Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
      kiuwen stV. (IIa)
      kiv-
      kivelen swV.
      kivelwort stN.
      kiver stM.
      kiverære stM.
      kiveren swV.
      kizze stN.
      klâ stswF.
      klâbirboum stM.
      klac stM.
      kladertuoch stN.
      klaf stM.
      klaffære stM.
      klaffærinne stF.
      klaffe stF.
      klaffe swF.
      klaffëht Adj.
      klaffen swV.
      klaffestat stF.
      klaffic Adj.
      klaffunge stF.
      klaff|unnütze M.
      klâfter stswFMN.
      klâfterlanc Adj.
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kiuwen - klâfterlanc    


kiuwen stV. (IIa) md. auch kiugen, kûgen ( NvJer 11342; PrLeys 3,21 ). ‘(etw.) kauen’ sô nam er brôt an sîne hant / und smucte sich zuo einer want. / dâ saz er unde kou genuoc UvZLanz 3691; als wir lipliche spise essent, so kúwen wir zem ersten, und denne sinket si nider in den lichamen senfteklich Tauler 294,22. 294,4; nim venkel [Fenchel] und kiwe den BenRez 15; ain iegleich tier, daz sein ezzen slindet und niht kewt, daz ist mager, sam der wolf BdN 118,12; sô nement si [die Wiederkäuer] ez [das Essen] dann her wider und kewent ez dann anderwaid ebd. 13,30; wenn man ez keut ebd. 355,33 u.ö.; toste [Oregano] gekuͦwen unde in dem munde lange gehalden, vertribet den zanswer Macer 48,14; der col vrischz gechiwen [...], hilfet der heisen stimme ebd. 50,14. 97,2 u.ö.; Neidh WL 5:5,8; MorantGalie 5184. vinger ~ (nâch etw.) ‘ungeduldig (auf etw.) warten’ wir suln ein niuwez briuwen, / dar nâch sî die vinger kiuwen Neidh (HW) 13,36. – bildl.: hie zwischent sol si dv́ gottis wort kv́wen vnde in trvken mit deme gebette DvAStaff 135; sam daz hâr diu milwe / kan tougenlichen wol zerkiun, / sus kiuwet er sîn selbes nest, der üppeclîche trûret KvWLd 32,80; Mechth 4: 3,41; Tauler 294,31 u.ö.; Seuse 302,14; subst.: Tauler 294,23 u.ö.; Martina 60,71; MvHeilFr 42

MWB 3,1 295,15; Bearbeiter: Hansen

kiv-, kîv- kib–

MWB 3,1 295,42;

kivelen swV. kibelen

MWB 3,1 295,43;

kivelwort stN. kibelwort

MWB 3,1 295,44;

kiver stM. wohl ‘gebisstragender Kopfknochen, Kiefer’ (nur als Bestandteil von Personennamen; vgl. WMU 3,2584): Cvͦnrat der Kiver UrkCorp (WMU) 1964,28; Hainrich der Kiver ebd. 3534,29

MWB 3,1 295,45; Bearbeiter: Hansen

kiverære stM. kiberære

MWB 3,1 295,49;

kiveren swV. kibelen

MWB 3,1 295,50;

kizze stN. kitze

MWB 3,1 295,51;

klâ, klâwe stswF. auch klô (ahd. klâuua, klôa stswF. vgl. AWB 5,225f.). ‘Klaue, Kralle’ ungula, daz spricht clâ BdN 372,17. 157,9; ungula: cla Gl 3:354,4. 3:439,12 1 (Vorder-)Tatze, Pfote, Pranke bzw. Krallen der (Raub-)Tiere
1.1 allg.
1.2 von Fabelwesen (vgl. auch 2 und 4 )
1.3 bildl. und im Vergleich
2 Krallen(-Fuß) der (Raub-)Vögel und vogelartiger Fabelwesen
2.1 allg.
2.2 bildl. und im Vergleich
3 verhornte Zehe, Huf der Paarhufer
4 Pranke, Krallen des Teufels und seiner Schergen
5 übertr.
5.1 vom Tag
5.2 vom Verstand
   1 (Vorder-)Tatze, Pfote, Pranke bzw. Krallen der (Raub-)Tiere    1.1 allg.: der leu in mit der klô gevie, / und zart im allez sîn gewant EnikWchr 12404; Iw 6690; nim einen hasen alsô ganzen, daz dar abe niht verschertet sî, weder hâr noch chlô Barth 149,2; jn ist daz houbet gescaffen nach den hunden, den die clawen sint groz vnde crunb Lucid 23,5; lupus haizt ain wolf [...]. wenn er auf laub gêt, sô macht er sein klâen naz mit der zungen, daz er iht rausch BdN 147,13; cocodrillus haizt ain kutschdrill. [...] ez hât auch gar scharpf klâen ebd. 233,13; [die ungeborenen Panther] zerrent die muoter inwendig mit iren scharpfen klâen ebd. 157,7; diu salamander ist vierfüezig [...]. ir kräwel [Krallen] an den klâwen sint hakot und gar behend ebd. 277,8; sô diu fruht [das Bärenjunge] geporn ist, sô scheint niendert ain glid dar an ân die klâen ebd. 162,25; Anno 13,5    1.2 von Fabelwesen (vgl. auch 2 und 4): der wurm sich san vf hup, / durch den schilt er in sluc / mit siner starken clan Herb 1113; der dracke zoch den werden / mit den cloen zu der erden HvNstAp 8426; BdN 237,28; GTroj 11752; Lanc 572,1 u.ö.; vgl. menschenähnlich gedacht: scharf alse dorne / wâren sîn [des Fährmanns Charon] oucbrâwen / unde scharf sîn clâwen / an fûzen unde an handen En 3064    1.3 bildl. und im Vergleich: die nagele [der Gralsbotin Cundrîe] [...] stüenden als eins lewen klân Parz 314,9; er [Alexander] hete grimmigen mût, / alse der zornige bere tût, / sô in di hunde bestân: / swâz er ir mit den clâwen mach gevân, / dar ane richet er sînen zorn SAlex 2797; SM:Go 1a: 4,3; Seuse 40,23    2 Krallen(-Fuß) der (Raub-)Vögel und vogelartiger Fabelwesen    2.1 allg.: vier adelar [...], / der ieglicher was des geil, / daz er des lîchnams einen teil / in sîn klô vazte Ottok 21500; grifis haizt ain greife. [...] er hât grôz scharpf klâen oder kræuel BdN 190,6; arpia ist ain vogel [...]. er hât gar scharpf klâen ebd. 167,33; strucio haizt ain strauz [...]. si habent auch gezwiselt klâen an irn füezen ebd. 223,17 u.ö.; der habch nam in in die claw GTroj 2801. – als etw. Kleines, Geringes (vgl. auch 3): der ar der ob dem helm swebt, / der da was geworht als ob er lebt, / der was zerslagen zehant, / daz man nindert dhein klô vant EnikWchr 16390. – unklar (bezogen auf den Hornstachel, Sporn am Lauf bestimmter Vögel?): ain iegleich vogel, der an dem pain ain klâen hât [ omne uolatile habens in crure ungulam ] , sam der hân, der ist pœses fluges und krankes BdN 164,22    2.2 bildl. und im Vergleich: mich hat in starkem grymme / in sinen clowen ein mechtig ar Minneb 5073 u.ö.; wir sîn daz blœde rephuon, / daz ein sperwer mit sîner craft / in sîne clâwen hât behaft KvWTroj 22760; LvRegFr 2404; KvWLd 32,328; sie het ein nase vil lange. / [...]; / ir nagel als grifen clan Rennew 30863; Daniel 3760; Wig 6317    3 verhornte Zehe, Huf der Paarhufer: swas [...] it truckit [wiederkäut] mit geklobenir [gespaltener] kla, / das wart in [zur Nahrung] irloubit da RvEWchr 12866; nim geizine clan. ich meine daz hurnine daz an geiz vuzen ist SalArz 28,15; swinin clawen BvgSp 89. 8; Solînus spricht, daz die hinden [Hirschkühe] gepern kälbel, der hüetent si gar vleizicleichen und verpergent si in die stauden und maisternt si mit den klâen BdN 130,2; deu [...] clo des gekruͤmten ohsen KvMSph 47,14. – von Christus als Lamm Gottes: den man noch mâlet für daz lamp, / und ouchz kriuze in sîne klân, / den erbarme daz tâ wart getân Parz 105,23; daz agnus dei, / ein kriuz in sîner zeswen klâ Helbl 7,399; Kröllwitz 1709; JTit 420,3. – als etw. Kleines, Geringes (vgl. auch 2.1): dô sach ich, daz di siben [mageren Ochsen] zwâr / die veisten [fetten Ochsen] vrâzen alsô gar, / daz dâ niht beleip ein klô EnikWchr 5675; behaldinde ir vie vil gar, / daz nî abquam ein clawe NvJer 13589; Exod 2334; RvEWchr 10397    4 Pranke, Krallen des Teufels und seiner Schergen: ach herr, wie oft er [der Teufel] mich gevangen hât, daz mich diu aller tugentleichst [Maria] [...] all zeit hât erlœst auz seinen scharpfen klâen BdN 182,8; si vischeten mit iren fúrigen klawen, wan si oͮch geiste und túfel waren Mechth 5: 14,8. 7: 39,23; Erinn 948    5 übertr.    5.1 vom Tag: da in die wahter taten kunt / [...] daz der tag sine cla / hete geslagen durch die naht Rennew 25280; sîne klâwen / durch die wolken sint geslagen, / er stîget ûf mit grôzer kraft; / ich sich in grâwen / tegelîch, als er wil tagen: / den tac MF:Wolfr 2: 1,1    5.2 vom Verstand: waz zwei herze wisheit / begrifen mügen mit sinnes klan Frl 7:41G,10

MWB 3,1 295,52; Bearbeiter: Hansen

klâbirboum stM. ‘Birnbaum’ (hier als Ortsname): aber II ager zuͦ deme clobirboͮme UrkCorp (WMU) N150,35

MWB 3,1 297,19; Bearbeiter: Hansen

klac stM. ‘Bruch’ (vgl. krac ) 1 ‘Knall, Krach, krachendes Geräusch’
2 ‘Riss, Sprung’ , nur übertr. i.S.v. ‘Makel, Unvollkommenheit’
   1 ‘Knall, Krach, krachendes Geräusch’ pusûner gâben dôzes klac, / alsô der doner der ie pflac / vil angestlîcher vorhte Parz 379,11; wan si diu sper zerstâchen / sô vaste daz des bruches klac / lûte [tönte] alsam ein donnerslac / der spaltet daz geböume KvWEngelh 4815; dô wart ein brasten und ein clac, / als ob der wilde donreslac / dâ klübe tûsent boume enzwei KvWTroj 12241. 14704    2 ‘Riss, Sprung’, nur übertr. i.S.v. ‘Makel, Unvollkommenheit’ do enhat dú minne niender clak Neidh (HW) 71,21 (La.); dv himilschlicher lylien smak / der nie maze [d.i. mâse ‘Fleck, Makel’ ] noch clac / an megde muote verstuont Martina 79,44. sunder ~ ‘makellos, vollkommen’ ez sî dir offenlîch geseit, / daz niemen êre haben mac / noch herzen liebe sunder klac / gar âne kumber und âne nôt Winsb 43,5

MWB 3,1 297,22; Bearbeiter: Hansen

kladertuoch stN. kleidertuoch

MWB 3,1 297,39;

klaf stM. 1 ‘Knall, Krach’ (vgl. klapf )
2 ‘Geschwätz, Gerede’
   1 ‘Knall, Krach’ (vgl. klapf ): man hôrt ein halbe mîl den klaf JSigen 73,2    2 ‘Geschwätz, Gerede’ swem niht behagt der paragraf / und von dem Rine dirre klaf, / der sol das ze lone han: / er sol ez ungelesin lan RvEWchr 2391; ir snappes gelupter winkels claff [ ‘verleumderisches Winkelgeschwätz’ (vgl. Glr.z.St.)] / derr an eren irs hertzen saff! Minneb 1279; wibclaffen affit mannis lib, / die man sa wieder ie die wib / mit claffe in gewinnent PrHess 37,221

MWB 3,1 297,40; Bearbeiter: Hansen

klaffære, kleffære stM. md. auch clepp(h)ere (vgl. mnd. klapper, klepper Schiller/  Lübben 2,472). jmd. der viel (bes. Dummes, Falsches) daherredet, ‘Schwätzer’ er waz gar ein cleffere und brach den orden und sine swien [sein Schweigen (Pl.), Schweigegelübde] zu allen ziten HlReg 49,11; claffer, die uz irem muͤnde / manig rede lippen lappen [plappern] / und boses fur daz gut ye snappen Minneb 558 u.ö.; garrulus [...] ist ze latein als vil gesprochen als ain klaffer BdN 199,8. 44,20; ein claffer, dem ich es nit engund / das er nem ein urkünd / unnd yement da vonn seyt / unnd brecht lieb zu leyt MinneR 36 49; der cleffere [ vir linguosus ] BrHoh 7; MinneR 239 90; clepphere Elmend A 1053; Hiob 5858; MF:Reinm 66: 2,5. – jmd. der Geheimes ausplaudert: dehein man sol dem klaffære / sagen tougenlîchiu mære WälGa 559; swar du einen cleppere weist, / vor deme hel dine geswasheit allir meist Elmend A 875

MWB 3,1 297,50; Bearbeiter: Hansen

klaffærinne, kleffærinne stF. ‘Schwätzerin’ zu Engelanden waz ein riche wip gar bosez lebenez. si waz ein clefferin, ein vrez in, hoffertic und unkuschez libez HlReg 43,19; sweigt si, si ist ain stümminn, rett si, si ist ain klafferinn BdN 286,20; ein lacherin [Spötterin] vnd ein chlaferin PrBerthKl 5,19; Minneb 1238; HvBurg 5876

MWB 3,1 298,5; Bearbeiter: Hansen

klaffe stF. auch kleffe ( KvWPant 1834, Pl.?). 1 ‘(verleumderisches, falsches) Geschwätz’
2 ‘(höfische) Konversation, Plauderei’ (vgl. klaffen 2.3 )
   1 ‘(verleumderisches, falsches) Geschwätz’ von swem du mugest hœren / hinderrede mit klaffe, / ûz dînem hove schaffe / in flühteclîchen strîchen Reinfr 14347; ir wænet lîhte tœren mich, / ir sint ein lügenære. / [...] / mirst iuwer klaffe unmære KLD:UvW 11:2,6; alle, die ir [der schlechten Frau] sunderlich in der sach mit boͤser klaf hein gehulfen Seuse 128,19; sine claffe vnd sine trüge Martina 53,105. 176,67; geswîc der kleffe dîn, / [...], / dû redest uppeclîchiu dinc KvWPant 1834; HeslNic 3039    2 ‘(höfische) Konversation, Plauderei’ (vgl. klaffen 2.3): ez ist niht lanc daz ich mit einer minneclîchen frouwen / begunde hübscher klaffe vil, / die ich von herzen minne KLD:UvW 11:1,2

MWB 3,1 298,12; Bearbeiter: Hansen

klaffe swF. ‘Klapper’ (hier als Signal der Aussätzigen, sozial Ausgegrenzten): Tristan [...] slouf in bœse huderwât [Lumpen] , / [...] er wart vil ungeschaffen. / er nam eins siechen klaffen, / gein Tintajoêle er gie UvTürhTr 2238

MWB 3,1 298,28; Bearbeiter: Hansen

klaffëht Adj. ‘geschwätzig’ der man clafohte [ vir linguosus ] nit wir geriht ufh der erde BrZw 7

MWB 3,1 298,33; Bearbeiter: Hansen

klaffen swV. vereinzelt kleffen ( Erz III 145,138 ). 1 ein (klapperndes, klatschendes, klingendes u.ä.) Geräusch von sich geben
2 ‘sich (laut) äußern’
2.1 meist abwertend, ‘schwatzen, unbedacht daherreden, sich auslassen’
2.1.1 allg.
2.1.2 mit Akk. ‘etw. daherreden’
2.1.3 mit präp. Erg. ‘sich (unbedacht/ unqualifiziert) über etw./jmdn. äußern, (schlecht) von etw./jmdm. reden’
2.1.4 subst. ‘Gerede, (verleumderisches, falsches) Geschwätz’ (vgl. klaffe 1 )
2.2 neutral ‘(laut) reden, sprechen’ (offen zu 2.1 )
2.2.1 allg.
2.2.2 mit Akk. oder Obj.-Satz, ‘etw. sagen’
2.2.3 subst.
2.3 ‘(höfische) Konversation betreiben, parlieren, plaudern’ (offen zu 2.2 )
2.4 ‘jammern, wehklagen’
2.5 von (sprechenden) Vögeln, ‘krächzen’ (vgl. 1 )
   1 ein (klapperndes, klatschendes, klingendes u.ä.) Geräusch von sich geben: dar ane horte man chlaffen / guldeine schellen Serv 506; von hymel kam der groͤste schal / (vil lute klaft er úber al) WernhMl 13768; si hôrten hüeve [Hufe] klaffen NibB 1601,2; dâ von ist daz niht ungefüege, ob die böume vil geklaffent [rascheln] die vil löuber hânt PrBerth 1:159,32. 1:158,38; SM:Go 2: 6,3. 2a: 5,3; von Zähneklappern: da von die zene claffent Martina 275,107; biben, zane claffen Herb 13210; LBarl 3610. 10460; PrBerthKl 3,93. ane/ ûf etw. ~ ‘klatschend gegen/ auf etw. schlagen’ daz hundel quam geloufen sâ / [...], / sîn houbt ez schutte weckerlich, / sîn ôren claften im dar an HvFreibTr 4571; sô daz sie gênt krüeglînes ganc / gein der twerh und manic swank / in klaffent ûf die necche [vgl. Anm.z.St. in: ZfdA 72 (1935), S. 274f.] Helbl 2,1367. – bildl. und im Vergleich (vgl. 2): ich wil in harte selten prisen. / er klaffendez hufisen! / owe, er karrende tur! Jüngl 916; [ maniger ] claffet als ein hamerslag Frl 13:26,4    2 ‘sich (laut) äußern’    2.1 meist abwertend, ‘schwatzen, unbedacht daherreden, sich auslassen’    2.1.1 allg.: der chlaffende man, / der sprechens die mazze nicht erchan Warnung 2832; der wein [...] macht das ainer chlaffet HvBurg 254; der chlaffond man [ vir linguosus ] ist vnwert vffin dim ertiche BrEng 7; Tauler 234,8. 370,31; PrGeorg 8,12    2.1.2 mit Akk. ‘etw. daherreden’ ich enruche, waz du gechlaffest OrtnA (K) 157,4; swaz menschin sin geklaffet / das ist gar ein trovn Martina 120,78; Himmelr 3,22    2.1.3 mit präp. Erg. ‘sich (unbedacht/ unqualifiziert) über etw./jmdn. äußern, (schlecht) von etw./jmdm. reden’ die [...] / die boses von frawen claffen Minneb 1291; uf die sol niemand nicht unnützes claffen Frl 9:19,4; do von swig vnd klafe nit von gotte; wande mit dem, so dv̍ von im claffest, so lv̍gest dv̍ Eckh 3:442,4. 3:442,5; HlReg 15,6    2.1.4 subst. ‘Gerede, (verleumderisches, falsches) Geschwätz’ (vgl. klaffe 1): lât selchen spot, dêswâr ich ahte ûf iuwer claffen harte cleine! SM:UvS 5: 1,6; la sin din liegen, claffen! SHort 219; lugelichez klaffen Frl 5:8,11; du [...] solt, swaz ich gesprochen han, / nicht haben vur ein klaffen [leeres Gerede, Unsinn] StrKD 4,467; dîn süezez klaffen [Schmeichelei] ist ein truglîch mære Hadam (Sch) 451; BdN 199,24; Lanc 568,23; personif.: weder Brufen falsch noch Claffen, / die groben ungeschaffen, / mugen gewonen nymmer / gentzlich in dem gezymmer Minneb 3739; Hadam (Sch) 288. 389    2.2 neutral ‘(laut) reden, sprechen’ (offen zu 2.1)    2.2.1 allg.: got der hat noch zunge und munt noch nihtes niht, do er mit mug chlaffen Eckh (J) 42,25    2.2.2 mit Akk. oder Obj.-Satz, ‘etw. sagen’ David gote zu eren / wolde gotes dinest meren / und sazte, daz mus ich claffen, / virundzwenzig phaffen HistAE 2199; in sîner geschriben botschaft, / di sulche meinung dûtlich klaft JvFrst 9838; ouch si claften al da bie / daz di selen liden nicht / durch di keinerhande schicht TvKulm 5810; Tauler 370,21    2.2.3 subst.: sein [Gottes] chlaffen mit den engeln ist, daz er sich ein iglichen engel offenbart, alzo daz er dar zu geordnent ist Eckh (J) 42,26; MvHeilGr 1520; Tauler 121,36    2.3 ‘(höfische) Konversation betreiben, parlieren, plaudern’ (offen zu 2.2): so ist si wolgeschaffen; / da bi so kan si gemelliche klaffen Tannh 11,54. – subst. (vgl. klaffe 2): ir vil minneclicher lîp / huop gen mir sîn klaffen. / hœret wie diu tugende rîche sprach KLD:UvW 36:2,5; mit guͦtlich, guͦnstlich, lieplich claffen / leert sy [die minne ] truͦerens vyl versenken MinneR 496 116; SHort 4059    2.4 ‘jammern, wehklagen’ bitterlich si danne weinet / michil not si bescheinet / si murmilt vnde claffet Martina 131,87    2.5 von (sprechenden) Vögeln, ‘krächzen’ (vgl. 1): ein vogel si gelert hette sprechen, der begunde claffen mit minslicher stimen HlReg 43,24; garrulus haizt ain heher, und ist ze latein als vil gesprochen als ain klaffer [...]. er fleugt von ainem vogel hinz dem andern und klafft ümmer mêr und mag selten ain ander vogel für in gevliegen [...], den er niht anschrei BdN 199,11; wenne man den vogel alsô jungen væht und in zeuht in ainem vogelhaus, sô lernt er reden und klaffet durch den tag ebd. 199,16. 199,17; ReinFu K,238

MWB 3,1 298,35; Bearbeiter: Hansen

klaffestat stF. ‘Ort, an dem geschwätzt, gelästert wird’ der tuvel sprach ‘die stat ist min. / min ist dise klaffestat, / wand ich hie dicke werde sat, / swes ich an den brudern ger. / [...]’ Pass III 369,59

MWB 3,1 299,58; Bearbeiter: Hansen

klaffic Adj. kleffic

MWB 3,1 299,62;

klaffunge stF. ‘Klappern’ (von Zähnen): uueinleîches ahchizót alles unlustes zálsam gesturme. fórhtone bîba. zano kláffunga Himmel 58

MWB 3,1 299,63; Bearbeiter: Hansen

klaff|unnütze M. ‘Schlechtschwätzer’ (vgl. Glr.z.St.): daz ist bruͦder itelspot · vnd bruͦder clafunnuͤzze SelbhReg 438,58

MWB 3,1 300,1; Bearbeiter: Hansen

klâfter stswFMN. ‘Klafter’ 1 als Längenmaß allgemein die Spanne zwischen den ausgestreckten Armen eines Erwachsenen; im rechtl. Kontext meist als genormtes Maß von regional unterschiedlicher Länge (vgl. DRW 7,1026)
2 als Raummaß für Holz (oder zu 1 ? vgl. DRW 7,1027f. mit weiteren Belegen ab dem 15. Jh.)
   1 als Längenmaß allgemein die Spanne zwischen den ausgestreckten Armen eines Erwachsenen; im rechtl. Kontext meist als genormtes Maß von regional unterschiedlicher Länge (vgl. DRW 7,1026): eine siul [...], diu was sehzic klâfter hôch unde was sehs klâfter wît BuchdKg 66,13; drier claftern dicke / waz die mure HvNstGZ 1692; den [ turn ] sulnt ir mit klâftern mezzen, / wie hôch er sî und wie breit Flore (P) 4620; zwei horn. der iegelich ist einer clafteren lanc Lucid 26,10. 143,11; der weg [...] ging zwuschen zweyn leyen [Felsen] hien, [...] wol einer claffter breit die ein von der andern Lanc 620,30; ander halbe eins klâfters lanc Wig 1998 u.ö.; si autem consenserint ad mensuram unius clafter transsibit StRIglau 323; StRZürich (B) 199,29; UrkCorp (WMU) 1591,41. 728,6; Renner 18739; En 1155. 1161    2 als Raummaß für Holz (oder zu 1? vgl. DRW 7,1027f. mit weiteren Belegen ab dem 15. Jh.): von iedem chlafter holtzes, daz man heruber treit [...], da sol man von geben i zehener DRW 7,1027f. (Koller, Kanzleiregister; a. 1328)

MWB 3,1 300,4; Bearbeiter: Hansen

klâfterlanc Adj. auch clofter-. ‘(ungefähr oder mehr als) einen Klafter lang, sehr lang’ etelichen weis ich under in, / die tragent clofter langen bart VirgH 621,13; die kômen her [...] / mit irn klâfterlangen swerten Ottok 77493

MWB 3,1 300,26; Bearbeiter: Hansen