l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantliut stMN. lantlop stN. lantlôs Adj. lantlouf stM. lantmaget stF. lantman stM. lantmannen swV. lantmære stN. lantmarke stF. lantmassenîe stF. lantmâʒ stN. lantmeister stM. lantmenige stF. lantmünze stF. lantnamen (?) swV. lantnære stM. lantphenninc stM. lantpredigære stM. lantpredige F. lantrëht stN. lantrëhtære stM. lantrëhtbuoch stN. lantrëhten swV. lantreise stF. lantreister stN. lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lantliut
stMN. , lantliute
stSubst. (Pl.)
dient als Pl. für lantman.
1 Bewohner eines Landes, Leute aus einem Land 1.1
‘Einheimische, Einwohnerschaft’
1.2 im Sinne von ‘(jmds.) Landsleute’ (oft mit Gen. bzw. Poss.-Pron.) 1.3 regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer
Landsgemeinde (zur Sache vgl. 2 HRG 3,591ff.) 2 selten ‘Leute vom Lande, Landbewohner’ (im Ggs. zur Stadt)
1
Bewohner eines Landes, Leute aus einem Land
1.1
‘Einheimische, Einwohnerschaft’
die starchen Moab beuiench div uorchte. erstarchten alle lantlivte Chanaan
[interl. zu omnes habitatores
]
PsM
C 4,15.
C 4,14;
disiu nôt was siben tage. / uon dannen hêten si chlage, / daz lantliut
gemeine / uber grôze und uber chleine Exod
1311;
iedoch sô hôrter alle tage / von der lantliute sage / des
landes laster und sîn leit Tr
6014;
ûf den boumen wôhs alliz daz, / daz daz lantlût az, / dâ
si sih mite nereten SAlex
5070;
UvZLanz
1439.
6605;
RvEBarl
15370;
alle strazze svln geoffent vnd gevreiet sin [...]
lantlævten vnd gesten vnd swer durch daz lant varen wil UrkCorp
(WMU)
1694,31.
– nicht immer scharf abgrenzbar sind Aspekte von
ständischer Zuordnung und Gefolgschaft (vgl. 2Okken, Tr., S.
35f.):
ir muͦzzet disen hêrron / iemmer mêre dienôn, / disen lantliuten / uur
disen tach hiute Exod
2141;
jâ rieten si dem chunige, / er hieze di lantliute /
den walt nider riuten. / [...] / dô îlte man vur
man, / die hêrren lantes grâven, / di der allez mite wâren, / si hiwen aine
wîte Kchr
16412;
Rûal und ander sîne man, / daz lantliut al gemeine, /
ob ir clage iht cleine / unde ir herzeswære / nâch ir trûthêrren wære?
Tr
5853.
8227.
15926;
StrKarl (S)
4819;
ein vrteil von des richs vursten, von grauen, von vrien vnd von
dienstman vnd von lantluten [Angehörigen des niederen
Adels] zo Osterriche vnd zo Stire UrkCorp
(WMU)
1003A,31
1.2
im Sinne von ‘(jmds.) Landsleute’ (oft mit Gen. bzw.
Poss.-Pron.):
der chunich Pharaô uernam, / Moyses habete erslagen einen man / der sîner
lantlûte Exod
325;
dar na suͦlen wir unse nagebure binden bit der minnen, / dar na suͦlen wir
unse lant lude minnen Lilie
58,31;
sin lantlute taten daz, / die juden mein ich, die uf in
/ wanten iren argen sin Pass I/II (HSW)
35466;
rihtet er [der Herrscher] niht wol in sînem
lant, / sîn lantliut tuont unreht zehant WälGa
9600.
9602;
Ottok
5136;
Iw
13;
AHeinr
1427;
swer des hilfet, ez si vatter oder muter, bruder oder
swester oder von swelher sippe er im gebunden ist, oder lantliuͤte
StRAugsb
150,21;
wan lop von lantliuten / sol nieman verkiuten
UvZLanz
8401
1.3
regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer
Landsgemeinde (zur Sache vgl. 2HRG 3,591ff.):
wir die lantlv́te von Clarus in dem ampte UrkCorp (WMU)
1157,21
u.ö.
2
selten ‘Leute vom Lande, Landbewohner’ (im Ggs. zur
Stadt):
alle disi reht hant die burgere von Strazburg vffen sich gesetzet vnd niht
vffe die lantlv́te UrkCorp (WMU)
N238AB,2,20;
beschehe in aber schade in vnser stat von den lantlúten ebd.
1681,11
MWB 3,3 875,22; Bearbeiter: Diehl
lantlop
stN.
‘landesübliche Einschätzung, Wertfestlegung’ (vgl. WMU 2,1084 zur
Einordnung des Belegs gegen DRW 8,492 s.v. Landlauf):
vnd daz korn sol man scheizen [schätzen]
entzwischin den zwein messcen [Messeterminen] alse ez
denne lantlop het UrkCorp (WMU)
251,46
MWB 3,3 876,12; Bearbeiter: Diehl
lantlôs
Adj.
auch lande-.
‘landlos, ohne Landbesitz (und damit rechtl. eingeschränkt)’
der lantlôse [La.
landelose
] Tristan, / dô der ze Curnewâle kam
Tr
5868
MWB 3,3 876,18; Bearbeiter: Diehl
lantlouf
stM.
→
lantlop
MWB 3,3 876,22;
lantmaget
stF.
‘junge, einheimische Frau’ (vgl.
lantvrouwe
):
uns ist ze mære sît gezalt / von dem der sî mit schaze galt / daz sî
[die landfremde Blanscheflur] dem baz gevalle / dan
dise lantmegede alle Flore (P)
3452
MWB 3,3 876,23; Bearbeiter: Diehl
lantman
stM.
Pl. i.d.R. lantliut(e), selten lantmanne.
1
‘Bewohner eines Landes, Mann aus einem Land’ (vgl.
lantgeselle
,
lantgenôʒ
,
lantvrouwe
,
lantwîp
) 1.1
‘Einheimischer, Einwohner’
1.2
‘(jmds.) Landsmann’ (z.T. mit Poss.-Pron.) 1.3 als Mitglied des Gerichts ‘Dinggenosse, Urteilsmann’ (vgl. DRW 8,505f. [I.3] mit weiteren jüngeren Belegen) 1.4 regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer Landsgemeinde (zur
Sache vgl. 2 HRG 3,591ff.) 2
‘Mann vom Lande, Landbewohner, Bauer’ (z.T. in betontem Ggs. zur Stadt)
1
‘Bewohner eines Landes, Mann aus einem Land’ (vgl.
lantgeselle
,
lantgenôʒ
,
lantvrouwe
,
lantwîp
)
1.1
‘Einheimischer, Einwohner’
patriota: lantman SummHeinr
1:305,527.
2:25,518
(vgl. AWB 5,633 mit weiteren Belegen aus dem 12.–14. Jh.);
der lantman mit dem gaste / von strite liten groz arbeit
Rennew
30062.
– nicht immer scharf abgrenzbar sind Aspekte von ständischer Zuordnung
und Gefolgschaft:
gezimirt was der lantman mîn, / daz nie kein ritter umb den Rîn /
gezimirt wart für wâr nie baz UvLFrd
208,29;
jst aber, daz ich oder mein erben [...] den
benanten dinst nicht dienent, so sol mir [...]
wandel vnd pvezz dar avf gen als ainem ainvaltign lantmann UrkCorp
(WMU)
2544,38.
– in Verbindung mit mâc
‘Gefolgsmann/ Landsmann oder Verwandter’ (hierher oder zu
1.2
, vgl.
man
4):
dô im nieman kunde gesagen, / weder lantman noch der
mâc, / wâ Lanzelet del lac / in der welte wære UvZLanz
5577;
ez wære lantman oder mâc Parz
434,14;
RvEAlex
1535;
unde vindet man niht irs vater mâge, so gebe man in
einen ir muoter mâge oder einen getriuwen lantman SpdtL
127,5;
StRAugsb
129,21
1.2
‘(jmds.) Landsmann’ (z.T. mit Poss.-Pron.):
lieber lantman, sprach er, /
[...] / ir sît mir liep durch daz lant / danne wir
beide sîn geborn StrAmis
1665;
diu bat in ie genôte, / daz er im êre bære, / wan er ir
lantman wære Tr
13152.
3935;
gein Bactrâ / dar dehein dîn lantman / künde nie hin
gewan RvEAlex
11463.
1075;
verwirfet der Swâp des Sahsen urteile oder der Sahse des
Swâbes, die sullen si für den künic ziehen; alsô tuo ein ieglîch lantman dem
anderm SpdtL
199,25
1.3
als Mitglied des Gerichts ‘Dinggenosse, Urteilsmann’ (vgl. DRW 8,505f.
[I.3] mit weiteren jüngeren Belegen):
swer sîn kint niht ziehen kan, / daz ziuht vil lîhte der lantman
Freid
108,14;
homines iudiciales [...] vulgariter dicitur
lantmanne DRW
8,505
(PublRhG. 38,1; a. 1332);
vur deme lantmanne und deme gerichte UrkGerKöln
390
(a. 1349)
1.4
regional terminologisch ‘Landsmann’ einer Schweizer Landsgemeinde (zur
Sache vgl. 2HRG 3,591ff.):
dc enkeiner vͥnser [des Kantons Schwyz] lantman
sinem wibe mache me danne halbes sin gvͦt UrkCorp (WMU)
N613,38
2
‘Mann vom Lande, Landbewohner, Bauer’ (z.T. in betontem Ggs. zur
Stadt):
do macht er [der verlorene
Sohn] sich zu ainem der da lantman waz, der sant in auf ainen sinen
hof, daz er siner swin huͤt PrOberalt
64,34;
dem keiser er warten solde / und solde sîne hulde hân, / er wær bürger oder
lantman ErnstD
1418;
Rennew
6154;
wer es ouch das dehein lantman deheinem unsserm ingesessenen oder
ussgesessenen burger soliche dinge verschribe UrkStraßb
4,2:143,36
(a. 1322)
u.ö.;
UrkCorp (WMU)
1100A,43.
1671,6;
Ernsten saget ein lantman, / daz grôzer walt und vinster tan / an irem wege
wære / und ungeverte swære ErnstD
4193.
– phras.:
ein altez sprichwort, / der lantman sî der wege wîs
Ottok
22278
MWB 3,3 876,28; Bearbeiter: Diehl
lantmannen
swV.
‘zum →
lantman
machen’
werdunt si [Söhne eines goteshûsman
]
aber gelantmannot, als dz su sich geschident vnd dz gut teillunt
WeistGr
1,312
(a. 1344);
sint aber du kint gelantmannot, ald usgen, ald usgescheiden, ald beraten, so
teilt eine mit dem andern nut ebd.
1,314
(a. 1344).
4,493
(a. 1383)
MWB 3,3 877,25; Bearbeiter: Diehl
lantmære
stN.
‘im Land umgehende Nachricht, öffentliches Gerede, Gerücht’ (vgl.
lantschal
):
nu was ein lantmære, / daz grôz urliuge wære / zAlmânje in
dem lande Tr
18443;
daz er eteswaz bevünde, / waz der lantmære / von sîner
vrouwen wære ebd.
18607.
8914.
9540;
swî gar ich unschuldech pin, / swenne ich mich sazte wider in, / so wuͤrde ein
lant mære, / daz ich vil schuldech wære StrKarl (S)
11321;
RvEWh
8859
MWB 3,3 877,32; Bearbeiter: Diehl
lantmarke
stF.
(vgl.
1marke
)
1
‘Grenze eines Landes’
2
‘Gegend, Region, ein von lantmarken abgegrenztes Gebiet’
1
‘Grenze eines Landes’
da sint gelegin nahe bi / die berge montes Riphei / und
Danais ein wazzir groz, / des fluz die lantmarke undervloz RvEWchr
2201;
ez sol niemen dhein vich chauffen, daz er ez auz dem land triben welle oder
uͤber di landmarch MGHConst
4,(2):1221,47
(a. 1300).
– im Pl. übergehend zu 2:
ob die selben lantlute von Ure, von Swytz ald von Underwalden deheinen
botten des abbtes ald des conuentes von dien Einsidellen ergriffen in ir
lantmarchen AbschEidgen
251;
dien Ungirn sint gesezzin / inwendig ir klûse tor / und
ir lantmarchin davor / windeschir lande vil RvEWchr
2555
2
‘Gegend, Region, ein von lantmarken abgegrenztes Gebiet’
ein andir lantmarche unde strich / vahit an als Tigris gat /
unz an Eufraten RvEWchr
1877;
an richeit und mit grozir wer / hat dirre lantmarche zil /
veste, guͦtis, lúte vil / in dirre marche fúr und widir ebd.
2622;
bi der Elbe hin ze tal / untz an das ende sint diu lant / dú
nidir Germania genant. / in dirre lantmarche / ist gelegin Tennemarche ebd.
2426;
[in der] lantmark, so Argoͤy heisset
StBZürich
103;
allen, die disen brieff sechent oder hörent läsen, kunden wier der landtamman
vnd die landleüthe von Vhry, daß [...] ihr leib vnd ihr
guott fridt sol han zuo vns von vnß vnd bei vnß sint [von nun
an] do in vnser gewalt vndt landtmarch UrkGraub
4:319,31
(a. 1319 (kopial))
MWB 3,3 877,41; Bearbeiter: Diehl
lantmassenîe
stF.
‘Gefolgschaft; Herren, die zum Gefolge gehören’, hier eher ‘Kämpfer,
Truppen aus der Heimat’ (vgl.
Tr
18901;
vgl. auch
lanther
sowie 2Okken, Tr. S. 36):
Tristan der schicte al zehant / sîne lantmassenîe / wider
heim ze Parmenîe Tr
18931
MWB 3,3 878,5; Bearbeiter: Diehl
lantmâʒ
stN.
ein landesübliches Hohlmaß (vgl. DRW 8,515f. mit zahlreichen jüngeren
Belegen):
due curie [...] soluunt omnes similiter siliginis
IIII modios et auene III modios lantmazze UrkFreisÖst
3,513
(a. 1316);
vîrczich meczen habern lantmaz ebd.
2,134
(a. 1324)
MWB 3,3 878,11; Bearbeiter: Diehl
lantmeister
stM.
der oberste Verwalter einer Deutschordensprovinz, v.a. bezogen auf den
Stellvertreter des Hochmeisters in Preußen (vgl.
lantkommentiur
):
brûdir Herman Balke genant / von dem dûtschin hûs irkant /
der êrste lantmeistir was / in Prûzinlande [
magister primus in
terra Prussie, Dusb. II,12]
NvJer
3613.
4451.
10323
u.ö.
MWB 3,3 878,17; Bearbeiter: Diehl
lantmenige
stF.
‘Bevölkerung eines Landes’
sych hub freuden uber schall. / di lantmenige uber al, /
ritter, pawrn, jung und alt / ergabe sich in sein gewalt. / ir land ward pestifftet
wider / mit pauwe, pesser dann sider HvNstAp
14005.
13483;
einen grôzen hof er gewan [Hoftag veranstaltete
er] : / diu lantmenege zuo im sluoc [kam
herbei]
UvZLanz
8383
MWB 3,3 878,24; Bearbeiter: Diehl
lantmünze
stF.
‘landesübliche Münze, im Land gebräuchliches Zahlungsmittel’ (vgl.
lantphenninc
):
vnd haben wir darvmbe von in enphangen zehen mark gvͦter lantmvͤnzze
UrkBrixen
288
(a. 1317);
wir wellen ouch daz yklich houf [Hof] der selben
stat Marienwerder sal geben sechs phenynge dirre lantmuncze vns vnd vnsern
nachkomenden UrkPreuss
2,209
(a. 1336)
MWB 3,3 878,32; Bearbeiter: Diehl
lantnamen (?)
swV.
‘(jmdn.) nach einem Land benennen’
Tyrus hyeß da [l.
daz
] reiche land, / von dem was der weygant / gelautt namett
[l. gelant namet (vgl. App.z.St.)] Tyrus: /
sein nam was Appolonius HvNstAp
451
MWB 3,3 878,40; Bearbeiter: Diehl
lantnære
stM.
→
lantenære
MWB 3,3 878,45;
lantphenninc
stM.
1
‘landläufige Münze’ (vgl.
lantmünze
) 2 Bezeichnung für eine Abgabe zur Befreiung von der Landgerichtsfolge, dem Landgerichtsdienst
1
‘landläufige Münze’ (vgl.
lantmünze
):
der eigen man mac niht gegeben [als
Morgengabe] wan ein schâf oder eine geiz, oder fünf schillinc
sîner lantphenninge SpdtL
96,16;
swer in panforsten wilt wundet oder vellet oder jaget der ist dem herren des
ez dâ ist schuldic ze geben driu phunt der lantphenninge SchwSp (W)
197,9.
117,8
u.ö.
2
Bezeichnung für eine Abgabe zur Befreiung von der Landgerichtsfolge, dem
Landgerichtsdienst:
do man von dem selben ganzen lechen alle jar dient gen Marichekch dreizzich
Wienner phenning ze lantphenning und nicht mer UrkPölt
416
(a. 1349);
imͤ [dem Landrichter] ist auch niement gepunten
darzü [zum Gerichtstag] ze gen nuer die lantphenning
gebent WeistÖ
9:510,2
(a. 1340)
MWB 3,3 878,46; Bearbeiter: Diehl
lantpredigære
stM.
‘Landprediger, Wanderprediger’
bruoder Berchtolt der lantbrediger kam einest zuo dem bischof Albracht vnt
fragte in vil dingen VierFragen
575;
do lebte der lantbredier bruͦder Bertholt der barfússe
OberrhChr
48,1
MWB 3,3 878,62; Bearbeiter: Diehl
lantpredige
F.
‘Landpredigt, auf dem bzw. im Land gehaltene Predigt’
diz ist des langen Luppoldes Hornburgs von Rotenburg lantpredige von der
werlde kummer Hornb
1,2
MWB 3,3 879,3; Bearbeiter: Diehl
lantrëht, landesrëht
stN.
‘Landrecht’ (zur Sache vgl. 2HRG 3,552-559 sowie
differenzierter und mit zahlr. weiteren Belegen DRW
8,547-555)
1 meist ‘in einem Land, Herrschaftsgebiet geltendes Recht’ (z.T. im Ggs. zum Röm. Recht oder städt. Rechtskodifizierungen u.ä.) 2 aus dem hervorgehende Rechtsverhalte 2.1 bezogen auf den persönlichen Rechtsstatus und Rechte des Einzelnen 2.2 bezogen auf weitere Aspekte 3 das nach dem verhandelnde Gericht, sein Bezirk und seine Urteile (neben DRW 8,553f. vgl. auch FWB 9,183ff. mit jüngeren Belegen)
1
meist ‘in einem Land, Herrschaftsgebiet geltendes Recht’ (z.T.
im Ggs. zum Röm. Recht oder städt. Rechtskodifizierungen u.ä.):
consules autem non iudicabunt secundum ius provincie, quod dicitur landreht,
sed secundum veritatem et statuta civitatis subscripta UrkStVerf
103
(a. 1214);
der bâbest der enmac dehein reht gesetzen dâ mit er unser
lantreht und unser lêhenreht müge geergern SpdtL
85,9;
daz ist weder gotes reht noch lantreht ebd.
190,13.
225,15
u.ö.;
vnd vurzieh ich [...] alles des rethtes vnd aller der
ansprache [...] vnd gemeinlich alles des rethes, es si
geislich oder wertlich, stette reth oder lantreth, gescriben reth oder gewonheit
UrkCorp (WMU)
1600AB,42;
daz ich [...] han ze chovffen gegeben den gaistlichen
vrowen ze Stvdenitz vierdhalbe hvbe [...] fvͦr rehtez eigen
[...], vnd sol ich ins schermen nach landes reht
[
secundum communem prouincie iustitiam
(2579A,41)]
ebd.
2579B,39.
3524,15.
N238A,16
u.ö.;
wie si nâch Rômæren / loys
[Recht] unde lantreht solten wegen, / wies ir gerihtes
solten pflegen Tr
5995.
11041.
18244;
[der sechste Lehrer] lartin [lehrte ihn (den
jungen Alexander)] ze dinge sitzen / und lartin,
[...], / wî er von dem unrehten beschiede daz rehte, /
und wî er lantreht bescheiden kunde / allen den er is gunde SAlex
250;
Ottok
40785;
KvWTroj
17974
2
aus dem ~ hervorgehende Rechtsverhalte
2.1
bezogen auf den persönlichen Rechtsstatus und Rechte des
Einzelnen:
wan iz umi geit an sienin liep undi sieni eri undi sien
lantrecht Mühlh
105,28.
120,8
u.ö.;
münchet man ein kint daz under siben jâren ist, vert ez
under vierzehen jâren ûz, ez behaltet lêhenreht unde lantreht und allez daz ez
erben solte SpdtL
103,2;
UrkCorp (WMU)
51,42;
gip her und lâz dîn lantreht: / ine wil niht langer sîn
ein kneht, / ich sol schildes ambet hân Parz
154,21
2.2
bezogen auf weitere Aspekte:
dar zvͤ gelob ich, das selb gvͤt zWaltprehtstorf mit niht zverchern
[durch nichts zu verändern] vntz an das zil des
rehten lantsrehts [der nach dem Landrecht gültigen
Frist]
UrkCorp (WMU)
2905,11;
loykint her [der Beklagte] obir im
[dem Kläger] , so sal her im das lanrech
[den Beweis nach Landrecht] tun an dem dritten
tage UrkSchlesSt
509
(a. 1324);
eine ame wingulden [...] von dem siebendem deile,
daz die wingarten da geldent, daz man nennet lantrecht UrkMoselQ
507,26
(a. 1349)
3
das nach dem ~ verhandelnde Gericht, sein Bezirk und seine Urteile
(neben DRW 8,553f. vgl. auch FWB 9,183ff. mit jüngeren Belegen):
ein lantrecht vuͦrderen over di selven unrechten lude MGHConst
6,1:107,20
(a. 1326)
MWB 3,3 879,7; Bearbeiter: Diehl
lantrëhtære
stM.
Mitglied eines Gremiums erfahrener Männer der Dingversammlung, das den
vorsitzenden Richter bei der Urteilsfindung unterstützt (vgl. mit älteren Belegen
AWB 5,634 und DRW 10,1048 s.v. Rachinbürge) oder allgem. ‘jmd., der
nach Landrecht richtet’ (?):
rachinburgius: lantrehtari, lantscribere SummHeinr
1:287,253.
2:19,372.
2:448,181.1;
unserre lantrehtære [Gen.Pl.] tihten / vristet dâ
[beim Jüngsten Gericht] niemans klage, / wan er
[Christus] wil dâ zestunt rihten: / sô ist ez an dem
lesten tage. / und swer deheine schulde hie lât / unverebent, wie der stât / dort,
dâ er pfant noch bürgen hât Walth
16,15.
–
‘jmd., der in einem Land (irreführend) redet und rechtet’ in der Hs. neben →
lantrihtære
und →
lanttriegære
zur Übersetzung von rhetor der
lat. Vorlage (vgl. Anm. z. V. 10786, in der als Erklärung eine gedankliche
Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten vermutet wird - vom Ed. teilweise
ersetzt):
er hâte grôze swære / daz sîne lantrehtære / sus wâren überwunden
LBarl
11893;
nu sage von dînen wîsen, / wâmit wiltû die prîsen, / waz wiltu sagen mære /
von dînen lantrihtæren [Hs. lantrechteren
] ? /
got hât der selben wîsheit / gemachet gar ze tôrheit ebd.
13589.
– Lit.: Reiner Hildebrandt, Summarium Heinrici: Der Rachinburgius ist ein
Landrechter, in: Sprache und Recht. FS Ruth Schmidt-Wiegand, Berlin/ New York 1986,
S. 246–262; ders., Der Wort-‘Schatz’ des Summarium Heinrici, in: Historische
Wortforschung Bd. 1, Berlin/ New York 1986, S. 40–58, hier S. 40–43
MWB 3,3 879,63; Bearbeiter: Diehl
lantrëhtbuoch
stN.
‘Aufzeichnung des Landrechts’ (vgl. DRW 8,556f. mit jüngeren Belegen, zur
Sache 2HRG 3,559ff.):
hie hebt sich an daz lantrehtbuch StRAugsb
10,1;
die vürsten klageten im [dem Papst] über den künic
daz er niht rihte, als im diu lantrechtbuoch seiten PKchr
197,5.
– bezogen auf den Landrechtsteil des Schwabenspiegels:
ditz puͦch ist nicht wan von werltlich gericht dar vmb haizet ez daz lantrecht
buͦch. wan diseu recht an disem buͦch sint in allen landen redleich vnd gewer
SchwSpK
1,39 (Kt);
da sol er [der Kaiser] vmb sehen an daz lantrecht
puͤch. dar an vindet er welh pischolf mit dem swert gerichten muͦge oder nicht
ebd.
2,277 (Kt);
der keiser sprach: ‘[...] wir geben die wal drin
erzebischoven unde vier leienvürsten.’ [...] welhiu ambet
suln haben und wer si sin, daz seit uns daz lantrehtbuoch bescheidenliche
PKchr
179,21
MWB 3,3 880,30; Bearbeiter: Diehl
lantrëhten
swV.
‘(nach Landrecht) prozessieren’
alsam ist ouch umbe den man / der deheine kunst enkan / wan lantrehten nâch
gewonheit, / der weiz niht des wîstuomes breit, / weder sîn tiefe noch sîn hô / und
wænet volkomen sîn also WälGa
8987;
lantrehten nâch gewinne ebd.
8707.
– übertr.:
diu sele vorderet so getan spil; / unde ire daz vor allen
dingen ist suozze, / daz si mit ire gote so unde sus lantrehten muozze
Himmelr
3,8
MWB 3,3 880,48; Bearbeiter: Diehl
lantreise
stF.
Kriegszug mit der Verpflichtung zur Teilnahme aufgrund der Heerfolgepflicht (vgl.
DRW 8,560f. mit jüngeren Belegen):
der meijer sol ovch dem vogte geben die koste, [...]
wanne er ein lant reise von eins riches wegen vert vnd da vͥbernacht wil sin
UrkAargau
2,2:146,20
(a. 1331)
MWB 3,3 880,57; Bearbeiter: Diehl
lantreister
stN.
hier wohl ‘Vorsteher einer Ordensprovinz’ (vgl.
reister
):
want zuletst der meistir / daz veige lantreistir / (ich meine
noch Bertolde) / intsatzte, als er solde NvJer
16588
MWB 3,3 880,63; Bearbeiter: Diehl |