lantsilber
stN.
‘Silberwährung eines Landes’ (vgl.
lantmünze
;
lantphenninc
und DRW 8,633 mit weiteren Belegen):
daz der vorgenante herre von Volde sal den zwein gebruͦdern
[...] geben [...] zweinzik
mark silbers, daz da heizet lantsilber UrkCorp (WMU)
1254,28
MWB 3,3 886,42; Bearbeiter: Diehl
lantsite, landessite
stM.
‘Landessitte, Landesbrauch’
her sach dâ sitzen unde stân / manege maget wol getân / und manech wol getânez
wîb / die wol heten ir lîb / gezieret nâch ir lantsiten En
12861;
woldestu mich dînen lantsite / lêren, daz dient ich umb dich
PleierMel
5034;
UvZLanz
265;
Tr
2828;
daz si solden walten / ir lantsit und ir alten reht
Ottok
1701;
dâ von sol man dem rihter dienen; daz ist etwâ lantsite und
etwâ niht SpdtL
116,5;
so welle wir [...] daz selbe lehen verantwurtten an
aller stat vnt sin sherm vnd gewern sein vor allem reht ainz vnd dreizzich iar vnd
ain tach nach lands sit, als aigens reht ist UrkCorp (WMU)
3365,19
MWB 3,3 886,48; Bearbeiter: Diehl
lantsnat
F.
‘Grenzstein’ (vgl. s.v. schnat DRW 12,961f. mit jüngeren Belegen
und DWB 9,1143; vgl. auch Schiller/ Lübben 4,269 snât):
sullen sie alle vorbenomte grunde mit landschnaden besetten DRW
8,613
(Wallraf; a. 1301)
MWB 3,3 886,62; Bearbeiter: Diehl
lantsnëcke
swM.
‘Landschnecke’
ez sint vierlai sneken. die êrsten sint lantsneken, die auf
dem land wonent, in den gärten und in den wälden BdN
258,27
MWB 3,3 887,3; Bearbeiter: Diehl
lantsprâche
stF.
1
‘Landessprache, in einem Land gesprochene Sprache’ (vgl.
lantwort
) 2
‘beratende Versammlung eines Landes, Landtag’ (vgl. DRW 8,634f. mit
jüngeren Belegen; s.a.
lantgerihtgespræche
und
lantvrâge
)
1
‘Landessprache, in einem Land gesprochene Sprache’ (vgl.
lantwort
):
dazs aber alle stille swigen, / dem lantgesinde rede
verzigen, / daz geschach durch die geschiht: / sin kunden der lantsprâche niht
Tr
10874.
8701;
alsus saztin der kúnig fúr / al die sine ubir al sin lant,
/ in der lant sprahe er wart genant / des landes behaltêre RvEWchr
7429;
owê der lantsprâche, / in der mîn künne wart geborn! / die
muoz ich leider hân verlorn / und fremde zungen üeben KvWTroj
22616;
Renner
22287
2
‘beratende Versammlung eines Landes, Landtag’ (vgl. DRW 8,634f. mit
jüngeren Belegen; s.a.
lantgerihtgespræche
und
lantvrâge
):
do wart ein lant sprage / gebodin hin zo Ache / dar uil
manich urome man / mit sime her gesellen quam Roth
5010.
5033.
5079
MWB 3,3 887,7; Bearbeiter: Diehl
lantstecke
swM.
→
lendestecke
MWB 3,3 887,23;
lantstiure
stF.
‘in einem Land erhobene Steuer’ (vgl. differenzierter und mit weiteren
Belegen DRW 8,640f., zur Sache vgl. 2HRG 3,460ff.; s.a.
lantbëte
):
wann daz geschicht, daz ein lantstevr auf vnser læut gelegt wirt von
geistlichen oder von werltlichen fuͤrsten UrkEnns
6,323
(a. 1340);
wir sulen auch den hof und den swaige [Hof mit
Milchvieh] besetzen und entsetzen und ob wir ain lansteur
auflegend wurden, die sulen uns der mayer und der swaiger geben DRW
8,640
(Szaivert,TirolKanzleibuch; a. 1319)
MWB 3,3 887,24; Bearbeiter: Diehl
lantstrâʒe
F.
‘Landstraße’, mit besonderem Friedensschutz ausgestattete überregionale
Straße (vgl. DRW 8,643ff. mit weiteren Belegen):
diu lantstrazze sol sin als wit daz ein wagen da wol gen mak
unde daz man dannoch dernaeben wol geriten unde gen mak StRAugsb
184,6;
so het er inen geben sin mattún, dú heist dú stokmatte vnd stost an die
lantstrasse UrkCorp (WMU)
1330,3;
swer zölle wil ze rehte pflegen, / der sol ze brücken und ze stegen, / ze
wazzers nœten und ze lantstrâzen / den nuz der zölle mit triuwen lâzen
Renner
9250;
dartzuͦ hett ich verlorn die weg / und reit durch alle hurst und
heg, / biß ich uff einen anger kam, / da ich ein lant sträß vernam, / der ich ward
von hertzen frö MinneR 66
16;
SHort
6456;
GTroj
12577.
– als Richt- und Gerichtsstätte:
ist der strâzroup niht wan fünf schillinge wert, sô sol man den strâzrouber
dar umbe henken. niht an den gemeinen galgen: man sol einen galgen rihten ze der
lantstrâzen SchwSp (W)
39,17;
wan der vorgenande aker morgengabe was der vorgenanden vrowen Adelhaiden,
[...] so hat si sich sin enzigen [darauf
verzichtet] ze Elgowa uffe ainer offener lantstraze vrilich und
unbetwungenlich, reht und redelich und ane alle geverde UrkZürich
8,1
(a. 1304);
UrkCorp (WMU)
651,32
MWB 3,3 887,35; Bearbeiter: Diehl
lantstrît
stM.
Kampf zweier Heere (im Gegensatz zum Einzelkampf, vgl.
einwîc
und
lantvëhte
):
berâtet iuch und saget mir, / weder iu lieber sî getân; / an
swederz ir iuch wellet lân, / an kampf oder aber an lantstrît Tr
6381;
Tristan sprach: hêrre, ist iuwer muot / zeinem lantstrîte
guot, / sô kêret umbe zehant, / [...], / besendet iuwer
ritterschaft, / besamenet alle iuwer craft / und kumet her wider ebd.
6408.
6393
MWB 3,3 887,61; Bearbeiter: Diehl
lantsuht
stF.
1
‘Seuche’
2
‘Schmerzen in der Lende, Seite; Hüftschmerzen, Nierenleiden’ (vgl. AWB
5,638 mit weiteren und Riecke, Med. Fachspr. 2,380; s.a.
lankeswër
)
1
‘Seuche’
wan iz sal ûf stên ein diet wider diet und ein rîche wider rîche, und iz
werden lantsuchte [
pestilentiae
] und huͦngir
und irschreckunge von dem himele und bewegunge der erden ubir di stete
EvBeh
Mt 24,7.
Lc 21,11
2
‘Schmerzen in der Lende, Seite; Hüftschmerzen, Nierenleiden’ (vgl. AWB
5,638 mit weiteren und Riecke, Med. Fachspr. 2,380; s.a.
lankeswër
):
synochus: lantsuht [Hs. A]
SummHeinr
2:488,01.31;
im Ahd. überw. als lancsuht (vgl. AWB 5,624 s.v.
[h]lancsuht mit weiteren Belegen):
dolorem renum: lanchsuht HvBPhys
1:109,12
MWB 3,3 888,6; Bearbeiter: Diehl
lantsuone
stF.
Aussöhnung zwischen kriegführenden Ländern:
dâ wâren aber genuoge vrô / durch die lantsuone mêre / dan
durch Tristandes êre Tr
10789
MWB 3,3 888,18; Bearbeiter: Diehl
lantsweifære
stM.
‘Herumziehender, Landstreicher’ (bezogen auf Mönche, die das Gebot der
stabilitas loci nicht befolgen):
so ist denne dv vierdeslahte mvnchon die heizent
lantswefferre [
girovagum
] . die allis ir
leben dvr allu dv lendir loͥffint. [...]. vnde sint alzan
witsweͥfe noch incheinest stete BrEng
1
MWB 3,3 888,22; Bearbeiter: Diehl
lanttac
stM.
festgesetzter Gerichtstag eines Landgerichts unter Vorsitz des vom Landesherrn
bestellten Landrichters, ‘Landgericht’ (vgl.
lantdinc
,
lantgedinge
,
lantgerihte
,
lantrihte
und
lantteidinc
, mit weiteren Belegen WMU 2,1087f. und DRW
8,650ff. sowie zur Sache 2HRG 3,611ff.):
vnde ist diz vf einem lant gerihte der rihter sol dem gebieten. der in der
ahte waz. daz er kome ze drin lant tagen. ob ieman welle clagen vf in. daz er dem
antwvͥrte SchwSp
55a;
daz die burger von Vriburg jn Briscowe vor vͥns an eim offin
[öffentlich zugänglichen] lantage wurden an
gesprochen vmbe jr vriheit UrkCorp (WMU)
289,4;
ich Cunrat von Gundelfingen der lantrihter [...] saz
zi gerihti an dem lantdagi zi Kannistat zi Staini WeistGr
6,310
(a. 1300);
ze hof und uf den lantagen SHort
8142
MWB 3,3 888,29; Bearbeiter: Diehl
lanttagedinc
stN.
→
lantteidinc
MWB 3,3 888,45;
lanttavel
F.
‘Grundbuch’ (zunächst nur für landständische Liegenschaften, vgl. DRW 8,648
mit zahlreichen jüngeren Belegen; zur Sache vgl. 2HRG 3,610f.):
haben sie den cheinerley beweysung, es sey lanthtafel odir andir beweysung,
das sullen sie vor dem rate weysen StRPrag
82
u.ö.
MWB 3,3 888,46; Bearbeiter: Diehl
lantteidinc
stN.
‘oberste Gerichtsversammlung eines Herrschaftsgebietes, -bezirks;
Landgericht’ (vgl.
lantdinc
,
lantgedinge
,
lantgerihte
,
lantrihte
,
lanttac
; mit zahlreichen weiteren Belegen WMU 2,1088 und
DRW 8,661f. sowie zur Sache 2HRG 3,611ff. s.v. Landtag):
iudicio prouinciali, quod vvlgo lanttaidinch dicitur UrkWSchott
74
(a. 1287);
ein marggrafe von Burgawe der sol rihten den burgern dem armen
unde dem richen uf sinen lantteidingen swaz si im clagent daz in geschaehen ist mit
raube, mit brande, mit haimsuche, umbe aigen, umbe lehen, umbe gulte unde daz in
geschaehen ist in siner grafschefte, nah des landes rehte StRAugsb
12,4;
SpdtL
188,23;
er gebôt unde ruof [rief ein] /
lantteidinc nâch der herren rât Ottok
23286;
der gerihtes wær bereit / driu lantteidinc in dem jâr / und liez diu
hofteidinc gar / und setzte rehte lantrihtær Helbl
2,757;
des selben chrieges wart paidenthalben [von beiden
Parteien] gedinget fvr die landesherren in daz lanttaidinch
UrkCorp (WMU)
2802,4
u.ö.
– bezogen auf den Ort des Gerichts:
in placito G., quod vulgo lanttegdinch dicitur SchweizId
12,441
(Gfd(L); a. 1256);
H. dictus de M. judex in Vilshofen, loco nobilis de Hals iudicis provincialis
tunc temporis existentis praesidentes in Chriechstorf quod uulgariter lantteidinch
uocatur DRW
8,662
(Rockinger; a. 1265)
MWB 3,3 888,52; Bearbeiter: Diehl
lantteil
stM.
‘Grundstücksabgabe’ (vgl. DRW 8,662f. mit jüngeren Belegen):
daz ich an daz closter [...] disiv eigen vnde disiv
guͤter vnde diz gelt [...] geben han
[...]: ze Mv̂lnowe nv́n stuke,
[...], ze Nider Riedern den lantteil UrkCorp
(WMU)
1982,12
MWB 3,3 889,16; Bearbeiter: Diehl
lanttier
stN.
‘Landtier’; Tier, das auf dem Land lebt:
daz tier ist [...] des êrsten ain
wazzertier, [...]; dar nâch verändert ez sein nâtûr und
verkêrt sein gestalt aller ding und gêt auz dem wazzer und wirt ain lanttier und
nert sich after des auf dem land BdN
231,15.
14,16.
257,17
MWB 3,3 889,22; Bearbeiter: Diehl
lanttriegære
stM.
Betrüger an einem ganzen ‘Land’ (nur LBarl , in der Hs. neben →
lantrëhtære
und →
lantrihtære
zur Übersetzung von rhetor der lat.
Vorlage; vgl. Anm.z. V. 10786, in der als Erklärung auf eine gedankliche
Gleichsetzung des Rhetors mit Sophisten verwiesen wird - vom Ed. durchgängig
ersetzt):
Nachor der vil alte man / dem was vil harte unmære / swaz sprach der
lantrihtære [Hs. lant trigere
] ; / er en wolt
im antwurten niht, / sîn rede dûht in gar enwiht LBarl
10840;
doch brâht in der künc innen / mit vil gefuogen sinnen / daz im daz liep wære,
/ daz er die lantrihtære [Hs. lantri#;e gere
]
/ sich lieze überwinden ebd.
11617.
10786.
10819
MWB 3,3 889,28; Bearbeiter: Diehl
lanttwingære
stM.
1
‘Unterdrücker’ ; jmd., der ein Land und dessen Einwohner unterdrückt 2
‘Landschädiger’ ; jmd., der auf dem Land oder in einem Land Verbrechen begeht (vgl. DRW 8,705f. mit jüngeren Belegen)
1
‘Unterdrücker’; jmd., der ein Land und dessen Einwohner unterdrückt:
swenne ein lanttwinger an siht / sîn bürge, sîn lant, sô dunkt in niht / daz
ieman ûf erden sî sîn gelîch Renner
6911
2
‘Landschädiger’; jmd., der auf dem Land oder in einem Land Verbrechen
begeht (vgl. DRW 8,705f. mit jüngeren Belegen):
wir verbieten allen holzgeær [Landstreicher; Verbrecher, die sich
im Wald aufhalten] und allen lantwinger als schedlich laut
[l. leuten
] landen und leuten
[(den Aufenthalt) in diesem Herrschaftsgebiet] und
gebieten, daz man ir nachschrey und nachfolge als schedleichen lauten
[l. leuten
]
UrkSalzb
4,383
(a. 1328)
MWB 3,3 889,42; Bearbeiter: Diehl
lanturliuge, landesurliuge
stN.
‘Krieg im Land’
were och dc, dc lant vrlvͦge were oder missewehse, dc vns nit wrde, so sin wir
oh nit schvldig ze gebende UrkCorp (WMU)
1471,24;
were das, das lant vrlúge vskeme, so sol [...] her
Chuͦnrat so vil schaden liden, als vil [...] dú eptischin
vnd der samnug kosten hant erlitten vmb das lipgedinge ebd.
1330,14;
ez si danne, daz schvͦr [Unwetter] oder biseze
[Misswuchs] oder landes vͤrlevge choͤme, so soͤlte
wir den schaden mit in tragen ebd.
3404,19;
UrkAsb
145
(a. 1335)
MWB 3,3 889,56; Bearbeiter: Diehl
lantvarære
stM.
‘Landfahrer, Landstreicher’; jmd., der als Nichtansässiger, Fremder durch
ein Land zieht:
ir sint ein lantfarære / und werbent hie und minnent dort
Reinfr
3300;
hie nach durch fuͦr der ritter guͦt / vil manig land mit fryem muͦt, / da er
vormals nit waz gesin, / da fuͦr er ritterlichen hin / mit einer ritterlichen schar.
/ [...] / die sprachent, daz er waͤre / ein rehter
lantfarere Staufenb
610;
KvWEngelh
2830;
SHort
6619;
ez ensol dehein lantvarær niht lenger in deheiner gebiet sin, wan uͤntz er dri
hohzeit [Festlichkeiten] zuͦ iem nem; fuͤrbaz ist er auz
dem frid MGHConst
4,(2):1223,9
(a. 1300).
–
die grôjerære [d.i. kroijierære,
Herolde (als Fahrende)] , / die sich nennent lantvarære
Ottok
74978.
– Lit.: Ernst Schubert, Fahrendes Volk im Mittelalter, Bielefeld
1995
MWB 3,3 890,3; Bearbeiter: Diehl
lantvastetac
stM.
‘festgeschriebener Fastentag’
dv vaste werde von deme priore gebrochin durch den gast· ez en si ein
lantvastetac [
nisi forte praecipuus sit dies
ieiunii
] . den man cebreche nit mac BrHoh
53
MWB 3,3 890,19; Bearbeiter: Diehl
lantvëhte
stF.
Kampf zweier Heere (vgl.
lantstrît
):
und ensolte dirre schande / nieman anders widerstân, / ezn
müese mit einwîge [im Einzelkampf] ergân / oder aber mit
lantvehte Tr
5969
MWB 3,3 890,24; Bearbeiter: Diehl
lantveste
Adj.
‘auf sicherem Grund’ (vgl.
lantveste
1; anders FWB 9,136, das sin als Pron. auf den Teufelsbündler
Theophilus bezieht ‘im sicheren Glauben der Verfügung über eine
Person’):
ich sage waz der tubel tete: / her wande sin gar lantveste
Brun
6231
MWB 3,3 890,28; Bearbeiter: Diehl |