l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
leige
stM. , leige-
→
leie
stM., →
leien-
MWB 3,3 1018,56;
leiht (?)
Adj.
Bed. unklar (Anm.z.St. verweist auf
wëterleich
und
wëterleichen
, vgl. dazu SchweizId 3,1011; Findebuch
‘zuckend, grell aufleuchtend?’):
do wrden donre groze / mit manegem grozen doze / kleckende
und schellende, / chrachende und hellende / mit schininden blicken, / leihtin unde
dikkin [flüchtig aufflackernde (?) und dicht
gedrängte]
RvEWchr
11561
MWB 3,3 1018,57; Bearbeiterin: Baumgarte
leiiclich
Adj.
‘im Laienstand, weltlich’ (vgl.
leienhërre
;
leienvürste
):
[lässt der geistliche Herr seine Blutrichter nicht vom König
bestätigen,] er vnde alle sine rihter werdent an allen den
schuldig vor gotte, vber die si rihtent, so si der livte bluͦt vz giezzent. die
leigeclichen herren bedurfen dez nvͥt, daz die rihter den ban enphahen von dem
kvͥnige. daz ist da von, daz der leige selbe vrteil git SchwSp
58a
MWB 3,3 1019,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leilich
Adj.
‘laienhaft, ungelehrt’
ich kann nicht vil da von gesagen. / daz saltu, bite ich, mir vertragen. / so
groz ist dirre kunste hort / daz en versmahn leiliche wort Secret
1824
MWB 3,3 1019,10; Bearbeiterin: Baumgarte
leim
stM. , leime
swM.
auch lein [:stein] (z.B.
RvEBarl
12801
); die semantische Abgrenzung zu den (teil-?)synonymen Wörtern
dahe
swF. und
lette
swM. ist unklar; häufiger mit
zæhe
‘zäh’ und
bern
, berjen
‘(zur Entwässerung und Verdichtung) schlagen, treten; kneten’.
1
‘Lehm(boden), Ton(erde)’
1.1 allg. 1.2 als Werkstoff 1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann) 1.2.2 als Material zum Abdichten 1.2.3 als Mittel, um Wein zu klären 1.3 in Vergleichen 2
‘Schlamm, Morast’ (vgl.
hor
,
lette
swM. 2 ) 3 gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen 4 Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit
dem leim , mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3 )
1
‘Lehm(boden), Ton(erde)’
1.1
allg.:
in dichtim ertriche vnde vuchtim vnd vettim do wachsin si
[die Kastanien] kvme; in toppir
ertriche [Töpfererde, Ton] odir in leyme do
wachsin si nymmer Pelzb
128,21;
jtem ein halb acker an deme leimen bi Wetzel UrkCorp (WMU)
N410,28;
swer den Rin mit leime wil verswellen, / der hat min, swie tumbe ich si,
ze helfe niht Marner (W)
2:2,3;
gelustet si [der Schwangeren]
[...] leimes oder kole. so gip ir gelunte
[geröstete] bonen SalArz
65,40;
JTit
6297,4
1.2
als Werkstoff
1.2.1
als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder
gebrannt werden kann):
ûz hin ûf daz velt sî [die Kinder] kâmen /
dâ leim [
zu 1.1
] und erde
gegraben was. / daz kint Jêsus dâ nider saz, / mit sîner hant zesamen er
perte / den weichen leim und ouch die erde [und knetete
Vögel]
Philipp
4119;
WernhMl
5249;
als wir sehen an den waichen vazzen, diu die hafner
[Töpfer] von tahen
[Ton] oder laime machent BdN
69,12;
ist er [die Götzenfigur]
holz oder lein / oder ein kreftelôser stein / sunder nutz
RvEBarl
12801;
RvEWchr
5036.
– als Material zum Herstellen von Ziegeln:
do hiez der kúnig das nieman me / dannen hin in
gebe do / deweder hoi, paelle [Spreu ?] unde
stro, / das si in den lein do tetin / den si ze ziegel knetin
RvEWchr
9732;
der uon adele was geborn, / der muͦse berien daz hore, / die
hêrlîchen chnehte / den laim und den letten [durch Schlagen
und Treten den Lehm zur Ziegelherstellung verdichten]
Exod
130.
– oft im Rahmen der Schöpfungsgeschichte bei der
Erschaffung des Menschen (vgl. formavit igitur Dominus Deus hominem
de limo terrae Gn 2,7):
got der den eristen man / uz læime gebildet hat
Wernh
D 2063;
Gen
268.
114
u.ö.;
EnikWchr
503;
Martina
119,12;
MinneR 30
671,7;
mit attr. brœde:
dô geschuof got von himele / nâch sîn selbes bilede / unsern vater
Adâmen / [...] / ûz einem brœden leime
Aneg
1078;
SüklV
797;
SuTheol
68;
Erinn
483.
– auch als einer von mehreren Werkstoffen:
ûz hertem leime tet er gebeine, / ûz brôder erde
hiez er daz fleisk werden, / ûz letten deme zâhen machôt er die
âdare [d.s. Muskeln, Sehnen, Adern]
Gen
195;
got [...] / der worhte den
mennischen einen / uzzen von aht teilen: / von dem leime gab er ime daz
fleisch, / der tou becechenit den sweiz [...]
VEzzo
41
1.2.2
als Material zum Abdichten:
vermach den haven [Topf,
Krug] oben mit leime, daz der tamph ninder ouz nemeg
Barth
149,3.
– beim Fachwerk:
swer auch pauwen wil, der sol mit ziegeln oder mit laime bauwen,
er sol auch mit ziegel decken NüP
132;
dar umb sint diu
pain [Knochen] des kranken flaisches
aufhaltung [des schwachen Fleisches
Stabilisierung] , recht als die pfæl in ainer klänten
want [einem mit Lehm aufgefüllten Fachwerk (vgl.
klënen
2)] den laim aufhaltent
BdN
22,10
(vgl. 1.3); auch zum
Nestbau:
ein swalwe klent von leime / ein hiuselîn Neidh
SL 26:7,3.
– beim Pfropfen und Versorgen von Schnitten am
Baum:
dor no bedecke die czu vugunge mit miste odir mit
leyme, das das wassir abe trage Pelzb
120,27.
125,8.
131,26
1.2.3
als Mittel, um Wein zu klären:
leym, noch der gerunge dem wyne ingegossin, reynit den
wyn vnde macht den wyn clar vnd czuhit di hevin in den grunt. jst abir, das
der leym gebrant ist, so ist her bessir, wen her den suze. so macht her ouch
den wyn wol smeckinde Pelzb
140,18.
140,20
1.3
in Vergleichen:
zæch sam der leim BdN
477,25;
wan limus ist ain zæh erdreich sam laim ebd.
302,34;
[die Augen kleben] im zu samene bi der nacht. daz uz
den ougin rinent ist als ein leime SalArz
35,35.
di tyevelynne kunde / gifft werffen auff der nasen, / das
der anger und di wasen / mit al wurden uber dent [überzogen,
bedeckt] , / als [als ob] der leym
ward geklaint HvNstAp
9030
(vgl. 1.2.2)
– für blasse, fahle Haut:
ouch was diu jæmerlîche schar / elliu nâch aschen
var, / oder alse valwer leim Parz
184,3;
im hâte manic übel tac / geselwet sîne varwe gar: /
er was swarz, niht wîz gevar. / sîn varwe gar verwandelt schein / als ein
varlôser lein. / er was mager und harte bleich RvEBarl
15326.
– für etwas Wertloses, vielleicht zu 2 i.S.v. ‘Dreck’
reht als ez wære leim, / golt und silber er bôt, /
swer im ze diser nôt / diensthaft wolde wesen Ottok
27691
2
‘Schlamm, Morast’ (vgl.
hor
,
lette
swM. 2):
der Ihesus ist genant, / der spey vf die erden, so zu hant /
mahte einen leymen er da weich [
fecit lutum ex sputo Io
9,6]
EvStPaul
12604;
bestechet bin ich in læime tiefem [interl. zu infixus sum in
limo profundi
]
PsM
68,3;
wan unser herre der vindet suͤmelich suͤnder stechende in dem laime
PrSchw
1,51;
ê mich begriffe sünden leim / kam ich leider niht zuo dir. / vrouwe, wis
genædic mir, / Marîâ MarGr 18
299,28
3
gebrannter Lehm als Bestandteil von Wundauflagen:
nehelphe daz niht, sô nim verbrunnen leim unde zetrîb den mit
starchem ezich unde lege den uber die wunden Barth
141,11.
141,4.
141,13;
Ipocr
34;
mul [male] verbrunnen leim unde
temper den mit wîzem des aies unde lege daz phlaster uber die geswulst
Barth
143,3
4
Haut, die sich beim Gähren auf dem Most bildet (nicht identisch mit
dem leim, mit dem man den Wein klärt, vgl. 1.2.3):
[die Trennung des Mostes als Beispiel für die Trennung der vier
Körpersäfte in der Humorallehre:] eniz ist also di erde. daz ander
ist der geist. daz dritte alse der leime, daz ist hut uf dem moste geist. daz uirde
ist der reine win SalArz
2,1.
2,10
MWB 3,3 1019,14; Bearbeiterin: Baumgarte
leimære
stM.
Bed. unklar, jmd. der mit
leim
( ‘Lehm’) zu tun hat (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 3 S
§ 100, Anm. 3), hier als Bestandteil eines Eigennamens:
des sint geziug: her Syfrit der pfarrer des selben spitals, her Ott der
Lachher kapplan da selben, bruͤder Hainr. von Tiuringen, bruͤder Marquart, bruͤder
Hainrich der laimer UrkAugsb
1,387
(a. 1345)
MWB 3,3 1021,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leimen
swV.
→
lîmen
MWB 3,3 1021,9;
leimendecker
stM.
jmd., der mit Lehm baut:
men sal eyme steynmetzen, eyme czymmermanne, eyme leymendeckere
[...] des tages eynen Heschen schilling unde di kost
geben StRHeiligenst
69
MWB 3,3 1021,10; Bearbeiterin: Baumgarte
leimgadem
stN.
hier lein-.
‘Lehmhütte’
der kelnhof ze Wiler, den der zehender buwet von Núfron, der selb hof het I
hus und II schúran [Scheuern, Scheunen] und I laingaden
und ain garten UrkThurgau
5,282
(a. 1349)
MWB 3,3 1021,15; Bearbeiterin: Baumgarte
leimgruobe
swF.
auch lein-.
‘Lehmgrube’
nichein zinsman en muͦz noch steingrûben noch leimgrûben graben âne sînes
herren urloub, des zinsman her ist, noch holcz howen noch roden ûf sîme zinsgûte, ez
en sie sîn erbezinsgût SSp (W)
1:54,5;
duobus cum dimidio jugeribus dictis in der leymgruben UrkWürzb
40,254
(a. 1339);
vnd ein ander halbe ivchart reben, stozet an die leingrvͦben UrkCorp
(WMU)
N460,17.
291,3
MWB 3,3 1021,20; Bearbeiterin: Baumgarte
leimhûs
stN.
‘Haus aus Lehm’, hier übertr.:
sich, vil verre mer dy / in leymhusern
[
domos luteas Iob 4,19] wonen hy. / daz
ist der mensch, des geist binam / von boben kumit indisen slam Hiob
1694
MWB 3,3 1021,29; Bearbeiterin: Baumgarte
leimic
Adj.
‘schleimig, zäh’ im SalArz bezogen auf das fleuma
(gr.-lat. phlegma, ‘Schleim’), einen der vier Körpersäfte der
Humorallehre:
agezzel ist ein sichtum. der wirt da von so sich gesamenet
hindene in deme houbit leimegiz fleuma. vnde vorstopfet di wege
SalArz
31,58.
3,9
u.ö.
– meist attr. zu
viuhte
stF.:
pfeffir ist heiz vnde trocken an dem virden gradu. vnde ist
den gut di kaldin vnde vuchtin magin han. vnde reinigit di brust unde di lunge von
der leimigen vuchte SalArz
14,2.
54,35
u.ö.;
auch hierher (verschr. ?):
di gedertin winber [...] losent di
lemige vuchte di da haftit in der brust SalArz
16,4
MWB 3,3 1021,33; Bearbeiterin: Baumgarte
leimîn
Adj.
‘aus Lehm’
er [Prometheus] machte bildú
leimin / und half in mit dén listen sin / das si sih selbin regten / und lebeliche
wegeten RvEWchr
8700.
– subst.:
jâ bekenne ich dich [Gott] wol: / du kanst mich
[Teufel] sêre pînen, / und wilt den leimînen
[aus Lehm gemachten Menschen] / mîn hêrstuol
[Thron] behalten Georg
3436
(vgl.
sô ist der mensch unwerde / gemachet ûz der erde ebd.
3441f.
);
UrkCorp (WMU)
1980,25
MWB 3,3 1021,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leimstrîch
stM.
die Lehmmenge, die im gleichen Arbeitsgang durch Schlagen entwässert wird:
do got [...] den man wold zesamene ruchen, / do nam
er [...] einen leim zachen
[zähen] , / da mit er lîmen wolde da daz lít zesamene
solde, / daz streich er enzwischen, [...] / den selben leim
strich nam got fur [vor] sich, / ubir die adir er in zoch
[...], / daz si [...] zesamene
sich vaste habeten GenM
7,15
MWB 3,3 1021,55; Bearbeiterin: Baumgarte
leinen
swV.
1
‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’
1.1 intr. (vgl.
lënen
) 1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder
aufgestützte) Haltung einnehmen’
1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in
Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder
liegen’
1.2 tr. 1.2.1
‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. 1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. 1.2.2.1
‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’
(FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen) 1.2.2.2
‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’
1.2.2.3
‘sich stützen’
1.2.2.4
‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’
2
‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’
3
‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’
1
‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’
1.1
intr. (vgl.
lënen
)
1.1.1
ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder
aufgestützte) Haltung einnehmen’
von ime so habe wir den gedanc / von ime daz wir gehoren, /
[...] sagen unte singen, / liken
[liegen] unte leinen, / suften unte weinen
ArnoltSieb
58a,11;
den sitzen, disen leinen sah man manegen degen
NibB
2227,1;
(vgl. zu →
lënen
:
Anfortas sîn bruoder lent: / der mac gerîten noch
gegên / noch geligen noch gestên Parz
251,16.
491,3
).
– oft abwertend, ‘(ohne die Haltung zu bewahren, nachlässig)
flegeln, fläzen’
der herzog stuont, sie sâzen, / [...] / saz
er bî in, sie leinten. / dâ mit sie bescheinten / ir unzuht
Helbl
4,261;
so sitzet mancher als ein pfluch [Pflug] : /
er let bein und arm ragen, / als in die gusse dar hab getragen; /
[...] / er leinet, als im tun we die lende
Jüngl
562
1.1.2
mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in
Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder
liegen’
dâ er die recken beide stênde vant / ûzen vor dem
hûse geleinet an den sal NibB
2328,3;
an dem pavilune leynden funff schild
Lanc
195,19;
von der kerzen, diu dâ bran, / dâ gesach er lützel
van: / dâ leinde ein schâhzabel vor Tr
13589;
er leinte an sîner hant NibB
1575,2;
er leit sinen backen in syn hant und leynte off
synen ellebogen Lanc
306,9;
der [Ritter] noch off
eyner stat hielt und leynet off syner glenen ebd.
264,27;
von derselben Szene:
der úber sin glen leynte ebd.
264,37;
Parz
513,27;
sô ich in dem venster leine Helbl
1,1299;
der guͦt sant Johannes [...]
waz im [Jesus] so haimlich, daz er in auf siner
brust lainen lie Konr
3 O,7
(=
PrOberalt
21,4
).
19,39;
geleinet er si ligen sach / zein ander schône und ebene
KvWEngelh
3254.
– reduziert auf ‘sich befinden’
ein troͮm mir geschach; / oͮf minem hoͮbet sách ich leinen
[
haberem super caput Gen
40,16] von / melwe volle dri zeinen
[Körbe]
GenM
81,21
1.2
tr.
1.2.1
‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.:
er stach daz sper in daz gras / und leinde sînen
schilt dran UvZLanz
2383;
ir tôtez volc si leinde / gewâpent an die zinnen
Wh
230,6;
das du [Jesus] nit hattest do du din
verwundet houbt mochtest an geleinen PrWack
99,40;
Mechth
4: 3,18;
Wig
413;
NibB
977,3;
BdN
84,1;
in den nuosk [Trog] er si
[die Pappelruten] leinte Gen
1403;
Rennewart die stangen swære / under ein gewelbe
leinde Wh
270,5;
Lanc
312,19;
Tr
13507;
NibB
1833,2.
– bildl.:
ich sal min herz an’t dine leinen, / wir sulen dan
samen van trurcheit sagen MarlbRh
22,8.
– übertr., zur begrifflichen Inbeziehungsetzung von Wörtern (vgl.
im Detail FrlWB, S. 208):
sit got wolte ez [das Wort
mulier
] dar [an das Wort
meit
] leinen Frl
5:111,12.
5:111,17
1.2.2
mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2.1
‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’
(FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen):
der Markis sich hatte geleinet / neben
Arabeln [
gein Arabel *A (zu 1.2.2.2)] vf den
matraz [Sitz- und Schlafpolster]
TürlArabel
*R 130,26.
– im weiteren Sinne ‘es sich bequem machen’
do was schier entschlafen der keiser lobsam. / zu im leite
sich der bracke, der helfant leinen sich began WolfdD
(H)
820,3
(die jüngere Umarbeitung vereindeutigt zu 1.2.2.2:
zuͦ ÿm leit sich der brack, der helfant lonen
[d.i. lënen
] sich began /
zuͦ ÿm an die linde WolfdD
820,3
)
1.2.2.2
‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’
an ein venster er sich leinte Krone
13005;
da sich die muoden an die
linebergen [Zinnen] suln leinen
Himmelr
8,8;
Will
52,23;
Pass III
626,87;
si stiurte unde leinde sich / mit ir ellebogen an
in Tr
11970;
Gen
1242;
daz bret, / dâ gegen und sich geleinet het / dar
an der tugende rîche man Kreuzf
7596;
dô ich [Johannes]
[...]
[beim Abendmahl] an dîner sîten saz / unde
mich nâch mînr gelust / leinete ûf dîne brust WvRh
11559.
– bildl.:
henk dich und leine dich zartlichen und
guͤtlichen an dinen guͦten got Tauler
213,2
1.2.2.3
‘sich stützen’
er lainte sich auf den stabe gut
HvNstAp
4183;
über sîne crucken leinder sich Tr
15349;
NibB
2009,3;
Wernh
D 1903.
– bildl.:
an gedingen, des mir nie zeran, / ze trôste ich mich noch
leine HartmKlage (G)
1756;
besich min herze, wiͤ ’t dich meine, / sich,
wiͤ ser ’t sich up dich leine! MarlbRh
2,28
1.2.2.4
‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’
dô si sich uber die burgmûre leinten
Gen
2932;
daz si da selbes bi im stunt / uber ein venster geleinet
Pass III
425,29;
sie hatt sich geleynet / v̀ber jne, da er lag. / mit kùszen sie
des recken pflag Krone
26399;
Will
135,2
2
‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’
si [die Winde] taten die
galinen [Schiffe] / sich lainen uf und dann nider, /
hin und her, fúr und wider SHort
10341;
der kunic wirt sich leynen / heimwert
kein [gegen] sime lande Daniel
7038;
– übertr.:
vleischlicher liebe akust / trugen sie kein
[gegen] der reinen. / ir sinne wart sich leinen /
niderwert Daniel
7456;
3
‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’
er [Luzifer] leinete sich îsa / an
sinen scephâre / er hazzete in ze ware VMos
4,21;
ein greve [...] wolde ein striten angan / mit den,
die viende waren, / und sich in den iaren / wider daz riche leinten Pass
III
308,7
MWB 3,3 1021,63; Bearbeiterin: Baumgarte
leip
stM.
‘Brot, Brotlaib’
ein brot ist ein leip / vnde ein leip dast ein brot NeunMänner
(G)
315
(=
Kettenreime
1148,22
);
heiz mir brengen einen leib, / ein girstin brot, des ich
bedarf Pass I/II (HSW)
20656;
Helbl
1,1029;
Rennew
11001
MWB 3,3 1023,40; Bearbeiterin: Baumgarte
leis, leise
stF.
‘Spur’ vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 133ab; oft mit
niuwe:
als ich die spur erkenne, / sîn fliehen mangen guoten meister toeret, /
[...] / ez hilt sich in den leisen, / daz man ez für
ein kelbel mac an sprechen Hadam
188,6.
535,1;
alsam ein tier verhowen uf einer niwen leise, / noch baz dem von Anschowen
spuͦrt man durch gedrenge sine reise, / swelches ends er sich mit nide cherte, / uz
helme fiur, uz wunden bluͦt, sus zweier hande regen er da rerte JTit
930,1.
– in Bildern mit snîwen eigentl. und übertr.:
von snêwe was ein niwe leis / des nahtes vast ûf in gesnît
Parz
281,12;
der unpris ie verworhte, so daz von im da snite ein niwe leise, / dar uf man
spurnde ritter mohte vinden JTit
4338,2;
RvEWh
6646
(La., →
niuleis
);
von Speersplittern:
der minnen gernde Rîwalîn, / von des sper snîte ein niwe leis
Parz
73,15;
Morholt von Irlande, der ie in starker vreise / so vil der sper verswande, daz
von siner hende niwe leise / sniten von drunzunen
[Speersplitter] und von sprizen JTit
1402,2.
2012,2
MWB 3,3 1023,45; Bearbeiterin: Baumgarte
leis
stM. , leise
swM.
‘(wohl i.d.R. einstrophiger) volkssprachlicher geistlicher
Gesang’ im Rahmen von Gottesdienst, Wall- und Pilgerfahrten; aus kirie
eléison, das als Refrain erscheint (vgl. V. Mertens, Leisen und Rufe, in:
2MGG 25,1075-1078; vgl.
kirjelêîson
):
nu heuet iwer hende unde iwer herze ûf ze dem almahtigen gote
mit dem leisse: ‘helfen uns alle heiligen.’ Spec
115,26;
[bei Marias Himmelfahrt] nuͤ wandirt hin und wesit vroͤ /
und singet uwir leyse also: nuͤ ist dyͤ werlt alle zcuͤ gote vil vro
MarSp
766;
[bei der Rückkehr der Prozession] dî pfaffin sûze sungin,
/ dî glockin lûte clungin, / dî leigin ire leise / sungin dî wegereise
NvJer
6591;
der leien leisen durch tiutschiu lant / sint einveltic und doch baz bekant /
denne manic kunst, ûf die geleit / ist grôziu kost und arbeit. / unserm herren ist
wâriu einveltikeit / lieber denne valsch driveltikeit Renner
11121.
– zum Beginn und Ende einer gefährlichen Unternehmung (z.B.
einer Schifffahrt, eines Kampfes):
[als das Ziel der Seereise in Sicht ist] Ernst begunde
loben got; / mit den sînen was er frô, / sînen leisen huop er dô: / ‘Crist, hêrre,
du bist guot, / nu hilf uns durch dîn reinez bluot, / durch dîne hêren wunden / daz
wir frœlîch werden funden, / dâ süeze ist der engel dôn, / in dînem rîche:
kyrieleison!’ ErnstD
4538.
3581.
1924;
den leysen man zuͦ velde sanc: / ‘in godis namen varen wir’
Böhmenschl
48;
dô si uf die heiden drungen, / irn leisen sie sungen: / ‘helf
uns daz heilige grap!’ Kreuzf
3100.
1896
u.ö.;
dô sie in die burc drungen, / iren leisen sie sungen ErnstD
2158.
4759.
3070;
Hirzelin
93
MWB 3,3 1024,1; Bearbeiterin: Baumgarte
leisieren
swV.
auch leischieren ( Parz ;
PleierTand
13795
) und losieren (
Krone
29163;
MinneR 418
48
).
‘mit verhängten, d.h. lockeren Zügeln reiten; schnell reiten, galopppieren’
(zu afrz. ‘(es)lais(s)ier’), vgl. Suolahti 1,146, Rosenqvist 1,149; Segelcke,
Rîten, S. 161); oft im →
1kreiʒ
8, dem Kampfplatz:
Reinfrit und der Persân, / daz ors ze beiden sîten nan, / sî beide dô
ersprancten. / ûf halbem kreize sancten / sî diu banier und diu sper / und kâmen
geleisieret her, / niht als sî rîten, als sî flugen Reinfr
17306.
855;
mit in leisierte der rîche heiden. / daz ros gie ze sîten beiden / als ez vor
fröuden fliegen wolde Heidin II
335.
2281;
UvZLanz
2369;
leischiernde si die zoume / kurzten, unde tâten
goume [und richteten ihre Aufmerksamkeit darauf] , /
swenne si punierten, / daz si niht failierten [dass sie beim
Lanzenstechen nicht daneben trafen]
Parz
738,25
u.ö.;
Tr
2109;
Herb
1445;
TürlArabel
*R 71,17
u.ö.;
Ottok
8135;
UvLFrd
181,17
MWB 3,3 1024,34; Bearbeiterin: Baumgarte
leissup
Subst.
eine Pflanzenart, eine Art von Distel (?):
eupopectina: leissup Gl
3:480,1
(vgl. lupopectina AWB 2,558 s.v. thistil und Marzell
2,147 s.v. Dipsacus silvester )
MWB 3,3 1024,54; Bearbeiterin: Baumgarte
leist
stF.
‘Ausübung’
dit prvͦbe, nim in dinen sin! / dvͦ enwollist dich dan vzerin / vil gar
fleiszlicher liebe leist, / sa enmag auch dir der heilige geist / mit siner gnade vf
erden / avch nvmmer mere werden, / daz vns wol die zwelfboden gar / hant bewisit
vffenbar PrHess
39,91;
doch weiz ich kein gelouben / an sinne manicvalte / der sich sô missestalte /
nâ sîner secte rehtekeit / als leider tuot diu kristenheit / mit volleclîcher
leiste. / jô wil iez der meiste / gên gote sîn der bœste Reinfr
17791
MWB 3,3 1024,58; Bearbeiterin: Baumgarte
leist
stM.
‘Schusterleisten’
forma vel calópede: laist Gl
3:665,27;
callipodium: leist SummHeinr
1:372,419.
2:86,234;
die schuostær jâhen, si heten / hulzîner leist sô vil, /
‘daz wir in kurzem zil / dâmit gefullet haben / vor der burc den graben, / ob uns
der herzog Albreht / niht behaltet diu reht, / diu er uns billich solt behalten’
Ottok
65559;
ieglicher sin gezowe [Werkzeug] truc, /
[...] swert, sper, schufeln, bret / und darzu hamer
unde leist Pass III
584,81.
– übertr. (Glr.z.St. ‘Form, Weise’):
nu merket: in der selben wis / und nach dem selben leiste /
daz Got die ersten geiste / vrowen Even und Adames / geschuf HeslApk
18001
MWB 3,3 1025,4; Bearbeiterin: Baumgarte
leistære
stM.
1
‘jmd., der Verpflichtungen nachkommt’
2 als Bestandteil eines Personennamens (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 538f.
erwägt die Zuordnung zu 1 , bevorzugt jedoch die zu
leist
stM., ‘jmd. der (Schuster-)Leisten
herstellt’ )
1
‘jmd., der Verpflichtungen nachkommt’
daz iz [dieses Buch] werd gezême, /
prîslîch und annême / Gote, Marîen und dem meistir, / dem ich diss dînstis bin ein
leistir NvJer
214.
– meist in Rechtstexten als Schuldner/ Bürge im Einlager (vgl.
leisten
1.1.1.1,
leistunge
,
înlëger
):
ez habnt auch di porgen all vollen gewalt, swelher vnder in
[...] selb niht geleisten mach, daz der selb, an
sein stat, ein die leistvng legen mach einen erbärigen leistär mit einen pfärd
DRW
8,1198
(MBoica; a. 1323);
ist das ihr einer in einer laistung ist, so soll er einen andern laister
legen UrkWürtt
10,553
(a. 1296);
und suͤllen auch laister fride und gelaite haben, die burgern oder iuden
laistent NüP
124.
123.
125;
ez suͤln auch die gastgeben in der vasten einen herren
oder einen laister, der an herren stat laistet, niht tiwrer zeln danne umb 16
dn, und einen chneht umb 8 dn StRMünch
254,20.
– übertr.:
ir sult wizzen daz sîn [Gottes] gebot /
verliust niht den gebieter eine: / die leister sint verlorn gemeine
WälGa
8002
2
als Bestandteil eines Personennamens (Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 538f.
erwägt die Zuordnung zu 1, bevorzugt jedoch die zu
leist
stM., ‘jmd. der (Schuster-)Leisten
herstellt’):
Wernher der Leister UrkCorp (WMU)
2749,39;
Wernher Bennendorf · Heinr Leister vnt ander erber lúte
UrkCorp
2353,38
MWB 3,3 1025,17; Bearbeiterin: Baumgarte
leisten
swV.
geliesten (
Roth
2446
).
1
‘etw. aufgrund einer Verpflichtung tun’ , i.d.R. mit Akk.d.S. (und
Dat.d.P.); selten ge- präfigiert (vgl. 2 ) 1.1
‘einer Verpflichtung nachkommen’
1.1.1 rechtlich 1.1.1.1 häufig ‘als Bürge im Einlager sein’ (vgl.
înlëger
,
leistunge
; vgl. DRW 8,1195-97 mit weiteren
Belegen; zur Sache 2 HRG 1,902) 1.1.1.2
tac , teidinc
‘der Einberufung zu einer Versammlung, einem Gerichtstag Folge
leisten’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen) 1.1.1.3
mânôt/ jâr
‘ein zeitlich beschränktes Verbannungsurteil befolgen’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen) 1.1.1.4
‘sonstigen rechtl. Verpflichtungen (dienest,
kampf, zins u.ä.) nachkommen’ (vgl. DRW 8,1194f. mit weiteren Belegen) 1.1.2 religiöse Verpflichtungen erfüllen ( mësse , opfer ,
gebët , buoʒe , dienest u.a.) 1.1.3 Wendungen, die kontextabhängig unterschiedliche (rechtl., relig., private)
Verbindlichkeiten ausdrücken können 1.1.3.1
triuwe
1.1.3.2
geselleschaft , gesellicheit
1.2
‘etw. Zugesagtes einhalten; ein Versprechen, einen Eid erfüllen’
1.3
‘einen Befehl ausführen, eine (weltl., relig.) Anweisung befolgen’ ,
übergehend zu ‘einer Bitte nachkommen’
2
‘etw. aufbringen, aufbieten’ (i.d.R. ge- präfigiert) 2.1 allg. 2.2
‘etw. können; die Fähigkeit haben, etw. zu tun’
2.3
‘etw. schaffen, erreichen, hinbekommen’
1
‘etw. aufgrund einer Verpflichtung tun’, i.d.R. mit Akk.d.S. (und
Dat.d.P.); selten ge-präfigiert (vgl. 2)
1.1
‘einer Verpflichtung nachkommen’
1.1.1
rechtlich
1.1.1.1
häufig ‘als Bürge im Einlager sein’ (vgl.
înlëger
,
leistunge
; vgl. DRW 8,1195-97 mit weiteren
Belegen; zur Sache 2HRG 1,902):
taeten wir des niht, so hand si gewalt den anderen buͤrgen ze
manen, und sol in der ze hant hie ze Auspurch laisten in rehter
giselscheft ze ainem erbern gastgeben ân gevaerd und uz der laistung
niht chomen biz wir in ainen anderen buͤrgen setzen
UrkAugsb
1,235
(a. 1324).
1,259
(a. 1330).
1,285
(a. 1332);
wil ich die giselschaf nit laisten, so sol ich zi hant vnd ane
vndersaz die burg zi Brunnen vnd die stat zi Múlhain antwurten in des
bischoffes vnd der tuͦmherren von Costentze gewalt
UrkHohenz
1,114
(a. 1303);
so suͥlen wir [...] laysten nach
geyselreht in ains offen gastgeben haus UrkBrixen
528
(a. 1332);
Mühlh
99,19;
waz sol ein bürg, der nit leisten wil dur sînen
zorn? SM:Ga
1: 2,7.
– subst.:
vnd svͤln ovch hertzog Ludweigs svͤn, di weil daz laisten
wert, hintz Mvͤnichen niht chomen UrkCorp (WMU)
1800AB,43
u.ö.;
daz si in varn ze Nurenberg vnd leisten nach leistens rehte
viͤrzehen tage ebd.
2198,34.
–
leistende phërt
‘Pferd, das jmd. im Einlager mitbringen muss’ (vgl.
leistphërt
):
und sol man geben dem leistenden pferde ein
moͤz habern und 2 #(pfennig) wert heuwes zuͦ tage und zuͦ naht
WüP
77,6;
die habern veil haben, ez sin fuͤterer oder
die leistende pfert haben ebd.
77,3
1.1.1.2
tac, teidinc
~
‘der Einberufung zu einer Versammlung, einem Gerichtstag Folge
leisten’ (vgl. DRW 8,1197 mit weiteren Belegen):
swenne ein herre teidinget sinem man zelehenrehte. vnd er sinen
mannen mit vrteil gebivtet dar zvͦ zekomenne. inr den teidingen so mag
er dem man deheinen tac gebieten zeleisten SchwSp
221a;
sie schuofen daz wol, / daz mans flîzeclîchen
phlac / unde leisten den tac, / der in von hove geboten was, / als man
an den brieven las Eracl
1366.
– hier mit Bezug auf den Beischlaf in der
Hochzeitsnacht:
ime [Marke] was ein
als ander: / an ietwederre [Isolde oder
Brangäne] vander / golt unde messinc. / ouch
leistens ime ir teidinc / alsô [...] / daz
er nie nihtes wart gewar Tr
12672
1.1.1.3
mânôt/ jâr
~
‘ein zeitlich beschränktes Verbannungsurteil befolgen’ (vgl. DRW
8,1197 mit weiteren Belegen):
wo ein burgman den andern ze tode sluͤge
[...]der sol leisten ein iar
MGHConst
7,1:162,11
(a. 1337);
aber die burgerre, die vor der stat sitzent, swer vs dien den
ainvng verschuldet ains phvndez oder zehen schillinge, der hat die wal,
ob er welle in die stat varn den manod ze laistenne inwendig dien torn,
ald aber vswendig der stette gerihte UrkAargau
1,3:240,24
(a. 1314)
1.1.1.4
‘sonstigen rechtl. Verpflichtungen (dienest,
kampf, zins u.ä.) nachkommen’ (vgl.
DRW 8,1194f. mit weiteren Belegen):
si wâren mit dem dienste vil übele gewert, / den
in dâ leisten solde Sîvrit der helt guot NibB
93,3;
den champf sol man in gepieten zelaisten vber sechs wochen
SpdtL (E)
Ldr 88,4;
RbRupr
312;
ich sol ê leisten mînen kampf Parz
350,9.
684,23;
sît man iu tjost verzinsen sol, / er mag iu zins
geleisten wol. / hêr, dort stêt ein
runzît [Pferd] : / daz erwarb an mir sîn
strît ebd.
545,12;
auch im Bild:
wir schuͤln aver unserm chaiser, dem heiligen
Christ, einen so getanen pfenninch laisten, daz wir diu zehen gebot
der heiligen e behalten PrOberalt
170,21
1.1.2
religiöse Verpflichtungen erfüllen (mësse, opfer,
gebët, buoʒe, dienest u.a.):
dô ez tac wart / unde er sîne êrste vart / dem
heiligen geiste / mit einer messe leiste Iw
6595;
der künic hiez vil balde dô / gebieten, dise hôhgezît
/ über al sîn künicrîche wît / mit opher leisten sînen goten
RvEBarl
11501;
daz ist iv ein uil angestlich gebete, irne welt ez
oͮch leisten Spec
156,4;
allen den, [...] die der
lebent [...] zimet [...]
gote ulizzeclichen dienen, ware bîhte ze toͮnne, rehte boͮzze ze leistenne
ebd.
146,3;
Mechth
6: 12,4;
Lanc
540,3;
dô hiez er prîme sprechen sân, / dar nâch messe ane
vân / von dem heilegen geiste, / dem er dienest gerne leiste
Eracl
4934;
AHeinr
1163;
do der heilige man / in daz munstir quam / vnd her
sine uenie hete geleist Ägidius
1112;
das unbegriffenlich lop, das wir got leisten soͤllen
Mechth
4: 18,66.
7: 55,30;
PrOberalt
170,33;
die stola bezeichent die gehorsami, die der heilige
Crist leistete sinem vatere, do er in in dise welt sante
Lucid
88,9;
Gen
891;
Litan
439.
– mit Ersparung des Akk.:
ir herren, tut gut mit gewalt, welt ir dem schepfer leisten
Frl
5:97,19
1.1.3
Wendungen, die kontextabhängig unterschiedliche (rechtl., relig., private)
Verbindlichkeiten ausdrücken können
1.1.3.1
triuwe
~ :
sô wil ich werden iuwer man / und wil iu leisten
triuwe Wig
7193;
wiltu gotte rehte trúwe leisten, so soltu in
siner liebin volgen sinem geiste Mechth
2: 23,17;
lieb, dir sol nit wesen leit, / ob ich dich triuwe
und stætekeit / gegen mir ze leisten habe gemant SM:Te
13: 2,3;
→
triuwe
stF.
1.1.3.2
geselleschaft, gesellicheit
~ :
der künc sprach ‘wederz ist der knabe / der künc
sol sîn übr iwer lant?’ / al den fürsten tet er dâ bekant / ‘Wâls unde
Norgâls, / Kanvoleiz unt Kyngrivâls / der selbe sol mit rehte hân, /
Anschouwe und Bêalzenân. / kom er imer an mannes kraft, / dar leistet im
geselleschaft’ Parz
803,10;
dô der daz michel ungemach / an sîme herzeliebe
ersach, / er leiste ir wol gesellekeit; / wan er nam sich ir senede leit
/ vil inneclîche mit ir an Tr
1433;
→
geselleschaft
(1.1
u.ö.), →
gesellicheit
(1.2)
1.2
‘etw. Zugesagtes einhalten; ein Versprechen, einen Eid erfüllen’
do gelaiste wol der wîgant / daz er gelobete wider sînen
hêrren Kchr
14135;
NibB
2034,2;
Iw
382;
Er
587;
Wh
278,9;
Lanc
275,6.
26,31;
unze wir geleisten / al daz wir geheizen
Rol
535.
493;
Achilles ouch leiste, / als er hette gesprochen
Herb
12652;
Parz
502,27;
ich leist daz mir der eit gebôt ebd.
653,14;
‘ir kúnent sere wol geloben, ich weiß nit wie ir
leisten kúnnent.’ Lanc
274,35.
– des Gläubigen gegenüber Gott:
daz ein iegelicher leiste gote sînen
entheiz [Gelübde, Versprechen] , den er mit
eigener willekure hat entheizen StatDtOrd
77,33;
RvEBarl
14562;
swaz wir got gelobt habn, daz wir daz leisten
PrBerthKl
8,48;
SüklV
529;
PrOberalt
167,28.
– auch von Gottes Verheißungen:
nu schuͤln wir den heiligen Christ von allen unsern
chreften, von allen unsern gedanchen vil innenchlichen biten, daz er uns
leist alz er uns gehaizzen hab PrOberalt
115,3;
daz wil ich dir [Isaak] und
dînen chinden leisten Gen
1098.
1251;
Will
99,5.
129,6;
Konr
16,65;
Frl
12:1,15;
zu
ebd.
1:10,26
vgl. FrlWB S. 209.
– übergehend zu ‘voraussagen’
herre, du hast gesprochen, es si enkein gabe uf disem
ertrich, da lige ein geisel uffe; das hast du mir vor geseit mit din selbes
munde und hast mir es nach geleistet zuͦ maniger stunde
Mechth
3: 16,4
1.3
‘einen Befehl ausführen, eine (weltl., relig.) Anweisung befolgen’,
übergehend zu ‘einer Bitte nachkommen’
die dâ gelouben an got / und gerne leisten sîn gebot
KvHeimHinv
802;
Aneg
2510;
sie leisten alle sin [des
Löwen] gebot, / er was ir herre ane
[außer] got ReinFu
K,1245;
Herb
10951.
11308;
NibB
1416,1;
Parz
554,18;
diu magt mit zühten rîche / leist ir vater willen gar
ebd.
176,25;
Will
81,5;
ich wil werden iuwer man / und leisten swes ir, herre,
gert Wig
8585;
NibB
1707,4;
daz ich billicher leisten sol, / daz mich geheizzen hat
der got Herb
3586;
sîn vil manigiu tugent mich daz leisten hiez MF:
Wolfr
2: 1,10;
RvEBarl
11526;
KLD:Kzl
16: 7,7;
Parz
821,22;
mit rede warb erz an in sô: / daz enwart niht gar
geleistet dô ebd.
539,30;
Wh
272,20;
Er
5971;
Tr
16243;
und gelobet im des stæte / ze leistenne swes er bæte
Iw
4582;
wis frô, / dîn bete wirt geleistet SAlex
5669;
Wh
87,14;
Herb
13508;
PrOberalt
159,8;
da was niht massenie me / wan wir zwei dort in einem kle.
/ si leiste, daz si solde, / und tet, daz ich da wolde Tannh
3,78;
swaz ir gespil mit ir getreip, / si leiste unde werte, /
swes er hin zir gegerte Tr
12601.
19103
2
‘etw. aufbringen, aufbieten’ (i.d.R. ge-präfigiert)
2.1
allg.:
div aver so riche niht wære, daz si daz lamp niht mohte
gelaisten, div bræhte zwo tvrteltvben Spec
33,31;
Lupolt der meister / ne mochte nicht geliesten / wan ein
bose schurcelin [einen erbärmlichen Schurz] / daz want
her vmme den liph Roth
2446;
swenne er dînes heris craft, / di du vil wol geleisten
maht, / sehet ingagen ime varn SAlex
2458;
den crieg den ich geleisten mac / den muoz er iemer lîden
KvWSchwanr
548;
es ist der boͤsosten túfeln einer, den dú helle mag
geleisten Mechth
4: 17,16;
ich wil bî sîme hazze sîn: / swaz hazzes er geleisten
mac, / mîn haz im biutet hazzes slac Parz
320,29;
alsô suln wir haben ein wizzendez warnemen unsers herren
in allen dingen. dar zuo muoz vlîz gehœren und muoz kosten allez, daz man
geleisten mac an sinnen und an kreften Eckh
5: 210,10.
5: 197,4;
ie wir aller dinge minner minne hân, ie wir sîn
[Gottes] mêr hân mit allem dem, daz er geleisten
mac ebd.
5: 297,4.
5: 298,6;
Iw
5225;
Wh
257,28;
Athis
C* 58;
Parz
230,5;
Herb
11717;
Lanc
417,15.
–
‘Kraft aufbringen’ (von Pferden):
ein ritter kam den berg nyder gerant was das roß
geleisten mocht Lanc
157,7.
583,19.
156,35
u.ö.
2.2
‘etw. können; die Fähigkeit haben, etw. zu tun’
da sulen si wesen inne / mit vil micheler grimme / beidiu
naht unde tach, / als der tievil vil wol geleistin mach / immer an ente
Wahrh
24
2.3
‘etw. schaffen, erreichen, hinbekommen’
ich wil mich gern laßen scheczen, mag ichs geleisten das
ir von mir wollent nemen Lanc
259,6
MWB 3,3 1025,44; Bearbeiterin: Baumgarte
leistic
Adj.
‘Verpflichtungen nachkommend’
fryget sy vor schanden / dü stetter trü [stæter
triuwe] sint laistig MinneR 332
179
MWB 3,3 1028,46; Bearbeiterin: Baumgarte |