lindenrîs
stN.
‘Lindenzweig’
daz wizzet, helde mære, / vil guote sturmære / sint die helde ûz Beheimlant. /
dem si niht rehte sint bekant, / der warte an jeniu linden rîs, / dar under si
versuochent prîs Bit
10005
MWB 3,3 1174,42; Bearbeiter: Richter
linderen
swV.
→
2linden
MWB 3,3 1174,47;
lindicheit
stF.
‘Weichlichkeit, Nachgiebigkeit, Schwäche’
dv solt och sagen [beichten] von zarten, vnd ze
linden geberden, da bi man merken mag des herzen lindeckeit vnd krancheit
Bihteb
47;
daz ander [Merkmal der tragheit
] ist
lindecheit des libis, vnd des herzen, vnd des geistes ebd.
68
MWB 3,3 1174,48; Bearbeiter: Richter
lindiclîche
Adv.
‘sanft’ (s.a.
lindelîche
):
dez [Dornes] natur ist also herte, swie lindeklich
man in an grifet, so stichet er doch da wider PrGeorg
316,12;
sprichet dir ieman herteklich zuͦ, dez antwúrt du lindeklich zuͦ ebd.
280,1
MWB 3,3 1174,54; Bearbeiter: Richter
lindîn
Adj.
‘von der Linde’
den [Bogen] sennwete er gar vaste /
mit lindenem paste HvNstAp
6752.
–
‘aus Lindenholz’
des swertes site was so getan, / swa erz hin sluͦc, / daz iz
durch den stal wuͦt, / sam er ware lintin Rol
4145;
StrKarl (S)
5069;
Briczlab sagete den sinen: / daz wirt wol schinen, / daz wir nit chinvorhen
pogin [Bogen vom Holz der Kienföhre] haben / noch lindin
swert tragin Dalimil (B)
45,14
MWB 3,3 1174,59; Bearbeiter: Richter
lindlîche
Adv.
→
lindelîche
MWB 3,3 1175,4;
lindlockunge (?)
stF.
oder -locken stN.?
‘Schmeichelei’
[der Abt] sol auch wizzen wie gar ein mülich vnd ein hoch
dinch er enphangen hat ze richten die sel vnd dienen vil läut site vnd einen mit
lintlockunn einen mit straff einen mit schündung [
alium quidem
blandimentis, alium vero increpationibus, alium
suasionibus
] vnd nach eines ieglichen wielichin oder
verstandenheit BrAlt
2
MWB 3,3 1175,5; Bearbeiter: Richter
lindmüetic
Adj.
‘sanftmütig’
do mit [mit genade und götlichem
friden
] erliucht er die sele vnt machet das herce
lindmuetige vnd smeltzende als das wachse von der heissen sunnen fliusset
PrWack
64,29
MWB 3,3 1175,13; Bearbeiter: Richter
line
stF.
1
‘Geländer (an einem Fenster oder Balkon), Fenster’ (vgl.
lëne
) 2
‘Tragestange’ an einer Bahre? (vgl. Anm. z. St.
1
‘Geländer (an einem Fenster oder Balkon), Fenster’ (vgl.
lëne
):
dâ wart ich enpfangen wol. / die line dâ wâren vrowen vol, / die alle wol
enpfiengen mich UvLFrd
182,10;
dô gieng ich [...] / gein einer line hin nâher stân.
/ dâ für sô was ein tepich guot / gehangen, als man ofte tuot / für line, dâ man wil
windes niht / noch lieht: für diu ez geschiht. / vor der line der tepich hie, / dar
in vil kleine iht windes gie ebd.
331,14;
sâ dô ich die bet gesprach, / ein juncfrowe ûz der lin her sach. / dô sî uns
sach dô sunder stên / und unser wâren niwan zwên, / dô tet si wider zuo die lin /
und gie sâ zuo ir vrowen hin ebd.
331,30
u.ö.;
do neigt sich Hildebrant / durch die line unde sprach, / do der den boten
chomen sach Dietr
4660.
4690;
owe, er karrende tur! / er kirret wider unde fur / als
[...] ein blenkende [sich hin und her
bewegende] lin Jüngl
919
2
‘Tragestange’ an einer Bahre? (vgl. Anm. z. St.
En (Fm)
216,30,
s.a.
lînboumîn
):
nu vernemet von der bâren. / die lin boumîn [
‘aus Holz’; Hs. linboumin, La. lintbovme
u.a.] wâren / und von helfenbeine En
7984
MWB 3,3 1175,18; Bearbeiter: Richter
lîne
swstF.
1
‘Seil, Leine’
2
‘Messschnur’ (zum Vermessen von Grundbesitz, vgl. DRW 8,1176f. u. MNW 4,655) 3
‘Waldstück, Waldanteil’ (?)
1
‘Seil, Leine’
zebrochen sint die maste / unde diu rûder vaste, / die lînen und diu ankerseil
En
501;
Pass I/II (HSW)
36252;
die niht mohten gehaben / ab der mûr deheine / leiter noch
leine, / die vielen sus hin nider Ottok
57850;
do wurden sy grisgrainen / sam dy hunt an einer lainen Hawich
2652;
‘nû brenget eine lînen, / daz wir Lengewînen / uns machen wol zû mâzen.’ /
[...] / Lengewîn wart gebunden LivlChr
2869.
2916;
Pass III
660,81;
Virg
256,8.
– bildl.:
wan alleyne er als eyn bly / tyf indiz ebgrunde sy /
geczogen mit der sunden lyne Hiob
10113
2
‘Messschnur’ (zum Vermessen von Grundbesitz, vgl. DRW 8,1176f. u. MNW
4,655):
die vursprochgene muͦre is as lang as die lyne, die in disme schrine leyt
DRW
8,1177
(KölnSchrB.; a. 1349).
8,1176
(Planitz,UrkKölnRG.; um 1170)
3
‘Waldstück, Waldanteil’ (?):
also vil alse der burgreue holzis darf zu buene vnde zu burne, das sal he
howen in des riches vorsten in der line vnde in deme kamervorste vnde in deme
tirgarten UrkCorp (WMU)
1168,32
MWB 3,3 1175,40; Bearbeiter: Richter
linebërge
swstF.
1
‘Bank mit Lehne/ Stütze, Ruhebank’
2
‘Geländer, Brüstung’
1
‘Bank mit Lehne/ Stütze, Ruhebank’
díu líneberga ze démo díske. díu íst gúldîn
Will
52,18;
der de mûode íst. dér lêinet síh gérno an dîe líneberga
ebd.
52,23.
52,3;
diu guldîne lineberge daz ist diu heilige uernunst dâ sich
got ubere gelainet hât zuͦ sîner gemahelen daz ist diu heilige cristinhait
TrudHL
42,30
u.ö.;
reclinatorium: leneberga SummHeinr
2:83,110;
fulcrum: liniberga ebd.
2:309,03.10
2
‘Geländer, Brüstung’
[er] síhet ûz den uénstron. unte uuártet ûz uón den
línebergon Will
37,2.
37,8;
TrudHL
31,32.
32,6;
diu burch gworht ist von lebentigen steinen, / da sich die
muoden an die linebergen suln leinen Himmelr
8,8
MWB 3,3 1175,61; Bearbeiter: Richter
linen
swV.
→
lënen
MWB 3,3 1176,11;
lînen
swV.
‘jmdn. anseilen’, hier übertr. ‘jmdn. an sich binden’
mit gabe er an sich linde / manigen vrechen sarrjant
WhvÖst
5958
MWB 3,3 1176,12; Bearbeiter: Richter
lînephat
stM.
‘Leinpfad, Treidelpfad’ (zur Sache vgl. DRW 8,1183f. und 2HRG
3,827-829):
in ripa que linpat uocatur UrkNiederrh
1,334
(a. 1180)
MWB 3,3 1176,15; Bearbeiter: Richter
lîngadem
stN.
‘Verkaufsstätte für Leinware’
de illis, qui stant under den lingademen et vendunt linea vestimenta preparata
WeistErf
111
(1. H. 14. Jh.)
MWB 3,3 1176,18; Bearbeiter: Richter
linge
Adj.
→
linc
MWB 3,3 1176,21;
linge
stF.
‘Gelingen, Erfolg, Glück’
alsus was übel bî guote, / bî linge schade, bî liebe leit
Tr
5097;
gelückes unde linge / an manlîchem dinge / und âventiure
erwarber vil ebd.
18455
u.ö.;
Irot von Roisabinse, der sprangte ouch an dem ringe. / ich wene, uz einem
vlinse moht man sanfter howen prises linge / danne ab im und den, di er da fuͦrte
JTit
2094,2.
1820,2;
Parz
177,6.
489,17
MWB 3,3 1176,22; Bearbeiter: Richter
lingen
stV. (IIIa)
unpersönl. mit Dat.d.P.
1
‘vorankommen’
2
‘Erfolg haben, vonstattengehen, geraten’ (s.
gelingen
)
1
‘vorankommen’
in dûhte im lünge ze fuoze baz, / im wâren diu bein unmâzen lanc
StrDan
3156;
ze füss lang im des weges wol GTroj
2307.
–
~
lâʒen
‘sich beeilen’
wol ûf und lât iu lingen: / der tac ist komen KLD: UvW
29:2,5;
Irmendrût, belîp / nicht lange! [...]lâz lingen
dir! Boner
48,34;
sy lïssend in do lingen. / ze walde mitt schalle /
kertten sy do alle GTroj
2448.
6964.
21378
2
‘Erfolg haben, vonstattengehen, geraten’ (s.
gelingen
):
allez daz, des er began, / dâ lang im allerdickest an
Tr
5078
MWB 3,3 1176,30; Bearbeiter: Richter
lîngewant
stN.
‘Kleidung aus Leinen’
swenne ain frowe oder man ain tohter hin ze manne gibt, der schol man me niht
geben leingewandes denne ain rockelein und ain mursnitz [dünnes
Kleid] und hemde, swievil man wil NüP
150;
were es dir denn nit ungemach, / so weltt ich sydin
[seidenartige] linegewant [Hs.
linegewatt
] / in allen geben von miner hand
GTroj
3805
MWB 3,3 1176,41; Bearbeiter: Richter
lînhose
swF.
‘Beinkleid aus Leinen, Leinenhose’
die selben gotes knehte / die truogen an ir schenkelen /
lînhosen Tr
2642
MWB 3,3 1176,49; Bearbeiter: Richter
linie
swF.
stF. (
Rumelant (K)
1:5,9
), auch linee, linige.
1
‘Linie, Strich’
2
‘Abstammungslinie’
1
‘Linie, Strich’
alz er [
der ainen zirkel macht
] den
ersten punt geseczt, bestet der also, so wirt dy linie guet Eckh
3:414,17;
ein punctel einer linien anegenge ist, unde ist doch niht ein
linige MNat
4,11.
4,15;
Rumelant (K)
1:5,2.
1:5,9.
– übertr.:
her umbe ist daz aleine ein gereht mensche, der alliu geschaffeniu dinc
vernihtet hât und an einer glîchen linien âne allez ûzluogen in daz êwige wort
gerihtet stât Eckh
1:273,2;
ir sünd wissen, das ich der linien vnsers herren Ihesu Christi niemer ab
ston wil! Katrei
346,7.
346,2;
wizze daz Got mit nichte / under grebet das gerichte! /
daz were gar unmugelich / daz der solde vergezzen sich / der da ist mit
sicherheit / dy lynege [Richtschnur] der gerechtekeit
Hiob
2654
2
‘Abstammungslinie’
entsprozen von Eleasar / sint dize phaffen [Stammväter der
Israeliten] alle gar, / di in dizer lineen sten / und vort also
nider gen / unz hin zu Cristi zukunft HistAE
1047;
Jesus Cristus der heilant, / der von Marien wart geborn, /
[...], / di an kuniclicher vrucht / von Davites linien
vloz Pass I/II (HSW)
407.
32890
MWB 3,3 1176,52; Bearbeiter: Richter
linienstrich
stM.
‘Richtschnur, Orientierungslinie’
sie [die meister
] duchte ouch ie nutze
wesen, / daz ieglich mensche uz solde lesen / zu siner liebe ez beste, / und hiengen
daran veste, / daz were ein recht linienstrich Pass III
673,35
MWB 3,3 1177,11; Bearbeiter: Richter
liniere
Subst.
auch linger.
‘Lineal’
ja ist er [Heinrich I. von Niederbayern] gote unde
al der werlde an tugenden gar gereht, / ane valsch unde ane wanc alsam ein liniere
sleht FvSonnenburg
45,6;
linea: linger VocOpt
23.024
MWB 3,3 1177,16; Bearbeiter: Richter
liniieren
swV.
‘mit Linien versehen’ (hier als Part.Prät., von Fellzeichnung):
do sint ouch vil giraffin di sint gar schone an czu seen, si han lange helse
[...] und di corperige gelynygirt wys und rot
MarcoPolo
70,19
MWB 3,3 1177,21; Bearbeiter: Richter
1lînîn
Adj.
auch lînen (
StatDtOrd
39,14;
Elis
3207;
HeslApk
10975
).
‘leinen, aus Leinen’ (s.a.
lînînerîn
):
er gienc dâ snidære nâten / wît unt blanc lînîn gewant
Wh
196,7;
er het ein swartz linin gewant, / ander cleider waren im vremde Erz
III
81,62;
linin, wúllin, sidin cleit SHort
6656;
in einem leinînen tuoch Barth
138,11;
StatDtOrd
38,20;
BdN
440,17;
EvAug
246,4
MWB 3,3 1177,26; Bearbeiter: Richter |