Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   kërben - kërnechîn    


kërben swV. 1 ‘etw. einschneiden, einkerben’
2 übertr. ‘etw. feststellen’ (wörtl. ‘in ein Kerbholz schneiden’ )
   1 ‘etw. einschneiden, einkerben’ kerbe tweris [quer] das gelit [den Knoten des Pflanzenstängels] bis an den kern Pelzb 120,19; wisset daz gar sunder schrancz: / ob ir den boum [den Baum der Erkenntnis] jo kerbet [wohl ‘auch nur anrührt’ ] , / ir sundet unde sterbet! TvKulm 215    2 übertr. ‘etw. feststellen’ (wörtl. ‘in ein Kerbholz schneiden’): daz ist valsch, daz wil ich kerben / und wil uch des bescheiden schir Hiob 4450

MWB 3,1 208,58; Bearbeiter: Hansen

ker|bëseme swM. auch kere-. ‘Besen zum Kehren’ man trvg ovch dar [als Essen in dem hölzernen Land] bereitet wol / stemph [Stampfer] vnde slegele [Stößel] , / ker pesen vnde vlegele [Dreschflegel] / in mancher hande wise. / an nie keiner spise / gewan ich nie so richen smac Wachtelm 106. – in Gl. (vgl. AWB 5,131 s.v. keribes(a)mo): verriculum: kerebesemo SummHeinr 1:374,443

MWB 3,1 209,3; Bearbeiter: Hansen

kerclich Adj. , -lîche Adv. auch karklich; adv. auch -lîchen. 1 ‘schlau, listig’
2 ‘sparsam, geizig’ , sprichw.
   1 ‘schlau, listig’ durch ir kärclichen sin / wolten si [die Geistlichen] in [den Pfaffen Amis] versuochen StrAmis 1490; iedoch het er den sin, / daz ers chær(c)hlichen ane vie StrKD 50,17; er begunde im entwîchen / vil harte kärclîchen / zuo den sînen vür daz tor Greg 2106; daz wârin charchlîchiu dinch Exod 876    2 ‘sparsam, geizig’, sprichw.: der karklich seget [säht] , der schnidet [erntet] och ermlich, aber der rilich seiet, der samnet och rilich [vgl. 2 Cor 9,6] Seuse 363,19. 421,19

MWB 3,1 209,11; Bearbeiter: Hansen

kërden swV. ‘jmdn. speisen’ (hier bildl.; vgl. W. Grimm, in: ZfdA 10 [1856], S. 1-137, hier S. 4 und Anm. S. 135): dat himelsch leven is dit brot, / dat uns kert [Hs. kerdet ] in aller not MarlbRh 4,28

MWB 3,1 209,23; Bearbeiter: Hansen

kêre stF. , kêr stM. auch kâr (EvStPaul ). ‘das Sich-Wenden’ 1 ‘Kehrtwendung, Umkehr’
1.1 eigentl., im Kampf
1.2 übertr.
1.2.1 ‘Bekehrung’
1.2.2 myst. ‘(geistige) Kehrtwendung, Abkehr bzw. Zuwendung zu etw.’ (vgl. 4 )
1.2.3 jmds. lëbens ~ ‘jmds. Tod’
2 ‘Wendung (in eine Richtung), Bewegung, Fahrt’
3 ‘Zustand des Ausgerichtet-Seins, Ausrichtung auf etw.’
4 übertr. ‘Ausrichtung, Orientierung, Hinwendung’ (v.a. von geistiger Orientierung), auch i.S.v. ‘Art und Weise’
5 wohl ‘Turnier’ (vgl. afrz. tornoi Tobler/  Lommatzsch 10,437f., wörtl. ‘Drehung, Wendung’ , zu mit kêren bedeutungsverwandtem torner V.)
6 in der Wendung sunder ~
6.1 ‘unablässig’
6.2 ‘geradewegs, ohne Umschweife’
7 semantisch abgeschwächt (häufig als Reimwort)
   1 ‘Kehrtwendung, Umkehr’    1.1 eigentl., im Kampf: der kêre si sô vil tâten / unz daz si gar vertrâten / beide bluomen unde gras Er 9162; er treip den künic Valerîn / umbe in manege kêre / und wundet in als sêre, / daz er vor im muose ligen UvZLanz 5325    1.2 übertr.    1.2.1 ‘Bekehrung’ im sehsten jâre sîner kêre / erhuop sich dâ von sîner lêre / in geistlîcher ordenunge / ein vil êrsam samenunge / von meiden und von frouwen, / der man noch dâ vil mac schouwen LvRegFr 1004    1.2.2 myst. ‘(geistige) Kehrtwendung, Abkehr bzw. Zuwendung zu etw.’ (vgl. 4 ): aber wilt du úber winden, so tuͦ einen wackern ganzen abker und sprich du enwellest niemer me getuͦn, mit eime gantzen kere Tauler 326,2; gebe ime got einen gantzen woren ker von den súnden zuͦ gonde ebd. 125,24. 130,6 u.ö.; ist aber, daz dû widerkêrest [den Zustand des Nicht-Wirkens der Vernunft wieder verlässt] , daz enmac niht sîn von keiner wârheit wegen, ez muoz ein anderz sîn: entweder die sinne oder diu werlt oder der tiuvel. und volgest dû dem kêre, von nôt vallest dû in gebresten Eckh 4:479,52    1.2.3 jmds. lëbens ~ ‘jmds. Tod’ biz an sines lebins kere Macc 1020    2 ‘Wendung (in eine Richtung), Bewegung, Fahrt’ des Sarrazînes kêre / was wider gein Terramêre Wh 334,3; vierzig tusint hat Asser, / die mit dem kúnne taten ker / swar si solten keren hin RvEWchr 13161; von dem tempel keine kar / sie dag vnd auch die naht getede EvStPaul 5995. 9462; Gawein nam ein ker, / die jne die beste duhte da. / [...] die truͦg jne gein einem hol Krone 26216; er was die dritten kêre komen durch den sal [durchschritt zum dritten Mal den Saal] , / dâ viel von sînen handen vil manec recke zetal NibB 2292,3; Rennew 570; WhvÖst 1051. – von Flüssen: daz wir Eufraten des wenden, / daz sîn fluz iht mêre / tuo in Egyptum die kêre Ottok 52974. – vom Gang der Sonne: bî der sunnen kêre / bezeichent mir der schate mîn, / daz im gelîch zergât mîn leben KvWLd 32,258. – bildl. vom Sterben (vgl. ähnl. todes vart; vgl. auch 1.2.3): swenn ich tuͦn des todes ker Rennew 33059; des manhaitt rich und usserweltt / nam din mütter uss todes ker GTroj 4809    3 ‘Zustand des Ausgerichtet-Seins, Ausrichtung auf etw.’ die [Armbrüste] heten algelîchen kêr / reht ûf daz bette aldâ er lac Parz 569,6; ich bin unwert der ere, / daz ich in sulcher kere / gecruciget uf der erde / als min herre werde, / des wendet mir min cruce Pass I/II (HSW) 21264; tútschir lande get ein ger [spitz zulaufendes Stück Land] / ubir Rin: des teiles ker / get ein sit an welschú lant RvEWchr 2413    4 übertr. ‘Ausrichtung, Orientierung, Hinwendung’ (v.a. von geistiger Orientierung), auch i.S.v. ‘Art und Weise’ nun wirtt ze dissen stunden / menig rautt gebe [Ratgeber] funden / der zü der bösten lerre / richtett sine kerre GTroj 3752; der [Frau Gewissen] sind wol chund dein ker / und die steig deiner sund HvBurg 1632; in harte wiser kere / einen got er lerte Pass I/II (HSW) 19800 u.ö.; nâch sînes râtes kêre / ir sin began in zwîvel sîn: / sie betten an des mânen schîn / und gên dem sunnenglaste RvEBarl 2094; du [göttl. Gnade] bist nit got, du bist aber der gerechte ker zuͦ got Gnadenl 1,175. 1,159; HvNstAp 7482; Frl 10:10,8(La.)    5 wohl ‘Turnier’ (vgl. afrz. tornoi Tobler/  Lommatzsch 10,437f., wörtl. ‘Drehung, Wendung’, zu mit kêren bedeutungsverwandtem torner V.): wol sechtzigg er da nider reitt. / ze jungst waz kain held gemeitt / der an dem selben kerre / im wider ritte mere GTroj 3967. 5089    6 in der Wendung sunder ~    6.1 ‘unablässig’ lob und ere / immer mere, / sunder kere, / al vollen sere, / von aller creature / si dir gesaget Pass III 691,3; daz si aͤllu̍ jar den win, der in dem selben wingarten wirt, gaͤnzlich und sunder ker sont legen in sundrigu̍ vaͤsser UrkKlWald 474 (a. 1342)    6.2 ‘geradewegs, ohne Umschweife’ sus wonnen [gewannen] sy menlichen weder / mit helpen irre edelre burgere / veirzein portzen [Tore] sonder kere HagenChr (G) 2475    7 semantisch abgeschwächt (häufig als Reimwort): an manigerhande kere [bei mancherlei Gelegenheit] / sin meister im do vor las Pass I/II (HSW) 14628; Iacobus vnd Iohannes / auch [...] des / erquamen [erschraken] , die zu diesen karen / nu Symonis gesellen waren [ qui erunt socii Simonis Lc 5,10] EvStPaul 6462; wir suln ie von dir wizzen / durch was du sist vervlizzen / zu uns der nuwen lere, / und ouch von welcher kere [wodurch] / si daz begin entpfangen habe Pass III 546,90; naturlich sweiz ist an der rechten kere [richtig, gesund] . vnde ist so sich der man hat mezelichen gearbeit in der hitze SalArz 72,48; man weiz daz von wârheit wol / daz stahel golt silber êr / wendet gar in sîne kêr [wohl i.S.v. ‘dass Stahl Gold, Silber und Eisen gefügig machen kann’ ] / und ez trîbet und snîdet / daz ez ir kraft niht mîdet RvEAlex 15562. beidenthalp der vürste reiz / gein sîner sîten kêren [an den Seiten] / ûz dem rocke einen gêren [Stoffkeil, Rockschoß] UvEtzWh 2251

MWB 3,1 209,27; Bearbeiter: Hansen

keren swV. kern

MWB 3,1 211,1;

kêren swV. Prät. und Part. (besonders md.) auch kârte, gekârt, selten kôrte, gekôrt ( z.B. Parad 11,20. 51,32 ). 1 ‘ eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’
1.1 ohne weitere Erg.
1.1.1 eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’
1.1.2 übertr., subst. in der Wendung âne ~ ‘unablässig’ (vgl. kêre stF. 6.1 )
1.2 mit präp. Erg. oder Adv.
1.2.1 eigentl. ‘sich wohin bewegen’ (zu etw. oder jmdm. hin, von etw. oder jmdm. weg, aus etw. heraus usw.)
1.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin wenden, sich jmdm. oder einer Sache zuwenden bzw. sich abwenden, sich mit etw. beschäftigen bzw. von etw. ablassen’
1.2.3 übertr. ‘sich wohin entwickeln, sich wandeln’
2 ‘etw. oder jmdm. eine Richtung geben, etw. oder jmdn. (wohin) lenken’
2.1 ohne weitere Erg.
2.1.1 eigentl. ‘etw. oder jmdn. umwenden, umkehren (lassen)’
2.1.2 übertr. ‘etw. in sein Gegenteil verkehren, umwenden’
2.2 mit präp. Erg., Adv. (auch Adverbialsatz) oder Dat.d.P.
2.2.1 eigentl. ‘etw. wohin ausrichten’
2.2.2 eigentl. ‘etw. oder jmdn. wohin leiten, sich wohin bewegen lassen bzw. wohin bringen’
2.2.3 übertr. ‘etw. (sich, seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin ausrichten’
2.2.4 übertr. ‘etw. auf bestimmte Art und Weise ein- bzw. ausrichten’
2.2.5 übertr. ‘etw. jmdm. oder einer Sache zukommen lassen oder entziehen’
2.2.6 übertr. ‘jmdn. zu etw. bewegen’
2.2.7 übertr. ‘etw. in etw. wandeln, verkehren’
3 ‘etw. (einen Weg) nehmen, sich (einem Weg) zuwenden’
4 refl. ‘eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’
4.1 ohne weitere Erg., eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’
4.2 mit präp. Erg. oder Adv. (auch Adverbialsatz)
4.2.1 eigentl. ‘sich wohin wenden, sich in eine Richtung drehen’
4.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin (aus)richten, sich (etw. oder jmdm.) zu- bzw. (von etw. oder jmdm.) abwenden’
4.2.3 übertr. ‘sich in etw. verwandeln’
   1 ‘ eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’    1.1 ohne weitere Erg.    1.1.1 eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’ dô twanc in des tôdes leit / mêre dan sîn zageheit / daz er kêrte und gap die vluht Iw 1055; si vliehent unde jagent, / si entwîchent unde kêrent, / si lasternt unde êrent Parz 2,11. 21,17; kere, helt, kere! Herb 7801 u.ö.; Wh 87,1. 436,27; Kreuzf 2186    1.1.2 übertr., subst. in der Wendung âne ~ ‘unablässig’ (vgl. kêre stF. 6.1): zu lobe und zu êrin / Cristô dem vil hêrin, / der ouch âne kêrin / sî in deme lande wît / êwiclîch gebenedît! NvJer 5596    1.2 mit präp. Erg. oder Adv.    1.2.1 eigentl. ‘sich wohin bewegen’ (zu etw. oder jmdm. hin, von etw. oder jmdm. weg, aus etw. heraus usw.): sie namen die ruder in die hant / vnde karten hin zv Troygen lant Herb 340; nu lant vns uber se da hin / gekeren! EvStPaul 7226; do ilten die herren ze Jerusalem cheren AvaLJ 19,1; Gâwân sîn ellen lêrte, / ze fuozer fürbaz kêrte / manlîche und unverzagt Parz 564,24; nâch dem rîter kêrter sâ / und hêt in harte schiere ervarn Wig 5109; wâ kêrter hin? ebd. 4967; dô kêrte der keiser Fôcas / ûz des fiuwers flammen Eracl 1276; RvEWh 9944; WhvÖst 5182; subst.: KvWTroj 23364. nu chert ein grozzeu stat zuͦ in [fiel ihnen zu] , die hiez Gabaon PrOberalt 73,19. – im Kampf (s.a. ane kêren 1): dô er an in kêrte, / daz starke sper er durch in stach Wig 3557; si cherten uf di heiden Rol 166; der kuͤnc von Marroch kerte / da uͤber si mit sinem her WhvÖst 8778. 8801; Lanc 261,27; Wh 408,16; bildl.: SM:UvS 22: 4,5. hinter sich ~ ‘umkehren’ do chert si hinder sich PrOberalt 87,28; Lanc 198,4. hinnen, dannen ~ ‘fortgehen, sich entfernen’ do hup sich geschrie / vf der zinnen: / ‘there hei, sie kerent hinnen’ Herb 10242; sumer hinnen kêre! KvWLd 8,1; Tr 16201; daz münster und den gotes tuom / liez er unde kêrte dan KvWAlex 519; sie riefen alle: ‘kêrâ dan!’ RvEBarl 12297; subst.: Parz 54,29    1.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin wenden, sich jmdm. oder einer Sache zuwenden bzw. sich abwenden, sich mit etw. beschäftigen bzw. von etw. ablassen’ swenne vns vbele gedanche mvͦgen, so svln wir ze den gvͦten keren Spec 37,5; kêrent her, seht, waz hie gê! RvEBarl 1179; swenne aver sî von im [ihrem Gott] gechêrten / unde einen andern got êrten, / sô wurden sî gevangen unde erslagen JJud 617; AvaLJ 216,2. mit hîrât wold er kêren / zder frouwen Margreten guot Ottok 1826. – beim Erzählvorgang: an den wil ich nu keren / mit disem suͤzen mære Rennew 33142; nu mugen wir wol mit eren / an die gotes muotir cheren Hochz 790; Herb 17052. 1709; UvZLanz 8918. – ‘sich zu etw. oder jmdm. bekennen, bekehren’ wil er got eren, / zu der cristinheit cheren, / ich lihe ime halbe Yspaniam Rol 1507; Herodes der betuͤtet den tiufel. swer zu dem chert, der verliuset daz ewig licht PrOberalt 31,38; chert zuͦ mir in allem iurem hertzen ebd. 56,15; Wh 44,28    1.2.3 übertr. ‘sich wohin entwickeln, sich wandeln’ sie sazin alle vnde hortin / war daz spil hinen karte Roth 2521; so die werlt von sorgen / in die freude keret Herb 13881    2 ‘etw. oder jmdm. eine Richtung geben, etw. oder jmdn. (wohin) lenken’    2.1 ohne weitere Erg.    2.1.1 eigentl. ‘etw. oder jmdn. umwenden, umkehren (lassen)’ mit zügen harte swinden kêrt’ ez [das Schiff] der gast, / unz im daz starke ruoder an sîner hende brast NibB 1564,1; daz alunige [alaunhaltige] wazzer keret vnde truckent das uzvlizende blut SalArz 20,5; ruͤfær und spilman, / [...] / und ander, die sich des begent, / daz si rîtent und gent / mit niwen mæren in daz lant. / die chere ich alle zeiner hant StrKD 161,232. man busset da mit der suche, di da heizet thetanus, daz di senadern so sere sich stringen [verkürzen] , daz man den halz nicht mac gekeren Macer 79,15    2.1.2 übertr. ‘etw. in sein Gegenteil verkehren, umwenden’ ez ist ir êre, / daz si kêre / kumber, den ich von ir hân SM:Gl 1: 8,5; den muot er wider kêret / und büezet sîne schulde / dir und der gote hulde RvEBarl 7718; nu kêret iwer gemüete, / daz er iu danke güete Parz 467,9    2.2 mit präp. Erg., Adv. (auch Adverbialsatz) oder Dat.d.P.    2.2.1 eigentl. ‘etw. wohin ausrichten’ gegen dem lande sy do / [...] / kertten segel unde mast GTroj 15333; die sîte kêrte er gegen ir dar, / daz si dâ bî næme war / daz im diu scham wê tet Wig 5934; man sol den mantel kêren, / als ie die winde sint gewant Tr 10426; MF:Sperv 1:12,1 (vgl. mantel 1.3); sin antlicz wolt er ir auch gancz nit kern Lanc 611,30; daz [das gliedersteife Pferd] plet sich und chert [streckt] all virew von im Albrant 1,8; Kreuzf 6847; MarlbRh 133,30. 48,8; BdN 295,20. 73,10; part.: auch sint läut, die hinder sich gekêrt [verdrehte] hend habent BdN 490,1; Lanc 457,22 u.ö.; PrOberalt 4,36. – in der Wendung (jmdm.) den rücken ~ ‘(jmdm.) den Rücken zuwenden’, sowohl eigentl. als auch übertr. (phras.) i.S.v. ‘(vor jmdm.) fliehen’ und ‘sich (von jmdm.) abwenden’ als schiere so im des tiuvels kneht / sînen rücke kêrte, / [...], / dô sluoc er in kurzen stunden / im vil manege wunden Iw 6773; sie kerten den ruck und flohen Lanc 474,21 u.ö.; Eracl 4799; RvEWchr 18017; KvWWelt 217; er [...] kêret den rücke der menscheit und daz antlitze ze gote Eckh 5: 112,5. 5: 16,6; SM:Tu 1: 3,7; PrOberalt 87,31; ähnl.: jmdm. den nac ~ : swes man mit ihte enberen mac / ze hofe, dem kêrt man gerne den nac Renner 6812 (vgl. Mechth 4: 12,75) – phras. (?) swie wir eʒ ~ (vgl. nhd. ‘wie man es dreht und wendet’): daz sint dev geslahte / swi wir ez chêren / ir nist niht mêre VMos 15,8    2.2.2 eigentl. ‘etw. oder jmdn. wohin leiten, sich wohin bewegen lassen bzw. wohin bringen’ mit dem sper erz [das im Wasser treibende Pferd] kêrte / sô nâhe her zuo an daz lant, / den zoum ergreif er mit der hant Parz 603,12; den swaiz im manic senftiu hant / von dem antluͤtz kert WhvÖst 12399; der kuninc heiz die botin kere / ineinin kerkere Roth 342    2.2.3 übertr. ‘etw. (sich, seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin ausrichten’ nu chere here dinen sin VMos 36,27; daz man gerne hœren mac, / dâ kêrt er sînen vlîz an: / er was genant Hartman / und was ein Ouwære Iw 27; er mohte sin gemuote / zuo ime niht cheren, er hazete sinen herren AvaLJ 55,5. 196,5; Litan 827; JPhys 5,9; part.: dâ mîn lîp an slâfen was gekêret MF:Mor 32: 2,3; swenne diu sêle gekêret ist von allen gewordenen dingen Eckh 3:229,2; sin leben hatte er ie gekart / an reine wandelunge Elis 3970; sich, Job, wi bistu nu gekart! Hiob 1577. 14577; Brun 128; Pass III 7,32    2.2.4 übertr. ‘etw. auf bestimmte Art und Weise ein- bzw. ausrichten’ – von Rede: do daz kint gehôrte / wi der chunic di rede kerte / iz nam den prant sa ze stunt VMos 34,7. 23,10. – von der Gesangsstimme: von mûsicâ was Alzippus / sîn [Alexanders] meister der in lêrte / wie er die stimme kêrte RvEAlex 1366    2.2.5 übertr. ‘etw. jmdm. oder einer Sache zukommen lassen oder entziehen’ man sol die huote kêren / an irriu wîp Iw 2894; so sal man di ercenie keren an di druse. vnde an daz geswer SalArz 68,29; er sol uns leren, / wie wir unsir gewæte cheren / innen von den sunten, / ouzzen von den schante VRechte 507; daz si daz heilic grap kêrten / an der kristenheit gewalt Ottok 12994; wir tuͦn oͮch kunt, daz Anne vnser tohter div guͦt [...] mag geben swem si wil, vnde wenden [verwenden, vermachen] vnde keren swie si wil UrkHohenz 2,237 (a. 1295); der herre kêre ez [die Erbmasse] in sînen nutz, ez ensî danne alsô daz den erben êhafte nôt letze SpdtL 109,21; UrkCorp (WMU) 1309,32; wir wellen unser dienst mit vlîz ir kêren Loheng 1190; WhvÖst 15285; KvWLd 32,188; sus wart der sarc gehêret, / grôz rîcheit dran gekêret Wig 8301; Parz 107,2. 129,20; von milte uns diu gnâde beschach, / daz got dur uns leit den tôt und er uns geruochte ûz wernden nœten kêren SM:JvR 1: 14,13; ich wil ze diute kêren [auslegen] / daz swert und ouch den sunnenwagn, / die rehte bîschaft von im sagn RvEAlex 984. – jmdm. etw. ze etw. ~ ‘jmdm. etw. als etw. auslegen’ die argen strâfer [Tadler, Kritiker] , die den läuten kainen schimpf noch kain werk ze guot kêrent und all zeit verkêrent zuo dem pœsten BdN 227,29; wer mirs zu arg keret [übel auslegt] der ist nit húbsch Lanc 254,9; Tr 17978. schult ûf/ an jmdn. ~ ‘jmdm. die Schuld zuschieben’ stvmme wart er [Adam] an der bîhte, wande leider sine schulde cherter gâr ûf sin wîp Spec 7,17; si [Eva] wolde di sculde keren / an den scephâre hêre VMos 9,5    2.2.6 übertr. ‘jmdn. zu etw. bewegen’ sô wolden si williclich / ir herren kêrn und trîben / in friuntschaft mit in blîben Ottok 46581; die fürsten hôch geprîset / sult ir ze kampfe kêren KvWTroj 18529. – wohl hierher, mit ëʒ als formalem Subj.: duo Kaîn gehôrte war iz got chêrte, / vil hart er irbleich Gen 624    2.2.7 übertr. ‘etw. in etw. wandeln, verkehren’ in guot ende kanst du kêren / Êven tumben anevank SM:EvS 1: 11,11; zucht wirt in unzucht gekârt Athis F 18; der reht mit triuwen lêret, / unreht ze rehte kêret RvEBarl 12940. 8715; KvWLd 14,24; KLD:BvH 6: 5,7; Serv 47. die werlt gekart wart in blut / an irme dritten ende HeslApk 13360. 15790. – spez. von Übersetzung von Sprache: also iz an dem buͦche gescribin stat / in franczischer zungen, / so han ich iz in die latine bedwngin, / danne in di tutiske gekeret Rol 9083. 9033; Cornelius den strit las, / als er in kriechish gescriben was. / als hat er in inz latin gekart Herb 59; nû solen wir enden diz bûch. / ez dûht den meister genûch, / derz ûz der welsche kêrde En 13431    3 ‘etw. (einen Weg) nehmen, sich (einem Weg) zuwenden’ dâ vander von geschihte / einen waltstîc âne slihte / mit grase verwahsen unde smal; / den kêrte er anderhalp ze tal Tr 2574; von dem hûse kêrt er / eine strâze, diu was wol gebant Wig 6250; her Gwîgâlois kêrt von dem wege / ein engez pfat, daz was niht breit ebd. 4492. 8533; sweder vart [Kampf oder Flucht] ir kêren welt, / wir sîn me schaden doch verselt [wir werden so oder so verlieren] Wh 52,27. daz mer zu berge [aufwärts] er kerte [er ging den Strand entlang] Rennew 10677    4 refl. ‘eine Richtung einschlagen, sich (wohin) wenden’    4.1 ohne weitere Erg., eigentl. ‘sich umwenden, umkehren’ Phariens kerte sich und reyt under sie und stach einen mit dem roß darnyder Lanc 101,4    4.2 mit präp. Erg. oder Adv. (auch Adverbialsatz)    4.2.1 eigentl. ‘sich wohin wenden, sich in eine Richtung drehen’ swar sich ein ouge keret, dar keret sich daz ander nach Lucid 156,11; die hende er in ein ander want / und kêrte sich gein der want Eracl 3324; sich kêrte gegen dem schalle Gunther der künec hêr NibB 2004,1; wider hoster [ostwärts] her sich karte ReinFu K,938; MNat 14,5. do cherte sich eines visces grat [...] im in den hals Konr 5,21. – vom Lauf der Sonne: daz ergie an der zit, do sich die sunne gein dem abent chert und diu nacht nahen begunde PrOberalt 44,11; davon haizzet er der kraiz der windersunwenden oder der winterisch widerkerer, wanne deu sunne kert sich danne wider zu uns KvMSph 30,23. sich (hin)widere/ danne/ umbe ~ ‘sich umwenden, umdrehen’ duo Joseph ire rede fernam er chêrte sich hine dane, / der âmer inen dwanch daz ime der zaher ûz spranch Gen 2193; dô kêrt er sich hin widere und sach Volkêren an NibB 2000,2; her karte sich hine umbe Roth 2431    4.2.2 übertr. ‘sich (seine Aufmerksamkeit, sein Streben o.ä.) wohin (aus)richten, sich (etw. oder jmdm.) zu- bzw. (von etw. oder jmdm.) abwenden’ swer sich an niht wil kêren / wan an des lîbes gelust, / daz ist der êren verlust Tr 12510; ze wer sol ich mich kêren Parz 571,10; an spot er sich niht kêrte UvZLanz 248; swer sich von zwîvel kêret, / der hât den geist bewart Walth 77,30; ich enmag mich nit von der minne keren, ich muͦs ir gevangen wesen Mechth 1: 28,9; ich kêre mich gegen der crêatûre, [...] und kêre mich von gote Eckh 5: 14,15. 5: 16,5; SuTheol 298; di fornuft inmac sich nicht gekerin dan uf ein dinc Parad 46,4. – vom Erzählvorgang: lâ mich aber kêren / wider an daz mære hie, / dâ ich die rede hie vor lie RvEBarl 11866    4.2.3 übertr. ‘sich in etw. verwandeln’ er [der alte Blanscandiz] iteniute [verjüngte] sich ander stunt: / daz alter cherte sich in die íugent Rol 1901; frowe mîn, dur dîne güete / twing mîn herze ûz ungemüete, / daz ze fröiden kêre sich SM:JvW 3: 5,3; HeslApk 18354. 15874

MWB 3,1 211,2; Bearbeiter: Hansen

kerenter stM. Ort für die Gebeine der Toten, ‘Beinhaus, Karner’ (vgl. karnære ): in dem spiegel ich erkenne daz ich asche bin als er: / sô kan mir der kerenter / mit dem gebeine künden, / daz mich die würme nagende werdent KvWLd 32,265

MWB 3,1 214,62; Bearbeiter: Hansen

kerge stF. auch karge. 1 ‘Klugheit, Schläue’
2 ‘Geiz, Knauserigkeit’
   1 ‘Klugheit, Schläue’ ez kumt von mîner kerge, / daz ich si kan genennen Helmbr 828. 1648; mit grôzen witzen und mit kerge Ottok 18555; daz bevilh ich dîner kerge, / daz er werde ûf die naht / alsô in die stat brâht, / daz daz hofgesinde / sîn înfart iht [nicht] befinde ErnstD 5298. – ‘(Arg-)List’ als wil der genadige Christ, daz wir biderbe sîn in aller slahte goͮte vnde wîse wider die cherge des leidigen tieuels Spec 125,15; sô getâne kerge / wolden si undervarn Ottok 28929. 5612    2 ‘Geiz, Knauserigkeit’ diu kerge gen der milte treit / den iemer wernden haz KLD:Kzl 16: 19,7 u.ö.; ich wæn da luͤtzel kerge / ieman wolt walten: / die varnden die bezalten / sie mit gabe riche WhvÖst 15018. 6588; nâch dem lützel ougen trüebet, / der in kerge stirbet Rumelant (R) 1:7,4; der alte treit mit karge / dez gitsackis zarge Martina 125,37; Boppe 1:4,1 u.ö.

MWB 3,1 215,3; Bearbeiter: Hansen

kergel stM. ‘Schlaukopf’ (hier appellativisch als Spottname): bischolf Kergel, dâ muost / dû grœzer arbeit zuo legen Ottok 59282

MWB 3,1 215,21; Bearbeiter: Hansen

kergen swV. kern

MWB 3,1 215,24;

kerkære, kerker, kerkel stM. karkære

MWB 3,1 215,25;

kerkeltor stN. ‘Kerkertür’ (hier als Ortsname in Colmar): von eime hofe, der was Cvͦnradeͥs des weibels seligen vnd liget bi kerkel toͮr UrkCorp (WMU) 713,21

MWB 3,1 215,26; Bearbeiter: Hansen

kerkeren swV. Part. auch gekerket. ‘jmdn. einsperren, einkerkern’ der [Barrabas] wart gekerkeret da von, das er manschlacht getan hete EvPass 237,18; alle die gene [jene] / di mit sorclicher sene / stark und veste gekerkert lagen / und mit totlichen pflagen / waren gevangen um ir missetete Brun 413; ich waz siech und kleider bar / und gekerchert Erz III 6,338. 6,511. 6,522; LvRegFr 4856. mîn bilde, obe ich gekerket bin / in dir, sô lâ mich ûz alsô, / daz wir ein ander vinden frô, / wan ich muoz aber wider in Walth 68,4

MWB 3,1 215,30; Bearbeiter: Hansen

kerkerhaft Adj. ‘in Kerkerhaft, gefangen’ muotwille und bœsiu geselleschaft / machent manige liute kerkerhaft Renner 13830. – bildl.: [Christus,] vüer uns hin von sünden wegen, / dar in wir sîn sô kerkerhaft RvZw Leich 195

MWB 3,1 215,41; Bearbeiter: Hansen

kerl stM. karl

MWB 3,1 215,46;

Kerlinc, Karlinc stM. ‘Franzose’ die grôzen clagelîche nôt / die clagete manec Kerlinc StrKarl 6373; kleine als ein bône / was der selbe stein. / [...] / dâ hafte si ir buosem mit / nâch der Kärlinge sit Wig 847; under al Karlingen / was ne hein ros so gezale, / uber berch unde uͦber tale Rol 1629 u.ö.; Serv 2003

MWB 3,1 215,47; Bearbeiter: Hansen

Kerlingære stM. ‘Franzose’ darnâch mit rotten wünniclîch / ûf disen turnei quam gezoget / der werden Kerlingære voget / reht als ein rîcher künec tuot KvWTurn 528. 268; dar kam ein künic Amantrîs, / der werden Kerlingære voget KvWTroj 23949

MWB 3,1 215,54; Bearbeiter: Hansen

Kerlingen, Karlingen stN. ‘Frankreich’ daz ander teil [der Welt] heizet Europa. [...] da inne lit Swaben, Beiern, Sazhen, Dúringen, Denemarc, Friesen lant, Kerlingen vnde Frankin Lucid 32,12; von Karlingen Pippînus, / ain chunich rîche Kchr 14309; swelich burgaer silber kaufen wil, des er bedarf hinze Kaerlingen, ze Franken, ze Bozen oder ze Venedic StRAugsb 16,21; Parz 87,21; Wh 334,10

MWB 3,1 215,60; Bearbeiter: Hansen

kerlingisch Adj. ‘französisch’ daz hemde si bedahte, / daz manz loben mahte, / mit einem rocke wol gesniten / nâch kerlingischen siten, / weder zenge noch ze wît Er 1547

MWB 3,1 216,5; Bearbeiter: Hansen

ker|mël stN. Mehl, das nach dem Getreidemahlen in der Mühle zusammengekehrt wird, ‘Kehrmehl’ (vgl. DRW 7,705 mit späteren Belegen): man ist auch seinem chnechte chains chêrmelbes schuldich ze geben RbRupr 154

MWB 3,1 216,9; Bearbeiter: Hansen

kern, keren swV. auch chergen, cherigen. ‘kehren, fegen, reinigen’ (häufig bildl.): mit allim vlizze wrde iwer hûs gechert unde gereinit Spec 73,24; von diu chêrge ein ieclichez die bosheit ubilir werche ûz sinime herzin ebd. 73,25; den mist si fur die ture cheret Hochz 34; uns ratet Ysaias, / daz wir cherigen daz hus ebd. 573. 53; kere ir phat mit süzer worte lobes besem Frl 3:4,6; Meissner 1:11,2; sprichw.: der niuwe beseme kert wol, / ê daz er stoubes werde vol Freid 50,12; KvWEngelh 4879(App.). – ‘säubern, ablecken’ dem helde muotes rîche / kerte ez [das Pferd] vriuntlîche / mit ligenden ôren sîne hant RvEAlex 2186

MWB 3,1 216,14; Bearbeiter: Hansen

kërnapfel stM. ‘Granatapfel’ (vgl. AWB 5,134): malum punicum vel malum granatum: rotephili, rodaphil, koraphel, kernapfel SummHeinr 1:185,208

MWB 3,1 216,27; Bearbeiter: Hansen

kërne, kërn swstM. ‘innerer Teil, Kern’ 1 allg. das Innere von etw., bes. Frucht im Ggs. zur Schale
2 ‘(ausgedroschenes, entspelztes) Getreidekorn’ (vgl. für weitere Belege WMU 2,995f.)
3 der essbare Kern einer Nussfrucht, ‘Nuss’
4 ‘Samenkern, Samen’
5 das Innere der Sprossachse von Pflanzen
5.1 ‘Mark’
5.2 ‘Kernholz’
6 das Innere von Knochen, ‘Mark’
7 übertr.
7.1 ‘das Innerste’
7.2 ‘zentraler, wichtigster bzw. bester Teil’
7.3 ‘innerer Gehalt, Sinn’
7.4 ‘Inbegriff, Verkörperung von etw.’
   1 allg. das Innere von etw., bes. Frucht im Ggs. zur Schale: swer die schalen vor hin dan schelt, / der siht alrêste den kernen Wh 322,15; als uz der schal der kern / wirt wiz gelost WhvÖst 10800; es klaget nieman als vil bitterkeit der húlschen, als der, dem unkunt ist dú inre suͤzikeit dez kernen Seuse 207,16. – bildl. (vgl. 7 ): der wilden rede nim ich den kern / her von der schaln und wil iuch wern / der wârheit unverhouwen KLD:Alex 2:19,1; minne ist ein suͤzer kerne Rennew 29470; als diu stimm in berges kor / den schal wider giltet, / sus er min rede schiltet / und maset [befleckt] mir den wizzen kern WhvÖst 10835; Renner 22305    2 ‘(ausgedroschenes, entspelztes) Getreidekorn’ (vgl. für weitere Belege WMU 2,995f.): ich hoer des den edeln vogeln jehen, / sie ezzen kerne vil gerne LvRegSyon 2462; die klainenn speis gebernt dünnes und klares pluet und guet pluet als kern und hüenr und kapaun unnd air HvHürnh 50,2; der mutte cherne chom umbe ainen pfenninch Kchr 16685; ador: kerno quod vulgo semen dicitur SummHeinr 2:56,451. 1:206,454; Bîspel (Pf) 11,38; Tr 10376; bildl.: nu hant vor mir die wisten / den kern geloͤset uz den vesen [Hülsen] des muͦz ich uz den hælmen lesen / min tihten als ein stupfelman [Ährenleser] WhvÖst 1495; ir sult den spriu / hie scheiden von dem kerne Frl 5:11,9. – in Abgrenzung zu anderem Getreide spez. zur Bezeichnung eines bestimmten Getreidekorns, hier wohl des (entspelzten) Dinkelkorns: was man aber hinusz fürt [davon gibt man als Abgabe:] von ainem schaff kern 2 dn. item von ainem schaff roggen 2 dn. item von ainem sack melbs 2 dn StRAugsb 264,9. – metonymisch eine bestimmte Menge bezeichnend (wohl ein Scheffel): do [im Jahr 1349] galt der kern ahzehenthalben schilling pfenning, [...]. des selben mals galt der rogg vierzehen schilling und vier pfenning StRAugsb 245,12 (vgl. 245,4)    3 der essbare Kern einer Nussfrucht, ‘Nuss’ êin nuz hat driv an iri: rînte, schale, chern Spec 13,29. 13,31; wilt du machen ein nuͤzzemuͦs, so nim nuͤzze kern vnd stoz die cleine BvgSp 80; nuze sint warm vnde vuchte [...]. jr kernis rinde twingit ein weninc SalArz 15,23    4 ‘Samenkern, Samen’ der pfersich kern ist ainem mandelkern geleich BdN 342,32 u.ö.; swer den pfedemin [Kürbis] schelt unde ane kern isset, vertribet dez magen unrechte hitze Macer 93,4; Ipocr 10; SalArz 14,43 u.ö.; sol der boͮm gewerden, der kerne muͦs verwerden Tauler 222,21; Parad 106,24; cittum: kerno dicitur granum mali punici SummHeinr 2:47,274. 1:185,209; bildl.: si [Mann und Frau] blüent ûz eime kerne gar Parz 173,5. 613,19. – ‘Kerngehäuse’ der apfel rot, sin mast [Frucht(fleisch)] wiz ob dem kerne Frl 2:6,2; vgl.: nim denne sur epfele, snit die kern her vz BvgSp 26    5 das Innere der Sprossachse von Pflanzen    5.1 ‘Mark’ daz kraut [Binse] hât gar ain grüen rinden und hât inwendig ain grôzen lôsen kern, den haizent die maister sein mark BdN 390,25. 391,1; spalde den wynstok vnd nym den kern odir das mark behendiclich vs dem stocke Pelzb 130,32. 120,19. zu des cederboumes kern / ist ein adeler bekumen / und hat den kern an sich genumen, / als uns saget Ezechiel [wörtl. Wiedergabe von Ez 17,3 aquila [...] tulit medullam cedri, gemeint eigentlich ‘den besten Zweig der Zeder’ ] Pass I/II (HSW) 9946. 9957; Eckh 5: 118,28    5.2 ‘Kernholz’ waz sî zu den stunden / grôzir boume vunden / [...], / dî durchsnitten sî gar / mit sâgen al durch den kern NvJer 27481; sin [des Ahorns] wurze vnt sin chern, / der dehein bovm mach enbern, / div warn ime fovl vnt naz Bîspel (G) 23,7; bildl.: sin chern ist weich vnt bose ebd. 23,47    6 das Innere von Knochen, ‘Mark’ nim danne den chern, der in dem horne [Hirschgeweih] sî Barth 138,16    7 übertr.    7.1 ‘das Innerste’ diu gift was im gedrungen / biz ûf den kern des marges KvWTroj 38491; ez gât mir dur ganzen kern [berührt mich im Innersten] , / daz mîn lôn ist gên der süezzen / hiure unnâher danne vern SM:St 4: 5,8; das derret miner freuden kern Krone 13918    7.2 ‘zentraler, wichtigster bzw. bester Teil’ ze Constantinopel ist mir wol erkant / der kern von kvnst vs meister pfaffen sinne Wartb Rs 86,3; di beistin meistere sprechin daz der kerne der selikeit lige an bekentnisse Parad 62,39. 91,2; wîser rede kluoc / geschach dô genuoc, / der ich iu niht sag wan den kern Ottok 22198 u.ö.; LvRegSyon 3411; Frl 13:44,7; Seuse 328,3. den himel unde die sunnen, / beide mande unde sterne / durchsprache wir unz uffen kerne [ganz und gar] Pass III 425,94    7.3 ‘innerer Gehalt, Sinn’ horchen sulle wir lise / waz uns die glose wise / uz disses textis kerne Daniel 1647; sente Paul [...] / sprichet uf geistlichen kern: / ‘ [...] ie hoher tugent, ie hoher lon’ Vät 5861    7.4 ‘Inbegriff, Verkörperung von etw.’ sîn ougen unt sîn nase / was reht der minne kerne: / al diu werlt sah in gerne Parz 429,25; der manheit gar ein kernen / sach man den jungen Dieterîch / ze sînen êrsten nœten Virg 77,6; si waren der wisheit ein kerne Brun 10302; Athis C 114; JunghHeinr 995; Pass III 579,3

MWB 3,1 216,31; Bearbeiter: Hansen

kërnechîn stN. Dimin. zu kërne. ‘kleiner Kern, Kernchen’ malagranata, das sint di eppil di do kernichin bynnen der schalin han Pelzb 123,30

MWB 3,1 218,7; Bearbeiter: Hansen