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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
      lantwîp stN.
      lantwîse stF.
      lantwort stN.
      lantwurz stF.
      lantzal stF.
      lantzehenlinc stM.
      lanze swF.
      lanze swM.
      lanzenkrach (?) stM.
      1lap stN.
      2lap stN.
      1lappe swFM.
      2lappe swM.
      lappen swV.
      laqricia F.
      laquariz F.
      laquiricia F.
      larche F.
      lære Adj.
      lære stF.
      læren swV.
      lærenbiutel stM.
      lærennapf stM.
      larikant (?) stM.
      larrûn stM.
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lantwîp - larrûn    


lantwîp stN. ‘einheimische Frau, Frau vom Land’ (vgl. lantvrouwe ): ê lebetet ir âne êre, / der habet ir nû mêre / dan dehein iuwer lantwîp Er 6494; Jacobes tohter Dina [...], / giench after gouwe dei lantwîb [vgl. mulieres regionis illius Gen 34,1] scowen Gen 1596; DvASchr 312,18. – mit der Herkunft aus dem gleichen Land: do ez [das Kind Moses] wart von ir [der Tochter des Pharao] irkorn / ze kinde und si sihs underwant, / si besante sa zehant / dar ein lantwip [ hebraeam mulierem Ex 2,7] , dú solte / ez sorgin RvEWchr 8970

MWB 3,3 895,15; Bearbeiter: Diehl

lantwîse stF. ‘Landessitte, -brauch’ Kamille diu rîche / und der frouwen iegelîche, / die mit ir dare wâren komen, / die heten alle genomen / sîdîne rîsen [Schleier] , / nâch ir lantwîsen / umbe den helm gewunden En 8822; rittr und frouwen truogn gewant, / niht gesniten in eime lant; / wîbe gebende, nider, hôch, / als ez nâch ir lantwîse zôch Parz 776,14

MWB 3,3 895,26; Bearbeiter: Diehl

lantwort stN. ‘Landessprache’ (vgl. lantsprâche ): do der marhgrâve in prîsûne / gevangen lac dâ ze Arâbî, / chaldeis und côatî / lernet er dâ ze sprechen. / done wold ouch niht zebrechen / der knappe sîniu lantwort Wh 192,11

MWB 3,3 895,34; Bearbeiter: Diehl

lantwurz stF. ‘Alant(-wurzel)’ (vgl. Marzell, 2,1912ff.): enula: lantwurz GlAnzfKdVz 8:96,169

MWB 3,3 895,39; Bearbeiter: Diehl

lantzal stF. Berechnungsbasis für die Zahlung des Grundzinses (unklar, ob auf zinspflichtige Einwohner oder Grundstücke bezogen; vgl. DRW 8,698 und manzal ): du̍ lantzal ze Urbeiz under Bilstein giltet 2 quart. siliginis und 2 quart. avene und 12 sester bonen ze cinse UrbHabsb 1:20,16. 1:20,13. 1:35,21

MWB 3,3 895,41; Bearbeiter: Diehl

lantzehenlinc stM. landesübliches Zehntmaß für Getreide: aber so sol man dem voit [Vogt] sein fvͦter laisten in einem gemainem lant zehenlinge [vgl. in einem gemeinem zehenling 1100B,35] vnd den mezzen, als man pfligt des dienstes wern hin ze hof UrkCorp (WMU) 1100A,36

MWB 3,3 895,48; Bearbeiter: Diehl

lanze swF. auch lancie ( Karlmeinet 348,44 ). Stangenwaffe zum Stechen, ‘(Reiter-)Lanze, Spieß’ (vgl. 2HRG 3,638-642 und Bumke, Höf. Kultur, S. 221; s.a. gêr , spër und spieʒ ): mit einer lanzen kêrte er in an / und stach in krefticlîchen dar nider Wigam (B) 3246; der muotes rîche junge / schihte vil sarjande / [...] / mit lanzen und mit gêren RvEAlex 7159; biz daz er die lanzen sîn / mit der tjost vertête Kreuzf 3466; dô dich [Christus] Longinus tôtet / mit sîner scharfen lanzen Ottok 49911; Wh 372,13; er vuͦrt ouch eine lanzen groz roͤrine JTit 1317,3; im fuort bî einen swæren schaft / ein cleiner knappe niht ze grôz: / gestalter scherphe die lanze gnôz UvEtzAlex 5668. 5771; KvWTroj 28307. – synonym zu spër: daz sper nam er in die hant / und stach also den heilant / durch die siten in die brost. / da er vollendet die jost, / do zoch er die lantzen groz. / ein ronse nach der lantzen floz HvNstGZ 2977; KvWLd 1,119; ir sper ze rehte sie sancten, / sunder feil die tjost geschach. / ietweder aldâ sîn lanzen brach UvEtzAlex 13650. – synonym zu gabilôt: der jâmers rîch, an fröiden cranc / eines gabilôtes swanc / tet ûf Clitum mit swacher craft, / daz die lanze kûme behaft UvEtzAlex 13562. – als Wurfwaffe: sy schissent mit den lantzen; / mit sper und mit gobelot / tuent sy manigen den dot HvNstAp 3013. – bildl.: der sünde lust, des jamers lanz’ / hat uns verseret MarGr 9 1,9; Wh 105,2; Ottok 21855; seht, ob die niht billichen / des jâmers lanze ruorte? ebd. 58899; [Amphlise] ist rêgîn de Franze: / die rüeret dîner minnen lanze [d.h. sie ist von der minne getroffen] Parz 76,14; TürlArabel *A 77,9; Neidh WL 23:9,6; Reinfr 10792. 11054. – hier ‘Achse’ (vgl. Röll, plapla, S. 403): der stern ist vier und drie, die daz firmamente wider vahen, / daz an dem zirkel [La. den lantzen ] trennelt [wirbelt, rotiert] gelich dem steine, / der uf der muͤle loufet JTit 2801,3

MWB 3,3 895,54; Bearbeiter: Richter

lanze swM. lenze

MWB 3,3 896,28;

lanzenkrach (?) stM. unklar, ob Syntagma oder Kompositum. ‘Krachen der Lanzen’ nu hulfen im gemaches di marnær vil gehiure. / swert clanc und lanzen chraches, von geschoz, von slingen vil quatschiure, / der wart sin luter vel nu vech geverwet / mit swerz und ouch mit roͤte und wunden clein, wie wol er was geserwet JTit 2773,2

MWB 3,3 896,29; Bearbeiter: Richter

1lap stN. zu ahd. labôn (EWA 5,947–949), s.a. 1labe stF. 1 ‘Wasser zum Abwaschen, Spülwasser’
2 ‘Labung, Erfrischung’ (auch übertr.)
   1 ‘Wasser zum Abwaschen, Spülwasser’ die köche die daz vleisch dâ suten, / swaz die von wazzer und von labe / gespuolten manger schüzzel abe, / daz wart ûf in gegozzen KvWAlex 687; begozzen ist er und getwagen / vil harte dicke mit dem labe / daz vil manger schüzzel abe / wart gespüelet hie ze hûs ebd. 1215    2 ‘Labung, Erfrischung’ (auch übertr.): daz sie allen siechen mohten lab / erbieten EvStPaul 2753; wer von dem waszer lab / zu dranke enphahet, anderweit / wirt aber ym der durst bereit ebd. 11418 u.ö.; mit trôst und senfteclîcher [Hs. senfteclichem ] labe Reinfr 15144; sin bluot rein unde wæhe / si uns ein eweclichez lap KvWGS 1611. 1533; von der werdekait ain lab / in sinem hertzen do lag WhvÖst 8086. 15636. 17326; NeunMänner A:9,10

MWB 3,3 896,36; Bearbeiter: Richter

2lap stN. ‘Lab, Gerinnungsmittel’ (vgl. AWB 5,563, s.a. 2labe stF., leben swV., 1liberen swV.): coagulum: lap Gl 3:553,22

MWB 3,3 896,53; Bearbeiter: Richter

1lappe, lape swFM. auch laben ( Minneb 2943 ), leppe ( Lucid 87,12; UrkCorp 3394,27 ). 1 ‘herunterhängender Stoffteil, Zipfel, Lappen’
2 als Bestandteil von Personennamen (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 475f.; im WMU 3,2588 dagegen zu 2lappe , lape swM. ‘einfältiger Mensch’ gestellt)
3 eine Pflanze, wohl ‘Große Klette’ (vgl. Marzell 1,374-383)
   1 ‘herunterhängender Stoffteil, Zipfel, Lappen’ ez sol ouch ir deheine [keine vroͧwe oder jungvroͧwe ] deheinen lappen an ermeln lenger dragen denne einre elen lang von dem ellenbogen SpeyrerP 59; Minneb 2943; ir súllent arbeiten lumpen und lappen [bildl. i.S.v. ‘einfache Dinge verrichten’ ] in gotminnender meinsamkeit Seuse 487,13. – als Teil der priesterlichen Kleidung: die leppen bezeichent die lerer. daz men den leppin heftit úber den nac, daz betútet, daz vnser lerer, der helige Crist, uon himele com Lucid 87,12. 87,15; hât er briesterlîchen moͮt, / sô ist er rihtâre goͮt. / daz er die lappen treit, / daz sol iv werden geseit Messgebr 201. 203. 212    2 als Bestandteil von Personennamen (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 475f.; im WMU 3,2588 dagegen zu 2lappe , lape swM. ‘einfältiger Mensch’ gestellt): her Borchart Lappe UrkCorp (WMU) 1206,27; bruͦder Lape ebd. 201,1; her Henrich der Lepp UrkCorp 3394,27    3 eine Pflanze, wohl ‘Große Klette’ (vgl. Marzell 1,374-383): personatia: lappa Gl 3:586,34(App.)

MWB 3,3 896,56; Bearbeiter: Richter

2lappe, lape swM. ‘einfältige Person’ (vgl. 1lappe , lape swFM. 2): die törpel und die lappen / sprungent also vast Bauernh 464. – ‘Scherge, Handlanger’ die tievillichin lapin / hatte si erlemmet Martina 1112,110. 155,95; dez tievils lapen ebd. 153,15

MWB 3,3 897,15; Bearbeiter: Richter

lappen swV. ‘etw. flicken’ hie kunde schoin [Schuhe] machen ind knappen [schlechte, drückende Schuhe (?), vgl. 2knappe ] , / hie konde sy solen ind lappen HagenChr (G) 3802

MWB 3,3 897,20; Bearbeiter: Richter

laqricia F. → lakeritze

MWB 3,3 897,24;

laquariz F. → lakeritze

MWB 3,3 897,25;

laquiricia F. → lakeritze

MWB 3,3 897,26;

larche F. ‘Lärche’ (s.a. lerchboum ): cipresse, kasse, mandel, mirre, zeder, larke, / prisilia, triasandel und aspinde, dar uz Noe di arke / worcht JTit 301,1

MWB 3,3 897,27; Bearbeiter: Richter

lære Adj. ‘leer, ohne Inhalt, ohne die erwartbare Ausstattung; (einer Sache) ledig, frei (von etw.)’ 1 ohne Gen.
1.1 von Hohlkörpern u.ä.
1.2 von Gebieten, Orten o.ä.
1.3 von Gegenständen (Schiff, Bett, Sitzplatz o.ä.)
1.4 ‘frei, unbelastet, befreit’ (meist in Verbindung mit lëdic , vgl. unten 2.2 , s. ausführlich WMU 2,1091f.)
1.4.1 bezogen auf Besitztümer
1.4.2 bezogen auf Personen
1.5 ‘gehaltlos, ohne Wahrheitsgehalt, bedeutungslos ’
1.6 ‘ohne Ertrag, mit leeren Händen’
1.7 übertr. ‘erfolglos, wirkungslos, vergeblich’
2 mit Gen. ‘einer Sache ledig, frei von etw., ohne etw.’
2.1 allg. (von Hohlkörpern, Gebieten, Gegenständen, Personen; vgl. ähnl. unter 1 )
2.2 ‘frei, unbelastet, befreit’ (vgl. oben 1.4 )
2.3 ‘frei, losgelöst’
2.4 oft mit Abstrakta
3 mit präp. Erg.
   1 ohne Gen.    1.1 von Hohlkörpern u.ä.: di cisternin wurdin leri: / des chomin di luiti / in eini vil starchi noti LobSal 62; ein tieffir charchære, / der stuont alle wile lære Hochz 169; min malhe [Beutel] ist worden laere Tannh 14,47; PrOberalt 172,16; RvEBarl 12778. 12952; RvEWchr 1828; EnikWchr 27140; ain lær airschaln, auz der ir toter und allez ir weiz datz ainem klainen löchlein gezogen sei BdN 83,33. – von Hand/  Händen: sîn volliu hant wart lære [weil er den verstochenen Speer aus der Hand legte] Wh 389,27; chum ich den mit leren handen [ohne etwas zu bringen] , / so wold ich liber hinne bliben Erz III 56,108; daz sî mit lêrin hendin / nicht inwoldin kumin heim NvJer 19709; der man gienc mit lerer hant [ohne Habseligkeiten] , / wand ungelucke im nicht enlie Pass I/II (HSW) 39288. – von Organen u.ä. des menschlichen Körpers oder diesem selbst: er wolde niht ir læren magn / überkrüpfe lâzen tragn Parz 201,13; muoz aber der mensch auz gên, der schol vor ezzen und trinken, daz der luft den leib iht lærn begreif BdN 96,12; vindet der ezzeich den magen vol, sô entsleuzt er in, vint er in aber lær, sô besleuzt er in und zeucht in zesamen ebd. 353,2; [Brunnenkresse] ist an der kraft haiz und trucken und derret die faulen fäuht in lærem leib ebd. 410,9; subst.: ezzic [...] vert schire durch di adirn di lit. vnde twingit di leren. vnde losit di uollin SalArz 21,41; BdN 112,16    1.2 von Gebieten, Orten o.ä.: sine helede sint alle erslagen, / Yspania stat elliu lare Rol 7337. 162; RvEWchr 2834; dennoch waz diu stat lære diu die heidenschaft erfuͤllen schol PrOberalt 123,15; dhein winkel [bei Hof] was sô lære, / si wurden alle herren vol Ottok 13040; ir tuot uns hiute [durch exzessives Jagen] lære den berc und ouch den walt NibB 940,3. die riche die stunden lere [waren (nach dem Tod des Kaisers) herrenlos] TrSilv 33 = Kchr 7806    1.3 von Gegenständen (Schiff, Bett, Sitzplatz o.ä.): swer vindet ein schif eine / ergraben in eime steine / und daz schif gar lære / âne marnære: / daz ist ze allen dingen guot / und gît gelücke und hôhen muot Volmar 913; swenne daz si, daz der selben drier bette ains lere stande, daz man in daz enbiete, daz si dar an legen, swen si wellen UrkCorp (WMU) 2056,46; sin stul stunt lare AvaLJ 201,1. – von Satteln bzw. Pferden, deren Reiter herabgestoßen wurden: Brandenburc der reine / und ouch der Mîssenære / vil rosse machten lære, / wan si dâ wurfen mangen abe KvWTurn 1022; er begunde justieren / und machte satel lære UvZLanz 3113; NibB 792,2; Wh 420,24    1.4 ‘frei, unbelastet, befreit’ (meist in Verbindung mit lëdic, vgl. unten 2.2, s. ausführlich WMU 2,1091f.)    1.4.1 bezogen auf Besitztümer: vnt also, daz es nach sinem tode ledeclîch vnt lere hoͤren sol an die kilchvn ze Vilingen UrkCorp (WMU) 3362,33; vnd swanne der vor genande her Vͦlrich Sumbri stirbet, so ist dem spitale das hus ledich vnd laͤre ebd. 708,39; dar nách ist v́ns dú selben kylche mit allen ręhten, mit allen nv́tzen vnd mit aller zuͦgehoͤrde von ime vnd von sinen erben ledig vnd leͣre áne alle widerrede UrkFürstenb 2,77 (a. 1322)    1.4.2 bezogen auf Personen: daz die vorgeseiten, der schvltheize, der rat vnd alle die gemeinde von Berne, vmbe ellv́ die gelt, vmbe ellv́ dv́ phender [...] svllen sin von menlichem vri, lidig vnd lere nv vnd iemer UrkCorp (WMU) 1984,29    1.5 ‘gehaltlos, ohne Wahrheitsgehalt, bedeutungslos ’ swas er [der Prophet Samuel] tet wissagende irkant, / des beleip an der geschiht / ein wort lêre und gelogin niht: / got irfulte zallir stunt / swas wissagende sprah sin munt RvEWchr 22124; noch dan vindit di fornuft daz si lere ist und vil me bekennen mac Parad 34,16; also mac di fornuft alle dinc begrifin und blibit doch lere ebd. 34,20    1.6 ‘ohne Ertrag, mit leeren Händen’ ir vogelære / komt mir fruo niht lære! / vâhet mir zwei hundert gîr grôz, / raben vil und ir genôz EnikWchr 18056; si [die bösen Weingärtner] begriffen en [den Knecht des Herrn] und slûgin en und lîzen en lêre EvBeh Mc 12,3    1.7 übertr. ‘erfolglos, wirkungslos, vergeblich’ darnâch sî [...] sich wantin / zum Colmin vor dî vestin / und dî âne restin / sturmetin mit allir macht / einin tag und eine nacht, / daz îdoch was lêre, / want sich dî burgêre / menlîch ir dirwertin NvJer 14741; ûf daz nicht lêre / sô gar dî reise wêre ebd. 19536    2 mit Gen. ‘einer Sache ledig, frei von etw., ohne etw.’    2.1 allg. (von Hohlkörpern, Gebieten, Gegenständen, Personen; vgl. ähnl. unter 1): [Malfer trug etwas Schweres mit solcher Leichtigkeit] / als ein wip treit einen kruͦg / der gar ist wazzers lære Rennew 32061; Wh 190,10; diu heide ist bluomen lære KLD: GvN 33: 1,2; Iw 661; diu ros liufen an den wegen / irre und herren lære UvZLanz 3363; michel wunder in des nam / wie er dar komen wære / gewandes alsô lære [ohne Kleider] Wig 5799. man hœret dâ niwan wê! wê! / schrîen die langen naht; / des tages ist ez âne braht / und alles schalles lære Wig 4312    2.2 ‘frei, unbelastet, befreit’ (vgl. oben 1.4): vnd wenne ich enbin, so sol alles min guͦt in dem brugholz vnd der zins, der da von gat, sin lidig vnd lere des vorgenanten gotzhuses UrkCorp (WMU) 2375,5; er [...] wolt ir alles das ledig laßen und lere des er michel bezugunge off sie hett gehabt und darumb er sie besprochen hett Lanc 149,28    2.3 ‘frei, losgelöst’ dû solt wizzen: lære sîn aller crêatûre ist gotes vol sîn, und vol sîn aller crêatûre ist gotes lære sîn Eckh 5: 413,3    2.4 oft mit Abstrakta: sol got hân lêrære, / sô ist er selbe lære / gotlîcher wîsheit RvEBarl 13020; êren lære UvZLanz 429; meien zît uns komen wil / aller sorgen lære KvWLd 29,16; SM:JvR 1: 2,10; er ist bôsheit und untriu lær EnikWchr 10510; Wig 11604; si ist gar wandels lære SM:Had 30: 1,11; ich kiuse ouch herren êren vol und schanden lære KLD: Kzl 3: 4,6; EnikFb 890; daz lêrt iuch herzen swære / und macht uns freuden lære Parz 556,24 u.ö.; freuden wart dâ maniger lære, / der den jâmer het gesehen Ottok 9173; EnikWchr 8147; KLD:UvL 6: 3,11    3 mit präp. Erg.: – mit ane: daz er were / an sulcher tugende lere Pass III 54,74. – mit von: der fürste Blœdelîn / der hiez dâ lære machen vil manic leitschrîn / von silber und von golde, daz wart dâ hin gegeben NibB 1373,2; der rieme [...] was ninder lære / von gesteine noch von golde Wig 325; [die Bienen] machent die obersten drei zeil [der Wabe] lær von honich BdN 289,11. – mit vor: in die kemenâten sân / gienc diu küngîn unt die zwêne man: / vor den andern bleip si lære [andere kamen nicht hinein] Parz 423,3

MWB 3,3 897,31; Bearbeiter: Richter

lære stF. ‘Leere’ daz [Ohnmacht] irget uon grozer vulle. oder uon grozer lere [im Körper] SalArz 46,16; groze lere geschit uon ummezlicher treibe. vnde uon ummezlicher speie. vnde uon dem blute daz da vluzit durch di nase. vnde uon ummezigeme sveize ebd. 46,24. 47,2. 47,5

MWB 3,3 899,37; Bearbeiter: Richter

læren swV. auch mit Präfix ge- ( StrDan 7527; Ottok 17340 ). 1 ‘etw. leeren, leer machen’
2 ‘etw. entnehmen, ausgießen’
3 ohne Obj. ‘leer werden, etw. ablegen’
   1 ‘etw. leeren, leer machen’ – von Gefäßen u.ä.: Wolvesgoume und Wolvesdarm / unde Wolvesdrüzzel / lârten manege schüzzel / und manegen becher wîten / ze den selben hôchzîten Helmbr 1554; si begunden læren / diu guoten vaz mit wîn Ottok 696; Krone 1568; e ez [der Säugling] des sugens erwunde, / ez het die brust gelæret gar Rennew 10219; swer di warzen wil uertriben. der sal des ersten den lip leren der vuchte da uon si da sint SalArz 76,46; den buch leren ebd. 63,34. – mit Ersparung des Obj.: du samftis vnde sweres, / du uollis vnde leres Litan 84. satel ~ (indem man den Gegner aus dem Sattel stößt): manigen satel læren / sach man si und rûmen Ottok 16324; doch mügen wir satele læren / mit flatschen [breiten Schwertern] wol snîdunden Bit 6532. – ‘etw. (ein Land) ausnehmen, ausrauben’ ich gehôrt nie mê / [...] / daz [...] / sô grôziu guot ze einem her / in roubens wîs getriben wæren. / möht ein lant ieman gelæren, / daz solt dâ wol geschehen sîn Ottok 17340    2 ‘etw. entnehmen, ausgießen’ swer kunst unde wîsheit / beidiu in sîn vaz leit, / der mac wol haben unde geben [der behält sie, auch wenn er sie an andere weitergibt] . / sol er tûsent jâr leben, / swaz er darûz [aus dem vaz ] gelæren kan, / ez wirt dâvon niemer wan [wird nie leer] StrDan 7527; ez næht nu wilden mæren, / diu freuden kunnen læren [zunichte machen] / und diu hôchgemüete bringent: / mit den bêden si ringent Parz 503,2    3 ohne Obj. ‘leer werden, etw. ablegen’ sîn herz an schanden læret / und ûffet an den êren [nimmt an Ansehen zu] Reinfr 7018; zihant mit larinden henden vnde daz si scvͦfen vnriuollut [unvollendet] lazzende [ mox exoccupatis manibus et quod agebant inperfectum relinquentes ] BrZw 5

MWB 3,3 899,43; Bearbeiter: Richter

lærenbiutel stM. ‘Leere den (Geld-?)Beutel’, sprechender Personenname: alle sache sint enwiht, / habent si der vürsprechen bî in niht: / wenne Abelœser und Nemehart, / Nimmervol und Nagehart, / Schindengast und Lügenhart / [...], / Lêrenbiutel und Füllensac / pflegent des hofes naht und tac Renner 9075

MWB 3,3 900,16; Bearbeiter: Richter

lærennapf stM. ‘Leere das Trinkgefäß’, sprechender Personenname: swer trinket, der ist ein lêrennapf Renner 16182

MWB 3,3 900,23; Bearbeiter: Richter

larikant (?) stM. ein edler (strahlend weißer) Stoff: diu selbe riche banier zier / was von drien stucken, / [...] : / daz ober und daz under / stuͤcke was geroͤtet / [...]; / daz drittail wiz begarwe / da durch was schon geblenket, / ain larikant gelenket / waz daz selbe lachen, / daz wizz varwe swachen / kan mit uͤber wizzen WhvÖst 16550. 2307; ir gewant was nach kuͤnclicher art / geworht uz aim larikant ebd. 10917; auch was nach listes siten / ir mantil, rog gesniten / uz wizzem larikande. / zwar wizer wiz erkande / nie bie minen tagen ich Baldem 95 (entspr. von wiͤzzem larichande Hornb 2,113 ). E. Öhmann erwägt, das Wort als Verlesung zu barchant zu stellen ( Kleine Beiträge zum deutschen Wörterbuch 3, in: Neuphilologische Mitteilungen 51 (1950), S. 117–122, hier S. 118–120).

MWB 3,3 900,26; Bearbeiter: Richter

larrûn, latrôn stM. zu afrz. larron (auch ladron, ladrun, vgl. Tobler/  Lommatzsch 5,196–200), zu lat. latro, s. Suolahti 1,150; loderun evtl. unter Einfluss von mhd. loter. Ab dem 13. Jh. belegt. ‘Straßenräuber, Strolch, Verbrecher’ da han ich erslagen / vil starker manne nuͤne, / und waren daz larruͤne [Laa. larivne, karrune, garruͦne ] : / sie wolten mich beraubet han Rennew 34066; daz [Gottes Barmherzigkeit] ist uns, hêrre, bewîset wol / an dem latrône, / der an dem criuze frône, / got hêrre, an dich umb riuwe warp UvEtzAlex 14823; torste ich in [Bischof Brun von Augsburg] heizen loterûn [Hs. lod- ] / den selben ungetrûwen wiht, / durch in selben liez ichz niht EbvErf 2538

MWB 3,3 900,42; Bearbeiter: Richter