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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lechelich - lëckespiʒ    


lechelich Adj. , lechelîche Adv. lachelich

MWB 3,3 957,10;

lëchen swV. vgl. lëchezen . 1 ‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’
2 ‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (bildl. und im Vergleich)
   1 ‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’ doch muoz min herze lechin / nach ir ere die wil ich lebe Martina 53,88. – von Fischen an Land (in Vergleichen; offen zu 2): im begonde sêre erlangen [er war voller Verlangen] , / als einem vische, dem dâ ist engangen / daz wazzer und lechet ûf dem lande Rädlein 175; sie sint also durstic / als ein gevangen hecht, / der an der sunnen lecht HeslApk 14400    2 ‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (bildl. und im Vergleich): dy sunder hi muzen lechen / und vergen gar lesterlich Hiob 1628; sin herze wart so swere / in der unmacht im lechen, / daz er nicht mochte sprechen Pass I/II (HSW) 19909. her Platô [...] wart eins mâls ûf einen kneht / erzürnet, dâ er vor zorne lecht [ ‘vor Zorn fast verging’ (?)] HvBer 3611

MWB 3,3 957,11; Bearbeiter: Hansen

lêchentuom stN. lâchentuom

MWB 3,3 957,28;

lecherheit stF. lëckerheit

MWB 3,3 957,29;

lecherlich Adj. , lecherlîche Adv. s.a. lachelich . 1 ‘ein Lächeln zeigend, lächelnd’
2 ‘lächerlich, lachhaft’
   1 ‘ein Lächeln zeigend, lächelnd’ ist allez sein antlütz und seineu augen sam si lachen oder lächerleich gestalt, sô ist der mensch frœleich BdN 43,32    2 ‘lächerlich, lachhaft’ nû wart dâ ein gevlittir [Gekicher] / von den herrin und ein pfnust [unterdrücktes Lachen, Prusten] . / si sprâchin algemeine sust, / iz wêr ein lechirlîchir sin NvJer 7887

MWB 3,3 957,30; Bearbeiter: Hansen

lëchezen, lëchzen swV. Intensivbildung zu lëchen swV. 1 ‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’
2 ‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (hier bildl., vgl. lëchen 2 ; vgl. dagegen FWB 9,555f. ‘nach Luft japsen, schwer atmen; hecheln’ )
   1 ‘gierig (nach etw.) verlangen, dürsten, lechzen’ als der hirs den sêr durstet lehaczte [La. leket ] nach dem wazzer, alsô durstet mein sêl nach got dem lebentigen prunne MvHeilFr 16    2 ‘an Entbehrung sterben, verschmachten’ (hier bildl., vgl. lëchen 2; vgl. dagegen FWB 9,555f. ‘nach Luft japsen, schwer atmen; hecheln’): doch wen ich daz du [Herz] ringest / mit tode, so tustu ehtzen; / du verst mir in der bruste lehtzen, / sam ein meßer in dir stecke Minneb 5028

MWB 3,3 957,39; Bearbeiter: Hansen

lëckære stM. auch leker, lecker, lecher(e). 1 ‘Possenreißer, Gaukler, Spaßvogel’
2 ‘Kriecher, Speichellecker’ (vgl. hovelëckære )
3 ‘Schurke, Lügner, Betrüger, Verräter’ (bes. als grobes Schimpfwort)
   1 ‘Possenreißer, Gaukler, Spaßvogel’ heißent mir alle die lecker gewinnen, die man mag gewinnen in dem here, und alle die freud machen die ymand gemachen kan Lanc 276,24 u.ö.; welch edel knecht hat leckers ampt / und sich der unzuht niht enschampt, / zwar, der selbe jungelinc / geb uns einen pfenninch Jüngl 149    2 ‘Kriecher, Speichellecker’ (vgl. hovelëckære ): ich enweiz, wem ich gelîchen muoz die hovebellen, / wan den miusen, die sich selbe meldent, tragent si schellen. / des lekers ‘hêr’: miuse klanc! kumet si ûz ir klûs, / sô schrîen wir vil lîht: ‘ein schalc, ein schalc! ein mûs, ein mûs!’ Walth (B) 12:6,3; verhofter leckere ebd. 10:5*,10(Anh.); dir ist ein leker lieb, / der den herren vil gelúget Marner (W) 3:3,18. – wohl i.S.v. ‘Günstling’ swa der juncherre oder der lecker den herren min verstat [vertritt] / und git mir sinen boesen win, die boesten spise die er hat, / dar zuo diu ros ungezzen lat - / da muoz ich adel spehen! FvSonnenburg 25,5    3 ‘Schurke, Lügner, Betrüger, Verräter’ (bes. als grobes Schimpfwort): der lecker uns gelogen hât, / der uns dâ seite mære KvWPart 4454; du lecker, loter, boesewiht, / du schalc FvSonnenburg 70,15; dû wirdest drumbe erhangen / als ein trügnær [La. lecher ] unde ein diep Eracl 1051; lecator: lechere Gl 3:428,55; JTit 263,1; PrBerth 1:34,31. 1:321,16; im Bild: der hunt [ bezeichent uns ] des leckers munt Meissner 6:5,6. – im Sprichw. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 265): nu han ich dick horn sagen das man den lecker schmiczen [übertrumpfen, schlagen] sol mit sinselbs leckery, so ist es gemellich [lustig, spaßig] Lanc 521,6

MWB 3,3 957,50; Bearbeiter: Hansen

lëckærinne stF. ‘Betrügerin, Verräterin’ (vgl. lëckære 3; vgl. auch lacherin ): er gap dem slangen vil grœzer buoze der Êven verriet, dan Êven diu die sünde tet. pfî trüllerin, leckerin, verræterin! PrBerth 2:189,12

MWB 3,3 958,20; Bearbeiter: Hansen

1lecke, legge stF. vgl. auch lëge stF. 1 ‘Leiste, Saum’ (auf einem Kleidungsstück)
2 das Gelegte, ‘Schicht, Lage, Reihe’
   1 ‘Leiste, Saum’ (auf einem Kleidungsstück): in dem selben goltphedele / ein Jaspis schone lachete, / [...]. / daz was an æinem ekke. / anderthalp louhte ein lekke, / sam si wære gestirnet Serv 554    2 das Gelegte, ‘Schicht, Lage, Reihe’ diu burch ist gewerchet / ze unteriste xii legge, / an der gruntveste / aller steine beste [vgl. et murus civitatis habens fundamenta duodecim Apc 21,14] HimmlJer 54; dar nach mit pillen / was geleit ein riche lege; / es waren die vier egke / von wol edelen smaraisen Krone 15675

MWB 3,3 958,25; Bearbeiter: Hansen

2lecke stF. ‘Streichen, Schlagen mit dem Badewedel’ (vgl. wadel): rîben und begiezen / füeget [beim Bad] nâch der lecke [Hs. leche ] wol. / guot louge man gewinnen sol / lûter und lieht gevar Helbl 3,63

MWB 3,3 958,37; Bearbeiter: Hansen

lecke (?) Adj. Bed. unklar: des rates was er lecke wol zu beiden siten. / fur jamer starke hecke sluͦg er in mit triwen an den ziten JTit 279,1

MWB 3,3 958,42; Bearbeiter: Hansen

lëckemunden swV. wohl ‘naschen’ (hier subst.; vgl. PrHess Bd. 1, S. 118): wer die werg wil lan, / der sal auch svnder allen wan / daz leckemvnden miden / vil gar zvͦ allen ziden PrHess 59,89

MWB 3,3 958,45; Bearbeiter: Hansen

1lecken swV. 1 intr. wohl ‘(im Schwitzbad) schwitzen’ (vgl. frnhd. ‘(den Schweiß) hervortreiben’ FWB 9,559f.; dagegen Lexer 1,1850 zu Martina 46,82 ‘benetzen’ und Anm.z.St. in SM:St 1:4,7 ‘sich im Schwitzbad mit dem Badewedel streichen’ )
2 tr. ‘jmdn. (mit dem Badewedel) streichen, peitschen, schlagen’ (hier bildl.)
   1 intr. wohl ‘(im Schwitzbad) schwitzen’ (vgl. frnhd. ‘(den Schweiß) hervortreiben’ FWB 9,559f.; dagegen Lexer 1,1850 zu Martina 46,82 ‘benetzen’ und Anm.z.St. in SM:St 1:4,7 ‘sich im Schwitzbad mit dem Badewedel streichen’): swaz dû uns gîst, daz wurze uns wol, / [...] / daz in uns werde ein hitze, / [...] daz der man erswitze, / daz er wæne, daz er vaste leke SM:St 1: 4,7; sô die lîbe in werdent sat, / sô gênt si lecken in ein bat Renner 9692. – bildl.: leckin in der schanden beder [in der Hölle] Martina 46,82    2 tr. ‘jmdn. (mit dem Badewedel) streichen, peitschen, schlagen’ (hier bildl.): zehant wart ich âne wadel [ohne Badewedel] / die widervart gelecket [zurückgepeitscht] . / ir slac unsanfte smecket BFrau 565

MWB 3,3 958,49; Bearbeiter: Hansen

2lecken swV. ‘von etw. ausgehen, ausfließen’ (mit Präp. von, ûʒ): von diseme grabe leckete / ein ruch, der suze ersmeckete Elis 10015; ein ruͦch gar edel unde her / von deme uzfluzze leckete ebd. 10357; zu des geruͦches wirde, / der uz ir grabe lecket / unde also suze ersmecket? ebd. 10151

MWB 3,3 959,1; Bearbeiter: Hansen

3lecken swV. wohl ‘ausschlagen, aufbäumen’ (vgl. ûf lecken und frnhd. 2lecken FWB 9,558; oder zu lëcken ?): swelch pfert die lenge müezic gêt / und bî vollem fuoter stêt, / daz lecket, scherzet und bîzet Renner 4205

MWB 3,3 959,7; Bearbeiter: Hansen

lëcken swV. ‘lecken’ 1 ‘etw./ jmdn. ablecken’ (vgl. auch ane lëcken )
2 ‘etw. auflecken’
3 phras. mit gensen ~ wohl i.S.v. ‘sich auf das niedrige Niveau anderer begeben’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 155f. s.v. gans )
   1 ‘etw./ jmdn. ablecken’ (vgl. auch ane lëcken ): swa die hunt die wunden mit ir zungen lekchent, da von heilent die wunden PrOberalt 118,23; vil tiere [...], / dú kament och [...], / ze Ihesu irm herren / [...] : / sú nigent sinen fuͤssen, / sú kustent und leketent in do WernhMl 6975. 5362; an henden unde an vüezen / begunden si dô lecken / den herren KvWPant 1465; dy hunde quomen unde lecten ym [Lazarus] syne sweren [ canes veniebant et lingebant ulcera eius Lc 16,21] EvBerl 104,1; Erz III 59,27; SAlex 4429; PsM 71,9; bildl.: swenne uns die heiligen lerær mit ir zungen unser wunden die in dem hertzen sint lekchent PrOberalt 118,26. – mit Ersparung des Obj.: die welfer quamen / geloufen und benamen / leckende im den smerzen Daniel 4949; als der schorp mit der zungen lekt und mit dem zagel hekt KvMSph 23,28; MNat 14,27; subst.: des hundes zung hailt sein aigen wunden und auch ander wunden mit lecken BdN 126,6    2 ‘etw. auflecken’ daz [ honicseimelîn ] leckete er in den nœten doch Renner 23565. 23578; si leckent salz, daz in ze gallen wirt Wartb (H) 389:2,9; KvWTroj 6068; bildl.: die sunne den tou lecket / der im grase stecket; / swenne sie warme schinet, / der tou so gar vorswinet / daz al daz graz trucken wirt HeslApk 3317; daz min hertz auch genuße / ir gnaden suße confeckt / und auch ir helfflich bulver leckt Minneb 3508. – etw. ab/ von etw. ~ ‘etw. von etw. ablecken, auflecken’ er lecke von einer wende bri MinneR 52 80; si ezzent kleybaschen / und gênt umb naschen / und leckent daz koch ab der want EnikWchr 27431. – etw. in sich ~ : mit ir krotensâmen, der unreinen ketzerlîchen lêre, die er in sich gelecket hât sam diu katze daz eiter von der kroten [...]. sô diu katze die kroten alsô gelecket, sô beginnet sie al zehant dorren PrBerth 1:405,18    3 phras. mit gensen ~ wohl i.S.v. ‘sich auf das niedrige Niveau anderer begeben’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 155f. s.v. gans): manger höret gern mär / von türssen und von reken. / wolt ich mit gensen leken, / ich wolt auch liegen also vil, / das nieman west der lugen zil KvMSph 2,15

MWB 3,3 959,12; Bearbeiter: Hansen

lëcker Adj. ‘schmackhaft, lecker’ (vgl. lëckerîe 3): daz kostel [die Köstlichkeit] ist in gar lecker, / waz sy des mochten genyzen Hiob 11302. – ironisch: daz ist guͦt vnd mag wol sin / ein guͦt lecker spigerihtelin [Speigericht, Kotzspeise] BvgSp 54

MWB 3,3 959,55; Bearbeiter: Hansen

lëckeren, lëckern swV. sich wie ein lëckære benehmen, ‘lügen, betrügen’ (vgl. lëckære 3): der hof hât drîer hande diet: / gehoft unt ungehoft, verhoft [...]. / verhoft daz leckert zeteslîchen stunden: / sost ungehoft mit schame doch gebunden RvZw 194,7

MWB 3,3 959,60; Bearbeiter: Hansen

lëckerheit stF. auch lechirheit. 1 ‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl. lëckære 3 und lëckerîe )
2 ‘Geilheit, Lüsternheit, Unzüchtigkeit’
3 ‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’
4 ‘Überheblichkeit, Arroganz’
5 ‘Unfug’
   1 ‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl. lëckære 3 und lëckerîe ): Reinhart wart vil gemeit / von der kleinen leckerheit ReinFu K,198 u.ö.; unmâze ist des vrâzes munt, / der erge slôz, der girde hunt, / [...]. / wizzet vür die wârheit, / si ist ouch zunge der leckerheit WälGa 9906; sô wizzt daz leckerheit ist / bî dem geluste zaller vrist ebd. 4187 u.ö.; bi disen dingen ist bezeichent di leckerheit der vreze HlReg 41,16; personif.: seht ir niht der unkiusche schar / diu sich dort hât gewâfent gar? / in ir schar vert leckerheit, / vrâz und ouch trunkenheit WälGa 7403. ob aber der bös chneht [...] beginnet der leckerheit mit sinen gesellen. aber er izzet vnd trinket mit trvnkenheit [vgl. App.z.St. und coeperit percutere conservos suos manducet autem et bibat cum ebriis Mt 24,49] EvAug 62,8    2 ‘Geilheit, Lüsternheit, Unzüchtigkeit’ vil gerne bekander / der küniginne leckerheit, / als ich dâ vor hân geseit, / durch daz er si geschante HBirne 345; wie sie [die Königin] betrouc diu minne, / dô si den list eröugete, / dâ mite si erzöugete / ir manne die grôze leckerheit ebd. 496    3 ‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’ ein boum wær wol mit in [ lugenæren und zagen, die aufgehängt würden] gecleidet, / enhalp mit starker leckerheit, / dishalp des swert nie vînt versneit / unt doch mit rede vor liuten vil gevreidet RvZw 155,10    4 ‘Überheblichkeit, Arroganz’ nu ist mir leit / daz ich dich ûf der wîten / nit hab, ûf jener heide breit: / sô künd ich mit dir strîten. / grôz leckerheit ich an dir spür. / ich gib dir des mîn triuwe: / ez treit dich kleine für JSigen 151,11    5 ‘Unfug’ so daz zeichin wirt gehoͥrt vnde im lv́tit ze gottis dienste so [...] svn [soll man] mit baldir gehĭ dar loͥffin. vnde doh also daz dv lechirheit inchein vuͦrvnga vinde an dem loͥffinne [ ut non scurrilitas inveniat fomitem ] BrEng 43; lechirheit vnde mvͦzigv wort [ scurrilitates vero vel verba otiosa ] dv lahtir bweigint dv virdamnen wir mit ewigir bisluzda an allen stetin ebd. 6

MWB 3,3 960,1; Bearbeiter: Hansen

lëckerîe stF. 1 ‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl. lëckære 3 und lëckerheit )
2 ‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’ (vgl. lëckerheit 3 )
3 ‘wohlschmeckende Speise, Leckerei’ (vgl. lëcker Adj.)
   1 ‘Sittenlosigkeit, Lasterhaftigkeit’ (vgl. lëckære 3 und lëckerheit ): eteswenne ich in den werken bin, / daz mir diu schame nimt den sin, / want ich leb in lekerîe Wh 193,25; er het von herzenleide den sin verlorn, [...]. / aber an leckerie gelichet er sich von siben jaren den kinden JTit 463,4; schupfend oder drabende wirt da leckerie mit ackuste ebd. 242,2. 4298,4; ob aber der bös chneht [...] beginnet der leckereie mit den chinden vnd mit den dirnen [vgl. App.z.St. und coeperit percutere pueros et ancillas et edere et bibere et inebriari Lc 12,45] EvAug 168,17. – im Sprichw. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 265): nu han ich dick horn sagen das man den lecker schmiczen [übertrumpfen, schlagen] sol mit sinselbs leckery, so ist es gemellich [lustig, spaßig] Lanc 521,7    2 ‘betrügerisches Wesen, Verlogenheit’ (vgl. lëckerheit 3): dû [Spielmann, der falsches Lob gegen Bezahlung spendet] bist uns aptrünnic worden mit schalkeit unde mit leckerîe PrBerth 1:155,37; lêret man ez [ein Kind] aber leckerîe unde schalkeit, ez muoz iemer mêr sîn ein lecker und ein schalk ebd. 1:34,30. – bei Hadam bildl. bezogen auf einen Fluss, in dem das Wild dem Jäger bzw. seinen Hunden zu entkommen versucht (vgl. auch Dalby, Mediaeval Hunt, S. 131f., der hier unter zweifelhaftem Anschluss an 1lecken einen jägersprachlichen Terminus vermutet): hie bî ein wazzer rinnet, / [...]: ‘daz ist diu leckerîe. / swer die niht wol besetzet [mit Jagdgehilfen] , / der nietet sich unsælden vil dâ bîe.’ Hadam 427,5; swaz an dem Schalkeswalde / mit jagen wirt ersprenget, / daz wil ouch fliehen balde / hin gên dem wazzer [...]. / diu leckerîe hât vil manic giezen, / swer ez wil dannen bringen, / der muoz ouch geselleschaft geniezen ebd. 428,5; ez kan diu leckerîe / wildes neren wunder ebd. 439,1. 437,7 u.ö. sol Triege Triuwen dringen / von sîner verte süeze, / dâ mac ouch wol entspringen / diu leckerîe und ir falscher grüeze Hadam 447,4    3 ‘wohlschmeckende Speise, Leckerei’ (vgl. lëcker Adj.): das lant [...] ist gar lustik und wol gemant unde vol getreydis und allir vrucht der boume und czumole mulbern und allir leckeryge MarcoPolo 28,31

MWB 3,3 960,41; Bearbeiter: Hansen

lëckerlich Adj. , -lîche Adv. adv. auch -lîchen. 1 ‘sittenlos, lasterhaft’
2 ‘überheblich’
3 ‘(üppig) schlemmend’
4 ‘schmackhaft, lecker’ (vgl. lëcker Adj.), hier bildl.
   1 ‘sittenlos, lasterhaft’ nieman schol die swachen / ahten niht ze luͤten: / ir leckerliches truͤten / geschiht in unkunst, / werder luͤte ungunst / suͤln si billich tragen WhvÖst 12336    2 ‘überheblich’ ein tagalt ich wol lîde, / sô gar ein kündic vohe / sich dunket gar geschîde / [...] und wænet, daz si nieman müg beschalken, / [...]. / swenn ich sô leckerlîchen / ein fühsel sich [sehe] gebâren Hadam 433,1    3 ‘(üppig) schlemmend’ de by dir sitzend, de sint louelich / ind essen ind drincken leckerlich [im Gegensatz zu den Armen, die abseits sitzen und nur dürftig gespeist werden] Karlmeinet 355,66    4 ‘schmackhaft, lecker’ (vgl. lëcker Adj.), hier bildl.: o wie smackent [duften] die leckermursel [La. leckerlichen mursel ] so wol heruz in die arme nature Tauler 98,18

MWB 3,3 961,22; Bearbeiter: Hansen

lëckermunt stM. ‘Mund eines Lügners, Betrügers’ (vgl. lëckære 3): der leckermunde zunge ist snel: / swâ man si gerne hœret, dâ sint si kündic unde hel / zem bœsten, niht zem besten, ûf argiu dinc ze schuzze vil bereit RvZw 157,1

MWB 3,3 961,39; Bearbeiter: Hansen

lëckermursel stN. ‘Leckerbissen’ o wie smackent [duften] die leckermursel so wol heruz in die arme nature Tauler 98,18

MWB 3,3 961,44; Bearbeiter: Hansen

lëckervuore stF. Verhalten eines lëckære 2, ‘Schmeichelei’ kunstloser buͦbe machet / valsches lop durch crankes guͦt / [...] : / den werden niht gevalle [l. gevallen ] / sol kein lecker fuͦr WhvÖst 14177

MWB 3,3 961,47; Bearbeiter: Hansen

lëckespiʒ, lëckenspiʒ stM. jmd., der den (Brat-)Spieß ableckt; als Schimpfwort für einen gierigen Menschen (vgl. auch lëckære 3): sô tuost dû vil gerne dieplîche mit dînen gesellen, unde begiezent ein kar [eine Schüssel] vol brôtes unde giezent daz veizte ab dem fleische, und ez müezent die liute unde die hêrschaft ungesmake kost ezzen. dû vil ungetriuwer leckespiz! PrBerth 1:85,25; wê dir, ungetriuwer leckespiz ebd. 1:479,14; sô er [der Teufel] anders niht geschaffen mac [die Menschen zu verführen] , sô tuot er als die lockspiezen [Hs. leckspiss ] , wanne den niht anders werden mac, sô luckent [Hs. leckn̄ ] sie den spiez ebd. 2:17,20 (Angaben lockspiss bzw. locken im App. Verlesungen); lekchenspiz PrBerth (R) 250,145 (vgl. wann iz ist ettleicher als vntugenthaft, so im nicht anders werden mag, er lêchet [l. lekchet ] e den spiz ebd. 251,155f. ). – wohl als abwertende Bez. für einen Küchenknecht (vgl. AWB 5,800): lichsa [d.i. lixa ] : lechespiz Gl 3:428,53. – Lit.: H.U. Schmid, leckenspiz und wachtelbein, in: A. Greule u.a. (Hgg.), Die bairische Sprache (FS L. Zehetner), Regensburg 2004, S. 245–262

MWB 3,3 961,52; Bearbeiter: Hansen