krenzeleite
stF.
‘Kranztragen’ ? (vgl. Komm.z.St.):
leider habent sî [Blumen] der krefte niht: / sî mac
brechen swer der wil. / dâ von ist der krenze leider [La.
krenzeleite
] vil / dâ man bî dem krenze unfuoge siht
KLD: WvMezze
9:11
MWB 3,2 579,7; Bearbeiter: Plate
krenzelîn, krenzel, krenzlî
stN.
auch kranzel; Dimin. zu →
kranz
stM.
‘kleiner Kranz’
1 vom Blumenkranz, als Haarschmuck (häufig im Reim auf → swenzelîn
‘Schleppe am Kleid’ ) 2 vom Rosenkranzgebet (Rosarium Marias, vgl.
rôsenkranz
stM.,
rôsenkrenzelîn
stN.)
1
vom Blumenkranz, als Haarschmuck (häufig im Reim auf → swenzelîn
‘Schleppe am Kleid’):
ir sult iuwer swenzel / krispen, dirne guot / (êst erne zît!),
krenzel / machen ouch ûf die vîrtage SM:Had
24: 1,3;
séht, wìe sich vréut bóum ùnde wíse! /
dár àb ich mír híuwèr gelíse / von den gelfen
bluomen / ein kränzel, daz ich trage / alle vîretage Neidh
SL 16:3,4.
SL 17:7,9;
swa si get an dem tanze / mit ir rosenkranze, / dar obe ein
ander krenzel Tannh
4,67;
kindlin [...] liebiln al den rosen zu
/ bi dem touwe morgens vru, / zwickent die an ir crentzil Daniel
1977;
ir fúrnemes sumerliches krentzli
Seuse
447,9;
Virg
135,8;
Pass III
137,28;
PrBerth
2:379,34;
si treit der megde kranzil / [und] den lilien wizen
swanzil / den si mit kivschi erworben hat Martina
5,69
2
vom Rosenkranzgebet (Rosarium Marias, vgl. →
rôsenkranz
stM., →
rôsenkrenzelîn
stN.):
da hin karte er sich balde / [...]
durch sin gebet, / daz er al darinne ouch tet / mit harte grozer andacht. / in di
gehugde wart im bracht, / daz der vrouwen crenzelin / noch ungesprochen was gesin; /
daz hub er vrolichen an Pass I/II (HSW)
15721
MWB 3,2 579,12; Bearbeiter: Plate
krenzelkrispen
stN.
spöttisch für aufwändiges Frisieren (zu krispen
‘kräuseln’):
ist aber er [Ehemann] ein nascher, sô hilfet ez niht
allez dîn [Ehefrau] krenzelkrispen und allez dîn
krespelkrispen niht PrBerth
1:414,35
MWB 3,2 579,37; Bearbeiter: Plate
krenzen
swV.
‘bekränzen, jmdn. mit einem Kranz schmücken’, übertr., ‘jmdn. ehrenvoll
auszeichnen’
her kront mich unde krantzte / mit truwenrichir erin solt Baldem
252;
Frl
5:87,5
MWB 3,2 579,42; Bearbeiter: Plate
krepfelîn
stN.
Dimin. zu →
2krapfe
.
zur ahd. / frmhd. Glossenüberlieferung (u.a. SummHeinr und
GlHvB ) vgl. AWB 5,383 s.v. krâphilîn. –
‘kleiner Krapfen, Kräppel’
ein guͦt gebackenz. rib kese, menge den mit eyern vnd
scharbe gesoten spec dar zvͦ, mache ein schoͤnen derben teyc vnd
fuͤlle den kese vnd die eyer dor in vnd mache krepfelin vnd backe sie in butern
oder in smaltze noch der zit vnd gib sie warm hin BvgSp
44;
krepfelin und bastede / macht man uz eyern bede KgvOdenw
2,131;
phankuchen und krepfelin ebd.
9,39
MWB 3,2 579,46; Bearbeiter: Plate
krësem, krësem-
→
krisem
, krisem-
MWB 3,2 579,58;
krësen
stV. (V)
(Prät.Pl. nicht belegt)
‘kriechen’
1 die Bewegungsart der Kriechtiere 2 von Menschen 3 übertr., mit unbelebtem Subj.
1
die Bewegungsart der Kriechtiere:
vbir din brust solt du [Schlange] gen,
oͮfreht nimmir mere gesten, / die erde solt du ezzen, chresent solt du si
mezzen GenM
16,25;
von diu muoz er ûf der erde / an den brusten cresen iemer
mêre Kchr
2416;
allez daz lebentich was, ez uluge gienge ode chras GenM
11,4;
diu arche was entslozzen. / dô gie ûz und grast [Hs.
chras
] / allez daz dar ínne was, / an die
suozen weide Aneg
1962;
mit den vligintin, / swimmintin undi cresintin
[Geschöpfen]
SuTheol
94;
Gen
406;
VMos
12,15;
Wernh
574.
1184;
swaz uf erden get, swebet oder kriset MarGr 10
2,6;
[der Kranich zum hochmütigen Pfau:] ich vliuge in dem
lufte enbor. / dane schadet mir krût noch hor / [...] dun
dunkest dich nie sô spæhe, / dune müezest doch hie inne
[
krût und hor
] kresen
Bîspel (Pf)
24,27
2
von Menschen:
dez svn siv [die Sünder in der finstern Hölle] ane
lieht wesin / und vf allen vierin kresin Martina
67,84.
21,58;
sa suln sie billich iemer cresen JMeissn
A 1:19,17;
wenn er [verwundeter Ritter] müde was / vnd an
allen vieren krasz / jn dem sne vf dem gras Krone
12389;
daz ez [l. er
] ze wâre wære / dâ vor
ein ritter gewesen, / swie kûme er kæme dar gekresen GFrau
2812;
disiu sieche vrouwe [...] her ûz kras
[aus ihrer Unterkunft]
ebd.
1872;
übertr., ‘sich hinschleppen’
si kos ir aber anderswa / in eime dorfe zu wesene, / in armut hin zu cresene
Elis
6634.
–
‘in etw. schlüpfen, sich hinein winden’
nu lâz mich in den ermel dîn / beide sliefen unt ouch kresen; / ich wil
verholn bî dir wesen Mönchl
175;
sus in ain ander kresen / sah man si in dem strit
WhvÖst
8760
3
übertr., mit unbelebtem Subj.:
als er ir leibes enphant,[...] minne chras von lide
ze lide / vnd began in gar enzünden Krone
11710;
so heymlich mag auch niht gewesen, / ez enmuze ie doch zu
lihte cresen [
in palam veniat Mc 4,22 ]
EvStPaul
2931
MWB 3,2 579,59; Bearbeiter: Plate
krësm-
→
krisem
, krisem-
MWB 3,2 580,34;
krespelkrispen
stN.
PrBerth
1:414,35,
s. →
krenzelkrispen
MWB 3,2 580,35; Bearbeiter: Plate
kresse
swM.
‘Gründling’; vgl. AWB 5,309 s.v. kresso1
zur
SummHeinr -Überlieferung (als Glosse zu mlat.
gracius).
MWB 3,2 580,37; Bearbeiter: Plate
krësse
swM.
zur frmhd. Glossenüberlieferung (vor allem SummHeinr und
GlHvB ) s. AWB 5,399-401 s.v.
kresso2
.
‘Kresse’
minz unte epphich, chres unt lattich, / astrîza unt wîchboum
habent ouch suozen toum Gen
251;
sô dir ze den brusten wê sî, sô nim wilden chressen unde geizîne
milch Barth
136,8
u.ö.;
cresse ist heiz vnde trucken an deme dritten gradu
SalArz
11,48
u.ö.;
cresse gestossen unde mit tismen gekneten vertribet einerhande
bose swern Macer
44,3;
von dem kressen. nasturtium haizt kress. daz ist ain gemainez
kraut und ist an der kraft haiz und trucken BdN
410,7.
–
noch scherfer danne kren oder kressen / hal sin stimme JTit
4566,2
MWB 3,2 580,40; Bearbeiter: Plate
kresselkrût
stN.
die Pflanze Dickblatt:
orpinum haizt krässelkraut und haizt auch ze latein crassula
BdN
412,3
MWB 3,2 580,54; Bearbeiter: Plate
kreste
stF.
→
kreiste
MWB 3,2 580,57;
kresten
swV.
→
kreisten
MWB 3,2 580,58;
kreter
stM.
‘Prokurator, Advokat’
do sich gesamnet hatten / di alle Jesum schatten, / di creter und di alden / mit
allen anewalden TvKulm
4141;
di creter wol gelart ebd.
3297.
4145
MWB 3,2 580,59; Bearbeiterin: Herbers
kretscheme
stM.
zum slaw. Ursprung und zu Verbreitung des Wortes im Deutschen s. Bellmann,
Slavoteutonica, S. 248ff.
‘Dorfgasthaus, Schänke’
taberna: kreczin VocBirl
64,23;
tabernam quae currthema [l. curcthema s. Bellmann,
Slavoteutonica, S. 249f.] vulgariter dicitur
UrkMeissen
1,103
(a. 1233);
wir wollen ouch, das keyn man, der gerichtes pflege
[...], das her keynen veylen kretzmen in der stat haben sulle
UrkSchlesSt
507
(a. 1324);
ouch [sal] der vorgenante schultheyze unde sine erben zwu mark pfenninge cynsen
unserme huse von deme kretzeme jerliches uf den vorgenanten tag UrkPr
2:98,26
(a. 1316);
UrkPreuss
2,108
(a. 1320);
UrkSchles
1,30
(a. 1328)
MWB 3,2 580,63; Bearbeiterin: Herbers
kretschemer
stM.
‘Schankwirt, Besitzer einer →
kretscheme’
tabernatore: kreczimer VocBirl
64,23;
nu wel wir lere gewerin / von den krezchemerin / und von den gastgebin / sal sich
rede hebin PfzdHech
319,22.
355,8
u.ö.;
zur Etym. und Verbreitung s. Walter Wenzel, Slawische Zunamen aus
Bezeichnungen für den Gastwirt im Deutschen. Unter besonderer Berücksichtigung des
Deutschen, in: Zunamen – Zeitschrift für Namenforschung 5/1–2 (2010),
S. 192–212
MWB 3,2 581,13; Bearbeiterin: Herbers
krette
swM.
→
kratte
MWB 3,2 581,23;
kretze
swFM.
zu →
kratte
swM.
1
‘Tragkorb’
2 als Bestandteil von Personennamen, evtl. ‘Korbmacher’ ? (vgl. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 546)
1
‘Tragkorb’
cophinus, qui in dorso portatur: kreze, corp GlAnzfKdVz
8:395b,21;
er truoc ein kretzen ûf dem ruck EnikWchr
24959;
diu uroͮwe in dem sahere [Schilf] gesach /
den chrezzen, dâ daz chint inne was Exod
234;
er treit ez dar ûf wol in ainer krätzûn SchwSp (W)
392,2;
der sol ez [Obst] hinuͦz
tragen in einem kretzen StRAugsb
203,34.
72,28;
StRMünch
534,11;
StRÜberl
470
2
als Bestandteil von Personennamen, evtl. ‘Korbmacher’? (vgl.
Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 546):
C Kreze UrkCorp
2164,2;
brvͦder Crezze ebd.
2233,12
MWB 3,2 581,24; Bearbeiterin: Herbers
kretze
swM.
eine Adlerart:
alietus: kretzo VocOpt
44.031
MWB 3,2 581,37; Bearbeiterin: Herbers
kretze
stN.
zu kratzen swV.
Bezeichnung für Feinmetallrückstände:
item mussen die geste geben ii haller den vnderkewffel, als verre als die geste
das kreze behalden, so mussen sie das gelt geben, wann ein wirt hat das kreze von gnaden
von den zinern [Zinngießern]
StRPrag
96
MWB 3,2 581,39; Bearbeiterin: Herbers
kretzoht
Adj.
‘die Krätze habend, krätzig’
als ainen krezochten hunt / in dem brachat floͤh avne [der im
Juni ohne Flöhe ist]
LügenrM
128
MWB 3,2 581,45; Bearbeiterin: Herbers
krî
stM.
→
krîe
stF.
MWB 3,2 581,48;
kribelen
swV.
‘kitzeln, kribbeln’
ey, herre, welch ist ot der wurm? / daz ist wille an boser lust. / swie daz
kribelt in der brust Pass III
667,24
MWB 3,2 581,49; Bearbeiterin: Herbers
krichel
stM.
‘(Saat-)Krähe oder Elster’ (vgl. AWB 5,410):
graculus a garrulitate vocis: ruͦch / krichel SummHeinr
1:163,711
MWB 3,2 581,52; Bearbeiterin: Herbers |