lancbeiten
stN.
‘Beharren, Langmut’
di virde frucht [des Hl. Geistes]
ist gedult in widermude. di funfte ist lancbeidin in hoffenunge [vgl.
longanimitas Gal 5,22] . di seiste ist gude
Parad
71,29
=
HvFritzlHl
183,8
MWB 3,2 850,60; Bearbeiter: Tao
lancbeitic
Adj.
‘geduldig’
doch ist das guͦt alter gerne langbeitig und es getrúwet got
alleine Mechth
7: 3,14
MWB 3,3 851,1; Bearbeiter: Tao
lancbeiticheit
stF.
‘Beharrlichkeit’
wie wir got liden súllent in allen sinen goben, in allen
sinen búrden mit rehter langbeitekeit Tauler
395,4;
mit gedultiger volhertlicher langbeiticheit EngelbTr
71
MWB 3,3 851,4; Bearbeiter: Tao
lancbeitsamkeit
stF.
‘Beharrlichkeit’
wie man die geburt [Gottes (in der
Seele)] suͦchen sol und vinden muͦs in dem liehte der gnoden mit
undergange des natúrlichen liehtes durch langbeitsamkeit in den begerungen
Tauler
20,17
MWB 3,3 851,8; Bearbeiter: Tao
lancbeitunge
stF.
‘das Ausharren, Langmut’
di ungwenta [vgl. unguentum Ct
4,10]
[...] / ist lang beitunge an der
stunde / und vorchtnisse aller sunde Brun
12175
MWB 3,3 851,13; Bearbeiter: Tao
lancgemüete
stN.
‘Langmut’
die reinen vruht / der rehten werke: daz ist zuht, / minne,
vreude, vride, güete, / triuwe, milte, lancgemüete, / enthabunge, gedultekeit /
gotlîcher arbeit, / und daz man gedenke niht / ze übel der übelen geschiht
RvEBarl
4046
MWB 3,3 851,17; Bearbeiter: Tao
lancheit
stF.
‘Länge’, bezogen auf die Zeit:
swen des tages verdriuzet und im diu zît lanc ist, der kêre sich in got, dâ
kein lancheit enist, dâ alliu dinc inne geruowic sint Eckh
2:82,2;
sant Augustinus sprach: ‘es engelit nút an langheit der zit
noch an vilheit der werke, sunder an grosheit der minne’ Tauler
338,22;
daz funfte: daz die langheit des dinstes gotis oder di hertikeit
in [den Menschen] nimer verdrize, sunder iz luste in
io mêr und mêr HvFritzlHl
96,23
MWB 3,3 851,23; Bearbeiter: Tao
lanchûs
stN.
‘Kirchenschiff’
ditz heilige gotes hûs daz hat vier wende enzwai getailt. daz uzer tail daz
haizet ein lanchus, daz inner tail daz haizet ain chor. in dem lanchûs da stent die
laigen inne, in dem chor da stet diu pfaffhait unde der altær inne Konr
(Sch)
97,31f..
–
‘einem Kirchenschiff ähnlicher, länglicher Raum eines Spitals (mit einer
Kapelle)’, in unklarem Kontext:
wer aber, daz der spitalmeister oder sein hausvraw oder diener oder dienerinn,
die in das lanchovs nicht gehoͤrent, stuͤrben, sprechen wir, daz die an messe werden
getragen zu dem chloster, vnd daz in da recht wvrd begangen. swelich siech aber in
dem lanchovs stirbet, daz der bei der messe da inne steͣ, vnd daz man in darnach zu
dem vreythof trage, vnd in da begrab UrkKlostern
1,302
(a. 1344)
MWB 3,3 851,33; Bearbeiter: Tao
lanclëben
stN.
‘langes Leben’
Matusalemes lanc leben Lucid
153,4;
er [Gott] wolt
im [Salomon] eine gabe geben: / daz er næme lanc leben
/ ode wisheit ode rihtuͦm / ode daz er næme den ruͦm StrKD
123,4.
137,197.
166,101;
daz vierde gebot: dû solt êren dînen vater unde dîne muoter, daz dû lancleben
habest PrBerth
1:275,20;
an gesuntheit des lîbes und an lanclebene ebd.
1:35,26;
als got sprichet: ‘wider gebt / die zît iuwers lanclebens’
Helbl
9,59;
mir behaget diu werlt niht sô wol; / [...] ir süezer
lôn ein bitter nôt, / ir lanclîp [La. lang
leben
] ein gæher tôt AHeinr
712;
PrHess
66,262;
Dalimil (B)
68,271
MWB 3,3 851,49; Bearbeiter: Tao
lanclëbic
Adj.
‘lange lebend’
bistu [...] rîch als Krêsus der rîche man, /
lanclebic als Matûsalam Renner
21019
MWB 3,3 851,62; Bearbeiter: Tao
lanclîbe
Adj.
‘lange lebend’
erre vatter und die muͦter din: / da von solt du langlibe sin
/ und wirt uf erde dir gegebin / deste langer werdes lebin RvEWchr
11685
MWB 3,3 852,1; Bearbeiter: Tao
lanclich
Adj.
‘lange dauernd, lang’
lenglicher [diuturnior]
ThvASu
158,19
MWB 3,3 852,5; Bearbeiter: Tao
lanclîdicheit
stF.
‘Langmut’
die dritten drî vrühte [des Hl. Geistes] die
ordenent den menschen gegen zuokünftiger lîdunge. diu êrste ist gedult
[...]. daz ander ist lanclîdicheit, daz der mensche
keine wege suoche ûz den lîdungen. daz dritte ist süezgemüete Eckh
4:105,35
(vgl. Gal 5,22)
MWB 3,3 852,7; Bearbeiter: Tao
lanclîp
stM.
‘langes Leben’
jâ gebôt er unde bater / daz man muoter unde vater / minne und êre biete, /
und geheizet daz ze miete / daz der sêle genist werde / und lanclîp [La.
ein lanch leben
] ûf der erde AHeinr
646.
712.
1514;
er lobte si zen wîbe / ze liebem lanclîbe KlageB
1818;
mîn lanclîp ist mîn gæher tôt ZwBüchl
116;
diu werlt nâch lanclîbe strebt Freid
177,5
(=
Renner
23815
)
MWB 3,3 852,13; Bearbeiter: Tao
lancmüete
stF.
‘Langmut’
si [Maria] lêrte si heilige minne
unde reinen gedanke unde dc lûthere gewizede unde die weide der inren sinne vnde
wolwillicheit vnde lancmuote TrudHL
16,27
MWB 3,3 852,21; Bearbeiter: Tao
lancmüetic
Adj.
‘langmütig’
die mit lanngen drittenn gant, die sint langkmüetig und
geschäftigk HvHürnh
76,27
MWB 3,3 852,25; Bearbeiter: Tao
lancmüeticheit
stF.
‘Langmut’
den gaist behuͦtet dir lancmuͦtikhait TrudHL
147,16;
[wir] svlen vns an allen dingen erzaigen as gotes diener,
an grozer vnd volkomen tvltikait, [...] an arwait, an
wachen, an vasten, in kvschait, an wieshait, an langemvͤtigkait [vgl.
in longanimitate II Cor 6,6]
SpitEich
42,20;
der lilien stam he is ouch lanc. an der langede vernom eine duget, die heizet
lancmudicheit, ave [oder] volherdunge
Lilie
5,15;
das lossent sú sime goͤtlichen willen in einre gelossenre
gebeitsamer langmuͤtikeit Tauler
23,22
MWB 3,3 852,28; Bearbeiter: Tao
lancort
stNM.
eine Hut (schützende Grund-, Ausgangsstellung) im Schwertkampf, bei der Arm und
Klinge in einer Linie (meist zum Gegner hin) ausgestreckt sind (s. Glossar S.
164):
illa vltima custodia, que nuncupatur langort Fechtb
2;
hic iterum resumitur prima custodia [...], que
obsedetur cum quodam contrario quod dicitur langort ebd.
12;
nota quod hic est alia custodia, videlicet superior langort ebd.
41;
cuius custodie [der vierten Hut] obsessio erit
specificatum langort sacerdotis ebd.
61
u.ö.
MWB 3,3 852,39; Bearbeiter: Tao
Lancparte
swM.
→ Lamparte
MWB 3,3 852,50;
lancphëffer
stM.
s. a. →
lanc
Adj. 1.1.4 und →
phëffer
.
Bezeichnung für den Stabpfeffer, Piper longum L. (vgl. Marzell 3,793 und LexMA
6,2027), zwei Glossenbelege d. 14. Jh.s s. AWB 5,624
MWB 3,3 852,51; Bearbeiter: Tao
lancræche
Adj.
‘unversöhnlich’
jâ ist vil lancræche des künec Etzelen wîp
NibB
1461,4;
er was lancreche, / als daz wol schin wart / an der langen
heruart Herb
2954;
suelre ist calter unde nazer nature, der redet uil vnde ist
lancreche vnde uerseit lihte Lucid
50,12;
sô ist der mensch flecmaticus; [...]
der ist lanchræche unde swîget gerne Barth
128,14.
– im Bild des Hausbaus:
er [der Kaiser] hât der nagel grôzen hort: / swaz
man im löcher vor gebort, / diu vüllet er mit lancræcher wâge [als Bild
der Gerechtigkeit]
RvZw
137,12
(vgl. Anm z.St. mit Verweis auf WernhSpr (Z)
42)
MWB 3,3 852,55; Bearbeiter: Tao
lancræche
stF.
‘Unversöhnlichkeit’
ich begihe dem almahtigim got, daz ich mich versundet han mit
nîde, mit hazze, [...] mit zorne, mit lanchrâche,
[...]
Spec
4,8;
durch unser broͤde sein wir in diu suͤnde gevallen
[...], alsam diu manslecht, uͤberhuͦr,
[...] nit, girischheit, lanchrache, trunchenheit
PrOberalt
116,22;
daz ir iuch behuͤtet vor unrehtem zorn und vor lanchrech
PrMetten
204,13. 16;
SüklMill
48,7
(Hs.)
MWB 3,3 853,3; Bearbeiter: Tao
lancræchic
Adj.
wie
lancræche
:
er [Abt] sol nvt trvͦbliche sin
vnde ze volle sorgon, vnde sol nvt ze riliche vnde oͥch ze zage sin noh sol nvt ze
lanch rechich [falsche Übers. für zelotypus
‘eifersüchtig’ (Troxler, BrEng., S. 66, Anm. 4)] vnde ze
hart archwennide sin BrEng
64
MWB 3,3 853,12; Bearbeiter: Tao
lancsager
stM.
‘Schwätzer’
sîniu wort wâren nit herte / [...] noch was
er [Jesus] nit ein schallaere / noch lancseimer maere
[La. noch ein langsager
]
WvRh
6139
MWB 3,3 853,18; Bearbeiter: Tao
lancsam
Adj., Adv. , -same
Adv.
1 Adj. ‘lang’ , zeitl. 2 Adv. 2.1
‘lange dauernd, lange Zeit in Anspruch nehmend,
langsam’
2.2
‘erst nach langer Zeit, spät’
1
Adj. ‘lang’, zeitl.:
unser herre lônet nâch ernste baz dan nâch der lenge.
[...] und verdienet doch ein mensche mêr in éinem jâre
lônes, daz gote dienet mit heizer minne, dan einez tuo in zehen, daz gote dienet mit
lancsamen diensten PrBerth
2:153,25.
– räuml.:
sô ist der wagenwec gemechlîcher [als der schmale, gerade
Pfad] und aber lancsam PrBerth
2:155,10. 13
(auch möglich zu 2)
2
Adv.
2.1
‘lange dauernd, lange Zeit in Anspruch nehmend,
langsam’
iz waz abir lanksame [Laa. lanchseime,
lanchsæme
] , / er iz zu samene quame / die reise und die
herschafft / und die mere ritterschafft En (FSch)
4521;
sin gebet, / daz er lancsam ouch tet / an reines herzen
stetekeit Pass I/II (HSW)
38954;
der [Wege] gêt einer rehte für sich die rihte
[...] hin ze himele, und man ist ouch gar schiere
und gar snelle ûf dem selben wege dar ze grôzem lône. sô gêt der ander verre hin
umbe und lancsam und gêt ouch zuo dem himelrîche ze grôzem lône: man muoz aber
verre und lancsam hin umbe gên ûf dem selben wege PrBerth
2:154,24. 25;
laz ez langsam backen BvgSp
12;
zu dem salme ‘venite’ [Ps 94] , den man doch
[wegen der Zuspätkommenden] ziende vnd lancsame
[
omnino subtrahendo et morose
] sal
singen BrEb
43;
BrZw
43;
eyn drate [Puls] is, de to drate
vf vnde weder neder uert: eyn trege, de lancsame sleyt OvBaierl
55,14;
wan eyn mensche lancsam magher wert, de wert lancsam weder
vet et a contrario ebd.
67,27;
daz ain [Erdbeben] ist, daz daz
ertreich gêt wackelnd sam ain schef lanksam BdN
108,7.
314,27
2.2
‘erst nach langer Zeit, spät’
alte niuwe güete, wie hân ich dich sô lancsam
[
sero
] vunden! Eckh
4:133,77
(vgl. Anm.z.St.);
gotes rache langsam get / und zu jungest harte slet
Hiob
3023
MWB 3,3 853,22; Bearbeiter: Tao |