keitivic (?)
Adj.
wohl von mnl. keitivich (von keitijf aus afrz.
chaitif; vgl. Anm.z.St. sowie MNW 3,1284f.; s.a.
katîve
,
schêtîs
), hier keitunge.
‘unglücklich, arm’
da myn herre der konig die keitunge jungfrauwen in syn
beschirmung nam ein jare und einen tag Lanc
308,21
MWB 3,1 185,63; Bearbeiter: Luxner
keitunge
→
keitivic
MWB 3,1 186,5;
këlacker
stM.
Acker mit Vertiefung (vgl.
këlhalde
); hier wohl als Flurname:
in curia episcopi: de Wegelanger, daz Legenwis unus ager, retro pomerium auf
dem Kelacher unus ager TradSchäftl
462
MWB 3,1 186,6; Bearbeiter: Luxner
këlbant
stN.
verschrieben kle- (SHort
2700).
‘Halsfessel’
si hiess den kneht sa zehant / dar maniger hand bringen: /
klebant mit isen ringen, / armissen und ketten SHort
2700.
– wohl hierher (vgl. BMZ 1:132,6):
der hunt sprach: ‘daz wil ich dir sagen. / des tags muoz ich ein kelben
[l. kelbant; La.: kelbern
] tragen, / und muoz an einem seile stân / gebunden
[...]’ Boner
59,42
MWB 3,1 186,11; Bearbeiter: Luxner
këlbe
→
këlbant
MWB 3,1 186,19;
kelbelîn, kelbel
stN.
Dimin. zu
kalp
.
‘(kleines, junges) Kalb’
din vater hat getötet ein gemestez chelblein
EvAug
178,23;
des kälbleins flaisch, daz in der muoter leib getœt ist, ist
guot für vergift und hailt der slangen piz an dem menschen BdN
130,3.
131,15;
únser herre tuͦt in reht als ain rich man sim kaͤlblin: daz lat er gan
spilend und mit grosser vroͤde uf der haide, und swenn er wil so schleht er es an
daz hobet daz es tod lit PrGeorg
69,4;
Renner
12492;
Loheng
436;
Seuse
420,8.
–
des hirzs kälbel, sô daz gevangen wirt von ainem menschen und
wirt ain klain gefüert in panden, sô volgt ez dâ nâch dem menschen ungepunden
BdN
131,10.
129,33.
– im Sprichwort:
eines hat bewîset mich / ein spruch, der dik gesprochen wirt: / das ein
bluomoht kuo vil dik gebirt / ein vlekehtes kelbelîn Ammenh
3883.
– als Bestandteil von Personennamen:
Cvͦnrat kælbelin UrkCorp (WMU)
1360,1.
N511,2
MWB 3,1 186,20; Bearbeiter: Luxner
kelberbein
stN.
‘Knochen von Kälbern’
gegen des menschen biz vrumet kelber bein so si gebrant
werden vnde gepuluert SalArz
75,53
MWB 3,1 186,39; Bearbeiter: Luxner
kelberbûch
stM.
‘Bauch von Kälbern’
ez sol auch niemen cheinen chelberbuch noch cheinen
lemberbuch noch chein chitzin erschieben [(mit etw.) voll
stopfen] wande mit dem netze [Bauchfell oder
Fettnetz] daz davon chomen ist StRAugsb
200,15
MWB 3,1 186,42; Bearbeiter: Luxner
kelberhërre
swM.
wohl jemand, der die Abgabe für Kälber bezieht oder für die Eintreibung derselben
verantwortlich ist; evtl. auch ein reicher Viehstandsbesitzer (vgl. DRW 6,721), hier
als Bestandteil eines Personennamens:
Otto dictus Kelberherre DRW
6,721
(Scheffler,ANürnbNB.; a. 1263)
MWB 3,1 186,48; Bearbeiter: Luxner
kelberîn
Adj.
‘vom Kalb, kälbern’
vitulinum: chelbiriniz Gl
3:668,11
(BStK287);
kelberin uleisch ist wol getempirt. vnde machit gut blut
SalArz
16,52;
ein gugel man obene drûfe vant. / al frisch rûch kelberîn
Parz
127,7;
HvHürnh
38,9;
EnikFb
1041.
–
sanctus Lvcas nam angenge uon dem opphere des heiligen
Christes. da uon ist er gescriben mit chelberimme antlvzze Spec
118,21
MWB 3,1 186,55; Bearbeiter: Luxner
kelberschîe (?)
Subst.
Bed. unklar; falls Zweitglied zu →
schîe
(vgl. Lexer 2,723), dann wohl Bez. für einen sog. Kälberstall für Jungwild
(zur Sache vgl. Riesenthal, Jagd, S. 304f.); hier wohl bildl. von weiter
Kleidung:
wie suͤmlich tragent gelencket [mit einer Taille
versehen] / ir gewant nach dem nuͤwen schnit / etlicher nach dem
alten sit / dem wont ain langer mantel by / recht als er sy ein kaͤlberschy
MinneR 368
48
MWB 3,1 186,63; Bearbeiter: Luxner
kelbervël
stN.
‘Kalbsfell, -haut’ (vgl.
kalpvël
):
ir kleider waren kelber fel HvNstGZ
794
MWB 3,1 187,8; Bearbeiter: Luxner
kelch, kelich
stM.
‘Kelch’ (i. d. R. für den Abendmahlskelch):
calix: kelch VocOpt
12.034;
dâ der kelch mit wîne stêt / und diu oblat lît dâvor LvRegSyon
3136;
ich pringe die chirichtur / [...] /
und den alter plossen, / den kelich und das kirichgewant / und was man in der
kirichen fand HvBurg
5641;
mit in sûlen sî ouch zu deme sîchen vûren eine reinecliche
stôlen unde einen cinninen kelch unde eine wîze twêlen StatDtOrd
73,24;
Litan
1445;
Rol
258.
– übertr. (mit Bezug auf Mt 26,39 bzw. Mc 14,36):
als Matheus [...] / beschribet gantz
mit warer tat: / e got Crist zur martyr trat, / er bat und sprach: ‘ey, vater min, /
der kelch ge vur mich, mac iz syn!’ Hiob
1124;
daz ich ze der stunde den kelch miner bitteren marter allein
litte vúr ellú menschen Seuse
260,26
MWB 3,1 187,10; Bearbeiter: Luxner
këlch
stM.
‘angeschwollener, dicker Hals; Kropf’ (vgl. AWB 5,75f.):
struma: chelch Gl
3:438,70
(BStK926);
SummHeinr
2:484,408
MWB 3,1 187,26; Bearbeiter: Luxner
këlcheht
Adj.
hier -aht.
‘mit einer Geschwulst behaftet’, hier von Bäumen wohl ‘mit Maserknollen,
Wucherungen behaftet’ (vgl. Ganslmayer, Adjektivderivation, S. 285f.; anders
WMU 2,988):
als der grabe gêt von dem berig entriht fvͤr die chelchahten pvͦchen vntz in
die Saltzah immer mer ze tal UrkRait
401
(a. 1299)
MWB 3,1 187,29; Bearbeiter: Luxner
kelchvaʒ
stN.
‘Kelch’
ouch nam er daz kelchvaz / dâ der wîn inne was
JvFrst
1583
MWB 3,1 187,36; Bearbeiter: Luxner
kële, kël
swF.
Sg. z. T. auch st. flekt.
‘Hals, Kehle’
1 bei Mensch und Tier 1.1 die Außenseite betreffend 1.2 die Innenseite betreffend auch ‘Rachen’
2 Kehlstück am Pelz (als Schmuck an Kleidung und Rüstung; bes. auch rotfarbige Kehlstücke in der Heraldik (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,90 und Brüggen, Kleidung, S. 229) 3 übertr. ‘Dach- oder Regenrinne’ (vgl. FWB 8,777 und SchweizId 3,198f.)
1
bei Mensch und Tier
1.1
die Außenseite betreffend:
guttur: kel VocOpt
1.079;
seht an ir kele wîz und prüevent ir munt MF:Mor
25: 2,2;
ez muose ein collier ouch hân, / daz sich gein der kel
zesamene vienc Wh
406,13;
ir sült die kel ouch jucken niht, / so ir ezzt, mit blozer
hant TannhHofz
109;
iedoch hât er [der Stör] ain
klain loch under der keln und daz öffent er wenn er wil BdN
257,9;
Physiogn
273;
Wig
927;
KLD:GvN
14: 5,11;
Tr
17602.
– bezogen auf Strafanwendung:
ir mußt alle darumb hangen mit der kelen!
Lanc
444,26.
– von Froschkehlen als Speise in einer Rezeptparodie (vgl.
BvgSp , Einl. S. 9):
so mache zvͦm iuͤngesten ein klein lecker koͤstelin
von stichelinges magin vnd mucken fuͤzze vnd lovinken zvngen, meysen beyn
vnd froͤsche an der keln BvgSp
53
1.2
die Innenseite betreffend auch ‘Rachen’
ir [der Quitten] kern sint guot
dem menschen, dem diu kel und diu zung rauch sint oder scharpf
BdN
320,18;
etwenne wirt in der kelen ein gesver daz den adem irret
SalArz
42,54;
daz cruͦt [...], vertribet den
huͦsten unde subert den wec, der von der lungen in di kele geit
Macer
68,4;
OvBaierl
4,9.
– Sitz des Kehlkopfs:
diu kel hât oben ain pain ze mitelst durchhölert an
der stat, dâ daz haupt veraint ist mit dem hals BdN
18,21
u. ö.
– das Schlucken betreffend:
die zeni chliubint daz man in den munt sciubit, /
[...] diu chela iz
slintit [schluckt]
Gen
2816;
in die kelen im dar abe / kam von geschihte ein starkez bein
KvWSilv
398;
vom Teufel:
die enphliehent des tîefales chelen nieht
JPhys
15,9;
sprichwörtl. (?):
swaz dem wolf chome in die cheln, / daz si allez verlorn
FabelCorp
11,38;
iz waren ander græte, di ern in vreuden keln het gestecket
JTit
2453,2.
– als Sitz der Stimme:
sie [die Götzen] hant kele
ane stimme TrSilv
450;
weder mvnt noch kel / gesprichet dir nimmer wort me
Herb
2029;
von keln er oͮch so suͤze sanc RvEWh
3929;
Lanc
271,2;
Mechth
2: 25,133
2
Kehlstück am Pelz (als Schmuck an Kleidung und Rüstung; bes. auch rotfarbige
Kehlstücke in der Heraldik (vgl. Schultz, Höf. Leben 2,90 und Brüggen, Kleidung, S.
229):
ir belliz der was hermîn, / wîz unde vile gût; / die kelen rôt alse ein blût;
/ die ermel wol ze mâzen wît, / dar ûffe ein grûner samît / nâch ir lîbe wol
gesniten En
1704;
beide sabel [Zobel] vn kelen /
[...] / dar mite ziret er die riter sin
Roth
153.
1838;
den schilt ein rant al umbevie / von kelen rôt geverwet
KvWTurn
675
u. ö.;
Wig
3899;
Lanc
159,12.
– hierher oder auch zu 1.1:
die kele was im wiz als ein sne ReinFu
K,367.
K,378
3
übertr. ‘Dach- oder Regenrinne’ (vgl. FWB 8,777 und SchweizId
3,198f.):
vnd ist der selbe gebel gemeine [...] vnd ist aber,
das der ander hoher wil buuen, zo sol ime der giner den dritten pheninc zuͤ deme
selben gebel geben vnd die kelle mit den wasser vur sich gen UrkCorp
(WMU)
N346,26;
darumbe stûnd ein dolde / von posten und viôlen, / wintburgelîn
[Wimperg] , gargôlen
[Wasserspeier] / gesimse darunder, / die alle glîch
besunder / ir swellen [Grundbalken] hatten unde keln
Erlös
445
MWB 3,1 187,38; Bearbeiter: Luxner
këlebrât
stN. , këlebrâte
swM.
auch kel-.
‘Fleisch-, Bratenstück am Hals’ (vgl. AWB 5,75 s.v. kelabrâto und
5,78 s.v. kelebrât):
decallo: kelebrat Gl
3:356,30
(BStK927);
ruma: kelbrat ebd.
3:353,40
(BStK927);
decallo: kelebrato SummHeinr
2:91,83.
1:337,327
MWB 3,1 188,37; Bearbeiter: Luxner
këlgir
stF.
‘Gefräßigkeit, Völlerei, Schlemmerei’
die danne chelgîr her mein vertreib [interl. zu quos inde
castrimargie huc illecebra depulit
]
PsM
H 59,2
MWB 3,1 188,43; Bearbeiter: Luxner
këlgiric
Adj.
‘gefräßig, Essen und Trinken zugetan’
so ist denne dv vierdeslahte mvnchon die heizent
lantswefferre. die [...] sint alzan witsweͥfe noch
incheinest stete. vnde ir eignen willon vnde chelgirigir wolluste anhebende [
et propriis voluntatibus et gulae inlecebris servientes
]
BrEng
1
MWB 3,1 188,47; Bearbeiter: Luxner
këlgîte
stF.
‘Gefräßigkeit, Völlerei, Schlemmerei’
der furste bezeichent die gelûste unsers fleisches, chelgîte
unde allir slahte gierscheit Spec
40,10;
sô strîtit unser chelegîte [...] mit
unserre enthebede [Enthaltsamkeit]
TrudHL
105,5;
so wirfet er [der Teufel] sie an ubermut, so den
die girscheit, so den die kelgit, den die ungehorsam PrMill (S)
36,29.
25,27
MWB 3,1 188,53; Bearbeiter: Luxner
këlgîticheit
stF.
‘Gefräßigkeit, Völlerei, Schlemmerei’
in der selben wuoste / bechort in der tievel alrêste / mit der chelgîticheit,
/ dô er sô lange meit, / daz er niht âz noch entranc Aneg
2999.
3022.
3029;
[Adam,] der aller manne chunne hat / irworven michel
arbeit / mit siner chelgitechheit SüklV
75
MWB 3,1 188,61; Bearbeiter: Luxner
këlhalde
stswF.
(Berg-)Abhang mit Vertiefung; hier als Bez. eines Flurstücks (vgl.
këlacker
):
das jch [...] hatte ein kriͤch mit der eptischin vnd
dem gotshûse on Olsperch vmbe ein accher, der lit in dem banholze an kelhalden
gerute [vgl. Anm. WMU 2,988]
UrkCorp (WMU)
804,19.
– als Bestandteil von Personennamen:
Cvͦnrat kelhalde UrkCorp (WMU)
N157,3.
N128,22
MWB 3,1 189,4; Bearbeiter: Luxner
kelich
stM.
→
kelch
MWB 3,1 189,12;
kelken
swV.
‘tünchen, weißen’, hier als Part.-Adj.:
ungerechte lude lerent die selve lerunge, die Moyses lerede; volget iren
worden, niet iren werken; want si sint alse die gekelkede graber [
similes [...] sepulchris dealbatis
] , inbuzen wiz, inbinnen vol unreinicheide [vgl. Mt
23,27f.]
Lilie
8,11
MWB 3,1 189,13; Bearbeiter: Luxner |