k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kestigunge
stF.
auch kastigunge (
Eckh (S)
22,25;
NvJer
13187
).
‘Zufügung von körperlichem Leiden (Schmerzen, Entbehrungen)’, meist zur
Disziplinierung
1 sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
2 einem anderen (zur Strafe oder Folter), ‘Züchtigung’
1
sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
der dritte ast ist dez libes kestegunge. der sælige mensche sol sinen lip
kestigon mit allen dien arbaiten, so ime sin orden vnde sin regile gebivtet vnde
setzit, vnde sol doch ime selbin die notdurfte gebin PrGeorg (Sch)
25,141;
der kunde selten rasten / mit gebete und ouch mit vasten, /
unz in sîn kestegunge twanc, / daz er vil wênic den gedanc / zuo dirre welte kêrte
RvEBarl
12311;
der biderb und der guote / mit grôzer kestigunge twanc / den lîp, wan er az
unde tranc / vil wênic und vil kleine. / niht anders wan gebeine / was an im und diu
hût dar obe KvWAlex
667;
NvJer
13187;
HvFritzlHl
235,29;
Eckh (S)
22,25;
wir [...] machen sew auch tailhafft vnd hailsam aller
der guetat die do volfuert werden in vnserm chloster [...]
ez sey mit singen, mit lesen, mit messprechen, mit vasten, mit wachten, mit gastung,
mit almuesen geben vnd mit aller geistleicher chestigung vnd vͤbung
StiftZwettl
701
2
einem anderen (zur Strafe oder Folter), ‘Züchtigung’
[der Kaiser ordnete an] swer im
[Christus] durch dekeinen zorn / iht übels sprechen
wolte, / daz er dar umbe solte / mit kestigunge werden / gepînet ûf der erden
KvWSilv
1889;
nâch dirre kestigunge alsus / wart gefüeret Jêsus / mit der waete pfellôlîn /
und mit der krône dürnîn, / und als daz ûzerwelte vaz / bespûwen und geslagen was, /
wider für Pylatum WvRh
9448;
mit zorne ich hân gerochen / den haz an iuwerm lebene, / den im sô gar
vergebene / mit willen iuwer herze truoc. / ir hânt von mir geliten gnuoc / red unde
kestegunge sît KvWPart
14891.
– auch die Bestrafung oder Reinigung im Fegefeuer:
[zum Fegefeuer des hl. Patricius, einer Höhle in
Irland] quam zur bezzerunge vil, / die sich mit willen huben /
in die selben gruben, / ir kestegunge namen; / sumeliche wider quamen, /
sumelicher da sin ende nam Pass III
235,39.
– übergehend zu ‘Leiden, Qual’
hilf uns durch die kestigunge [um der erlittenen Qual
willen] / die er [Christus] leit
von judenzunge, / durch die villât an der siule, / vor des leiden tiuvels griule
MarGr 18
723
MWB 3,1 228,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kestunge
stF.
vgl.
kestigunge
.
‘Zufügung von körperlichem Leiden (Schmerzen, Entbehrungen)’, meist zur
Disziplinierung
1 sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
2 einem anderen (hier zur Strafe), ‘Züchtigung’
1
sich selbst/ dem eigenen Körper (meist aus religiösen Gründen),
‘Kasteiung’
kestung und herzenandaht und von den lúten fliehen gebirt
kúnschkeit Seuse
105,1;
es wellent vil luͤte dêmuͤtic sîn unde doch âne versmêhede; es wellent vil
luͤte arm sîn unde doch daz in nút gebreste; es wellent vil luͤte kuͤsche sîn unde
doch ône kestunge des lîbes SprMyst (B)
199,24
2
einem anderen (hier zur Strafe), ‘Züchtigung’
von kestung der vrouwen Boner
96,Überschrift
MWB 3,1 228,58; Bearbeiterin: Baumgarte
ketene
stswF.
‘Kette’
1 zum Befestigen (Anbinden, Aufhängen, bei Tieren auch Anschirren) 1.1 von Gegenständen 1.2 von Lebewesen 1.2.1 von Tieren 1.2.2 von Menschen (im Rahmen von rechtlich geregelten Strafen oder von unrechtmäßiger Gewalt) 2 als Absperrung 3 als Teil von mechanischen Konstruktionen 4 als Schmuckelement 5 als Bestandteil von Waffen und Rüstungen 6 als Bestandteil von Gauklertricks
1
zum Befestigen (Anbinden, Aufhängen, bei Tieren auch Anschirren)
1.1
von Gegenständen:
die selben [Bücher] sol ein lupriester da
selbentz an kettenen machen in einer librari StRBern
6:13,29;
ein wîzer swan / flouc ûf dem wazzer dort herdan / und nâch
im zôch ein schiffelîn / an einer keten silberîn KvWSchwanr
250;
diu ketene was von golde, / dâ diu lampade bî hienk En
9596;
HvNstAp
18735;
Iw
300.
590;
Lanc
144,26
1.2
von Lebewesen
1.2.1
von Tieren:
ir ietwieder leyt eynen wint
[Windhund] an einer silberen ketten
Lanc
50,31;
Tr
15846;
ain bere vor ime lage / mit zwain cheten gebunden
Rol
3070;
Lanc
569,25.
629,23
1.2.2
von Menschen (im Rahmen von rechtlich geregelten Strafen oder von
unrechtmäßiger Gewalt):
in disin ketinin wart Athis / gespannin durch gerichte
Athis
A 158;
TürlArabel
*A 61,8;
Rol
6116;
sant Peter erlediget were von dem heiligen engle, der
die chettene da zebrach vnd den charchere vͦf tet Konr
15,29;
Pass I/II (HSW)
19227;
mit chetenen unde mit seilen, er [der
Teufel] bintet si algemeine AvaJG
27,3.
– übertr.:
daz aller lastere ketenen vnde boien
[eiserne Fesseln] / werde irledigit von
ir sele Litan
973
2
als Absperrung:
die keten durch die ringe [der Türen] tuo
KvWSilv
804;
KvHeimUrst
884;
es sullen auch die purger für bas nimer mer ketten vnd noch keinen rigel in
der stat ze Babenberch aufrichten RbHohenlohe
25;
UrkLudw
169
(a. 1333);
UrkCorp (WMU)
33A,46;
dô si [die feindlichen Schiffe auf dem
Fluß] gar kômen ze hûf, / dô zugen si die keten ûf / mit starken
werken ungeswacht, / [...] daz der sibenzehen hundert /
scheffe dheinez nie entran Ottok
97031
3
als Teil von mechanischen Konstruktionen:
beide die ketenen viengen, / und zucten sie so vaste / daz
diu brugge nider blaste Rennew
30612;
ouch was im [dem goldenen Adler]
der munt sîn / gemaht daz er ginte hô [den Schnabel aufsperrte und einen
hohen Ton von sich gab] , / sô man eine keten zô
UvZLanz
4794
4
als Schmuckelement:
zehen ketenen von golde / wâren dar ane gehangen. / dâ mite
was bevangen / di crône hêrlîche SAlex
5574;
an dirre chrône diu hie schein, / dâne was golt noch edel
gestein / noch [...] chetene noch strangen
KvHeimHinv
675
5
als Bestandteil von Waffen und Rüstungen:
des volk alle kolben trvͦgen, / keten in bli gegozzen
TürlArabel
*A 37,27;
an der keten er den helm fuorte Ottok
72692
6
als Bestandteil von Gauklertricks:
die mit den ketenen liegent / und stumpfe sinne triegent, /
die golt von swachen sachen / den kinden kunnen machen Tr
4667
MWB 3,1 229,6; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenen
swV.
‘in Ketten legen, mit Ketten fesseln’ hier Part.-Adj.:
mit der rede wart sant Silvester gechetenot in den charchere
gefvͤret Konr
5,19
MWB 3,1 229,59; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenhantschuoch
stM.
‘Kettenhandschuh’
an sînen handen nam ich war / zweier ketenhantschuoch guot
Helbl
1,323;
der ketenhantschuoch an hât, / [...], / er væht mit
eim umb ein wart ebd.
8,445.
2,1264
MWB 3,1 229,62; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenîn
Adj.
‘aus Ketten bestehend oder mit Metallringen versehen’
ir troien [Wams, vgl. ketenwambîs
]
[...] / dicker denne ein hant und beidenthalben ketenîn
Neidh
WL 14:2a,10
MWB 3,1 230,3; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenlîn
stN.
auch ketenli.
Dimin. zu
ketene
‘kleine Kette’
sî sach obe in schînen / einen himel mit ketenen guldînen: / an iegelîchem
ketenlîn / ein zimbel oder ein glöckelîn Tund
1899;
catella: kettenlin, kettenli VocOpt
18.023
MWB 3,1 230,7; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenlœse
stF.
‘Erlösung aus den Ketten’, als Bestandteil einer Datierung nach dem Fest
‘Petri Kettenfeier’ (vgl.
ketenvîre
):
do von Christes gebvrte vergangen waren drevzehen hvndert jar in dem sibenden
jar. an dem nehesten tage nach sande Peters tage ketenlose UrkHohenz
2,295
(a. 1307)
MWB 3,1 230,12; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenvîre
stF.
‘Petri Kettenfeier’, 1. August, der Tag, an dem Petrus aus dem Kerker in
Jerusalem befreit wurde (Act 12,5 -10):
diz ist gescheen nach Christes gebvrte tavsent jâr zweihunder jâr in dem nivn
vnd nivnzegestem jâre an sand Peters tage kethenveire UrkCorp (WMU)
3436,9;
den altenn sit danne / verdringt der newe sit, / das die welt
nach ïr czeit / die chetten veyr [Petri] begent / und von
des chaisers veyr stent [fern bleibt]
Märt
14740
MWB 3,1 230,18; Bearbeiterin: Baumgarte
ketenwambîs
stN.
‘Wams, das aus Ketten besteht oder mit Metallringen gepanzert ist’
ich sach [...] / einen knappen, der het an / ob einem
ketenwambîs guot / einen roc nâch sînem muot Helbl
1,311;
dar nâch gap daz getriuwe wîp / ir lieben sune an sînen lîp / ketenwambîs unde
swert: / des was der jungelinc wol wert Helmbr
149
MWB 3,1 230,28; Bearbeiterin: Baumgarte
kettelinc
stM.
eine Fischart (vgl. einen weiteren Beleg FWB 8,832):
der hof ze Agren [...] giltet jerglich ze vogtrecht
[...] 400 roten [Fischart mit roten
Kennzeichen] , die mit enander wert sin suln 2 phunt und 8
schillinge, 400 kettelinge, die alle mit enandern 5 phunt wert sin suln, und 16 ele
[Aale] , der jeglicher 6 phenning wert sin sol
UrbHabsb
1:152,9
MWB 3,1 230,35; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzer
stM.
jmd., der Glaubensgrundsätze vertritt, die von der (durch die röm.-kath. Kirche
vertretenen) Auslegung der christlichen Heilsbotschaft abweichen, ‘Ketzer’
(vgl. LexMA 4,1933-37 s.v. Häresie):
chetzer, iuden und heiden / dunchent uns die got leiden, /
wand si des glouben niht enhant. / swie groze sunde si begant, / so sint ir sunde
doch ein wint / wider die verlorn christen sint StrKD
112,1;
HvNstGZ
6528.
– in Rechtstexten (vgl. differenzierter mit weiteren Belegen DRW
7,795-797):
ketzer haizzent die laͤut, die an dem gelauben mit willen irrent, oder einen
valschen wan habent von dem gelauben, vnd dem fraͤveleichen volgent, vnd sich niht
wellent lazzen weisen RechtssA
K18,1;
auch ist der ein ketzer, der die heiligen geschrift anders verstet vnd si
bedaͤuttet, dann si die heiligen lerer auzlegent ebd.
K18,9
u.ö.;
unde ist, daz ein chetzer wirt gevangen umbe ungelauben unde
wirt den phaffen geantwurtet, wirt der bewaert, den sol man dem vogte antwurten mit
libe unde mit gute, unde sol der uber in rihten mit der
hurt [Scheiterhaufen] , unde swaz gutes bi im begriffen
wirt daz ist des vogtes StRAugsb
106,32
(Verbrennen von Ketzern auch:
Elis
4004;
WälGa
12685;
Mai
165,27;
Ottok
45501.
86037
);
Ausschluss von gerichtlichen Funktionen:
er [der Richter] sol auch niht jude
sîn noch ketzer noch heiden; er sol ein êkint sîn; er sol auch niht lam sîn an
handen noch an füezen SpdtL
148,6;
chint, div nit ze ir tagen komen sint [...],
verbannen livte vnd verehte livte vnd chezzer vnd maineide livte, die des vor
gerihte vber zivget sint, die mvgen alle nit gezivc sin SchwSp
10b.
– pseudoetymol. Herleitung der Bezeichnung von ‘Katze’ (Symbol der
Falschheit und des Verrats):
er hiez in einen ketzer. daz tet er dar umbe, daz er sich gar wol heimelîchen
gemachen kan, swâ man in niht wol erkennet, als ouch diu katze
PrBerth
1:402,21.
1:403,6.
– Ketzer sind gefährlich, weil nur Gelehrte sie erkennen können:
nû wachet, edele cristen, wachet, / daz uns der leiden ketzer rât / iht
scheide von der trinitât RvZw
88,10;
nút underwindent úch zuͦ hoher wisheit,
[...], und lant die hohen pfaffen darnoch studieren und
disputieren, [...] umb der heiligen kirchen willen, obe sú
in not keme mit ketzern; aber daz si úch verbotten Tauler
115,5;
Märt
4942;
SchlierbAT (LS)
1,78;
Brun
11652.
– im Vergleich:
wer ouch were der sich [in Indien] nicht wusche,
der wurde gehaldin sam eyn keczer MarcoPolo
62,12
MWB 3,1 230,43; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzergeloube
swM.
nicht mit der kirchl. Lehre übereinstimmender christl. Glaube, ‘Irrglaube,
Häresie, Ketzerei’ (vgl.
ketzer
):
unde dâ stêt [...]gar wol in dem sermone
[...] wie man ûf den rehten gelouben reden sol unde wie
der ketzergeloube schînet als ein fûlez holz PrBerth
1:250,22
MWB 3,1 231,29; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerheit
stF.
‘Ketzerei, (von der kirchl. Lehre abweichende) Irrlehre, Häresie’
Lambarten glüet in ketzerheit, war umbe leschestû
[Papst] des niht, / sint daz man der dîner schâf sô
vil in ketzervuore siht? WernhSpr (Z)
35,4;
sus wart kristen gloube / gehœhet und geêret, / und die sich heten verkêret /
mit irresamer ketzerheit, / die burgen sich und was in leit LvRegFr
2602;
Märt
482
MWB 3,1 231,35; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzeric
Adj.
→
ketzerige
stF.
MWB 3,1 231,43;
ketzerîe
stF.
von der kirchl. Lehre abweichender christl. Glaube ‘Ketzerei, Irrglaube,
Häresie’ (vgl. LexMA 4,1933-1937 s.v. Häresie; LThK 5,1415f. s.v.
Ketzerbewegungen):
ez wuchs ein ketzerie an in, / ein ungeloube unbehende
Vät
38384;
daz andere sint grôze meistere di di schrift al zu nâhe dûten
[...]. aber ungelêrte pfaffen di nemen si zu wîte und
zu grop. dar umme ist komen ûz disen zwên alle kezerie und ungloube
HvFritzlHl
1:33,39;
ez gêt niht weges zem himelrîche ûz der heidenschaft noch ûz der jüden ê, noch
ûz der ketzerîe PrBerth
1:357,8;
der [
manger slahte sünden
] ich ein teil wil künden. / hôchvart, gîtekeit, / unkiusch und
vrâzheit, / zouber unde ketzerî BuchdRügen
183;
zu hoher predegunge / was er [Konrad von Marburg, einer der
ersten Inquisitoren] al zu wol bereit, / ein minner guder
cristenheit, / ein echter [Verfolger] ketzerie / mit
strenger jagerie Elis
3975.
– in Rechtstexten (vgl. differenzierter und mit weiteren Belegen DRW
7,797f.):
uber swen umbe die ketzerie gerihtet wirt den sol man brennen
StRAugsb
108,27;
swer von der ketzerie komen wil, den sol man enphahen; ez sol der bischof
sinen eit offenlich nemen, also daz er von der ketzerie kere SchwSp
137a
MWB 3,1 231,44; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerige
stF.
‘Ketzerei, Häresie’
dis nemment tumbe affehte lúte fleischlichen und sprechent,
sú súllent gewandelt werden in goͤtteliche nature, und das ist zuͦmole boͤse
valsche ketzerige Tauler
121,28;
[Gott] erhorte dez keisers bet / vber die ketzerige groz
/ ir anevanc er gar besloz / ir mittel und och ir ende Martina
287,57.
– zur Bezeichnung von abweichendem und von der Kirche nicht geduldetem
Sexualverhalten (vgl. auch FWB 8,839. 842; Anm.z.St.: ‘Sodomie’); wohl oft
Homosexualität:
vmb ein kezzerige vnd vmb allez das, daz dem man den lîp genemen mag, da sol
ein herre einen vmb vahen vnd einem lantgericht antwrten WeistAarg
21
(a. 1348)
MWB 3,1 232,5; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerinne
stF.
‘Ketzerin’ (vgl.
ketzer
):
ketzer oder ketzrinn, wenn sich die wellnt bechern, so sol er dem pischolf
oder dem ketzermaister verswern allen irrtum RechtssA
K22,4.
– übertr. ‘Vertreterin gefährlicher und verderblicher Lehren’
thuet solhes nit [veranlassen, dass der König
Inzest mit seiner Tochter treibt] , das ist mein ratt: / (psäch,
Mynne, ir sult euch sere schamen) / ir verlieset anders ewren namen. / ir sult
nicht, fraw Mynne, / werden ein ketzerynne HvNstAp
163
MWB 3,1 232,19; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerisch
Adj.
einer christl. Irrlehre zugehörig, ‘ketzerisch, häretisch’ (vgl.
ketzer
,
ketzerîe
):
si jên er [Christus] het ein
lîchnam rein / von edler himelischen art, / [...] / mit der
rede si nicht bestên, / wan si ist valsch und unrecht / und ein ketzerisch gebrecht.
/ swaz dô mechte bewêren / di wârheit an unserm hêren / natûrlicher menscheit / daz
was allez an in geleit JvFrst
3730
MWB 3,1 232,29; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerkint
stN.
‘Kind eines Ketzers’ (vgl.
ketzer
):
des êrsten sint alliu diu kint, diu âne touf ersterbent, jüdenkint unde
heidenkint unde ketzerkint, diu dannoch umbe den gelouben niht wizzent und alsô
sterbent ê daz sie den ungelouben begrîfent an dem herzen, und aller kristenliute
kint, diu âne den heiligen touf ersterbent: diu varnt alle an eine stat, diu heizet
Limbus und ist vor der helle PrBerth
1:126,24
MWB 3,1 232,37; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerlich
Adj. , -lîchen
Adv.
1 einer christl. Irrlehre zugehörig oder ihr anhängend, ‘ketzerisch,
häretisch’ (vgl.
ketzer
,
ketzerîe
) 2 zur Bezeichnung von abweichendem und von der Kirche nicht geduldetem Sexualverhalten (vgl. auch FWB 8,839. 842), hier in Bezug auf eine inzestuöse Beziehung
1
einer christl. Irrlehre zugehörig oder ihr anhängend, ‘ketzerisch,
häretisch’ (vgl.
ketzer
,
ketzerîe
):
si sprachen [vor Gericht] , er macheti buͤcher. an
den stuͤndi falschú lere, mit der alles lant wurdi verunreinet mit kezerlichem
unflat Seuse
68,23;
wilt du die werk gemeine / elleu lazen under wegen, / der die
geloubigen sullen pflegen, / daz ist ein chetzerlicher mut StrKD
4,503.
4,482;
die ketzer sieht man weinen, / die bosen und die unreinen, /
die valschen muͦnsere [Münzer] , / dez glauben velschere. /
in die cristenheit sie haben / ir valsch ysen [um falsch zu
prägen] gegraben, / da sie valsch slahent mite / und rat nach
ketzerlichem site. / do von werdent sie geschant, / beide hie und dort gebrant
HvNstGZ
6535.
– adv.:
ir sult wizzen sicherlîchen / daz der lebet ketzerlîchen / der dâ wert mit
widerstrît / sîne bôsheit zaller zît / und den allez daz dunket guot / daz er
aller gernest tuot WälGa
11294;
Helbl
2,1259
2
zur Bezeichnung von abweichendem und von der Kirche nicht geduldetem
Sexualverhalten (vgl. auch FWB 8,839. 842), hier in Bezug auf eine inzestuöse
Beziehung:
daz in der fleischlîch vater sîn / mit sô heidenischen schîn
/ hêt bî der tohter sîn zwâr, / daz was ketzerlîchen gar EnikWchr
21880
MWB 3,1 232,46; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzermeister
stM.
‘Inquisitor’
chaͤm dann der chetzer maister, dem enpfolichen waͤr von dem pabst, oder von
dem pischolf, daz er solt suͦchen vngelaubig laͤut RechtssA
K18,31;
ketzer oder ketzrinn, wenn sich die wellnt bechern, so sol er dem pischolf
oder dem ketzermaister verswern allen irrtum, vnd daz er den gelauben staͤt well
halten ebd.
K22,6
MWB 3,1 233,8; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerpriester
stM.
ein Geistlicher, der selber Ketzer ist:
von checzer priesteren [Überschrift] . auch ain
bischolf oder ain pfaff, der ain checzer ist haymleich oder offenbar, wär
[erg.: er
] vber wunden mit vrtailen [...], der solt
nit die sacrament handelen vnd geben RechtssB
K22,18
MWB 3,1 233,16; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzervuore
stF.
‘ketzerische Lebensweise, ketzerisches Treiben’
Lambarten glüet in ketzerheit, war umbe leschestû
[Papst] des niht, / sint daz man der dîner schâf sô
vil in ketzervuore siht? WernhSpr (Z)
35,5
MWB 3,1 233,22; Bearbeiterin: Baumgarte
ketzerwîse
stF.
‘ketzerische Lebensweise, ketzerisches Treiben’
zem ersten begonde er [der hl.
Ulrich] vragen / den pristern sêre lagen / ob sie mit rehter lere
/ stuͦnden ze des livͦtes kere / [...] / darnach muͦsen die
leien / an den selben reien. / [...] / do er daz gemachete
allez sleht / symonîe vnd alle ketzer wise / virbot der witzige grise
Albert
758.
– übergehend zu ‘unrechte Sache’
san eine vͦrteil man ime vant / daz er vͦf dem evangelio
swuͦre / daz er nie irfuͦre / daz ketzer wise weͣre daz dinch / daz er daz bistuͦm
so entphiench Albert
1238
MWB 3,1 233,27; Bearbeiterin: Baumgarte |