kannelgieʒære
stM.
Hersteller von Kannen, ‘Zinngießer’
ez ist auch gesetzet, daz kain canlgiezzer kaine canln noch flaschen noch
schuͤzzelen niht giezzen sol, denne swaz er geuzzet von zine und von plei, daz sol
er anders niht giezzen denne ain pfunt plei under cehen pfunt zines
NüP
165
MWB 3,1 138,1; Bearbeiter: Richter
kannengieʒære
stM.
siehe DRW 6,1099ff. und 6,1124ff. s.v. Kannen- bzw. Kantengießer.
MWB 3,1 138,7; Bearbeiter: Richter
canonicât
stN.
Stelle eines Kanonikers, Domherrenwürde:
her Friderich von Adlatzhein, [...] pfaffe, sol
[...] verzihen vnd sich abe tuͦn gentzlich vnd gar on
allez geverde dez canonicates vnd der pfruͤnde die er von dem stuͤl ze Rome vf dem
stifte ze Wirtzeburg jmpetriert vnd geannampt hot UrkWürzb
41,271
(a. 1347);
canonicat pfruͤnde oder ander gotz gabe ebd.
41,272
(a. 1347)
u.ö.
MWB 3,1 138,9; Bearbeiter: Richter
kanonîe
stF.
‘Priesterschaft’ (s.a.
kanonisîe
):
unserm got Mahmet, / dem wil ich [
der babst Kalif
] tuͦn ein soͤlch gebet / mit miner kanonie / daz sin helf bie [
bî
] / in crefteclichen wirdet schin WhvÖst
5557
MWB 3,1 138,17; Bearbeiter: Richter
kanonîen
swV.
‘jmdn. mit der Stelle eines Kanonikers ausstatten, zum Mitglied eines Dom- oder
Stiftskapitels machen’ (hier übertr.):
uz siner [Gottes] iedes inblic / sich allez dinc
verhandelt, / doch belibet er unverwandelt, / almehtic, klarifizieret /
[... (Textlücke)] / menschen sele gefriet, / dar in
gekanoniet / gestiftet minnen orden MinneR 28
1,16
MWB 3,1 138,22; Bearbeiter: Richter
kanonike
swM.
N.Pl. auch kanoniche (Glaub ; UrkCorp
(WMU) ; Karlmeinet ).
‘Kanoniker, Mitglied eines Dom- oder Stiftskapitels, Chor-, Stiftsherr’ (vgl.
LexMA 5,903; s.a.
kapitelbruoder
):
von der regele eins kanoniken, wie er sich halten sol, die
ist von gotte komen Mechth
6: 2,1;
und da nach der erbere man her Johan von Monthabur ein canonig zu Moxstat
UrkFrankf (B)
516
(a. 1332);
UrkCorp (WMU)
566,16
u.ö.;
di guten biscoffe / abte vnde mvniche / di gvten canoniche / prister vnde
paffen / di begundinz wol machen, / gotis wort si lerten Glaub
2929;
canonicus grece, latine regularis id est canunich SummHeinr
1:279,107;
Karlmeinet
381,26.
355,36.
377,25.
– übertr. auf Würdenträger im Islam:
swenn er wil in daz bethus gan / fuͤr sinen got Mahmet, / mit
sinen kanoniken ain gebet / tuͦt er im und niget nider / biz zu der erden
WhvÖst
6032
MWB 3,1 138,30; Bearbeiter: Richter
kanonisîe
stF.
‘Domkapitel’ (s.a.
kanonîe
):
[Karl der Große gründete ein Bistum und] gaff dar zo
groes richdum / ind ouch eyn canonisie, / vp dat sy de kirche vrie / besungen ind
bewarden Karlmeinet
341,15
MWB 3,1 138,48; Bearbeiter: Richter
canoniziere
stF.
‘Heiligsprechung, Kanonisierung’
daz ammet dirre ziere, / der canoniziere / geschach zu Peruse / in des
conventes huse Elis
9916
MWB 3,1 138,53; Bearbeiter: Richter
canonizieren
swV.
‘jmdn. heiligsprechen, kanonisieren’
dârnâch begunde er betrahten / und mit den kardenâlen ahten, / wie man in
canonizierte / und in als ander heilegen zierte LvRegFr
4883;
dise heiligin hêrrin drîe [Akk.] /
der sêlige pâbist dô / in dem selbin conciliô / wol lobelîchin zîrte / und sî
canonizîrte, / sô daz sî nû dî kirche hât / vor heilig und ir vest begât
NvJer
9284
u.ö.;
Martina
290,55;
Elis
9856
MWB 3,1 138,56; Bearbeiter: Richter
kanphenninc
stM.
Geldabgabe als Ersatz einer kanvart:
wer ovch ein kanschilling sol, der sol ein vart tuͦn gen Kam
[d.i. Cham am Zugersee, Schweiz] , der 6 kanpfennig
sol, der sol ein halb kanvart tuͦn, wele aber minz sol, da mag ein abt die pfenning
lan stân, vnz das er ein sch. schuldig wirt, vnd sol den ein kanfart tuͦn
WeistGr
1,4
(Mitte 14. Jh.)
MWB 3,1 139,1; Bearbeiter: Richter
kanschaft
stF.
→
koneschaft
MWB 3,1 139,9;
kanschillinc
stM.
Geldabgabe als Ersatz einer kanvart:
wer ovch ein kanschilling sol, der sol ein vart tuͦn gen Kam
[d.i. Cham am Zugersee, Schweiz] , der 6 kanpfennig
sol, der sol ein halb kanvart tuͦn, wele aber minz sol, da mag ein abt die pfenning
lan stân, vnz das er ein sch. schuldig wirt, vnd sol den ein kanfart tuͦn
WeistGr
1,4
(Mitte 14. Jh.)
MWB 3,1 139,10; Bearbeiter: Richter
kanstelle
F.
‘in einer Brotform gebackenes Brot’ (wohl aus lat. canistellum
‘Brot-, Fruchtkörbchen’; vgl. AWB 5,30 und Etymol.Wb.d.Ahd. 5,380f.):
clibanicus panis in testa coctus: canstella SummHeinr
1:335,303.
2:90,63
MWB 3,1 139,18; Bearbeiter: Richter
kant
Adj.
‘bekannt, kund’
Margareten die werden / alzu male er in sich slant, / doch wart ir gotes helfe
kant, / mit der ouch si wol genas Pass III
330,38;
diss mag uns wol ain bischaft wesen / das wir von den juden lesen, / als uns
die geschrifft schon tuͦt kant KvHelmsd
791.
2582
MWB 3,1 139,23; Bearbeiter: Richter
kant
stM.
→
quant
MWB 3,1 139,29;
kant
stSubst.
‘Rand’ (zu mnd. kant MN./ kante F., MNDWB 2,1,515 u.
Schiller/ Lübben 2,425):
da man eme den helm aff bant, / da was eme de kant / all umb durch slagen
KarlGalie
11420;
bede buckel ind kant [des Schildes] / hev hey eme
van der hant ebd.
5308
MWB 3,1 139,30; Bearbeiter: Richter
kantar
N.
‘Brenneisen’; ‘Schreibgriffel’, Glossenbelege aus mhd. Zeit s. AWB
5,30
MWB 3,1 139,36; Bearbeiter: Richter
kante
swF.
→
kanne
MWB 3,1 139,38;
canticpsalme, cantpsal
swM.
‘Lobgesang’ (hier: der drei Jünglinge im Feuerofen):
als man liset von den drin kinden die man in den oven warf: do lobtent si got
nit allaine, si mantent ôch all creatur zuͦ sinem lobe, wan si machtent den cantig
psalmen ‘Benedicite omnia’ PrGeorg
24,18;
canticum: cantpsal [vgl. App.z.St.]
GlHvB (GE)
322
MWB 3,1 139,39; Bearbeiter: Richter
kantner
Subst.
Holzgerüst im Keller zur Lagerung von Wein u.a.:
quidquid damni in vase, quamdiu in cellario domini vini super lignis dictis
kanthner jacuerit, acciderit illud dominus vasis sustinebit StRBrünn
81;
ligna vero cellariorum vulgariter dicta "cottiner" [l.
kantner (s. Corrigenda S. 434)] formae, quibus
panes vel casei supraponuntur ebd.
130
MWB 3,1 139,46; Bearbeiter: Richter
kantnisse, -nissede
stF.
auch kentnisse, kantnusse, -nuste.
1
‘Kenntnis, Wissen’ (überw. religiös) 2
‘Anerkennung, Bestätigung’
1
‘Kenntnis, Wissen’ (überw. religiös):
daz ich von meinem vater [...] vnt auch von meinen
oͤchaim [...] pin vnderweist mit rechter gewizzen vnt mit
rechter chantnusse, als auch iz an sev was chom von alten dingen
[...], allez daz recht, daz gehabt hat der edel fvͤrst
herzog Leopolt datze Willehalmespvͤrch auf dem marcht UrkCorp (WMU)
3371,32;
ich enchom her ze erde niht [...]
durch guͦte livte, den des dehein dûrft wâre. ich chom durch suntige, die ich ze
chantnusse brâhte Spec
57,28;
wann cze gleicherweis als der fledermaus augen stên gegen den glansten der
sunne, alsô stên unser chantnuzze cze gotez heilichait MvHeilFr
44.
53;
LvRegSyon
771;
PrOberalt
8,14.
103,10.
–
want sî [die Preußen] ouch
nicht hattin schrift, / darin man gote pflît irspên, / des mochtin sî in
[Gott] nicht irsên / mit den ougin der kentnisse
NvJer
3991
2
‘Anerkennung, Bestätigung’
vnd ze einer kantnv́ste, daz es sin erbe ist vnd ich es niezzen sol ze minem
lebenne, so sol ich ime iergelich geben ein balchun [einen
Fisch] ze meien UrkCorp (WMU)
1180,40;
dar vber geb wir zer chantnvsse vnd ze vrchvnde disen brive behangen vnd
bezeichent mit vnsers jnsigels chraft ebd.
652,11.
1802,3
MWB 3,1 139,54; Bearbeiter: Richter
kanvart
stF.
Fahrt nach Cham im Dienst des Klosters Engelberg:
wer ovch ein kanschilling sol, der sol ein vart tuͦn gen Kam
[d.i. Cham am Zugersee, Schweiz] , der 6 kanpfennig
sol, der sol ein halb kanvart tuͦn, wele aber minz sol, da mag ein abt die pfenning
lan stân, vnz das er ein sch. schuldig wirt, vnd sol den ein kanfart tuͦn
WeistGr
1,4
(Mitte 14. Jh.)
MWB 3,1 140,16; Bearbeiter: Richter
kanzel
stF.
‘Kanzel’
so sol der priester [...] in siner breide
[Predigt] vnd vf der kantzle kvͥnden. daz da guͦt
fvnden si [Fundsachen ausrufen]
SchwSp
148b;
eins tages gie er uf die canzell under sin gewonlich
crucifixus und nam uf sinen blossen ruggen ein stark
disciplin [Kasteiung]
Seuse
135,25
u.ö.;
cancellus: canzel VocOpt
12.023;
JTit
411,1.
396,2
MWB 3,1 140,24; Bearbeiter: Richter
kanzelære
stM.
auch
kenzelêr NvJer
460.
1
‘Kanzler, Vorsteher einer Kanzlei, Inhaber eines Kanzleramtes’ (vgl. differenzierter DRW 7, 257-274 u. WMU 2,976f.) 2 als Name
1
‘Kanzler, Vorsteher einer Kanzlei, Inhaber eines Kanzleramtes’ (vgl.
differenzierter DRW 7, 257-274 u. WMU 2,976f.):
der bischof von Mênze ist kanzler ze diutschen landen; der hât die êrsten
stimme an der kür [bei der Königswahl]
SchwSp (W)
110,2;
sin [König Davids] chanzeler was
Josaphat, / der alle sine hohgetat / screip und alle sin geschiht
RvEWchr
28321;
grôzer unmuoze phlac / des kunigs kanzelære / und alle sîn
schrîbære, / ê die brief wurden geschriben Ottok
73027.
54103;
Walth
85,7;
Renner
9057;
BdN
113,1.
– hier unklar:
da ich zerethe sol. n. s. r. so. v. r. [
nah swabe rethe so von rethe
] ain urî swab. ainer urîen swabin sol. mir zemimem rethe; iv
zeiwerem rethe. mit minem wolwerde; engegem iwerem vollen werde. obir mir den
canzelare gewinnent Trauformel
30
2
als Name:
Walkun dictus kantzeler DRW
7,274
(Scheffler,ANürnbNB.; a. 1298).
– der ‘Kanzler’, ein Spruch- und Lieddichter :
her Kanzeler, ir kündet mir, / man seit ir künnet künste
vil KLD:Kzl
16: 6,2
MWB 3,1 140,32; Bearbeiter: Richter
Kanzelberc
Subst.
→
Kandelberc
MWB 3,1 140,54; |