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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   latîn - læʒærebinde    


latîn Adj., Adv. 1 adj. ‘lateinisch’
2 adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’
   1 adj. ‘lateinisch’ den latin brief antwurtit hern Rudolfe [lückenhafte Zusatzbemerkung zur Urk.] UrkCorp (WMU) 3566,12; als der [Thomas d’Angleterre] von Tristande seit, / die rihte und die wârheit / begunde ich sêre suochen / in beider hande buochen / walschen und latînen Tr 159    2 adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’ latine welle wir ez sagen VMos 66,25; sand Peters tag vor vaschang den man latin nennet kathedra Petri UrkCorp 3228,29. 3229,4; etwenne rinnet uon deme houbite durch di nase locher da uon ein sichtum wirt der heizit latine coriza SalArz 40,50; latîne manic red ergie, / het er si tiutsche getân, / im wære zuo slagen der ban Ottok 13094. 13129; RvEBarl 16054

MWB 3,3 913,24; Bearbeiter: Richter

latîn, latîne FN. selten sw. ( UrkCorp (WMU) 3571,11; WhvÖst 3304 ). ‘Latein, die lateinische Sprache’ 1 ohne Präp.
2 mit Präp.
2.1 mit in (oft in Verbindung mit sprëchen )
2.1.1 ohne Art.
2.1.2 mit best. Art.
2.2 mit nâch und best. Art.
2.3 mit ûʒ
2.3.1 ohne Art.
2.3.2 mit best. Art.
2.4 mit von , ohne Art.
2.5 mit ze/  zuo
2.5.1 ohne Art. (oft in Verbindung mit heiʒen )
2.5.2 mit best. Art.
   1 ohne Präp.: sie weren alle gern grosse pfaffen, und etzliche leeren kaum kranck latein und boͤs grammaticam Seuse 519,26; nu ir daz latin habit uernomen, / nu uernemet ze dute dabi, / waz di selbe rede si Glaub 64; [der Dichter muss sich Mühe geben,] daz beide der und der iht jehe, / der die latîne [die lateinische Vorlage] geschriben sehe, / ez sî ein künstelôser man / der des getihtes êrst began RvEAlex 8060; sie [Grammatica] lert den ersten buͦchstab / und dar nach latin sprechen wol HvNstGZ 803; VAlex 172; Tr 11949; WhvÖst 5604; KvWSilv 2713; Parz 312,21. – mit kunnen: si kunde franzois und latîn Tr 7986; [die Spitalbrüder] svlen niht athten, daz si niht latin kvnnen SpitEich 36,10; nu gebristet mir túsches, des latines kan ich nit Mechth 2: 3,48; Ottok 43536. – hier übertr. auf den Gesang der Vögel (s.a. 2Okken, Tr. z.St.): diu wilden waltvogelîn / hiezen si willekomen sîn / vil suoze in ir latîne Tr 17361    2 mit Präp.    2.1 mit in (oft in Verbindung mit sprëchen)    2.1.1 ohne Art.: diz wort, daz ich gesprochen hân in latîne, daz stât geschriben in dem heiligen êwangeliô Eckh 1:375,2; zv kriechen was sin [des Buches] erste stam; / in latin ez dannen quam Herb 50; MarlbRh 114,33; Macer 32,10; wir haizen si [verschiedene Pflanzen] in däutscher zung als man si nennet in latein oder in anderr sprâch BdN 354,16; di knospin heysin in latin gemma Pelzb 121,7. 125,20; RvEAlex 13035; Brun 5219    2.1.2 mit best. Art.: also iz an dem buͦche gescribin stat / in franczischer zungen, / so han ich iz in die latine bedwngin, / danne in di tutiske gekeret Rol 9082; also ich in dem latine las Brun 5915. 2153; ich hân ein wörtelîn gesprochen in der latîne Eckh 2:6,2; in dem latîne ebd. 1:24,3 u.ö.    2.2 mit nâch und best. Art.: porrum haizt ain pforr oder lauch, aber daz êrst däutsch ist nâch der latein genomen BdN 415,32; strix haizt aigenleich nâch der latein ain säuser oder ain zandklaffer ebd. 223,32 u.ö.; vgl.: pellicanus haizt nâch der aigenchait der latein ain grâhäutel ebd. 210,3    2.3 mit ûʒ    2.3.1 ohne Art.: gip mir wîsheit unde sin, / sô daz ich brenge ûz latîn / von dem heiligen criuze dîn / in diutsche wort sô süeze, / dâ von gelobet müeze / werden dîn gotlîcher nam HvFreibKr 73    2.3.2 mit best. Art.: daz puoch, daz ich auz der latein in daz däutsch hân prâht BdN 430,10    2.4 mit von, ohne Art.: nu ist úns von latin irchant / das der walt heizet silva RvEWchr 26570; daz ich diz buoch verrihte / und ez in tiusch getihte / bringe von latîne KvWSilv 87; KvWHvK 759; KvWAlex 1390; alsô trag ich ain puoch von latein in däutscheu wort BdN Reimvorr. 6,2    2.5 mit ze/  zuo    2.5.1 ohne Art. (oft in Verbindung mit heiʒen): der selbe sichtum heizit zu latine litargia SalArz 32,4. 33,9; nepita zu latine, calamentum in chrieschen, biminze zu dute Macer 11,1. 1,2; Pelzb 130,28; der minste vinger daz ist gewis / der heizet zu latin auricularis Brun 3722; ze latîne erz rihte RvEBarl 130; asinus ze latein haizt ze däutsch ain esel BdN 119,28 u.ö.    2.5.2 mit best. Art.: verstêst dû des niht, gib dir die schult, daz dû in den dingen niht geüebt pist. wan wer daz deutsch zuo der latein mizzet gänzleich und reht, sô beleib ich ân strâf BdN 33,2

MWB 3,3 913,39; Bearbeiter: Richter

latînisch Adj., Adv. adv. auch -en. 1 adj. ‘lateinisch’
2 adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’
   1 adj. ‘lateinisch’ dû gib mir dînen wîstuͦm, / daz ich muge wandilôn / mit tûtiskeme munde / der latînisken zungen Exod 20; in latinscher zungen RvBib 73,2; geschrebyn mit crycheschyn unde mit latynschyn unde mit judeschyn buchstabyn EvBerl 64,28; EvBeh Lc 23,38; mânic grüezen kluoc / in latînischer sprâch / zwischen in dô geschach Ottok 43529; dû pringst daz lateinisch puoch niht reht ze däutsch BdN 132,28; KvHeimUrst 46; Parz 455,4; EnikWchr 4841; RvEAlex 9447; Eckh 2:347,8; MarcoPolo 2,11    2 adv. ‘auf Latein, in lateinischer Sprache’ und darumme lâsin dise ubirscrift vile Juden, wan di stat dâ Jhêsus gecrûciget ist, was nâhe der stat, und was gescriben eebrêischen, krîgeschen und latînisch EvBeh Io 19,20; vnd was geschriben hebraischen. chriechischen. vnd latinischen EvAug 269,3; diz ungentum heizit latineschvn grvͦne Ipocr 303

MWB 3,3 914,42; Bearbeiter: Richter

latîniste swM. ‘Priester’ (?): daz hailige grab ze Jerusalem / habnt inne der bruͤder zwen / mit fuͤmf latinisten WhvÖst 6197. – hier ‘jmd., der Latein versteht’? (La. des 15. Jh.s): sehs buͦchstaben tuͦnt / richen schin in ainer chron, / die des kindels haubt schon / zierent und auch nennent, / ob ir latin erkennent. / so sagent die antisten [ ‘Prälaten’, La. latinisten ] min / Cupido haizz daz kindelin WhvÖst 5605

MWB 3,3 914,61; Bearbeiter: Richter

Latrisëte M. Bewohner von Latriset: die von Sotters und die Latriseten / und die von Collône Wh 84,8. 347,3. 378,25

MWB 3,3 915,6; Bearbeiter: Richter

latrôn stM. larrûn

MWB 3,3 915,9;

lâtûn (?) Subst. zu afrz. laitue, s. Suolahti, 1,145. ‘Lattich’ (vgl. latich ; s.a. Nellmann, Parz. z.St.): dô brâht ein des wirtes sun / purzeln [Bürzelkraut] unde lâtûn / gebrochen in den vînæger Parz 551,20

MWB 3,3 915,10; Bearbeiter: Richter

latwârje, latwærje stswF. auch late- ( ReinFu S4,1887; Elis 3419 ); lacte- ( ReinFu K,1889 ); let- ( MinnebaumG 465 ); auch -(i)ge ( Minneb 366; Macer Gewürzvorr. 3 ); auch mit gekürztem Vokal (z.B. latwergen [bergen:] Minneb 3510; lattewerjen [:gerjen] Elis 3419 ); auch in dem Lat. nahestehenden Varianten wie (e)lectuari(e), lactuarie ( HvHürnh 40,7; Macer Gewürzvorr. 3; SalArz 106,48 u.ö.); zu lat. electarium, das bereits in großer Formenvielfalt auftritt, vgl. MlatWB 3,1163. ‘eingedickte, süße, aromatische Masse; Latwerge’ (zur Sache vgl. LexMA 3,1798) 1 meist mit Wirkstoffen als Heilmittel zum Einnehmen
1.1 allg.
1.2 bildl.
2 zur Konservierung (z.B. von Gewürzen) oder als Leckerei
   1 meist mit Wirkstoffen als Heilmittel zum Einnehmen    1.1 allg.: der reine herre wol gedan / bat nu den arzet machen / nach fruntlichen sachen / ein edel lattewerjen: / di hiez er starke gerjen [bereiten] , / daz si in mochte reizen / unde innerliche heizen Elis 3419; so sal manz [das Medikament] geben mit einer electuarie. oder in einer spise oder mit einem trinken SalArz 84,32; swer di lactuarie wil nutzen fur di heiser der sal si lange haben in dem munde. vnde sal si nutzlichen slinden ebd. 106,37 u.ö.; vil schône man sîn phlac / mit latwerje und triac [Theriak] / und mit aromaten rein Ottok 68324; Macer Gewürzvorr. 3 KvWTroj 951; RvEWh 5056; Tauler 320,17; die kreft siner sele waren erfúllet dez suͤssen himelsmakes, als so man ein guͦt latwergen usser einer búhsen schútet und dú búhs dennoch dur na den guͦten smak behaltet Seuse 11,15    1.2 bildl.: so mocht mir werden basser, / wenn [...] min hertz auch genuße / ir gnaden suße confeckt / und auch ir helfflich bulver leckt, / und daz ab irr gnoden bergen / heylsamen flußen latwergen / in miner sorgen schrunden / und mines hertzen wunden / heilen mit susser meysterschaft / mit irre gnaden swedenn [Pflaster] kraft Minneb 3510; SHort 3512. – als Marienumschreibung: ei frouwe sante Marje, / ein salbe und ein latwarje / maneger siechen sêle wunt KvWPart 1322; der siechen sele wunden / verheilen kan din süezer list, / wan du dem sündesiechen bist / ein salbe und ein lactwarje KvWGS 809. – der Name Jesus als ~ : der nam Jesus ist ein ertznei wirt ieman betrvebt. [...] der nam Jesus ist ein letwari der sel MinnebaumG 465    2 zur Konservierung (z.B. von Gewürzen) oder als Leckerei: in electuariis, die man ze däutsch latwergen haizt, und in edelm gestüpp, wenn man ez [Honig] dar zuo mischt, sô hât ez die kraft, daz diu dinch dester lenger guot und frisch beleibent BdN 293,21; wurze unde lectvarien und syropel unde susgetâne dinc sulen die brûder niht nutzen âne urlop StatDtOrd 66,25; smir ein taueln wol mit honige vnd schuͤte die kirsen dor vf [...], biz daz ez trucken si. [...] vnd mache daz wuͤrfeleht vnd snidez [...] vnd iz als ein latwergen BvgSp 85; Freudenl 225

MWB 3,3 915,14; Bearbeiter: Richter

lauchstampf stM. lôstampf

MWB 3,3 916,6;

laudanum Subst. Ladanum, ein Harz, das aus Zistrosen gewonnen wird (s.a. lôröl ): sein [des Baums holzgatze ] pleter gemischt mit lôröl, daz laudanum haizt, und mit wermuot, daz ist wunderleichen guot wider den kalten fluz auz dem haupt, der reuma haizt BdN 363,22; nym mirren ses quentyn, laudani, olybani vunf quentyn OvBaierl 93,25

MWB 3,3 916,7; Bearbeiter: Richter

laudônisch Adj. ‘mit laudanum hergestellt, vermischt’ daz laudônisch hong ist pitter und wer ez izt, der wirt unsinnig BdN 293,35

MWB 3,3 916,15; Bearbeiter: Richter

laur swM. ein Wasservogel: von dem lauren. laurus haizt ain laur. der hât zwairlai nâtûr, wan er lebt in dem wazzer und in dem luft. er swimmet in dem wazzer und fleuget in dem luft und ist sein glust in paiden elementen BdN 203,15

MWB 3,3 916,18; Bearbeiter: Richter

lausmettî, -mettine stF. auch -metene, -meitene ( BrHoh 8 ). ‘Morgenlob’, Laudes Matutinae (Morgenhore des Stundengebets, z.S. LexMA 8,260-265): alse balde nach der metin singen wir laus metin Lucid 82,11; daz benedictus, / das man da singet loblich / ze laus metti tagelich SHort 994; vnde [ die vischere ] sulent jngan ze lausmettin vnze primen, vnde was sú die wile geuachent, daz sulnt si geben UrkCorp (WMU) 244AB,20,22; alle svnnetage vzir der vastin. so werdin di cantica. div laus metene· prime· tertie· sexte· vnd none mit alleluia gesvngin BrHoh 15 u.ö.; BrEng 12. 13; BrAdm 12; PrGeorg (Sch) 18,128

MWB 3,3 916,23; Bearbeiter: Richter

lauwer stM. lôhære

MWB 3,3 916,36;

lavendele F. auch lavande ( HvBurg 5511; vgl. Glr.). ‘Lavendel’ [im Paradies wachsen] crocus unt ringele, tille jouch chonele, / mit deme fenechele diu suoze lavendele Gen 248; dar na an deme dritten daghe mache er eyn bad, dar calcamentum [...] vnde lauendula [...] ynne gesoden sy OvBaierl 133,8; amaracus: lauendula SummHeinr 1:208,476; livendula: lavendla ebd. 1:193,286; samsucus: lauendel Gl 3:512,11. – eine Salbe: sich, sich, geselle guet, / dicz schon puchslein, / da sol klainat inne sein: / dew edel lavande / die sy mit ir hande / under ir antlucz straich HvBurg 5511

MWB 3,3 916,37; Bearbeiter: Richter

lâwen swV. zu Adj. 1 intr.
1.1 ‘warm werden’ s. AWB 5,652 mit Beleg des 11. Jh.s
1.2 ‘lau, kalt werden’
1.3 ‘lasch, unmotiviert, kühl sein’
2 tr.
2.1 ‘etw. anwärmen, lauwarm machen’
2.2 ‘etw. abkühlen, abschwächen’
   1 intr.    1.1 ‘warm werden’ s. AWB 5,652 mit Beleg des 11. Jh.s    1.2 ‘lau, kalt werden’ wen du mit diner buze / bist wider suer noch suze, / noch warm noch kalt wider mich; / hir noch richt ich ober dich / und werde din vorziende, / von minem munde spiende / glich warmer spise, so sie lat [vgl. Apc 3,16] HeslApk 6469    1.3 ‘lasch, unmotiviert, kühl sein’ ich wolde swer es horte lesen / [erg. der möge] nicht in tugenden lawen Pass I/II (HSW) 42099    2 tr.    2.1 ‘etw. anwärmen, lauwarm machen’ nim daz saf der wizzvn bilsun. vnde lawiez. vnde toͮ ez in daz ore [Anm.z.St.: simphoniace candidioris sucum tepefactum in aurem mitte ] Ipocr 40    2.2 ‘etw. abkühlen, abschwächen’ daz niht [...] lasters unsvͦberheit lawe hitze geistes [interl. zu tepescat ardor spiritus ] PsM H 24,4

MWB 3,3 916,49; Bearbeiter: Richter

lâwicheit stF. auch lawkeit ( Seuse ); auch umgelautet lewikeit ( PrNvStr 278,22; Seuse 499,9 ). ‘Trägheit, mangelnder Eifer, Halbherzigkeit, Laschheit (des Glaubens)’ doch stont dise lúte muͤssig, daz ist sú stont in lauwikeit, in kaltheit, minnelos und gnadelos Tauler 29,21; da von, mensche, wis gereit / und laz dich mit truwen / dine lawekeit beruwen HeslApk 7288; swer den helen visch, der da heisset ein al, bi dem sweif wil haben und ein heiliges leben mit lawkeit wil an vahen, der wirt in baiden betrogen Seuse 9,17 u.ö.; PrNvStr 278,22

MWB 3,3 917,1; Bearbeiter: Richter

læwiclîche Adv. auch -lichen. ‘halbherzig, lasch, träge’ denne spricht er ist dv gehorsami anpfanchlich gotte. vnde svͦzv din monschon. da daz. daz da geheizin wirt. nvt forchtlich. noh trachlich. noh levchlich [ non trepide, non tarde, non tepide ] . old mit widirstendim entwurte wirt getan BrEng 5. – bezogen auf den Glauben: wie hastu [mein Herz] so traklich und so lawklich da her gelebt! Seuse 228,3. 408,1; sú [...] kumment also zuͦ gotte in dis wasser; aber daz tuͦnt sú also leweklichen, blintlichen und treglichen, und darumb, alleine sú genesent, so blibent sú doch also verre alse es an in ist, nút alse es an gotte ist Tauler 35,9. 126,18

MWB 3,3 917,13; Bearbeiter: Richter

laxis (?) Subst. eine Speise (vgl. Hayer, BvgSp., S. 14): tuͦ daz muͦs [aus Leber und Eiern] gantz in die pfannen, druͤcke ez wol, daz ez gantz blibe an eime stuͤcke vnd laz ez backen. als ez gar si gebacken, so gibz hin, vnd daz heizzet laxis BvgSp 40

MWB 3,3 917,26; Bearbeiter: Richter

laʒ Adj., Adv. selten adv. (nur vereinzelt im Superl., s.u. 2.2.1, Kreuzf 7650; Pelzb 126,23 ). Auch loʒ ( HvNstAp 11305 ); Komp. laʒʒer, leʒʒer, auch leizir ( Mühlh 144,26 u.ö.); Superl. leʒʒist, auch lest, letst, letzt (zur Affrikate s. AWB 5,873 mit Lit.). Die semantische Differenz zwischen Positiv und Superlativ ist schon ahd. ausgeprägt; im Komparativ sind beide Verwendungen belegt. 1 ‘träge, langsam, schwerfällig, kraftlos, nachlässig’
1.1 im Positiv
1.1.1 allg.
1.1.2 ‘nachlässig, faul, schwach in Bezug auf etw./jmdn.’
1.1.2.1 mit präp. Erg. ( ane, gegen, mite, wider, ze )
1.1.2.2 mit Gen.
1.1.2.3 mit Dat.
1.1.3 übergehend zu ‘frei von etw.’
1.1.3.1 mit präp. Erg. ane
1.1.3.2 mit Gen.
1.1.4 subst.
1.1.5 mit starker Flexionsendung oder Komparativ
1.2 im Komparativ ‘träger, matter, langsamer’
1.2.1 allg.
1.2.2 mit Gen.
1.2.3 subst. (phras.? s.u. 2.2.5.3 ,
2 (in einer bestimmten Abfolge bzw. Ordnung) ‘später, weiter hinten’
2.1 im Komparativ ‘jünger, neuer, später’
2.1.1 allg.
2.1.2 mit starker Flexionsendung in der Wendung noch letzerer noch erer ( HeslApk ) zur Beschreibung der Gleichheit in der Dreifaltigkeit
2.1.3 in der Datumsangabe unser vrouwen tag der leʒʒeren u.ä. für ‘Mariä Geburt (8. Sept.)’ , das spätere Marienfest im Jahr (s. Grotefend, Zeitrechnung 1,68; vgl. êrer 2.3 , weitere Belege s. WMU 2,1095; vgl. auch unten 2.2.5.4 )
2.2 im Superlativ ‘letzt’
2.2.1 allg.
2.2.2 ‘höchst, äußerst’
2.2.3 als Gegensatz zu beʒʒist ‘schlechtest, geringst’
2.2.4 bezogen auf das Ende des Lebens oder das Ende der Welt (oft mit tac oder zît ; vgl. junc 2.2 )
2.2.4.1 bez. auf das Lebensende (für weitere Belege s. WMU 2,1094f. und DRW 8,1244–1246)
2.2.4.2 bez. auf das Ende der Welt (christl.-eschatologisch)
2.2.5 subst.
2.2.5.1 allg. (s.a. leʒʒiste stF.)
2.2.5.2 korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit bzw. Einzigkeit (vgl. êrst unter 1.1.2 , s.a. unten zu 2.2.5.5.4 )
2.2.5.3 phras. (?), vgl. die Vorstellung, die letzte Person sei schlecht dran/ wenig angesehen (s. TPMA 7,385–387)
2.2.5.4 in Datumsangaben (vgl. auch oben 2.1.3 mit Lit.)
2.2.5.5 mit Präp.
   1 ‘träge, langsam, schwerfällig, kraftlos, nachlässig’    1.1 im Positiv    1.1.1 allg.: sîn snelheit, diu ist niht ze laz: / er kom ze vuoz vor den die riten Wh 272,6; Parz 10,3; das wetter was heiß, und sin athem begunde kurczen, und wurden syn slege laß Lanc 387,28; SM:KvA 3: 1,6; treͣg und las HvBurg 3129; wann der chünigk gewar wirt dehainerschlächt guetes, das nutz ze tuen ist, das sol er tuen mit weschaidenhait, nichtt gar sain [träge] noch ze schier, das er nichtt gesehenn werd ungestuem noch ze laß [ ne videatur impetuosus vel remissus ] HvHürnh 10,4; HvNstGZ 297; Daniel 6682; MF:Mor 27: 2,7; Herb 10144; Eracl 3024. 5050; Iw 128; sie tichtent gerne ettewaz, / oder sint zum minsten niht laz [faul] Physiogn 52; swen sünde twinget, der sî niht laz / er helfe der sêle ze aller stunde Renner 19464. 22909; unwillic unde laz KvHeimUrst 36; KLD:GvN 39: 5,4; KvHeimHinv 1103; Ottok 1436; KLD: WvB 2:2,8; HistAE 605; WhvÖst 1505. 18805; spriche ich ‘gel,’ sî sprichet ‘rôt,’ / spriche ich ‘rot,’ sî sprichet ‘gel;’ / spriche ich ‘laz,’ sî sprichet ‘snel,’ / spriche ich ‘snel,’ sî sprichet ‘laz.’ BFrau 68; ich bin so krank, von alter las SHort 1973; von stritt waz er worden lass GTroj 8098. 9710; Seuse 548,19. – selten attr.: ôwê, dû lazzer tôt, / dû sûmest dich an mir ân nôt, / daz dû mich niht nimest hin UvEtzWh 2817; sie hazzen starken lazzen lîp Kreuzf 6558; mîn lazzer munt nicht offenbâr / kan sîn ritterschaft volzeln HvFreibJoh 46. 322; in unklarer Verwendung: also behielt Friderich / daz bemisch rich. / vnd er hilt ez furbaz / mit siner [Friedrichs oder des Reiches?] zcung laz Dalimil (B) 69,152; stark flekt. oder Komparativ (vgl. unten 1.1.5 ): ich enmüge nicht über daz wazzer, / mîn lîp siech unde lazzer / mac nicht die vart erlîden HvFreibTr 4636. – übertr.: si [ dutische zunge ] ist mir noh al ze laz [schwerfällig] Pilatus 1,60; dü selbe magtt / hette ieren schwestran gesagtt / wie ir mortt gerochen waz. / des ward ir sendes truren las [ließ nach, schwächte sich ab] GTroj 9652. 17298; ir sneller prîs wirt anders laz Parz 147,8; vil trûreclîche er nidersaz, / als im sîn vreude wære laz RvEBarl 8164; dâ wâren wîse meister dô, / mit hôher kunst niht ze laz ebd. 11637 u.ö.; SM:Tu 6: 5,2; Herb 742. 13333; wær des geburt ein wênic laz [wäre er von niedriger Geburt] Helmbr 491; vor was ez [das Gebet] heiz und balt, / nu was ez laz und kalt Vät 4716; Iw 7040; Mechth 4: 2,91    1.1.2 ‘nachlässig, faul, schwach in Bezug auf etw./jmdn.’    1.1.2.1 mit präp. Erg. (ane, gegen, mite, wider, ze): daz die meisterschaft iht zu laz sî an deme gerihte [Überschr.] StatDtOrd 77,24; Ottok 20089. 21833; bin ich gein [= gegen ] dem strîte laz, / ich vreische iedoch diu mære wol Parz 420,16 u.ö.; Wh 267,28; Rennew 16012; daz man laz / wirt gegen übeler sünde LobGesMar 36,3; Daniel 8208; RvEBarl 7374; Hiob 10870; Isôt mit rede nicht zu laz / was HvFreibTr 3784; wis gen den vînden hôchgemuot, / den vriunden niht mit dienste laz Winsb 39,7; wâ nû dîner helfe list? / der schînet wider mich ze laz KvWTroj 18873; bist du aber trêge und laz und lêwe [ ‘lau’, lustlos] zuo gottes dienste SprMyst (Pf) 234b,38; ze manheit wart er nie laz Wig 2303; SHort 1032; HartmKlage (G) 1857; WhvÖst 67; Himmelr 5,2; daz heilictum nider saz. / si wurden alle zu im laz [zu schwach, um es weiter zu tragen] , / daz si nicht huben vurder daz Pass III 50,57    1.1.2.2 mit Gen.: daz er vrâgens was sô laz, / do’r bî dem trûregen wirte saz, / daz rou dô grœzlîche / den helt ellens rîche Parz 256,1; wesantt helffe nitt ze lass! GTroj 11570; er waz der reise nit zu laz / und ging aber fuͦrbaz HvNstGZ 149; er was des libes laz, / uf eime esele er do saz Pass III 607,29; Daniel 7666; mit Gen. und präp. Erg. mit ane, gegen zur Angabe von Personen: wis dîner helfe an mir niht laz Parz 715,23; wirdestu kein uns des laz [unwillig] , / so wizze daz wir uf dich / zugen beide sulch begich [Zeugnis, testimonium Dn 13,21] / wie zu dir ein jungelinc / were uf unkusche dinc / kumen Daniel 7548    1.1.2.3 mit Dat.: besait [angeklagt] wurden sie darna / kein [gegen] dem kunge umme daz / wie sie weren harte laz / sime gebote werde Daniel 1230    1.1.3 übergehend zu ‘frei von etw.’    1.1.3.1 mit präp. Erg. ane: ein kuͤnc an vræuden laz, / der sældelose Tybalt Rennew 14510. 24294; an valsche snel, an rehte laz KLD: Kzl 16: 8,6; ich ward doch nie an eren loß HvNstAp 11305; GTroj 22664; Parz 562,8. 144,11; SM:Pf 1: 2,8; RvEWchr 28990; SpdtL 158,14; WhvÖst 7601    1.1.3.2 mit Gen.: diu frouwe valsches laz Parz 128,20; sus wart diu frouwe trûrens laz ebd. 270,22; Wh 76,26; unprises was er laz Rennew 18735; ein toubez œde vaz, / daz lære ist, lebender witze laz RvEBarl 12952; der fröden bin ich worden lasz GTroj 8472; Ottok 38751; WhvÖst 16896    1.1.4 subst.: payde tantzen und springen / sach man in den gassen. / man sach da niemand lassen : / si waren allesampt fro HvNstAp 17310; man sach nieman sô lazzen, / [...] / sô alten noch sô grîsen, / er engienge tanzen unde treten Flore (P) 7558; kom nimmer uf daz lazze [werde nicht nachlässig] Frl 7:38,15; ein træger, ein iugent [l. tugent?] lazzer, / der so vil sunden beget StrKD 11,18; SM:Tu 1: 2,3; Warnung 2837; WhvÖst 6004. – als Schimpfwort: lazzer, / wes trubest du mir daz wazzer FabelCorp 1,11    1.1.5 mit starker Flexionsendung oder Komparativ: ern was der lider nicht lazzer / und swam snellîch und gerade / gein sînen vriunden zu dem stade HvFreibTr 3212; die wîl ir [der sêle ] muot ist sô lazzer / daz sie die vedern niht erhebt LvRegSyon 1747; ir deheiner was sô lazzer, / er gâhte für den andern hin Ottok 7279. 8925; Brun 5284    1.2 im Komparativ ‘träger, matter, langsamer’    1.2.1 allg.: wan man ze tugenden lasser / da wirt SHort 5575; dâ kom gezimieret / manec sarrazîn durh wîbe lôn / [...] / der was sneller, der was lazzer Wh 404,1; swen in turst tet lazzer [ihn schwächte] , / sô tranc er îtal wazzer WvRh 6554; also di cisterna kaldet daz wazzer, / also machet uns di sunde lazzer Brun 4895. 10373; so sprichet dise werde magt / und hat daz wider mich gesagt, / geselleschafft si beßer. / dez ist myn frewde leßer [schwächer] MinneR 480 326; Rennew 12728    1.2.2 mit Gen.: wirt mir din helff niht geboten, / so wirt ich synnen laßer Minneb 2519; bin ich der sinne nicht lazzer Brun 4046. 7114; wie ich si der rede lazzer ebd. 5205    1.2.3 subst. (phras.? s.u. 2.2.5.3 , Märt 2143 )    2 (in einer bestimmten Abfolge bzw. Ordnung) ‘später, weiter hinten’    2.1 im Komparativ ‘jünger, neuer, später’    2.1.1 allg.: [ich] weiz alles din geberk [Geheimnisse] , / und dine lezzeren werk / schinet [l. schinent, vgl. App.z.St.] vor mir herren / maniger den erren [ et opera tua novissima plura prioribus Apc 2,19] HeslApk 3570; die lezern mit den erren / vier und zwenzic alden herren ebd. 16251; da habin die leizirin kint [aus der zweiten Ehe] alsi gut recht alsi di erstin· unde di erstin alsi di lezisti Mühlh 148,28. 144,26. 146,4    2.1.2 mit starker Flexionsendung in der Wendung noch letzerer noch erer ( HeslApk ) zur Beschreibung der Gleichheit in der Dreifaltigkeit: ir kein der drier [der drei Personen Gottes] / ist mechtiger noch vrier, / noch gewaldiger noch herer, / noch letzerer noch erer, / wen die drie sint allentsamen / ein war got HeslApk 11174. 682. 8928 (vgl. letzeren swV.)    2.1.3 in der Datumsangabe unser vrouwen tag der leʒʒeren u.ä. für ‘Mariä Geburt (8. Sept.)’, das spätere Marienfest im Jahr (s. Grotefend, Zeitrechnung 1,68; vgl. êrer 2.3, weitere Belege s. WMU 2,1095; vgl. auch unten 2.2.5.4 ): iz enschol ouch nîmant brûwen nâch sende Walpurge tage biz vf vnser vrowen tak der letzern UrkZeitz 39 (a. 1322); wir willen ouch, dat dat iar inde der tirmt [Termin] diser vorgenuͦmder gulden ze Colne allewege anege an unser vrouwen dage der lazzer, den man in latine heizet nativitas, inde ouch allewege uzge an derselver unser vrouwen avende [Vorabend des besagten Feiertags] UrkKöln 3,88 (a. 1275 kopial). 3,89 (a. 1275 kopial); an dem achtin tage unsir lieben frouwen der letzern Köditz 76,26. 90,25; ad festum s. Marie lazene [l. lazere ] UrkKölnSchr 2,1:39 (ca. 1190-1202)    2.2 im Superlativ ‘letzt’    2.2.1 allg.: in dem letzten stuck diss puochs BdN 103,5 u.ö.; zu dem letsten thurney Lanc 228,10; PrMd (J) 352,21; sun mîn der lezziste [der Jüngste] , dû [Benjamin] nebist der wirsiste noch der bezziste Gen 2966; als ez begriffen ist an der lesten hantveste, die datz Regensburch gegeben ward an vnser vrowen abent in der vasten UrkCorp (WMU) 1411,23; uris [ihres (der zweifach verwitweten Frau)] lezistin mannis neisti vatirmac [nächster Verwandter väterlicherseits] Mühlh 178,24; sô der leste tac / des gelobeten frides vergât, / uns niht ungemût er lât Kreuzf 4890; in der lesten wochen, / do der fride vz ginc Herb 12654; RvEBarl 14970; KLD:Kzl 1: 4,10. 16: 10,16; KvMSph 47,14; Kreuzf 51; Tauler 65,8; alle täding vnd vrtail, die da beschehen czbischen dem leczten vrtail [das den Rechtsstreit beendende Urteil] vnd des kriegs, sol man dem noder [Schreiber, notarius ] geben zw verschreiben XII den. vnd nicht mer StatTrient 134. – ‘hinterbleibend (länger überlebend)’ so aber daz leste gemahel ir baider ze iungeste tot leit, den selben leichnamen shulle wir [...] zuo vnserm chloster bringen UrkCorp (WMU) N748,12; so aber das leste vnser baider stirbet ebd. N749B,13. – rechtssprachl. zur Unterscheidung, aus welcher Ehe die Kinder stammen (vgl. êrst unter 1.1.2): da habin die leizirin kint alsi gut recht alsi di erstin· unde di erstin alsi di lezisti Mühlh 148,30. – adv. ‘zuletzt’ werlt, die dir nâch willen leben, / den leste leidet dînes lônes geben Kreuzf 7650; eczliche kirsboume werdin gepflanczt allir lest in Nouember Pelzb 126,23    2.2.2 ‘höchst, äußerst’ die oberste und die woreste hochzit und die aller leste ist die hochgezit des ewigen lebens Tauler 57,2; ein innemen und ein habin des ubersten und des leistin gudis Parad 92,2. 11,34; die zeigent dan ir leste tugent / mit degentlicher heldes mugent / und vechten sige mit gewalt HeslApk 19007    2.2.3 als Gegensatz zu beʒʒist ‘schlechtest, geringst’ si [...] sullen mich [...] wan [...] in ein guet ledich wirt, daz weder daz best noch das löst ist, an gevärd besideln UrkSteing 596 (a. 1341)    2.2.4 bezogen auf das Ende des Lebens oder das Ende der Welt (oft mit tac oder zît; vgl. junc 2.2)    2.2.4.1 bez. auf das Lebensende (für weitere Belege s. WMU 2,1094f. und DRW 8,1244–1246): so were daz sin leste tag Herb 7131. 12482; von got mich nieman bringen mac / unz an den lesten tac EnikWchr 13368; biz an die lesten zît ebd. 11751; daz ist ein gemeiniu klage, / diu mich an vröuden wendet: / daz ist an mînem lesten tage [Todestag] / leider unverendet Neidh WL 30:1,9; Rennew 18451. 25296; he lit diͤ leste stunde, / den grimmen dot MarlbRh 26,19 u.ö.; HvFreibTr 6625. – in Verbindung mit gescheffede/  wille ‘Testament, letzter Wille’ ez sol och chain frow [...] zivch sin vͤber dehain dinck wan vͤber elichen heirat, notnvnft vnd vber das lest geschæft an dem tod, wan bi den drein dingen spvlgent die frowen aller maist ze sein UrkCorp (WMU) 1975AB,8; von geschaften vnd brieuen oder des leczten willen ains menschen StatTrient 135; vgl. daz ich an mînen lesten zîten min gescheft gesetzet han, als hie gescriben stet UrkCorp (WMU) 923,11. – subst. oder ellipt. an sinem oder sinen letzten ‘an seinem Lebensende’ (vgl. leʒʒiste stF.): allez daz recht, daz Perchtold von Luͤchsenekke mit nutz vnde mit gewer gehabt het vnde mier vnde minen chinden an sinē lesten geschaffen het UrkCorp (WMU) 1814,20    2.2.4.2 bez. auf das Ende der Welt (christl.-eschatologisch): in dem letzsten geriht unsers herren BdN 218,13. 238,3; hinne vür unz an den lesten tac [bis zum jüngsten Gericht] Neidh WL 23:6,13; dis waz der minnecliche Paulus ein worer prophete do er sprach: ‘in den lesten tagen so súllent die lúte werden grosse minner ir selbes’ [vgl II Tim 3,1-4] ; sit Tauler 94,21. 34,32; sun, nim ie darunder war / gotes und der lesten zit / die diu welt mit grimme git RvEWh 15189    2.2.5 subst.    2.2.5.1 allg. (s.a. leʒʒiste stF.): liplich frucht ist das leiste unde daz suziste daz da ist in dem menschin Parad 71,11; daz herz ist daz êrst, daz an dem tier lebt in der muoter leib, und ist daz letzst, daz stirbt BdN 26,5; der letscht an der schar ebd. 185,10; Herb 4807; si was nû diu leste Ottok 7234; got [...] hat versuchet mynen mut, / recht als eyn golt in heyzer glut / versucht wirt hin uf diz leste [bis zum Äußersten] / und inmancher glute gleste Hiob 9403    2.2.5.2 ~ korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit bzw. Einzigkeit (vgl. êrst unter 1.1.2, s.a. unten zu 2.2.5.5.4): der erste und der leste [= jeder] / sol ietzunt bereiten sich dar zuͦ / daz er Orense shaden tuͦ Rennew 15176; mit den ersten vnde mit den lesten [= mit allen] Herb 12982; Wh 209,8; si muoz diu êrste und ouch mîn leste [= die einzige] unz an mîn ende sîn KLD: GvN 8: 2,5; got ist der allir erste und der leiste Parad 117,37    2.2.5.3 phras. (?), vgl. die Vorstellung, die letzte Person sei schlecht dran/ wenig angesehen (s. TPMA 7,385–387): ‘got gehaz den lesten!’ / sprâchen, die dâ fluhen hin Ottok 7435; dô hazzet man die lesten / und wurden die die hêrsten, / die des allerêrsten / an die vînde sluogen ebd. 5616; vgl.: der tiefel verchert do iren sin, / [...]. / der leczt scholt sein der lasser [der Letzte musste derjenige sein, der langsamer war = alle beeilten sich sehr] , / zehauffen lieffens in das wazzer Märt 2143; der zum ersten darinn [ in jhen burg ] mocht komen der enbeite des letsten nicht Lanc 178,17    2.2.5.4 in Datumsangaben (vgl. auch oben 2.1.3 mit Lit.): nach unser vrouwen tac der letzten u.ä. für ‘Mariä Geburt (8. Sept.)’ vnd ist daz geschehen [...] des næhsten vritages nah vnser frowen tach der lesten UrkCorp (WMU) 2020,41; ze vnserr vrowen messe ze der letzsten ebd. 3423,3. an des hîligen kriuzes tac dem letzten = der zweite Kreuztag (14. Sept., Kreuzerhebung) im Unterschied zum ersten Kreuztag (3. Mai, Kreuzfindung): ditz ist geschehent, do von Christes geburd waren tausent jar, zwai hundert iar, in dem vier vnd nevntzichsten iar, an des heligen chrvͤcez tag dem lesten UrkCorp (WMU) 2023,30    2.2.5.5 mit Präp.    2.2.5.5.1 mit ane: und waz lôns er von ir hie / an dem lesten [zuletzt] enphie! Ottok 16916    2.2.5.5.2 mit in: wie sint sú in daz urteil gottes in dem lesten gevallen Tauler 66,28    2.2.5.5.3 mit mite: dô im [Christus am Kreuz] der tôt mit leste [zuletzt] / gewan sîn menschlîch leben an Loheng 3886    2.2.5.5.4 meist mit ze, zuo: vile harte er si chlagete, ze lezzist er gedagite Gen 949; zi leste si sich suonten, mit guote si scieden ebd. 1476; vmbe alle die sache vnd bruche, die zwischen vns vnde im [Graf Eberharte von Wirtemberg ] vf geloͮffen waren sit der svͦne, die nv zv leste [letzthin, kürzlich] zv Stutgarten wart gemachet, biz an disen hutigen dach UrkCorp (WMU) 931,19; Segremors aß zu dem ersten krencklichen, und zuletst was er starck und mechtig worden das im nichts enbrast Lanc 428,4. 581,3. 598,9 u.ö.; alleu grôzeu wazzer fliezent ze letzt in daz mer BdN 102,14; daz nider tail an dem tier ist als daz nider tail ains adlarn [...], und hât ze letzt [hinten] ainen swanz mit schüepeln als ain visch ebd. 240,17; sich, arme werlt, daz ist dîn lôn, / den du gibes zu leste! Kreuzf 7621; ce lezzes MarldA 290; zu leszisten Macer 90,2; zu leist Elis 9434; ze lesten Ottok 36672; zeletscht BdN 161,12; biz zu leste Rennew 10264; zu allerletste Lanc 279,2; zo alre leste HagenChr (G) 1082; SM:Te 4: 2,5; Tauler 33,9; GTroj 7722. – korrelierend mit êrst zum Ausdruck von Gesamtheit (s.a. oben 2.2.5.2): zu eristen vnde zu lezisten [zu jeder Zeit, stets] Litan 1337; er gebârte untâre / von êrst unz hin ze leste UvZLanz 5567. 6623; diz meisteret alliz allir meist / der vil heilige geist. / der ist zerist vnde ze lezist / allir meistere bezist, / der meisteret alle di dinc, / di da gut vnde reht sint Glaub 1714; zêrist unde ze leste [ohne Unterlass, von vorne bis hinten] / hîz si ire geste / vil harte flîzlîchen plegen SAlex 5931; von erste biz zu leste / werdent luͤte und ligent tot Rennew 25994; von erst biz hin zu leste ebd. 31058; vgl. tuͦ als ich dich wise, / daz ist bi namen daz beste / beide nu und zu leste! ebd. 18354. – mit (enklitischem) Artikel: sither ich uch zum letsten sah Lanc 489,34; wie dir was, dô dû in zem lesten hâtest, alsô tuo nû, die wîle dû sîn missest Eckh 5: 225,4; darüber rettens lange. / iedoch wart ez zem lesten / mit eiden und mit hantvesten / vergewisset wol Ottok 53837; zuo dem lesten ebd. 17089; zem lest ebd. 48684; zem leste ebd. 56641. – Pl.: von erste biz hin zu den lesten Rennew 8742

MWB 3,3 917,32; Bearbeiter: Richter

laʒ stM. ‘Trägheit, Faulheit, Nachlässigkeit’ du solt vlihen muzekeit, / such der hende arbeit; / der laz machet die sele kranch, / unkunst zeuhet der muͤz ganch Erz III 36,391. – meist sunder ~ ‘unverzüglich, eifrig’ din name [...] da vor e was / an gerufen sunder las Daniel 6394. 8134; [Jonathan] van dem honegseume az / wider daz gebot sunder laz [vgl. I Sm 14,27] HistAE 1994. 937; AvaLJ 68,3; TvKulm 2953; Ottok 95884

MWB 3,3 922,58; Bearbeiter: Richter

lâʒ stM. (auch stF.? So Hrsg. zu Albert 1250 ). 1 das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses
2 ‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert )
3 ‘Verhalten, Haltung’ (vgl. gelâʒ stMN. 4 )
4 hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw. Abgabe daraus (vgl. gelæʒe stN. 5 )
   1 das Loslassen eines (Wurf-)Geschosses: hie mite begunde er mâzen / [...] / einen wurf und einen swanc, / der was grôz unde lanc: / dem hæte er sîne mâze / an der seige [Neigung, Wurfrichtung] und an dem lâze / reht in der merke gegeben, / daz er Tristande an sîn leben / solte sîn gegangen Tr 16018    2 ‘Aderlass’ (vgl. Anm.z.St. Albert ): in deme selben iare / starp der phaffe zware / wand er nach den lazen / saz #(mpu) da die luͦte azen Albert 1250; ain vierdaiͤl der selben guͦlt sol man iemer me ze Wilar den suestern geben, die von tranͤch ald von laiͤssin ald von ander licher cranhaith ir reuendar nith gehalten múgen UrkCorp (WMU) 1624,21    3 ‘Verhalten, Haltung’ (vgl. gelâʒ stMN. 4): ein teil baz ich bekant mir bin / an mines herzen lazze, / hie von ich mich verwazze [verwünsche] Vät 33387    4 hierher oder als læʒe anzusetzen? ‘Hinterlassenschaft’ bzw. Abgabe daraus (vgl. gelæʒe stN. 5): nie hab me so wol geviel: / von alten rehten, lassen, zol / siht man si getregtes also vol / sam die vil richen stette ligen SHort 6491

MWB 3,3 923,3; Bearbeiter: Richter

lazan M. oder N. ein Tier (lanzani in der lat. Vorlage): von dem lazan. lazania ist ain tier gar grimm, alsô sprechent Solînus und Jacobus, und von des grimmichait mag kain tier sicher gesein BdN 146,12; daz tier streitt neur mit den, die seins geslähtes niht sint, aber ez kriegt niht mit andern lazann ebd. 146,18

MWB 3,3 923,26; Bearbeiter: Richter

lâʒære, læʒære stM. hier wohl gekürzt lesser, lozzer (vgl. 2 5Mhd. Gr. § L 22). 1 ‘jmd., der andere zur Ader lässt’
2 ‘jmd., der zur Ader gelassen wird’
   1 ‘jmd., der andere zur Ader lässt’ flebotomator: lesser VocOpt 31.013. – als Bestandteil von Personennamen: Walther der Swaͤwichs losser UrkRegensb 738 (ca. 1325-1350); Ulle lozzer ebd. 762 (ca. 1325-1350) u.ö.    2 ‘jmd., der zur Ader gelassen wird’ so es heiss waz und er vil muͤd von dem gene [Gehen] und krank waz worden, ald so er ein lesser waz und er denne in den erbeiten also gevangen lag [...], so lag er underwilent und grein und grisgramet in im selb Seuse 39,18

MWB 3,3 923,33; Bearbeiter: Richter

læʒærebinde swstF. ‘Binde, (Ver-)Band des Aderlassers’ fasciola: lesserbind, lesserbinde VocOpt 31.016

MWB 3,3 923,45; Bearbeiter: Richter