k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamerbëlle swF. kamerbirse swF. kamere stswF. kamererstap stM. kamergewant stN. kamergrâve swM. kamerguot stN. kamerhof stM. kamerholz stN. kamerhort stM. kamerhuobe stF. kamerîe stF. kamerinne stF. kamerknëht stM. kamerlant stN. kamerlêhen stN. kamerlouge swF. kamerlöugelîn stN. kamermeier stM. kamermeister stM. kamerphenninc stM. kamerrûʒe stF. kamerschaz stM. kamerschrîbære stM. kamerselde F. kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kamerbëlle
swF.
spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a.
kamerbirse
,
kamerrûʒe
):
dô sprach diu kamerbelle: / ‘nû vârent al getelle! / mîn rât der wirt iu
nütze. / [...].’ HBirne
311
MWB 3,1 122,1; Bearbeiter: Diehl
kamerbirse
swF.
spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a.
kamerbëlle
,
kamerrûʒe
):
si wart noch grüener dan ein gras / und dar nâch als ein kirse. / dô sprach
diu kamerbirse: / ‘ frouwe, ich hân ez wol vernomen, / wir sint ze laster beide
komen. / [...].’ HBirne
455
MWB 3,1 122,6; Bearbeiter: Diehl
kamere
stswF.
‘Kammer’ (v.a. zu den rechtl. Aspekten vgl. DRW 6,784-797; 2HRG
2,1544-48)
1 in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums) 1.1 allg. 1.2 mit Hinweis auf verschiedene Funktionen 1.3 häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die
Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von
3.1 , vgl. auch ) 2 selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort) 3 in rechtl. Zusammenhängen 3.1 bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und
Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu
trennen von 1.3 ) 3.2 bezogen auf ein Gericht 4 bezogen auf den Himmel, das Paradies 5 bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.) 5.1 in seiner Gesamtheit 5.2 auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz 6 Einzelnes 6.1 übertr. 6.2 umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg
1
in einem Bauwerk (meist mit Bezug auf die Privatheit des Raums)
1.1
allg.:
ir findent mich in der schönsten kamern die in dißem sal
[Palasgebäude] ist Lanc
350,12;
alse vil wonungen und kammeren sint in eime huse, also
sint in dem menschen vil krefte und sinne unde wúrckunge Tauler
104,16;
erlpleter habent die art, wâ man si sträut in ain kamern,
dâ tœtent si die flœch BdN
315,8.
– übertr. (von der Seele als Braut):
so gat dú allerliebeste zuͦ dem allerschoͤnesten in
die verholnen kammeren der unsúnlichen gotheit Mechth
1: 44,78
1.2
mit Hinweis auf verschiedene Funktionen:
der künic ze der vürstîn urloup nam er volget dem Lutringaere, / der wîst
in in ein kamer wît, / diu mit rîchen tepchen schône was beleit, / dar inne
stuont ein bette kostebaere Loheng
858;
die maget wolgêtan / mit dem künige ist gegân / ze kamern und ze reste
ErnstD
2841;
in der kamern lac Hector, / vnz er wol gesunt wart
Herb
9375;
do was bi Priamis trone / ein kamere vil schone: /
[...] / Priamvs hiez in daz gaden / sine ratgeben
laden ebd.
7216;
vnde so si dv nvwin
[Kleider] impfant so svns dv altin zehant widir gebin
zir chamra [
in vestiario
]
BrEng
55;
darnach kamen sie in ein kamern, da stunden zwenczig
habich und valcken off eim rick. darnach kamen sie in ein ander kamern, da
stunden zwenczig der schonsten roß Lanc
428,13.
–
‘Abtritt, Toilette’
wir sollen och iewederhalp des baches vber den selben bach machen zwo
offene kameren mit vier sessen, zvͦ den maneglich moͤge gan von iewederre
strasse, vmbe sin gemach da ze habende UrkCorp (WMU)
N714,33,34;
von deme swîgene zu haldene in den heimelichen cameren [
in locis nature necessariis
‘Toiletten’
] . / in den stûlen unde in den cameren der privoisen [
ante sedes et in sedibus
‘Toiletten’
] sulen die brûdere zu allen cîten ir swigen vesteclîche halden
StatDtOrd
71,24;
itwanne dunket enem, wo he gerne to stole ginge vnde
et krimmet en sere in den lif; wan he vf dy kammeren kommet, so wyl nych von
eme OvBaierl
25,2.
– Lager und Verkaufsstätte eines Kaufmanns (vgl.
koufkamer
):
wer zu kamern stet, der sal zu cynse geben eyne halbe mark
UrkBresl
103
(a. 1324);
alle [...] sullen geben uz der kameren vumf
virdunge alle iar StRFreiberg
251,29.
– in der Wendung
~ unde këller:
da sie in der burg da waren und die kelre und die
kamern besuchten Lanc
478,33;
jch sol auch dem capitel ze Salzburch mit cheller vnd mit chamer vnd
mit allem gemach warten UrkCorp (WMU)
1436,31;
daz si [...] antwürten
[...] sullent [...]
vnser heilgen sant Felix vnd sant Regeln fünff mütt kernen in die kamer vnd
in den keler WeistGr
1,9
(a. 1338).
– hierher oder Kompositum ‘Zimmer im Untergeschoß’ (vgl.
Steinhoff, Lanc., S. 989):
ein ander bot kam und sagte das ers durch got dete
und durch synen willen und zu im keme, zu Bertelac in die nieder kamer, er
were so siech das er yczu sterben wönde Lanc
539,27.
– wohl Verschreibung:
die wile daz got in ertriche was. do erquickete er dri totin. einen in
der kartuͦrn PrLpz (L)
70,29
(vgl.
der in der kamirn ligt bezlozzin ebd.
71,1
)
1.3
häufig bezogen auf den Aufbewahrungsort für herrscherl. Einkünfte, die
Schatzkammer und das Vermögen selbst (nicht immer klar zu trennen von
3.1, vgl. auch ):
nu vore golt vnde schaz / des ein michil mancraft /
indiner kameren / is gelegit zo samene Roth
598;
Frúoté der küene der kamere er dô phlac, / dâ golt und gesteine und vil
dínges inne lac Kudr
280,1;
ist daz ein christe eim iuden ein wunden slecht,
[...] der selbt geit dem chunich oder herczogee
czwelf marck goldes in sein chamer StRBrünn
369;
PKchr
209,42;
Hawich
4518;
lât mich pflegen der kamere. belîben ûf der fluot / wil
ich bî den frouwen, behüeten ir gewant NibB
531,2;
silber, gesteine, pfellor vnd golt / vnd al der
kvͥneginne kamer, / ahzek soͮmer, die nam er, / die gar die kamer trvͦgen
TürlArabel
*A 255,3;
chumt ein wcherære dar, /
[...], / swaz si [Menschen,
Einwohner] habent, daz wirt sin. / er ist ir chamer und ir
schrin, / dar in ir gut allez muͦz StrKD
138,8.
–
Engellant ze ainer kamere [
‘Vorratskammer, Einnahmequelle’ oder ‘Gebiet eines
Staatsgebildes’ (vgl. 6.2)] /
eruacht ich dem chunc Karle / unt andriu uil manigiu riche
Rol
6855
2
selten als separate Konstruktion, Zelt (als privater Rückzugsort):
er schuof den rittern ir gemach, / und gienc da er sîne
kamern sach, / ein kleine gezelt von samît Parz
93,8.
800,16;
einen helfant zôch ein knappe kluoc / der des küniges kamer
truoc Wig
10688;
das werde helffant was perait, / der frauwen kamer dar auff
gelait HvNstAp
17910
3
in rechtl. Zusammenhängen
3.1
bezogen auf die in der Kammer stattfindende zentrale (Finanz- und
Abgaben-)Verwaltung eines weltl. oder geistl. Herrschers (nicht immer klar zu
trennen von 1.3):
alle di, di gehoren in ains bischof von Wirtzburg camer
unn hof WüP
104,9;
wan diu munzze in in sine [des
Bischofs] kamer hoeret StRAugsb
18,8;
die selben [Juden] gap der künic Tytus in des
rômischen küniges kamer ze eigen SchwSp (W)
214,15;
SchöffIglau
178;
er sulle im senden hin / die juden in Francrîch / und
die sullen eigenlich / in des rîches kamer gehôren Ottok
91327
(vgl.
kamerknëht
);
swer avch in vnser [des Hzgs. von Bayern]
chamer ist oder chvmt, wír meinen in di mvͤnz vnd an den wehsel [
in camera nostra, hoc est in loco monete vel concambij
(2273A,42)] , dem pannen vnd gebieten wir frid UrkCorp
(WMU)
2237B,18;
ist 1 lêhen, daz hoͤrt in der abtassinne chamer [
pertinet ad cameram abbatisse
]
UrbSonnenb
80
3.2
bezogen auf ein Gericht:
aber jst, daz vf der hofmarch vor dem rihter iht ze chrieg chumpt, daz an
des voites reht gêt, daz sol er [der Richter] an den
voit bringen, so der denne in sin hvͦs zv chamer chumt UrkCorp
(WMU)
1100AB,21,20;
er sal zu der schepphen cameren nicht gehen RbMagdeb
251,15.
252,54
4
bezogen auf den Himmel, das Paradies:
daz wir gerne unsen scaz / beginnen hine samenen / in di himelischen cameren
Glaub
2601;
kuͤnginne, gammer [Maria, gehen
wir] ! / wis mich zu der kammer / mit diner wishait sluͤzzel, / daz
mir gnaden schuͤzzel / dar inne gefuͤllet werde WhvÖst
14410
5
bezogen auf den menschl. Körper (z.T. bildl.)
5.1
in seiner Gesamtheit:
[die Heiligen, die] uz dem chamer disses broden libes
in diu himelischen wunne zv der genozzeschefte der heiligen engel fuͤr das
antluz des almehtigen gotes chomen sint Konr
19,5.
22,93
5.2
auf einzelne Körperteile wie Gebärmutter oder Herz:
vzer dez wibes leberen gant zuo vil enge aderen in die
kameren, da daz kint inne lit Lucid
62,16.
62,2
u.ö;
min lieber sun spilt harte fruͦ / in des leibes kamere
Wernh
A 2409
u.ö.;
daz hirne ist geteilt in drie cameren
Lucid
63,7;
kæme ich in ir herzen kamer, / ob si daz mit willen lieze,
/ dâ wont ich KLD:BvH
16: 4,7.
– übertr.:
niht an der an gebornen wât, / diu von des herzen
kamere gât, / die si dâ heizent edelen muot Tr
4994;
mins herzen grunt, mins sinnes kamer Frl
3:29,7
6
Einzelnes
6.1
übertr.:
unschuldic ist der zungen hamer. / ez [
daz getiht
] muoz kumen von des herzen künste kamer Loheng
7645;
wez sleht diner bosen zungen hamer / muntz falsch in
truwen kamer? Minneb
4006;
nv hvͦp sich manger hande spil, / der ich nv niht sagen
wil. / floytirn tambvren vnd tschalmin, / in dem kle muos ir kamer
[Aufenthalt] sin TürlArabel
F 497
6.2
umschlossenes Areal, hier in einem Weinberg:
das [sie]
[...] verkoufet han ir wingarten
[...] eine halbe juchert rebon
[...], siben kamer rebon UrkZürich
7,142
(a. 1300);
15 kamern reben und 1 steg SchweizId
3,250
(ZUrk; a. 1335)
MWB 3,1 122,12; Bearbeiter: Diehl
kamererstap
stM.
unklar, ob Syntagma oder Kompositum.
Stab der Kammerdiener (v.a. um im Gedränge Raum zu schaffen):
nû het ouch diu keiserîn der gaehe sich niht versûmet: / sie und diu rein
Elîzabeth / sich ein teil vür die pfafheit gemachet het, / vil kameraer steb [
kamerstebe Konj., vgl. Rückert,Loheng. z.St.] in durch
gedrenge rûmet Loheng
3020
(vgl.
swie doch die kamerære stebe heten JTit
1842,2
und
kamerære
2)
MWB 3,1 124,41; Bearbeiter: Diehl
kamergewant
stN.
bei besonderen Gelegenheiten getragenes Gewand (das auf Reisen mitgeführt
wird):
manec soumær muose tragn / kappeln unde kamergewant. / manec
soum mit harnasche erkant / giengen ouch dar unden Parz
669,5.
353,8;
ir kamergwant truoc man în / und entladete den helfant
Wig
11460;
Eilh (L)
6424.
6417
MWB 3,1 124,50; Bearbeiter: Diehl
kamergrâve
swM.
leitender Kämmereibediensteter der Finanzverwaltung in habsburgischen Ländern
(vgl. DRW 6,895f.), ‘Kammergraf’
jch, Pittrolf von Tuln vnd purger ze Wienne vnd zden zeiten chamergraf, tun
chunt UrkCorp (WMU)
3148,2.
1818,35
MWB 3,1 124,57; Bearbeiter: Diehl
kamerguot
stN.
von der →
kamere
verwaltetes bewegliches und unbewegliches Gut eines Landesherrn bzw. dessen
Erträge (vgl. 2HRG 2,1560f.), ‘Kammergut’
wer hintz kamer gelten sol, und des laugent, wann man es an in vodert, das
pringt ain ieder hausgenoss wol mit seinem schreiber. gicht aber der antwurter, er
hab des kamerguet gewert, und das der hausgenoss des laugnet, das pringt der
antwurter wol mit zwain ietzlichen pider erber mannen, als recht ist
StRWien
36.
37
MWB 3,1 124,62; Bearbeiter: Diehl
kamerhof
stM.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörender Hof:
darnâch fuorten si in [den gewählten jungen
König] / in den kamerhof hin. / in der selben klûse / wont der
kunic mit hûse Ottok
80255
MWB 3,1 125,8; Bearbeiter: Diehl
kamerholz
stN.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörender Wald (hier als Flurname, vgl.
kamervorst
):
aput silvam dictam kamerholz prope Bliswilr UrkSlgAlmende
416
(a. 1284);
daz der stift von Selse suͦnderliche hat drie welde, ligende in demme
vorgenanten eigen, daz ist daz Rôtris, der Mülnhart unt daz Kamerholz
WeistGr
1,761
(a. 1310)
MWB 3,1 125,13; Bearbeiter: Diehl
kamerhort
stM.
‘Schatz’, der in der →
kamere
aufbewahrt wird (hier übertr.):
dîner werke pflac Stæte / und aller dîner ræte / gedanke unde worte / und
dîner kamerhorte Mai
177,30;
minne ist ein daz beste wort, / minne ist ein übergulde, ob allen tugenden
kamerhort, / minne ist ein sloz der sinne, dâ mite man guotiu werc besliezen sol
RvZw
32,2
MWB 3,1 125,21; Bearbeiter: Diehl
kamerhuobe
stF.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörende Hufe:
in Smidhaim chamerhvb et donacio eiusdem UrbNAlteich
18;
curia in Dvrrenperge, que est una chamerhvb ebd.
397a
u.ö.
MWB 3,1 125,28; Bearbeiter: Diehl
kamerîe
stF.
md. auch kemerîe.
‘Kammerdienerin, -frau’ (zur Bildung vgl. Suolahti 1,116; s.a.
kamerærinne
):
Kunegunt die frîe, / die ist ir kamerîe, / ir ingesinde tegelîs; / sie hat
ouch sunderlîchen prîs EbvErf
3164.
1285;
die edele furstinne bat iren hern zu einem male unde sprach ‘gnediger herre,
ich bete uwer gnade daz ir mir und minen kemerien erloubit daz iz bestalt werde, waz
geroubit adir armen luten wider got abe gebrochen si’ Köditz
28,28
MWB 3,1 125,33; Bearbeiter: Diehl
kamerinne
stF.
→
kamerærinne
MWB 3,1 125,43;
kamerknëht
stM.
1 niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’
2 zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum
Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2 HRG 2,1562f.; weitere Belege DRW 6,923-25)
1
niederer Hofbedienter, ‘Kammerknecht’
dô si geriten hêten wol nâch ritters rehte, / dô wurden vil unmüezic ûf des
küniges hóve vil manige kámerknehte Kudr
180,4
2
zur Beschreibung der Rechtsstellung von Juden unter kaiserl. Schutz (zum
Rechtsinstitut der ‘Kammerknechtschaft’ vgl. 2HRG 2,1562f.; weitere
Belege DRW 6,923-25):
wir Ludweich von gots genaden roͤmischer chuͤnich
[...] enbieten unsern lieben chamerchnechten den juden
ze Regenspurch unser huld MGHConst
5:598,7
(a. 1323);
sehzig marck silbers geltes, die er von uns und dem riche hat uf den juden ze
Spyer, unsern lieben chamerknechten UrkSpeyer
340,26
(a. 1331);
wanne die juden zuͦ Nuͤrenberg unser camerknecht itzunt sitzent in manigerley
vehe des gemainen volkes und auch die burger in der stat irs leibs und guͦts, die
weil die juden in der stat seint, nicht sicher seint MGHConst
9:463,4
(a. 1349);
(vgl.
daz er di juden (seiner chamer chnecht) vreien vnd beschirmen wil
UrkWürzb
39,218
(a. 1323 kopial)
und
kamere
3.1)
MWB 3,1 125,44; Bearbeiter: Diehl
kamerlant
stN.
der →
kamere
bzw. dem →
kamerguot
zugehörendes Landstück, Hofeinheit (weitere Belege DRW 6,930f.):
ez svͤln ouch des gotshouz amptleute den selben wein vnd andern wein, den di
maier von ir chamerlant dienent, alliv iar nemen nah zwaier frumer gemainer manne
rat UrkCorp (WMU)
3479,19
u.ö.;
[wir] vergehen [l. verjehen
] offenlichen unt tuon kunt [...], das wir
[der Propst des Klosters Polling]
[...] habent lassen [...] unser
chamerlant ze T. unt unsern zehenden ze P. DRW
6,931
(SchlernSchr. 112; a. 1312)
MWB 3,1 126,1; Bearbeiter: Diehl
kamerlêhen
stN.
‘Kammerlehen’, von einer →
kamere
ausgegebenes, zum →
kamerguot
gehörendes Lehen bzw. entspr. Geldsumme der Kammereinkünfte (vgl.
differenzierter mit weiteren Belegen DRW 6,932f.):
kamerlehen ist nit reht lehen. daz hat ende so der herre vnd der man wil.
kamerlehen ist daz. so ein herre sprichet ze sinem man. ich lihe dir ûs minr kamer
ein marke oder mer SchwSp
200a;
swoz ich im [dem Bischof von Passau] mohtt vfgeben,
daz han ich im geben vnd vfgeben [...] in sin hant
[...], an div chamerlehen, div han ich mir selbe
svnderlichen behalten mit sinem guten willen UrkCorp (WMU)
3418,1;
Vͦlreich von Ahe hat 1 acher, der ist 1 chamerlehen [
agrum ad cameram pertinentem
]
UrbSonnenb
113;
UrbBayÄ
1926,a.
– der dafür zu leistende Zins:
das Peter von Ranbach [...] sin kamer leͥn in dem
hove ze Obrendvnrten, ein malter habren gelz ierlichs, das von v̂ns, der herschaft
von Rapreswile, sin rect kamer leͥn was, verkoͮfet hat
[...] dem abte vnd dem gozhûs ze Rvͥti UrkCorp
(WMU)
3050,14;
so sol der hof gelten ze zinse 1200 kese [...] und
daruber 5 ß ze kamerlene UrbHabsb
1:300,6
MWB 3,1 126,12; Bearbeiter: Diehl
kamerlouge
swF.
‘Urin’ (zu
kamere
1.1):
mit den vrouwin si antrug / daz sie uf den meistir klug / guzzen kamirlouge /
uf houpt und uf sin ouge PfzdHech
336,30;
sie netzten ir [der personif. Seele in der
Hölle] in die augen / mit fuͦrin kammer laugen. / sie warn an der
martel snel HvNstVis
520
MWB 3,1 126,36; Bearbeiter: Diehl
kamerlöugelîn
stN.
Dimin. zu
kamerlouge
:
Antipes sîn wîb ob im was / und schute im ûf das houbet sîn / ein unreines
kamerlöugelîn, / das es im dur den buosen ran Ammenh
16782
MWB 3,1 126,43; Bearbeiter: Diehl
kamermeier
stM.
bäuerl. Inhaber einer →
kamerhuobe
:
V. chamermayer in F. solvit de chamerhub DRW
6,940
(MittSalzbLk. 74; 13. Jh. (?))
MWB 3,1 126,47; Bearbeiter: Diehl
kamermeister
stM.
‘Schatzmeister, Kammermeister’, Verwalter der Kämmereieinkünfte (vgl.
kamerære
1,
hovemeister
):
do hisch he sinen kamermeistir unde hiz unde gebot im nemelich daz her gelde
unde bezale solde waz da vorzert unde vortan were Köditz
51,11;
den kamermeister er ez [Helm, Schild und Schwert]
nemen hiez, / der moht ez kûm gedinsen vor der swaere Loheng
799;
zv disem kaͦvfe wrden gebeten vnde zv gezivgen genvͦmen her Otte von
Swarzburc, chorherre zv dem tvͦme, [...] her Albreht der
schriber, [...], her Vlrich, kamermeister UrkCorp
(WMU)
3130,12.
3131,39.
– bezogen auf die Erzämter der Kurfürsten:
wir Ludwig von gotis genadin margrafe zuͦ Brandenbuͦrg
[...] des heyligen romischen riches oberster
kamermeyster MGHConst
9:53,41
(a. 1349)
MWB 3,1 126,50; Bearbeiter: Diehl
kamerphenninc
stM.
Münzabgabe an eine →
kamere
:
de Mvͤndreiching chamerpfenning UrbBayS
4,439;
camerpenninge RegErzbKöln
4,72
(a. 1308)
MWB 3,1 127,3; Bearbeiter: Diehl
kamerrûʒe
stF.
spöttische Bezeichnung für eine Kammerdienerin, -frau (s.a.
kamerbëlle
,
kamerbirse
):
frouwe, er ist ungewaschen, / sprach ein kamerrûze, / lâzet in dâ ûze
HBirne
245
MWB 3,1 127,7; Bearbeiter: Diehl
kamerschaz
stM.
1 in der Kammer aufbewahrter Schatz (z.T. fließender Übergang zu
2 ) 2 an die Kammer zu entrichtende Abgabe
1
in der Kammer aufbewahrter Schatz (z.T. fließender Übergang zu
2):
des künges rîcher kamerschaz / wart gein Dâmas sâ gesant
RvEAlex
6816;
im [St. Laurentius] het sîn meister
[der Papst] sein chamerschatz bevolhen, daz er in
gæbe witwen und weisen durh got PrStPaul
127,16;
Roth
2894;
[es] was ouch niemen in der werlt, / erne muose daz
keiserlîch gezelt / mit chamerschatze êren, / den frône hort mêren
Wernh
3737;
daz dem soldan hie / sîns kamerschatzes abe gie / an silber
und an golde, / daz er unsanfte dolde: / wande zwei der besten lant, / diu im ze
zinse sint benant, / diu geltent sô vil niht, / als er flust hie giht
Ottok
53204
2
an die Kammer zu entrichtende Abgabe:
Christian der Chropf von chamerschatz git: an dem herbiste 40 pfunt vnd von
einer wisen 2 pfunt UrbTirol
71
MWB 3,1 127,11; Bearbeiter: Diehl
kamerschrîbære
stM.
Schreiber in der herrscherl. Kammer, Verwaltung:
Dietrich unser chamerschriber UrkWittelsb
2,53
(a. 1294);
an hern Paul, unsers herren des kuniges cammerschreiber
BgRIglau
342,15
MWB 3,1 127,28; Bearbeiter: Diehl
kamerselde
F.
einer →
kamere
unterstehender bäuerlicher Hof (vgl.
kamersidel
Subst.):
in suam curiam pertinent iv opera, que appellantur chamerseldi
UrkSüdtirol
3,2:4
(um 1250).
3,2:169
(um 1250)
MWB 3,1 127,33; Bearbeiter: Diehl |