lëwenvleisch
stN.
‘Fleisch von Löwen’
Plinius spricht, daz lewenflaisch und allermaist sein herz
den läuten guot sei, die übrig kelten haben, wan sô si daz flaisch ezzent, sô
werdent si haiz BdN
144,13;
SalArz
96,12
MWB 3,3 1099,38; Bearbeiterin: Baumgarte
lëwenvuoz
stM.
‘Löwenfuß, Tatze eines Löwen’
dâ sach er ungefüege tier, / von den daz buoch sô seit mir, / die wârn gestalt
als die ros; / an in man löuwenfüeze kôs UvEtzAlex
23198;
in der provincien sint slangin groz, x elin lank unde x spannen dicke. dy han
czwey kny bi dem houbte unde lewin vuze unde eyn krumme klawe
MarcoPolo
33,19
MWB 3,3 1099,43; Bearbeiterin: Baumgarte
lëwenzant
stM.
‘Zahn eines Löwen’, eigentl. und übertr.:
ez sach sant Jôhannes in apokalipsî drüster
[Ungeheuer] , diu heten îsîne halsperge an und heten
scorpenzegele an und menschenantlütze und lewenzene und frouwenhâr
PrBerth
2:144,15;
wen sie [Heuchler] der lute varen /
mit wolflichen ergen, / [...] / under schefinen gelazen. /
als sie dan daz volk zu strazen / irre irrekeit wol gewenen, / so bizen sie iz mit
lewen zenen HeslApk
14150.
– als Beschimpfung:
du tracken sweiz und kroten fuoz, / du löuwen zan, du serpant
KvWPart
17587
MWB 3,3 1099,51; Bearbeiterin: Baumgarte
lewer
stM.
→
lôhære
MWB 3,3 1099,62;
lêwer
stM.
‘Hügel’ (vgl.
lê
):
agger: lewar Gl
3:351,29
(BStK927);
dir sint, herre, inchunde alle meres grunde, / dei beche al joch die sewe, die
buhele joch die lewer SüklMill
14,2;
Ottok
7200;
JTit
338,1(La.)
MWB 3,3 1099,63; Bearbeiterin: Baumgarte
lêwes
Adv.
‘leider’ (vgl.
ahlês
; AWB 5,864 s.v. le(uue)s; EWA
5,1214):
do vergazen si lewes des oberisten chuniges
AvaLJ
36,5
MWB 3,3 1100,4; Bearbeiterin: Baumgarte
lëwîn
Adj.
‘zum Löwen gehörig’, hier: ‘nach Art eines Löwen’
do wart dir [Christus] ein wisses
kleit an geleit und wurd wider zuͦ Pylato geschicket und wurd vor im mit loͤwinen
stimmen, du suͤsses lembli, ze marteren und ze crútzgon geben Seuse
540,34.
– in md. Texten ist nicht entscheidbar, ob Konstr. mit der Schreibform
lewin hierher zum Adj. gehören oder (mit i-Schreibung von unbetontem
e) als Syntagma oder Kompositum mit dem Gen. von
lëwe
aufzufassen sind (vgl.
lëwengeslehte
,
lëwenhût
,
lëwenvuoz
)
MWB 3,3 1100,7; Bearbeiterin: Baumgarte
lëwinkel
stN.
‘Löwenjunges’
wir lesen von der lewinne, swenne diu jungede erwirfet, so sint sie tot
geborn. so komet der vater an deme drittem tage unde beginnet ze uhelen
[l. ruhelen ‘brüllen’ (Anm.z.St. schlägt
hiulen vor)] . von der stimme werdent diu lewinkel
lebentik PrMill (S)
61,4
(vgl.
lëwe
4)
MWB 3,3 1100,18; Bearbeiterin: Baumgarte
lëwinkelîn
stN.
Dimin. zu
lëwinkel
, ‘Löwenjunges’
so diu levin birit so ist daz levinchelin tot. so beward su iz
unzin an den tritten tag. tene so chumit ter fater unde blaset ez ana so wirdet ez
erchihit ÄPhys
1,17
(vgl.
lëwe
4)
MWB 3,3 1100,25; Bearbeiterin: Baumgarte
lëwinne
stF.
‘Löwin’ (vgl.
lunze
2):
lea: lewin, loͤiwin VocOpt
45.118;
sam ein lew und ein lewinne / man vorchtet ummozen sere HistAE
908;
MarcoPolo
70,14.
72,6;
diz êristi dier was ein lewin. / si havite mennislîchin sin. / diu beceichenit
vns alle kuninge, / die der wârin in Babilônia Anno
12,1;
diu lewen tôt ir kint gebirt, / von des vater galme ez lebende wirt
Freid
136,17;
MillPhys
8,1
(vgl.
lëwe
4);
Boppe
1:7,4
MWB 3,3 1100,30; Bearbeiterin: Baumgarte
leyô
F.
→
legie
MWB 3,3 1100,39;
leʒlich
Adj.
zu
laʒ
,
vgl. dagegen
læʒlich
.
1
‘schwach, matt’
2
‘nachlässig, lustlos’
1
‘schwach, matt’
er [
Fimbeus, Gaweins Gegner] mit
leszlichen sitten / vor Gawein schirmes pflag. / vnderwijlen kaum einen slag / mohte
er zuͦ reht an gelegen. / so gar hett jne erwegen / die arbeit vnd der tegen
Krone
28090
2
‘nachlässig, lustlos’
disiv gehorsam wirt danne got genæm [...] ob daz
geboten wirt niht vorhtichlich. niht traglich. niht lazlich [
non
trepide, non tarde, non tepide
] . oder mit mvrmervnge
BrAdm
5
MWB 3,3 1100,40; Bearbeiterin: Baumgarte
lezze
F.
→
lëcze
stswF.
→
letze
stswF.
MWB 3,3 1100,50;
leʒʒic
Adj.
‘müßig, träge’ (zu
laʒ
Adj.):
sver so versvmich ist vnd so lazcic [
neglegens et
desidiosus
] daz er nit wil oder en mach nit trachte oder
lese dem werde so svlich werc bevolin daz er tvͦ vnd nit mvzic si
BrHoh
48
MWB 3,3 1100,51; Bearbeiterin: Baumgarte
leʒʒist
Adj. , leʒʒiste
Adv.
→
laʒ
MWB 3,3 1100,56;
leʒʒiste
stF.
hier letzte.
‘Ende, Letztes’ (vgl.
jungeste
stF.):
wie wol wir hie leben ane not, / doch ist unse letzte ie der
tot Brun
2575
MWB 3,3 1100,57; Bearbeiter: Richter
leʒʒisticheit
stF.
Zustand des Letzten, Niedrigsten (vgl.
laʒ
2), ‘Geringheit’
der sexte grad der demut ist, ob in aller bosheite
[Wertlosigkeit] oder lezisticheite sich der munich
enthabe [aufhält] vnde zv allen den werkin di ime
bevolhin werdint sich irteile [
se iudicet ‘sich hält
für’] einin vbelin vnde einin vnwirdichin wercman
BrHoh
7
MWB 3,3 1100,60; Bearbeiterin: Baumgarte
libalke
swM.
‘Tragebalken’
trabes illa cellarii que dicitur libalke UrkKölnSchr
1,247
(12. Jh.)
MWB 3,3 1101,3; Bearbeiterin: Baumgarte
liban
stM.
‘Weihrauch’ (aus lat. libanus):
sam der schoͤne rosbom bluͤget und als der hohe liban
unverschniten smaket und als der unvermischet balsam rúchet Seuse
13,28
MWB 3,3 1101,5; Bearbeiterin: Baumgarte
libel
stN.
‘Schriftstück, Urkunde’ (zu lat. libellus):
daz libell ist gegeben an sent Erasmus tag UrkCorp (WMU)
471,41
MWB 3,3 1101,9; Bearbeiterin: Baumgarte
lîbelîn, lîbel
stN.
Dimin. zu lîp.
‘kleiner, zierlicher, zarter Körper, Leib’ (bes. von
Kindern, kleinen Tieren u. ä.):
hern Moyses lîbelîn was niht grôz, / dô er ûf grôzen wazzern flôz / und lac in
einem körbelîn Renner
19111
u. ö.;
da ir [der Frauen] blanken libelin
/ durch gaben silber wissen schin GTroj
13703;
ez sint etleich swalben, die tragent edeln stain in irn
leibeln BdN
200,31
u. ö.;
sîn [des schretels
] lîbel daz was über
al / zekratzt und zebizzen Schrätel
314;
PrBerth
1:560,29;
EbnerChrist
36,3;
WhvÖst
18321;
DvASchr
341,12.
–
‘(kleiner) Bauch, Magen’
iedoch hân ich des [Honigtaus] vil
gezzen auf dem geu, dô ich ain kindel was; dâ nâch tet mir mein leibel gar wê
BdN
88,27
MWB 3,3 1101,12; Bearbeiter: Luxner
1lîben
stV. (Ia)
aus ahd. [h]lîben swV. und [h]lîban stV. (vgl. AWB
5,890f.).
‘jmdm. Schonung gewähren, jmdn. verschonen’ mit Dat.d.P. (s.a.
leiben
swV.):
si enphiengen vile manigen slach, / [...]. / alte
unde iunge, / er wâre gesunt oder siech, / man nelaib ime nieht Exod
1034;
got in nieht hin nam / [...] / er leib dem iungen /
durch die besnîdunge ebd.
883.
996;
swa ir mir libet mit slegen: / ich wil der minen uf iuch
legen / daz iwer haubet bresten muͦz Rennew
17523.
–
‘nachlassen (an einem Kaufpreis oder an einem Zins)’
woltin wir danne das guot koufen, daran sulen su uns mer liben an dem koufe
denne andern SchweizId
3,982
(a. 1323).
– wohl hierher in der Wendung lîben unde lâʒen i.S.v. ‘übergehen
und außer Acht lassen’ oder ‘jmdm. Nachsicht gewähren und das Gesetz
aussetzen’ (anders WMU: Bed. unklar, ‘tun und lassen’ ?):
vnd sol oͮch inen [den Zunftmeistern bei ihren
Satzungen] der schvltheisse beholfen sin vnd das helfen hoͮbeton
[durchsetzen] mit libe vnd mit gvͦte,
[...], vnd alle die einvnga, die sv́ sezzent, alse hie
vor geschriben ist. swa sv́ dar an libent vnd lassent, das sol der schvltheisse
stête han [der Schultheiß soll in beide Richtungen für die Einhaltung
der Satzung sorgen, der Satzung der Zunftmeister Geltung verschaffen, aber auch
dafür sorgen, dass sie sich an ihre eigenen Satzungen halten]
UrkCorp (WMU)
1798,5
MWB 3,3 1101,27; Bearbeiterin: Baumgarte
2lîben
stV. (Ia)
auch lîven.
‘übrig bleiben, zurück bleiben’ (vgl.
belîben
):
wie gedurren wir imer werden vro, / war dun wir herce, war dun wir sinne, /
wad livet uns an der werilde minne! Lilie
73,24;
nu wil min zunge liben, / diu hinket und ist da bi laz
WhvÖst
1504;
mit dem fuoze er [der Tänzer] schupfet unde rîbet
[La. libet (B); mit dem Fuß stößt er (vor) und bleibt
zurück (?)]
Neidh (HW)
22,13
MWB 3,3 1101,55; Bearbeiterin: Baumgarte
libenzelt
M.
→
lëbezelte
MWB 3,3 1102,1;
1liberen, libern
swV.
‘gerinnen’
1 refl. 2 i.d.R. Part.Prät. oder Part.-Adj. ‘geronnen’
2.1 bezogen auf
mer
(vgl.
lëbermer
) 2.2 überw. bezogen auf Blut
1
refl.:
wenne daz blut libert sich, so ezzen iz di vligen
SalArz
4,44.
–
2
i.d.R. Part.Prät. oder Part.-Adj. ‘geronnen’
[ein Bad] zuloset di zu samen geliberde vuchte
SalArz
24,55
2.1
bezogen auf
mer
(vgl.
lëbermer
):
ein mere ist giliberot, daz ist in demo wentilmere westerot
Merig
38
2.2
überw. bezogen auf Blut:
iz [das Blut] ûz den wundin
dranc / bî stuckin, want iz itzunt was / gelibbrit NvJer
17561;
im ran understunde / gelibert bluot ûz dem munde LvRegFr
4589;
HvNstAp
2709.
2454;
Barth
132,17;
SalArz
60,18.
60,35;
Alischanz
63
MWB 3,3 1102,2; Bearbeiterin: Baumgarte |