juden|âmære
stM.
wohl (nichtjüdischer) Inhaber des Eichamts für Juden:
Ch. Hurnuss der chuͤrsner sol w. [
wunten
] umb Hainr. den chuͤrsner, den juden ammaͤr UrkRegensb
745
(ca. 1325-1350)
MWB 3,1 82,43; Bearbeiter: Luxner
judenbalc
stM.
Parallelbildung zu blâsebalc (Rumelant (R)
1:3,7); die Juden fungieren hier als "Blasebälge", die gotes
barmicheit anfachen:
alsô [wie ein Blasebalg das Feuer anfacht] wart
Gotes barmicheit geblâsen: / vil maniges iudenbalges âdem anspîte / sînen lîb, dô er
entfienc vil marter mâsen, / dâ von sîn lob erklinget alsô wîte Rumelant
(R)
1:3,14
MWB 3,1 82,47; Bearbeiter: Luxner
judenbanc
stFM.
Verkaufsstand eines jüdischen Fleischers:
swen si [die Juden] daz [lebende
Vieh] koufen, so suln si ez hinheym triben und ez daheim oder
unter den judenpenken slahen und auch daheim unter den iren penken verkoufen und
nicht unter den christenpenken NüP
37
MWB 3,1 82,55; Bearbeiter: Luxner
judenbart
stM.
‘Judenbart’ (hier als fiktiver Personenname):
wenne Abelœser und Nemehart, / [...], / Slinthart,
Krazhart, Jüdenbart, / [...] / pflegent des hofes naht und
tac Renner
9074
MWB 3,1 82,61; Bearbeiter: Luxner
judenbat
stN.
‘jüdisches Bad, Mikwe’
dyͤ juͤdenschuͦle, juͤdenbad, all juͤdenhuͤsere und juͤdenhobestede zuͤ
Friͤdeberg, dyͤ uns von unsern juͤden doselbis virfallen sin
UrkFriedb
185
(a. 1350)
MWB 3,1 83,1; Bearbeiter: Luxner
judenbeckære
stM.
christlicher Bäcker, bei dem auch Juden kaufen oder jüdischer Bäcker (der auch für
den Gemeindebackofen zuständig war, hier als Bestandteil eines Personennamens; vgl.
DRW 6,533 s.v. judenbeck):
Fynelin judenbecker BerufeFrankf
64
(a. 1344)
MWB 3,1 83,5; Bearbeiter: Luxner
judenbeʒʒerunge
stF.
von Juden zu entrichtende Strafzahlung (unklar, ob Syntagma):
juden besserunge [Überschrift]
UrkStraßb
4,2:41,15
(a. 1322)
MWB 3,1 83,11; Bearbeiter: Luxner
judenbischof
stM.
Vorsteher einer jüdischen Gemeinde (vgl.
judenmeister
und LexMA 5,787):
daz wir der bischof und unser nachkomen uͦmerme sollen seczen juden bischoͤfe
und ratlude under den juden UrkWorms
2:45,11
(a. 1312 kopial?)
u. ö.;
UrkKöln
4,130
(a. 1328)
MWB 3,1 83,14; Bearbeiter: Luxner
judenbistuom
stN.
‘Amt des →
judenbischofs’
werez daz dehein judenrat ampt oder juden bistom ledig worden in der zyt
UrkWorms
2:46,27
(a. 1312)
MWB 3,1 83,20; Bearbeiter: Luxner
judenbrâtære
stM.
hier -breter.
wohl jmd., der koschere (Fleisch-)Speisen zubereitet (hier als Bestandteil eines
Personennamens):
Abreht der judenbreter UrkCorp
2558,44
MWB 3,1 83,24; Bearbeiter: Luxner
judenbrücke, -brucke
stF.
eine bestimmte Brücke im Bereich des Judenviertels (hier als Bestandteil eines
Personennamens):
herre Friderich an der judenprukke UrkCorp (WMU)
822,12
MWB 3,1 83,28; Bearbeiter: Luxner
judenbuoch
stN.
1
‘Thora’
2 wohl ‘Schuldbuch eines jüdischen Geldverleihers’ (vgl. DRW 6,535); hier im
Hinblick auf den Nutzen (vgl.
gesuoch
1
‘Zinsgewinn’ ) übertr. auf ein lesenswertes Buch mit Marienlegenden
1
‘Thora’
so mus ain jud nach sainer weisung bestaͤtten mit seinem aid in daz juden puch
StRRegensb
41;
do fuͤr sullen wir si lazzen gerichten mit ir selbes eins hant in dem juden
buͦch als reht ist UrkWürzb
41,69
(a. 1344)
2
wohl ‘Schuldbuch eines jüdischen Geldverleihers’ (vgl. DRW 6,535); hier im
Hinblick auf den Nutzen (vgl.
gesuoch
1
‘Zinsgewinn’) übertr. auf ein lesenswertes Buch mit Marienlegenden:
ich wil iu tuon ein mære bekant [d. i. die Marienlegende vom
einfältigen Priester, der nur die Marienmesse Salve Sancta Parens
kennt, vgl. Pass I/II (HSW)
13669-13758
] , / daz ich an einem buoche vant. / daz ist genant durch den gesuoch
/ unser frouwen judenbuoch MarGr 18
526
(vgl. H.-J. Ziegeler: Der literarhist. Ort der Mariendichtungen
[...], in: ders., Orte der Literatur (Hg. von G.
Kapfhammer), Köln 2009, S. 109-132, hier S. 118f.)
MWB 3,1 83,32; Bearbeiter: Luxner
judendiet
stF.
‘jüdisches Volk’
sich daz minnicliche antlitz an / dines schepferes Jhesu
Krist, / daz also jemirlich gehandilt ist / mit maniches slages widerbit, / daz im
gab di valsche judendit Brun
10171;
HeslApk
2977
MWB 3,1 83,51; Bearbeiter: Luxner
judendinc
stN.
Gericht über Juden bzw. Gerichtshoheit über dieselben (vgl.
judengerihte
):
ez geschach eine czweyunge [...] czwischen den
koufluten [...] um di vier benke, do man inne dinget daz
lantdink, statdink unde judendink UrkSchlesSt
540
(a. 1336)
MWB 3,1 83,56; Bearbeiter: Luxner
judeneit
stM.
von Juden abzulegender Eid (bei Rechtsstreitigkeiten mit Nichtjuden; vgl. LexMA
5,789f.):
dizze ist ouch ein judeneit DRW
6,537
(Schwsp.(R.); a. 1275/87).
– hier Syntagma (?):
dit ist der iuden heit den di biscof Cuͦnrat dirre stat gegebin
hat ErfJud
13
MWB 3,1 83,62; Bearbeiter: Luxner
judengaʒʒe
swF.
Gasse im Judenviertel:
ein jude und ein kristen [sollen als
kieser
] in der judengazzen [sein]
WüP
65,5;
in der judengasze UrkWetzl
1,589
(a. 1344)
MWB 3,1 84,4; Bearbeiter: Luxner
judengerihte
stN.
Gericht über Juden bzw. Gerichtshoheit über dieselben (vgl.
judendinc
):
dafur haben wir in und iren erben [...], in
pfanntschaft weis eingeseczt und seczen in auch [...], das
juden gericht daselb mit allen eren, herscheften, rechten und nuͤczen
UrkRegensb
320
(a. 1329)
MWB 3,1 84,8; Bearbeiter: Luxner
judengülte
stF.
von Juden zu entrichtende Abgabe:
umb die selben tausend march setz wir im und sinen erben ze pfant unser und
dez reichs gelt, statstiur, judengult und allen den gelt, den wir und daz rich haben
sulen in der stat ze Schletzstat MGHConst
6,1:428,43
(a. 1328)
MWB 3,1 84,14; Bearbeiter: Luxner
judenguot
stN.
Eigentum oder Besitz von Juden:
auch iuden guͦt mit wuͦcher gewunnen, wie man daz sol wider geben
RechtssA
I6,33;
RechtssB
I6,33
MWB 3,1 84,20; Bearbeiter: Luxner
judenheit
stF.
hier iudens-.
‘jüdische Glaubens- und Rechtsgemeinschaft; jüdisches Volk’ (zur Bez. der
jüd. Gemeinschaft als synagoga vgl. LexMA 3,1536f. s.v. Ecclesia und
Synagoge):
synagoga: iudensheit VocOpt
5.053
MWB 3,1 84,24; Bearbeiter: Luxner
judenhof
stM.
‘Hof, Wohnhaus in jüdischem Besitz’
in unsirer und des reichs stat den besten iudenhoff uff der besten hofstat von
muren odir von holczwerke UrkMühlh
520
(a. 1350);
UrkArnsb
412
(a. 1333)
MWB 3,1 84,29; Bearbeiter: Luxner
judenhovestat
stF.
hier hobe-.
‘Hof-, Hausstätte in jüdischem Besitz’
dyͤ juͤdenschuͦle, juͤdenbad, all juͤdenhuͤsere und juͤdenhobestede zuͤ
Friͤdeberg, dyͤ uns von unsern juͤden doselbis virfallen sin
UrkFriedb
185
(a. 1350)
MWB 3,1 84,34; Bearbeiter: Luxner
judenhuot
stM.
Hut, den Juden als Kennzeichen zu tragen hatten (vgl. Kühnel, Kleidung, S.
125):
die juden sullen juden hüete tragen in allen steten dâ si sint. wan dâ mit
sint si ûz gezeichnet vor den kristen, daz man si vür juden haben sol SchwSp
(W)
214,64;
unde der selbe iude [der Fleisch
verkauft] sol einen iudenhuͦt ufe haben StRAugsb
57,17.
– übertr. als Bez. für jüdische Geschäfte (vgl. DRW 6,548; oder Zweitglied zu
hütte
?):
citra vicum, qui vocatur judenhut, in quo venduntur carnes rancee
[vgl. Anm.z.St.]
WeistErf
87
(1. H. 14. Jh.)
MWB 3,1 84,39; Bearbeiter: Luxner
judenhûs
stN.
Haus, Wohnstätte in jüdischem Besitz:
kleider unde bortengewant, / hûsgereht und swaz man vant /
in den judenhiusern über al, / daz wart âne twâl / umb phenninge verkouft
Ottok
91519;
daz man von seinem [des Königs] haize die
kelrshelse [gewölbter Kellereingang] und die lauben hat
vor den judenheusern abegebrochen NüP
288;
UrkFriedb
185
(a. 1350)
MWB 3,1 84,51; Bearbeiter: Luxner
judenkint
stN.
‘jüdisches Kind’
dannoch fuort der stark wint / daz vil kleine
judenkint [Moses] / gegen einer bürge schôn, / dâ des
küniges Pharaôn / frouwe ûf gesezzen was EnikWchr
6378
u. ö.;
alsô sint drîer hande liute, die den êwigen tôt lîdent mit drîer leie martel,
[...]. des êrsten sint alliu diu kint, diu âne touf
ersterbent, jüdenkint unde heidenkint unde ketzerkint PrBerth
1:126,24.
1:299,9.
– als Bez. für Menschen jüdischer Abstammung:
sîn [Mose] grap weiz dhein
judenkint, / unde wart nie funden sint EnikWchr
9309
u. ö.
MWB 3,1 84,59; Bearbeiter: Luxner |