k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kleine
stF.
auch sw. (
BdN
31,9
) und N. (
KLD:UvW
2:5,3;
Helbl
1,667;
BdN
53,5
), M. oder N. (
BiblMK
282
).
1
‘Kleinheit, geringes Maß’
2
‘Kleinigkeit, Weniges, Bisschen’
2.1 allg. 2.2 oft als adv. Akk. ‘ein bisschen, geringfügig’
3 schmale Stelle 4
‘Feinheit, Subtilität’ (bezogen auf die erkenntnistheoretische Vorstellung,
Dinge in der Welt gelangten in feiner, sublimierter Form durch Licht und Luft ins
Auge, vgl. Parad
63,22ff. ) 5 unklar, i.S.v. ‘Detail, Feinheit’ unter 2 oder als
‘Größe, Ausmaß’ anzusetzen?
1
‘Kleinheit, geringes Maß’
ir grozú demuͤtikeit siht nit an die kleini der gabe, si
siht an richheit des willen Seuse
265,16.
285,10;
welchir di mittel maze hat an der groze vnde an der kleine
SalArz
20,45;
dú mugge ist also klein irchant / das si vil kume oder niht
/ ieman von ir kleine siht RvEWchr
10077;
Vät
781;
PrWack
56,99;
KvMSel
300
2
‘Kleinigkeit, Weniges, Bisschen’
2.1
allg.:
diu vil reine [...] ist gar ân allen wandel
ganzer tugende vol. / wan ein kleine daz beswæret leider dicke mir den sin: /
sîst gen mîner bet ze strenge KLD:UvW
2:5,3;
des wirtes bettziehen / ziuht er ab durch den sin, / daz kleine vazzt er
allez drîn: / gürtel, hosen unde schuoch, / sleier, binden, ermel, tuoch
Helbl
1,667;
nun schüll wir durch ain kluoghait sagen ain clain, waz
etleich träum bedäutent an dem menschen BdN
53,5;
kain wurm hât pluot denn gar ain klain nâch seiner grœz
ebd.
287,4.
– häufig mit part. Gen.:
dar zu ein cleine winez gesprenget
Macer
75,9;
dar zuo wart ein cleine / kæses dar gehouwen HBirne
80;
ein kleine honicseimes RvEBarl
4697;
ain klain wazzers BdN
70,20.
71,2;
Seuse
46,24;
KvWLd
18,23;
frouwe, habt genâde mîn, / gebt mir iuwer fröide ein
kleine KLD:BvH
6: 3,7;
unse herre straphite sine jungerin und sprach: ‘in uch ist eine cleine
lichtis [
modicum lumen in vobis est Io 12,35] ’. si
inwarin nicht ane licht, ez was aber cleine Parad
64,10.
– zeitl.:
nach eime cleine [
post pusillum Mt 26,73]
BiblMK
282
2.2
oft als adv. Akk. ‘ein bisschen, geringfügig’
er schilwete [schielte] ein
cleine Herb
3160;
mîn herze ein kleine erliuhtet ist RvEBarl
13876;
ich wil iu ein vil claine / verwizen [tadeln]
UvLFrb
112;
iedoch ist des cypressen holz ain klain herter wan der
viechten holz BdN
319,8
u.ö.;
ich muͦs dir eins sagen, daz du enklein dester bas dines
lidens vergessest Seuse
443,4;
Mechth
4: 2,42;
JTit
1184,1.
– in der Form ein kleinen:
trût muoter mîn, noch troeste dich / dur disen trôst ein kleinen /
unde lâ dîn weinen! WvRh
10688.
–
niht ein ~
‘nicht wenig, in nicht geringem Maße’
dâ nâch [nachdem der Pelikan seinen
Nachwuchs getötet hat] zeuht er sein federn ab und traurt
niht ain clain umb seineu kindel BdN
210,10.
168,5.
– zeitl.:
ein kleine und ein wênic und ein lützel, und ir ensehet mich niht;
aber ein kleine, und ir sult mich sehen [vgl. Io 16,16
modicum et iam non videbitis me, et iterum modicum et videbitis
me
]
Eckh
3:187,2.
3:199,4;
als diz was ergangen / mit iamere ein vil kleine, / so tet die edele
reine / ir ougen uf und wart vro Pass III
627,13;
gip mir die súle indie hant / beide und tuͦ mir si
bechant, / das ih mih dran geleine / unz ich geruͦwe ein kleine
RvEWchr
21157
3
schmale Stelle:
ein siechtum starc und swære / kom in daz rehte bein / niden
an der klein Ottok
38169.
–
‘schmale Ausläufer, Spitze, Ende’
ûzen an dem steine [dem Fels der
Minnegrotte] / und an des steines cleine / dâ nam
er [Marke] manege kêre Tr
17494
4
‘Feinheit, Subtilität’ (bezogen auf die erkenntnistheoretische Vorstellung,
Dinge in der Welt gelangten in feiner, sublimierter Form durch Licht und Luft ins
Auge, vgl. Parad
63,22ff.):
sich selbir irkennit he [der Engel]
sunder cleine und sundir bilde. also bekennit sich auch di sele sunder cleine und
sundir bilde und glichnisse Parad
63,32;
sal ich got bekennen ane cleine und ane allis mittil, so muz
got vil noch ich werdin und ich vil noch he ebd.
63,36
5
unklar, i.S.v. ‘Detail, Feinheit’ unter 2 oder als
‘Größe, Ausmaß’ anzusetzen?:
der menschen antlitze / die sint algemeine / wol gelich ander
cleine / und an der forme missewant [
‘gleichermaßen in Detail und Form verschieden’ oder: ‘gleich an Größe,
und in der Form verschieden’?] . / swaz ie lute wart irkant
/ unde noch kunftec nach uns sin, / der vint man an ir forme schin / nindert zwei
gelich gar Vät
16106
MWB 3,1 338,1; Bearbeiter: Richter
kleine
swM. (subst. Adj.?)
Bedeutung unklar, in einer Auflistung von Merkmalen des Auges (verschiedene
Augenfarben):
die besten man, die wene, / und alle zit den kleinen sehen /
sol man dez besten gesichtes iehen Physiogn
169;
von kleinen sehen merket grozzen daz, / ir gesichte daz mak
weren baz ebd.
171
MWB 3,1 339,16; Bearbeiter: Richter
kleinen
swV.
1
‘klein werden’
2
‘klein machen, verringern’ , auch subst. 3
‘fein, zierlich, handwerklich geschickt herstellen’
1
‘klein werden’
iuwer leit beginnet grôzen, / und iuwer fröude kleinen Georg
851;
dîn schulde ist, daz ir hulde gegen mir kleinet SM:Had
15: 1,11;
Helbl
8,136;
KLD:WvBreis
1:1,12;
Pass III
551,2.
–
‘abmagern’
alsus [indem er ihr nicht genug Nahrung gab]
wolde er [der Ehemann] verswachen / Anastasien die
reinen. / si begonde ouch vaste kleinen / an ir und werden krank Pass
III
32,28
2
‘klein machen, verringern’, auch subst.:
daz kraut ist haiz und trucken und entlœst und klainet grôz
materi BdN
399,27;
er remte [Alkimus trachtete] mit dem kleinen sus /
zustoren, daz die ersten man / wol haten zu bereitet dran [am Tempel,
vgl. I Mcc 9,54]
Macc
4388;
daz wir der drier personen / suln eweclichen schonen, / daz
wir der namen nicheinen / weder grozeren noch cleynen, / noch minneren noch meren
HeslApk
674;
KvMSph
39,16.
39,22.
– mit Refl.-Pron. ‘sich verkleinern’
wenn si [die Lunge] den luft in
sich zeucht, sô grœzt si sich, wenn aber si den luft von ir sleht, sô klaint si
sich BdN
29,28;
zeitl. ‘sich verkürzen, kürzer werden’
merent sich oder klainent sich die tag oder die neht
KvMSph
43,28
3
‘fein, zierlich, handwerklich geschickt herstellen’
daz sint halsberge sunder wan / von ringen wol gecleinet
Blanschandin
70,15
MWB 3,1 339,23; Bearbeiter: Richter
kleineren, kleinern
swV.
‘etw./sich kleiner machen’
wenn man ez [Blei] zerlæzt in
ainem fewer, sô klainert ez sich mêr dann ander gesmeid BdN
481,18.
– hier ‘dünn machen’ oder ‘schwächen’ (?):
daz ist daz gemaln eisen, daz von der feiln kümt. ez hât die
kraft, daz ez klainert und trückent [
vim attenuandi et desiccandi
] den menschen BdN
479,24
MWB 3,1 339,49; Bearbeiter: Richter
kleinewîn
stM.
unklar, ob Syntagma (s.a. kleine Adj., Adv. unter
4.5).
‘Ehrenwein’, in Glossen ab dem 12. Jh., vgl. AWB 5,241
MWB 3,1 339,56; Bearbeiter: Richter
kleinheit
stF.
‘Kleinheit’
1 körperlich, stofflich 2 übertr. ‘Unbedeutsamkeit, Geringfügigkeit, Nichtigkeit’
1
körperlich, stofflich:
–
‘geringer Umfang, Dünne’
man spricht auch, daz etleich scorpen zwuo spitz haben an
dem zagel. ez sint die ern [Männchen] under in
gräuleicher wan die sien [Weibchen] und die erkent man
an der leng und an der klainheit umb sich [
intelliguntur autem gracilitate et longitudine
]
BdN
282,21.
–
‘Feinheit, Dünnflüssigkeit’
und sint die este der âdern klain dar umb, daz daz pluot
von seiner klainhait dester sneller werde verkêrt in der glider nâtûr
BdN
36,32
2
übertr. ‘Unbedeutsamkeit, Geringfügigkeit, Nichtigkeit’
ich bekenne ouch mîner buoze kleinheit gegen mîner sünden grôzheit
PrNvStr
284,19;
die kleinheit miner werke Seuse
266,12.
304,29.
– vom Menschen bzw. der Seele:
ein kint ist uns geborn, ein sun ist uns geben, ein kint nâch kleinheit
menschlîcher natûre, ein sun nâch der êwigen gotheit Eckh
1:379,6;
so im ie klerlicher und bloslicher in lúcht gottes
grosheit, so im ie bekentlicher wirt sin kleinheit und sin nichtkeit
Tauler
250,1
u.ö.;
nement her fúr úwer kleinheit und huͤtend úch vor
hofart! gedenkent, wer ir sient, Seuse
383,6;
PrEngelb
190,314;
Parad
13,9.
– zur Übers. von lat. extremitas
‘das Geringste, Letzte’ (s.a.
kleinlîche
stF.):
der sehste der demvͦti grede ist ib aller svacchait oder
clainhait ginvͦgende si der munich [
si omni vilitate vel extremitate contentus sit monachus
]
BrZw
7
MWB 3,1 339,59; Bearbeiter: Richter
kleinicheit
stF.
‘Kleinheit’, hier übertr. von geist/ sin i.S.v. ‘geringes
Vermögen, Eingeschränktheit’
die nahent pei gesehen, die habent ainenn sichtigen geist
unnd verwundenlichen und klaren, der von sein selbs klainigkait [
ex sua parvitate
] nichtt wenüeget sich aus zegiessenn zue den ferren dingenn
HvHürnh
46,8;
wer klaineu ripp hât, daz bedäut ain klainichait des sinnes.
wer aber weiteu oder braiteu ripp hât, daz bedäut guoten sin BdN
48,8
MWB 3,1 340,24; Bearbeiter: Richter
kleiniclîche
Adv.
‘wenig’ (vgl. Anm.z.St. S. 371):
dâ bî siht man sie [die mit dem ererbten Besitz nicht angemessen
umgehen] schatz vil snudelîchen zern [La. vnde
siht man si doch kleinekliche zern
]
WernhSpr (Z)
40,6
MWB 3,1 340,34; Bearbeiter: Richter
kleinlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen (
Parad
82,22
).
1
‘klein, gering, wenig’
2
‘fein, zart, zierlich’
3
‘fein, geistig, subtil’
4
‘fein-, scharfsinnig, klug’
1
‘klein, gering, wenig’
dis ist die himmelsche gottes minne, die hie vil kleinliche
beginnet und doͤrt niemer ende gewinnet Mechth
7: 45,19;
so geschiht dicke, daz si do von werdent gehúndert und nit
kleinliche gesumet Seuse
474,16
2
‘fein, zart, zierlich’
da sach ich boͮme, loͮp und cleinlich gras und niht uncrutes
Mechth
7: 57,5.
– von Personen:
dy stat hot ouch schone und alczu schone wip, der lebin gar kleynlich unde
czart ist MarcoPolo
45,3;
do gab got Ade von herzeklicher liebi ein gezogne, edel,
kleinliche jungfroͮwen, das was Eva Mechth
3: 9,40.
5: 23,59;
nu has du lon, den virveldichen, des lichamen; dat he sal sin starc, snel,
cleinlich, inde schone Lilie
7,3
3
‘fein, geistig, subtil’
de dritte sterre mag heizen durchverdicheit; dat din lichame so cleinlich sal
sin, dat in geinre hande lichame dir widerstain in mach, du in muges dar durch varen
Lilie
6,30;
so ist die spise [...] so kleinlich
das keine vernunft enkan vinden wie und wo die subtilkeit lige und wurke
Tauler
121,22;
diu sêle muoz geliutert werden und kleinlich gemachet in dem liehte und in der
gnâde und alles abegescheiden werden Eckh
2:549,3;
sol ich sehen die varwe an der want, sô muoz si werden kleinlich gemachet in
dem liehte und in dem lufte und ir glîchnisse getragen werden in mîn ouge ebd.
3:193,1;
etlîche krefte der sêle nement von ûzen, als daz ouge: swie kleinlîche daz in
sich ziehe und abespalte daz gröbeste, nochdenne nimet ez etwaz von ûzen, daz
zuoversiht hât ze hie und nû ebd.
1:364,8
u.ö.
4
‘fein-, scharfsinnig, klug’
willen wir noch diͤfer gan / ind diͤ zwelf stern kleinelicher
verstan, / diͤ in din krone sint gesat MarlbRh
120,18;
also ist ez umme di di da sprechin, minne si bezzir wan
bekentnisse, wan minne grop ist, so ist si intsebilicher [leichter
sinnlich wahrnehmbar] , und bekentnisse ist so cleinlich daz man ez
hi nicht gehabin inmac Parad
90,10.
– hierher oder zu 1:
si sullent hi um nit verzan / obe ich sy cleinlich leren
an, / ich meynen das snoede abc. / ich sal si wol geleren me / konste grois na
cleiner ler MinneR 481
828
MWB 3,1 340,39; Bearbeiter: Richter
kleinlîche
stF.
zur Übers. von lat. extremitas
‘das Geringste, Letzte’ (s.a.
kleinheit
unter 2):
djr sehste grad dir diemvͦti ist daz. daz dir mvnch si
bignvͦgit allir wenichlichi. vnde allir chleinlichi [
si omni vilitate vel extremitate contentus sit monachus
]
BrEng
7
MWB 3,1 341,18; Bearbeiter: Richter
kleinlîcheit
stF.
‘Feinheit, Zartheit’ (lat. subtilitas):
daz diu sêle in allen dingen ist, daz ist an irre kleinlicheit, daz si an
allen dingen gesîn mac, unde si berüeret sie niht noch enwirt von in berüeret
Eckh (Pf)
511,39;
also ist och in der sele ein kleinlicheit, dv̍ ist so lvter vnd so zart
Eckh
2:460,1.
2:459,8.
2:460,4
MWB 3,1 341,24; Bearbeiter: Richter
kleinlistic
Adj.
‘scharfsinnig, listig’, Glossenbeleg des 12./13. Jh.s s. AWB 5,242
MWB 3,1 341,31; Bearbeiter: Richter
kleinlistigære
stM.
‘(arg-)listiger Mensch’, Glossenbeleg des 13. Jh.s s. AWB 5,242
MWB 3,1 341,33; Bearbeiter: Richter
kleinlistige
stF.
‘Scharfsinn, List’, Glossenbeleg des 12. Jh.s s. AWB 5,242f.
MWB 3,1 341,35; Bearbeiter: Richter
kleinlût (?)
Adj.
‘zierlich’
diu kleinen voglîn / singent in dem paradîs, / der stimm ist
klein, lût und lîs [l. kleinlût unde lîs? vgl.
Anm.z.St.]
EnikWchr
1248
MWB 3,1 341,37; Bearbeiter: Richter
kleinmuot
Adj.
‘kleinmütig, verzagt’, hier subst.:
uon diu sône uvrthen [l. vurhten
] in nieht die clainmuͦten TrudHL
41,30
MWB 3,1 341,41; Bearbeiter: Richter
kleinmuotic
Adj.
‘kleinmütig, verzagt, von geringer Entschlusskraft’ (auch subst.):
jeidoch mit maze tuͦn man alle dinc. durch di clemuntigin [l.
clenmutigin, übers. pusillanimes
]
BrHoh
48;
wer sein augöpfel her für pauzend hât mit der ganzen grœzen
der augen, der ist klainmüetig BdN
45,2
MWB 3,1 341,44; Bearbeiter: Richter
kleinmuoticheit
stF.
1
‘Kleinmut, Verzagtheit, geringe Entschlusskraft’
2
‘Demut’ (vgl.
kleine
Adj. unter 3.2 ) 3
‘Starrsinn, Unbelehrbarkeit’
1
‘Kleinmut, Verzagtheit, geringe Entschlusskraft’
dô von sterkit iz daz gemute und machit iz grôz und trîbit von ime alle
kleinemutikeit HvFritzlHl
159,29;
wenn diu melancoli ain oberhant nimpt
[...], sô kümpt dem menschen sweigen und betrahten, und
swærikait, wainen und trâkheit, vorht und sorg und klainmüetichait
BdN
31,3;
PsM
54,9;
SiebenTodsünden III
329
2
‘Demut’ (vgl.
kleine
Adj. unter 3.2):
alle die gewore selikeit die gelit an rechter gelossenheit,
willeloskeit; dis wirt alles geborn us dem grunde der kleinmuͤtikeit: do wirt der
eigen wille verlorn [...]. ie
kleiner [demütiger] , ie minre willen
Tauler
348,31
3
‘Starrsinn, Unbelehrbarkeit’
vil hârs auf den schultern und auf dem hals bedäut
klainmüetichait und widerstreben oder widerspenichait, alsô daz den menschen niemd
leiht bekêrt von seinem fürsatz BdN
43,2
MWB 3,1 341,50; Bearbeiter: Richter
kleinmütte
stN. (?)
Getreidemaß:
fronmutt pringt 12 mutt der chlainmutt u. 8 mutt habern DRW
7,1080
(MittSalzbLk.; 14. Jh.)
MWB 3,1 342,4; Bearbeiter: Richter
kleinnæsic
Adj.
‘eine kleine Nase habend’
dy sint alle anbeter der apgote [...] und sint vet
und kleynesik sam dy affin MarcoPolo
19,14
MWB 3,1 342,7; Bearbeiter: Richter
kleinôt
stN.
stF. (
Ottok
79451;
HvNstAp
13611
); auch -at (
HvBurg
5457
), -et/-ät/ æt (
PrGeorg
17,6;
EnikWchr
8114;
HvHürnh
25,1;
Ottok
20361
), -it/-eit (
UrkRegensb
724
(14. Jh.)
); Pl. auch -er (
Tauler
52,6;
PrGeorg
18,12
), diese Form aber auch als Sg. (
Tauler
152,10;
Mechth
1: Reg. 46
u.ö.).
1
‘Kleinigkeit’ (vgl. Schiller/ Lübben 2,479) 2
‘Kostbarkeit, Kleinod’
2.1 wertvolle, fein gearbeitete Sache 2.1.1 allg. 2.1.2 als Zierat, Schmuck 2.1.3 als Geschenk, Gabe 2.1.3.1 von ungewöhnlichen Gaben 2.1.3.2 als Minnepfand o.ä. Zeichen der Verbundenheit, z.B. Fingerring oder Ärmelstück der Dame, das an der Lanze des Ritters befestigt wird 2.2 von v.a. ideellem Wert 2.3 euphem. für die männlichen Geschlechtsteile 2.4 übertr.
1
‘Kleinigkeit’ (vgl. Schiller/ Lübben 2,479):
sô nimt sie allez, daz zu gerâde hôret; daz sint alle schâf und gense
[...] und alle wîblîche kleidere, vingerlîn, armgolt,
schapil [...] noch ist mangerhande cleinôte, al en nenne
ich es sunderlîche nicht, als bursten, schêren, spiegele, nizkemme SSp
(W)
1:24,3
=
SSp
35,21;
dise reine vrouwe clar / koufte aller hande kindes spil, / kruseln, fingerline
vil, / di gemachet werden / von glase unde ouch uz erden, / unde ander cleinode
gnuͦc, / daz die reine frouwe druc / in ir ummecleide / nach suzer mildekeide / uzer
Isenache / den kinden zu gemache / unde ouch zu kurzewile Elis
3613.
3627
2
‘Kostbarkeit, Kleinod’
2.1
wertvolle, fein gearbeitete Sache
2.1.1
allg.:
nu virbarc Rachel also / das selbe
kleinoͤde [Götzenbilder] biir
RvEWchr
6500;
da hieß sy tragen her füre /
[...] / ain klainot, di was groß: / di welt hat
nit ir genoß. / es was ain stain flamen var, / als ain liechtes fewr klar. /
er was groß als ain kopf HvNstAp
13611;
des kunicrîches kleinât, / zepter, krône unde swert
Ottok
87337;
dicz schon puchslein, / da sol klainat inne sein: /
dew edel lavande [Lavendelsalbe] / die sy mit ir
hande / under ir antlucz straich HvBurg
5510;
StRAugsb
187,27
2.1.2
als Zierat, Schmuck:
do hette Hector / schone kleinote, / steine harte
rote, / grune vnd wizze, / gemachet wol mit flizze / in daz silber vnde in
daz golt Herb
8189;
der konig gewan Banin sere lieb und gab im schöne
cleyder, cleynote und anders gutes viel Lanc
117,5;
sende mir den cleinen schrîn, / dâ mîniu cleinœde
inne sîn / und mîniu cleider dâ mite Tr
10760;
nu wart der eine des gewar / daz er in der nider
wete / einen bruch gurtel hete / von siden und von golde. / er sprach: ein
munich niht solde / tragen sulich kleinode Rennew
36035;
GTroj
20283;
EnikWchr
11734;
Tauler
154,30;
Helmzier:
vnser cleinode von vnserm helme: die wizzen ynfel mit zwain zopfen,
vnd ietweder horn oder spitz gezieret mit einem boschen von pfawens vedern
UrkCorp (WMU)
788,11
2.1.3
als Geschenk, Gabe:
durch daz si wârn gerüstet wol, /
[...], / daz in nihtes enbrast / des ie dehein
vremder gast / durch cleinôt [
‘als Geschenk, zum Verschenken’
] ûz brâhte UvZLanz
8563;
in tausent jaren seyt / ward nie so schone hochtzeit.
/ clainat ward da gegeben: / solt ich hundert jar leben, / so ward so
reichleiche nie / gegeben als man dete hie HvNstAp
13425;
alt unde junc, man unde wîp / enpfienc ir
[Helenas] wunneclichen lîp / mit cleinœt und
mit gruoze KvWTroj
23177;
ouch lie si ir vrouwen / diu kleinôt schouwen / diu
ir her Gwîgâlois gewan, / [...] daz phärit
[...] den sitich und den hunt
Wig
4029;
StatDtOrd
105,5;
KvHeimHinv
386;
RvEWchr
7641
2.1.3.1
von ungewöhnlichen Gaben:
ich han durch aller frowen pris / ain
clainett [die Köpfe zwei erschlagener
Riesen] ze lande brachtt: / da mit ich niemans han
gedacht / won der jungen kaysserin, / dü sol da mit geerrett sin
GTroj
7117;
den tiufeln ez geworfen wart. / dô wart niht
lenger gespart, / si spilten da mit des bales schôn / und hêten in diu
kleinet [die abgeschnittenen Körperteile des
Papstes] ze lôn EnikWchr
22670
2.1.3.2
als Minnepfand o.ä. Zeichen der Verbundenheit, z.B. Fingerring oder
Ärmelstück der Dame, das an der Lanze des Ritters befestigt wird:
‘nu wil ich, herre’, sprach sie, ‘das ir myns
kleynotes mit uch furet; seht hie diß fingerlin und furt es mit uch zu
einem wortzeichen das ir myn hercz mit uch furt.’ Lanc
393,25;
ir sult mir eine stuchen
[Ärmel] geben / zv eime kleinote. / des
darf ich zv note, / daz man erkenne da bi, / daz ich ein frowen ritter
si Herb
9510;
Gaweynen sie jren ermel lie / hie nydden zü einem cleynot
Krone
18016;
den gu̍rttel er ir snelle bot / vnd bat, daz sie jn ir zuͦ cleynot
/ von yme haben solt ebd.
23308;
Parz
134,19.
373,18
2.2
von v.a. ideellem Wert:
er gie hin ab, und behielt daz fuͦstuͦch [mit
dem ihn eine Stimme verglichen hatte] vil jaren als sin liebes
kleined Seuse
58,14
2.3
euphem. für die männlichen Geschlechtsteile:
daz selbe pulver [...] heilet di
trorinden wunden, unde nemeliche di wunden an dez mannez cleinote
Macer
59,11
2.4
übertr.:
vride ist daz beste clainoͮde, daz got ie vf daz ertriche gegap
PrGeorg (Sch)
19,165;
das cleinoͤter heisset des herzen lust
Mechth
1: 42,1;
scham, laster, spot ist unser leben, / dise drew klainat
wir auch geben / allen den die wir weisen, / damit wir sy preisen. / die uns da
volgent, was habent die me / dan scham, laster, spot und we?
HvBurg
5902
MWB 3,1 342,10; Bearbeiter: Richter
kleinôtlîn
stN.
‘kleine Kostbarkeit’, hier für Waffen und Wasserkrug, die David dem
schlafenden Saul entwendet hat (I Sm 26):
füer disiu kleinôtlîn / Saulen hin, dem sweher mîn. / dâ bî
sol im sîn bekant, / daz sîn leben stuont in mîner hant EnikWchr
10799
MWB 3,1 343,43; Bearbeiter: Richter
kleinphenninc
stM.
Geldablösung für kleindienest/ kleinreht:
ein muttel habern, dreizich ze pausteur, vier chlainph.
UrbNOÖst
296
u.ö.
MWB 3,1 343,49; Bearbeiter: Richter
kleinreht
stN.
geringfügige Abgabe, vgl.
kleindienest
:
una cum sex d. Treverensibus census vulgariter dicti cleinrecht
UrkMoselQ
502,30
(a. 1335);
gent si 16 omen und klein reht DRW
7,1082
(ZGO, Anf. 14. Jh.)
MWB 3,1 343,52; Bearbeiter: Richter
kleinschüʒʒic
Adj.
‘Knospen/ Triebe hervorbringend, sprießend’ (zu
1schoʒ
stN.):
so sin [des Feigenbaums] este
iezvnt chleinschüzzik wirt vnd sin bleter geborn werdent [
cum iam ramus eius tener fuerit et nata fuerint folia Mc
13,28]
EvAug
112,15
MWB 3,1 343,57; Bearbeiter: Richter |