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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lîmen - lindenloup    


lîmen swV. auch leimen, selten lemen ( SalArz 48,2 ). ‘leimen, mit Klebemittel verbinden, fest machen’ (meist mit Akk.) 1 mit Akk.
1.1 eigentl.
1.2 im Vergleich
1.3 übertr.
2 ohne Akk. (eigentl. und übertr.)
3 mit Refl.-Pron. ‘sich festsetzen’
   1 mit Akk.    1.1 eigentl.: sô vaste hiez er [Noah] si [die Arche] chlampheren [zusammenfügen] unde lîmen daz si der fluote vreise mahte erlîden Gen 695; ist auch, daz man kalch dar zuo [zu Ei] mischt, sô leimt man dâ mit ain stuck an daz ander BdN 165,30; als man mit lime zwai dinc zesamint limet, also limit dú minne die sele zuͦ den liplichen dingin PrGeorg (Sch) 6,43; SchwSp 158b. – beim Vogelfang: reht alse der vrîe vogel tuot, / der durch die vrîheit, die er hât, / ûf daz gelîmde [mit Leim bestrichene] zwî gestât Tr 846; unz er [der Vogel] ze jungeste gar / sich selben vehtend übersiget / und gelîmet [vom Leim gefangen] an dem zwîge liget ebd. 858    1.2 im Vergleich: sîn schilt vor sînem herzen lac, / rechte als er wêre gelîmet dar HvFreibTr 1701; den schilt er [ der vürste ] ebene an sich maz / als er gelîmet wære an in Mai 84,27; Tr 6621    1.3 übertr.: ich wæne ez brinne / dur lusteclîche wirde / nâ der süezen girde / diu in ir herze ûf kîmet, / dô munt an munt gelîmet / sus minneclîche klepte Reinfr 2360. 13608; KvWTroj 9161; wie rehte sîn schilt zaller zît / an sîner stat gelîmet lît! Tr 712; Iw 5327; mit sô gelîmter [eng anliegender] beinwât / sô si zer werlde beste stât Greg 3399. – spez. von Dichtung (auf rîme(n) reimend): swâ ich nu dise rîme / nit wol ze sämen lîme WvRh 60; vünde ich ein sô ringen muot / der mich dâ zuo beriete, / mîn zunge si [die eigenen Verse] verschriete [zerschlüge] / und begunde si wider lîmen / mit ganzen niuwen rîmen Wig 11673; Tr 4716; Eracl 120; HeslApk 1390. 1330; Minneb 4286    2 ohne Akk. (eigentl. und übertr.): do got uon manegem stuche den man wold zesamene ruchen, / do nam er als ich wæne einen leim zachen [= zæhen ] , / da mit er lîmen wolde da daz lít zesamene solde, / daz streich er enzwischen, zesamen begunde erz mischen GenM 7,13; bihte solt du niht uristen, wan div gwonhait der lengi úbil ist. daz limet zuͦ dem v́bilne und ain súnde zúhit die anderun an sich PrGeorg (Sch) 8,11; der zaher [Gummi arabicum] hât die art, daz er fäuht macht und zesamen leimt und entlæt und sänftigt BdN 369,12    3 mit Refl.-Pron. ‘sich festsetzen’ swenne di selbin dinc [Gegessenes] sint in des magen weide. so wirt man ir lichte ane mit der spie [Erbrechen] . swenne aber si sich geleimit hat in des magen rouche. so mac ir nicht ane werden mit der spie SalArz 48,39; daz geschit uon ubervuchte di sich gelemit hat in dem magen ebd. 48,2; der selbe sichtum [Verstopfung und Erbrechen] geschit etwenne uon eime heizin geswer daz in dem magin ist. etwenne geschit iz ouch uon einer kalden vuchte. di sich geleimit hat in di darme ebd. 51,40. 54,15. 57,55

MWB 3,3 1167,9; Bearbeiter: Richter

lîmlëder stN. zur Leimherstellung genutztes Leder: item [Abgaben] de limleder WeistErf 114 (1. H. 14. Jh.)

MWB 3,3 1168,1; Bearbeiter: Richter

limme stM. oder N. ‘Geheul, lautes Klagen, Wehgeschrei’ iz [das gefangene Meerungeheuer] ein geschrei irhûb / mit sô grûwsamir stimme / in clegelîchim limme, / daz dâvon gnûc luite / kunftigir dinge duite / nâmin NvJer 18157; der vorrêter an sî schrê / mit vil jâmirlîchir vlê / in clegelîchim limme ebd. 19252

MWB 3,3 1168,4; Bearbeiter: Richter

limmen stV. (IIIa) WhvÖst 17694 sw. Prät. oder Präsens historicum. ‘rasend (vor Wut, seltener vor Schmerz) schreien, toben’ (s.a. Lötscher, Schallwörter, S. 132f., 149, 170) 1 überwiegend stimmlich ‘brüllen, heulen, knurren’ (von Mensch und Tier)
2 überwiegend von wildem Gebaren ‘rasen, wüten’ (oft mit sächlichem oder abstraktem Subjekt)
3 in Vergleichen alse ein bër/ ëberswîn/ hunt u.ä.
   1 überwiegend stimmlich ‘brüllen, heulen, knurren’ (von Mensch und Tier): so sol ein lewe limmen, / und der ber sol brimmen Frl 5:34,3; geswigen ist des lewen limmen / und der lewinne grimmen Hiob 1649; der ber und diz unkunder / begonden grimmiclîchen toben; / [...]. / nu bîzâ, bîz! nu limmâ, lim! / nu kratzâ, kratz! nu krimmâ, krim! Schrätel 257; KvWPart 18264; si [ merwunder ] ludimen und lymmen / mit grewlichen stymmen Vät 40329; Tr 13527; KvHeimUrst 735; er [Pilatus] sprach: ‘[...] / wult ir, daz ich ûch lâze Crist?’ / der juden volc mit grimme lam. / sie sprâchen: ‘nein, lâz Barrabam!’ Erlös 5081; die [ tuvele ] schrien unde schelden / gegen mir harte sere, / doch kan ich ir nicht mere / gesechen wo si limmen. / ich hore ot an den stimmen, / daz si bellent wider mich Pass III 134,35; WolfdD 1002,2; NvJer 14569; ez tut mir not / daz ich so in jamer lymme Minneb 5071. 5103; als daz wazzer, daz da duzt / und ruschet swen iz sich irguzt, / sust ist min lymmen und min scre / in dem jemerlichen we Hiob 1483. – von machtvollem Predigen: mit michilm gebrehte / bestant sie [Elias und Henoch mit ihren Predigten] den grimmin [den Antichrist] ; / samint beginnint sie limmin / mit rede genuoger, / dieffir unt gefuoger LAntichr 562    2 überwiegend von wildem Gebaren ‘rasen, wüten’ (oft mit sächlichem oder abstraktem Subjekt): sîn zorn begunde limmen / und als ein lewe brimmen Parz 42,13; sin [des Minnekindes] sterke fur [mehr als] starke risen lam Minneb 320; nu wârn di juden in sulchem limmen [Aufruhr] , / daz si von starkem grôzem grimme / mit im nicht gereden mochten JvFrst 501; NvJer 15352; swer behaltet einen limenden hvnt oder einen wilden wolf oder hirzen oder bern swaz si ze schaden tvͦnt, daz mvͦz er gelten SchwSp 110a. ûf ein ander ~ ‘wild aufeinander losgehen, eindreschen’ si [ ouz erwelte rekchen ] begunden vaste grimmen / mit slegen durch und durch / und ouf ein ander limmen. / man sach velt unde furch / allez sweben mit bluͦte Rab 760,3. nâch etw. ~ ‘nach etw. heftig gieren’ gib in [den Sünder] mit urteile / zu dem unheile, / dar nach sin sundec herze lam Pass I/II (HSW) 13797    3 in Vergleichen ~ alse ein bër/ ëberswîn/ hunt u.ä.: Ringelot [...] vuor limmende als ein ber. / er nam schilt und sper / und rant ûf den kristen Heidin IV 609; Neidh WL 1:4,9; der da zannet und grint / als ain lymmender per WhvÖst 12037. 8522; EnikWchr 13727; darumbe sach man limmen / den bâbest unde grimmen / als ein eberswîn Ottok 53369; dô daz grâf Yban vernam, / als ein eberswîn er lam / und fuor enwec sâ zestunt / sam ein winnunder [tobender] hunt Helbl 15,842 (vgl. Neidh WL 32:7e,12 ); diser limmet als ein hunt / und wil uns verderben gar EnikWchr 17894; als ein tobende hunt er lam Vät 2944. – ~ wie ein brennendes Haus: du weist niht, wie des Bernæres zuht sint. / owe, nu sihstu, wie er limmet, / reht alsam ein hous, daz da brinnet Rab 945,5

MWB 3,3 1168,11; Bearbeiter: Richter

limmic Adj. ‘brüllend, brummend’ nu kom der kuͤnc von Babylon / gevarn als er wuͤte: / im was sin gemuͤte / als ain ber limmic, / er was dar umm grimmic / daz man den vor strit im niht lie WhvÖst 17563

MWB 3,3 1169,11; Bearbeiter: Richter

limpfen V. ‘hinken, ungleichmäßig gehen’ after des er iemmer hanch [hinkte] fur daz er mit deme engele geranch. / die âdare sich zesamine chrumphen, danen begunde er limphin Gen 1546 (= GenM 65,23 )

MWB 3,3 1169,16; Bearbeiter: Richter

limpfic Adj. ‘bekömmlich’ (s.a. gelimpfic ): die spise, dú im [Seuse] nit linpfig waz, bot er ze tunken gen dem minnewunden herzen [Christi] mit guͦtem globen, daz si im denne nit moͤhti geschaden Seuse 25,1

MWB 3,3 1169,21; Bearbeiter: Richter

lîmruote stF. ‘Leimrute, zum Vogelfang mit Leim bestrichener Zweig’, hier bildl.: ez wart nie man sô wîse, / noch von alter sô grîse, / wil er sîn den wîben bî, / ern werde gevangen an dem zwî / unde an der minnen lîmruot, / reht als der wilde vogel tuot, / der durch vrîheit, die er hât, / ûf daz gelîmete zwî stât AristPhyll 309

MWB 3,3 1169,26; Bearbeiter: Richter

lîn stM. ‘Lein, Flachs’, Nutzpflanze zur Gewinnung von Flachsfasern bzw. ölhaltigen Leinsamen (s.a. vlahs ; zur Sache vgl. Körber-Grohne, Nutzpflanzen, S. 366-379): von ieglichem metzen oeles, es si magoel [Mohnöl] , lin oder hanf StRAugsb 202,37; polentam machet man alsust: gersten zwenzec pfunt, dri linez [drei Pfund Leinsamen] , ein halp colianders samen Macer 56,10; von line [Flachsfasern] der dicke zwilich [zweifädiges Gewebe] / gelichet der erde sich, / wan er was von erde komin RvEWchr 12578. – ‘Leinen(tuch), Leinwand, Kleidungsstück aus Leinen’ Joseph von Armatÿ [...] / und Nicodemus [...] wundent inn [den verstorbenen Christus] in ain wÿss klaid, / was lin [Hs. lim ] gar von guͦter wat KvHelmsd 2279; beckene [Schalen] , luchtere [Leuchter] , lyn vnd alle wipliche kleidere, vingerlin vnd armgolt [...], diz ist daz zuͦ vrouwenrade horet UrkCorp (WMU) 51,32; sô [im Sommer] sach man in [ihnen (schönen Damen)] wîblîch stên ir kleinen [feinen] lîn SM:Had 28: 2,7. 44: 4,4; die priester brachtend in die schar / zewerke mænigerlay dar / [...] : / sydun, wollun und lyn / und ander werk von golde fin WernhMl 1185; SM:St 11: 3,4

MWB 3,3 1169,33; Bearbeiter: Richter

lînære stM. ‘Fischer, der eine Leine nutzt’ omnes piscatores qui dicuntur vulgariter segenser leiner reusser WeistÖ 7:968,26 (14. Jh.)

MWB 3,3 1169,57; Bearbeiter: Richter

lînbolle swF. ‘Knospe (Same?) der Leinpflanze’ ein same heizet coriandron / gelich ist er linpollon VMos 78,29

MWB 3,3 1169,60; Bearbeiter: Richter

lînboum, lîmboum stM. ‘Spitzahorn’, ‘Manna-Esche’ oder ‘Hainbuche’ (vgl. EWA 5,1303-1305): ornus: linboum, limboum SummHeinr 2:387,72 u.ö.; ornus: limboͮm Gl 3:41,54; cornus: linboͮm ebd. 3:41,17

MWB 3,3 1169,63; Bearbeiter: Richter

lînboumîn Adj. ‘aus dem Holz des lînboumes nu vernemet von der bâren. / die lin boumîn [Hs. linboumin, La. lintbovme ] wâren / und von helfenbeine En 7984

MWB 3,3 1170,4; Bearbeiter: Richter

lînbruoch stF. ‘leinenes Beinkleid, Leinenhose’ bruoh, linbruoh, diohbruoh: lumbare, femorale BWB (Sch) 1,343 (BStK472; 14. Jh.)

MWB 3,3 1170,8; Bearbeiter: Richter

linc, lënc Adj. wohl auch adv. ( TvKulm 1917 ); flektierte Formen sowohl linge(n), lenge(n) als auch -ke(n); auch erweiterte Formen wohl unter nd. Einfluss: linket-/linked- ( LBarl 3409(Hs.); OvBaierl 42,2. 55,5 ), linken- ( ebd. 55,6. 55,6 ), linker- ( ebd. 43,13 u.ö.), vgl. MNDWB 2,827; Schiller/  Lübben 2,701. 1 ‘auf der linken Seite befindlich, linke(r/  s)’ (s.a. gelinc , lërc , lërz , linster , lürc , lürz , tenc , winster )
2 ‘nordwärts gerichtet’ (vgl. Deschler, Astron. Term., S. 166f. u. 179)
3 ‘unzureichend; abweichend von dem, was recht/  richtig ist’ (teils mit Gen. oder Präp. ane )
3.1 ‘unfähig, ungeschickt, von beschränktem Vermögen’
3.2 ‘geistig beschränkt, unwissend’ , auch im Hinblick auf religiöse Sachverhalte
3.3 ‘falsch, verkehrt’
   1 ‘auf der linken Seite befindlich, linke(r/  s)’ (s.a. gelinc , lërc , lërz , linster , lürc , lürz , tenc , winster ): das roß vil im off den lincken schenckel, das er im brach Lanc 370,7; ein swert er im stach / durch daz lenke bein Ottok 57345; in den linggen fuͦs Tauler 206,28; WernhMl 9981. zuo der/ zer ~ hant/ sîte: wie schoͤne únser froͮwe stuͦnt in dem throne zer linggen hant des himmelschen vatters Mechth 2: 3,31; alle planêten gênt ir kraiz zuo der lenken hant BdN 56,10; KvWPart 5485; zer lengen sîten SM:Go 1: 3,3; zuͦ der lingen siten EvPass 246,3. – bezogen auf Mt 25,31ff. (zur linken Seite Gottes stehen die Verdammten): so keret he sich zu den die zu der linker hant suͦlen stan, / inde heizet si in dat ewige wr [Feuer] gan Lilie 56,13; swer nâch der werlde glanze trahtet / und gotes liebe lützel ahtet, / des muot, des guot, des werc, des wort / sint geneiget ûf ein ort, / daz gein der linken hant sich lenket / und lîp und sêle gein helle senket Renner 8135. 12472. 24438; wohl hierher: meitliche zucht ist da linc / gepruvet bi dem ballen [Ballspiel] Daniel 2936    2 ‘nordwärts gerichtet’ (vgl. Deschler, Astron. Term., S. 166f. u. 179): in iren landen [in der Tropenzone] waren den leuten in etleichem stuͤk des jares und an etleichem tag gereht [südwärts gerichtete] schaten, und etswenne link KvMSph 46,19. 46,16; vgl. ker ich uf di linke hant, / daz dis norden ist genant, / waz du ich da vur den syfen [Bächen] ? Hiob 9373    3 ‘unzureichend; abweichend von dem, was recht/  richtig ist’ (teils mit Gen. oder Präp. ane)    3.1 ‘unfähig, ungeschickt, von beschränktem Vermögen’ uf der erden man vint / dinc die da wachsende sint / und enhan der sinne nicht: / die boume sint also geschicht. / man vint ouch andere dinc, / die nicht sin der sinne linc, / der vernumft sie doch enpern Secret 2006; ein mechtig edelinc, / ein Sudouwît, an witzin linc, / Lûdewîge dâ betrûbete / mit worten, dî er ûbete / in smêhir wîse und in drô NvJer 17450; dy hi tun schentliche ding / und sint an guten werken ling Hiob 1634; nu was er nicht so linc, / er enpruvete wol die dinc / von unsers lieben herren gift Pass III 209,69; dri iar und seben monde hilt / er [Julius Caesar] daz vurstentum [Judäa] unvorvilt; / wan vur geschaen alle dinc / under den ratheren nicht linc / strite beide her und dar / virhundertvirundvirzig iar HistAE 5620    3.2 ‘geistig beschränkt, unwissend’, auch im Hinblick auf religiöse Sachverhalte: under andern dingen ist ein dinc, / dar an du nicht salt wesen linc [ inter ceteras res illa quam te non oportet ignorare (...) (Steele, S. 164,6)] Secret 2922; Keczczerye, du bist linc, / und di himelische dinc / dyn vernunft nicht kan verstan TvKulm 945; ich weyz und bin des nicht ling / daz vermachst wol alle ding; / dir ist verholn keyn gedank Hiob 15393; Job, dor an bistu gentzlich ling / und ungeloubic in Gote ebd. 8966. 7844. gegen gote ~ (evtl. anspielend auf die rechts/  links-Symbolik von Mt 25,31ff.): di secte nam ursprinc / ken gote allerdinge linc HistAE 5472; Job, der ken Gote nicht was ling, / hatte gar redeliche ding / gesaget mit bescheidenheit / von der selen untotlichkeit / und von dem ufirstende Hiob 6439; ich saz uf einer grüne / und dachte [...], wie ich die werlt behielde / und ouch gein gote nicht wurde linc Frl 7:15,4    3.3 ‘falsch, verkehrt’ er lart uns, wen wir beten, / daz wir uz herczen jeten / alle uzerliche dink. / uns ouch sullen wesen link / der werlde lob, ir prysen TvKulm 3562; Job git, ir syn si valsch und link, / wan gut gedechnis ist cleyner prys Hiob 5696; ‘der wan’, gyt Helyu, ‘ist ling’ ebd. 13286; dem tuvel so ling / nicht mac schaden liphaftic ding ebd. 15331; do diz gebot Danyel / irvur [vernahm] rufende vil snel / uber al des kunges lant, / zu hant wart im da irkant / von wisheit wie disse dinc / weren gemachet vil linc / wider sines Gotis e Daniel 5316. – hier wohl in adv. Verwendung: do von daz si ling vorstan / di schrift und nicht tife gan / binnen in der glosen sin, / in des geistes hoch gewin TvKulm 1917

MWB 3,3 1170,11; Bearbeiter: Richter

lincisse swM. ein Edelstein, Lyncurium (vgl. Lecouteux, Pierres, S. 171-173; s.a. ligûrius , luhsstein ): iaspis iochanten calcidon / iaccinten margariten schon / borat lincissen allecker MinneR 210 401

MWB 3,3 1171,34; Bearbeiter: Richter

linde Adj., Adv. selten adv. ( Gen 1186; NvJer 16722; PrKlostern 37 ). 1 ‘von geringer Härte, weich’
2 ‘von geringer Grobheit, zart, fein’
3 ‘von geringer Intensität, sanft, gering, leicht’ , meist von elementaren Kräften (Feuer, Wellengang, Wind und Wetter)
4 übertr. ‘sanft(mütig), milde, angenehm, freundlich’
   1 ‘von geringer Härte, weich’ nû hât man vunden einen list / daz er [ein Diamant] in vil kurzer vrist / linde wirt als ein rüebe, / daz man in snite wol oder grüebe, / swie den man dunket guot Volmar 305; diu betwât vil linde was, / der pfulwe und ouch daz küssîn UvZLanz (K) 4156; mit weichen linden chleidern [ mollibus vestimentis Lc 7,25] angetan EvAug 145,16; AvaJo 25,8; Iw 5570; Parz 552,18; nû merkent, wie daz linde blî / versmelze vor des fiures craft KvWTroj 26102; Seuse 155,17; Wh 100,13; SalArz 8,48; Athis C* 85; OvBaierl 15,2; diu lung [...] von waichem lindem flaisch ist BdN 30,15. 50,29; swâ diu erde ist linde [weich, locker] , / dâ wirt daz wazzer swinde / unde weich in dem munde LvRegSyon 3444; SalArz 18,31. – ‘schlaff’ so wir trachlichen zekirchen gen. vnde sten trachlichen div ovgen vͦf hefen zeden armen vnde ze den siechen. trachlichen fuzze unde hende. linde ellev unseriv lît. bieten ze troste vnde ze hilfe den armen. daz ist ein grozziv sunde PrKlostern 37    2 ‘von geringer Grobheit, zart, fein’ diu pleter [des Ahorns] sint gar lind und zart BdN 338,12; der meie lât den küelen tou / ze linden bluomen fliezen KvWTroj 26123; swâ man von îse ein lindez [dünnes] vel / ûf einem tiefen sêwe kôs, / und er sô lützel dâ gefrôs, / daz man durch sîn vil dünnez dach / ein hâr bereiteclîche sach ebd. 6104; ir [der Boten] spise die was linde. / nach hoves ere man in bot / simeln unde schuzzelbrot / unde da zu edel spise Elis 422; swaz lind was und klâr, / daz hiez ich allez dar / dînem lîb gewinnen EnikWchr 16149. – oft von menschlichem Erscheinungsbild, spez. der Haut: rûch ist mîn bruoder [Esau] , / ich [Jakob] bin sleht unde linde Gen 1131; daz din hut luter, linde und schoͤn werde, nim bioniewurz BenRez 23; Barth 138,29; an hiuten lint tuot winter wê SM:Had 3: 2,4; mit alsô liehter varwe / was ir lîp über al / linde und eben hin zetal Wig 902; mit siner linden wizen hant GrRud H 24; lindiu diehel [Schenkel] , slehtiu bein, ir füeze wol gemezzen Tannh 3,48; KLD:UvL 36: 7,1; Parz 88,15    3 ‘von geringer Intensität, sanft, gering, leicht’, meist von elementaren Kräften (Feuer, Wellengang, Wind und Wetter): daz [die Zutaten] sut allez ensament bi einem linden fuer SalArz 76,39; dar nach pey ainer kurtzen stund / ließ das mer sein greynenn. / [...] / di unden [Wellen] wurden linde HvNstAp 4964; vil linde wart ir weter do Pass I/II (HSW) 14262; die senften linden winde Tr 559; [Gott schickt] den winter herte, den sumer linde Aneg 524; RvEBarl 12372; DvAStaff 262; KvHeimUrst 1936. – phras. (?), wohl hierher: kindes ellen daz ist linde / swa man nach prise vihtet. / diu diet ist unberihtet / swa der kuͤnc ist ein kint: / diu wort dicke bewæret sint Rennew 12662    4 übertr. ‘sanft(mütig), milde, angenehm, freundlich’ er sprach, daz got lindes gemvͦtis wâre wider die in vorhtin vnde die ze siner barmherz gedingen hetin Spec 9,1; Ottok 96558. 9206; sîn [Achills] werder lîp der was geslaht / und alsô linde in sîner maht, / daz er die lêre [des Cheiron] sanfte enphienc KvWTroj 6380; [nirgendwo] vant man sô rehte linden man [wie Joachim] , / nît noch haz er nie gewan MarlbGr 9; Renner 7675; ih han dih gotis toufere irkorn / [...], / dih milden vnde dih gnedigen, / dih semften vnde dih linden Litan 541; KvWSchwanr 834; Daniel 7836; Minneb 1466; dî mûtir [musste sich trennen] von dem kinde, / daz sî dennoch linde / zôch mit der spune [Mutterbrust] vûtir! NvJer 16722; er ist semfter dan ein lämbelîn, / da enkegen als ein eberswîn / ist er, swâ man sîn bedarf: / friunden linde, vînden scharf Georg 432; kegn den vîndin linde NvJer 16546; grüss, wilkomen linde / wider für der rainen magtt GTroj 7278; der wîbe lœn sint süezze und lind SM:Had 53: 8,7; sin minne ist also linde / [...] / daz er dir nichtesnicht verseit Hester 1968; deheiner tugent in nie bevilte [verdross ihn nie] , / si wær im ze tuonne lint Ottok 3635; er machte fride zuo drin tagen / mit des povels [Volkes] ingesinde. / dô daz dinc wart sô linde [besänftigt] ebd. 14238; urloup gap er über al / den müeden ze varn, / von dann si komen wârn. / der wec was in linder ebd. 32050; Wernh D 3408. – von Äußerungen: sein rede was süeze unt linde Serv 678; RvZw 241,8; mit lindin, senften worten RvEWchr 21983. 14905; Wig 8103; er chot: ‘wer ist dâ, weri got? dû hâst mich unsanfte irwecchot!’ / Esau sprach duo sînem vater lindere zuo: / ‘hie ist Esau [...] ’ Gen 1186; din scheltwort alsô heize / diu wâren ir linde als daz tou Wernh 3573

MWB 3,3 1171,39; Bearbeiter: Richter

linde stF. ‘Weichheit, Milde’ die slihti und die krumb, / die herte und och die linde SHort 5033; diu heimlîche linde / von regen und von winde Greg 3531; vnd sezze daz allewege indin herce. ob des dehein rat si dv in mvezist vmbe eintwedirz gewizzenot [bestraft] werden vmbe hertikeit alde vmbe miltikeit [gegenüber denen, für die du Verantwortung trägst] . daz dv vmbe ze vil lindi [Nachsichtigkeit] . alde vmbe ze vil gveti. gewizzenot werdest denne vmbe ze vil strengi vnd hertikeit PrWack 56,130; WälGa 1383; Minneb 2560

MWB 3,3 1173,4; Bearbeiter: Richter

linde swF. selten st. ( MF:Veld 24:8; HvFreibTr 4689; Ortn 97,2; WolfdD 400,3 ). ‘Linde’ dô stuont ein linde bî dem wege, / die was erzogen mit sulcher pflege, / daz sie mit esten und mit blaten / gap vollen wint und grôzen schaten HvFreibTr 1155; der linden loubes ein schapel / hête ûf sîn houbet der knappe snel / gesetzet harte stolzlich ebd. 1183; Tr 3150; zuo der linden reit der gast, / sîn pfärt hafter an einen ast / und saz enmitten ûf den stein Wig 1489; der walt und ouch diu linde / diu sint nu beide ir grüenen loubes aber worden kranc KLD: GvN 15: 1,5; MF:Eist 13:1,4; BdN 350,4; NibB 972,1. – als Ort von Rechtshandlungen, ‘Gerichtslinde’ (weitere Belege s. WMU 2,1140 u. DRW 8,1336): die mal [ mahel ‘Gerichtsversammlung’ ] sal min zu rechti sizzi undir senti Kilianis linden Mühlh 151,25; dirre selbe koͮf geschach an dem samiztage nach sancte Lvcivn dvlt ze Toͤssa vnder der lindvn UrkCorp (WMU) 210,18. – als Teil eines locus amoenus, im Minnesang Ort erotischer Begegnung oder des Tanzens: mit mir sult ir da diu grüene linde stât: / da suln wir reien den meien, klêbluomen lesen SM:HvS 1: 13,3; ir stætez ingesinde / daz was diu grüene linde, / der schate und diu sunne, / diu riviere unde der brunne Tr 16882; Tannh 4,131; Wig 9967; KLD:Kzl 6: 1,9; Walth 39,11

MWB 3,3 1173,15; Bearbeiter: Richter

lindelîche Adv. auch -lîchen. ‘sanft’ (s.a. lindiclîche ): di wurze [...] tribet also sere sam scamonea [Purgierwinde (?)] . vnde tut daz lindelichen SalArz 87,59; sprichit dir din swestir herticliche zuͦ, daz widirsprich du lintliche PrGeorg (Sch) 26,119. 38,21; TrudHL 64,33

MWB 3,3 1173,42; Bearbeiter: Richter

1linden swV. linde sein, werden’ nû begund daz weter linden; / nâch den vil starken winden / wart der tac schœn unde klâr RvEGer 1241; des gewaldige hant / ist ein wâr gebiete / aller rîche diete, / der gebiutet den winden / daz sie scharfen unde linden UvEtzAlex Anh.1442; Frauentreue 408(S. 1184); subst.: din [Gottes] kraft [bei der Flucht der Israeliten durch das Rote Meer] dem wazzer werte al sin naturlich linden. / gelich dem steine herte wart iz zu hohen sælden dinen kinden JTit 77,1

MWB 3,3 1173,48; Bearbeiter: Richter

2linden swV. auch linderen (La. zu Wernh 2452 ). linde machen’ in fließendem Übergang zwischen den einzelnen Verwendungsweisen: – ‘erweichen’ nie herze wart sô wilde, / ir schœne möht ez binden / und künde herzen linden / diu herter wæren denn ein stein Reinfr 2132. 3624; ez [...] möht ouch herten vlins gelinden SM:St 9: 3,3. – von Böden (Part.Prät.) ‘locker, weich’ etslich erde ist sô gelindet, / daz man daz wazzer lîhte vindet LvRegSyon 3438; swâ man niht grundes vindet, / der sanfte si gelindet / mit süezer tugende fiuhtekeit KvWTroj 6466. – ‘besänftigen’ ob man iht mug ervinden, / dâmit man mug gelinden / iwern muot herten Ottok 56834. 12389; der künic [...] vlîzet sich, wie er [...] moht gelinden irs herzen muot Wigam (B) 5970; Martina 212,40; Kerbelkraut 158; SM:EvS 1: 6,6. – ‘mildern, lindern’ si [...] stillen den hustin. vnde lindent di scerfe der brust SalArz 11,2; wie Got daz guͦt sterken / kan und daz arge linden WhvÖst 525; mag ich iuch sorge linden / und füegen hôhen smerzen? Reinfr 3176; JJud 1026

MWB 3,3 1173,59; Bearbeiter: Richter

lindenbast stMN. nicht entscheidbar, ob Kompositum oder Syntagma. Lindenbast als Verbandmittel: dem der cramph we tu, der nem lindinbast und binde ez, da in der cramph begrife BenRez 41

MWB 3,3 1174,17; Bearbeiter: Richter

lindenblat stN. ‘Lindenblatt’ sich dar inne [im Drachenblut] badete der küene ritter guot, / dô viel im zwischen die herte ein lindenblat vil breit. / dâ mac man in versnîden NibB 902,3; Tr 4914. – als tertium comparationis: ainen schiltte vil schwere / schwang der tegen mere / für die bruste nebend sich / ainem linden blatte gelich GTroj 21434; einen hirzînen vezzel / den truoc ich niden umbe mich; / den slouc sî daz er zarte sich [zerriss] / als ein marwez [zartes] lindenblat BFrau 659; si riten ritterlîch ze samen, / daz schilt unde sper benamen / zerstuben als ein lindenblat EnikWchr 16289; EnikFb 3599

MWB 3,3 1174,22; Bearbeiter: Richter

lindenloup stN. ‘Lindenblatt’ sîn schilt grüen als ein linden loup / was geverwet schône KvWTroj 12012. – als bildl. Ausdruck für Geringfügigkeit zur Verstärkung der Negation: beide ors verzageten, daz si niht furbaz wolten, / von stoͤzen, die si trageten, daz si alle die sleg der sporen dolten / und ir umb ein linden loup niht ahten JTit 4769,3

MWB 3,3 1174,35; Bearbeiter: Richter