l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
laquariz
F.
→ lakeritze
MWB 3,3 897,25;
laquiricia
F.
→ lakeritze
MWB 3,3 897,26;
larche
F.
‘Lärche’ (s.a.
lerchboum
):
cipresse, kasse, mandel, mirre, zeder, larke, / prisilia, triasandel und
aspinde, dar uz Noe di arke / worcht JTit
301,1
MWB 3,3 897,27; Bearbeiter: Richter
lære
Adj.
‘leer, ohne Inhalt, ohne die erwartbare Ausstattung; (einer Sache) ledig, frei
(von etw.)’
1 ohne Gen. 1.1 von Hohlkörpern u.ä. 1.2 von Gebieten, Orten o.ä. 1.3 von Gegenständen (Schiff, Bett, Sitzplatz o.ä.) 1.4
‘frei, unbelastet, befreit’ (meist in Verbindung mit lëdic ,
vgl. unten 2.2 , s. ausführlich WMU 2,1091f.) 1.4.1 bezogen auf Besitztümer 1.4.2 bezogen auf Personen 1.5
‘gehaltlos, ohne Wahrheitsgehalt, bedeutungslos ’
1.6
‘ohne Ertrag, mit leeren Händen’
1.7 übertr. ‘erfolglos, wirkungslos, vergeblich’
2 mit Gen. ‘einer Sache ledig, frei von etw., ohne etw.’
2.1 allg. (von Hohlkörpern, Gebieten, Gegenständen, Personen; vgl. ähnl. unter 1 ) 2.2
‘frei, unbelastet, befreit’ (vgl. oben 1.4 ) 2.3
‘frei, losgelöst’
2.4 oft mit Abstrakta 3 mit präp. Erg.
1
ohne Gen.
1.1
von Hohlkörpern u.ä.:
di cisternin wurdin leri: / des chomin di luiti / in eini
vil starchi noti LobSal
62;
ein tieffir charchære, / der stuont alle wile lære
Hochz
169;
min malhe [Beutel] ist worden
laere Tannh
14,47;
PrOberalt
172,16;
RvEBarl
12778.
12952;
RvEWchr
1828;
EnikWchr
27140;
ain lær airschaln, auz der ir toter und allez ir weiz
datz ainem klainen löchlein gezogen sei BdN
83,33.
– von Hand/ Händen:
sîn volliu hant wart lære [weil er den
verstochenen Speer aus der Hand legte]
Wh
389,27;
chum ich den mit leren handen [ohne etwas
zu bringen] , / so wold ich liber hinne bliben Erz
III
56,108;
daz sî mit lêrin hendin / nicht inwoldin kumin heim
NvJer
19709;
der man gienc mit lerer hant [ohne
Habseligkeiten] , / wand ungelucke im nicht enlie
Pass I/II (HSW)
39288.
– von Organen u.ä. des menschlichen Körpers oder diesem selbst:
er wolde niht ir læren magn / überkrüpfe lâzen tragn
Parz
201,13;
muoz aber der mensch auz gên, der schol vor ezzen und
trinken, daz der luft den leib iht lærn begreif BdN
96,12;
vindet der ezzeich den magen vol, sô entsleuzt er
in, vint er in aber lær, sô besleuzt er in und zeucht in zesamen ebd.
353,2;
[Brunnenkresse] ist an der kraft haiz und trucken
und derret die faulen fäuht in lærem leib ebd.
410,9;
subst.:
ezzic [...] vert schire
durch di adirn di lit. vnde twingit di leren. vnde losit di uollin
SalArz
21,41;
BdN
112,16
1.2
von Gebieten, Orten o.ä.:
sine helede sint alle erslagen, / Yspania stat elliu lare
Rol
7337.
162;
RvEWchr
2834;
dennoch waz diu stat lære diu die heidenschaft erfuͤllen
schol PrOberalt
123,15;
dhein winkel [bei Hof] was sô
lære, / si wurden alle herren vol Ottok
13040;
ir tuot uns hiute [durch exzessives
Jagen] lære den berc und ouch den walt NibB
940,3.
–
die riche die stunden lere [waren (nach
dem Tod des Kaisers) herrenlos]
TrSilv
33
=
Kchr
7806
1.3
von Gegenständen (Schiff, Bett, Sitzplatz o.ä.):
swer vindet ein schif eine / ergraben in eime steine / und
daz schif gar lære / âne marnære: / daz ist ze allen dingen guot / und gît
gelücke und hôhen muot Volmar
913;
swenne daz si, daz der selben drier bette ains lere stande, daz man in daz
enbiete, daz si dar an legen, swen si wellen UrkCorp (WMU)
2056,46;
sin stul stunt lare AvaLJ
201,1.
– von Satteln bzw. Pferden, deren Reiter herabgestoßen wurden:
Brandenburc der reine / und ouch der Mîssenære / vil
rosse machten lære, / wan si dâ wurfen mangen abe KvWTurn
1022;
er begunde justieren / und machte satel lære
UvZLanz
3113;
NibB
792,2;
Wh
420,24
1.4
‘frei, unbelastet, befreit’ (meist in Verbindung mit lëdic,
vgl. unten 2.2, s. ausführlich WMU 2,1091f.)
1.4.1
bezogen auf Besitztümer:
vnt also, daz es nach sinem tode ledeclîch vnt lere hoͤren sol an die
kilchvn ze Vilingen UrkCorp (WMU)
3362,33;
vnd swanne der vor genande her Vͦlrich Sumbri stirbet, so ist dem
spitale das hus ledich vnd laͤre ebd.
708,39;
dar nách ist v́ns dú selben kylche mit allen ręhten, mit allen
nv́tzen vnd mit aller zuͦgehoͤrde von ime vnd von sinen erben ledig vnd
leͣre áne alle widerrede UrkFürstenb
2,77
(a. 1322)
1.4.2
bezogen auf Personen:
daz die vorgeseiten, der schvltheize, der rat vnd alle die gemeinde
von Berne, vmbe ellv́ die gelt, vmbe ellv́ dv́ phender
[...] svllen sin von menlichem vri, lidig vnd
lere nv vnd iemer UrkCorp (WMU)
1984,29
1.5
‘gehaltlos, ohne Wahrheitsgehalt, bedeutungslos ’
swas er [der Prophet Samuel]
tet wissagende irkant, / des beleip an der geschiht / ein wort lêre und gelogin
niht: / got irfulte zallir stunt / swas wissagende sprah sin munt
RvEWchr
22124;
noch dan vindit di fornuft daz si lere ist und vil me
bekennen mac Parad
34,16;
also mac di fornuft alle dinc begrifin und blibit doch
lere ebd.
34,20
1.6
‘ohne Ertrag, mit leeren Händen’
ir vogelære / komt mir fruo niht lære! / vâhet mir zwei
hundert gîr grôz, / raben vil und ir genôz EnikWchr
18056;
si [die bösen Weingärtner] begriffen en
[den Knecht des Herrn] und slûgin en und lîzen en
lêre EvBeh
Mc 12,3
1.7
übertr. ‘erfolglos, wirkungslos, vergeblich’
darnâch sî [...] sich wantin /
zum Colmin vor dî vestin / und dî âne restin / sturmetin mit allir macht / einin
tag und eine nacht, / daz îdoch was lêre, / want sich dî burgêre / menlîch ir
dirwertin NvJer
14741;
ûf daz nicht lêre / sô gar dî reise wêre ebd.
19536
2
mit Gen. ‘einer Sache ledig, frei von etw., ohne etw.’
2.1
allg. (von Hohlkörpern, Gebieten, Gegenständen, Personen; vgl. ähnl. unter 1):
[Malfer trug etwas Schweres mit solcher Leichtigkeit]
/ als ein wip treit einen kruͦg / der gar ist wazzers lære Rennew
32061;
Wh
190,10;
diu heide ist bluomen lære KLD: GvN
33: 1,2;
Iw
661;
diu ros liufen an den wegen / irre und herren lære
UvZLanz
3363;
michel wunder in des nam / wie er dar komen wære /
gewandes alsô lære [ohne Kleider]
Wig
5799.
–
man hœret dâ niwan wê! wê! / schrîen die langen naht;
/ des tages ist ez âne braht / und alles schalles lære Wig
4312
2.2
‘frei, unbelastet, befreit’ (vgl. oben 1.4):
vnd wenne ich enbin, so sol alles min guͦt in dem brugholz vnd der zins,
der da von gat, sin lidig vnd lere des vorgenanten gotzhuses UrkCorp
(WMU)
2375,5;
er [...] wolt ir alles das ledig
laßen und lere des er michel bezugunge off sie hett gehabt und darumb er sie
besprochen hett Lanc
149,28
2.3
‘frei, losgelöst’
dû solt wizzen: lære sîn aller crêatûre ist gotes vol
sîn, und vol sîn aller crêatûre ist gotes lære sîn Eckh
5: 413,3
2.4
oft mit Abstrakta:
sol got hân lêrære, / sô ist er selbe lære / gotlîcher
wîsheit RvEBarl
13020;
êren lære UvZLanz
429;
meien zît uns komen wil / aller sorgen lære
KvWLd
29,16;
SM:JvR
1: 2,10;
er ist bôsheit und untriu lær EnikWchr
10510;
Wig
11604;
si ist gar wandels lære SM:Had
30: 1,11;
ich kiuse ouch herren êren vol und schanden lære
KLD: Kzl
3: 4,6;
EnikFb
890;
daz lêrt iuch herzen swære / und macht uns freuden lære
Parz
556,24
u.ö.;
freuden wart dâ maniger lære, / der den jâmer het gesehen
Ottok
9173;
EnikWchr
8147;
KLD:UvL
6: 3,11
3
mit präp. Erg.:
– mit ane:
daz er were / an sulcher tugende lere Pass III
54,74.
– mit von:
der fürste Blœdelîn / der hiez dâ lære machen vil manic
leitschrîn / von silber und von golde, daz wart dâ hin gegeben
NibB
1373,2;
der rieme [...] was ninder lære /
von gesteine noch von golde Wig
325;
[die Bienen] machent die obersten drei
zeil [der Wabe] lær von honich BdN
289,11.
– mit vor:
in die kemenâten sân / gienc diu küngîn unt die zwêne
man: / vor den andern bleip si lære [andere kamen nicht
hinein]
Parz
423,3
MWB 3,3 897,31; Bearbeiter: Richter
lære
stF.
‘Leere’
daz [Ohnmacht] irget uon grozer
vulle. oder uon grozer lere [im Körper]
SalArz
46,16;
groze lere geschit uon ummezlicher treibe. vnde uon
ummezlicher speie. vnde uon dem blute daz da vluzit durch di nase. vnde uon
ummezigeme sveize ebd.
46,24.
47,2.
47,5
MWB 3,3 899,37; Bearbeiter: Richter
læren
swV.
auch mit Präfix ge- (
StrDan
7527;
Ottok
17340
).
1
‘etw. leeren, leer machen’
2
‘etw. entnehmen, ausgießen’
3 ohne Obj. ‘leer werden, etw. ablegen’
1
‘etw. leeren, leer machen’
– von Gefäßen u.ä.:
Wolvesgoume und Wolvesdarm / unde Wolvesdrüzzel / lârten manege schüzzel /
und manegen becher wîten / ze den selben hôchzîten Helmbr
1554;
si begunden læren / diu guoten vaz mit wîn
Ottok
696;
Krone
1568;
e ez [der Säugling] des sugens
erwunde, / ez het die brust gelæret gar Rennew
10219;
swer di warzen wil uertriben. der sal des ersten den lip
leren der vuchte da uon si da sint SalArz
76,46;
den buch leren ebd.
63,34.
– mit Ersparung des Obj.:
du samftis vnde sweres, / du uollis vnde leres
Litan
84.
–
satel ~
(indem man den Gegner aus dem Sattel stößt):
manigen satel læren / sach man si und rûmen
Ottok
16324;
doch mügen wir satele læren / mit flatschen [breiten
Schwertern] wol snîdunden Bit
6532.
–
‘etw. (ein Land) ausnehmen, ausrauben’
ich gehôrt nie mê / [...] / daz
[...] / sô grôziu guot ze einem her / in roubens
wîs getriben wæren. / möht ein lant ieman gelæren, / daz solt dâ wol geschehen
sîn Ottok
17340
2
‘etw. entnehmen, ausgießen’
swer kunst unde wîsheit / beidiu in sîn vaz leit, / der mac wol haben unde
geben [der behält sie, auch wenn er sie an andere
weitergibt] . / sol er tûsent jâr leben, / swaz er darûz
[aus dem vaz
] gelæren kan, / ez wirt dâvon
niemer wan [wird nie leer]
StrDan
7527;
ez næht nu wilden mæren, / diu freuden kunnen
læren [zunichte machen] / und diu hôchgemüete
bringent: / mit den bêden si ringent Parz
503,2
3
ohne Obj. ‘leer werden, etw. ablegen’
sîn herz an schanden læret / und ûffet an den êren [nimmt an
Ansehen zu]
Reinfr
7018;
zihant mit larinden henden vnde daz si scvͦfen
vnriuollut [unvollendet]
lazzende [
mox exoccupatis manibus et quod agebant
inperfectum relinquentes
]
BrZw
5
MWB 3,3 899,43; Bearbeiter: Richter
lærenbiutel
stM.
‘Leere den (Geld-?)Beutel’, sprechender Personenname:
alle sache sint enwiht, / habent si der vürsprechen bî in niht: / wenne
Abelœser und Nemehart, / Nimmervol und Nagehart, / Schindengast und Lügenhart /
[...], / Lêrenbiutel und Füllensac / pflegent des hofes
naht und tac Renner
9075
MWB 3,3 900,16; Bearbeiter: Richter
lærennapf
stM.
‘Leere das Trinkgefäß’, sprechender Personenname:
swer trinket, der ist ein lêrennapf Renner
16182
MWB 3,3 900,23; Bearbeiter: Richter
larikant (?)
stM.
ein edler (strahlend weißer) Stoff:
diu selbe riche banier zier / was von drien stucken, /
[...] : / daz ober und daz under / stuͤcke was geroͤtet
/ [...]; / daz drittail wiz begarwe / da durch was schon
geblenket, / ain larikant gelenket / waz daz selbe lachen, / daz wizz varwe swachen
/ kan mit uͤber wizzen WhvÖst
16550.
2307;
ir gewant was nach kuͤnclicher art / geworht uz aim larikant
ebd.
10917;
auch was nach listes siten / ir mantil, rog gesniten / uz wizzem larikande. /
zwar wizer wiz erkande / nie bie minen tagen ich Baldem
95
(entspr.
von wiͤzzem larichande Hornb
2,113
).
E. Öhmann erwägt, das Wort als Verlesung zu
barchant
zu stellen ( Kleine Beiträge zum deutschen
Wörterbuch 3, in: Neuphilologische Mitteilungen 51 (1950), S. 117–122,
hier S. 118–120).
MWB 3,3 900,26; Bearbeiter: Richter
larrûn, latrôn
stM.
zu afrz. larron (auch ladron, ladrun, vgl. Tobler/
Lommatzsch 5,196–200), zu lat. latro, s. Suolahti 1,150; loderun
evtl. unter Einfluss von mhd. loter. Ab dem 13. Jh. belegt.
‘Straßenräuber, Strolch, Verbrecher’
da han ich erslagen / vil starker manne nuͤne, / und waren
daz larruͤne [Laa. larivne, karrune, garruͦne
]
: / sie wolten mich beraubet han Rennew
34066;
daz [Gottes Barmherzigkeit] ist uns, hêrre, bewîset
wol / an dem latrône, / der an dem criuze frône, / got hêrre, an dich umb riuwe warp
UvEtzAlex
14823;
torste ich in [Bischof Brun von Augsburg] heizen
loterûn [Hs. lod-
] / den selben ungetrûwen
wiht, / durch in selben liez ichz niht EbvErf
2538
MWB 3,3 900,42; Bearbeiter: Richter
larventier
stN.
‘schrecklich anzusehende Kreatur’ als Umschreibung des Teufels:
auch ist so ungehewr / daz larventier, der helle wirt, / der
ir gesicht nicht verpirt, / wan si in sehen an underpint, / das alle pein ist ein
wint / gemessen an den großen schrikch / den in gepirt sein anplikch
Vät
41191
MWB 3,3 900,56; Bearbeiter: Richter
lasche
swM.
‘Fetzen, Streifen, Lappen’
von den [Feinden] er vreislîch wart
zuhakt, / zuschrôtin und zuhouwin, / daz man mochte schouwin / im hengin von dem
lîbe blôz / manchin vleischis laschin grôz NvJer
14580.
– wohl hierher, bildl. für den Teufel:
rich in [scharre/ kratze ihn (den Menschen)] uz der
asche, / daz én der swarcze lasche / und der grimmecliche ber / noch siner
gyczlichen [gierigen] ger / én immer me icht nöete / und
én zu jungest töete! TvKulm
530
MWB 3,3 900,62; Bearbeiter: Richter
lasemânôt
stM.
→
losmânôt
MWB 3,3 901,8;
lâsiuren, lâsûren
swV.
‘etw. mit lâsûr versehen’ (vgl. Heinzle, Wh.
z.St.), hier Part.-Adj.:
diu künegîn mit ir blanken hant / gelâsûrten
dictam [Diptam, eine Heilpflanze] / al blâ mit vînæger
nam, / [...] / ob der pfîle dâ [im
Körper] wære beliben, / dâ mit er wurde her ûz getriben
Wh
99,23
MWB 3,3 901,9; Bearbeiter: Richter
lasstein
stM.
→
laststein
MWB 3,3 901,15;
last
stM.
md. auch stF. (z.B.
Athis
E 18;
Daniel
4673;
Herb
3749;
MarcoPolo
69,24.
74,11;
MarlbRh
101,10;
HeslApk
4050;
Rittertreue
840
).
1
‘(Trag-)Last, Gewicht’
1.1 allg. 1.2 als unbestimmte Maßeinheit (z.B. Fassungsvermögen) oder bestimmte Größe (s. DRW 8,731f. mit weiteren Belegen) 1.3
‘Wucht’
2
‘Belastung, Bedrückendes, Bürde’
3
‘Fülle, Reichtum, Menge’
4 semantisch abgeschwächt
1
‘(Trag-)Last, Gewicht’
1.1
allg.:
wie swærer last sich neiget zer erden zenter KLD:
Kzl
2: 11,1;
des goldes einen uil michelin last Rol
1942;
[diese Leute] sint stark also das ir eyne gerynge
[leicht] truge eyne last di unsir lute iiij nicht
tragin mochtin und noch also vil MarcoPolo
69,24;
RvEGer
2453;
Parz
602,21.
– das ungeborene Kind im Mutterleib:
vrouwen last Frl
3:29,4.
5:105,15.
– von einer massigen, schweren Kreatur:
er stiez in [den Riesen
Urgan] obene hin ze tal, / daz der ungehiure last / an dem
velse aller zebrast Tr
16173.
– Gott als leichteste last des Herzens (übergehend zu 2):
min herze [...] entfiͤnc den
heimelichsten gast, / it ümbeviͤnc diͤ lichtste last MarlbRh
101,10
1.2
als unbestimmte Maßeinheit (z.B. Fassungsvermögen) oder bestimmte Größe (s.
DRW 8,731f. mit weiteren Belegen):
ein lastwagen mit ruhen hvͤten, der treit zwainzik vnd driv hvndert hvte
oder mer, der git ze zolle sæhzehen phenninge. jst aber minnr druffe danne ein
last, so git man ie von dem hvnderte funf phenninge UrkCorp (WMU)
548ABC,29,46;
pro pondere lane quod last dicitur UrkKölnSchr
1,84
(a. 1163-1167);
er gap im silbers eine last / als ez ein starker soumer truoc
Rittertreue
840.
– bildl.:
sie mag mir verdringen / grüenen klê, blúomen glast, vogelsingen /
und die heide, diu hât loubes mê dan tûsent last KLD: KvL
6:1,7;
vünde ich stæte vriunt unt vast, / den wold’ ich ze lone singen /
lobes me den tusent last Damen
2,3
1.3
‘Wucht’
daz im sîn [was ihm vom zerbrochenen Schwert]
in der hant beleip, / dâ mite warf er den er dâ treip / ûf sîne brust sô vaste /
daz jener von dem laste / vil nâch gestrûchet was / und gevallen ûf daz gras
Er
9267
2
‘Belastung, Bedrückendes, Bürde’
ez ist ein ungedulteger gast / eim armen wirte ein müelich last
Freid
131,6;
dîn [Frau Minne] last ist mir kûme
tragebære SM:Te
8: 1,11;
lîdest dû aber umbe got und got aleine, daz lîden entuot dir niht wê und ist
dir ouch niht swære, wan got treit den last Eckh
1:37,3;
Mechth
3: 2,30;
geist unde vater âne last / beliben durch des sunes pîn
KvWLd
1,73;
diu vil reine kiuscheit, / die ein schœnez wîp unsanfte
treit, / was ouch ir ein swærer last Eracl
2021;
wandez hete der schanden last / sînen rücke überladen
Iw
2636;
sus truogen si des jâmers last Wig
11576;
des todes last WernhMl
9522;
AHeinr
68;
ir kiusche truoc der êren last Wig
8264;
der hôhe künic, [...] / der
küniclîcher tugende last / dâ vor allen künigen truoc HvFreibTr
2506;
mich drucket sere din susser last Minneb
1453;
Mechth
4: 4,4;
MF:Wolfr
5: 2,10;
Tit
99,1;
RvEWh
4355;
Kudr
627,2;
KvHelmsd
2179;
SM:KvL
6: 2,8.
20: 4,2;
SM:Gl
3: 9,11;
Erz III
6,334;
WhvÖst
8016.
– in einer Beschimpfung:
phuch dich, du mordes last / und du falscher kuphers
glast! Minneb
4001
3
‘Fülle, Reichtum, Menge’
des sond wir billich minnen dich, / Gott vatter, herr von himelrich, / und
loben diner gnaden last, / wan du uns vor geminnet hast KvHelmsd
1957;
mitt richer rede laste / enpfiengen sy den werden
GTroj
4882;
der sælden last Wig
10511;
von dem vreudebernden last RvEBarl
754.
– hierher? :
altte mitt den jungen / zü dem ringe sprungen / ze fröden
dem gaste, / der da mitt heres laste / waz dar komen one schaden
GTroj
4892;
er wart gemachet bloz / siner richen wirde groz, /
entsetzende [l. entsitzende?] was die
last [
depositus est de solio regni sui et gloria eius ablata
est Dn 5,20]
Daniel
4673
(vgl. Anm.z.St.: ‘entgleitend war die Fülle der Macht’?)
4
semantisch abgeschwächt:
da [im Himmel] ie der sun was
eweklich, / so das sin doch da nie gebrast, / wie das er kam uf erde last
WernhMl
11790;
und bat Artûsen sînen gast, / daz er nicht vîntlîchen last /
gein im dar umb entrüege HvFreibTr
2978
MWB 3,3 901,16; Bearbeiter: Richter
lastadie
swF.
Liege- bzw. Verladeplatz für Schiffe (vgl. Schiller/ Lübben 2,631):
[man soll einen Platz bereiten] zcu eyner lastadien, uf
di sullen si keyn gebude seczin UrkPreuss
3,76
(a. 1347)
MWB 3,3 902,31; Bearbeiter: Richter
lasten
swV.
→
lesten
MWB 3,3 902,35;
laster
stN.
selten stM. (
Lanc
538,13
);
auch laister (
DRW
8,737
(Schauberg,Z.; a. 1331)
).
1
‘Schande, Schmach, Schmähung, Kränkung, Spott’ (vgl.
hœne
stF.) 1.1 allg. 1.2 in Wendungen 1.3 in paarigen Ausdrücken, häufig mit leit/ schade/ schande (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 262f. und WMU 2,1092) 2
‘Vergehen, schändliches Verhalten’
2.1 allg. 2.2
‘Sünde’ (nur Spec ) 3
‘Makel, Fehler’
1
‘Schande, Schmach, Schmähung, Kränkung, Spott’ (vgl.
hœne
stF.)
1.1
allg.:
der schade beswert mir niht den mvt / halp so vil, so daz
laster tvt ReinFu
K,1412;
mir wære ein laster hie geschehn Parz
785,10;
rechent myns amises laster Lanc
365,35;
Wig
10079;
daz man laster unde spot / mêre vürhtet danne got
Tr
12711;
sie v́ muozin wandiln / swaz sie v́ lastirs habint irbotin
Athis
C 165;
Spec
109,35;
gehanset [gehänselt] / mit
spotte, laster, schmachait WernhMl
8849;
nu schuͤln wir unser zaichen, den hiligen gelauben,
sprechen dem almæchtigen got ze eren, dem tiufel ze laster
PrOberalt
86,31;
hat ir gehort gotes laster [
audistis
blasphemiam Mc 14,64] , wez bedunket uch?
EvBerl
57,19;
vnd dem er semlich rede zuͦ gesprochen hat [dem er
unterstellt hat, er sei ein tieb oder boeswiht oder
ketzer
] drü phunt für sin laister DRW
8,737
(Schauberg,Z.; a. 1331);
OberBairLdr
56;
SpdtL
111,7;
StRAugsb
110,20;
Gen
2739;
VAlex
578.
1026;
HvNstGZ
6863;
Eckh
5: 412,2;
UvZLanz
6775;
Herb
8227;
Iw
757.
7570;
Rol
2154.
2206.
– in einer Verfluchung:
so in daz laster wurge! GTroj
11396
1.2
in Wendungen:
–
~ sprëchen (meist mit Dat.d.P.) ‘jmdn. schmähen,
beschimpfen’
so geratent si im laster sprechen / und beginnent in
alle schelten StrKD
161,368;
man sal û dar umbe sprechen / laster unde scande /
wîten after lande SAlex
3730;
man sprech im dick laster Lanc
27,27;
der konig besah die jungfrawen lang, die yn zum
ersten so sere gelobt hett und darnach so größlich sin laster sprach ebd.
491,19
u.ö.
–
~ (-s) tuon (meist mit Dat.d.P.) ‘Schande bringen, Schmach
zufügen’
ditz laster ist getân / benamen ûf ir êre
Wig
9857;
du weist wol daz in mîn [
in
mîme? Lachmann im App.] lant / dir manec laster
ist getân Parz
220,15.
89,25;
daz er ir lasters hât getân Iw
3132.
7838;
er tet in lasters genuoc EnikWchr
24319;
Lanc
465,13.
538,13;
RvEWchr
4787;
Erz III
150,160.
– jmdm. etw. ze ~ tuon
‘Schande bringen, Schmach zufügen’
dû hâst mir sô vil ce lastire getân, ich newil dich
nicht lâzin lebin PrMd (J)
353,23;
daz ist dir ze laster getân Kchr
14501;
ich wæn manz iu ze laster tuo Parz
294,22.
218,6
1.3
in paarigen Ausdrücken, häufig mit leit/ schade/ schande (s.a.
Friedrich, PhrasWB, S. 262f. und WMU 2,1092):
mir nâhte laster unde leit Iw
693.
1007;
Tr
6015
u.ö.;
UvZLanz
7243;
dar vmbe liezen sie die clage / vnde swigitin lasteris
vnde schaden Roth
1773;
schaden unde laster Eracl
4806;
Parz
102,14;
NibB
649,1;
Rol
3803;
RvEBarl
8016;
SpdtL
190,18;
mich dunkt, ichn überwinde niht / daz laster unt tie
schande Iw
5527;
Lanc
239,10
u.ö.;
VMos
30,15;
Herb
2686;
HvNstAp
13352;
PrOberalt
73,4.
– mit anderen Subst:
ich lîde laster unde nôt Iw
4460.
5165;
minú goͤtlichen oren wurden spottes und lasters
erfúllet Seuse
207,29;
laster und unêre UvZLanz
6014;
laster unde schamen ebd.
6926;
RvEBarl
7585;
KvWLd
31,65;
ReinFu
K,1376;
Mechth
6: 26,12
2
‘Vergehen, schändliches Verhalten’
2.1
allg.:
wen sie hie [auf Erden] zuͦ
aller slahte lazster bereit warent, von rehte sint si dort gebunden mit aller
slahte helle banden Lucid
129,18;
waz sol ein ritter, der sîn tag mit laster hie verzert?
SM:Ga
1: 1,8;
der hête ain scône tohter, / di geviel in ain laster
Kchr
15563;
si han eynen kunig, des lastirs unde des roubis eyn kumpan
MarcoPolo
9,3;
daz mir sin schade vnd min laster lait ist UrkCorp (WMU)
2223,4;
UvZLanz
40
2.2
‘Sünde’ (nur Spec ):
dehain laster ist wirser denne der nit
Spec
35,35;
hoͮpthafte sunte unde anderiv lastir ebd.
54,22.
–
siben
~ :
alrerst sint uns suntaren uur gesezzet siben laster
hoͮbthafter sunden, da wir uns uone behoͮten sculen: der zorn, der nît, div
ubermoͮt, unrehtiv uroͮde, div erge, div gierscheit, div hoͮrgelust, div
untriwe Spec
149,14;
wider den siben lasteren sint uns gesezzet siben
gebete ebd.
149,17
u.ö.
3
‘Makel, Fehler’
div laster elliv heilte der himelisch arzât
Spec
8,5;
ich prîs in swâ er rehte tuot, / und verswîge sîn laster: daz
ist guot Iw
2494;
wer si [Rinde der Kapernpflanze]
seudet mit wein, sô ist si guot für des milzes
laster [Gebrechen] und für der lebern hertikait
BdN
366,3;
Rol
5963;
Lucid
140,1;
Mechth
6: 1,158.
–
âne
~ :
Laban hête zwô tohter, diu eine was âne laster
Gen
1286
u.ö.;
Moyses svester / dev was ane laster VMos
47,4
MWB 3,3 902,36; Bearbeiter: Richter
lasterære
stM.
‘Schmäher, Verleumder’
dy laster der lastrere sein gefallen auf mich [
opprobria
exprobrantium ceciderunt super me Ps 68,10]
PsMb
33(Glossar);
tu volges nach in sprunge / der lesterere zunge
Hiob
5894;
gelovbe mir der mere / sù heissent lesterere / die mit den roecken sich lant
sehen / was in von liebe si beschehen / das sol ovch gar verswigen sin
SechsFarben I
106.
–
gote(s)
~
‘Gotteslästerer’
du bist ein scheltære, / der gote lasterære LBarl
10018;
er wer ouch ein glisener / und da by gotes lester
Hiob
1550;
ein trugener / und [...] gotes
lesterer ebd.
1566.
6450
MWB 3,3 903,60; Bearbeiter: Richter
lasterbalc
stM.
ein Schimpfwort, ‘lasterhafter, unmoralischer Mensch’
ir sit ein slic, ein slunthart unde ein ougenschalc. / mit phawen schriten
gebaret ir, ir tugendeloser lasterbalc Meissner
20:2,16;
jud’, du rehter lasterbalk Regenb
3:353b;
der unschemige lastirbalc Köditz
18,24;
NvJer
5974.
– als sprechender Name:
Lasterbalk, duͤ macht wol swigen OsterSpI
674;
Gebûrnvînt und Galgenswengel, / Lasterbalc und Rüdenbengel, / Güsehals und
Füllensac Renner
1682;
dû heizest nâch den tiuveln unde bist halt nâch in genennet. dû heizest
Lasterbalc: sô heizet dîn geselle Schandolf. sô heizet der Hagedorn, sô heizet der
Hellefiwer, sô heizet der Hagelstein PrBerth
1:156,1.
– übertr. ‘Lasterhaftigkeit’
man solt ir [der loter
] etlich uf der
hurde braten, / der in ir laster bælge recht erkande / und uberlast ir schanden
JTit
632,3;
alsus was sines lebenes pris / der werlde gar ein laster
balc Pass I/II (HSW)
38789
MWB 3,3 904,8; Bearbeiter: Richter
lasterbære
Adj.
1
‘schmachbringend, schändlich’
2
‘verdorben, schadhaft’
1
‘schmachbringend, schändlich’
dâ würde rede von genuoc, / diu mir lasterbære / und iu kein
êre wære Tr
14091;
ist dir der lasterbær tôt liep, / ich heiz dich hâhen als
ein diep EnikWchr
22999;
diu schande lasterbære KvWTroj
23518;
lasterbær und schemelich Ottok
45672;
PrBerth
1:156,3;
Iw
2600;
Hiob
8027.
– subst.:
er hât dich unze her behuot; / des habe ouch vürbaz zuoversiht: / sô enkan
dir niemer niht / lasterbæres widervarn Flore (P)
5707;
Pylatus, der lasterber TvKulm
4313;
gnuoge milte wæren, / ob die lasterbæren / niht ze spotte
bræhten si mit schalle KvWLd
31,43;
HvNstAp
4521.
8599
2
‘verdorben, schadhaft’
der gaiz milch ist gar süez, aber zehant und si gerint, sô
ist si gar lasterpær BdN
127,26
MWB 3,3 904,27; Bearbeiter: Richter
lasterbæric
Adj.
‘tadelnswert, fehlerhaft’ (zur Übers. von lat. vitiosus):
jst aber daz er vbir vluzzit [l. -ic
]
oder lasterberic [...] wirt fundin BrHoh
61.
65
MWB 3,3 904,42; Bearbeiter: Richter
lasterbart
stM.
ein Schimpfwort:
waz hant ir mir gelogen, ir alter laster bart, / der by tusent joren nie me
erhebet wart? RosengD (LKN)
691
MWB 3,3 904,46; Bearbeiter: Richter
lasterbërc
stM
fingiertes Toponym als sprechender Name zur Charakterisierung der zugeordneten
Personen (vgl.
gouchesberc
[Nachtr.]):
bœsiu wort und bœsiu werc / habent die von Lasterberc, / süeziu wort und
süeziu werc / habent die von Sêldenberc Renner
22184
MWB 3,3 904,49; Bearbeiter: Richter |