmet salmen, si sigint wisse oder swarcze, oder wie si
genant sint, daz salmen, lechse oder liderre namen hat, er si klein oder grosse
UrkAargau
1,6:17,20
(a. 1347)
MWB 3,3 1115,12; Bearbeiterin: Baumgarte
1lideren, lidern
swV.
‘angliedern, zusammenfügen, verknüpfen’ (zu
1lit
, vgl.
1liden
):
in diseme capitile glichet sich unser vrowe eineme reinen lichamen, an deme
alle geistliche kinder gelidert schollen sin, und dez lichamen houbet ist Jesus
Christus, Gotis sun von himelriche HlReg
2,7
MWB 3,3 1115,18; Bearbeiterin: Baumgarte
2lideren
swV.
→
lëderen
MWB 3,3 1115,24;
liderîn
Adj.
‘aus Leder’
an den henden sullen si [die
Gerichtskämpfer] dünne hantschuohe haben liderîn unde blôz swert in
den handen SpdtL
175,15;
Achilles [...] wart gewar vil
schiere des, / daz er in einer hiute lac, / wan der liderîne sac / sô clâr und alsô
heiter was, / daz er durch in als dur ein glas / daz mer und manic wunder kôs
KvWTroj
14064;
Parz
129,24;
KarlGalie
8577;
SchwSp (W)
285,2.
– aus Fischhaut:
er [der Zentaur Cheiron] von leder
truoc ein cleit, / daz er [...] sneit / ab einem wilden
vische rûch. / [...] / weich unde niht ze rösche / was diu
liderîne wât KvWTroj
5951
MWB 3,3 1115,25; Bearbeiterin: Baumgarte
lideschart
Adj.
‘verletzt, verstümmelt’ (vgl.
litscherten
):
die búrtig warin von der art, / ane die da warin lideschart,
/ hovirot [buckelig] , blint oder crump / oder in toubin
sinnin tump RvEWchr
12719
(s.a. Rudolf His, Die Körperverletzungen im Strafrecht des deutschen Mittelalters,
in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte 41 (1920), S. 75-126, hier
S. 111f.)
MWB 3,3 1115,37; Bearbeiterin: Baumgarte
lideschertic
Adj.
‘verletzt, verstümmelt’ (vgl.
litscherten
):
swelhe burger den andern verseret vnd vberwundet mit geverlichen oder
flizenden wunden, also die man meizzeln [mit meizel, einem
spez. Verbandszeug, offenhalten] muz, ledeschertig sin oder
bwnschrötig [l. beinschrötig
]
StRRotenb
505
(Lit. s.
lideschart
).
– übertr.:
daz mir worden ist lideschertig / min freude
Minneb
4680.
2129
MWB 3,3 1115,45; Bearbeiterin: Baumgarte
lidesiech
Adj.
‘an den Gliedmaßen, Gelenken erkrankt’
heiz einen betterisen [Bettlägerigen] her / vil
schiere tinsen [schleppen] unde tragen / des lîp von
sînem siechtagen / niht gerüeren künne sich. [...] sô lâ
zehant die priester dîn / al dîne göte schrîen an / daz si dem lidesiechen man / hie
wider geben sîne genist KvWPant
1002.
– subst.:
lidesiechen unde lamen / generte diu magt alsamen WvRh
13782
MWB 3,3 1115,54; Bearbeiterin: Baumgarte
lidesiechtuom
stM.
‘schmerzhafte Erkrankung der Gliedmaßen, Gelenke’
si [die Arznei Iera
rufini
] ist fur di gicht. vnde fur den huf sichtum. vnde fur
den lide sichtum. vnde fur den fuz sichtum SalArz
99,3
u.ö.
MWB 3,3 1115,63; Bearbeiterin: Baumgarte
lidesuht
stF.
‘schmerzhafte Erkrankung der Gliedmaßen, Gelenke’
artetica: lidsuht, lidsucht VocOpt
43.096;
sciatica : lidsuht in der huft, in der huf lidsucht ebd.
43.099
MWB 3,3 1116,4; Bearbeiterin: Baumgarte
lideweich
Adj.
‘biegsam, geschmeidig’, übertr.: ‘formbar, beeinflussbar,
gefügig’
sîn houbt muoz zieren schône / diu kunic Karles krône, /
[...] / diser kunst und disem list / machtens dem von
Engellant / sô lideweich die hant, / daz sîn hort wart an geruort. / ez wart sô vil
gefuort / her ze tiutschen landen sînes guotes, / daz [...]
Ottok
12336;
wir jungen namen den weize [den Weizen, in der
Auslegung des Gleichnisses: den Glauben] / der alt vorborgen
zeichen [des alten Testamentes] , / wen wir lide
weichen / nach den worten uns bekarten / die jen alden uns vor larten
HeslApk
11030
(Glr.z.St. ‘wankelmütig’)
MWB 3,3 1116,8; Bearbeiterin: Baumgarte
lidic
Adj.
→
lëdic
MWB 3,3 1116,21;
lîdic
Adj.
graphische Interferenz mit i-Schreibung in
lëdic
.
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
2
‘annehmbar, erträglich, akzeptabel’
3
‘leidend’
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
froelich und gespraeche / was si [
Maria
]
sunder waehe, / lîdec, gedultec, kiusche / und milt ân alle tiusche
WvRh
13296;
si [die minne unsers herren
] machet dich
in armuͦt willich. unde in arbaiten lidich PrSchw
2,103;
wenne denne dise bekorunge
[Versuchung] kummet, so sol er
[...] sich liden in gelossenheit und in lidiger
gelossenheit und warte Gottes in dem getrenge [Bedrängnis]
Tauler
93,32
u.ö.
2
‘annehmbar, erträglich, akzeptabel’
missehellent die, so sol der ertzebischof von Meintze den schaden machen
[regeln] , als in beidenthalp lidik vnde mugelich
dvnket UrkCorp (WMU)
931,29;
daz dem lidenden menschen liden dest lidiger werde
Seuse
396,24
u.ö.
3
‘leidend’
herre, nu sihe ich, daz ich dich als warlich enphahe alse
er [Simeon, vgl. Lc 2,28] , und so vil adellicher, als
vil din zarter lib nu glorifizieret und unlidig ist, der do lidig waz
Seuse
294,13
MWB 3,3 1116,22; Bearbeiterin: Baumgarte
lidicheit
stF.
→
lëdicheit
MWB 3,3 1116,43;
lîdicheit (?)
stF.
graphische Interferenz mit i-Schreibung in
lëdicheit
(2 und 3) und umgekehrt;
der eigene Ansatz von lîdicheit trägt der Unterscheidung zwischen
‘Nicht-Handeln, Geschehenlassen’ und ‘Freisein von Aufgaben, Arbeit’
(vgl. lëdicheit
3) bei jenen Belegen Rechnung (im Tauler-Glr. bei
lëdicheit), die einen Ggs. zu
wirkelîcheit
‘Tätigkeit’ enthalten und wenn es darum geht, sich dem Wirken Gottes
anzuvertrauen (vgl.
lîdiclich
2).
ein sich von Tätigkeit Enthalten, ‘Tatenlosigkeit, Untätigkeit,
Passivität’
leider mine lidicheit / du hat mig dikke verleit, / daz ig van
minen sculden / verworte sine hulde MarldA
132;
och sol der mensche vil innerlichen war nemen wenne in der
geist gotz mane och ze lidikeit oder ze wúrklicheit Tauler
178,30;
alsus so sol der mensche etwenne wúrken, etwenne rasten,
[...] nach dem das er bevint das in aller meist zuͦ
gotte reissen mag, es si in wúrklicheit oder in stillin. der nút mit lidikeit
innerlichen enkan, der kome dar mit wúrklicheit heiliger bilde und uͤbunge ebd.
238,30.
–
valsche ~
:
in etlichen landen vint man lúte die einer valscher lidikeit
phlegent und tuͦnt sich aller wúrklicheit ab, und inwendig huͤtent si sich vor
guͦten gedenken, und sprechent si sin ze friden komen, und enwellent sich och nút
uͤben an den werken der tugende Tauler
218,11;
si minnent ir inwendige valsche lidikeit, die nút gesuͦchet
enist mit wúrklicher minne von innan und ussen ebd.
167,15.
219,2.
250,7.
250,23;
valsche ledikeit ebd.
250,32
MWB 3,3 1116,44; Bearbeiterin: Baumgarte
lîdiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen.
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
2
‘passiv, ohne selbst einzugreifen’
1
‘duldsam, (Mühe, Leid, Ungemach) annehmend, geduldig’
er leit vil gar die arbeit, / diu an in ie wart
geleit [die ihm auferlegt wurde] , / mit lîdeclîchem
sinne RvEBarl
5971.
– überw. adv.:
er truoc sîn arbeit / lideclîche in gotes namen / âne
weltlîchez schamen RvEBarl
15285.
5967;
so daz selbe liden ie mer ist und so sú ein einig Pater
noster noch Ave Maria nút mugent lidekliche gesprechen one daz veige gerúne
Seuse
505,1;
daz aber ich vil lîdiclîchen [Hs.
lediklichen
] tuo HartmKlage (G)
659
2
‘passiv, ohne selbst einzugreifen’
und wenne man des gewar wirt das der herre do ist, so sol man
im das werk lossen lideklichen Tauler
238,20
u.ö.
MWB 3,3 1117,11; Bearbeiterin: Baumgarte
lidiclîche
Adv.
‘stückweise, Glied für Glied’ (zu
1lit
; membratim, vgl. Glr.z.St.;
oder zu (bei Märtyrern naheliegendem) lîdiclîche
‘geduldig leidend, duldsam’ verschriebene Spontanbildung lidelîche
zur Übers. von membratim, was dem Wortbildungsparadigma zu
1lit mehr entspräche, vgl. z.B. lidelos,
-schart):
Sant Jacob lidklich ward zerschnitten / mit messern gar nach hertem sitten
KvHelmsd
3777
MWB 3,3 1117,26; Bearbeiterin: Baumgarte
lidundei
Interj.
Ausdruck zum lautmalerischen Nachahmen einer Nachtigall (VocesWack, S. 26):
deilidurei faledirannurei / lîdundei faladaritturei! SM:
HvStr
1: 1,11
MWB 3,3 1117,35; Bearbeiterin: Baumgarte
lîdunge
stF.
1
‘Ertragen, Aushalten, Ausharren’
2 das, was jmdm. zu ertragen bestimmt ist (z.B. äußere Makel, Tadel, Schmach, Leid) 3
‘Abgabe(pflicht), Last’ (vgl. DRW 8,1159f.)
1
‘Ertragen, Aushalten, Ausharren’
so wirt diu minne unsers herren [zu unserem Herren]
bewêret. mit ainer lidunge aller widerwertechait. dc ist dc der mensch armuͦt unde
ungeluͥche unde alle arbait gedulteclich lidet durh got PrSchw
1,123;
dar nach koment si mit helfe [durch
Fürbitten] und lidunge úber alle not, das ist dem himelriche also
nahe, das si alle vroͤde habent ane drierleie vroͤde Mechth
6: 8,30;
ein pinlicheit, ein gehorsam und ein lidunge
Tauler
83,15.
14,32
2
das, was jmdm. zu ertragen bestimmt ist (z.B. äußere Makel, Tadel, Schmach,
Leid):
di herrin [Herrscher] sullen han gedult / an
lidunge mit unschult / und an der lute bruche [Fehlerhaftigkeiten,
Verfehlungen]
PfzdHech
258,27;
also sol der mensche sin in eime woren sloffe ussewendig zuͦ
allen lidungen und bekorungen die uf in gevallen múgent, und sol nút denne in
einer gelassener lidunge [zu 1
] sich
demuͤtekliche underboͤigen und liden in einer entslaffener wisen und enker sich nút
daran Tauler
14,31;
diu lîdunge der sinne und der nidersten krefte diu engât in
niht ane noch disiu anvehtunge Eckh
5: 271,7;
Daniel
2707;
HvBer
3114;
PrWack
99,98.
– im Ggs. zum aktiven tüeliche, tüegunge das Passive
hervorhebend:
aber die wandelunge bestat in der tüeliche unde in der
lidunge [
mutatio autem consistit in actione et
passione
]
ThvASu
28,25;
aber die ufnemunge treit inne die tüegunge, nach dem unde
man sprichet, daz etwer ufnimet, oder die lidunge, nach dem unde etwaz ufgenomen
ist [
assumptio autem actionem secundum quam dicitur
aliquis assumens, vel passionem secundum quam dicitur aliquid
assumptum
] . ebd.
28,29
3
‘Abgabe(pflicht), Last’ (vgl. DRW 8,1159f.):
wir wellen auch, daz allez daz guet, daz geistlich leut in unser stat czu
Brunne chaufen oder wie sie iz gewinnen, daz daz alle losunge und alle beswerung mit
der stat tragen schol und leiden und chain hantvest noch chain gnad schol geistlich
leut derselben leidung uberheben StRBrünn
387
MWB 3,3 1117,39; Bearbeiterin: Baumgarte |