l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
lancstæte
Adj.
‘lange fest, beständig; beharrlich’
ir scult uil dicche denken vmbe dise werlt, wie churz si ist,
wie ungewis si ist unde wie lancstæ̂te daz ist, daz da nimmer zergêt
Spec
95,5;
boese und guote gescheiden ie wâren. / der site müeze ouch lancstaete sîn!
MF:BvS
1:2,5.
–
div lenge [des Kreuzes] bezeichent,
daz wir lancstæte sculen sin mit goͮten werchen Spec
104,12
MWB 3,3 854,47; Bearbeiter: Tao
lancstundic
Adj.
‘umfangreich’
diz buch daz ist lancstundic HeslApk
14585
MWB 3,3 854,55; Bearbeiter: Tao
lancsuht
stF.
→
lantsuht
2
MWB 3,3 854,57;
lancveʒʒel
stM.
längerer Riemen, mit dem der Beizvogel an seiner Stange und beim Tragen auf der
Faust festgehalten wird (vgl. Schultz, Höf. Leben 1, 476 und Dalby, Mediaeval Hunt,
S. 269.):
lancvezzel alsô wol getân / wart nie an vederspil gesehen Bit
13186
(vgl.
7046
);
daz kleit stuont im [dem terzel
] ze
prîse wol: / lancvezzel, würfel und hoselîn / daz wâren diu kleit sîn Bîspel
(Pf)
14,9;
do er sô nâhen dar zuo quam, / den lancvezzel er im abe nam / und warf daz
terzel aldar ebd.
14,38
MWB 3,3 854,58; Bearbeiter: Tao
lancwat
stMN.
‘Durchgangs-, Grenzweg’, als Flurbezeichnunge:
daz wir [...] haben verkoͮfet den holzwec von dem
lancwate vnz an lon [
lô, lôch
‘Gebüsch, Gehölz’
] allen den, so [sofern sie,
welche] aker hatton ziehenden an den selben wec UrkCorp
(WMU)
671,35
MWB 3,3 855,4; Bearbeiter: Tao
lancwiric
Adj.
‘lange dauernd’
der fuͤrst gehert / swigende lange saz, / biz er in sin so
gar gemaz / ir lang wirig triwe WhvÖst
13067;
dâ von bit ich dir got ze geben / gesundez lancwerigez leben
HvBer
6247;
von minen kindlichen tagen, in den du min jung natur mit
sweren, langwirigen siechtagen krúzgetest Seuse
56,17.
109,2;
do der lidende diener disen langwirigen kampf mit tiefer
betrahtung hinderdahte ebd.
90,8.
152,16
MWB 3,3 855,10; Bearbeiter: Tao
lancwise
stF.
‘lange, große Wiese’, in einer Liegenschaftsbeschreibung:
vúnf îuchart akkirs, der aîn morgen lit bi dem froͮnbruͦgil, aîner bi der
smalwîse, ainer bi der langwîse UrkCorp
2239,1
MWB 3,3 855,19; Bearbeiter: Tao
lanczorn
stM.
‘alter Hass, Groll’
rancor: langczorn VocAbstr (H)
R 12
MWB 3,3 855,23; Bearbeiter: Tao
1lande
F.
Ansatz unsicher, der Beleg gehört viell. zu →
lant
stN. (vgl. auch DRW 8,317 s.v. Land I 2
b).
–
‘Anlegeplatz, Ufer’ (s.a. →
2lende
):
also, daz si an dem vruar [= urvar
] ze
Nevnburch an baiden landen [der Donau] dehain tail
[Fährgeld] geben vnd daz si haben gæntzlich daz reht,
daz da an dem vruar habent ander vnser purgær in dem lande UrkCorp
(WMU)
2918,23
MWB 3,3 855,25; Bearbeiter: Tao
2lande
swstF.
nur Lanc ; zu afrz. lande, s. Steinhoff, Lanc., S. 800
und S. 937.
–
‘waldige Gegend, Heideland; Lichtung’
wann ich der land von Sieben Wegen einen monat gehuͦt hett
Lanc
360,36.
361,6;
alle die ritter [...] die uber die
landen ritten ebd.
361,2;
off die rechten straßen die zu der landen von Carefois geet
ebd.
366,19;
er hett die landen von Carefoß nie so lang gesucht ebd.
368,34.
361,27.
369,4.
400,26.
–
also reit er biß er off ein schon landen kam
Lanc
421,9
MWB 3,3 855,33; Bearbeiter: Tao
landegelîch
stN.
‘jedes Land’
mîn veter [...] enbôt ûz mit manegen
scharn / in aller lendegelich, / swelch ritter wolte prîsen sich / mit sterke oder
mit manheit / [...], / daz der her kæme / und sîn âventiure
næme UvZLanz
1719.
– sprichwörtl. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 118 s.v.
biderbe):
frumis mannis selide [Pl. von selde
‘Wohnsitz’
] / di sint in lande gelîch [„ein
tüchtiger Mann ist überall zu Hause” (Anm.z.St.)]
SAlex
2676;
aller fromer knehte / armuot ist einnehte, / ir huofe [=
huobe
] sint in lendeglich EbvErf
413
MWB 3,3 855,43; Bearbeiter: Tao
landelôs
Adj.
→
lantlôs
MWB 3,3 855,54;
lander
stN.
vgl. Matzel, Wortschatz, S. 186; s.a. →
gelender
.
1
‘Stangenzaun, Geländer’
2
‘Land’
1
‘Stangenzaun, Geländer’
Wendelmuot, / wergot! ruof uns Künzen durch diu lander! Neidh
WL 2:5,10;
Fridel Geynpechk [...] sol ein haimsuchung hintz
maister H. dem arczt, daz er in durch einen lanter in seinem paumgartten erstochen
wolt haben UrkRegensb
752
(ca. 1325–1350)
2
‘Land’
in Egypte lander [: ander
] / niuwe göte
sint bekomen, / die ünsern göten hant benomen / ir gewalt und alsô gar vertriben
WvRh
4641
(vgl.
in Egypte lande [Dat.Sg.]
ebd.
4651
)
MWB 3,3 855,55; Bearbeiter: Tao
landes-
s.a.
lant-
MWB 3,3 856,1;
landesbrëste
swM.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum.
– wirtschaftliche Notlage eines Landes oder Landstrichs durch Missernte oder
Krieg (vgl.
landesnôt
,
lantgebrëchte
,
lantgebrëste
,
lantschade
):
das mir mein herr apt Vlreich von Aspach [...] hat
lossen das guͤt datz Ort ze paumansrecht mit der beschaiden, das ich all iar davon
dien sol æin halbs phvnt Passawer pfenning [...], is sein
dann ob lontzprest, sawer oder pisses [= bîsëʒ
Misswuchs] , oder lontzvrlevg saum, so sol er [der
Abt] mich bedenchen nach genaden UrkAsb
145
(a. 1335)
MWB 3,3 856,2; Bearbeiter: Tao
landesdiep
stM.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum.
–
‘Landesfeind, Landschädiger’
Waczkonem vf Boreyum er sant, / vf den andir lanczdib zcu hant, / der czu
Libicz saz Dalimil (B)
57,42
MWB 3,3 856,14; Bearbeiter: Tao
landesnôt
stF.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum.
– wirtschaftliche Notlage eines Landes oder Landstrichs durch Missernte oder
Krieg (vgl. →
landesbrëste
,
lantgebrëchte
,
lantgebrëste
,
lantschade
):
daz man im [
Hiltprant
] vnd siner
[...] hausfrowen div gvͦlt von den selben guten alle
iar gebn schol [...], an [
âne
‘außer’
] swa der gvͦlt abe gêt von schowr oder von pisez
[= bîsëʒ
‘Misswuchs’
] vnd von landesnôt, den schaden schol her
Hiltprant eîn tragn UrkCorp (WMU)
2969AB,23;
swas von pisez von shoͮre von landes noͤt von gemaeinem gepreste oder von
prante an den guͤten widerfuͤre, den schaden sulent si paeide erben geleiche
UrkBrixen
1,127
(a. 1308);
ez waer von schaur oder von pisaezze oder von landes noͤt, darumb sol man die
guͤlt niht erlazzen noch ringern UrkEichst
2,211
(a. 1326)
MWB 3,3 856,18; Bearbeiter: Tao
landesphlegære
stM.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum.
‘Landpfleger, landesherrlicher Verwalter’
daz ich von mines lieben herren bevelhvng, [...], vnd
ouch bevelhvng graven Albrehten, des landes pflegæres von Oesterich, mich an genomen
han den schermen [sw. Akk. Sg.] bediv wazzers vnd landes
vnd der strazze UrkCorp (WMU)
521,40
MWB 3,3 856,35; Bearbeiter: Tao
landesverrætære
stM.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum.
‘Landesverräter’
patricida: vattertoͤder, lantzverrater VocOpt
30.038;
parioda [= verlesenes par(r)icida?] :
vattertoͤder, lantzverrater ebd.
30.039
MWB 3,3 856,43; Bearbeiter: Tao
lange
Adv.
Komp. und Sup. mit oder ohne Umlaut;
von →
lanc
in adv. Gebrauch mit zeitl. Bedeutung nicht immer zu
unterscheiden.
1
‘lange, lange Zeit’
1.1 allg. 1.2 in Verbindung mit (al)sô / als(e) als Korrelat zu folgendem
Nebensatz 1.2.1
(al)sô ~ (...), daz
‘so lange (...), dass’
1.2.2
(al)sô ~ (...), unz (daz)/biz/ hintz/ wante
‘so lange (...), bis’
1.2.3
alsô / alse ~ (...), (al)sô / als
‘so lange (...), wie’
1.3 in Verbindung mit sô, als, unz / biz (daz) als Subjunktion:
‘solange’ (s.a.
lanc
2.6 ) 1.4 Komp. in Verbindung mit der mehrteiligen Subjunktion (sô) ie langer/
lenger (...), sô ie : ‘je länger (...), desto ...’
1.5
lange sîn/ wesen
1.5.1
‘lange bei jmdm., wo bleiben; lange vorhanden sein’ , meist mit Negation und im Komp. 1.5.2
‘lange fortbleiben, weg sein’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 260 mit weiteren Belegen) 1.6
~ wërnde
‘lange dauernd, immerwährend’ , 2
‘schon lange, seit langer Zeit, vor langer Zeit’
1
‘lange, lange Zeit’
1.1
allg.:
dô ich gnuoc lange dâ gesaz Iw
773;
Parz
29,19;
doch wertez niht vil lange: / der mortsame slange / der
kam schiere dar an Tr
9037;
unser lant, dâ ist wunne vil. / lange müeze ich leben dar inne!
Walth
57,14;
trîbet si [Brangäne] diz
bettespil / iht ze lange und iht ze vil, /
ich [Isolde] vürhtez ir sô wol behage, / daz si
vil lîhte dâ betage Tr
12624;
verstärkt durch Verdoppelung:
daz er die herzen sere / lange und lange muͦz chlagen Rab
61,2;
unser eltesten meister einen, der die wârheit ie vant lange und lange vor
gotes geburt, [...] den dûhte
[...]
Eckh
2:189,7;
dar nach vil lange vnd lange do sprach ich diz wise an, ich heiti ir niht
vf gegeben UrkCorp (WMU)
2326,33;
für ‘immer’
wær’ ich [Gunther] ze Burgonden
mit dem lebene mîn, / si [Brünhild] müeste hie vil
lange vrî vor mîner minne sîn NibB
442,4;
mir [auf mich (den tödlich verwundeten
Siegfried)] müezen warten lange mîn vater und mîne man ebd.
997,3;
sölte ich nu sagen daz wêr ze lenge, / swaz genâden und sêlde bîhte brenge
Renner
20619;
warumbe sold ichz lange sagen [Umschweife
machen] ? Ottok
833.
– Komp.:
er enlac niht langer dâ Er
6613;
niht lenger man daz lie, / sich huoben gên der bürge manec man unde
wîp NibA
556,2
(vgl.
langer NibB
601,2
);
Baldewin nit langer beite, / zu der verte er sich
bereite / kuͤncliche und vil shone Rennew
20893;
jô hât si tugende, der ich volge unz an daz zil, /
niht langer wan die wîle ich lebe [negative Umschreibung für
‘solange ich lebe’]
MF:Reinm
8: 5,5
ähnl.
2: 2,2.
– Superl.:
swâ diu minne in der jugent begriffen wirt, diu wert aller langest
Tit
48,2;
wiste ich wie ez aller langest / wol verholn möhte sîn Flore
(P)
5940;
sô truoc er aller langest [sehr lange] /
trûren unde sende klage KvWEngelh
1944;
so er vol langest [lange genug] manich iar
gebeitet daz er [der Baum] berehaft werde
PrLpz (L)
126,28.
126,30;
ich kume wider schiere / uber drî tage oder viere, / ze langest
[spätestens] in sehs tagen En
5971;
daz si dâ langer beliben, / ir vorsche unde ir vrâge
triben / zem minnesten [La. lengesten
‘längstens, höchstens’ s. Tr
(M)
] doch zwêne tage Tr
9697
1.2
in Verbindung mit (al)sô / als(e) als Korrelat zu folgendem
Nebensatz
1.2.1
(al)sô ~ (...), daz
‘so lange (...), dass’
sô lange wert’ diu stille, daz sîn Etzeln verdrôz
NibB
2227,4;
lât mich alsô lange leben, / daz ich iu antwürte müge
geben Tr
12795;
vnd die aigenschaft vnd die rehte, wir [...]
also lange gehaben hant, daz nîeman nv́t anders gedenken mag UrkCorp
(WMU)
N135,19.
949,8
1.2.2
(al)sô ~ (...), unz (daz)/biz/ hintz/ wante
‘so lange (...), bis’
daz sî daz alsô lange treip / unz in der bühsen niht
beleip Iw
3479;
Brangænen si bâten / alse lange und alsô vil, / biz
si si brâhten ûf daz zil Tr
12455.
17892;
inde suͦlen vns helpin inde bestain wieder die stad zuͦ vͦnseme rehte
also lange, bis die buͦrgere die suͦne halden UrkCorp (WMU)
75,29;
daz er div guet vnd ir nutz vnd ir dinst inn hab alz lang, hintz daz
er gar gewert werd hundert phvnt Pazzawer ebd.
2584,19;
bêide die clegere vnd iene vf deme man claget, die mvͦzen wol
gespreche haben [...] also lange, wante sie der
vronebote wider in lade ebd.
606,10.
1895,43
1.2.3
alsô / alse ~ (...), (al)sô / als
‘so lange (...), wie’
also lango so wir hie lebin, / got habit uns
selbwala [freien Willen] gegibin
MemMori
143;
wir wellens gerne bîten / als lange als er gebiutet
UvZLanz
8209;
se beheldet och zuͦ irme dinste alse lange, also se leuit, Henriche de
vohit van Haghenberg, Conzen van Briseke [...]
UrkCorp (WMU)
59,33;
swanne vns vnser herre von Salzburch den herzogen antwurt nach vnser
vorderunge in den viͤr wochen, den sul wir als lange in inne haben, als er
in inne gehabt hat ebd.
1603B,5.
99,25
1.3
in Verbindung mit sô, als, unz / biz (daz) als Subjunktion:
‘solange’ (s.a. →
lanc
2.6):
so láng ér so stárkîu díng dúrch mîh lêit,
[...] wîe íh dánne scúle zuîuelan dehêiner
sláhto árbêit dúrh sînen wíllon lîdan Will
79,8;
wir wellen ovch vnd gebitten, daz vber ein closter oder vber ein gotshus
nit dan ein vogit ist, als lange der lantfride wert UrkCorp (WMU)
879W,11.
–
unz (auch biz daz) ... langest:
der tage sint zewene, ein tach des mennischn, der
ander gôtis. der tach der mennischen wêrt also lange, unz si langest lebint
Spec
42,19;
er sprach, er muose entwîchen / durch des lîbes
angest, / unz er mahte langest / die marter ûf schalten, / diu sîniu lit
behalten Wernh
3268;
wolte got [...], / daz wir
wærn in dem paradys, / so lebten wir gar ane angest. / biz daz wir leben
langest, / so tun wir nit wan sorgen Rennew
20922
1.4
Komp. in Verbindung mit der mehrteiligen Subjunktion (sô) ie langer/
lenger (...), sô ie: ‘je länger (...), desto ...’
ir scheiden tuot von hertzen wê, / viel wê, ie langer sô ie mê
UvLFrd
511,26;
daz ich si minne von herzen ie langer ie mêre KLD:
UvL
12: 1,2;
wie si hieze, des frâgt ich. / [...] si seite ‘sô
ie lenger, sô / ie lieber.’ got ir lône, / alsô hât si mir genennet sich
KLD: VdK
1:2,9.
1:3,7;
ie langer er [der Vogel]
vlúget, ie er wunnenklicher swebet Mechth
7: 61,5;
sô daz tier ie grœzer ist, sô ez ie lenger geschickt wirt
in der muoter leib BdN
165,33;
diu [Blätter der Päonie] sint
gar rôt, wenn si her für lauzent des êrsten, und dar nâch werdent si ie lenger
ie grüener ebd.
414,28
1.5
lange sîn/ wesen
1.5.1
‘lange bei jmdm., wo bleiben; lange vorhanden sein’, meist mit
Negation und im Komp.:
solte er lange [Laa. lenger,
langer s. Tr (M)
] bî mir wesen, /
sôn kunder niemer genesen Tr
18577.
14561;
ichn tar niht langer bî iu wesen Iw
1254.
5955;
Parz
10,16;
sô sol ich hie niht langer sîn PleierMel
794;
sendet ir wider ir vingerlîn: / daz ensol niht langer
sîn / an einer ungetriuwen hant Iw
3194.
–
diu gemeinde under uns drîn / diun mac niht
langer gesîn Tr
16608;
nû wil aber der kleinen vogel singen
[...] hie niht langer sîn KLD:
VdK
1:1,3
1.5.2
‘lange fortbleiben, weg sein’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 260 mit
weiteren Belegen):
sone sît et niht ze lange,
[...] wir sîn iuwer helfe vil billîchen vrô
NibB
481,1;
ich solde zürnen, hulfe ez iet, / daz dû als lange wære MF:
Eist
14:3,2;
swie lange ich was, sô tet si doch daz ie MF:
Reinm
6a: 2,5;
du kanst ze lange sîn KLD: OvB
9:4;
daz er ze lange wolde sîn Wig
1075;
Georg
3704;
VirgH
139,3;
PrGeorg (Sch)
2,177;
im Komp.:
sî wære verlorn, / wær er iht langer gewesen
Iw
5177;
irn ruocht, wolt ich noch lenger sîn
Parz
402,30;
juncfrouwen nu niht langer sint ebd.
808,28
1.6
~ wërnde
‘lange dauernd, immerwährend’,
als Adj.-Attr.:
daz wirt ein langer [La. lange
]
wernder strît Walth
44,25;
wér hầt gelêret / die lieben frouwen mîn / daz ir güete
mêret mir lange wernden pîn? KLD: GvN
20: 3,20.
48: 4,5.
SM:KvL
6: 5,5;
SM:JvW
4: 2,4;
SM:Te
2: 2,8;
daz in der wandelweren zeit langewerentev [für lange Zeit
gültige, langfristige] dinch iht mvgen bechrenchet werden vnd
von gehvgenusse niht entweichen, so ist des duerft, daz si bewaret werden mit
der vestigung gezeug vnd guͦeter brief UrkCorp (WMU)
N 620,28 = 640,18 = N 672,7;
er was den frouwen alsô holt
[...], / daz er in sînen jâren / mit lange wernder
stæte / in sô gedienet hæte, / daz alliu sældenhaften wîp / sînen wünneclichen
lîp / lobten unde prîsten KvWWelt
39;
mit lange wernder stætekeit KvWEngelh
722;
sô sol man stegen / nâch langer [La. lange
C] wernden êren Walth
105,11;
an disen drin dingen leit aller wunne volchommenheit: an
lvstlicher schoͤnheit, an voller genvhsam, an langewernder sicherheit. vnd div
ziment alle dinem [Gottes] riche wol, wan an div mach
nindert volliv vrevde sin DvAPatern
108
(vgl.
ez wurde ein langer wernder hort, / swer got nu dienen kunde MF:
Rugge
Leich 2,3;
wie mac mir baz gelingen / an langer, wernder sælecheit WernhSpr
(Z)
75,5
)
– adv.:
lieb, ich weiz dîns lobes mê / (vil lange wernd ez dir
bestê!) / daz hât dîn lîb und ouch dîn muot SM:Te
13: 3,2
2
‘schon lange, seit langer Zeit, vor langer Zeit’
Gunther unde Gêrnôt die sint mir lange bekant
NibB
56,4;
sît ir iht lange komn? Parz
554,23;
al eine und sîn si lange tôt, / ir süezer name der lebet
iedoch Tr
222;
mîn vater der sî lange erslagen ebd.
4368;
und wære zwâre lange zît [schon lange, längst an
der Zeit] , / daz si der grôzen swacheit / mit wîge hæten widerseit
ebd.
6288;
daz der bâbst trüege unreht den stab / und solt sich vor hân langest
[schon längst] gein im genicket Loheng
4510.
– mit (al)her in Kontakt- oder Fernstellung:
wie ir sô habet verkêret die vrœlîchen sit, / der ir mit
uns nu lange habt alher gepflegen NibB
154,3;
ich hân lange / vil anclîch und vil ange / mîne
marschandîse / in armeclîcher wîse / durch dînen willen her getriben
Tr
4353;
[Morolt] ist von muote und ouch von craft /
zernestlîcher ritterschaft / ein lange her bewæret man ebd.
6177;
daz si an vnser stat mit minne oder mit rechte zervuͤren vnd zerbrechen
scholten den chriech, der lange her gewert hat zwischen vnsern getrivwen
dieneren UrkCorp (WMU)
597,4,17;
sun, ich hân lange her vernomen, / [...]
Winsb
41,1.
–
~ sîn/ wesen
‘lange her sein’
die seiten ime ouch mære, / wenne und wie langes wære, /
dazs einen knaben hæten gesehen Tr
3810
MWB 3,3 856,48; Bearbeiter: Tao
lange
stF.
→
lenge
MWB 3,3 859,42;
langen
Adv.
1
‘lange Zeit’
2
‘seit langem’
3
bî ~
‘endlich, schließlich’ (s.a.
belangen
Adv.)
1
‘lange Zeit’
swer niht langen müge gedrangen, der gê für die tür KLD: UvW
Leich 3,116;
her Vasolt swaig niht langen EckenlE2
183,8;
geschehe dez niht, so solten die burgen [...] in varn
ze Mergentheim, swenne si gemant wurden [...], laisten als
langen, bis daz wir die Haller geantwurten UrkCorp (WMU)
2529,33
2
‘seit langem’
uerren vnde nahen / vant man die ime iahen / guͦte vnd
miltecheit. / [...] allen luten milte langen / er mohte wol
Albert
387
(vgl. Anm.z.St.; oder zu langen swV. 5?)
3
bî ~
‘endlich, schließlich’ (s.a. →
belangen
Adv.):
sa fur ouch unergetzet / di frouwe heim bilangen Elis
4505;
des nach diner gude / min sele unde min gemude / hat iezu bi langen / so
werden drost enphangen ebd.
5791;
wer hat ouch me bi langen [
umquam
] /
heiligen [Subj. der A.c.I.-Konstr.] uffer erden /
gelesen iesa werden / begangen sa gereide / mit glicher wirdekeide? ebd.
5670
MWB 3,3 859,43; Bearbeiter: Tao
langen
swV.
auch lengen
Elis
4030.
7955.
9007.
1
‘lang, länger werden’ , zeitl. 2
‘sich (von wo bis wo) erstrecken, reichen’ , räuml. und übertr. 3
‘wohin gelangen’
4
‘nach etw. greifen, etw. erreichen’ (s.a.
gelangen
1 ); 5
‘ (jmdm.) etwas darreichen, hinhalten; jmdm. etw. geben’ , tr. 6
‘reichen, genügen’
7
‘von jmdm. etw. verlangen’
8
‘etw. verlängern’ , nur als adj. gebrauchtes Part.Prät.; nicht eindeutig, ob
hierher oder zu lengen
1
‘lang, länger werden’, zeitl.:
so die wurz enspringet / vnd der vogel singet / vnde langet
der tac Herb
13875;
diu naht ist kurz, der tac beginnet langen Neidh
SL 21:1,2;
ez tuot sanfte ein lieplîch umbevâhen zwein gelieben, sît diu
naht sô langet KLD: GvN
10: 3,2;
KLD: Hawart
4:1,3;
MNat
14,33
2
‘sich (von wo bis wo) erstrecken, reichen’, räuml. und übertr.:
daz ez [der Mantel] niht mohte
gelangen / wan ein lützel für daz knie UvZLanz
5912;
sin [des Baumes] schatwe
gunde [wohl = begunde
] langen / vber der
wezzerline ganc Herb
2184;
oben von dem rande sy / ein laben [=
lappe
] von zobel langende Minneb
2943;
vnde sol der zewaier muron hoͤhi sin, alse v̂ns aller best kumet, vnd sont
aber nv̂t niderre sin, denne zehen schuͦhe langont UrkCorp (WMU)
2209,27;
der paum wirt gar hôch und langet über ander paum
BdN
314,1;
zuͦ uorderst sol er des dorffs recht ouch zil vnd marchen erscheinen, wie weit
die langent WeistGr
1,166
(a.1303?);
ob ich als vil bettete als alle die welt, und als hoch
súnge das es an den himel langete Tauler
254,10.
–
nehein stat ist, weder in der helle, noch vͤf der erde,
noch in dem himele, sin [Gottes] genade div ne habe
dar gelanget Konr
11,7;
[Gott] hât bevangen die welt umbe gar. / sîn kraft
mac langen noch verrer dan dar Kolmas
120,25;
ez ist sô grôziu einunge gotes mit der sêle, daz ez unglouplich ist, und
got der ist sô hôch in im selben, daz dar zuo niht gelangen enmac kein
verstantnisse noch begerunge. diu begerunge langet vürbazzer dan allez daz, daz
man begrîfen mac mit der verstantnisse Eckh
2:303,4;
(mit Inf.:)
so lange / biz dir din sinne lange / irkennen den waren
got / [...] haben gar alle riche / uf dirre werlde
gliche [
donec scias quod dominetur Excelsus in regno
hominum Dn 4,29]
Daniel
3742
(s.a. Anm.z.St.)
3
‘wohin gelangen’
damite scule wir langen / an den Abrahames parn ArnoltSieb
7,6;
Josêbes kûscheite / diu gap im dar geleite, / daz er mahte
langen / dâ diu geburt was ergangen Wernh
4183;
in die tieffe allere dinge gruntes; / dar wir gelangen mit
fiumf sinnen des libes nemagen Himmelr
5,21;
nich nebrennet der sunne die da sint uber tach, / wande er mit
glanstes hizze dar [ins Himmelreich] gelangen nemach
ebd.
10,2;
in disen grunt so enmúgent die krefte nút gelangen bi
tusent milen nahe Tauler
331,2;
der har in gelangen koͤnde, der fúnde do werlichen got
ebd.
331,9
4
‘nach etw. greifen, etw. erreichen’ (s.a. →
gelangen
1);
mit Präp.:
sôr [= sô er
] nâch
den bluomen lange Tr
18070.
– mit Akk.-Obj.:
diu schif sô nâhen wâren, daz sis mit der hant / mit scheften mohten
langen bî in an dem grieze Kudr
859,3
5
‘ (jmdm.) etwas darreichen, hinhalten; jmdm. etw. geben’, tr.:
den schilt langitin sie dare Athis
B 23;
do hiez er im langen / ein vier eckete stangen
Herb
7405;
her hiez im bringen [La. ime langen
] sîn
gewant En
12753;
synen edelen helm gode / dede hey eme ouch langen dar KarlGalie
3479;
wer dich gesleht an dinen wangen, / den andern solt du ym dar
gelangen [Lc 6,29]
EvStPaul
6747;
EvPass
247,10.
–
ir habet ez vmbe sus entphangen / vmbe sus sult ir ez
langen [
gratis accepistis gratis date Mt
10,8]
Albert
767;
daz [die Pfründe] muste er alles langen, /
besetzen wi er wolde, / alse er ez lihen solde Elis
4030;
wi in [den Armen] di lobebere / gabe uzen handen
lengete ebd.
7955;
daz er daz alles neme, / [...] unde iz den armen
lengete ebd.
9007;
niemant ist der dir [Gott]
gereit / muge zu dienste gesin, / bischof und vursten, mit in / propheten, opfersangen [
‘Opfergarben’, hier verallgemeinert ‘Opfergaben’
(Anm.z.St.)] , / welcherleie man
langen [darbringen] / welde diner wirdekeit, / daz
din zorn muge geleit / werden kein uns in gedult [vgl. Dn
3,38f.]
Daniel
1390;
des muzen sie langen / deme kunge ire
kunst [d.h. ihm mit ihren Fähigkeiten dienen, vgl. Dn
1,18ff.]
ebd.
440
6
‘reichen, genügen’
die wort die solden langen / uz gotes munde Erz
III
41,14
7
‘von jmdm. etw. verlangen’
daz wir der stadt zuͦ Frideberg [...] dyekeine /
forderunge, ansprache noch keine sache an sie muͦten oder an sie langen oder fordern
UrkFriedb
179
(a. 1349)
8
‘etw. verlängern’, nur als adj. gebrauchtes Part.Prät.; nicht eindeutig, ob
hierher oder zu lengen:
Heymrich von Naribone / der het gelebet shone / in wol
gelangten jaren Rennew
25689;
waz tochte di rede gelanget Brun
5308
MWB 3,3 859,62; Bearbeiter: Tao
langes
Adv., Präp.
auch langens
Herb
2236.
1
‘längst, schon lange’
2
‘der Länge nach’
3
‘längs, entlang’
1
‘längst, schon lange’
ich [Helenus] han ez
[das unermessliche Leid] langens vor gesehen
Herb
2236;
das solte langes sin geschehen TürlArabel
*A 173,3;
her jüde, iu hæte der tiuvel langes den hals abe gebrochen wan iuwer engel,
der iuwer dâ hüetet PrBerth
1:365,39;
mich muͤwt, daz ich nicht langis / qwam, sint sulch schal mir swerde nimt
Baldem
42
2
‘der Länge nach’
[er] viel mit grozer werde / langes an die erde / vur den
romischen bischof Pass III
318,6.
181,93;
Pass I/II (HSW)
3490.
4858.
14557
u.ö.;
Vät
33160;
Daniel
870;
daz er mit grozer demut / vor dem heiligen licham / langes uf die erden quam
Pass III
217,6;
die straze er vor sich langes nam [er durchlief]
ebd.
243,34;
daruf [
ûf die îserînen banc
] er langes
wart geleit / Cristoforus ebd.
352,72;
mit ungetruwer hanthabe / wart si [...] geslagen
[...] / mit besmen und mit riemen, / daz ir die
blutstriemen / giengen langes und entwer ebd.
680,28;
daz er [...] daz pfert leite / durch die stete breite
/ die gazzen hin unde her, / beide langes und entwer Hester
1436;
bint in [den Stockfisch] langes vnd
zwͦ schinen dar vͤber vnd lege in vf einen huͤltzinen rost BvgSp
38
3
‘längs, entlang’
– Adv.:
diz ist der burgfride den wir beneenen vnd machen, der gait ane an der
Suzenbach vnd den ban oben langes biz in die Iettenbach UrkCorp
(WMU)
904,46.
– Präp. mit Akk.:
des veirzeinden dages quam der bode weder / alden Ryn langis her neder
HagenChr (G)
117
MWB 3,3 861,24; Bearbeiter: Tao
lanke
stswF.
auch lenke ( Brun ), Dat.Pl. lenken
Macc .
anatomisch ungenaue Bezeichnung der Hüftregion, des Unterleibs, ‘Hüfte, Lende,
Seite’ (vgl.
gelenke
stN. 1 und
1lende
)
1 beim Menschen 2 bei Tieren ‘Flanke’
1
beim Menschen:
lumbi: lancha vel ilia [im Abschnitt: de homine et ejus
membris
]
SummHeinr
2:6,104;
Isaias: erit iustitia cingulum lumborum eius. / di rechtikeit
sol an der krenke [Taille] / ein gortel sin an der lenke
Brun
1910;
ist das harn griezich unde daz diu flekelîn schînent dâ inne,
sô lît der harnstain in den lanchen Barth
130,11;
PrüllK
11;
ir brîset iuch zen lanken, / stroufet ab die rîsen! Neidh
SL 22:4,1.
SL14:3,7;
ir tures bluot gereret / ir brivstel vnd ir lanke / und ir hut so blanke /
wurden gar zerfuoret Martina
186,5.
– im Hinblick auf die Geschlechtsorgane (und damit auch als Sitz der
Sünde):
sâmen die von sînen lanchen chômen Gen
834;
lumbi: lancha, lanchen, lumben ob libidinis lasciviam [im
Abschnitt: de membris hominis
]
SummHeinr
1:132,228;
got der srûdlot [prüft] dv
herzin vnde die lanchin [
corda et renes
]
BrEng
7;
so gurte wir die lanche / daz sint die reinen gedanche
VMos
42,15;
also sculen wir der gotes chunfte warten, daz wir unsere
lanchen bedwingen. wie ist daz gemeinet? da sculen wir uns enthaben uon
sunteclichen dingen Spec
126,20.
126,18;
want lanchen min irfullet sint trugnuͦsse [interl. zu:
quoniam lumbi mei impleti sunt illusionibus
]
unde nieht ist gesunt in fleiske minem PsM
37,8.
– übertr.:
so ist ouch in braht / des andren volkes gedenken / uz vil mancher buche
lenken [aus ex multorum librorum collatione der Vorlage,
was auf lat. latus
‘Seite’ bezogen wurde (vgl. Anm.z.St.)] , / daz ez mit
warheit irschine / in der heiligen schrift schrine Macc
236
2
bei Tieren ‘Flanke’
ein hundelîn
[Petitcreiu]
[...] / sîn
varwe was in ein getragen / mit alsô vremedem liste, / daz nieman rehte wiste, / von
welher varwe ez wære: / [...] / zen lanken grüener danne
clê, / ein sîte rôter danne grân, / diu ander gelwer dan safrân Tr
15826;
den brâten, dâ der rucke stiez / über lanken gein dem ende /
wol anderhalber hende ebd.
2903;
wan daz uns irch [der Bock] an lanken ist verlamet
WernhSpr (Z)
10,12.
– bes. bei Pferden:
[ein Zelter] hâte starke bruste, / ze den lanken ze
mâzen smal Flore (P)
2767;
das sin roß in die lancken wunt wart Lanc
414,25;
von spruͤngen sah man biegen / in des rosses lanken
WhvÖst
8097;
Greg
1602
MWB 3,3 861,55; Bearbeiter: Diehl |