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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   leidunge - leim    


leidunge stF. ‘Leiden’ dise zaichen der ordenunge des wolgeschaffen augenn und ungeschaffenn augen werdennt wechant pei achtt dinngen: von der werüerunge, [...] von der farbe, von der michele [ quantitate ] , von den leidungen die daraus gent [ ab eis passionibus que ab eo exeunt ] HvHürnh 46,4; swenne he [der Minnekranke] sich uortufet mit gedanken. so uortribet he beide des libes werc vnde der sele. wande der lip uolget der sele in ir getat. vnde di sele deme libe an siner leidunge SalArz 34,4

MWB 3,3 1010,60; Bearbeiterin: Baumgarte

leie stF. (Gen.) , -lei(e) Suffix aus afrz. lei, loi, vgl. Suolahti 1,145, Kluge, S. 566 s.v. -lei, Kolb, leie; nur im Gen. Sg. und Pl. belegt in den Formen lei(e), leige, auch leije ( SM:Tr 6: 1,3; SM:Wi 3: 1,12; SM:St 3: 1,2. 10: 1,7 ); Gen. Pl. vereinzelt -en (vgl. 1.3); i.d.R. mit vorangestelltem Numerale oder Pronomen (demonstr. [relat.], interr., indef.); Rel.-Satz einleitende Pron. greifen i.d.R. nicht leie auf, sondern dessen Bezugswort; es lässt sich in bestimmten syntaktischen Umgebungen ein subst. Gebrauch (1) und ein Gebrauch als Suffix (2) nachweisen, wenn sich auch der größte Teil der Belege weder formal noch semantisch zuordnen lässt (3); in seltenen Fällen kommt es auch zu inkongruenter Syntax (im Folgenden gekennzeichnet). 1 subst. ‘Art, Sorte’
1.1 im attr. Gen. mit best. Artikel und schwacher Flexion der vorausgehenden Begleiter (Numeralia, Pronomina)
1.2 im part. Gen. als Subj. oder Obj.
1.3 vereinzelt bei starker Flexion der vorausgehenden Begleiter (hier maniger , vgl. 3.2.7 ) und (sw. ?) Gen. Pl. auf -en (vgl. 2 5 Mhd. Gr. § M 18, Anm. 7; Mhd. Gr. (KSW) 2 § S 59 Anm. 1)
2 Suffix zur Bildung von Adj. (und Adv., vgl. 2.3 )
2.1 bei einem unflektierten Basiswort (i.d.R. Numeralia größer als drei; auch indef. waz und ander (zum Nhd. hin dann zunehmend obligtorisch st. Gen. der Basis, auch ungrammatische Parallelbildung, vgl. wazerlei Lexer 3,707 mit frnhd. Belegen, waserlei DWB 13,2289f.); i.d.R. attr., vorangest.
2.1.1 vierleie ‘viererlei, von vier verschiedenen Arten’
2.1.2 vünfleie , auch vünferleie ‘fünferlei, von fünf verschiedenen Arten’
2.1.3 sechsleie ‘sechserlei, von sechs verschiedenen Arten’
2.1.4 sibenleie , auch sibenerleie ‘siebenerlei, von sieben verschiedenen Arten’
2.1.5 zehenley ‘zehnerlei, von zehn verschiedenen Arten’
2.1.6 wazleie ‘welcherlei, welcher Art’
2.1.7 anderleie ‘anderer, einer zweiten Art’ (vgl. aber flexivloses ander im Gen. Sg. Fem. und Pl. vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2 § P 382)
2.2 bei Kongruenz mit dem Dat. des Subst.
2.3 vereinzelt adv.
3 bei st. Gen. der vorausgehenden Begleiter/  Basis (für Num. von eins bis drei wohl obligatorisch) weder formal noch semantisch erkennbar, ob Subst. oder Suffix; i.d.R. attr. dem Bezugswort vorangestellt ( manigerleie bei Herb häufiger in Postposition), seltener präd.
3.1 mit Numeralia von eins bis drei
3.1.1 einer(-) leie
3.1.2 zweier(-) leie ‘zweierlei, zweier Art’
3.1.3 drîer(-) leie ‘dreierlei, dreier Art’
3.1.4 vünfer(-) leie 2.1.2
3.1.5 sibener(-) leie 2.1.4
3.2 mit Pronomina
3.2.1 aller(-) leie ‘jeder Art’
3.2.2 beider(-) leie ‘beiderlei, beider Art’
3.2.3 deheiner(-) leie ‘keinerlei, keiner Art’
3.2.4 der(-) leie ‘derlei, solcher Art’
3.2.5 einiger(-) leie ‘irgendein, irgendeine Art’
3.2.6 keiner(-) leie ‘keinerlei, keiner Art’
3.2.7 maniger(-) leie ‘vielerlei; verschiedener Art’
3.2.8 neheiner(-) leie ‘keinerlei, keine Art’
3.2.9 swëlcher(-) leie ‘welcher Art (auch immer)’
3.2.10 wëlcher(-) leie ‘welcherlei, welcher Art’
   1 subst. ‘Art, Sorte’    1.1 im attr. Gen. mit best. Artikel und schwacher Flexion der vorausgehenden Begleiter (Numeralia, Pronomina): ein blâ tûch derselben leye vor eine mark UrkZeitz 1,23 (a. 1322); syrenen trug der milte / Appolonius an dem schilte, / der selben lay ain rundel [Wappenschild am Helm] HvNstAp 12292; nu vant ich ain puoch ze latein der selben lai BdN 485,36; der drittenlai zend sint hawer ebd. 14,5; der andern lai swefel haizt erleschter swefel ebd. 480,34. 374,33. 432,1. 455,5 u.ö.    1.2 im part. Gen. als Subj. oder Obj.: ainer lai paum wachsent in dem land gegen der sunnen aufganch BdN 312,24. 339,28; der dritten lai ist weizlot ebd. 356,32; ainr lai wechst hœher wan der andern lai ebd. 316,32; ez ist auch ainer andern lai des krautes, daz ist guot und smeckt wol ebd. 421,27. 356,27; (syntaktisch unklar [zu ander vgl. 2.1.7]: ez ist auch ainer ander lai swammen ebd. 402,1. 269,22; noch ist ain dritten lai der stain ebd. 441,23. 325,25. 339,28; auch der êrsten lei ... der ander: ez ist dreier lai wein. der êrsten lai ist wäzrig und dünn, der ander erdisch und dick ebd. 351,32 ). – als Obj.: von golden ain reiches klaid / ward der frauwen an gelaid. / der selben lay legt an sich / Appolonius HvNstAp 5981    1.3 vereinzelt bei starker Flexion der vorausgehenden Begleiter (hier maniger, vgl. 3.2.7) und (sw. ?) Gen. Pl. auf -en (vgl. 2 5Mhd. Gr. § M 18, Anm. 7; Mhd. Gr. (KSW) 2 § S 59 Anm. 1): schône dringent dur daz gras / bluomen manger leijen SM:St 3: 1,2. 10: 1,7 (vgl. den ebenfalls im Alem. belegten -en Gen. Pl. in maniger handen hant 13); [Bibellesen schadet] sunderlichen doch den leien [Ungelehrten] / die niht kunnen mancherleien / schrift hin unde here lenken Macc 14360    2 Suffix zur Bildung von Adj. (und Adv., vgl. 2.3)    2.1 bei einem unflektierten Basiswort (i.d.R. Numeralia größer als drei; auch indef. waz und ander (zum Nhd. hin dann zunehmend obligtorisch st. Gen. der Basis, auch ungrammatische Parallelbildung, vgl. wazerlei Lexer 3,707 mit frnhd. Belegen, waserlei DWB 13,2289f.); i.d.R. attr., vorangest.    2.1.1 vierleie ‘viererlei, von vier verschiedenen Arten’ bi den sint bezeichent vierlai dinch PrBerthKl 2,41. 6,18 u.ö.; von vierleie nutz Mechth 5: 2,1. 5: Reg. 4; ez sint vierlai sneken BdN 258,26. 31,15;    2.1.2 vünfleie, auch vünferleie ‘fünferlei, von fünf verschiedenen Arten’ an im [dem Körper] sint uolbracht vunfleie sinne SalArz 26,31; von fúnfleie craft der minne Mechth 4: 28,1. 5: 34,1. 5: Reg. 49. von fúnferleie craft der minne Mechth 4: Reg. 45    2.1.3 sechsleie ‘sechserlei, von sechs verschiedenen Arten’ von sehsleie craft gottes gabe Mechth 6: Reg. 22; von sehsleie kinden únsers herren gottes ebd. 5: 24,1. 5: Reg. 32    2.1.4 sibenleie, auch sibenerleie ‘siebenerlei, von sieben verschiedenen Arten’ von sibenleie schoͤni der minnenden sele Mechth 5: 4,2. 5: Reg. 8. bî dem worte mac man nemen siben lêre und sibenerleie trôste Eckh 5: 49,20. – vereinzelt präd.: wan daz [ gesmeid ] ist sibenlai: golt silber gunderfai [natürlich vorkommende Legierung aus Silber, Gold (und Kupfer)] kupfer zin plei und eisen BdN 474,4    2.1.5 zehenley ‘zehnerlei, von zehn verschiedenen Arten’ wie der almehtige got die heilige kristenheit geordent hât mit zehen leie liuten PrBerth 1:141,26    2.1.6 wazleie ‘welcherlei, welcher Art’ waz leige werkes si began, / da was got ie gefuget in Elis 776; vmme waz leye sache daz were UrkCorp (WMU) 1200,28    2.1.7 anderleie ‘anderer, einer zweiten Art’ (vgl. aber flexivloses ander im Gen. Sg. Fem. und Pl. vgl. Mhd. Gr. (KSW) 2 § P 382): ze däutsch ain wälhisch nuz [...], dar umb, daz man ir ain underschaid hab [...] von ander lai nuzzen BdN 333,33; ze vnderstenne raûp vnt prant vnd anderlaie schaden UrkCorp (WMU) 1038,34; anderleie indekl. Indef.-Pron.    2.2 bei Kongruenz mit dem Dat. des Subst.: von zweierleien armen lúten, die minnenklich und pinlich arm sint Mechth 3: Reg. 31 (vgl. aber häufigeres -leie 3.1.2 ebd. 3: 19,1 u.ö. ); die trinken, ezzen und spil / hir leren und unvuren / mit siben leien huren HeslApk 3730 (oder Dat. mit sw. Gen. von huore ?)    2.3 vereinzelt adv.: zwey augen zweyerleye getan, / als ich wol zwirunt gesehen han, / braun einz, daz ander gra gestalt Physiogn 189; [sie sandten Botschaften nach Rom und Sparta] und in andre stete alsam, / die man einerleie vernam Macc 5666    3 bei st. Gen. der vorausgehenden Begleiter/  Basis (für Num. von eins bis drei wohl obligatorisch) weder formal noch semantisch erkennbar, ob Subst. oder Suffix; i.d.R. attr. dem Bezugswort vorangestellt (manigerleie bei Herb häufiger in Postposition), seltener präd.    3.1 mit Numeralia von eins bis drei    3.1.1 einer(-) leie: – ‘einer gewissen, bestimmten Art’ ez sin etliche als einer laie ophel, di wahsent in dem vervlvchten lande, di sint vzen schone, vnd [...] ein vnflat innen PrBerthKl 4,32; BdN 269,21 u.ö.; HvHürnh 1,7. – ‘ein und derselben Art, identisch’ sparwær. daz ist ain edel vogel und ist klainr an der grœz und an der sterch denne der greiffalk, [...], und habent doch paid ainrlai varb BdN 207,28; DvASchr 369,4; (vgl. syntaktisch unklar: der zaher [...] ist dreier lai. daz ainr lai ist weiz BdN 369,10 ); einerleie Adj., Adv., Pron. (?)    3.1.2 zweier(-) leie ‘zweierlei, zweier Art’ wachin ist zveierleie. einez ist naturlich. daz ander unnaturlich SalArz 23,39; ez ist zweierleie wizzen in disem lebene des êwigen lebens Eckh 5: 240,2; ich habe zwoͤigerleige lúte arm gesehen Mechth 3: 19,2; von zweierleie armen lúten ebd. 3: 19,1. 5: Reg. 4; Mühlh 148,24; PrOberalt 142,22. 148,34; BdN 203,16 u.ö. – präd.: adamas ist ain edel stain, der ist zwairlai BdN 432,34 u.ö.; der aufgank und der underval der himelzaichen ist zwaierlay KvMSph 36,25; diu riuwe ist zweierleie: diu ein ist zîtlich oder sinnelich, diu ander ist götlich Eckh 5: 236,2    3.1.3 drîer(-) leie ‘dreierlei, dreier Art’ do sach ich di drierleyge kirsin vf eyme boume wachsin Pelzb 127,28. 119,23; drîerleie betrüepnisse ist, daz den menschen rüeret und drenget in disem ellende Eckh 5: 8,4; das úns got gegeben hat drierleige gabe an der waren wisheit Mechth 4: 3,9. 4: 22,29. 3: 1,109. 5: Reg. 2. 6: 8,31. – nachgestellt: in der jungesten zit soltu haben minne, gerunge, vorhte, rúwe drierleie Mechth 6: 6,2. 6: Reg. 12    3.1.4 vünfer(-) leie2.1.2    3.1.5 sibener(-) leie2.1.4    3.2 mit Pronomina    3.2.1 aller(-) leie ‘jeder Art’ so sal he den magen vurben [...] vnde sal miden allerleie vische vnde uleisch da sich fleuma uon meret SalArz 42,39 (vgl. syntaktisch unklar: nu well wir von der aller lai würmen hie sagen BdN 287,22 ); allerleie Adj., Pron.    3.2.2 beider(-) leie ‘beiderlei, beider Art’ wizz, daz die paiderlai maulper pœs pluot machent BdN 330,31    3.2.3 deheiner(-) leie ‘keinerlei, keiner Art’ wiedder uwern willen wil ich dheynerley ding thun Lanc 107,18. 120,31. 160,24    3.2.4 der(-) leie ‘derlei, solcher Art’ nu begonde salben / di edele unde di frie [das Kind] / mit der leie arzetie, / daz iz drade wart gesunt Elis 7414; dar umb macht man lägel auz derlai holz BdN 332,31. 337,8 u.ö.    3.2.5 einiger(-) leie ‘irgendein, irgendeine Art’ das wyddir wir noch vnsir erben [...] eynigerleye dinst noch gerechtickeit dar uff zcu setzene haben UrkCorp (WMU) 222AB,22,13    3.2.6 keiner(-) leie ‘keinerlei, keiner Art’ ir lib, ir sel und ouch ir muͦt / die hat Got selber insiner pflicht, / das sÿ moͤcht betruben nicht / kainer laÿe sunde schaden KvHelmsd 259; sus lebt er ein mânôt, / daz in keiner leie slahte nôt / von vreuden gescheiden mahte Wigam (B) 1217; daz keinerleye unfuͤr darinne geschehe WüP 62,5. 32,3; BdN 262,34. 277,32; HeslApk 21702. 20553; Daniel 3789    3.2.7 maniger(-) leie ‘vielerlei; verschiedener Art’ si sahen lewen striten und mangerleie wundersam getwirge [Zwerge] JTit 6109,2; in manger leie ahte / hân ich dich gelêret Wigam (B) 394; UrkCorp (WMU) 548ABC,10,11,35; Ägidius 931; Herb 16694; Tauler 50,27; KLD:Kzl 12: 1,2. – nachgestellt: fröide gît / ouch der meije mangerleije SM: Wi 3: 1,12; wurze maniger leige Herb 14346; meist von klage u.ä.: daz geschrei / vnde klage maniger leie Herb 2776. 10198 u.ö. – präd.: vngesmackiz wazzerer ist manchirleie. einiz ist gesalcin. einiz svebelic. daz dritte pechic. [...] SalArz 19,54 u.ö.; manic    3.2.8 neheiner(-) leie ‘keinerlei, keine Art’ nicheinirleigi sache Mühlh 106,1    3.2.9 swëlcher(-) leie ‘welcher Art (auch immer)’ swelher leie sünde ez dâ ist PrBerth 1:212,36; "herre Krist von himele, / [...] swer in dînem namen mich êre / mit swelher leie guote, / dem hilf ûz sîner nôte MargAntioch II 639; Mühlh 180,26. 170,18; UrkCorp (WMU) 982,35. 331,8    3.2.10 wëlcher(-) leie ‘welcherlei, welcher Art’ welicher leie dienste die nidern den obern schuldic und undertænic sint PrBerth 1:141,27; sin kaufmanschaft, welherleie die were WüP 79,5; BvgSp 56

MWB 3,3 1011,7; Bearbeiterin: Baumgarte

leie stswF. vgl. DWB 6,681f. 1 ‘Fels’ (as. leia , vgl. Kluge, S. 566 s.v. Lei ; weiterer Beleg stF., Lexer 1,1868 a. 1361)
2 ‘Schiefer’ (vgl. Glr.z.St.; weitere, jüngere Belege vgl. FWB 9,861f. s.v. 2leie ; s.a. leiendeckære )
   1 ‘Fels’ (as. leia, vgl. Kluge, S. 566 s.v. Lei; weiterer Beleg stF., Lexer 1,1868 a. 1361): die stat und die burg warn hoch gelegen off einer selbwahsen leyen [auf einem natürlichen Felsen] ; einhalb under der leyen lieff die rivire schön und breit, und anderhalb lag der walt groß und schön Lanc 486,11; der weg was sere eistlich und ging zwuschen zweyn leyen hien, die groß und hoh waren ebd. 620,29; er stach yn so sere das er uß dem satel fure uff jhen harten leyen ebd. 621,30; da kert Galahot das pfert umb und reit die leie wiedder [zurück] ebd. 487,35 u.ö. – wohl nicht hierher (anders, trotz stM. noch Lexer und DWB i.S.v. ‘Weg’), sondern Schreibermissverständnis aus c’Elegie (elsäss. Ort Eligium, heute Ehl, vgl. Glr.z.St.): dannin santir drî heilige man, / ci predigene den Vrankan: / Eucharium unti Valêrium, / der dritti geinti [d.i. geendete ] ûffin leige Anno 32,8    2 ‘Schiefer’ (vgl. Glr.z.St.; weitere, jüngere Belege vgl. FWB 9,861f. s.v. 2leie; s.a. leiendeckære ): it. de domo follonum tegenda pro schindelen, leuen, funibus, cannalibus, doerde [ dorrede ?] , clavis et aliis multis necessariis 18 m. 3 s. StRechAachen 149,21

MWB 3,3 1014,9; Bearbeiterin: Baumgarte

leie swM. auch leige (:aige, vgl. z.B. VRechte 522 ); aus lat. laicus; häufiger mit attr. tump. 1 Person, die nicht dem Klerus angehört (vgl. z.B. LThK 6,589-597, bes. 591; LexMA 5,1616f.; Borgolte, Die mittelalterliche Kiche, bes. S. 33f.) ‘Laie’
1.1 allg., Person ohne kirchliches Amt mit vom Kleriker verschiedenen Rechten und Pflichten
1.2 spez. als Anrede an das männliche Publikum im Minnesang (meist mit einem höfischen Epitheton; oft neben einer Anrede des weiblichen Publikums)
2 Person, die ungelehrt ist
2.1 bezogen auf theologische Fragen
2.2 bezogen auf weltliches Wissen
   1 Person, die nicht dem Klerus angehört (vgl. z.B. LThK 6,589-597, bes. 591; LexMA 5,1616f.; Borgolte, Die mittelalterliche Kiche, bes. S. 33f.) ‘Laie’    1.1 allg., Person ohne kirchliches Amt mit vom Kleriker verschiedenen Rechten und Pflichten: auz dem gelauben tretent etleich ketzer, die sich in laien weis ân all weih an nement peiht ze hœren und ze vergeben den läuten ir sünd BdN 217,11; Spec 25,6; ein infel [Bischofshut/  Tiara] unde ein krône die pflegent nû der kristenheit / mit ir gerihten schône. / [...]. / ir pfaffen unde ir leien, / wâ vindent ir ein sicherheit / vor den gerihten zweien? KLD: Kzl 2: 7,15; Walth 9,25; dirre dinge [dass der phaffenvürste seinen (Blut-)Richter vom König genehmigen lassen muss] bedarf ein leie [ein Fürst, der kein Kleriker ist] niht der gerihte enphæhet von dem künige SpdtL 164,13 u.ö.; iz ist reht, daz der leie / eine chonen aige [eine Ehefrau hat] VRechte 407 u.ö.; Mechth 4: 10,2; SM:We 1: 1,1; das sint zwei leben: der rehten leyen leben vnd der geistlichen lvͤite leben Konr 18,29 u.ö.; diu cristenheit gelepte nie sô gar nâch wâne. / die sî dâ lêren solten, die sint guoter sinne âne. / es wær ze vil, und tæt ein tumber leie daz Walth 33,33; VRechte 431; Spec 139,3; RvEBarl 13575. – auch bezogen auf die Dichotomie von gelehrten, geweihten Brüdern und Laienbrüdern im Kloster: sô die brûdere zu ezzene kument, sô sulen die pfaffen den gewonlichen segen unde die leigen ein pater noster unde ein ave Maria sprechen StatDtOrd 40,18. 34,27. 35,11; wan da ain orden ist vnd da phaphen vnd laien ain gehorsaim tvent, daz wer vnpilliech, wer div bvͤz vngeliech SpitEich 24,5. leien unde phaffen (und Varianten) zur Umschreibung für ‘alle Menschen, jedermann’ dô schiet / sich diu riuwige diet. / leien unde pfaffen / die vuoren ir dinc schaffen Iw 1595; der kayser lat die läwt klaffen, / paide layen und pfaffen, / und wais er doch das sein darinn KvMSph 3,25; er sei laye oder pfaffe PrOberalt 71,28 u.ö.; vor phaffen, noch vor leien StrKD 48,43 u.ö.; UrkCorp (WMU) 475AB,31,35 u.ö.; Eracl 2818; SM:UvB 1: 1,13; BdN 300,32 u.ö.; JJud 762; manic mensch, daz ez vernam, / quam von andern landen dar, / phaffen, leien manigiu schar LvRegFr 4900. 2328. – zusammen mit ähnlich umfassenden paarigen Ausdrücken: ez si frauwe oder man, rich oder arm, pfaffe oder leye, wie sie genant sin, geistlich oder werltlich WüP 97,3; ez si pfaffe oder leye, herre oder kneht, frawe oder magt, rich oder arm ebd. 98,2; edele unedele, arme und rîche, / leien unde phaffen LvRegFr 1593    1.2 spez. als Anrede an das männliche Publikum im Minnesang (meist mit einem höfischen Epitheton; oft neben einer Anrede des weiblichen Publikums): ir vil wunnenclîchen wîp, ir wolgemuoten leien, wünschet daz mîs herzen trût mich von den senelîchen sorgen scheide KLD: GvN 7: 3,1; megde leigen, wir sun reigen nû den sumer lanc ebd. 46: 2,4; wol ûf, ir hübschen leien! / wir suln die fröide heien, / vil frœlîch tanzen reien ebd. 14: 1,12; êregernden stolzen leien, fröit iuch gen dem süezen meien, / gen der fröidebernden zît. / hiure siht man megde reien. / dar sult ir iuch frœlich zweien KLD: Kzl 9: 2,1 u.ö.; sît undertænig minne, werden leigen SM:WvT 4: 1,5; SM:KvL 12: 1,1. 7: 1,6; Tannh 7,2; SM:Wi 4: 2,9    2 Person, die ungelehrt ist    2.1 bezogen auf theologische Fragen: der meister sprach: uon gote geturre wir nith ze uerre gereden, wan die leigen kemint lithe in einen grozen zuiuel, so sie ze tiefe rede vernement, der sie sich verstan nith enmúgen Lucid 5,2; wie stat ez vnbe die leigen, die sich der grozen bezeichenunge niht verstan encúnnent noch enmugent? ebd. 76,9; swaz ich leien ie gesach, / sô vernam ich nie sô wîsen niht. / kunnet ir der buoche iht? StrAmis 1350    2.2 bezogen auf weltliches Wissen: der môn [Mond] hât in im swarz flecken, und sprechent die laien, ez sitz ain man mit ainer dornpürd in dem mônen BdN 65,22. 74,24. 17,2 u.ö.; daz wizzent wênig laien ebd. 183,17; daz ander zaichen ist, daz die stern pei der himelspitzen, di manik lay den wagen haizzet, uͤmbwaltzen und daz wir sie nimmer verlisen KvMSph 11,27; in den bûchen hân ih gelesen, / daz ouh sîn vater solde wesen / ein gwaldiger got. / daz ist der leien spot, / di des niht ne wizzen, / waz man tût mit listen SAlex 2987. – in (Selbst-)Aussagen über Wolfram von Eschenbach: doch ich ein leie wære, / der wâren buoche mære / kund ich lesen unde schrîben Parz 462,11; waz her Wolfram ie gesprach / daz ist von guotem sinne geschehen. / des müezen wir im alle jehen, / leien munt gesprach nie baz UvEtzAlex 127; man saget von dem von Eschenbach / und git im pris, daz laien munt nie baz gesprach Wartb (H) 358:4,9; Wig 6346. – Lit.: G. Steer, Zum Begriff ‘Laie’ in deutscher Dichtung und Prosa des Mittelalters, in: L. Grenzmann/  K. Stackmann (Hgg.), Literatur und Laienbildung im Spätmittelalter und in der Reformationszeit, Stuttgart 1984, S. 764ff.; R. Imbach, Laien in der Philosophie des Mittelalters, Amsterdam 1989

MWB 3,3 1014,33; Bearbeiterin: Baumgarte

leiebære Adj. ‘laienhaft’ (vgl. Anm.z.St.), ironisch: die gar gelerten leieberen pfaffen, / die singent, des mich wunder hat, / ob sie daz wollen grunden, / wie al der helle winkel sint geschaffen / unde wie daz himelrich al stat Rumelant (K) 3:3,1

MWB 3,3 1016,10; Bearbeiterin: Baumgarte

leiekast Subst. Bed. unklar (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 615 versucht Anbindung an leie stswF., ‘Fels, Schiefer’ oder an lîmen und kaste als Zweitglied); Bestandteil eines Personennamens: der alt Laikast UrkCorp 349,34; Vlrich Laykast ebd. 349,35

MWB 3,3 1016,16; Bearbeiterin: Baumgarte

leieliute stSubst. hier leige- (Sg. leigeman Ssp , vgl. DRW 8,311 s.v. Laimann [nd.]; leienman, vgl. RechtssC 53,59 Hs. a. 1454). ‘Laien’ (vgl. leie stM.): nu vernemet ir wol ze gediute, / tumpen leige liute. / ir maget vile wol verstanten, / dunchet iz iuch nieht enplanten [glaubt nicht, dass es Euch nichts angeht] . / swanne der man vihtet, / sin waffen uf rihtet, / so cheret der mansleche / deme swerte daz ein ecke / uber sin selbes houbit, / so wirt diu sele ertoubit ArnoltSieb 38,2

MWB 3,3 1016,22; Bearbeiterin: Baumgarte

leienbrôt stN. ‘gewöhnliches, nicht geweihtes Brot’ (vgl. AWB 5,765 s.v. leigenbrôt; s.a. liutbrôt ): panes laicos: liutprot, leginproth, [...], lainprot Gl 1:402,63

MWB 3,3 1016,32; Bearbeiterin: Baumgarte

leienbruoder stM. auch lai-, leige(n)-. Ordensbruder ohne geistliche Weihen, ‘Laienbruder’ darumme setze wir, daz ein iegelich brûder phaffe eime iegelicheme brûdere sînes ordenes, [...], daz ambeht der tôten begê, [...], unde ein iegelich leigenbrûder sol sprechen hundert pater noster vur sînes conventes brûder sêle StatDtOrd 37,6; ime [dem zur Buße fastenden brûder phaffe ] sal ouch genûgen mit der spîse, die man pfliget zu gebene den leige brûderen, sô sie bûzent ebd. 88,24. 35,5; undir disen gelitten [(Mit)gliedern] / sint pfaffin ouch enmitten, / dî eine werde stat dâ hânt / und sullin sîn gemant, / daz sî [...] manen sundir sparn / dî leigenbrûdre, daz sî sich / vlîzin zu haldne vesticlîch / dî regle und den ordin NvJer 861 (= StatDtOrd 26,7 ). 23306; die laibrvder svlen dinen in dem spital vnd in den hoͤfen SpitEich 4,7; ze einem rehten zins [...] iegelichem mvnch, der priester oder dyaggen ist, ein maz, vnd iegelichem schvͤler, der mvnch ist, vnd iegelichem laybrvͤder ein halbe maz des pesten Neker wins UrkCorp (WMU) 2614,37; vor brvͦder Abrehte, der leigebrvͦder meister ebd. 271,22; bruͦder Berchtolt der ledergerwer, leiebruͦder von Wettingen ebd. 1903,19; Mechth 7: 49,1

MWB 3,3 1016,36; Bearbeiterin: Baumgarte

leiendeckære stM. ‘Dachdecker’ (zu leie stswF., vgl. DRW 8,1161 s.v. Leiendecker mit Belegen ab 1300)

MWB 3,3 1016,61; Bearbeiterin: Baumgarte

leiengerihte stN. das überlieferte deutsche Recht im Unterschied zum römischen oder kanonischen Recht (vgl. DRW 8,307; vgl. leienrëht ), ‘Laienrecht’ der kinde vnd der frowen phleger die heizent etwa ein voget, etwa ein phlegær, etwa sicher boten, etwa vormvnt, etwa behalter, die svln alle getriwe livte sin. in der shrift da sint si gesvndert an ir rehte, aber in leigen gerihte da haben wir einz als daz ander SchwSp 29a

MWB 3,3 1017,1; Bearbeiterin: Baumgarte

leienhërre swM. ‘weltlicher Herrscher’ (vgl. leienvürste , leiiclich ): [die Richter der geistlichen Herren] sullen den ban von dem künige enphâhen. unde tuon si des niht, sô werdent si an allen den schuldic, dâ si über rihtent. des bedurfen die leien herren niht. daz ist dâ von, daz si selben urteil gebent über den tôtslac SchwSp (W) 96,32; ebenso SpdtL 198,5

MWB 3,3 1017,10; Bearbeiterin: Baumgarte

leienkurvürste swM. ‘weltlicher Kurfürst’ (vgl. leienvürste ): vnd goben dis vrtail die leigen kurfursten vnd ander des riches holden vnd getrouwen ze Nurenber in dem gepoten houe UrkCorp (WMU) 3110,34

MWB 3,3 1017,18; Bearbeiterin: Baumgarte

leienphaffe swM. auch leige-. ‘Weltgeistlicher; Geistlicher, der keinem Orden angehört’ (vgl. DRW 8,308): [bei Rechtsgeschäften sind Laien als Zeugen Ordensangehörigen (begeben liuten) vorzuziehen,] wern ez aber laigephaffen, di suͤlen ienem sines rehten helfen vor dem vogt oder vor dem burgraven, swes geriht ez danne ist, und swan ez an den ait gat, den suͤlen si tun vor irre maisterschafft nach pfaefflihem reht StRAugsb 179,2; tuomhêrren, nunnen unde leienphaffen / unt al die orden, die Got hât geschaffen, / die lebent, des diu ê erziuget: / swer der ê ze rehte phligt, / der hât hie unt dort gesigt; / swerz widerredet, des volget niht: er liuget! RvZw 225,7

MWB 3,3 1017,23; Bearbeiterin: Baumgarte

leienphrüende stF. einem Laien gewährte kirchliche Pfründe (vgl. phrüende 3; DRW 8,308 mit weiteren späteren Belegen; 2HRG 3,403-406): daz nieman gedenk, daz dhein unser vorfar [...], kuͤnig oder keiser, dhein layͤnpfruͤnt in dem vorgenanten chloster ze Buͦchow ie verlihen oder gegeben haben, dann ze einem mal einem arzat durch lieb, der waz auch seshaft bei in und verdient die pfruͤnd MGHConst 6,2:3:477,25 (a. 1335)

MWB 3,3 1017,37; Bearbeiterin: Baumgarte

leienrëht stN. das überlieferte deutsche Recht im Unterschied zum römischen oder kanonischen Recht (vgl. DRW 8,309 und leiengerihte ), ‘Laienrecht’ hie sullen wir sprechen, wer ze rehte phleger müge sîn oder niht der kinde und der vrauwen. etwâ heizet er phleger, etwâ sicherære, etwâ voget, etwâ vormunt, etwâ behalter; die sullen alle getriuwe liute sîn. in der schrift sô sint si gesundert an ir reht, aver vor leien reht sô haben wir einez alse daz ander SpdtL 126,11; ebenso SchwSp (W) 52,8

MWB 3,3 1017,46; Bearbeiterin: Baumgarte

leienswëster F. auch lei-, leige-. weibliches Mitglied einer Ordensgemeinschaft, die nicht zur Nonne geweiht ist (vgl. DRW 8,309), ‘Laienschwester’ daz wir swester Adelhait, vnser leige swester von Alphach, geben alliv iar XVIII sv̂merv [Scheffel] roken UrkCorp (WMU) 2881,4; sie waz einz nahts vor irm pette an irm gebet: da kom sie von ir selber. do ging ein leienswester, die waz ir gastmeisterin, dreie stund zu ir und sprach, daz sie her abe ging zu den gesten. da versan sie sich niht in dise werlt von gotlichen gnaden. da ging die leiswester hin und sprach von der priolin EbnerChrist 19,13. 5,36. 6,8

MWB 3,3 1017,57; Bearbeiterin: Baumgarte

leienvürste swM. auch lei-, leige(n)- ( HagenChr (G) 618; SchwSp 48b ), lêg- ( EnikWchr 27939 ). ‘weltlicher Herrscher’ (vgl. DRW 8,306): ain lai fuͦrste mag nicht aim andern lai fursten hof gepieten ob er daz selbe reht hat daz er hof gepieten muͦg [ vor ein königliches Hofgericht laden ] SchwSpK 4,3:145; den romischen chvnech svlen chiesen drei pfaffen fursten vnd vier lai fursten ebd. 4,3:137; wir geben die wal drin erzebischoven unde vier leienvürsten PKchr 179,19; Loheng 1970; HagenChr (G) 618; der chvnec hebet den ersten hershilt. die bischofe vnd die abbet. vnd die abtissen. die da fvrsten sint. die hebent den andern hershilt. die leien fvrsten den dritten. die vrien herren den vierden SchwSp 7a. 68b. 48b; SpdtL 83,17. 231,4; man sach ie leienfürsten streben / in stürmen und in striten bi dem riche neben / und ouch ir swert / beschirmen sunder wan. / her künig, ir sult die leienfürsten richen, / in rechter not die pfaffen von iu wichen Frl 8:13,11; Ottok 13643. 28433; ir sult besenden / in dem rîche in allen enden / die edeln fursten alle / [...], / daz sie komen gar ze hove, / leienfursten, bischove, / unde sitzet zuo geriht / unde erteilet dise geschiht, / wie ûch die fursten lêren EbvErf 1408; Rumelant (K) 2:13,10; Helbl 8,1102; Hawich 4707. 4692

MWB 3,3 1018,6; Bearbeiterin: Baumgarte

leienwînzehende stM. ‘einem weltlichen Herren zustehender Weinzehnt’ daz ich [A., ain ritter,] han verichen und vergich offenlich an diesem brief [...] dem [...] abt und dem convent von Salmanswiler [...] ainz glichen tails und ainer rechter gemaind [Gemeinschaft] an dem laigen winzehenden [...] ze Marchdorf, daz wir den selben winzehenden mit anander hinanfuͥr [...] niessen sont UrkSalem 2,570 (a. 1300)

MWB 3,3 1018,32; Bearbeiterin: Baumgarte

leienzëhende swM. einem weltlichen Herren zustehender Zehnt (vgl. WMU 2,1118; DRW 8,310): davon han wir zu lehen die burg Franckenburg, [...] und daz tal und die lüte darunder, und zu Kestenholtz den leyhen zehenden und den kirchensatz und was zu Franckenburg höret von alter her UrkEls 2,157 (a. 1336); alles, das ich an dem dorfe ze Emeringen hête mit dem kirchen sazze der kirchen ze Emeringen, mit akkern, mit wisen, mit holze, mit velde vnd mit dem laîen zehenden, den ich och da hête UrkCorp (WMU) 2912,20. 1569,33; min herre hat gelihen A.v.G. den layenzehend ze K. [...], den man nemt den gemeinen layenzehenden DRW 8,310 (WürtVjh; a. 1344); UrkRapp 477,5 (a. 1350); UrkZürich 11,245 (a. 1330)

MWB 3,3 1018,41; Bearbeiterin: Baumgarte

leige stM. , leige- leie stM., → leien-

MWB 3,3 1018,56;

leiht (?) Adj. Bed. unklar (Anm.z.St. verweist auf wëterleich und wëterleichen , vgl. dazu SchweizId 3,1011; Findebuch ‘zuckend, grell aufleuchtend?’): do wrden donre groze / mit manegem grozen doze / kleckende und schellende, / chrachende und hellende / mit schininden blicken, / leihtin unde dikkin [flüchtig aufflackernde (?) und dicht gedrängte] RvEWchr 11561

MWB 3,3 1018,57; Bearbeiterin: Baumgarte

leiiclich Adj. ‘im Laienstand, weltlich’ (vgl. leienhërre ; leienvürste ): [lässt der geistliche Herr seine Blutrichter nicht vom König bestätigen,] er vnde alle sine rihter werdent an allen den schuldig vor gotte, vber die si rihtent, so si der livte bluͦt vz giezzent. die leigeclichen herren bedurfen dez nvͥt, daz die rihter den ban enphahen von dem kvͥnige. daz ist da von, daz der leige selbe vrteil git SchwSp 58a

MWB 3,3 1019,1; Bearbeiterin: Baumgarte

leilich Adj. ‘laienhaft, ungelehrt’ ich kann nicht vil da von gesagen. / daz saltu, bite ich, mir vertragen. / so groz ist dirre kunste hort / daz en versmahn leiliche wort Secret 1824

MWB 3,3 1019,10; Bearbeiterin: Baumgarte

leim stM. , leime swM. auch lein [:stein] (z.B. RvEBarl 12801 ); die semantische Abgrenzung zu den (teil-?)synonymen Wörtern dahe swF. und lette swM. ist unklar; häufiger mit zæhe ‘zäh’ und bern , berjen ‘(zur Entwässerung und Verdichtung) schlagen, treten; kneten’. 1 ‘Lehm(boden), Ton(erde)’
1.1 allg.
1.2 als Werkstoff
1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann)
1.2.2 als Material zum Abdichten
1.2.3 als Mittel, um Wein zu klären
1.3 in Vergleichen
2 ‘Schlamm, Morast’ (vgl. hor , lette swM. 2 )
3 gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen
4 Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit dem leim , mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3 )
   1 ‘Lehm(boden), Ton(erde)’    1.1 allg.: in dichtim ertriche vnde vuchtim vnd vettim do wachsin si [die Kastanien] kvme; in toppir ertriche [Töpfererde, Ton] odir in leyme do wachsin si nymmer Pelzb 128,21; jtem ein halb acker an deme leimen bi Wetzel UrkCorp (WMU) N410,28; swer den Rin mit leime wil verswellen, / der hat min, swie tumbe ich si, ze helfe niht Marner (W) 2:2,3; gelustet si [der Schwangeren] [...] leimes oder kole. so gip ir gelunte [geröstete] bonen SalArz 65,40; JTit 6297,4    1.2 als Werkstoff    1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann): ûz hin ûf daz velt sî [die Kinder] kâmen / dâ leim [ zu 1.1 ] und erde gegraben was. / daz kint Jêsus dâ nider saz, / mit sîner hant zesamen er perte / den weichen leim und ouch die erde [und knetete Vögel] Philipp 4119; WernhMl 5249; als wir sehen an den waichen vazzen, diu die hafner [Töpfer] von tahen [Ton] oder laime machent BdN 69,12; ist er [die Götzenfigur] holz oder lein / oder ein kreftelôser stein / sunder nutz RvEBarl 12801; RvEWchr 5036. – als Material zum Herstellen von Ziegeln: do hiez der kúnig das nieman me / dannen hin in gebe do / deweder hoi, paelle [Spreu ?] unde stro, / das si in den lein do tetin / den si ze ziegel knetin RvEWchr 9732; der uon adele was geborn, / der muͦse berien daz hore, / die hêrlîchen chnehte / den laim und den letten [durch Schlagen und Treten den Lehm zur Ziegelherstellung verdichten] Exod 130. – oft im Rahmen der Schöpfungsgeschichte bei der Erschaffung des Menschen (vgl. formavit igitur Dominus Deus hominem de limo terrae Gn 2,7): got der den eristen man / uz læime gebildet hat Wernh D 2063; Gen 268. 114 u.ö.; EnikWchr 503; Martina 119,12; MinneR 30 671,7; mit attr. brœde: dô geschuof got von himele / nâch sîn selbes bilede / unsern vater Adâmen / [...] / ûz einem brœden leime Aneg 1078; SüklV 797; SuTheol 68; Erinn 483. – auch als einer von mehreren Werkstoffen: ûz hertem leime tet er gebeine, / ûz brôder erde hiez er daz fleisk werden, / ûz letten deme zâhen machôt er die âdare [d.s. Muskeln, Sehnen, Adern] Gen 195; got [...] / der worhte den mennischen einen / uzzen von aht teilen: / von dem leime gab er ime daz fleisch, / der tou becechenit den sweiz [...] VEzzo 41    1.2.2 als Material zum Abdichten: vermach den haven [Topf, Krug] oben mit leime, daz der tamph ninder ouz nemeg Barth 149,3. – beim Fachwerk: swer auch pauwen wil, der sol mit ziegeln oder mit laime bauwen, er sol auch mit ziegel decken NüP 132; dar umb sint diu pain [Knochen] des kranken flaisches aufhaltung [des schwachen Fleisches Stabilisierung] , recht als die pfæl in ainer klänten want [einem mit Lehm aufgefüllten Fachwerk (vgl. klënen 2)] den laim aufhaltent BdN 22,10 (vgl. 1.3); auch zum Nestbau: ein swalwe klent von leime / ein hiuselîn Neidh SL 26:7,3. – beim Pfropfen und Versorgen von Schnitten am Baum: dor no bedecke die czu vugunge mit miste odir mit leyme, das das wassir abe trage Pelzb 120,27. 125,8. 131,26    1.2.3 als Mittel, um Wein zu klären: leym, noch der gerunge dem wyne ingegossin, reynit den wyn vnde macht den wyn clar vnd czuhit di hevin in den grunt. jst abir, das der leym gebrant ist, so ist her bessir, wen her den suze. so macht her ouch den wyn wol smeckinde Pelzb 140,18. 140,20    1.3 in Vergleichen: zæch sam der leim BdN 477,25; wan limus ist ain zæh erdreich sam laim ebd. 302,34; [die Augen kleben] im zu samene bi der nacht. daz uz den ougin rinent ist als ein leime SalArz 35,35. di tyevelynne kunde / gifft werffen auff der nasen, / das der anger und di wasen / mit al wurden uber dent [überzogen, bedeckt] , / als [als ob] der leym ward geklaint HvNstAp 9030 (vgl. 1.2.2) – für blasse, fahle Haut: ouch was diu jæmerlîche schar / elliu nâch aschen var, / oder alse valwer leim Parz 184,3; im hâte manic übel tac / geselwet sîne varwe gar: / er was swarz, niht wîz gevar. / sîn varwe gar verwandelt schein / als ein varlôser lein. / er was mager und harte bleich RvEBarl 15326. – für etwas Wertloses, vielleicht zu 2 i.S.v. ‘Dreck’ reht als ez wære leim, / golt und silber er bôt, / swer im ze diser nôt / diensthaft wolde wesen Ottok 27691    2 ‘Schlamm, Morast’ (vgl. hor , lette swM. 2): der Ihesus ist genant, / der spey vf die erden, so zu hant / mahte einen leymen er da weich [ fecit lutum ex sputo Io 9,6] EvStPaul 12604; bestechet bin ich in læime tiefem [interl. zu infixus sum in limo profundi ] PsM 68,3; wan unser herre der vindet suͤmelich suͤnder stechende in dem laime PrSchw 1,51; ê mich begriffe sünden leim / kam ich leider niht zuo dir. / vrouwe, wis genædic mir, / Marîâ MarGr 18 299,28    3 gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen: nehelphe daz niht, sô nim verbrunnen leim unde zetrîb den mit starchem ezich unde lege den uber die wunden Barth 141,11. 141,4. 141,13; Ipocr 34; mul [male] verbrunnen leim unde temper den mit wîzem des aies unde lege daz phlaster uber die geswulst Barth 143,3    4 Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit dem leim, mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3): [die Trennung des Mostes als Beispiel für die Trennung der vier Körpersäfte in der Humorallehre:] eniz ist also di erde. daz ander ist der geist. daz dritte alse der leime, daz ist hut uf dem moste geist. daz uirde ist der reine win SalArz 2,1. 2,10

MWB 3,3 1019,14; Bearbeiterin: Baumgarte