l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëcken swV. lëcker Adj. lëckeren swV. lëckerheit stF. lëckerîe stF. lëckerlich Adj. lëckermunt stM. lëckermursel stN. lëckervuore stF. lëckespiʒ stM. lecter stM. lectuarie stswF. lëcze swstF. 1lëczenære stM. 2lëczenære stM. lede stF. ledelîn stN. lëder stN. lëderære stM. lëderbant stN. lëderbirboum stM. lëderboum stM. lëderen swV. lëder|gerwære stM. lëder|gerwe swM. lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lëcken
swV.
‘lecken’
1
‘etw./ jmdn. ablecken’ (vgl. auch
ane lëcken
) 2
‘etw. auflecken’
3 phras. mit gensen ~
wohl i.S.v. ‘sich auf das niedrige Niveau
anderer begeben’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 155f. s.v.
gans )
1
‘etw./ jmdn. ablecken’ (vgl. auch
ane lëcken
):
swa die hunt die wunden mit ir zungen lekchent, da von
heilent die wunden PrOberalt
118,23;
vil tiere [...], / dú kament och
[...], / ze Ihesu irm herren /
[...] : / sú nigent sinen fuͤssen, / sú kustent und
leketent in do WernhMl
6975.
5362;
an henden unde an vüezen / begunden si dô lecken / den herren
KvWPant
1465;
dy hunde quomen unde lecten
ym [Lazarus] syne sweren [
canes
veniebant et lingebant ulcera eius Lc 16,21]
EvBerl
104,1;
Erz III
59,27;
SAlex
4429;
PsM
71,9;
bildl.:
swenne uns die heiligen lerær mit ir zungen unser wunden die
in dem hertzen sint lekchent PrOberalt
118,26.
– mit Ersparung des Obj.:
die welfer quamen / geloufen und benamen / leckende im den
smerzen Daniel
4949;
als der schorp mit der zungen lekt und mit dem zagel hekt
KvMSph
23,28;
MNat
14,27;
subst.:
des hundes zung hailt sein aigen wunden und auch ander wunden
mit lecken BdN
126,6
2
‘etw. auflecken’
daz [
honicseimelîn
] leckete er in den
nœten doch Renner
23565.
23578;
si leckent salz, daz in ze gallen wirt Wartb (H)
389:2,9;
KvWTroj
6068;
bildl.:
die sunne den tou lecket / der im grase stecket; / swenne sie
warme schinet, / der tou so gar vorswinet / daz al daz graz trucken wirt
HeslApk
3317;
daz min hertz auch genuße / ir gnaden suße confeckt / und
auch ir helfflich bulver leckt Minneb
3508.
– etw. ab/ von etw. ~
‘etw. von etw. ablecken, auflecken’
er lecke von einer wende bri MinneR 52
80;
si ezzent kleybaschen / und gênt umb naschen / und
leckent daz koch ab der want EnikWchr
27431.
– etw. in sich
~ :
mit ir krotensâmen, der unreinen ketzerlîchen lêre, die er in sich
gelecket hât sam diu katze daz eiter von der kroten
[...]. sô diu katze die kroten alsô gelecket, sô
beginnet sie al zehant dorren PrBerth
1:405,18
3
phras. mit gensen ~
wohl i.S.v. ‘sich auf das niedrige Niveau
anderer begeben’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 155f. s.v.
gans):
manger höret gern mär / von türssen und von reken. / wolt ich
mit gensen leken, / ich wolt auch liegen also vil, / das nieman west der lugen zil
KvMSph
2,15
MWB 3,3 959,12; Bearbeiter: Hansen
lëcker
Adj.
‘schmackhaft, lecker’ (vgl.
lëckerîe
3):
daz kostel [die Köstlichkeit] ist
in gar lecker, / waz sy des mochten genyzen Hiob
11302.
– ironisch:
daz ist guͦt vnd mag wol sin / ein guͦt lecker
spigerihtelin [Speigericht, Kotzspeise]
BvgSp
54
MWB 3,3 959,55; Bearbeiter: Hansen
lëckeren, lëckern
swV.
sich wie ein lëckære benehmen, ‘lügen, betrügen’
(vgl.
lëckære
3):
der hof hât drîer hande diet: / gehoft unt ungehoft, verhoft
[...]. / verhoft daz leckert zeteslîchen stunden: /
sost ungehoft mit schame doch gebunden RvZw
194,7
MWB 3,3 959,60; Bearbeiter: Hansen
lëckerheit
stF.
auch lechirheit.
1
‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl.
lëckære
3 und
lëckerîe
) 2
‘Geilheit, Lüsternheit, Unzüchtigkeit’
3
‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’
4
‘Überheblichkeit, Arroganz’
5
‘Unfug’
1
‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl.
lëckære
3 und
lëckerîe
):
Reinhart wart vil gemeit / von der kleinen leckerheit
ReinFu
K,198
u.ö.;
unmâze ist des vrâzes munt, / der erge slôz, der girde hunt, /
[...]. / wizzet vür die wârheit, / si ist ouch zunge
der leckerheit WälGa
9906;
sô wizzt daz leckerheit ist / bî dem geluste zaller vrist ebd.
4187
u.ö.;
bi disen dingen ist bezeichent di leckerheit der vreze HlReg
41,16;
personif.:
seht ir niht der unkiusche schar / diu sich dort hât gewâfent gar? / in ir
schar vert leckerheit, / vrâz und ouch trunkenheit WälGa
7403.
–
ob aber der bös chneht [...]
beginnet der leckerheit mit sinen gesellen. aber er izzet vnd trinket mit
trvnkenheit [vgl. App.z.St. und coeperit percutere
conservos suos manducet autem et bibat cum ebriis Mt
24,49]
EvAug
62,8
2
‘Geilheit, Lüsternheit, Unzüchtigkeit’
vil gerne bekander / der küniginne leckerheit, / als ich dâ vor hân geseit, /
durch daz er si geschante HBirne
345;
wie sie [die Königin] betrouc diu minne, / dô si
den list eröugete, / dâ mite si erzöugete / ir manne die grôze leckerheit ebd.
496
3
‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’
ein boum wær wol mit in [
lugenæren und
zagen, die aufgehängt würden] gecleidet, / enhalp
mit starker leckerheit, / dishalp des swert nie vînt versneit / unt doch mit rede
vor liuten vil gevreidet RvZw
155,10
4
‘Überheblichkeit, Arroganz’
nu ist mir leit / daz ich dich ûf der wîten / nit hab, ûf jener heide breit: /
sô künd ich mit dir strîten. / grôz leckerheit ich an dir spür. / ich gib dir des
mîn triuwe: / ez treit dich kleine für JSigen
151,11
5
‘Unfug’
so daz zeichin wirt gehoͥrt vnde im lv́tit ze gottis dienste
so [...] svn [soll man] mit
baldir gehĭ dar loͥffin. vnde doh also daz dv lechirheit inchein vuͦrvnga vinde an
dem loͥffinne [
ut non scurrilitas inveniat
fomitem
]
BrEng
43;
lechirheit vnde mvͦzigv wort [
scurrilitates
vero vel verba otiosa
] dv lahtir bweigint dv virdamnen
wir mit ewigir bisluzda an allen stetin ebd.
6
MWB 3,3 960,1; Bearbeiter: Hansen
lëckerîe
stF.
1
‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl.
lëckære
3 und
lëckerheit
) 2
‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’ (vgl.
lëckerheit
3 ) 3
‘wohlschmeckende Speise, Leckerei’ (vgl.
lëcker
Adj.)
1
‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl.
lëckære
3 und
lëckerheit
):
eteswenne ich in den werken bin, / daz mir diu schame nimt
den sin, / want ich leb in lekerîe Wh
193,25;
er het von herzenleide den sin verlorn, [...]. / aber
an leckerie gelichet er sich von siben jaren den kinden JTit
463,4;
schupfend oder drabende wirt da leckerie mit ackuste ebd.
242,2.
4298,4;
ob aber der bös chneht [...]
beginnet der leckereie mit den chinden vnd mit den dirnen [vgl.
App.z.St. und coeperit percutere pueros et ancillas et edere et bibere et
inebriari Lc 12,45]
EvAug
168,17.
– im Sprichw. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 265):
nu han ich dick horn sagen das man den lecker
schmiczen [übertrumpfen, schlagen] sol mit
sinselbs leckery, so ist es gemellich [lustig, spaßig]
Lanc
521,7
2
‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’ (vgl.
lëckerheit
3):
dû [Spielmann, der falsches Lob gegen Bezahlung
spendet] bist uns aptrünnic worden mit schalkeit unde mit leckerîe
PrBerth
1:155,37;
lêret man ez [ein Kind] aber leckerîe unde
schalkeit, ez muoz iemer mêr sîn ein lecker und ein schalk ebd.
1:34,30.
– bei Hadam bildl. bezogen auf einen Fluss, in dem das Wild
dem Jäger bzw. seinen Hunden zu entkommen versucht (vgl. auch Dalby, Mediaeval
Hunt, S. 131f., der hier unter zweifelhaftem Anschluss an
1lecken
einen jägersprachlichen Terminus
vermutet):
hie bî ein wazzer rinnet, / [...]: ‘daz ist diu
leckerîe. / swer die niht wol besetzet [mit
Jagdgehilfen] , / der nietet sich unsælden vil dâ bîe.’
Hadam
427,5;
swaz an dem Schalkeswalde / mit jagen wirt ersprenget, / daz wil ouch
fliehen balde / hin gên dem wazzer [...]. / diu
leckerîe hât vil manic giezen, / swer ez wil dannen bringen, / der muoz ouch
geselleschaft geniezen ebd.
428,5;
ez kan diu leckerîe / wildes neren wunder ebd.
439,1.
437,7
u.ö.
–
sol Triege Triuwen dringen / von sîner verte süeze, / dâ mac ouch wol
entspringen / diu leckerîe und ir falscher grüeze Hadam
447,4
3
‘wohlschmeckende Speise, Leckerei’ (vgl.
lëcker
Adj.):
das lant [...] ist gar lustik und wol gemant unde vol
getreydis und allir vrucht der boume und czumole mulbern und allir leckeryge
MarcoPolo
28,31
MWB 3,3 960,41; Bearbeiter: Hansen
lëckerlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen.
1
‘sittenlos, lasterhaft’
2
‘überheblich’
3
‘(üppig) schlemmend’
4
‘schmackhaft, lecker’ (vgl.
lëcker
Adj.), hier bildl.
1
‘sittenlos, lasterhaft’
nieman schol die swachen / ahten niht ze luͤten: / ir
leckerliches truͤten / geschiht in unkunst, / werder luͤte ungunst / suͤln si
billich tragen WhvÖst
12336
2
‘überheblich’
ein tagalt ich wol lîde, / sô gar ein kündic vohe / sich dunket gar geschîde /
[...] und wænet, daz si nieman müg beschalken, /
[...]. / swenn ich sô leckerlîchen / ein fühsel sich
[sehe] gebâren Hadam
433,1
3
‘(üppig) schlemmend’
de by dir sitzend, de sint louelich / ind essen ind drincken leckerlich
[im Gegensatz zu den Armen, die abseits sitzen und nur dürftig
gespeist werden]
Karlmeinet
355,66
4
‘schmackhaft, lecker’ (vgl.
lëcker
Adj.), hier bildl.:
o wie smackent [duften] die
leckermursel [La. leckerlichen mursel
] so
wol heruz in die arme nature Tauler
98,18
MWB 3,3 961,22; Bearbeiter: Hansen
lëckermunt
stM.
‘Mund eines Lügners, Betrügers’ (vgl.
lëckære
3):
der leckermunde zunge ist snel: / swâ man si gerne hœret, dâ sint si kündic
unde hel / zem bœsten, niht zem besten, ûf argiu dinc ze schuzze vil bereit
RvZw
157,1
MWB 3,3 961,39; Bearbeiter: Hansen
lëckermursel
stN.
‘Leckerbissen’
o wie smackent [duften] die
leckermursel so wol heruz in die arme nature Tauler
98,18
MWB 3,3 961,44; Bearbeiter: Hansen
lëckervuore
stF.
Verhalten eines
lëckære
2, ‘Schmeichelei’
kunstloser buͦbe machet / valsches lop durch crankes guͦt /
[...] : / den werden niht gevalle [l.
gevallen
] / sol kein lecker fuͦr
WhvÖst
14177
MWB 3,3 961,47; Bearbeiter: Hansen
lëckespiʒ, lëckenspiʒ
stM.
jmd., der den (Brat-)Spieß ableckt; als Schimpfwort für einen
gierigen Menschen (vgl. auch
lëckære
3):
sô tuost dû vil gerne dieplîche mit dînen gesellen, unde begiezent ein kar
[eine Schüssel] vol brôtes unde giezent daz veizte ab
dem fleische, und ez müezent die liute unde die hêrschaft ungesmake kost ezzen. dû
vil ungetriuwer leckespiz! PrBerth
1:85,25;
wê dir, ungetriuwer leckespiz ebd.
1:479,14;
sô er [der Teufel] anders niht geschaffen mac
[die Menschen zu verführen] , sô tuot er als die
lockspiezen [Hs. leckspiss
] , wanne den niht
anders werden mac, sô luckent [Hs. leckn̄
] sie
den spiez ebd.
2:17,20
(Angaben lockspiss bzw. locken im App.
Verlesungen);
lekchenspiz PrBerth (R)
250,145
(vgl.
wann iz ist ettleicher als vntugenthaft, so im nicht anders werden mag, er
lêchet [l. lekchet
] e den spiz ebd.
251,155f.
).
– wohl als abwertende Bez. für einen Küchenknecht (vgl. AWB
5,800):
lichsa [d.i. lixa
] : lechespiz
Gl
3:428,53.
– Lit.: H.U. Schmid, leckenspiz und wachtelbein, in: A.
Greule u.a. (Hgg.), Die bairische Sprache (FS L. Zehetner), Regensburg 2004, S.
245–262
MWB 3,3 961,52; Bearbeiter: Hansen
lecter
stM.
auch lectar, lector, letter, lettener; zu mlat. lectorium;
s.a. AWB 5,801f. mit weiteren Glossenbelegen aus mhd. Zeit.
‘Lesepult’, spez. ‘Podest oder Empore mit Lesepult in der Kirche’
(meist wohl zur Bezeichnung von Ambo oder Lettner, vgl. LThK 1,490 und
6,857f.):
der lute was genuc aldort / in dem gotes templo. / Jacobus
trat also / uf ein lector enpor, / daz in daz volc da bevor / deste baz verneme
Pass I/II (HSW)
29693.
29751;
analogium lectorium: lector. ambo similiter SummHeinr
2:155,97;
pulpitum: lectar ebd.
2:416,364;
do man das ewangelium gelasz, / der byschoff trat vff den lector / vnd sagte
der cristenheit vor / dye suszen gots lere ErnstB (W)
5919;
von den brvͦdern anden bvͦch uf din lectir
[
in codice super analogium
] dri lezzen
vnder den dri response werdin gisungen BrZw
9;
unde sô sol ez der pharrer alle suntage in sîner kirchen ûf dem lectôr
[Laa. lecter, canzel
] künden SchwSp
(W)
282,7;
dô gienc er ûf den letter stân EnikWchr
22592.
– als Ort der Rechtsprechung:
si gabent och vride offenliche anme lettenere allen den, die in die stat lib
oder guͦt vlóhtent UrkStraßb
1:356,36
(a. 1261).
– übertr. auf einen heidnischen Tempel:
vnderdes ersluc Pirrus / Priamvm in dem bethus, / daz daz
blut vf den lector spranc, / da man irn goten vffe sanc Herb
16296.
15739
MWB 3,3 962,11; Bearbeiter: Hansen
lectuarie
stswF.
→
latwârje
MWB 3,3 962,38;
lëcze, lëtze
swstF.
auch lectie, lectze, lehza, letzige, lezze; aus mlat.
lectio; vgl. auch
letze
stF.
1
‘Schriftlesung, Lesung (im Gottesdienst)’ , metonymisch ‘zu
lesender Schriftabschnitt, Perikope’ (zur Sache vgl. LThK 6,853f.) 2
‘Lektion, Unterricht’
1
‘Schriftlesung, Lesung (im Gottesdienst)’, metonymisch ‘zu
lesender Schriftabschnitt, Perikope’ (zur Sache vgl. LThK 6,853f.):
in anderen steten, dâ dî meistere des ordenes sint begraben,
dâ sal man singen vigilie mit nûn lectien unde singen eine hôhliche sêlmesse in ir
iârgecîten StatDtOrd
119,11
u.ö.;
ich hân ein wörtelîn gesprochen in der latîne, daz stât geschriben in der
leczien, die man hiute liset von der zît Eckh
2:6,2.
3:363,2;
biz daz man zeinem tuͦme mit letzen niun ein metten het gesungen
JTit
5621,4;
alse men die leze liset uor dem ewangelio
Lucid
95,11;
die letzen, die man dez dages liset uor dem toͮfe ebd.
115,4.
95,10.
96,16
u.ö.;
dc wir ze irme iargezite in allen soͤllen singen ein vigilia mit drin leczen
UrkCorp (WMU)
1471,23;
etwaz von den lezzen [
aliquid de
lectionibus
]
BrZw
11;
Tauler
63,24;
SpitEich
39,35.
– als Tischlesung:
daz man dâ pflegelîche dî lectien zu tische habe, die
alle, die dâ ezzent, mit swîgene sulen hôren StatDtOrd
41,21
u.ö.;
die salmen waren sin ezzen suͦz / dar nach der heiligen
leczen gruͦz Albert
1297
2
‘Lektion, Unterricht’
Dominicus [...] / zu Tolosa in die schule gienc / mit
sinen brudern und entpfienc / die lectien, die man da las Pass III
364,49;
da die brudere hetten / die lectien Augustini, / die las man und die zit gie
bi ebd.
448,67
u.ö.;
Aristotiles [...] horte Platonis letzen
HistAE
4787;
ze jungest kam ez an daz, / daz er ob in allen
[seinen Mitschülern] muose wesen, / ir letzen hœren
unde lesen / und ir verse rihten Eracl
416;
Hiob
5525;
MinneR 481
279
u.ö.
– übertr.:
dise lecze drucg ich ze allen ziten gescriben in mime herzen
HlReg
28,22;
kinder, in disen minneklichen wunden súllen wir fúnf
lectien leren [La. letzigen lesen
]
Tauler
206,26;
PrGeorg (Sch)
23,30
u.ö.
MWB 3,3 962,39; Bearbeiter: Hansen
1lëczenære, lëtzer
stM.
auch lechtzener.
‘Vorleser (der Schriftlesung), Lektor’ (vgl. LThK 6,806f.;
zu mlat. lector):
bittet [...] umb di geistlichen: unsern pâbest,
unsern bischof, unser êwarten, unser pharrer, unser letzer, unser verweser, alle
priesterschaft, alle phafheit PrBaumg
6;
subdyaconus: lechzger, leccier VocOpt
36.048;
Cvͦnrat von Arburg, ein leczner UrkCorp (WMU)
N370,34;
lechtzener UrkBaden
15
(a. 1346);
UrkHohenz
2,320
(a. 1314)
MWB 3,3 963,13; Bearbeiter: Hansen
2lëczenære
stM.
‘Lektionar’ (vgl. LThK 6,805; zu mlat. lectionarius, -um MLLM
1,773):
dô trat er von dem alter, / ûz dem letznære und dem salter /
manic guot wort er las Ottok
75512;
gonzio: lectionarius, leczenere GlHvB (GE)
308
MWB 3,3 963,23; Bearbeiter: Hansen
lede
stF.
‘geladene Menge, Ladung’
darnach ist gesetzet, daz enkain burgaere [...] aines
tages niht me kornes kuͦfen sol [...] wan ain ledie
[...], daz fuͥnf scheffel ald darunder si
StRRavensb
96,13
MWB 3,3 963,28; Bearbeiter: Hansen
ledelîn
stN.
Dimin. zu
lade
stswF.
kleiner (stabiler) Behälter, ‘Kästchen, Schatulle’ (u.ä.):
dir hat auch gesant unser suppriorin von Cöln disz ledlin mit pulver
HvNördlBrf
46,71.
44,38;
sie het entsperret eynen schrein / darawß nam sie ein ledlein / in dem lage jr
gespeng Heidin III
1984;
dar nâch sô was vil harte unlanc / unz daz er im daz ledelîn /
brach von deme gürtel sîn. / daz tet er ûf mit sîner hant: / daz herze sach er unde
vant / dâ bî der frouwen vingerlîn KvWHerzm
393;
HvBurg
5460.
–
‘kleiner Korb, Körbchen’
si bereitt dem kind [Moses] ein
ledelîn / und lie daz kint dar în schier EnikWchr
6290.
6332.
6469
MWB 3,3 963,32; Bearbeiter: Hansen
lëder
stN.
1 gegerbte Tierhaut, ‘Leder’ (zur Sache vgl. LexMA 5,1789ff.) 1.1 allg. 1.2 metonymisch für einen aus Leder gefertigten Gegenstand 1.3 im Vergleich, bezogen auf die Farbe 1.4 phras. 1.4.1 sprichw. für einen Vorwand: Wer den Hund schlagen/ töten will, wirft ihm
vor, er habe Leder gefressen (vgl. TPMA 6,238f. und Friedrich, PhrasWB, S.
229; s.a.
lëdervrâʒ
) 1.4.2 jmd. ist desselben Leders i.S.v. ‘jmd. ist aus dem selben Holz
geschnitzt’ (vgl. Anm. und Übers. z. St. in Hofmann, Tauler S. 449) 2
‘(Schwimm-)Haut’ (vgl. auch
lëderswale
)
1
gegerbte Tierhaut, ‘Leder’ (zur Sache vgl. LexMA 5,1789ff.)
1.1
allg.:
von leder ein huot
[Überwurf] hienc dâ bî / der daz gezelt machet vrî /
des regens Wig
10848;
gesoten leder was gezogen / dar über [über
den Wagen] z’eime tache rîch KvWTroj
30030;
Morolff ime bereiten hieß / ein schiffelin von leder SalMor
174,2;
schuoh [...] von rôtem ledere
Neidh
WL 29:8a,1;
kain swarces laeder sol kein gast ze kainen ziten
niendert hie verkaufen StRAugsb
45,17.
45,9.
45,15;
WernhMl
12914;
ÄSigen
37,8.
–
‘Stück Leder’ (vgl. 1.2):
bewind is [die Stelle am
Baum] mit eyme tuche vnde bedecke das mit eyme ledir vor
das wetir Pelzb
122,8;
nym das ledir vnd das tuch ab ebd.
122,13;
man sol in [den
Edelstein] schône behalten / und in ein leder valten
Volmar
440;
Albrant
3,55;
KvWTroj
14110
1.2
metonymisch für einen aus Leder gefertigten Gegenstand:
– Lederriemen (vgl.
lëderbant
):
zwuo liehte hosen îserîn / schuohterm über diu
ribbalîn [schlechten Schuhe] . / sunder leder
mit zwein porten [nicht mit Lederriemen, sondern mit zwei
golddurchwirkten Borten] / zwêne sporen dar zuo gehôrten:
/ er spien im an daz goldes werc Parz
157,9;
daz der stegereif leder solden sin, / da waren bant
sidin / geworcht zu einem borten GrRud
Ab 22.
– Ledergamasche (vgl.
lëderhose
):
die sach man ze Wienne koufen currît unde platen. / Uoge der kouft
eine, / dar zuo zwei vil dickiu leder / vür diu schinebeine
Neidh
WL 28:9,6.
– lederner Teil der Schwertscheide:
dar umb zerpricht er [der
Donner] oft daz swert in der schaiden
[...], alsô daz daz leder ganz beleibt an der
schaide BdN
92,29.
– lederne Teile der Rüstung:
sus giengen si ze bîle / vil harte lange wîle, / daz si mit den wâfen
/ dicke ein ander trâfen / beide ûf îsen und ûf leder
KvWEngelh
4897;
KvWTurn
914
u.ö.
1.3
im Vergleich, bezogen auf die Farbe:
zwô vedere / swarz sam ein ledere Tund
1002
1.4
phras.
1.4.1
sprichw. für einen Vorwand: Wer den Hund schlagen/ töten will, wirft ihm
vor, er habe Leder gefressen (vgl. TPMA 6,238f. und Friedrich, PhrasWB, S.
229; s.a.
lëdervrâʒ
):
der hunt hât leder vrezzen, / sô man dienstes wil vergezzen
Freid
138,17;
swer triueren [l. triuwen
] und
dienstes wil vergezzen, / der sprichet, sîn hunt habe leder gezzen
Renner
18510;
zucket ich [d.i. der Hund] einer gans eine
feder, / man sprach, ich hette gezzin leder KgvOdenw
10,102
1.4.2
jmd. ist desselben Leders i.S.v. ‘jmd. ist aus dem selben Holz
geschnitzt’ (vgl. Anm. und Übers. z. St. in Hofmann, Tauler S.
449):
die als jung sint und als krank und des selben leders
sint so dise sint Tauler
233,7
2
‘(Schwimm-)Haut’ (vgl. auch
lëderswale
):
die vögel, die leder habent zwischen den
vingern [
que habent corium inter
digitos
] , sam diu gans BdN
165,24
MWB 3,3 963,45; Bearbeiter: Hansen
lëderære
stM.
‘Gerber’ (vgl.
lëdergerwære
,
lëdergerwe
):
die meister von den hiuten, / die schuoster und die lederær, / kürsnær und die
metzigær HvBer
4700.
4710;
ez ensol auch dehaine lederer dehainem gaste kainerlay leder noch kuderwan
noch schofel noch kalpfel niht mer hie wurcken weder umb lone noch suste
NüP
92.
92;
ist auch daz ainem ledrer heute oder vel enpholhen werdent ze
wurchen, [...]
StRAugsb
246,20
u.ö.;
cerdo: lederare Gl
3:357,11;
coriarius: lederar ebd.
3:138,34;
StRMünch
430,9;
UrkCorp (WMU)
3068,43.
614A,22.
– als Bestandteil von Personennamen:
Chvnrad der Lederer hat ein acher vnd ein garten UrkCorp
1208,07
u.ö.
MWB 3,3 964,38; Bearbeiter: Hansen
lëderbant
stN.
‘Lederriemen’
das tier gegen dem kunig spranck / mit grymlichem mute. /
[...] / plech ring, leder pant, / was im kam in di
hant, / das raiß es hin als das stro HvNstAp
5015
MWB 3,3 964,52; Bearbeiter: Hansen
lëderbirboum
stM.
Obstbaum, der lëderbirn trägt, eine spezielle Obstsorte (vgl.
SchweizId 4,1490 ‘Birne mit lederartiger Schale’; vgl. auch
lëderboum
):
in dem obern velde bi dem lederbirboͮme UrbTennenb
292.
96
MWB 3,3 964,56; Bearbeiter: Hansen
lëderboum
stM.
ein Baum (andere Bez. für →
lëderbirboum
?):
zuͦ dem lederboͮme tercia pars iugeris prati prope Oswaldes zweiteil
UrbTennenb
33
MWB 3,3 964,61; Bearbeiter: Hansen
lëderen,
2lideren
swV.
vgl. auch DWB 6,913 s.v. lidern; s.a.
1lideren
.
1
‘etw. gerben, zu Leder machen’
2
‘etw. mit Leder versehen’
1
‘etw. gerben, zu Leder machen’
von yder hutt [nimmt man als
Zoll] 1 haller die man hie nit lidern wil StRAugsb
264,8;
von iegelicher gelæderten hvte einen helblinch UrkCorp (WMU)
548ABC,9,8,35
2
‘etw. mit Leder versehen’
so werden uz den huͤten / wite stifel guͦt, / derm leder reht tuͦt, / fuͤr
fuͤze unde suln [Sohlen] , /
[...]; / so lidert man damit die sporn
KgvOdenw
1,78
MWB 3,3 965,1; Bearbeiter: Hansen
lëder|gerwære
stM.
auch -garwere, -gerber.
‘Gerber’ (vgl.
lëderære
,
lëdergerwe
):
die ledergerwer mit huͤten / ouch vil menge untruͤwe begânt / gen dien, die
sich an si lânt Ammenh
11680;
daz die kvrdewenre meistere vnd kurdewenre vnd die ledergerwere mittenander
mit liebe lebent, so hant sie vf gesetzet, das die ledergerwere iemerme sulnt bluwen
das halbe kurdewan, ir wochewerc UrkCorp (WMU)
N159,24;
ein jeder metzger, schuster vnd ledergerber vonn Walbach
WeistGr
4,187
(a. 1339);
coriarius: lederar, ledergarwo, ledergarwere SummHeinr
1:288,265;
StRBern
1/2:158,25.
– als Bestandteil von Personen- und Ortsbezeichnungen:
da man vs der selbun stat gât ze den tor dem man sprichet der ledergaͤrwer tor
UrkCorp
N676,15;
bruͦder Bercholt der leder gerwer, leie bruͦder von Wettingen UrkCorp
(WMU)
N617,9.
2201,33
MWB 3,3 965,11; Bearbeiter: Hansen
lëder|gerwe
swM.
auch -garwe.
‘Gerber’ (vgl.
lëderære
,
lëdergerwære
):
die ledergaͤrwen [...] haͧnt ouch ain
[Zunft] und nement ain maister under den ledergaͤrwen
UrkEssl
302
(a. 1331);
coriarius: lederar, ledergarwo, ledergarwere SummHeinr
1:288,265.
– als Bestandteil von Personennamen:
bruͦder Walther der ledergarwe UrkWürtt
9,348
(a. 1290);
Sifriden den ledergærwen UrkCorp (WMU)
N649,5.
1160,29
MWB 3,3 965,29; Bearbeiter: Hansen |