kartur
swF.
PrLpz (L)
70,29
→
kamere
MWB 3,1 162,42;
karvan
stM.
beim Deutschen Orden Bez. für das dem Marschall unterstellte Kriegsinventar in den
Stallungen und Ausrüstungskammern, metonymisch auch für diese selbst (vgl. DRW 7,472
mit Lit.; vgl. auch Rosenqvist 2,294f.):
uber daz sal er [der marschalc
] den carvan von pferden unde mûlen unde harnasches [
caravanas equorum, mulorum et armorum
] ettelicheme der brûdere, die under ime sint, bevelhen zu behûtene
vlîzeclîche StatDtOrd
103,29;
der schiltknehte meister mac von deme carvane geben eime
brûdere einen satel oder ein panel oder einen zoum, dî alt sint unde verworfen
ebd.
109,37.
104,10.
105,7
MWB 3,1 162,43; Bearbeiter: Hansen
karvanshërre
swM.
Mitglied des Deutschen Ordens, das das Karwanamt verwaltet → DRW 7,473
MWB 3,1 162,56; Bearbeiter: Hansen
kar|verdruc
stM.
‘Befreiung von Leid, Trauer’ (vgl.
kar
stF.):
wan iz der unsêld abezuc / und ein benanter karverdruc / ist
der pîn zû mangeln JvFrst
2630
MWB 3,1 162,58; Bearbeiter: Hansen
karvrîtac
stM.
auch karen-.
1 der Tag der Kreuzigung Christi 2 im Kirchenjahr der Freitag vor Ostern, an dem des Kreuztodes Christi gedacht wird,
‘Karfreitag’
3 in EvAug zur Übers. von bibl. parasceue bzw. dies
parasceues
‘Vortag eines jüdischen Festes, Rüsttag’
1
der Tag der Kreuzigung Christi:
dis bant [
des ewigen todes
] brach unser lieber herre Jhesus Christus an dem heiligen karfreitag,
do er sich lies vahen und binden, und starb an dem krúze Tauler
304,20.
318,19;
der selbe got [...] gab sinen svͤzen lip vnd sine
werden menscheit angistliche ze martyrene vnd ze toͤten an den karenvritage
PrGeorg (Sch)
36,25.
37,55;
an dem carfrîtage du Christus tot was an dem cruce
Parad
135,30.
137,16;
MvHeilFr
24.
28
2
im Kirchenjahr der Freitag vor Ostern, an dem des Kreuztodes Christi gedacht wird,
‘Karfreitag’
an eime karvrîtage, / dô [...] man
begînc daz ammecht / nâch der cristenheite recht / von unsirs hêrrin
martirât [Passion]
NvJer
8877;
an dem karvrîtage, sô man die gecît anhebet, sô sal man
venien [kniefällig beten]
StatDtOrd
123,37.
124,18;
uf den karfridac, / der vor der osterzite lac Elis
6563;
vnd sehzich phenninge sol man geben den dvͤrftigen zeinem mal an dem
charfreitage UrkCorp (WMU)
378,20
u.ö.;
GvJudenb
3322;
Parz
448,7.
470,1.
– im Vergleich (bezogen auf seine Rolle als strenger Fastentag):
sô dû einen menschen von sînen êren seist, sô möhtest dû einen ohsen
gerner frezzen an dem karfrîtage PrBerth
1:84,11
3
in EvAug zur Übers. von bibl. parasceue bzw. dies
parasceues
‘Vortag eines jüdischen Festes, Rüsttag’
vnd was parasceues der charvrietach [
dies erat parasceves Lc 23,54]
EvAug
205,14;
ez was parasceve der charvritach vor ostern [
erat enim parasceve Paschae Io 19,14]
ebd.
268,13.
270,2
MWB 3,1 162,62; Bearbeiter: Hansen
karvunkel, karbunkel
stM.
auch klârivunkel (vgl. auch
beklârivunkeln
).
ein Edelstein, ‘Karfunkel’ (vgl. Engelen, Edelsteine, S. 324ff; zu mlat.
carbunculus, die Form -vunkel wohl unter Anlehnung an
vunke
swM. bzw.
vunken
swV., vgl. Kluge, S. 471):
carbunculus ist der edlist under allen stainen
[...]. der stain [...] ist
dreierlai. der êrst ist der wirdigist, der haizt carbunkel. der ander haizt rubein,
[...]. der dritt [...] haizt
balastus BdN
437,25;
der karfunkel läuht in der naht ebd.
429,18;
uon des chuniges gestuͦle / schin di guten karfunchel
Rol
7177;
in der crönne vornan / lag ain karfunkell
GTroj
3631;
dar luchte ein carbunkil Roth
4599.
1853;
der andir stein git turen schin, / der heizet karbunkel und
robin Brun
1607.
122;
sin [des Edelsteins attraxate, d.i. →
antrax
] art, die clar, git luter lieht in tunkel, / darumbe man im gebnde
ist etwa den namen klarifunkel JTit
3014,4.
4471,2;
Parz
741,14.
791,1;
karfunkel ist ein stein genant, / von dem seit man wie liehte er schîne
KLD:OvB
2,1.
– häufig im Vergleich (vgl. ausführlich Friedrich, PhrasWB, S. 240):
daz zieret einen geistlichen menschen als ein liehter
karfunkel daz guldin gesmide Seuse
414,15;
sin schin schein also tunkel / als dem blinden der carbunkel
HeslApk
1754;
liecht als ein carvunkel ebd.
21616;
auch muͦz sin hertze brinnen / nach lobrichen sinnen, / als
der karfunkel brinnet WhvÖst
4085.
2644;
SHort
7992.
– bildl. auf eine (hochgestellte, begehrte o.ä.) Person bezogen:
ach, wie sich denne uf swinget / din herz gæn dem karfunkel!
WhvÖst
13425;
hierher wohl auch:
der zehenden schar mit girden / pflac
[...] / Jesebon von Brizia, / bi dem daz rich ze Frigia
/ was: mit manigem fuͤrsten hoch / zu dem der Karfunkel zoch / von Arabel dem riche
ebd.
16440
MWB 3,1 163,29; Bearbeiter: Hansen
karvunkelîn
Adj.
‘aus Karfunkel’, hier übertr. ‘rein, strahlend’
ach, herre, liebez herzen bluot, / wie gar dîn tugent ist gelegen! / von dir
ze sêre ist widerwegen / mîn triuwe lieht karfunkelîn / mit swacher stæte kupherîn
KvWPart
8291
MWB 3,1 164,1; Bearbeiter: Hansen
karvunkelklâr
Adj.
‘rein, strahlend wie ein Karfunkel’
sie schein als der sonnen schin: / karbunkel clar waz ir
gewant HvNstGZ
1063
MWB 3,1 164,6; Bearbeiter: Hansen
karvunkelstein, karbunkelstein
stM.
ein Edelstein, ‘Karfunkel’ (vgl.
karvunkel
mit Lit.):
der vierde heizt karfunkelstein, / daz nie sterne sô geschein /
als der stein des nahtes tuot, / und brinnet rehte als ein gluot
Volmar
121;
uon sinem helme da schain / der lichte karfunchil stain
Rol
4224;
von dem carbunkelstain
[Überschrift]
BdN
437,15;
Herb
613;
KvWTurn
577.
– im Vergleich (vgl. für weitere Belege Friedrich, PhrasWB, S. 240):
beidiu sîn [des Mannes] wât und sîn
lîp / diu wâren lieht sunnen var, / lûter und sô rehte klâr / daz ez im
[Wigalois] in diu ougen schein / als ein lieht
karfunkelstein Wig
4634;
HeslApk
3500;
Seuse
551,21
MWB 3,1 164,9; Bearbeiter: Hansen
karvunkelvar
Adj.
‘wie Karfunkel, karfunkelfarben’
dú ogen luter und clar / wand viol und karwunkel var / und
gabent minneclichen schin SHort
7082
MWB 3,1 164,23; Bearbeiter: Hansen
karwoche
swF.
im Kirchenjahr die Woche vor Ostern (von Palmsonntag bis Karsamstag),
‘Karwoche’ (vgl. LThK 5,1276ff.):
da ging er des donrstages in der karewochen zur finstern
metten Lanc
562,24;
die epistel [...], die man in der
karwuͦchen liset uss dem wissagen Isaias Seuse
36,10;
in der karwochen UrkCorp (WMU)
2726,16;
HvNördlBrf
33,89
MWB 3,1 164,27; Bearbeiter: Hansen
karz
stM.
‘Docht, Kerze aus Werg’ (vgl. AWB 5,50f.):
licinius quasi lucinius: charz SummHeinr
1:346,466;
licinius: carz ebd.
2:11,247
MWB 3,1 164,35; Bearbeiter: Hansen
kasagân, kasigân
M.
ein leichtes Panzerhemd (vgl. afrz. casingan M. ‘gepolstertes
Panzerhemd der Türken’ Tobler/ Lommatzsch 2,63; vgl. auch
Vorderstemann, Fremdw., S. 135f.; zur Sache s. Schultz, Höf. Leben 2,39):
an Heimrîch dem alten / was von samîte ein
kasagân [Laa. u.a. casygan, kassigan, casegan (vgl.
Wh (L) App.z.St.)] ; / ein pfellel drunder was
getân, / îser und palmât / dâ zwischen gesteppet und genât Wh
406,7.
407,6
MWB 3,1 164,38; Bearbeiter: Hansen
kæsære
stM.
Hersteller oder Verkäufer von Käse (nur als Bestandteil von Personennamen; vgl.
auch Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez., S. 171):
Cvͦnrat der kæser der smit UrkCorp
3027,15.
3514,1;
Hainreich Chæser UrkCorp (WMU)
1807,10
MWB 3,1 164,47; Bearbeiter: Hansen
kâse
stF.
‘einfaches Haus, Hütte’ (zu mlat. casa MlatWB 2,318):
indes wart ir [Elisabeth]
[...]ein hus gemaht / von holze unde ouch von erden: / hi
vone ir solde werden / eine otmudec [bescheidene] case
Elis
6667.
5205
MWB 3,1 164,52; Bearbeiter: Hansen
kæse
stM.
‘Käse’, als Bezeichnung für verschiedene, durch Dicklegung von Milch
gewonnene und ggf. gewürzte und gereifte Käseprodukte (insbes. Sauermilchkäse,
Frischkäse, Quark, aber auch durch Labwirkung erzeugter, höherwertiger Labkäse),
metonymisch eine konkrete (geformte) Portion bzw. ein Käselaib:
dô greif er in die gugelen sân / und nam den kêse in sîne
hant; / der willetôre her Tristant / greif sô grimmeclîch dar în, / daz im durch die
vinger sîn / ran daz kêsewazzer [die Molke]
HvFreibTr
5195;
kæs ist kalt und vol löchel, dâ von zeuht er die hitzigen
dünst in sich BdN
352,5;
ist auch, daz man [...]
[Minze] in ain milich legt, die læt si niht zuo kæs werden
ebd.
408,30;
gesalzene kese [...] unde andere
ungesunde spîse StatDtOrd
67,34;
rib kese, menge den mit eyern vnd scharbe gesoten spec dar zvͦ
BvgSp
44;
nim grunen [frischen, ungereiften]
kese SalArz
29,56;
er truoc vür des hungers nôt / weder kæse, vleisch noch brôt
RvEBarl
14976;
sine heten kæse, vleisch noch prôt Parz
184,8;
HvBurg
3290;
formadium [vgl. MlatWb 4,400 s.v. formaticus
] : kese VocOpt
13.052;
nem danne einen geizinen kese
[Ziegenkäse] niuwen BenRez
40
(vgl.
geiʒkæse
);
Seuse
75,2;
Eckh
1:274,3.
–
kæse machen
‘Käse herstellen, käsen’
ich sol noch bewisen / mit mines vater mannen / daz ich kæse
in der pfannen / kan baz ezzen danne machen Rennew
2022;
swaz denne vf dem tuͦche belibe, do von mache einen kese
BvgSp
39
vgl.
ebd.
72;
subst.:
sage, hastu mit andern sachen / gesundet als mit chese machen?
HvBurg
806;
manic gebûre sînes suon / [...]
wart entwert, / der wol sîn vater hiet genert / mit kæse machen manige frist
Ottok
26190.
– auch von Mandelkäse (vgl.
mandelkæse
):
wilt du machen aber einen kese von mandeln, so nim mandelkern
vnd stoz die vnd nim die milich vnd guͤz einer guͦten milich dor zvͦ
BvgSp
72.
– als Abgabe (vgl.
dienestkæse
,
huobkæse
u.ä.):
daz gvt giltet alle iar [...] zwelf kese
UrkCorp (WMU)
1712,39
u.ö.;
drie meigerhove ze Spigelharn die geltint
[...] sechzzic kæse UrbBayÄ
120.
– Lit.: LexMA 5,1029
MWB 3,1 164,57; Bearbeiter: Hansen
kæsebor
stF.
Korb, in dem der Käse seine Form erhält, ‘Käsekorb’ (vgl.
kæsekar
,
kæsenapf
):
ein wagen mit chæ̂sborn [zahlt (als Abgabe)] ein
phenninch, der karre einen helblinch UrkCorp (WMU)
548A,28
MWB 3,1 165,36; Bearbeiter: Hansen
kæsedienest
stM.
Naturalabgabe in Form von Käse → DRW 7,477 (GöttweigUrb.; a. 1322)
MWB 3,1 165,41; Bearbeiter: Hansen
kæsegëlt
stN.
Naturalabgabe in Form von Käse oder Geldzahlung zur Abgeltung dieser Naturalabgabe
(vgl. DRW 7,477 mit weiteren Belegen):
wir [...] tun chunt [...]
daz wir [...] ze einem widerwaechssel gegeben haben vnsers
rechten aigens [...] an zwelif chaes fuͤmf schillinge
chaesgeltes, daz ieder chaes ains wienner phennings wert sei UrkHeil
2,202
(a. 1347);
zehen pfunt perner gälts oder dafür chaese gelt auf meiner swayge
DRW
7,477
(Stolz,Schwaighöfe; a. 1345);
fumf schillinge chaes geltes an zwelif chaes UrkKlostern
1,322
(a. 1348)
MWB 3,1 165,43; Bearbeiter: Hansen
kæsegülte
stF.
Naturalabgabe in Form von Käse (vgl. DRW 7,478):
alle kæsegülte sol man verdienen halb ze wîhennähten unde halb
ze pfingesten SSpAug
214,21
MWB 3,1 165,55; Bearbeiter: Hansen
kæsekar
stN.
Gefäß (z.B. ein Korb), in dem der Käse seine Form erhält, ‘Käsekorb,
Käseform’ (vgl.
kæsebor
,
kæsenapf
):
fiscina: chasichar Gl
3:677,23
(BStK287);
galatho: chasichar ebd.
3:670,28
(BStK287).
4:215,56
(BStK926).
3:357,55
(BStK926).
– bildl. (phras.?) zwêne sint gedûhet in ein ~
‘zwei sind vom gleichen Schlag’ (vgl. auch Anm.z.St.):
dise zwêne süne sint gar / gedûhet [gedrückt] in
ein kæsekar Schlegel
314
MWB 3,1 165,59; Bearbeiter: Hansen
kâsel
F.
auch kâsûl, cassul;
zu mlat. casula.
1 ein liturgisches Kleidungsstück, ‘Messgewand, Kasel’
2
‘Häuschen, Hütte’ , hier übertr. vom Herzbeutel
1
ein liturgisches Kleidungsstück, ‘Messgewand, Kasel’
kaslen, kappen, andre cleit, / dî gotis dînste wârn gereit,
/ trûg an dî tûvils rote / zu vorsmêunge gote NvJer
26460;
die priestr gebuten den megden daz, / daz sî dâ von solden wirken / gezierde
zuo der gotes kirchen, câsuln, stôlen unde alben, / mit golde gezieret allenthalben
Philipp
704;
sîn [St. Peters] kleider wârn
fremd genuoc. / ein kâsûl was im erkant. / ein krumpstap in sîner hant / hêt er
sicherlîche EnikWchr
25377;
casula: misach, cassul SummHeinr
2:11,259;
ThvKandelb
260;
Lucid
89,9.
–
die infel [Bischofsmütze] muͦz
min helm wesen / [...] / und die kasele min
kursit [Überwurf (des Ritters)]
Rennew
13893
2
‘Häuschen, Hütte’, hier übertr. vom Herzbeutel:
daz herz ist gesetzt in ain pälglein,
[...] daz haizt des herzen hütt oder sein kasel
BdN
27,29
MWB 3,1 166,4; Bearbeiter: Hansen
kæselach
stN.
‘(kleiner) Käse’
ich send euch [...] zwen kesz und Margaretha und iren
kinden zwai keslach und beger, das si sie gessen vor der diser fasznacht
HvNördlBrf
57,11
MWB 3,1 166,22; Bearbeiter: Hansen
kæselêhen
stN.
Lehen, dessen Inhaber zur Abgabe von Käse verpflichtet ist:
daselb ein chaeslehen giltt 1 / 2 pfunt UrbBayJ
497;
Metemhausen diu hub vnd das chaeslehen UrbBayS
4,251
MWB 3,1 166,26; Bearbeiter: Hansen
kæselîn
stN.
auch -lî.
‘(kleiner) Käse’
dô greif he in die kogele sîn / und zôch den kêse her vore /
[...] / ‘nû nemet, mîn lîbe vrauwe, / ich sage ûch bî
mîner trûwe: / wêrit ir mir nicht sô lîp, / ich brêchte ûch daz kleinôt
[La. des keselin
] nît’ Eilh (L)
8876.
– als Bestandteil von Personennamen (vgl. auch Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez. S.
171):
Ruͦdolf Kesli UrkCorp (WMU)
813,7;
her Chasili ebd.
767,18
MWB 3,1 166,30; Bearbeiter: Hansen |