kirchenerbe
stN.
‘ →
erbe
der Kirche, an die Kirche vererbtes Gut’
kirchen erb vnd gult mag ain pfaff noch nyeman vergeben noch verchauffen noch
enpfrömden an wissen ains pischoffs RechtssB
K40,3;
RechtssA
K40,3
MWB 3,1 270,34; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchengebot
stN.
Bekanntmachung weltlicher Verfügungsgeschäfte von der Kanzel vor oder nach der
Predigt, ‘Abkündigung’ (vgl. DRW 7,863 mit weiteren überw. späteren
Belegen):
hat [...] jemants vrsach oder willen, einiges erbe zu
verkaufen, [...] der soll [...]
seinen kaͤuffer [...] darin [...]
setzen vnd vestigen mit kirchengeboden DRW
7,863
(SaarbrückenLR.; a. 1321)
MWB 3,1 270,39; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchengülte
stF.
auch -gult.
‘der Kirche gehörende Einnahmen aus Abgabenleistungen’
kirchen erb vnd guͤlt, daz mag ein pfarrer noch niemant vergeben noch
verchauffen noch entfroͤmden an wizzen einez pischolfs RechtssA
K40,3;
kirchen erb und gult RechtssB
K40,3
MWB 3,1 270,47; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchenguot
stN.
→
kirchguot
MWB 3,1 270,53;
kirchenkriec
stM.
‘Rechtsstreit, den die Kirche mit Laien führt’
chirchen chrieg sol berichten ain bischolff
[Überschr.] . frevntleich perichtung zwischen pfaffen
vnd layen vmb chirchen gut, daz sol tuͦn ain bischoff RechtssB
F35,1.
RechtssA
F35,1
MWB 3,1 270,54; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchenmûre
stF.
hier kilchun-.
‘Mauer einer Kirche oder des Kirchhofs’
und mag er aber [...], nah dem alse daz selbe hus
iͤzo gerichtet ist, unz an der kilchun mure bû und gemach haben
UrkÜberl
426
(a. 1308)
MWB 3,1 270,60; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchenporte
swF.
‘Kirchentür’ (vgl.
kirchtor
,
kirchtür
):
ir wizzet wol, wie si hackent, swa der woldan [Kriegshaufe auf
Beutezug] kirchen porten howet / dem gelich die zwene
[Riesen] hie gebarten JTit
4744,2
MWB 3,1 271,1; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchenvaʒ
stN.
‘(sakrales) Gefäß in einer Kirche’
kelche und ampullin / und allirhande kirchinvaz / nâmen sî
durch iren haz, / ouch corporâlgewête / mit allim dem gerête, / daz gotis dînste was
gewît NvJer
1652
MWB 3,1 271,6; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchenverletzer
stM.
‘jmd., der eine Kirche schädigt’ (vgl.
kirchenbrëchære
,
kirchbrüchel
):
chirchen precher vnd verleczer die sind in dem pann RechtssB
K44,3
MWB 3,1 271,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchenvride
stM.
hier kilchvn-.
Sonderfrieden innerhalb der Kirche, ‘Kirchenasyl’ (vgl.
kirche
1.3; vgl. DRW 7,861 s.v. Kirch(en)friede(n)):
von kilchvn vride. alse ein mensche iht getvͦt. vnde flvͥhet ez in eine
kilchvn. [...] dez gewaltes sol sich nieman an nemen daz er
ez har vz ziehe. oder im iht leides tvͦ in der kilchvn SchwSp
144b
MWB 3,1 271,15; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgâbe
stF.
(vgl. DRW 7,862 s.v. Kirch(en)gabe).
1
‘Patronatsrecht’ (vgl.
kirchsaz
) 2
‘Abgabe an eine Kirche’
1
‘Patronatsrecht’ (vgl.
kirchsaz
):
[von einer Belehnung werden ausgenommen] duͦ kirgsazzunge
ind kirggave zu Bassenheim ind unse man RegErzbKöln
4,50
(a. 1307)
2
‘Abgabe an eine Kirche’
auch galt er ein dritteil des winzihendes widder Vincklin, der ist auch sin,
und ist die kirchgabe des bischofs, wand der bischof Baldewin galt die vorg.
zihenden WeistGr
6,764
(a. 1315)
MWB 3,1 271,22; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgân
stN.
‘das in die Kirche Gehen, Teilnahme am Gottesdienst’
mit disen guͦten werken, min vil lieben, mit kierchgen, mit gebet, mit
almuͦsen verdiene wir, daz wir nach disem zirgenchlichem libe besizzen den ewigen
lip, alser uns giheizen hat PrHoff
98,33
MWB 3,1 271,32; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchganc
stM.
auch kilch-, chirchkanch.
1
‘Kirchgang, Teilnahme am Gottesdienst’
2
‘der Weg zur Kirche’
3 in der Schweiz ‘Kirchengemeinde, Kirchhöre’ (vgl. SchweizId 2,348f.; DRW
7,961f. a. 1317 ohne Beleg und mit späteren Belegen; s.a.
kirchhœre
)
1
‘Kirchgang, Teilnahme am Gottesdienst’
sam schuln wir mit vastene, mit arbeiti unde mit kirchgengin
wartin der gotis urstende unde der erlosunge unserre armin sele Spec
39,23
u.ö.;
dc si sich reht denne werdent uͤbende an allen guͦten werchen. ez si mit
vastende. mit wachende. mit betende. mit almuͦsen. mit kirchgange. unde mit anderen
guͦten dingen PrSchw
2,40.
2,12;
PrBerth
1:61,37.
1:13,30;
PrWack
27,7;
Pass I/II (HSW)
23021;
Schlegel
1019;
Ottok
29229;
geschieht aver daz, daz der toten ampt oder dev pezzrvng der pfrvent wiert
verlazzen oder ver shavmpt [l. versaumt
] , so sol der probst [...] alz lang den
chirchkanch meiden vnt in dhain chirchen chommen, vntze daz daz ampt vnt die
pezzrvng werden gantzleichen getan UrkEnns
4,168
(a. 1292).
– Kirchgänge zu besonderen Anlässen: bei Eheschließung am Morgen nach dem
Beilager (vgl. weitere, spätere Belege DRW 7,961f.):
wer aber, daz si di praut dezselben morgens, als si dez nahtes beigelegen
ist, niht zu kyrchen fuͦrten, so sol fuͤrbas mit derselben preute niemant ze
kyrchen gen danne sweher, swiger, vater, muͦter, aydem, snuͤre und geswistereide
und sol auch zu demselben kyrchgange anders niemant da ezzen NüP
183;
nach Beendigung des sechswöchigen Kindbettes (vgl.
kintbette
):
ir [Marias] geburt, ir botschaft, / ir
kirchganc und ir leide not, / die sich ir bi dem kruze bot, / ir ende und ir
himelvart Pass III
690,19.
5,13;
Pass I/II (HSW)
18923.
2
‘der Weg zur Kirche’
vom perg zum schlos was der kirchgangk, / der wert wol dreyer stunde lanck
VirgD
124,1;
das dich deucht der kirichgankch / wie er weͣr ze lankch
HvBurg
4719
3
in der Schweiz ‘Kirchengemeinde, Kirchhöre’ (vgl. SchweizId 2,348f.; DRW
7,961f. a. 1317 ohne Beleg und mit späteren Belegen; s.a.
kirchhœre
)
MWB 3,1 271,38; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgaʒʒe
stF.
auch kilchen-.
Gasse zu oder bei einer Kirche, ‘Kirchengasse’
ein hofstat an der chirchgazze bi Sant Vͦlriche UrkCorp (WMU)
316,28;
da lit och ein ander hof in der kilchengassen UrbHabsb
1:456,5
MWB 3,1 272,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgenôʒe
swM.
hier kilch-.
Teilhaber an den Rechten und Pflichten einer Kirchengemeinde (vgl. DRW
7,963f.):
wenn ouch ein keller [hier Kellermeister, der die Einnahmen
verwaltet] mînen fröwen vnd kilchgenößen nit fuͦgklich were, so
muͦgent jne mîne fröwen verkêren [auswechseln] , wenne sy
wellent WeistAarg
12
(ca. 1322);
WeistGr
1,162
(14. und 15. Jh.?)
MWB 3,1 272,16; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgeræte
stN.
‘(sakrales) bewegliches Gut, Ausstattung einer Kirche’ (vgl.
kirchgerüste
):
ouch sach man sî
bemeilgin [beschmutzen] / in manchir unvlêtigin tât /
altirpallin [Altartuch] und ornât / und andir kirchgerête,
/ daz man gote hête / gesegint und gewîhit NvJer
14199
MWB 3,1 272,24; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgerihte
stN.
(Dorf-)Gericht, dessen Gerichtsort der Kirchenraum ist (vgl. WMU 2,1003f.; DRW
7,866-868):
wir nemen ovch ab chirichgeriht vnd elliv geriht, wan div man von altem reht
in den schrannen vnd ovf den dinchsteten rihten sol UrkCorp
475A,12.
1800B,19;
judicium villae in M., quod vulgariter dorfgericht sive chirchgericht
nuncupatur DRW
7,866
(Lang,RegBoica; a. 1269)
MWB 3,1 272,30; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgerüste
stN.
‘(sakrales) bewegliches Gut, Ausstattung einer Kirche’ (vgl.
kirchgeræte
), unklar, ob es sich dabei nur um Gewänder handelt (vgl.
kirchgewant
,
kirchgewæte
):
von Mastriehte wart in gesæit, / ez wære ze grozer chüste / von schatze unt
von chirchgerüste Serv
2300.
– von Kleidung:
eine gienk er in daz goteshovs, / die levte treib er dar oͮz.
/ sich selben gart er sâ / in zwelf tintinabula. / er zoch an sine bruste / daz edel
chirchgeruste Wernh
A 1642.
2365;
übertr. mit Bezug aus das Taufgewand:
nu suln wir sagen unserm schepfære, war daz chirchkeruste unsers lîbes und
unser sêle sî chomen PrStPaul
30,29
MWB 3,1 272,38; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgetrehte
stN.
Naturalabgabe (Brot, Fleisch, Eier) der Gemeindemitglieder an Kirche, Kloster,
Geistliche, wohl zum Fest der Kirchweihe (vgl. DRW 7,1008 s.v.
Kirchtracht; vgl.
kirchtrehte
):
centum et quator modios tritici villico asserente
[...] , et retentionem ablationum, que chirchgetraeht
vulgariter nuncupatur, que villico subtrahi consueverunt DRW
7,964
(Ried,CDRatisb.; a. 1270)
MWB 3,1 272,51; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgewant
stN.
auch kilch-.
der Kirche bzw. dem Gottesdienst zugehörige (sakrale) Gewänder und Stoffe (vgl.
kirchgewæte
,
kirchwât
,
mëssachel
,
mëssegewant
,
mëssegewæte
, zur Sache LThK 6,998ff. s.v. liturgische Gewänder und LexMa 5,1201ff. s.v.
Kleidung):
nu sage mir, waz daz kilch gewant betute. der meister sprach:
daz gewant, daz die bischofe pflegent in der alten e, daz waz allez geverwet nach
den vier elementen [...] aber daz gewant, dez wir nu
spúlgent in der nuwen e, daz bezeichenet vnsern herren Iesum Cristum vnde die
heilige cristenheit Lucid
86,7;
den alter [...] / den kelich und das
kirichgewant / und was man in der kirichen fand HvBurg
5641;
StRAugsb
169,18
MWB 3,1 272,59; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgewæte
stN.
der Kirche bzw. dem Gottesdienst zugehörige (sakrale) Gewänder und Stoffe (vgl.
kirchgewant
,
kirchwât
,
mëssachel
,
mëssegewant
,
mëssegewæte
, zur Sache LThK 6,998ff. s.v. liturgische Gewänder und LexMa 5,1201ff. s.v.
Kleidung):
ouch irslûg er in dem zil / prîstir unde munche vil; /
kelche, kirchgewête / und alle daz gerête, / daz gote was gewîet /
[...] / in lastir er vorspente [
inhumaniter polluit (S. 187)]
NvJer
25808
MWB 3,1 273,9; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchgrabe
stM.
‘Kirchgraben’
der akeram [Waldstück zur Schweinemast] ze Oteswant
in demme kirhgrabe ist sin vnze sancte Andres mes UrkCorp (WMU)
679,10
MWB 3,1 273,19; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchguot
stN.
auch kirchen-.
‘Eigentum der Kirche an Grundbesitz und (sakralen) Gegenständen’ (vgl. WMU
2,1004; DRW 7,872-874):
frevntleich perichtung zwischen pfaffen vnd layen vmb chirchen gut, daz sol
tuͦn ain bischoff RechtssB
F35,4;
RechtssA
F35,4;
I zweiteil nebet dem kirch gvͦte UrkCorp (WMU)
N90,34;
wir seczen vnd wollen, das kainer kawfman, kramer, leitgebe oder jüde noch
nymant anders kainerlay kirchen güt noch dink vorseczen sal oder czu halden nemen,
es sey danne mit guten geczewknusse StRIglau
245
MWB 3,1 273,23; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchhalde
swF.
hier kilch-.
‘Abhang an einer hochgelegenen Kirche’
ein manewerc an der kilchalden UrkCorp (WMU)
N157,4
MWB 3,1 273,35; Bearbeiterin: Baumgarte
kirchhërre
swM.
(vgl. WMU 2,1004; DRW 7,964-67 mit weiteren Belegen; vgl.
kirchsaz
)
1
‘Inhaber des Patronatsrechts’
2
‘Pfarrer’
1
‘Inhaber des Patronatsrechts’
wir [...] han gegeben [...]
den kirchsatz zu Rossewag mit allen den rehten vnde guͦten, die die kircherren von
R. biz her gehabet hant von des kirchsatzes wegen UrkHerrenalb
6,81
(a. 1324);
graff Heinrich von Beihingen vnd kirchherre zu Sachszenhein
[...] waz er rechts het an dem selben kirchsatz
UrkRech
4,449
(a. 1298)
2
‘Pfarrer’
daz si vnde ir erben solten die vorgenanten kirchen lyhen also bescheideliche,
daz sie entwurten zv kirchhherren vffe die pfharre eynen erbern man, der da priester
wurde vnde selber vffe der kirchen seze UrkWürzb
46,73
(a. 1323);
also wanne dw selbe kirche ledig wirt und niht kirchherren hat, swer danne des
vorgenanten spitales maister oder pfleger ist, der sol und mage dw selben kirchen
leihen einem erbern manne, der dann darzu wirdig, nuͤtz und guͦt ist, als wir selbe
oder unser erben tuͦn scholten, ob der kirchensatz dann unser wer
UrkEichst
2,261
(a. 1336)
MWB 3,1 273,38; Bearbeiterin: Baumgarte |