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ABCDEF s.VGHIJKL
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l – lâchen
lâchen – laden
laden – Lahrein
lahs – lampartisch
lampe – lanclëbic
lanclîbe – lancwat
lancwiric – lant|âht|acker
lantâhte – lantgemeine
lantgenôʒ – lantleite
lantliut – lantreister
lantrihtære – lantsidel
lantsidel – lanttwingære
lanturliuge – lantwîn
lantwîp – larrûn
larventier – lasterkleit
lasterkôsen – lasterwunde
lastkarre – Latrisëte
latrôn – læʒic (?)
læʒlich – lëbendic
lëbendigen – lebezelte
lëbezuht – 3lecken
lëcken – lëder|gerwe
lëderhosære – lëdic|sagunge
lëdic|vrî – lëgerhort
lëgerhuobe – lêhengëlt
lêhenguot – lêhensrëhten
lêhensteidinc – leidebërnde
1leiden – leienphrüende
leienrëht – leissup
leist – leiterboum
leiteren – leitstap
leitstërne – lemmelîn
lemnisse – lenderieren
lenderl – lenke
lenken – lêrchenmunt
lêre – lërnkint
lërnknabe – lësemeister
lësen – lettener
letter – levîte
lëwe – lëwinne
leyô – lîch
lîch – lîchphenninc
lîchreste – 1liden
2liden – lîdunge
lie – liegære
liegærinne – liehticheit
liehtkerze – liehtvaʒ
liehtvlüʒʒic – liepsuochende
liep|swinderinne – lîhenisse
lîhkouf – lîhtsüeʒe
lîhtunge – 2lîm (?)
limbel – lindelîche
1linden – lînhose
linie – lînsoc
linster – lîpgedinge
lîpgedingede – lippenlappen
lippe|swër – listen
lîsten – 2lit
lit- – litze
litze – liut-
liutærinne – liutsælde
liutsælic – löbelach
lobelich – loc
loch – lodewërc
lœdingære – lônærinne
lônbære – lônen

   lîthûs - liuhten    


lîthûs stN. ‘Wirtshaus, Schenke’ welch edel kneht daz leithus minnet / und der bosen hulde da gewinnet, / der hat dar umb der werden haz Jüngl 453; jch sol weder spiln noch in dehain leithaus gen UrkCorp (WMU) 2363,3; von der taberna daz quitt. vonme lithus ein halp fvder winis UrbBayÄ 667,d; swer den trinken wil in dem leithûse StRMeran 428; BuchdRügen 779; Dalimil (B) 44,23; Helbl 1,309; StiftZwettl 673; Erz III 36,31. – spez. Gasthaus, in das man sich zum Einlager begibt (s. 2HRG 1,1298f.): so hant si [die Gläubiger] gewalt der bürgen zwene ze nemen [...] und sulen sich die antwurten hie ze Augspurg in ein lithus und sullen laisten in rehter geselschaffte und sulen nimmer auskomen, untz ich in verrihte, darumme sie gemant haben UrkAugsb 1,74 (a. 1285); vnd svͤlen die nach der manvnge inre viertzehen tagen in der stat ze Werde in ain lithvs varn vnd suͤlen laisten ane geværde in rehter giselscheffte UrkCorp (WMU) 2946,2. 806,22

MWB 3,3 1208,39; Bearbeiter: Luxner

lîthûsgên stN. subst. Inf. ‘Wirtshausbesuch’ leithaus gen ist manger slahte Jüngl 475

MWB 3,3 1208,59; Bearbeiter: Luxner

lîtkouf stM. auch lî-, lei-, lein- ( Brun 6226 ) und liet- ( UrkDiessen 84 ). zur Sicherung der Vertragserfüllung zu erbringende Handlung bei Vertragsabschluss, ‘Leitkauf’ (zur Sache vgl. 2HRG 3,836f.). 1 vom Käufer an den Verkäufer über den Kaufbetrag hinausgehende Zahlungsleistung in Form von Geld oder Naturalien
2 der Gelöbnistrunk, der von allen Parteien und Zeugen bei Vertragsabschluss getrunken wird
   1 vom Käufer an den Verkäufer über den Kaufbetrag hinausgehende Zahlungsleistung in Form von Geld oder Naturalien: hat mir min vorgnanter herr dar vmb geben zwai hundert pfunt vnd vier pfunt Pazzawer pfenning vnd ein halbes fuder wines ze leichovf UrkEnns 4,443 (a. 1303); dem conuent daselben ze chavfen han gegeben mein drittail der vogtai auf dem hof ze Engelwoltzstorf, [...], vmb siben phvnt Regenspvrger phenning vnd vmb den leitchaͤvf, der mir auch gevallen ist UrkStVeit 42 (a. 1323); daz pfert er im ze lîtkouf bôt EnikWchr 25948; UrkHeil 2,199 (a. 1346); StiftZwettl 448; UrkDiessen 84 (a. 1262-75). – für den gesamten mit einem lîtkouf abgeschlossenen Kauf: wir wellen ouch, daz dehein burger durch leichouf noch durch deheinen bosen list mit deheinem gast choufen noch verchoufen sulle, da den vorgenanten choufluten ir reht mit zebrochen werde DRW 8,1220 (Tomaschek,Wien; a. 1312)    2 der Gelöbnistrunk, der von allen Parteien und Zeugen bei Vertragsabschluss getrunken wird: swelcher chauf mit leichauff gestaett wirt, der sol chraft haben StRMünch 318,24; swelch man sinen koufschatz wil bezugen nach der stat recht, der muz haben sine likouflute, di den licouf getrunken haben StRFreiberg 95,25; StRAugsb 204,7; StRNordh 1,39. – übertr.: ich gebe mich in din [Satans] geleite / und vorzie mich der drivaldekeite / und dar zu der kristenlichen toufe. / ditz was ir zweier leinkoufe Brun 6226

MWB 3,3 1208,61; Bearbeiter: Luxner

lîtkoufære stM. Unterkäufer/-händler, dessen Zeugnis in Kaufsachen ungültig ist (vgl. DRW 8,1221 und Schmeller, BWB 1,1537): wir setzen auch, daz dhain gast gen einem purger, noch dhain purger auf einen gast icht muͤg erzeugen mit den, die da haizzent leitchaufer, er hab denn mit den selben ander erber gezeugen UrkBabenb 2:293,2 (a. 1244). 2:299,5 (a. 1244). 1:117,37 (a. 1192)

MWB 3,3 1209,32; Bearbeiter: Luxner

lîtkoufliute stM. (Pl.) Zeugen, die bei einem Kauf herangezogen werden und dem → lîtkouf 2 beiwohnen: swelch man sinen koufschatz wil bezugen nach der stat recht, der muz haben sine likouflute, di den licouf getrunken haben StRFreiberg 95,25; testes honestos, dictos in wlgari leykaufleut SchöffIglau 85. 151; StRPrag 47

MWB 3,3 1209,40; Bearbeiter: Luxner

lîtkoufman stM. Zeuge, der bei einem Kauf herangezogen wird und dem → lîtkouf 2 beiwohnt: her wert seyn leyp und seyn gut pas, danne man yn ichtes vberczugen mog, mit eynem leytkawfman oder mit eynem totpetman oder mit eynem heyratman oder mit eynem ratman SchöffIglau 63

MWB 3,3 1209,47; Bearbeiter: Luxner

litlôn stMN. auch lide-. an eine in abhängigem Arbeitsverhältnis stehende Person ausgezahlter Lohn, ‘Dienst-, Arbeits-, Gesindelohn’ (z. Sache und Wortherkunft vgl. 2HRG 3,979-981, DRW 8,1298-1303 sowie DWB 6,994): blibet ein man lon schuldic sime gemietten boten, iz si knecht oder mait, unde wil im des nicht gelden, daz heizet lidelon, wil der bote daz vorderen unde behalden, so muz he klagen also StRFreiberg 256,21; wer czu chlagen hat auf den andern um hofczins und um lidlon oder um trinckgelt StRBrünn 393; StRBern 1/2:98,21

MWB 3,3 1209,53; Bearbeiter: Luxner

litnagel stM. ‘Fingernagel’ onichina in kriechisch haizet lidnagel [La. glidnagel ] BdN 454,7

MWB 3,3 1210,1; Bearbeiter: Luxner

lit|scherten swV. ‘jmdn. an den Gliedern verletzen, verstümmeln’ (vgl. lideschart und lideschertic ): ist daz ainer den andern wunt, und daz er gesunt wiert an den wunden und nicht glischert wiert StRBrünn 346. – als Part.-Adj. in gelitscherte wunde ‘eine durch Verstümmelung hervorgerufene Wunde’ (anders FWB 6,755 s.v. geliedschert): von gelitschert wunden. ist daz ainer dem andern ein vinger abslecht oder wunt oder waz gelicze [Glieder] er vorwunt, daz glitschert wunten haist StRBrünn 345

MWB 3,3 1210,3; Bearbeiter: Luxner

lit|schertwunde swstF. Wunde, die mit Verstümmelung, dem Verlust von Körperteilen einhergeht: ist daz ainer den andern wunt, und daz er gesunt wiert an den wunden und nicht glischert wiert [ si quis aliquem vulneraverit ita, quod vulneratus convalescat sine detrimento membrorum, id est lidtschertwunden ] StRBrünn 346

MWB 3,3 1210,14; Bearbeiter: Luxner

litter Subst. von lat. littera. 1 ‘Buchstabe’
2 meton. für Geschriebenes (meist im Pl.)
2.1 ‘Schrift(-stück), schriftl. Quelle, Buch’
2.2 ‘Brief, (Send-)Schreiben’
3 übertr. ‘(eigentliche) Bedeutung’
   1 ‘Buchstabe’ funf der litter von des vater teile / und zwene von der muͦter [hatte der Name Titurels] JTit 173,3. 174,2. – hierher oder zu 2.1: di hohe irre tugende grat, / di si in edelm willen treit, / kan nimmer werden vollen seit / von worte noch von littere Pass I/II (HSW) 15193    2 meton. für Geschriebenes (meist im Pl.)    2.1 ‘Schrift(-stück), schriftl. Quelle, Buch’ do sagt uns di littere / er machte mer dann tausent rittere HvNstAp 13417    2.2 ‘Brief, (Send-)Schreiben’ Ptolomeus wart ouch vugen, / daz er besande die rittre / des landes, daz wurben littre [ et tribunis misit epistulas I Mcc 16,19] Macc 6984    3 übertr. ‘(eigentliche) Bedeutung’ ‘wilt du versten myn litter’, / sprach fraw Mazze, ‘ich schriben dir [ in dins herczen buch V. 371] / war nach gestellet ist myn gir, / wy ein ritter die manheit uͤbe / daz er mich, Maße, iht betruͤbe’ MinneR 444 398

MWB 3,3 1210,21; Bearbeiter: Luxner

litvüege stF. ‘(Zusammen-)Fügung der Körperteile, -glieder, Körperbau’ conpago: lidfuͤgi VocOpt 1.200. conpages: lidfuͤgi 1.201

MWB 3,3 1210,39; Bearbeiter: Luxner

lîtwette stN. Gebühr für die Konzession des Weinausschanks (vgl. DRW 8,1225): item leidtwette sub forma antiqua accipitur UrkBabenb 2:280,20 (a. 1244)

MWB 3,3 1210,42; Bearbeiter: Luxner

litwurz stF. ‘Gliederkraut’ (vgl. Marzell 2,579 s.v. Galium mollugo, 5): rubea maior: lidwurtz, lidwúrcz VocOpt 50.254; rubea minor: lidwúrcz ebd. 50.255

MWB 3,3 1210,45; Bearbeiter: Luxner

litze stF. von afrz. lice (s. Tobler/  Lommatzsch 5,397-400; Schultz, Höf. Leben 1,21 und Suolahti 1,149); auch litte ( GTroj 13551 ). ‘Schranke, Absperrung, Palisade (zum Schutz einer Stadt, Burg etc.)’ (vgl. auch letze ): haimlich da [am Garten] er ain litte vant, / dar über er all do ze hand / sprang hartte behendeklich [vgl. Anm.z.St.]] GTroj 13551; swaz ritterschefte löbelich / des mâles vor der litze was, / die zôch er an sich KvWTroj 34175; diu veste michel unde breit / was ir litze und ouch ir fride [Einfriedung] KvWPart 14097. 14118

MWB 3,3 1210,49; Bearbeiter: Luxner

litze swstF. von lat. licium über das Romanische (vgl. DWB 6,1072f. und FWB 9,1275) oder direkte Entlehnung des lat. kollektiven Plurals licia (Pfeifer, EtymWB, S. 807). textiler Besatz, ‘Litze, Tuchleiste, -streifen’ item 36 hall. pro lizen Holzschuher 765; item quartale rufi de Eyper ad lizen ebd. 313 u. ö.

MWB 3,3 1210,60; Bearbeiter: Luxner

1litzen swV. ‘falten, stülpen’ (vgl. SchweizId 3,1564 und DWB 6,1073; s. auch ûʒlitzen ): daz hemde bî der erden nam / vil manegen wünneclichen valt. / [...] / der eine was geslitzet [Druck: gelitzet ] , / reht als ein bilde gesnitzet, / und was der ander vorne sleht KvWEngelh 3073. – ‘jmdm. etw. überstülpen’ si úber die hopter litzent / dú klaider den die sich erwenent SHort 4196

MWB 3,3 1211,3; Bearbeiter: Luxner

2litzen swV. ‘eingrenzen, mit einer Begrenzung, Schranke, Palisade versehen’ (zu litze stF. ): wir geben och ûz, daz daz gothus Nyfers hofstat von dirre usrichtung wegen litze und mit einem erkel [Erker] mache UrkBernLd 6:51,16 (a. 1345). – bildl. (vgl. Leitzmann, Reinfr., S. 146): ir fröude muose litzen / sich an allen orten Reinfr 8344

MWB 3,3 1211,11; Bearbeiter: Luxner

3litzen swV. auch ge-. ‘sich wünschen, sich sehnen, begehren’ (zu liz ): – mit Refl.-Pron.: wer ist der grozer: der da sitzet / zu disch, oder der sich gelitzet / dar zu, daz man yn dienen siht? [vgl. Lc 22,27] EvStPaul 10115. – hierher oder verderbt? (vgl. Rückert, Loheng. z.St. und Loheng Einl. S. 21; anders PBB 10 [1885], S. 117f.): dâ von durch got alle williclîchen litzet, / swes got mit iu habe gedâht und sît veste des gelouben Loheng 5096

MWB 3,3 1211,18; Bearbeiter: Luxner

litzic Adj. ‘mit Litzen versehen’, hier übertr. ‘vernarbt, voller Narben’ (wohl zu litze swstF. ): die hiute werdent litzic / vermachet und verwunden Reinfr 18274

MWB 3,3 1211,28; Bearbeiter: Luxner

liuht Adj. ‘hell’, hier subst.: du zu scheides [l. zerscheidest, scheidest] nacht und tac, / di#’e vinstere von dem luchten, / die trocken von der vuchten, / die werme von der kelden HeslApk 89. – hierher oder zu liuhte swstF. (vgl. Gl.z.St.) ?: div durre ist worden fevhte, / div wuͤste ist worden levhte Wernh A 2334

MWB 3,3 1211,32; Bearbeiter: Luxner

liuhtære stM. auch luthere ( Lucid 1,3 ). ‘Leuchter, Kandelaber’ 1 allg.
2 ‘Erleuchter, Erläuterer’
   1 allg.: niemant enzündet ein lucernam vnd setzet si in di verborgenheit. noch vnder ein maz. svnder vf einen lühtere [ supra candelabrum Lc 11,33] . daz di da ingent werdent sehent daz lieht EvAug 163,15 u. ö.; nach deme herewete [Kriegsausstattung] sal daz wip nemen ir lipgedinge vnd alliz, daz zuͦ der rade horet, daz sin alle scaph vnd gense, [...], al gârn, bette puͦle, kussene, [...], dwelen, beckene, luchtere, lyn UrkCorp (WMU) 51,32; up yre lincker hant / wart eyn lyntzeichen [Mal, Narbe] erkant, / [...] / da was yr in gevallen / eyn luchter, do sy was eyn kynt KarlGalie 3622; EvStPaul 2926; Daniel 4537. – auf die sieben goldenen Leuchter in Apc 1,12-13 bezogen: do sach ich siben luchtere, / die waren von golde gar HeslApk 1614. 1652; Frl 1:2,7. – übertr.: der jugent leuchter und glantz HvNstAp 18670; [Christus zu den Jüngern:] ewer werk diu sülnt scheinen, und mêr spricht er: prinnend läuhter sülnt sein in ewern henden BdN 63,10; do sprach únser herre: ‘ich bin das lieht und din brust ist der lúhter.’ Mechth 3: 12,15. 4: 2,37; Pass I/II (HSW) 10375. – bezogen auf Christus: der tage lvhtære [ dies dierum illuminans ] PsM H 13,1    2 ‘Erleuchter, Erläuterer’ diz buͦch heizet Lucidarius. / daz wirt getútzet alsus: / daz ist ein lúthere Lucid 1,3

MWB 3,3 1211,39; Bearbeiter: Luxner

liuhtærinne stF. auch lut- ( Vät 15359 ). ‘Erleuchterin’ so kumt die luterinne, / die sunne rehter minne, / die brenget vreude vollenkumen Vät 15359; muoter der vil schœnen minne, / in der vinster liuhterinne, / zünde, enbrenne mîne sinne / in der wâren minne gluot SM:EvS 1: 20,2; Ymaginacio di bilderin / und Ratio di lwhterin Syon 44

MWB 3,3 1212,3; Bearbeiter: Luxner

liuhte swstF. auch lvͦcht- ( SchwSp 17a ). 1 ‘Leuchte, Lampe, Ampel’
2 ‘Licht, Helligkeit, Glanz’
   1 ‘Leuchte, Lampe, Ampel’ vor disen eltêren hangen zwô lûchten, di entpurnet man zu grôzen hôchzîten HvFritzlHl 228,1; nach dem totleibe sol div frowe nemen ir morgengabe vnd allez, daz dar zvͦ horet, daz varnde gvͦt heizet, daz sint schaf vnd geize vnd swin vnd rinder [...] vnd garn vnd div bette [...] bolster vnd kvssin [...], elliv lilachen, tischlachen vnd lvͦchten SchwSp 17a; durch daz han wir daz opfir braht / mit vollenkumender andaht, / daz semelmelbrot uf geleit / di luhten burnende bereit Macc 7134; UrkKölnZunft 1:58,9 (a. 1344); SpdtL 102,6; HeslApk 22257; Lanc 562,1 u. ö. die sunne wunneclîch / uberschein die werelt wît / und underschiet des dages zît / von der vinsterlîchen naht, / der ouch zû lûhten was gemacht / der mâne und ouch die sterren Erlös 122. – womit man Feuer, Licht erzeugt: ignitabulum: luhte Gl 3:639,40. – übertr. (vgl. Salzer, Sinnbilder, S. 324f.): eine here dochter si gebirt, / di ein ewic luchte wirt, / ein heilwag unde ein wuͦnne, / ein spiegel in ir kunne Elis 280; Lilie 44,18; unser herre Jhesu Crist, / der liecht aller luchten ist HeslApk 1794. – hierher oder als subst. Inf. zu liuhten (so Glr.z.St.):    2 ‘Licht, Helligkeit, Glanz’ die lûchte gab in den widir slác [blendete sie] / sam der sunne umbe míttín tac Rol 695; glich der cristallen luchte HeslApk 8252; so daz die dunne sache / die swaren last enthalden mac, / und zuschiet nacht und tac, / daz vinster von der luchte, / daz trocken von der vuchte ebd. 18143. die varwe nicht vorblichet / von der sunnen luchten / noch von des wazzers vuchten ebd. 7993 (oder zu liuhten, so Glr.z.St.); 2155. uns düster dumpheit erluͥchte, / wand du dregs der wisheit luͥchte! MarlbRh 88,10. – von Farben: lylien sten in vuchte / in drierhande luchte, / wiz, gel, bla, der varwen fin Daniel 2014

MWB 3,3 1212,10; Bearbeiter: Luxner

liuhten swV. auch ge-, louht- ( Hochz ) und luft- ( Roth 3562 ); Prät. lûht-. 1 ohne Obj. ‘leuchten, strahlen’
1.1 vom Licht und (natürlichen) Lichtquellen
1.1.1 allg.
1.1.2 von Himmelskörpern, auch ‘scheinen’
1.2 von Ausgezeichnetem, Prächtigem bzw. Hervorragendem, auch ‘glänzen, schimmern, funkeln’
1.2.1 von metallischen Oberflächen bzw. (Edel-)Metallen
1.2.2 bes. von (Edel-)Steinen
1.2.3 von Farben
1.2.4 von anderen i. d. R. besonders prächtigen oder schönen Gegenständen
1.3 übertr.
1.3.1 allg.
1.3.2 von aufgrund ihrer Schönheit und/  oder Persönlichkeit besonders hervorragenden Menschen
1.3.3 relig. vom göttlichen Licht bzw. von Gott als wahrem Licht u.ä., auch i.S.v. ‘erleuchten’
2 mit Dat.-Obj. ‘jmdm. leuchten, Licht geben’
3 refl. ‘sich lichten; heller, lichter werden’
   1 ohne Obj. ‘leuchten, strahlen’    1.1 vom Licht und (natürlichen) Lichtquellen    1.1.1 allg.: in dem selbem huͦs luchtet das liehte, das uf das cherzstal gestechet ist Konr 21,21; ez inmac ouch kein licht in un [Gott] geluchtin dar inne man un irkenne, wan he wonit in eime lichte daz unzugenclich ist Parad 42,38; siben tusent golt uaz [als Leuchten] , / ze eren buten si im daz, / di luchten tac unt nacht Rol 3499; zer fossiure [Grotte] oben inne / dâ wâren cleiniu vensterlîn / durch [für] daz lieht gehouwen în, / diu lûhten dâ unde hie Tr 16727; umb daz elementisch reich ist daz himelisch leuhtend reich [ etherea lucida, vgl. Deschler, Astron. Term., S. 82] KvMSph 10,10. 7,18. – mit Vergleichsobjekt: daz gestaine lûchte dar obene / sam daz prinninde oleuaz Rol 2504. 4882; diu ougen [ der kroten ] liuhtent wol / reht als ein brinnendiu gluot Volmar 460. – vom (hellen) Tag(-eslicht) (häufig im Vergleich), auch i. S. v. ‘an-, heranbrechen’ noch ninder lûhte tages lieht MF: Wolfr 2: 4,8; do begundez liuhten vome tage Parz 588,8; der tag begunde sere zu lúchten Lanc 12,9; wen biz der morgin ubir al / luchte, unde die sunne scein Athis A 95; diu krône lûhte als der tac / von golde und von gesteine Wig 397. 7285; Roth 1612; PrOberalt 11,39; Spec 61,7    1.1.2 von Himmelskörpern, auch ‘scheinen’ der mane lûhtet âne hizze Spec 94,2. 97,31; der stern ist scheinend und leuhtend über all ander stern BdN 57,33. 68,1; so neliuhte nie so schone / der sunne noch der mane Hochz 447; dâ liuhtent zwêne sternen abe Walth 54,31; Herb 636; MF:Mor 1: 1,5; Gen 74; MF:Wolfr 7: 3,9; der leuhtend [ candidus ] ohs [ein Sternbild, vgl. Deschler, Astron. Term., S. 202] KvMSph 34,7. liuhtend dinc ‘Himmelskörper’ bei Megenberg (vgl. Deschler, Astron. Term., S. 193): daz daz leuhtend dink groͤzzer ist danne daz dunkel KvMSph 61,9. 61,6. – mit Vergleichsobjekt: daz ir varwe lvchte / gliche wol der svnnen Herb 11166; dô begunde ich êrst ir güete schowen, / wie si vür ir aller schœne brach, / sam der morgensterne lûhte / ûz vil sternen SM:Tr 2: 2,5; zwêne lîhte carbuncel: / di naht ne was nie sô tunkel, / si lûhten sô die sterren SAlex 5983; Rol 4492; Mechth 1: 16,2; u. ö.; UvZLanz 5059; SM:Had 53: 10,5; übertr. auf (besonders hervorragende) Personen: si louhte ubir alle die schare / als ein liehtir tagesterne Hochz 298. 792; schone ist die tochter sin / siv luchit vz deme gedigene [Gefolge] / so daz gesterne tvͦt uvndeme [ vun deme ] himele Roth 71; diu wîse Îsôt, diu schœne Îsôt / diu liuhtet alse der morgenrôt Tr 7292; MF:Mor 8: 1,7    1.2 von Ausgezeichnetem, Prächtigem bzw. Hervorragendem, auch ‘glänzen, schimmern, funkeln’    1.2.1 von metallischen Oberflächen bzw. (Edel-)Metallen: sîn helm was mit zwein hornen / gezieret wol in fürsten wîs, / diu lûhten beide silbergrîs KvWTurn 490. 999; alle, die in dem kor waren, die waren gekleidet mit lúhtendem golde Mechth 2: 4,62; ir harnasch lûht nâch glanze UvEtzAlex 6201; do luchte ein brunie guldin Roth 2704. 3541. 4228; Tr 6625; Eckh 5: 114,15. – mit Vergleichsobjekt: siv luchtit uor anderen wiben / so daz golt von der siden Roth 73    1.2.2 bes. von (Edel-)Steinen: do luchte manic yachant Roth 236 u. ö.; der karfunkel läuht in der naht BdN 429,18 u. ö.; so die steine louhtent harte / in der himilischen porte Hochz 453. 457; jâ lûhte ir von ir wæte vil manec edel stein NibB 282,1 u. ö.; GrRud Ab 18; Herb 9225. 9237; Lanc 57,4; KvWTurn 585. da ist diu lucerne / der himelchunic aine. / daz edele gestaine / luhtet sam iz prinne HimmlJer 124. – mit Vergleichsobjekt: di livhten sam ein gimme VMos 56,17. 81,11    1.2.3 von Farben: ir varwe wol getân / diu lûht’ ir ûz dem golde NibB 1351,2; der martyrer gewete ist lúhtende rosenrot Mechth 3: 1,104; von rôtem barragâne / was diu dritte sîte. / siu lûhte harte wîte / in dem grüenesten clê UvZLanz 4830. 5443; KvWTurn 721; da wîzziu bein so lûchten dür [durch] / (ich hânz dervür), wîz als der snê SM:Had 44: 4,5; und lûhten ûz im [dem Schild] wandels frî / snêwîzer adelaren drî KvWTurn 617; KvWSchwanr 1018; ez [das Pferd] lûhte alsam ein swarzez bech ebd. 1044; darûz diu cleinen zegellîn / des hermelînes lûhten, / diu swarz geverwet dûhten KvWTurn 599. 557. – von Blumen und Blüten: dar ane stat ein bluome, / diu liuhtet also scone MarldM 25; liljen unde rôsen, bluomen, swâ die liuhten / in meien touwen durch daz gras Walth 27,20; KvWTurn 371; SM:Had 47: 1,6. – von Kleidung u. ä. (kann auch auf die Verzierungen mit Edelsteinen bzw. -metallen bezogen sein): dô lûhte in von ir lîbe ir hêrlîch gewant NibB 1761,3; der herzog ûz Burgunne / gezieret quam zer heide / mit eime wâpencleide / daz lûhte wünnicliche KvWTurn 659    1.2.4 von anderen i. d. R. besonders prächtigen oder schönen Gegenständen: zahî waz von zimieren / dâ lûhte spæher dinge! KvWTurn 737; ob ime [dem Brunnen] stuont ein schœnez dach, / darunder ein gestüele / gesetzet, daz man verre sach / dâ liuhten vor dem brüele [der Wiese] KvWKlage 4,8. – von den Augen: wann als er sere zornig was, so luchtens [die Augen] im als ein fuer in eim ofene Lanc 35,8; ia luchten sin ougin / sam der morgensterne Rol 686; dîn ougen tougen liuhtent in mîs herzen grunt SM:Ta 1: 2,4; dô lûhtèn ir liehten ougen KLD: BvH 10: 2,3; SM:KvL 16: 2,4; BdN 493,25. – übertr. auf hervorragende, besondere oder schöne Menschen (vgl. 1.3.2): dar luchte daz Rotheres wif / vor andren wiuen ouer lant / als ein bernender iachant Roth 4611    1.3 übertr.    1.3.1 allg.: daz arge bî dem guoten erger unde bœser liuhten kan, / und daz guote bezzer bî dem argen KvWLd 31,70; Salomones wort lúhtent - und sin werk nit, wan er selber vervinstert ist - in dem buͦche Canticis Mechth 3: 20,14; dar umb spricht unser herre: ‘ewreu werk schüllent läuhten vor den menschen.’ BdN 298,6; Maria, din nam he luͥchtet sere MarlbRh 16,1. 16,6; SM:Had 38: 1,10; Tr 17544; BdN 297,34; Eckh 5: 38,15    1.3.2 von aufgrund ihrer Schönheit und/  oder Persönlichkeit besonders hervorragenden Menschen: do der künec [ Vergulaht ] sô gein im lûhte Parz 400,14; dar umb sint die hailigen lêrer läuhtend an in selber mit allen tugenden BdN 63,11. – jmdm. engegen ~ : Alfenor / Polifemis swester eine; / die luchte im so engeine, / daz er des wande, / die wile er in einem mande / da gefangen was gewesen, / von ir schone was genesen Herb 17591    1.3.3 relig. vom göttlichen Licht bzw. von Gott als wahrem Licht u.ä., auch i.S.v. ‘erleuchten’ sô schînet und liuhtet daz bilde gotes Eckh 5: 113,26 u. ö.; daz die heilige hoche drivaltikeit in sú [die Seele] lúhten múge Tauler 83,4; daz aber der himel sinbel sei, dez hab wir drei sach. deu erst sach ist daz gotlich ebenpild, daz da leuhtet in dem gotlichen wesen, darnach got die werlt macht KvMSph 12,6; BdN 278,23; Mechth 2: 5,3 u. ö. in disen unbekanten Got dar in setze din ruͦwe und ensuͦche weder smacken noch lúchten [Schmecken (Empfindung?) noch Erleuchtung] Tauler 204,12; so wellent si trost haben, lúchten, smaken, bevinden, und wellent iemer etwas haben und wellent gerne himelrich haben ebd. 361,15 u. ö.; daz ist aber Got Jhesus Crist, / der luchten alles liechtes ist HeslApk 22310 (hierher oder zu liuhte stswF. ?, vgl. auch Glr.z.St.). – die Seele ‘erstrahlt’ in Gottes Licht: swenne ich [Gott] schine, so muͦst du [Seele] lúhten; / swenne ich vlússe, so muͦst du vúhten Mechth 2: 6,2    2 mit Dat.-Obj. ‘jmdm. leuchten, Licht geben’ Synon, der luchte in Herb 16173; idoch lûht in der mâne, / als ez der rîche got gebôt UvZLanz 7592; owê, – / sol aber mir iemer mê / geliuhten dur die naht / noch wîzer danne ein snê / ir lîp vil wol geslaht? MF:Mor 30: 1,3; Konr 21,18; KvHeimHinv 684; Lanc 607,12; Tauler 152,12. – von Christus bzw. Gott (vgl. 1.3.3): in allen den ziten so gestet uns bei der hilig Christ, der ware sunne, und luͤhtet uns und vertribet von uns diu vinster des todes und belaitet uns in daz himelrich PrOberalt 74,34. 74,38; der got alsô in wesenne hât, der nimet got götlîchen, und dem liuhtet er in allen dingen Eckh 5: 205,10 u. ö. – übertr.: mînre fröiden schâcher [die Räuber meiner Freuden = die Augen der Geliebten (Anm.z.St.)] für buoze / liuhten mir mit lône ze liehten wegen! SM:UvB 5: 3,2. – redensartlich dem tage ~ wohl i. S. v. ‘etwas Überflüssiges, Unnötiges tun’ von Priamo spriche ich vort, / wen daz vch des duchte, / daz ich dem tage luchte, / ob ich den loben wolde, / der dem gelutertemme golde / so gliche begat, / daz er falsches niht enhat Herb 3126    3 refl. ‘sich lichten; heller, lichter werden’ ouch begunde liuhten sich der walt Parz 282,9

MWB 3,3 1212,48; Bearbeiter: Luxner