l – lâchen lâchen – laden laden – Lahrein lahs – lampartisch lampe – lanclëbic lanclîbe – lancwat lancwiric – lant|âht|acker lantâhte – lantgemeine lantgenôʒ – lantleite lantliut – lantreister lantrihtære – lantsidel lantsidel – lanttwingære lanturliuge – lantwîn lantwîp – larrûn larventier – lasterkleit lasterkôsen – lasterwunde lastkarre – Latrisëte latrôn – læʒic (?) læʒlich – lëbendic lëbendigen – lebezelte lëbezuht – 3lecken lëcken – lëder|gerwe lëderhosære – lëdic|sagunge lëdic|vrî – lëgerhort lëgerhuobe – lêhengëlt lêhenguot – lêhensrëhten lêhensteidinc – leidebërnde 1leiden – leienphrüende leienrëht – leissup leist – leiterboum leiteren – leitstap leitstërne – lemmelîn lemnisse – lenderieren lenderl – lenke lenken – lêrchenmunt lêre – lërnkint lërnknabe – lësemeister lësen – lettener letter – levîte lëwe – lëwinne leyô – lîch lîch – lîchphenninc lîchreste – 1liden 2liden – lîdunge lie – liegære liegærinne – liehticheit liehtkerze – liehtvaʒ liehtvlüʒʒic – liepsuochende liep|swinderinne – lîhenisse lîhkouf – lîhtsüeʒe lîhtunge – 2lîm (?) limbel – lindelîche 1linden – lînhose linie – lînsoc linster – lîpgedinge lîpgedingede – lippenlappen lippe|swër – listen lîsten – 2lit lit- – litze litze – liut- liutærinne – liutsælde liutsælic – löbelach lobelich – loc loch – lodewërc lœdingære – lônærinne lônbære – lônen
|
leistphërt
stN.
‘Pferd, das jmd. im Einlager mitbringen muss’ (vgl.
leistunge
,
înlëger
):
man hat auch gesetzet, swelher unser burger der ist, dem man umb sein gelt
laisten sol, daz dehaine laister noch kaine laistepferde in sein selbes haus niht
laisten sol NüP
125.
123
MWB 3,3 1028,49; Bearbeiterin: Baumgarte
leistunge
stF.
vgl. WMU 2,1120 und DRW 8,1199f, mit weiteren Belegen.
‘Erfüllen einer Verpflichtung’
1
‘Einlager’ , außergerichtlich eingegangene Verpflichtung des Schuldners (und
seiner Bürgen), sich bis zur Erfüllung seiner Schuld auf eigene Kosten an einem mit
dem Gläubiger vereinbarten Ort aufzuhalten (vgl. 2 HRG 1,1298f., LexMa
3,1743; vgl.
înlëger
,
leisten
1.1.1.1 ) 2
‘Zahlung einer fälligen Geldsumme’
3
‘Strafaufenthalt, Verbannung aus Stadt oder Land’ (vgl.
leisten
1.1.1.3 )
1
‘Einlager’, außergerichtlich eingegangene Verpflichtung des Schuldners (und
seiner Bürgen), sich bis zur Erfüllung seiner Schuld auf eigene Kosten an einem mit
dem Gläubiger vereinbarten Ort aufzuhalten (vgl. 2HRG 1,1298f., LexMa
3,1743; vgl.
înlëger
,
leisten
1.1.1.1):
daz danne ieder man mit einem pherde und mit einem knechte saͤl in varn ze
Iphoven in die leistunge und da leisten also lange, biz wir in das gut
gerechtvertigen mit allem rechte, alz wirz biz her haben gehabt vor eygen oder vor
lehen UrkCastell
135,38
(a. 1328);
so sol ir ieglicher nach dem vnd sie gemant werden ein pfert in die leystunge
legen ze Wirtzeburg ze einem offen wirte UrkWürzb
39,353
(a. 1328);
als ofte sich der pferde eines verzert und in der leystunge von ungelucke
abegieng, als ofte sol der burge, des das ist gewest, ein anders antwͤrten in die
leystunge UrkHohenl
2:250,21
(a. 1328);
ain ieclich purger, der in ainer laistunge ist, wil der varn in sein selbes
geschefte oder in der stat geschefte oder ob er wil wallen oder varn in
kaufmanschaft, den sol die laistunge niht irren und an seinen triwen niht schaden
NüP
125;
UrkEnns
5,518
(a. 1328);
UrkRhStädteb
87
(a. 1318);
UrkWittelsb
2,99
(a. 1297)
2
‘Zahlung einer fälligen Geldsumme’
die ingesatzt odir vorwyset sint ane achte vmb bruche, da von der stad gelt
gevallen sal, sterben die in den pynen, die mag man in die stad odir vz irme hus ane
leystunge des geldis trage vnd in der stad begrabe StRMühlh
69
3
‘Strafaufenthalt, Verbannung aus Stadt oder Land’ (vgl.
leisten
1.1.1.3):
wanne die laistung geschicht, so sol der burggref zuͤ im nemen zwen burchmanne
uf sinen eyde, [...] die drei sullen machen einen suͤn umb
alle bruche MGHConst
7,1:162,14
(a. 1337)
MWB 3,3 1028,55; Bearbeiterin: Baumgarte
leistwagen
stM.
Bed. unklar (wahrscheinlich ein Wagen, der mit zu erbringenden Leistungen
(Dienste, Abgaben) zu tun hat, vgl.
dienestwagen
; oder mit einem
leistære
im Einlager):
item ein wagen, der da haizzet laistwagen, geit ie der wagen von dem gantzen
savm II. phenning UrbBayS
4,210
MWB 3,3 1029,29; Bearbeiterin: Baumgarte
leit
Adj. , leide
Adv. (?)
präd. auch leide; leit haben (
MorantGalie
122
) vgl.
haben
2.11.
1 attr. 1.1
‘unliebsam, unerfreulich, verhasst’
1.2
‘schmerzlich’
2 präd. 2.1 in der Form leit mit Dat.d.P. und Nom. oder Akk.
(oder entspr. Subj.- oder Obj.-Satz) 2.1.1 mit Nom.d.S. oder Subj.-Satz 2.1.1.1 bei sîn , wërden oder
wësen (vgl. 2.2.1.1 ); etw.
ist/ wirt jmdm. leit
2.1.2 mit Dat.d.P., Nom.d.P. und Akk.d.S. oder Obj.-Satz 2.1.2.1 bei lâʒen/ lân (mit refl. Dat.d.P); jmd.
lâʒet/ lât sich etw. leit ; mit erspartem
sîn [s.o. 2.1.1 ], vgl.
2
5 Mhd. Gr. § S 232,2), ‘jmd. lässt sich von
etw. schmerzlich berühren; lässt sich etw. zu Herzen
gehen’
2.1.2.2 bei machen ; jmd. maht jmdm.
etw. leit , ‘jmd. macht jmdm. etw. (den Körper)
unerträglich, verwundet jmdn. schmerzhaft’
2.2 in der Form leide mit Dat.d.P. (die präd.
Verwendungen von leide und leit [s.o. 2.1 ] sind in Bezug auf Bedeutung und Satzkonstruktion verschieden; es
bleibt hier offen, ob leide der Form nach als Adv. zu werten ist [so
Grimm und Behaghel s.u. Lit] oder als adj. Form [z.B. unter dem Einfluss des
Subst.
leide
stF.]; auffällig ist, dass hier keine eindeutig
adv. Belege vorliegen, sondern alle auch als (halb)präd. adj. Form gelesen
werden können) 2.2.1 ohne Nom. oder Akk. 2.2.1.1 bei sîn , wërden ,
wësen (vgl. 2.1.1.1 ); jmdm.
ist/ wirt leide
2.2.1.2 bei geschëhen ; jmdm. geschiht
leide , ‘jmdm. widerfährt etw., das ihn unglücklich macht;
jmdm. passiert Schlimmes, Übles, Leidvolles’ (vgl. 3.2.2 sowie unter
leit
stN. 4.2 und 5.3.1 ) 2.2.2 mit Dat.d.P. und Scheinsubj. ëʒ
2.2.2.1 bei ergân ; ëʒ ergât jmdm.
leide , ‘es ergeht jmdm. schlecht’
2.2.2.2 bei geschëhen ; ëʒ geschiht
jmdm. leide , ‘es geschieht jmdm. etw., das ihn unglücklich
macht’ (vgl. 3.1.2 ) 2.2.3 mit refl. Dat.d.P. (im Folgenden mit ‘sich’ umschrieben)
und Nom.d.P. 2.2.3.1 bei gedenken ; jmd. gedenket
sich leide , ‘jmd. hegt empörte, besorgte, schmerzliche
Gedanken; macht sich Sorgen’
2.2.3.2 bei sëhen ; jmd. siht sich
leide , ‘jmd. begegnet leidvollem Erleben,
schmerzlichen Erfahrungen’
2.2.3.3 bei sitzen ; jmd. sitzt sich
leide , ‘jmd. ist traurig’
2.2.3.4 bei stân ; jmd. stât sich
leide , ‘jmd. ist traurig’
2.2.4 mit Dat.d.P. und Nom.d.P. 2.2.4.1 bei gerâten ; jmd. gerâtet
jmdm. leide , ‘jmd. schadet jmdm., tut ihm weh’
2.2.4.2 bei sprëchen; jmd. sprichet jmdm.
leide , ‘jmd. spricht etw. beleidigend, verletzend oder
beschämend zu oder über jmdn.’
2.2.4.3 bei (ge)tuon ; jmd. (ge)tuot
jmdm. leide (vgl.
leit
stN. 4.4 und 5.3.2 ), ‘jmd. tut jmdm. weh’
1
attr.
1.1
‘unliebsam, unerfreulich, verhasst’
den ich hie vor genennet hân, / daz ist der leide strîtes
got KvWLd
2,32;
diu leide huote irret recht minner sêre / und ouch der
verwâzzen merker spehen SM:Had
27: 3,1.
1: 7,11;
Tr
12196;
leider winter ungestalt, ûzwert halt! KLD:
Kzl
13: 1,1.
6: 1,1;
SM:WvK
3: 1,4;
do saz in leyden trechtin [Gedanken,
Betrachtungen] / Constantin der riche Roth
4330;
ich nim urlop zuͦ minem leiden
lichamen [Körper]
Mechth
6: 28,26;
doch sach vil leiden anblic / der dâ wirt was genant: /
im was diu vorburc verbrant / unz an die burcmûre gar Iw
4366;
MF:Reinm
64: 3,1.
– im Ggs. zu
liep
:
hilf, daz min sele / werde ce deile / den lieven godes
engelen, / niet den leiden duvelen MarldA
191.
– subst:
die lieben unt die leiden / heten mich für einen
zagen Parz
558,10;
SM:KvL
15: 2,10.
– als Attr. zu gast
‘unliebsamer Gast, Feind’ (vgl.
gast
4):
minne ist an sehendez leit, /
[...] / den zagen ist siu ein swærer last, /
des swachen herzen leider gast UvZLanz
928;
si gewunnen leide geste. / die ire burch veste / wart
in under drungen Rol
875.
4460;
wand’ ich nie gast deheinen sô rehte leiden gewan
NibB
2002,4.
2162,4;
Tr
5506.
7101.
– oft leide (niu-)mære
‘schlechte Nachricht’ (offen zu 1.2):
ûf esten gestent sich nit mê / vogellîn als ê, ouwê, /
daz sint leide mære SM:AvR
2: 1,3;
owê der leiden mære / daz mîn vrouwe Lîamêre ist tôt
Wig
10091;
Isengrin, der vischere, / der vernam vil leide
mere [bezogen auf herannahendes, verhängnisvolles (s.u.)
Bellen, das ihm Unheil verkündet]
ReinFu
K,778.
K,1275
u.ö.;
RvEBarl
8171;
NibB
2168,4
u.ö.;
KvWHerzm
285.
477;
Roth
3296.
4860;
Tr
5480
u.ö.;
owi laidiu numare, / di nu fligent in di lant!
Rol
7544;
VAlex
388.
– übergehend zu ‘verhängnisvoll, unselig’
ime [Tristan] benam al sîne
maht / diu leide zunge [des Drachen] , die er truoc
Tr
9087;
[Brangäne] nam daz leide veige
vaz [das Gefäß, das den Liebestrank enthielt] ,
/ [...] und warf daz / in den tobenden wilden sê
ebd.
11693;
des leibes gelvst ersleicht oͮch den mensh eteswen als der leit rebe
der den gast trunken machet PrLeys
17,26
1.2
‘schmerzlich’
diu trûrege âventiure / und daz vil leide scheiden / von
ir gevriunden beiden / daz gieng ir sô mit smerzen / und alsô gar ze herzen, /
daz ez ein michel wunder was, / daz si vor leide genas Tr
16665;
der tac ûf dringet unde bringet / leiden sin, der mich an
liebe wunt / wil machen ûf des herzen grunt KvWLd
15,43;
dirre welte rîcheit [...] gît
dir vrœlîch urhap / und leidez zil, ein engez grap RvEBarl
3950;
daz sî mich wol ze einer stunde / von der langen und der
leiden swær enbunde SM:UvS
9: 5,6;
ôwê der ougenweide, / dâ man nâch leidem leide / mit
leiderem leide / siht leider ougenweide! Tr
1752.
– im Ggs. zu
liep
:
ir liebez leben, ir leiden tôt, / ir lieben tôt, ir
leidez leben Tr
63;
lieben wân und leiden wanc, / swaz si des ein ander
tæten, / des het ir unstæte danc KLD: UvL
23: 7,5;
SM:UvS
11:
2,2
2
präd.
2.1
in der Form leit mit Dat.d.P. und Nom. oder Akk.
(oder entspr. Subj.- oder Obj.-Satz)
2.1.1
mit Nom.d.S. oder Subj.-Satz
2.1.1.1
bei sîn, wërden oder
wësen (vgl. 2.2.1.1); etw.
ist/ wirt jmdm. leit
2.1.1.1.1
‘etw. ist jmdm. verhasst, zuwider,
unangenehm; etw. missfällt jmdm.’
untruwe ist im lait, / er minnit rechte
warhait Rol
9053;
sie waren es alle gemeit, / ân der kvnic, dem
was ez leit Herb
1166;
Wig
9852;
den guoten was niht leider, / dan der welte
rîchtuom RvEBarl
4518;
Will
13,12;
si âzen als si solten
[...] / Antikonîe in selbe sneit: / daz
was durch zuht in bêden leit [unangenehm,
peinlich]
Parz
423,28;
mir ist der werlde unstaete / von genuogen
dingen leit MF:Reinm
58: 1,2;
Iw
814.
– mit daʒ-Satz oder
Konditionalsatz in der Funktion eines Subj.-Satzes:
daz hazzete sin vater Peleas. / dem
[...] was vil leit, / daz Jasones
lop was breit Herb
169;
dir sol nit wesen leit, / ob ich dich
triuwe und stætekeit / gegen mir ze leisten habe gemant
SM:Te
13: 2,1;
MF:Reinm
64: 2,1;
mir wære leit, / west ir, waz mir wære
Eracl
3286.
– in höflichen Redeeinleitungen:
enwærez iu niht leit, / sô het ich gerne
vrâge / iuwer ahte und der mâge Iw
6304;
Wig
3344
2.1.1.1.2
‘etw. ist jmdm. schmerzlich; macht jmdn.
traurig’, übergehend zu ‘etw. tut jmdm. leid, etw. ist
jmdm. Anlass zur Reue’
diz was im inneclîche leit / und tet im in
dem herzen wê Tr
13596;
dîn kumber und dîn arbeit / müet mich sêre und
ist mir leit Eracl
684;
ez was in allen samt leit. / sie clageten ez
harte sere Herb
12244.
16516;
Iw
6413;
myn affenheit die ist uch leider,
[...], dann allen den die man nu leben
sicht Lanc
536,18;
kœm daz von meinen schulden, daz wær mir lait
BdN
91,11;
lât iu wesen leit / iuwer missetât
Eracl
2088;
VMos
22,14;
SüklU
37;
KLD:UvL
54: 3,6;
Mechth
3: 21,106;
ez wirt im an dem alter leit
TannhHofz
247;
daz ist mir durch den knappen leit
Parz
381,3;
iz ist mir fvr vch leit ReinFu
K,1870.
– mit daʒ-Satz in der Funktion
eines Subj.-Satzes:
mir ist vil dienestlîchen leit / daz iwer
kumber ist sô breit Parz
29,21;
Wig
585;
mir ist innechlichen lait, daz ich swuor
disen ait AvaJo
29,2;
auch in adv. Form (vgl. 3.1.1):
mir ist leide, / daz der winter beide /
walt und ouch die heide / hât gemachet val SM:
KvT
5: 1,1.
– als Bestandteil von Drohungen ‘etw.
wird jmdm. schmerzlich werden, wird für jmdn. schlimm
ausgehen’
dir wirt din fravele vil leit / du must
lîden michele not VMos
9,7;
Eracl
5170;
ez wirdet dir huite vil lait / daz du
wider gote hîe stast Rol
8852
2.1.1.1.3
in paarigen Ausdrücken mit liep,
ungemach, zorn (vgl. 3.1.1.3):
ez si dir lieb oder lait, ich sage dir diu
warhait AvaJo
4,5;
VMos
65,29;
Roth
1202;
MF:Reinm
37: 4,1;
das was dem kónig lieber dann leider
Lanc
640,27;
daz ist mir leit und ungemach
EnikWchr
701;
KvWHvK
105;
daz ist mir leit und zorn SM:
Had
14:
3,6
2.1.2
mit Dat.d.P., Nom.d.P. und Akk.d.S. oder Obj.-Satz
2.1.2.1
bei lâʒen/ lân (mit refl. Dat.d.P); jmd.
lâʒet/ lât sich etw. leit; mit erspartem
sîn [s.o. 2.1.1], vgl.
2
5Mhd. Gr. § S 232,2), ‘jmd. lässt sich von
etw. schmerzlich berühren; lässt sich etw. zu Herzen
gehen’
la dir leit mine klage Herb
11675;
si bat mit klagenden worten / den künec durch
alle wîpheit, / daz er im lieze ir laster leit Parz
526,28;
durch iwer zuht lât iu niht leit, / ob i’u mînen
kumber klage ebd.
24,18.
535,22.
689,30
2.1.2.2
bei machen; jmd. maht jmdm.
etw. leit, ‘jmd. macht jmdm. etw. (den Körper)
unerträglich, verwundet jmdn. schmerzhaft’
er sluc, er stach, / swaz im do wider reit, / dem
machete er den lip leit Herb
9982
2.2
in der Form leide mit Dat.d.P. (die präd.
Verwendungen von leide und leit [s.o. 2.1] sind in Bezug auf Bedeutung und Satzkonstruktion verschieden; es
bleibt hier offen, ob leide der Form nach als Adv. zu werten ist [so
Grimm und Behaghel s.u. Lit] oder als adj. Form [z.B. unter dem Einfluss des
Subst. →
leide
stF.]; auffällig ist, dass hier keine eindeutig
adv. Belege vorliegen, sondern alle auch als (halb)präd. adj. Form gelesen
werden können)
2.2.1
ohne Nom. oder Akk.
2.2.1.1
bei sîn, wërden,
wësen (vgl. 2.1.1.1); jmdm.
ist/ wirt leide
2.2.1.1.1
‘jmdm. ist unwohl, unangenehm, mulmig, bang
(zu Mute)’, in breitem Verwendungsspektrum (z.B. bezogen auf
Empörung, Kränkung, Beunruhigung, Scham u.a., vgl.
leit
stN.):
den herzogen beiden / wart vil leide, / dô in
der bote sagete, / waz [eine Drohung] er
vernomen habite SAlex
1668;
NibB
148,1;
er enwiste, ob er genas, / vil harte leide im
was, / wende er zwifel hete, / waz er im tete Herb
11654;
hier umbe [dass Isolde nicht
mehr Jungfrau war] was in leide Tr
12405;
bote, nû sage ime niht mê, / wan mir ist leide
/ und vürhte des, daz sich scheide / diu triuwe, der wir pflâgen ê
MF:Reinm
3: 1,8;
do wart mir an miner einvaltekeit vil leide
Mechth
4: 2,117
2.2.1.1.2
‘jmdm. ist elend, weh (zu Mute); jmd. ist
traurig, bedrückt’
er mohte vil wol an ir sehen / daz ir von
herzen leide was Wig
4880;
swie leide einen man were, / er vergezze
[von der wunderbaren Musik] siner
swere Herb
9336;
NibB
1161,2;
MF:Reinm
13: 3,5;
Eracl
4865;
die wîle mir alsô leide / durh vlust und nâch
Gyburge sî Wh
174,28;
mir enwurde nimmer leider danne umbe sînen
lîp NibB
2259,3.
– mit Gen.d.S.:
des wart ir harte leide
Athis
A* 9
2.2.1.1.3
in paarigen Ausdrücken mit liebe
und mit zorn (vgl. 2.1.1.3):
im was wol unde wê, / liebe unde leide
Eracl
3827;
Urgân kam wider und wart gewar, / daz er die
hant hæte verlorn, / ime was leide unde zorn Tr
16124;
der tiefel wol horte / das er sy halb het verlorn. / im wart
laid und zoren HvBurg
6158;
EnikWchr
6284
2.2.1.2
bei geschëhen; jmdm. geschiht
leide, ‘jmdm. widerfährt etw., das ihn unglücklich macht;
jmdm. passiert Schlimmes, Übles, Leidvolles’ (vgl. 3.2.2 sowie unter
leit
stN. 4.2 und 5.3.1):
si sprachen alle samt mit ainem munde / daz in
nie so laide gescahe Rol
6136;
irn geschach dâ vor sô leide nie
Wig
516;
wie möhte ich den immer mit ougen an gesehen, /
von dem mir armen wîbe sô leide ist geschehen? NibB
1078,2;
ir volke leider nie geschach Parz
124,27;
NibB
781,4.
13,4;
dem aller leidest ie geschach
KvHeimHinv
183.
– oft nicht entscheidbar, ob adv. Gebrauch oder
leide
stF.:
wan si den hôrte unde sach, / von dem ir
leide geschach Tr
10252;
den Etzelen degenen sô rehte leide nie
geschach NibB
2232,4;
Herb
9637.
6508
2.2.2
mit Dat.d.P. und Scheinsubj. ëʒ
2.2.2.1
bei ergân; ëʒ ergât jmdm.
leide, ‘es ergeht jmdm. schlecht’
daz si [Kriemhild] sô
manigen man / in ir dienst gewunne, daz ez in [Hagen und
ihren Brüdern] leide müez’ ergân NibB
1128,4;
ez mac ir leide ergân ebd.
1481,3.
2374,4
2.2.2.2
bei geschëhen; ëʒ geschiht
jmdm. leide, ‘es geschieht jmdm. etw., das ihn unglücklich
macht’ (vgl. 3.1.2):
ezn geschach nie man sô leide Wig
4277;
ez geschach ze dirre werlde nie leider manne mêr
NibB
2332,1
2.2.3
mit refl. Dat.d.P. (im Folgenden mit ‘sich’ umschrieben)
und Nom.d.P.
2.2.3.1
bei gedenken; jmd. gedenket
sich leide, ‘jmd. hegt empörte, besorgte, schmerzliche
Gedanken; macht sich Sorgen’
leide gedachte im Castor, / daz erfallen was
Nestor Herb
1439;
die vorchte im vnderwilen brachte, / daz er im
leide gedachte ebd.
11344;
ich gedencke mir leide, / her Antenor, beide / vm
daz uwer leit / vnde vmbe mine smacheit / vnde vmbe die alden vehe
ebd.
2096
u.ö.;
nu gedenke ich mir leide, / sol ir got Tervigant /
si ze helle hân benant Wh
20,10;
vil leide ih mir gedâhte, / dô di frowe brâhte /
daz bilide [durch das sie ihn erkannt
hatte] ze lîhte / unde ze mînen anesihte
SAlex
6151
2.2.3.2
bei sëhen; jmd. siht sich
leide, ‘jmd. begegnet leidvollem Erleben,
schmerzlichen Erfahrungen’
die Unger sehent in hiute laide; / si sint alle
vaige [dem Tod verfallen]
Kchr
16320.
4890;
der bote muostu sîn, / sô wir dich tragen tôten
für den bruoder dîn. / sô siht im êrste leide der Guntheres man
NibB
1942,3;
si heten ir herren Marsilien gesworen, / swer
fluhe uon dem wale, / dem ware zestete der tot gar; / uon diu sturben si
al sam gerne da / sam andereswa / bi ir herren. /
[...] / der chunc sach im genuͦc laide
Rol
6251;
da sihit ein igilichir nach sin selbis wizintheit
/ an demo gotis suni imo selbimo lib odir leit SuTheol
304
2.2.3.3
bei sitzen; jmd. sitzt sich
leide, ‘jmd. ist traurig’
Asprian begreif ene [des Königs
Löwen] mit der hant / vnde war [l.
warf
] ene andes sales want, / daz her
alzebrach. / we leide eme der kuninc do saz, / her ne geregite doch nie
de vote [Füße]
Roth
1153
2.2.3.4
bei stân; jmd. stât sich
leide, ‘jmd. ist traurig’
ja gestuont ich mir nie sô laide
Kchr
13240.
10322;
her ne torste nicht weinen / vnde ne stunt ime
doch nie so leide Roth
2476.
2434
2.2.4
mit Dat.d.P. und Nom.d.P.
2.2.4.1
bei gerâten; jmd. gerâtet
jmdm. leide, ‘jmd. schadet jmdm., tut ihm weh’
hey sold ich den bekennen [der meinen
Ehemann Siegfried ermordet
hat]
[...] ich geriete im alsô
leide [vgl. ich riete im alse leides,
NibA 965,3
] , daz die friunde sîn /
von den mînen schulden müesen weinende sîn NibB
1024,3
2.2.4.2
bei sprëchen; jmd. sprichet jmdm.
leide, ‘jmd. spricht etw. beleidigend, verletzend oder
beschämend zu oder über jmdn.’
hêrre, ob ich iu leide sprach, / von den schulden
daz geschach, / daz ich versuochen wolde / ob ich iu minne solde /
bieten durch iur werdekeit Parz
614,1;
[die Boten] wollen vns leide sprechen, / man
sol ez an in rechen Herb
3853;
des wart in gesprochen / beiden vil leide. / des
schamten sie sich beide ebd.
8291;
Nestor [...] karte allen
sinen fliz, / wie er getete daz beste, / vnde enwas des doch niht feste.
/ sinen frunden er leide sprach, / swenne im dehein zorn geschach ebd.
3067.
8382.
13372.
9790
2.2.4.3
bei (ge)tuon; jmd. (ge)tuot
jmdm. leide (vgl.
leit
stN. 4.4 und 5.3.2), ‘jmd. tut jmdm. weh’
hoy, wêng
[unglücklicher] Jacob, wie leide dir getet
der tôt, / daz er dir nam daz wîb Gen
1682;
ich getuon im sô leide, / daz im nie leider wart
Eracl
4864;
ich getv im also leide, / als er mir hat getan
Herb
13156;
Rol
2981;
Iw
2271;
KLD:GvN
10: 1,5;
ez enwart nie vrouwen leider an liebem manne
getân NibB
997,4.
– oft nicht entscheidbar, ob adv. Gebrauch oder
leide
stF.:
dâ von müeze er unsælic sîn, / [...],
/ swer den wîben leide tuot Er
5772;
mir [Hagen] mac
niemen widersagen. / und sol diu edele Kriemhilt Helchen krone
tragen, / si getuot uns leide, swie si gefüege daz
NibB
1212,3;
kleine vogel, den vil leide / tet hiur ê der
winter kalt SM:HvT
2: 1,5;
so spræche ich, daz mir leide tuot SM:
Gl
3: 1,3;
Exod
838;
GenM
22,5.
– Lit. vgl.
leit
stN.; zu 2.2:
Grimm, Dt. Gr., 4,1111-1125, bes. 1115; Behaghel, Dt. Syntax,
2,131f., § 619, bes. II.; vgl. auch präd. leido AWB
5,758f.
MWB 3,3 1029,36; Bearbeiterin: Baumgarte
leit
stN.
Formenüberschneidungen mit →
leide
stF. (uneindeutige Dat. sind hier
verzeichnet).
körperlicher und seelischer Schmerz durch gesundheitliche, materielle und
soziale Belastungen wie Krankheit, Armut, Verletzung, materielle Schädigung, Unrecht
oder Ehrverletzung; quälender leibseelischer Zustand durch Trauer, Sorge, Reue,
Sehnsucht, Entsetzen, Angst, Zorn und Empörung; i.d.R. nicht auf einen Aspekt
beschränkt (demgegenüber stark differenziert bei F. Maurer [dagegen W. Schröder] und
C. Minis, s.u. Lit.)
1 allg. (vgl.
leide
stF. 1 ) 2 in Umschreibungen mit spezifizierendem Adj. 2.1 bezogen auf Krankheit und Gebrechen 2.1.1 in der Bezeichnung für ‘Schlaganfall, Epilepsie’
vallendeʒ ~
(vgl. vallende(r/ʒ)
siechtuom
,
siuche
,
suht
,
übel
stN. und
wêwe
swM.) 2.1.2 in anderen Umschreibungen 2.2 in Umschreibungen einer großen Sehnsucht, eines schmerzlichen Verlangens (vgl.
5.2 ; s.a. 4.1 , vgl.
leide
stF. 2 ; vgl.
senende
klage
1 ) 2.2.1
senendeʒ ~
(vgl. auch 4.3 ) 2.2.2
klagendeʒ ~
3 in paarigen Ausdrücken 3.1 in (teil-)synonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 3 ) 3.2 in antonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 4 ) 3.2.1 oft im Ggs. zu
liebe
stF. oder liep stN. (=
liep
Adj. 3.1 ) 3.2.2 im Ggs. zu vröude 4 in ausgewählten Verbverbindungen 4.1 zur Bezeichnung des Ausdrucks von leit mit
klagen 4.2 zur Bezeichnung des Erleidens von leit mit geschëhen ,
gewinnen u.ä. 4.3 zur Bezeichnung des Erduldens von leit mit doln ,
dulten , (ge)tragen u.ä. 4.4 zur Bezeichnung des Zufügens von leit mit tuon ; auch mit
(ge)sprëchen u.ä. (i.S.v. ‘durch Sprechen schaden, üble
Nachrede üben; beleidigen’ ) und mit gedenken (i.S.v.
‘planen, im Schilde führen’ ) 4.5 zur Bezeichnung des Ausgleichs oder der Wiedergutmachung (z.B. durch Heilung,
Trost, Entschädigung, Rache) mit büeʒen , ergetzen ,
(er/ ge)rëchen u.ä. 4.6 zur Bezeichnung der Befreiung und des Befreitwerdens von (Minne-)leid mit
verkêren , swinden , (ver)trîben ,
(er)wenden , zergân u.ä. (bes. im Minnesang) 5 in präp. Erg. mit phras. Charakter 5.1
sunder leit
‘ohne Betrübnis, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl.
leide
stF. 5.1 ) 5.2
von/ vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid
sterben’ (vgl. leide stF. 5.2 ) 5.3
ze leide
‘zu(m) Schaden, zum Nachteil, zu Leide’ (oft mit Dat.d.P.), mit einem
breiten Spektrum an Verben (mit Ggs. ze liebe , auch rechtsspr., vgl.
3.2.1 ; vgl. leide stF. 5.3 ) 5.3.1 in Ausdrücken, die ein Erleiden von Schaden beschreiben mit
geschëhen , komen , sîn/ wërden u.ä. 5.3.2 in Ausdrücken, die ein Zufügen von Schaden beschreiben mit
bringen , (ge)râten , sîn ,
singen , sprëchen , tuon
1
allg. (vgl.
leide
stF. 1):
daz er [Christus] in dise werlt
chom, diu angest und not und vil maniges leides ze vil hat PrOberalt
25,7;
ich manecualte diniv [Evas] ser
unde din chintraht [Schwangerschaft] mit laide
[Schmerz]
Spec
93,4;
Kaylet ze herbergen reit / mit grôzen freuden sunder leit
[Kummer, Unmut, Ärger (vgl. 5.1)]
Parz
68,18;
ich und din vater wir haben dich vil gesuchet
[das verschwundene Jesus-Kind] und haben grozzes
leit [Sorge, Aufregung] umb dich gehabt
PrOberalt
27,38;
Pass I/II (HSW)
10364;
SM:Wi
7: 3,8;
sô die henne all tôt sint von dem hann, sô nimt der han ab
vor laid und singt niht mêr von grôzem trauren BdN
192,34;
daz den ungetriuwen ie baz danne mir geschach, / die nie
gewunnen leit von seneder swaere MF:Reinm
15: 4,7
(vgl. 2.2 und 4.2);
uf daz von unser
crancheit [Schwäche] / sich aller zwivelunge leit /
vertribe Pass I/II (HSW)
10724;
wi er sint den vater sluc, / [...]
/ und wi er bi der muter slief. / mit leide [Reue] er sus
uber lief / an den gedanken vil genuc ebd.
34924;
KvWLd
27,8;
nu hat er selber vunden / an im der hosten schamen leit
Pass I/II (HSW)
8203;
der kunic an leide [Zorn] was
enprant [weil sein falscher Gott geschändet wurde] , /
daz er sin pfellels gewant / von im mit unvuge brach ebd.
32353;
die varndi habi [...] mac he woli
enir andirin vrowin gebi, wil he iz sinin kindin zu leidi
[Schaden] tu Mühlh
139,5
(vgl. 5.3.2);
er [Siegfried, der die Burgunden zum Kampf um ihr
Königreich herausfordert] soltez haben lân. / im heten mîne herren
sölher leide [Rechts- und Ehrverletzungen; Unrecht] niht
getân NibB
121,4.
–
nâch jmdm. ~
haben
‘nach jmdm. Sehnsucht haben, jmdn. schmerzlich vermissen’
diu hete tougenlîche nâch [der
verstorbenen] Helchen grôziu leit NibB
1389,4;
ob mir alle krône wærn bereit, / ich hân nâch ir mîn
hœhste leit Parz
98,6
2
in Umschreibungen mit spezifizierendem Adj.
2.1
bezogen auf Krankheit und Gebrechen
2.1.1
in der Bezeichnung für ‘Schlaganfall, Epilepsie’
vallendeʒ ~
(vgl. vallende(r/ʒ)
siechtuom
,
siuche
,
suht
,
übel
stN. und
wêwe
swM.):
wider daz vallinde leit SalArz
34,46;
daz pringt im daz vallend lait, daz ze latein
apoplexia haizt BdN
407,24;
daz fallent lait, daz epilencia haizt ebd.
417,21
u.ö.
2.1.2
in anderen Umschreibungen:
ir suchaftez leit [ihr
Kranksein]
Pass I/II (HSW)
28885;
ob er mit gewalde / die toden uf hiez erstan / und
den mit liechten ougen gan, / der e truc blintlichez leit ebd.
30429
2.2
in Umschreibungen einer großen Sehnsucht, eines schmerzlichen Verlangens (vgl.
5.2; s.a. 4.1, vgl.
leide
stF. 2; vgl.
senende
→
klage
1)
2.2.1
senendeʒ ~
(vgl. auch 4.3):
swer sich hœhet, daz der da genidert wirt, / da jâmer
unde senede leit ân ende swirt SM:UvS
16: 2,10.
– überw. in der Beschreibung eines Mangels an Minne-Zuwendung
(vgl. senendiu → suht):
von der
[
Amelýen
] truͦc er minnen
last, / des was si siner froͮden gast, / siner liebú ain sendes lait, /
siner senfte unsenftekait RvEWh
4357;
daz si mir von sendem leide / mînen ungetrôsten
muot / durch ir süezzen güete scheide SM:Te
11: 3,5;
rôter munt, nu lache, daz mir sendez leit zergê
KLD: GvN
4: 3,3
2.2.2
klagendeʒ ~
:
ir guoten wîp, ob iu der rât behage, / den ich mir
selben hân / für klagendiu leit und ouch für sende nôt gegeben KLD:
UvL
15: 3,3.
8: 4,4
3
in paarigen Ausdrücken
3.1
in (teil-)synonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 3):
arebeit / unde leit KLD: Kzl
13: 2,8;
uon dem laide unt uon dem grimme Rol
6442;
mit jâmer und mit leide KvWSchwanr
238;
kumber unde leit SM:WvK
6: 1,8;
in nôt in vorhte in leide KLD: Kzl
1: 4,13;
ir sere und ir leid PrOberalt
87,11;
in laid und in smerzen BdN
285,10;
mit leide vnde mit swere Herb
17327;
leit und herzeswaere MF:Mor
29: 2,6;
mit leide vnde mit trurde Herb
1749;
leit und ungemach KLD: UvL
2: 3,4;
mit zorne vnde mit leide Herb
15123
3.2
in antonymen Paaren (vgl.
leide
stF. 4):
nû liep, nû leit, nû leben, nû tôt, / nû grôz gemach, nû
leides nôt; / hiute vreude und rîchez guot, / morgen leit und armuot
RvEBarl
4576
3.2.1
oft im Ggs. zu
liebe
stF. oder liep stN. (=
liep
Adj. 3.1):
niht nahe get in [den
Phlegmatikern] lieb und leit Physiogn
82;
ich suohte liep, do vant ich leit SM:
UvS
6: 2,1;
Herb
2381.
– in Wendungen i.S.v. ‘zum Vorteil oder Schaden von jmdm.’
(rechtsspr. Belege vgl. WMU 2,1115 und 1121 s.v. leit und
leide, DRW 8,1141f. und 1145 s.v. Leid und
Leide
2.1; zur Wendung ze leide vgl. 5.3):
so sprich ich bi dem eide / nieman ze liebe noch
ze leide ReinFu
K,1626.
K,1644;
daz ich niemer vuoz / von ir dienste mich
gescheide, / ez kom mir ze liebe alder ze leide MF:Mor
2: 5,11;
Herb
12432;
Tannh
14,23.
–
durh alliz werltlîch gût / ne wolder nie
geliegen [lügen] / und niemanne betriegen,
/ noh durh lieb noh durh leit / geswachen di wârheit
SAlex
260
3.2.2
im Ggs. zu vröude:
daz mînes leides hœhster pîn / mit vreude ein ende
hât genomen RvEBarl
3146;
fröide ist nû in leit versenket KLD: BvH
4: 2,3.
18: 1,2;
SM:Had
37: 3,8
4
in ausgewählten Verbverbindungen
4.1
zur Bezeichnung des Ausdrucks von leit mit
klagen:
daz klage ich und klage ein leid, / daz mich ein wîb
betwingen wil / herzeklicher arebeit SM:KvL
6: 1,7;
sold ich mîn leit besunder chlagen, / sô würde der rede gar
ze vil KvHeimUrst
42;
KLD: Rub
3:2,7;
KLD:UvL
15: 1,4;
SM:We
1a: 1,11;
ReinFu
K,1612.
–
mit leide:
des leit ich wil mit leide klagen Wig
9404.
9864;
MF:Hartm
10:2,7
4.2
zur Bezeichnung des Erleidens von leit mit geschëhen,
gewinnen u.ä.:
iz bewainet noch vil sere / maniger muͦter chint / diu
lait die hie geschen sínt Rol
7402;
er [Erec] tete als dem dâ leit geschiht: / der
vlizet dicke sich dar zuo, / wie erz mit vuoge wiedertuo Er
167;
dâ von ze jungest im geschach / ein leit
KvWHerzm
79;
dem geschiht leides niht Volmar
108;
AvaLJ
161,2;
MF:Reinm
24: 2,6;
von der ich niuwan leit gewan ebd.
5: 3,4;
er mac si wol ergetzen, swaz si leides ie gewan
NibB
1215,4.
1418,2.
2319,1;
SM:Wi
9: 3,4;
daz mir von ir niht leides widervar MF:
Reinm
32: 4,4
4.3
zur Bezeichnung des Erduldens von leit mit doln,
dulten, (ge)tragen u.ä.:
nû choste iuch deste ringer / swaz ir leides hie dolt
KvHeimUrst
1835;
KLD:UvL
26: 4,3;
NibB
1035,1;
Wig
1105.
2681;
dâbi dulde ich sendiu leit SM:WvK
5: 1,5;
KLD:UvL
2: 2,4
(vgl. 2.2.1);
Iw
1007;
SM:Te
11: 1,10;
wan dez ich leit mit zühten kan getragen, / ich enkonde
niemer sîn genesen MF:Reinm
13: 5,3.
12: 5,5;
leides mag ich niht getragen KLD: UvL
30: 6,5;
SM:UvS
36: 2,4;
sô truoc Tristan ie stæte leit / bî stæteclîcher sælekeit
Tr
5071.
12188;
Iw
1798;
Wig
4831
4.4
zur Bezeichnung des Zufügens von leit mit tuon; auch mit
(ge)sprëchen u.ä. (i.S.v. ‘durch Sprechen schaden, üble
Nachrede üben; beleidigen’) und mit gedenken (i.S.v.
‘planen, im Schilde führen’):
vergeben wir allen den die uns leit habent getan
PrOberalt
129,11;
obe si mir ein leit getuot MF:Reinm
21: 5,3;
den ich vil leides hân getân RvEBarl
571;
SüklV
461;
Rol
7804;
Eracl
4603;
UvZLanz
7258
(vgl. ze leide tuon unter 5.3.2)
–
swer leides in [den
Israeliten] gedâhte, / dem wart von im
[Josua] sîn tôt erkant RvEBarl
2254;
er sprach in manich leid. / er chod:
[...] wie getâtet ir sô ubile, / daz ir mîneme
hêrren [...] sînen choph
[Kelch] stâlet Gen
2334;
ir hânt mir leides dicke vil gesprochen MF:
Reinm
64: 1,5
MF:Mor
10: 4,2.
24: 1,1;
VMos
44,14
(vgl. ze leide sprëchen, (ge)râten,
singen unter 5.3.2)
4.5
zur Bezeichnung des Ausgleichs oder der Wiedergutmachung (z.B. durch Heilung,
Trost, Entschädigung, Rache) mit büeʒen, ergetzen,
(er/ ge)rëchen u.ä.:
den palmen den er [Johannes] dâ
hât / [...] / den nim und büeze
[heile] disen ir leit [Gebrechen,
Krankheiten]
KvHeimHinv
798;
sô swert mir eide, swaz mir iemen getuot, / daz ir sît
der næhste, der büeze [rächt] mîniu leit
NibB
1257,3;
die trunchen des lides [Obstwein,
Gewürzwein] / unde ergazzeten sich alles leides
Hochz
318;
Gen
2111;
Roth
1245;
NibB
1234,1;
KvHeimHinv
179;
sô werdent wol errochen elliu mîniu leit
NibB
2109,3;
daz er gereche sin leit Herb
17175;
sô sol er rechen ditze leit Wig
9843;
NibB
2108,2.
2151,3;
Herb
1263
u.ö.;
ir geltet mîniu leit NibB
2304,3;
er dachte, in welcher wise / er im daz leit vergulde
Herb
10015;
SM:UvS
15: 1,8
4.6
zur Bezeichnung der Befreiung und des Befreitwerdens von (Minne-)leid mit
verkêren, swinden, (ver)trîben,
(er)wenden, zergân u.ä. (bes. im Minnesang):
daz si füege daz mir leit entwîche KLD: GvN
33: 3,4;
daz si mich scheide von leide KLD: UvL
12: 3,5;
daz elliu dîniu leit / der künic Etzel swende
NibB
1243,2;
SM:Te
3: 3,6;
KvWLd
22,21;
KLD:UvL
30: 4,2;
rôter munt, du maht mîn leit verdringen KLD:
GvN
37: 1,9;
lieb gedinge leit verkêret SM:KvL
3: 3,7;
KLD:GvN
3: 1,12
u.ö.;
SM:HvS
1: 25,3;
KvWLd
28,14;
sô müeste an mir swinden / leit SM:KvL
17: 5,5;
KLD:UvL
9: 1,7;
NibB
1337,2;
Tannh
5,75;
KLD:GvN
15: 2,5
u.ö.;
dur dîn besten tugende mir mîn leit vertrîp SM:
HvR
1: 2,7;
ez kan trîben / leit wol von dem man SM:
Had
53: 6,9;
KLD:GvN
37: 2,9
u.ö.;
SM:Wi
6: 3,7;
SM:KvL
17: 4,9;
KLD:Kzl
17: 1,5;
Herb
7177;
ob ich dâ mit iuwer nôt / erwenden mac und iuwer leit
Wig
4909;
ich sol iu helfen wenden elliu iuwer leit
NibB
156,2;
MF:Reinm
36a: 2,2;
Wig
5893;
KLD:UvL
5: 4,5;
SM:HvS
5: 3,5;
umb den smac stêt ez sô: / nie niemen wart sô unvrô, /
gesmecket er sîn, sîn leit zergê Wig
10370;
SM:KvA
3: 3,2;
MF:Reinm
22: 1,7;
KLD:GvN
14: 5,15
u.ö.
5
in präp. Erg. mit phras. Charakter
5.1
sunder leit
‘ohne Betrübnis, Ärger; in guter Stimmung’ (vgl.
leide
stF. 5.1):
sô ist ouwe wol bedœnet, / dâ diu vogellîn singent sunder
leit SM:KvL
7: 1,4;
nu wol ûf zuo der linden breit / sunder leit / swer gemeit
/ schônheit welle schouwen KLD: Kzl
11: 2,12;
KLD:UvL
25,20.
29: 2,5
5.2
von/ vor leide stërben/ tôt ligen u.ä. ‘aus Kummer, vor Leid
sterben’ (vgl. leide stF. 5.2):
solte ich sterben von sô grôzen leiden KLD: OvB
5:3,1;
Athis
F 70;
BdN
236,21;
sterben sî [die Neider] von
leide, sô enwart mir ê nie baz MF:Reinm
17: 4,6;
sol ich die guoten lange mîden, / swie doch nieman von
leide erstarb, / ich muoz den tôt nach ir erlîden SM:Had
23: 4,2;
SM:Tu
2: 9,5.
–
er wære vor leide erstorben Wh
226,6;
nu lît si hie vor leide tôt / umb ir gesellen
Wig
10050.
10213;
Rol
8596;
BdN
261,21;
owê, daz vor leide niemen sterben nemac!
NibB
2323,4
5.3
ze leide
‘zu(m) Schaden, zum Nachteil, zu Leide’ (oft mit Dat.d.P.), mit einem
breiten Spektrum an Verben (mit Ggs. ze liebe, auch rechtsspr., vgl.
3.2.1; vgl. leide stF. 5.3)
5.3.1
in Ausdrücken, die ein Erleiden von Schaden beschreiben mit
geschëhen, komen, sîn/ wërden
u.ä.:
swaz unz ze leid geschiht, daz ist
sein [Gottes] geisel PrOberalt
146,36;
HimmlJer
462;
SM:WvK
3: 1,3;
Roth
4489;
Otte, daz mag dir wol komen ze leide! SM:
Go
1: 6,6;
KLD:Kzl
9: 1,2;
daz mir dort ze leide solde werden, / daz irlite ich
ungerne SüklV
356;
ReinFu
K,782;
Herb
7512;
Lanc
313,12
5.3.2
in Ausdrücken, die ein Zufügen von Schaden beschreiben mit
bringen, (ge)râten, sîn,
singen, sprëchen, tuon:
sînes ôheimes sune [...] /
sprâchen er hête si ze leide braht, hête in benomen geizze unde scâf
Gen
1411;
Herb
15088;
SüklV
499;
MF:Wolfr
7: 1,3;
die selben urteile, / di si ir ze leide / heten
geraten SüklV
700;
ich wil vrô ze liebe mînen vriunden sîn / und allen
den ze leide, / die mir âne schulde tuont ir nîden schîn MF:
Reinm
17: 4,2;
an ir danc / sanc ich in ze leide, / den hochgemüete
ist kranc Tannh
15,33;
iz wirt schiere gerochen, / swaz er dir, kuͦnich, hat
ze leide gesprochen Rol
2150;
Herb
12802;
swaz in iemen ze leide tæte, daz si daz
gedulteclichen uertroͮgen Spec
125,13;
Rol
4789;
BdN
291,28;
SM:WvT
2: 2,3.
– Lit.: Friedrich Maurer, Leid, Bern 1951; Werner
Schröder, Das Leid in der ‘Klage’, in: ZfdA 88 (1958), S. 54–80;
Cola Minis, Das Wortfeld ‘leit’ im ‘Alten Passional’, in: Studien
zur dt. Lit. des Mittelalters, 1979, S. 532–540
MWB 3,3 1033,55; Bearbeiterin: Baumgarte
leitære
stM.
vgl.
geleiter
.
1 jmd., der jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. zu einem (übertr. oft
geistl.) Ziel führt (vgl.
leiten
1 ), ‘Führer’
2 jmd., der eine Gruppe o.ä. leitet (vgl.
leiten
2 ), ‘Anführer’
2.1 allg. 2.2 jmd., der ein Heer oder Teile davon befehligt, ‘Heerführer’
3 jmd., der etw. Unbelebtes (hier ein Schiff) in eine Richtung dirigiert, zu einem
Ziel führt (vgl.
leiten
3.3 )
1
jmd., der jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. zu einem (übertr. oft
geistl.) Ziel führt (vgl.
leiten
1), ‘Führer’
nu wise [sei] min leitere, / Ihesu,
getruwer leitesman, / wand ichz [das Buch] durch dich wil
grifen an! Vät
238;
lazet sy, ere leytere synt blynt. ist iz daz eyn blyndir den
anderen blynden leitet, sy vallen beide in dy grube EvBerl
32,15;
EvBeh
Mt 23,16.
Mt 23,24;
EvAug
35,17.
57,3;
EvWM
292;
ich bitt alles himelsch her und die lieben engel, daz sú
din wiser und leiter sien Seuse
446,3;
Messgebr
217;
got eine læiter sin was [interl. zu dominus solus dux eius
fuit
]
PsM
C 6,12;
leiter der verte [interl. zu dux
itineris
]
ebd.
79,10;
PrGeorg
68,18;
Pass I/II (HSW)
10998;
Eckh (J)
103,38
u.ö.
– von Nichtbelebtem:
ein viurîn sûl gab er in, / die gab er in zewâre / ze ir leitâre
[
dux Ex 13,21]
Exod
2966
2
jmd., der eine Gruppe o.ä. leitet (vgl.
leiten
2), ‘Anführer’
2.1
allg.:
dû Bêthleêm lant Jûda, bî nichte bistu di minste in dem vuͦrstentûm Jûda,
wan ûz dir gêt ûz der leitêre der da fuͦrit mîn volk Israêl EvBeh
Mt 2,6;
Moyses der ist ze ware / unser leitare VMos
49,19;
BuchdKg
30,13;
StatDtOrd
96,28;
Exod
541;
Spec
97,9.
– im Bild:
diu inwendicheit enkêret sich niht ze den fünf
sinnen, wan als verre als si ein wîser und ein leiter ist der fünf sinne und
ir hüetet Eckh
5: 420,3
2.2
jmd., der ein Heer oder Teile davon befehligt, ‘Heerführer’
da dich der senâte / mit allen Rômæren / erwelten ze
ainem laitære, / daz dû ir heres phlægest Kchr
5138;
duͦ solt mit dinem vanen sin / ein leîter der Frîesen StrKarl
(S)
9045.
5709.
5539.
5707;
dô bevalch der künic hêre / dem marcgrâven Rüedegêre / sîn gesinde und
sîne man, / daz er si solde füeren dan / und ouch ir leitære / in der herverte
wære Bit
5277.
3424.
5661;
KvWPart
19584;
GTroj
13399.
– von Fischen:
aller visch her hât ainen maister und ainen laiter
BdN
243,7.
– übertr.:
welt, nu lach [lass] mich
des geniezzen, / daz ich dîner fröiden ie leiter und
venre [Fahnenträger] ie was! SM:
Te
11: 3,2
3
jmd., der etw. Unbelebtes (hier ein Schiff) in eine Richtung dirigiert, zu einem
Ziel führt (vgl.
leiten
3.3):
da engegen daz schiffel kêrte, / als ez der leiter lêrte Mai
53,6
MWB 3,3 1037,50; Bearbeiterin: Baumgarte
leitærinne
stF.
rip. auch leiderin.
Frau, die jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. leitet,
‘Führerin’
wie spæhes [sie, die "Nachtigall" von der
Vogelweide] organieret! / wies ir sanc wandelieret /
[...] / diust dâ ze hove kamerærîn: / diu sol ir
[der Nachtigallen] leitærinne sîn! / diu wîset si ze
wunsche wol, / diu weiz wol, wâ si suochen sol / der minnen melodîe
Tr
4812.
– von Maria:
nû bis mîn leitirinne, / want dir zu lobis winne / diss bûchis
ich beginne NvJer
328;
als si dich siͤnt [sehen] vüre
varen, / wiz leiderin der wizer scharen! MarlbRh
64,26.
109,18.
MWB 3,3 1038,30; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbant
stN.
‘Hundeleine’ (vgl.
leitseil
,
leitsnuor
; vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 133b):
sie fürte einen sperwer vf der hant / vnd von sydin ein leitbant / vnd hinder
ir einen vogelhunt Krone
14461
MWB 3,3 1038,42; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbære
Adj.
bereit, leit (stN.) zu ertragen, geschehen zu lassen (Glr.z.St.
‘langmütig’):
ô süezer schephære, / daz dû sô leitpære / gegen dem sundær
bist Ottok
89542
MWB 3,3 1038,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbejac
stM.
‘Erwerb von Leid’ (vgl.
bejac
):
wirtscheften gar selden mac / sich volenden an leit bejac
Hiob
578
MWB 3,3 1038,50; Bearbeiterin: Baumgarte
leitbracke
swM.
auch leite-.
Anführer der Meute (vgl.
leithunt
2,
vorlouft
) ‘Leithund’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt,
133b):
vil snell ein hirz do kom mit sprungen witen, / dem volgt ein leite bracke und
darnach groz gehunde in cleinen ziten JTit
4859,4.
839,4;
er begund mich vast zwacken / alz ainen laitpracken / vil vast by den oren
WolfSchule
181;
als eim leitbrachen / hiengen ir div oren ze tal Krone
9378
MWB 3,3 1038,53; Bearbeiterin: Baumgarte
leite
Prät.
→
legen
,
→
leiten
MWB 3,3 1038,62;
leite
stswF.
1
‘Führung, Leitung’ (vgl.
geleite
1.1 ) 1.1 allg. 1.2 spez. im Bergbau die Richtung einer Bergader 2
‘Anweisung’ (vgl. SchweizId 3,1494 s.v. Leiti ,2) 3
‘Fuhre, Ladung’ (als Mengenangabe für das Transportgut), auch das
Transportgefäß (beides im Frnhd. reich belegt, vgl. FWB 9,932-934 s.v.
1leite und DRW 8,1204f. s.v.
1Leite
IV ; vgl.
leitvaʒ
,
leitschrîn
;
geleite
stN. 3 )
1
‘Führung, Leitung’ (vgl.
geleite
1.1)
1.1
allg.:
mit maneger richen gunst / der zepter wil gewalten, / recht und unrecht
zerspalten. / solch leite sol leiten recht Frl
9:8,9;
an der selbin reite / in wundirlîchir leite / quam ein
der brûdre knabe / von Littouwin her abe, / um den iz was alsô gewant
NvJer
24867;
zu kurz mag nimmer sin di zit, /
[...], / komestu zu gotes genaden leite, / got ensi
dir alsam bereite / und enpfet dich mit siner genaden hort, / also der wilde son
wart enpfangen dort, / [...] / als man in deme
ewangelio list Brun
11379
1.2
spez. im Bergbau die Richtung einer Bergader:
die silbergreber heizent eine leite, dâ sich diu silberâder hin rihtet in
dem berge, nâch der sie varent die wîle sie sî haben mügen
DvASchr
353,16
2
‘Anweisung’ (vgl. SchweizId 3,1494 s.v. Leiti,2):
der got der uß dem paradyß / verstieß Adam und Eva von der wollustigkait / umb
das bot und lait / das an dem apffel úbergangen was FrSchw
2978;
so solt du an der selben stund / mit den zwain junckfräwen / den selben
fúrsten nit me schäwen, / weder umb laid noch umb gebett
[Bitte]
ebd.
541
3
‘Fuhre, Ladung’ (als Mengenangabe für das Transportgut), auch das
Transportgefäß (beides im Frnhd. reich belegt, vgl. FWB 9,932-934 s.v.
1leite und DRW 8,1204f. s.v.
1Leite
IV; vgl.
leitvaʒ
,
leitschrîn
;
geleite
stN. 3):
[der Hellhof] gilt zwen und fuͤnftzich metzen rokken
[...] und zwo leitten holtzs UrkEichst
2,270
(a. 1339);
von einer lait vische [gibt] ein purger II phennig,
ein gast XII phennig DRW
8,1205
(Rauch,Script. I 210; um 1250)
MWB 3,3 1038,63; Bearbeiterin: Baumgarte
leite
swF.
s.a.
lîte
MWB 3,3 1039,31;
leite
swM.
jmd., der jmdn. geleitet, führt, ‘Begleiter, Führer’ (vgl.
leitel
,
leitære
1,
leitesman
2,
geleite
swM.):
vnchúsc gelust hát blinden sitte: / si daz er ane leiten sí, / er gat in
daz fiwer e da bí SiebenTodsünden I
363;
zehin dage solt ir uch bireiden, / so senden ich uch einen leiden, / der sal
dicke mit w wanen [mit euch verweilen] / unde sal uch
alliz des irmanen, / dat ich ie wider uch gisprach WildM
1,608
MWB 3,3 1039,32; Bearbeiterin: Baumgarte
leitekërne
M.
eine Abgabe (entweder Geleitsabgabe in Form von Getreide, vgl. SchweizId 3,467
s.v. Leiti- oder ein Synonym zu vuoterhaber, vgl.
Anm.z.St.):
tritico nobis debito, quod in vulgari dicitur leitikerno
UrkZürich
4,1
(a. 1265)
MWB 3,3 1039,41; Bearbeiterin: Baumgarte
leitel
stM.
jmd., der jmdn. geleitet, führt, ‘Begleiter, Führer’ (vgl.
leite
swM.):
sîn ougen wârn vinster, di mohten niht gesehen daz lieht dirre werlt, er mohte
ân leitel ninder bechomen PrStPaul
55,28
MWB 3,3 1039,46; Bearbeiterin: Baumgarte
leiten
swV.
rip. auch leiden (z.B.
MarlbRh
108,4;
ÄJud
44
), Prät./Part.Prät. auch synkopiert lette(n) (d.i.
leitete(n), z.B.
UrkCorp (WMU)
1393,29;
Herb
2456
), leitte (d.i. leitete, z.B.
Herb
10958
), geleitte (d.i. geleitete, z.B.
Herb
8078
); deshalb auch gelegentlich Zusammenfall mit kontrahierten Formen von
legen (z.B. leit, geleit
Herb
16453;
VAlex
257
).
tr. ‘leiten, führen, lotsen, lenken’, konkret und übertr. oft mit
räuml. und auch mit modalen präp. und adv. Ergänzungen
1
‘jmdn./ ein Tier (begleitend) führen’ (übertr. auch ‘etw.
führen’ ) 1.1 allg. 1.2
‘jmdm./etw. den Weg weisen’
1.3
‘sicheres Geleit geben’ (vgl. DRW 8,1207; oft nicht klar von 1.1 zu unterscheiden) 1.4 jmdn. zur Hinrichtung führen 1.5
‘Zeugen beibringen, herbeiholen’ (vgl. WMU 2,1121; DRW 8,1208 mit weiteren Belegen) 2 eine Gruppe (Heer, Volk, Anhänger) ‘anführen’
3
‘etw. in eine Richtung lenken, leiten, (aus-)richten’ (von etw., das sich
bewegt oder dem eine Eigendynamik innewohnt oder zugesprochen wird) 3.1 von Fließendem oder als fließend Gedachtem 3.2 vom Ast (sowohl vom Menschen gelenkt, wie vom Baum selbst) 3.3 vom Schiff 3.4 übertr. 4
‘jmdn./etw. mit sich führen, tragen’
4.1 allg. 4.2 von der Heeresfahne 4.3 vom Schwert 5
‘sich begeben, sich wenden’ mit Refl.-Pron. 6 technisch ‘etw. (ein Bauteil) in einer best. Richtung einbauen, in eine best.
Position bringen’
1
‘jmdn./ ein Tier (begleitend) führen’ (übertr. auch ‘etw.
führen’)
1.1
allg.:
man nimit eine magit unte leittet sie indie stat. da der
einhurn emzige wisit JPhys
3,6;
mit iuwer âmîen, die / ir dâ leitet bî der hant?
Wig
2787;
[das Pferd Buzival] wart fur den chunich Philippus
geleit VAlex
257;
ir ietwieder leyt eynen wint
[Windhund] an einer silberen ketten
Lanc
50,31;
der küneginne marschalc / muose in durch si
leiten [schützend durch die Menge lotsen] / ûffen
hof mit arbeiten Parz
183,21.
77,26;
Herb
17540;
PrOberalt
93,39;
Lanc
27,16.
58,15.
– in Anspielung auf Mt 15,14:
sît ir danne vinster unt trûbe, / sô läitet der blinde
den blinden in die grûbe Priesterl
132;
PrOberalt
128,31;
BdN
190,27.
217,32.
– in unterschiedlichen Kontexten von der Braut:
Laban [...] leite ime
[Jakob] dare Liên / di anderen tohter sine
VMos
25,18;
auch heim
~
‘nach Hause führen, heiraten’
der daz wip da heim leitet [
qui vero duxit
uxorem
]
PrMetten
201,31;
PrGeorg
33,28.
– übertr.:
hie zvhet ein ander rede in. / als ich dar an
geleitet bin, / also leite ich vch vort Herb
17135;
ich wil si dannen leiten / uon scalclihen arbeiten
VMos
36,7;
si [die Märtyrer] sulen
unsich laiten / uz tisen arbaiten / ze der himelisgen Jerusalem
HimmlJer
294;
leite uns in
bekorung [Versuchung] niht KLD:
Kzl
18: 0,15;
ich wil dich an diͤ warheit leiden
MarlbRh
108,4;
mîn unschuldeclîch
vergiht [Bekenntnis] / sol mir die sêle leiten
/ ûz disen arbeiten, / aldâ si ruowe vindet Wh
68,19;
Eckh
5: 31,3;
das wir di werlt iht minnen, diu ir minnære zu dem
tode laitet Konr
20,49;
AvaLJ
211,3;
Litan
991;
Mantel
168;
unde dar umbe so ist ein houbtilichü sünde niht
alleine ein beginne der andern, sunder ouch nach dem unde si rihtende ist
unde leitende zuo einer andern ThvASu
190,24;
die zvo [zwei] sache leitent
einen ieglichen svntar an den rehtin wech Spec
9,5
1.2
‘jmdm./etw. den Weg weisen’
Brun geleite sie, wann er die weg baß kunde dann ir kein
Lanc
207,27.
362,21;
sie leite ein vile listiger man Roth
161;
Gâwân in [den Landgrafen]
zühteclîchen bat / daz er sich arbeite / unt sîn
gezoc [Gefolge] im leite / ze Bêârosch
Parz
432,16;
fart dar uch got geleite! Lanc
369,11.
– von Gestirnen und deren Licht:
also der mersterne / den scefman leitet verre / uber
genen breiden se SüklV
127;
MarldA
250;
daz ez der sterne wære / von dem man sagt daz mære, /
der die drî künege leite Wh
369,19;
PrOberalt
33,13;
MarlbRh
38,34;
Hochz
794;
ouch leitet in des mânen schîn / über snê und über
gras, / dâ er vor hin gegangen was, / unz an der kemenâten tür
Tr
13566.
– von Wegen, konkret und übertr.:
diß straßen solt ir volgen
[...] sie leitet uch recht in Galahotes lant!
Lanc
336,34;
die stîge sint mir abe getreten, / die mich dâ leiten
hin an dich MF:Reinm
31: 4,8;
wan div strazze ist uil wît, div zoͮ der helle leitet
Spec
125,24;
PrOberalt
4,4
1.3
‘sicheres Geleit geben’ (vgl. DRW 8,1207; oft nicht klar von 1.1 zu unterscheiden):
welhes herren luͥte under einen anderen herren ziehen woͤllent und einer
under dem herren burger wirt, den sol der herre, von dem er zuͥhet, sin libe und
sin guͦt leiten, ist daz er sin bedarff, als verre sin gebiet gat
UrkBasel
4:89,22
(a. 1331 kopial);
ich wil iuch selbe leiten und heizen wol bewarn, / daz iu
ûf der strâze niemen müge geschaden NibB
1708,2;
Lanc
362,23.
– im Bild:
swaz nû der armen geiste vert, / die sint der chrefte
gar behert / [...] / dir enmac niht schaden von in
geschehen. / ich enpfilhe dîne sêle / der engel fürsten Michahêle, / der
geleitet si mit den engelscharn, / sô muoz si mit gemache varn
KvHeimHinv
533.
– im Segenswunsch zum Abschied:
‘got geleyt uch’, sprach der konig
Lanc
138,15.
218,8.
449,25;
got sal vns geleyden ind wesen by [La. got sall vns
voiren ind geleyden
]
HagenChr (G)
1825
1.4
jmdn. zur Hinrichtung führen:
der kuninc
[
Nabuchodonosor
] hiz
[...] / du dru kint zi demo ovini leiddin
ÄJud
44;
dô hiez der keiser rîche / ein grôze fiur bereiten / und
hiez sie dar leiten, / daz man sie beidiu brande Eracl
4320;
do leitte sie [Polyxena (Akk.)]
Pyrrus hin Herb
16448.
16453.
16464.
1.5
‘Zeugen beibringen, herbeiholen’ (vgl. WMU 2,1121; DRW 8,1208 mit
weiteren Belegen):
si hant ouh gezuge geleitet, die inen von sipschaft gebunden sint
UrkCorp (WMU)
N370,20.
1100AB,3,47.
N238AB,12,29;
er sol für sînen rihter varn oder für sînen herren, unde
sol die geziuge leiten und ander die dâ bî gewesen sîn SpdtL
98,20.
130,8
2
eine Gruppe (Heer, Volk, Anhänger) ‘anführen’
daz gute israhelske here / geuarn was ez durh daz rote mere /
mit grozlicheme uolche / alsez got wolte / zvelef schare breite / Moyses di leite
VMos
76,13;
die fuͦrsten macht du leiten / al nach dinem willen
Rol
2216;
Josue der unsers herren luͤte laitt PrOberalt
74,16;
VAlex
1086;
Athis
A* 143;
VAlex
570
3
‘etw. in eine Richtung lenken, leiten, (aus-)richten’ (von etw., das sich
bewegt oder dem eine Eigendynamik innewohnt oder zugesprochen wird)
3.1
von Fließendem oder als fließend Gedachtem:
– von Wasser:
dc wir den rvns des Oͤtenbaches [...] leiten,
wisen vnde twingen mv́gen, swa wir wellen UrkCorp (WMU)
273,3.
825,3;
vil tief ein grabe drumbe gie, / dâ durch ein lûter
wazzer vlôz; / daz was ze guoter mâze grôz, / geleit durch ein gebirge dar
Wig
10736;
daz wazzer, daz man in kupfer laitet, ist gar pœs und
schad BdN
104,2.
480,11;
ein mensche hæte gerne geleitet einen brunnen in
sînen garten Eckh
5: 307,7;
Pass I/II (HSW)
3233.
– von Feuer:
fiwer viel genôte ûf si in den sal; / dô leitten siz
mit schilden von in hin zetal NibB
2118,2.
– im Bild:
möhte ich daz [woran man ein gutes Vorbild
nehmen kann] gebreiten, / sînen ursprunc geleiten / mit
rinnelînen durch diu lant KvHeimHinv
38
3.2
vom Ast (sowohl vom Menschen gelenkt, wie vom Baum selbst):
man leit [legte] ein teppech
ûfez gras, / da vermûret und geleitet was / durch den schaten ein linde
Parz
185,28;
wand im der sunne gebrast / durch manigen boum, der sinen ast / darumme
hete erbreitet, / als er im was geleitet Pass I/II (HSW)
3220;
einen guldinen boum sie ersahen. /
[...] er was obenne vil breit: / sine zelgen
[Äste] waren geleit / vber al die strazzen
Herb
3752;
uon dir der ast blute, / der sih so witene hat gebreitet,
/ daz er sine zwige hat geleitet / uon der erden durh di himele
Litan
298
3.3
vom Schiff:
ich wil den kiel leiten / und vüeren mit mîn selbes hant
/ in daz sælige Îrlant Tr
8568;
Theophilus ein kvnic gemeit / hette zehene dar geleit /
schif, mit spisen wol gefolt Herb
3372;
in fuorte als eben dirre swan / daz nie kein marner ûf dem
mer / ein schif geleite sunder wer / sô wol als in der albez
[Schwan] tete KvWSchwanr
280
3.4
übertr.:
swer die fuͤmf sinne behuͤtet und si reht gelaitet
PrOberalt
69,1;
dû muost mit arbeiten allen dîn lîp leiten
Gen
479;
vart ir beidiu gote ergeben, / leitet liebe unde leben, /
als iu ze muote gestê Tr
16618;
wie lûterlîche minne / wir haben geleitet unze her ebd.
18273;
sîn andâht mag ein ieclîch man / nâch sînem willen leiten
ebd.
17045.
–
ûf das ende/ den ort
‘bis ans Ende bringen’
wi unser herre hat sin leben / geleitet uf daz ende Pass I/II
(HSW)
10175;
wi ir der prister beite / und daz amt nicht enleite, / als er solde,
uffez ort [nicht zu Ende führte]
ebd.
12918
4
‘jmdn./etw. mit sich führen, tragen’
4.1
allg.:
der [Speere] wart dem küenen
manne / hundert dâ bereitet / und wol hin nâch geleitet / von sînes neven liuten
Parz
59,16
4.2
von der Heeresfahne:
si vlizzen sich der reise. dô si wolden dan, / den vanen
muose leiten Volkêr der küene man NibB
172,2;
den [hl. Stephan] sv́lt och ir
hǐte ze boten senden zvͦ dem heiligen Christo, wan er daz vmb in verdienet hat,
daz er sinen hêrvanen vnde sin hêrzeichen leiten sol vor allen mærteræren
Konr
2 W1,169
4.3
vom Schwert:
swer daz swert laite, / er chôme ze helfe der
christenhaite Kchr
8412;
si wuohsen agelaize [schnell] ,
/ unz si daz swert mahten laiten ebd.
11380.
– phras., ‘zum Ritter ernannt werden’ (vgl.
swërtleite
):
dîn sun, der ist ein koufman / und ouch ein harte stolzer kneht. / der
sol dienstmannes reht / enphâhen unde leiten swert / in ritterschefte werden
wert RvEGer
3369
5
‘sich begeben, sich wenden’ mit Refl.-Pron.:
so sul ouch wir mit reinekeit / uns in ir [der
Engel] dienst leiten Pass I/II (HSW)
37003.
– unpersönl.:
daz sichz aller beste / zu tugenden solde leiten Pass I/II
(HSW)
32701
6
technisch ‘etw. (ein Bauteil) in einer best. Richtung einbauen, in eine best.
Position bringen’
daz tougenlîche heftelîn, / daz von ûzen hin în / zer vallen
was geleitet hin, / daz was ein spinele von zin Tr
17033.
16989
MWB 3,3 1039,50; Bearbeiterin: Baumgarte
leiter, leitere
stswF.
zu ahd. (h)leitar, (h)leit(a)ra (AWB 5,777f.);
auch
laiteri GlAnzfKdVz
7:592,317
(zu ahd. (as.?) hlêderî stF. ‘Leiter’ ?, vgl. AWB 5,713).
1
‘Leiter’
2 aus den clavi (zwei senkrechten (Purpur-)streifen von den
Schultern bis zum Saum) und zwei Querstreifen gebildete leiterartige Verzierung an
der Dalmatik, einem liturg. Gewand des Diakons (vgl. LThK 2,1218 s.v.
clavi und 1380 s.v. Dalmatik )
1
‘Leiter’
scala: leitera SummHeinr
1:366,327.
2:89,35;
scale: lêiteren ebd.
2:461,114;
nemt einer kurzen leitern war, / diu hât drî sprüzzel und ouch zwên /
leiterboume, die müezen stên / gar vaste, si beginnent anders wenken / und irn
stîger abe swenken Renner
20368;
do sach hey zo, / wa dat de zwene dümmen / bey einre leydder neder klummen
KarlGalie
8045;
die leitern man hin uf zoch: / wann er [Jesus am
Kreuz] waz von der erden hoch / daz in nieman kunde gelangen
HvNstGZ
3313;
swer mit wizen den diuben ze der diupheit helfe oder rât tuot mit leiteren
SchwSp (W)
188,5;
zu sineme ambahte höret ouch, daz er die urteilten zu dem galgen uz sol füren,
[...] die leittere an legen
[...]
StRStrassb
53,19;
Neidh (HW)
228,60;
Ottok
21563
u.ö.;
Lanc
584,30;
EvBerl
477.
487.
– im Bergbau:
waz da geschit in den gruben unde an den leitteren unde an der hengebanc,
daz sal der bercmeister richten StRFreiberg
226,33;
Erz III
56,325.
– in der Kriegsführung:
daz man die vînt sach tragen / leiter ân mâzen lanc; /
an die burc man si swanc, / und stigen williclîch dar in EnikWchr
19735;
Ottok
31005.
10916.
51715;
Kreuzf
2924.
– in der Vorstellung einer Himmelsleiter (vgl. LCI
2,283f.):
do sach er eine leiteren von der erde in den himil gen / unde sach oͮf und
nider stiegen engil die wihen / unde sach got vil reinen obene sich dar an
leinen [Gn 28,12]
GenM
54,2.
53,10;
ein leiter gienc von himel her nider / uf erden Frl
2:20,10;
Renner
20408;
Gen
1240;
VMos
24,21;
Albert
163;
Wernh
241;
EnikWchr
4853
u.ö.;
KvHelmsd
2920;
Eckh
2:188,4.
– im Bild:
min vil lieber got dichte selbe diz gebet vnde lerte vns
[...] dabit vfstigin zv den himelissen frovden alse
bit einer leiteren Vateruns (K)
73,14;
so wirt uns vff zustigene mit guden werken die leitere vff gericht
BrEb
7;
PrGeorg (Sch)
21,71.
21,73;
Parad
117,12;
criuze, ob ich sprechen tar, du bist die leiter, / himel, erde rurte dich
Frl
2:20,13.
– als Sinnbild Marias (vgl. Salzer, Sinnbilder, S. 88 und
mit weiteren mhd. Belegen S. 536):
Gotes muter, unser vrowe sente Marie, di ist ein leitere des paradisez,
ein porte des himelriches und ein wec des ewigen lebenes HlReg
1,8;
WvRh
15720;
MarGr 18
242.
– Strickleiter (hier aus Leder):
ganc sam mir vürbaz in den berc. / dâ lît ein leiter swære, /
[...] / diu gât nider in den berc / und ist von
leder veste. / sî worhten listigiu getwerc ÄSigen
37,3.
– vereinzelt ‘Treppe’
so sol man man die pfant offenlich vail haben durch einen schergen jn dem
palast vnd an der laiter des palasts vnd an den gewonlichen steten
StatTrient
188
2
aus den clavi (zwei senkrechten (Purpur-)streifen von den
Schultern bis zum Saum) und zwei Querstreifen gebildete leiterartige Verzierung an
der Dalmatik, einem liturg. Gewand des Diakons (vgl. LThK 2,1218 s.v.
clavi und 1380 s.v. Dalmatik):
die leitern, die an der dalmatica sint, die betútent, daz
die guͦten lúte degelich uf stigent von einer tugent in die ander
Lucid
93,7
MWB 3,3 1042,40; Bearbeiterin: Baumgarte
leiterboum
stM.
Seitenteil der Leiter, ‘Leiterbaum, -holm’; überw. in Bildern für den
geistl. Aufstieg:
[Die geradewegs ins Himmelreich kommen wollen:] nemt
einer kurzen leitern war, / diu hât drî sprüzzel und ouch zwên / leiterboume, die
müezen stên / gar vaste, si beginnent anders wenken / und irn stîger abe swenken
Renner
20368.
20384;
die zwen leitern bevme sint vnse lib vnde vnse sele den vnse herre mangerhande
sproszen der otmudkeide vnde der zucht off zustigene ane gesatzt hat
BrEb
7;
BrEng
7
(latera enim eius scalae dicimus nostrum esse corpus et
animam);
Vateruns (K)
73,14;
KvHelmsd
2930.
– als Teil des Seitenteils eines Leiterwagens (vgl.
leiteren
):
dô hupft si [die Kröte] ûf den
leiterboum [des Leiterwagens, in dem sie sich
befindet]
EnikWchr
23289;
cidula: leiterbon, leiterboͮn [mit La. (15. Jh.): cidule
sunt duo ligna trabalia in curru, que ad modum scale per baculos sunt
conpacta
]
VocOpt
27.036
(s.a. Diefenbach, Glossarium Latino-Germanicum, 1857, S. 518 s.v.
scidula).
– als Bestandteil eines Personennamens:
Herman Leitterbom UrkCorp (WMU)
N651,3
MWB 3,3 1043,40; Bearbeiterin: Baumgarte
leiteren
swV.
hier Part.-Adj.
‘mit Leitern (als Seitenwände) versehen’, in der Wendung geleitereter
wagen
‘Leiterwagen’
so sol der selbe Leister oder sin wirtin Mar[gerita] nemen einen geletteroten
wagen UrkCorp (WMU)
2749,6;
WeistGr
1,256
(wohl 15. Jh.?)
MWB 3,3 1043,63; Bearbeiterin: Baumgarte
leiteseil
stN.
→
leitseil
MWB 3,3 1044,5;
leitesman
stM.
auch leit(e)-, leits-; vgl.
geleitesman.
1 jmd., der eine Gruppe o.ä. leitet, ‘Anführer’ (vgl.
leitære
2 ) 2 jmd., der jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. zu einem Ziel führt,
‘Führer’ (vgl.
leitære
1 ,
leite
swM.,
leitel
,
leitsage
1
jmd., der eine Gruppe o.ä. leitet, ‘Anführer’ (vgl.
leitære
2):
di schrift mus irvullit werden, di der heilige geist vorsprach durch Davidis
munt van Juda, der ire leitsman [
dux eorum
]
was Apostelgesch
1,16;
si wonten da binam / virzig tage, e zu en quam / Moises, ir leiteman
HistAE
1359;
unde du Bethleem judisch lant, du bist nicht dy mynste undir
den fursten der judischen lande, wen uz dir sal gen der
leiteman [
dux Mt 2,6] der myn
ysrahelische volk sal berichten EvBerl
8,22.
– jmd., der ein Heer oder Teile davon befehligt,
‘Heerführer’
als er
[
Scomande
] den [christl.
Glauben] ê hirmete, / sus er in nû beschirmete / und was den
cristenin getân / ein vil getrûwe
leitisman [
dux
] / widir dî gotis vîande
NvJer
18501
2
jmd., der jmdm. oder einer Gruppe den Weg weist, jmdn. zu einem Ziel führt,
‘Führer’ (vgl.
leitære
1,
leite
swM.,
leitel
,
leitsage
):
rechte alsô lûte di in eime vremden lande sint und verlisen iren leites man,
sô sint si betrubit HvFritzlHl
51,8;
darûf ouch der meistir dô / in gab einin
leitisman [
ductor
] , / der sî
[die aus der Burg vertriebenen Menschen] vûrin solde
dan / hin kegn Samelande NvJer
17850.
17863.
4375.
– von Gott und Christus:
hie [...] hebit sich daz andre
[Buch] an; / Got vurbaz si min leitesman!
Macc
7016;
nu wise min leitere, / Ihesu, getruwer leitesman, / wand
ichz [das Buch] durch dich wil grifen an!
Vät
239.
114;
Ihesu getruwer leitesman, / swer dich zu geleite hat / stete an aller
siner tat, / dem wirt ein gut ende Hester
8.
– übertr.:
diz [der Deutsche Orden in
Jerusalem] ist der vil zarte / irwelte wîngarte / des hêrrin
von Sabbaôt, / den dû, Criste, sûzir got, / has gestiftit und irlesin / und bis
sîn leitsman [
dux itineris
] gewesin
NvJer
590
MWB 3,3 1044,6; Bearbeiterin: Baumgarte
leitestap
stM.
auch leit-, wmd. leide(n)- und -staf
(vgl.
Elis
4332;
Yolande
388
).
‘Stab als Kennzeichen einer Führungsposition oder einer Amtsgewalt’ (vgl.
stap
), i.d.R. metonymisch für das Amt, den Amtsträger, die
Führungs- und die Kennzeichnungsfunktion
1
‘Amtsstab’
2
‘Leitung, Führungsgewalt’
3
‘Anführer, Leiter’
1
‘Amtsstab’
durch unwert sant er im hin / einen schimphlîchen bal /
[...] / und eine krumbe ruote / guldîn harte guote /
geschaffen als ein leitestap RvEAlex
4173.
– als Kennzeichen dessen, der die Jagd anführt (vgl. Meier zu Schultz,
Höf. Leben, 24,453,8):
ich sage ûch wêrlîche, / or [ihr, der Jägerin]
leitestap was ein robîn, / daz kein rîcher muchte sîn Demantin
3193.
– in ironischer Brechung die Keule als Kennzeichen des Narren, als Stab
der Narrenwürde:
einen kolben swære als ein blî, / den nemet zuo eime leitestabe
HBirne
155.
– meist übertr. ‘Wahrzeichen, Sinnbild, Inbegriff’
swaz der man gesundet
[gesündigt] het, / dâfür der bischolf gap / den
himlischen leitstap [das Kreuz der Kreuzfahrer] , / ân
für unreht guot aleine Ottok
9641;
[Gott] im sô rîche sælde gap, / daz er der êren
leitestap / und der wirde banier treit KvWPart
20348;
sy was der êren leidenstaf / vor andern werden vrôiwen
Yolande
388;
manheit starcke ein leite stap, / zuͤchtig, kúsch und reine / wil werden
min here, her Dietherich VirgH
165,2;
wip, schöne ein guldin leitestab Frl
8:19,8;
GTroj
11826.
2376;
dô er [Jesus] ir wider gegap / aller ir fröuden
leitestap [ihren Sohn]
WvRh
7849.
10563
2
‘Leitung, Führungsgewalt’
disem Pêter Jêsus gap / des fürstentuomes leitestap / von dien jungern allen
[
cui dedit Jesus principatum V.
3752f.]
WvRh
7495
3
‘Anführer, Leiter’
er wart [...] / der vierden rotte
leitestap, / [...] / der schar begunde er schône phlegen /
und nam sich ir mit willen an KvWTroj
29923;
ein wunneclicher leidestab / unde ein furste gudes friden Elis
4332;
Ottok
8407;
– jmd., der den Tanz anführt (vgl. Harding, Dancing Terms, S.
135-137):
sú noment einen leit stap. / die herren gingen zuͦ rate. / ir frowen
dantzeten alle dar zú VirgH
1090,5.
– übertr. jmd./etw. Richtungsweisendes, ‘Führer, Wegweiser,
Vorbild’
dû bist mîn leitestap / gewesen ie von kindes jugent / ûf
alle werdeclîche tugent KvWTroj
6672;
orthaber der heren kristenheit, / [...] /
gruntveste kristenlicher e, / leitestap der eren von der schande
FvSonnenburg
51,4;
minne ist der tugende leitstab / daz nivwe gebot daz Crist gab / da er
liden wolt den tot Martina
271,39;
MarHimmelf
425;
Krone
139;
Seuse
375,3.
– für die gewandelte Hostie als Leib Christi (vgl.
leitestërne
2):
der schûler bat / den selbin prîster an der stat, / daz her im den gotis
lîchnam gap. / der ist ein rechter leitestap / uf des himelrîches wec
Klausner
1174
MWB 3,3 1044,42; Bearbeiterin: Baumgarte
leitestërne, -stërre
stswM.
auch leit-, wmd. leide-.
1
‘Polarstern, Nordstern’ , heller Fixstern, der den Norden
anzeigt und zum Navigieren benutzt wird (vgl.
leitinc
) 2 übertr. auf das, was Orientierung bietet bzw. bieten soll oder nach
dem man sein Leben ausrichtet (vgl.
leitestap
,
leitvane
), ‘Orientierungspunkt, Vorbild
u.ä.’
1
‘Polarstern, Nordstern’, heller Fixstern, der den Norden
anzeigt und zum Navigieren benutzt wird (vgl.
leitinc
):
von der [indischen Provinz Coman] czu varen obir
mer xxx myle, so hebit sich an [...] der leytstern nicht
eynis armis ho obir deme wassir MarcoPolo
66,12.
66,13.
19,8.
19,9;
der stein daz îsen ziuhet zuͦ sich, / [...] / sô wirt
diu nâlde [Nadel des Kompasses] des inein, / daz siu sich
dicke umme drêt / unde danne rehte bestêt / zuͦgegin dem leitesterne
Kröllwitz
1482
2
übertr. auf das, was Orientierung bietet bzw. bieten soll oder nach
dem man sein Leben ausrichtet (vgl.
leitestap
,
leitvane
), ‘Orientierungspunkt, Vorbild
u.ä.’
der stein [an der Reichskrone] ist aller fürsten
leitesterne Walth
19,4;
[man klagt um Landgraf Ludwig:] o wunneclicher herre, /
du suzer leidesterre / dins volkes Elis
4724;
der sælden leitesterne / der wîset in ûf êren rât KvWPart
172;
er uns si ein tugende vane / und ein getruwe leitestern Pass
III
111,13;
den leitesterne / sîner vröuden Tr
13656;
des herzen leitesterne ebd.
16477;
Krone
17011;
Pass I/II (HSW)
37479;
StrKD
3,I 586;
KvWSilv
42;
Frl
5:11,11.
– oft als Sinnbild für Maria (vgl. Salzer, Sinnbilder, S.
400):
durch waz si hize leitesterne / daz wil ich uch sagen vil
gerne. / wer sigelt uf dem wilden mere / und di storme werfen in hin und here /
[...] so sihet her den leitsterne an, /
[...] / sus wirt her des zwivels vri, / wer mit
sunden vorladen si, / der sehe den leitesterne ane / Marien und bite
[...] / her kumpt zu wege widir Brun
4915;
si ist ein wec der sicherheit / und ein gewis leitestern
MarLegPass
13,79;
WvRh
15919;
Kröllwitz
1493;
KvWGS
828;
Frl
1:12,11.
8:20,1;
Brun
321;
MarlbRh
16,30
u.ö.;
Pass I/II (HSW)
14353.
18046.
– für Christus:
swer nach deme leite sterne stet / mit getruwelicher
andacht, / dem wirt daz ewige liecht bracht HeslApk
4262.
– für die gewandelte Hostie (vgl.
leitestap
3):
di bischove aber namen / den fronen lichamen / drostliche unsers herren, /
der selen leidesterren / uz diseme enlende / mit andaht in ir hende
Elis
4662
MWB 3,3 1045,33; Bearbeiterin: Baumgarte |