kirnîn
Adj.
→
kërnîn
MWB 3,1 283,20;
kirse
F.
→
kërse
MWB 3,1 283,21;
kirsen
swV.
Intensivum zu
kërren
‘ein grelles Geräusch von sich geben’
die werden hôhgeburten / milten frechen jungen / diu ors mit spornen twungen,
/ daz sî in grôzer müede schinen / und von übernœte grinen / daz man ez hôrte kirsen
Reinfr
17415
MWB 3,1 283,22; Bearbeiterin: Baumgarte
kis
stMN.
aus grobem Sand oder kleineren Steinen bestehende Masse, ‘Kies’
1 als Material des Untergrundes (z.B. von Quellen; mit Betonung seiner Härte) 2 (minderwertiges ?) Gestein im Bergbau 3 unklar; wohl übertr. als ‘etw. Minderwertiges’
1
als Material des Untergrundes (z.B. von Quellen; mit Betonung seiner
Härte):
vil manic brunne lûterlich / qual ûz des herten
grienes [Sandbodens] kise KvWTroj
6913.
38092;
der brunn uf dringet sunder
mies [Moos] / us dem velsen dur daz gries / kúele,
stat, raine. / reht als dú berlen clain, / sant und kis von grunde / us wallent
alle stunde SHort
6753;
sô kunde Ector dâ giezen / daz heize bluot ûf herten kis
KvWTroj
26125.
36871.
– mit Artikel ‘Stein’ (vgl.
kisel
,
kiselinc
,
kiselstein
), hier im Vergleich:
ob dich daz niht erbarmet, / so bist dû herter danne ein
kis KvWTroj
29141;
ez [mein Herz] is / vor zorn
herter denne ain kis WhvÖst
4740
2
(minderwertiges ?) Gestein im Bergbau:
was in Got ercz in denselben lehen beschert, es sei ercz, kiz, perk, gank ader
wie das mit sunderleichen worten benant mag werden, das phenige gilt ader geben mag,
davon schullen si unsrem herrn dem kunig dinen und geben in seine muncz ain achtail,
das di urbar ist genant BgRIglau
319,20.
– hierher (?), Konjektur (vgl. DWB 5,688 s.v. Kies):
iz [jetzt] brocht her
[der betrügerische Bergmann] kiez
[Hss. biez
] und spat, / [...] / dar nach bracht er
lebersteine Erz III
56,313
3
unklar; wohl übertr. als ‘etw. Minderwertiges’
dû slehst etewenne ein îsin an ein ros, daz ist îtel kis, unde gêt lîhte dar
ûffe kûme eine mîle, unz daz ez zerbrichet PrBerth
1:147,27
(anders DWB 5,688: "bloszes eisenerz betrügerisch zum hufeisen
verarbeitet")
MWB 3,1 283,28; Bearbeiterin: Baumgarte
kischen
stN.
wohl ‘Zischen, Zischeln’, i.S.v. ‘Einflüsterung von Unwahrheiten’
(übers. an anderer Stelle sibilus/ sibulus, vgl. DWB 5,851):
im [Zeus] was sin kallen gesweiget / sin rehter
voget [der christl. Gott] erzeiget / der im daz kischen
buozte / vnd in so herte gruozte [durch Martinas Gebet und ihren Gesang
mit den Engeln wird seine Statue zerstört]
Martina
224,57
MWB 3,1 283,59; Bearbeiterin: Baumgarte
kisel
stM. (swM. ?
Minneb
2008
)
‘Kiesel(-stein)’ (hier immer :risel); im Vergleich wird die Härte
betont:
calculus: kislinc, kisil SummHeinr
1:236,15;
sie ist gelich dem kiseln / an veste und auch dem adamas /
und ist noch herter dann ein glas / gein mir mit iren spruchen Minneb
2008.
1680;
laß risen diner gute risel / uff miner sorgen kisel / und
mache min freude mir flucke! ebd.
4976;
min [Marias] süzer touwig morgenrisel / durchbrach
des herten fluches kisel Frl
1:9,16.
– auch übertr. auf das Hagelkorn:
den ersten himel sie [Ratio,
personif.] durch fuͦr, / [...] / da sach
sie gotes wisen list: / wie den winden ist gegeben / daz blasen;
[...] und wie der hagels kisel / werde und auch dez
snewes risel HvNstGZ
959;
wee von norden, scharpher wint! / stret [lasse
verstieben; Anm.z.St.] sorgen, herte kisel! / netze, kalter regen
risel! / letz, arger winter sur und kalt! Minneb
1259.
– swM. (?):
sie ist gelich dem kiseln [La. den
kiseln; vgl. Anm.z.St.] / an veste und auch dem adamas /
und ist noch herter dann ein glas / gein mir mit iren spruchen Minneb
2008
MWB 3,1 284,3; Bearbeiterin: Baumgarte
kiselgarn
stM.
(mit Steinen beschwerter ?) Strick für verbotene Tierfallen (im Wasser ?):
auch sal ein faut [d.i. voget
] von Mintzenberg werin in den wassern die in dem wiltbanne gelegin
sint spangezowe [ausgespannte Fischnetze] , waden
[Zugnetze] und keselgarne und alle unrechte stricke
und gezauwe, da mide man vahen mag wilt und fogele und fische WeistGr
6,397
(a. 1338)
MWB 3,1 284,25; Bearbeiterin: Baumgarte
kiselgruobe
swF.
Ort, an dem Kies abgebaut wird, ‘Kiesgrube’ (vgl.
kisgruobe
):
also, daz die vor genanten frawen furbaz immer mere deichen svln von der
mittel chiselgruben biz auf die Hart UrkCorp (WMU)
3336,38
MWB 3,1 284,33; Bearbeiterin: Baumgarte
kiselîn
stN.
Dimin. (?) zu
kisel
oder Verschr. zu
kiselinc
, ‘Stein, Steinchen, Kiesel’
calculus: kiselin SummHeinr
2:87,265
MWB 3,1 284,38; Bearbeiterin: Baumgarte
kiselinc
stM.
auch kislinc, keselinc (
Brun
3511.
3512
).
1
‘(einzelner) Stein, Fels’ (auch mit Betonung der Härte) 2
‘Feuerstein’
1
‘(einzelner) Stein, Fels’ (auch mit Betonung der Härte):
calculus: kiselinc SummHeinr
2:225,244.
1:236,15;
man wol mit eynem meyzel scharf / grabe in eynen kyseling
Hiob
7803;
an dem merterlichen tage / zaichen geschahen, / daz ez die
ivden sahen: [...] der kisilink erchlank, / daz daz fewer
dar ovz sprank Wernh
A 4607;
ir weg auf den herten kislingen BdN
301,32;
under dannen do zukt im got geswinde die froͤlichen gnade,
und ward im sin herz als hert als ein kisling Seuse
175,8;
BvgSp
54.
– im Wunder Wasser und Öl gebend:
diz ist diu edel ruote kluoc, / mit der ich
[Moses] den kisling sluoc, / daz frisch wazzer
dar ûz flôz WvRh
15729;
HvFreibKr
497;
Pass III
662,94;
daz ander zaichen geschach, / daz ein michel olebach /
ovz den kisilingen floz: / daz wunder douhte groz Wernh
A 3713;
Brun
3511.
3512.
– im Pl. eher kleine Steine, ‘Kiesel’
holit mir kieselinge von des mers stade PrLpz (L)
78,25;
chislinge unt griezsteine / lâgen sô vil in der furch / daz der brunne dar
durch / etwâ mit nœten dranc / unt reht in schellen wîse chlanc
KvFuss
1846;
vil snellen louf er gewan, / des horte man in clingen /
von den kiselingen, / durch die und uber die er swanc Pass I/II
(HSW)
3236;
KvWTroj
39485;
doch kunde ir einer drunder / liuhten für si alle, / rehte als ein
kristalle / ûz kiselingen schînet KvWEngelh
239;
KvWTroj
23187;
KvWLd
31,75;
nim ein chalch, der ouz chiselingen gebrennet sî
Barth
132,29;
driv fuͦder kisling LügenrM
56;
Roth
3111.
3130
2
‘Feuerstein’
silex haizt ain kisling, der ist hert und kalt und sleht man
doch feur dar auz BdN
443,30.
144,16
MWB 3,1 284,41; Bearbeiterin: Baumgarte
kiselstein
stM.
‘Stein, Fels’
er [Gott] hat geracket sine hant /
an den vil herten kyselsteyn. / groze berge hat er alleyn / gekart alum un
umme [Iob 9,5]
Hiob
10747.
– im Pl. eher kleine Steine, ‘Kiesel’, hier übertr.:
si och das dir dise steine [wenn das Herz und
der ‘Grund’ versteinern] an din kopf varen, búg dich und huͤt dich
das du in nút wider steinest. es sint och kleine kiselsteine Tauler
281,33
MWB 3,1 285,11; Bearbeiterin: Baumgarte
kisgruobe
swF.
Ort, an dem Kies abgebaut wird, ‘Kiesgrube’ (vgl.
kiselgruobe
):
dafur hat her ir vorsaczt und vorschriben ein sechczenteil eigener teil czu
phant und ein sechczenteil, das sein phant ist von geldes wegen, in dem rechten, als
es im hat gestanden an einer kisgruben BgRIglau
472,9
MWB 3,1 285,20; Bearbeiterin: Baumgarte
kislincstein
stM.
‘Kieselstein’
sus maich men sy [die unrechtmäßigen Schöffen] up
dem sale vain / ind in irs selves vesseren slain. / wir sullen darzo unse helpe
geven / ind vur unsen heren setzen unse leven. / zeindusent marck ind ein
keselincstein, / die mogen in schaden al ein [in gleicher
Weise(?)]
HagenChr (G)
2170
MWB 3,1 285,26; Bearbeiterin: Baumgarte
kiste
swF.
auch kist stF. (z.B. TvKulm ,
Hiob ).
1 (verschließbares) Behältnis zur Aufbewahrung oder zum Transport von
(Wert-)Gegenständen, Kleidung usw. ‘Kiste, Truhe, Kasten’ (vgl.
arke
2 ,
kaste
1 ) 1.1 allg. 1.2 als Ort zur Aufbewahrung des persönlichen Besitzes, auch metonymisch für die
persönliche Habe bzw. bildl. für das eigene Vermögen (vgl. auch
2 ) 1.3 als Kasse zur Aufbewahrung von (öffentlichen, institutionellen) Geldern, metonymisch für die jeweiligen (Geld-)Mittel (vgl. DRW 7,1021 mit Belegen ab dem 15. Jh.) 1.4 als Sarg 1.5 zum Transport gelähmter Menschen 2 bildl. ‘Behälter, Gefäß’
1
(verschließbares) Behältnis zur Aufbewahrung oder zum Transport von
(Wert-)Gegenständen, Kleidung usw. ‘Kiste, Truhe, Kasten’ (vgl.
arke
2,
kaste
1)
1.1
allg.:
diu slôz man ab den kisten brach, / dâ daz guot inne lac
Ottok
8575.
29354;
dâ sach er kisten wol geladen / bî grôzen schrînen ligen
vol RvEBarl
6036;
treit aber ein wagen mer chisten danne eine, der git einen phenninch
UrkCorp (WMU)
548A,20;
si sluzzen ûf die kisten, die ê stuonden wol bespart
NibB
1269,4;
EnikWchr
3312;
Herb
13577
1.2
als Ort zur Aufbewahrung des persönlichen Besitzes, auch metonymisch für die
persönliche Habe bzw. bildl. für das eigene Vermögen (vgl. auch
2):
getrûwet wir unserm herren wol, / sô würden uns kisten und kasten vol /
alles des wir dörften ûf erden Renner
10738.
23392;
ez vǘllèt dem rîchen man die schiure und ouch die kiste MF:Sperv
1:18,5;
tûsentstunt sol er [Gott] mêr
mîn eigen sîn, dan dehein mensche ie dehein dinc gewan, daz er in der kisten hât
Eckh
5: 298,8;
si [die personifizierte triuwe
] ziuhet ûz der kisten / dâ mite si kan vristen / die armen
ebenkristen KvWEngelh
86;
so er unlang in diser werlt lebt und die chisten des
uͤbeln guͦtes gewinnet vol ze fuͤllen PrOberalt
172,7
u.ö.;
UvLFrb
364;
Neidh
SL 21:6,4
1.3
als Kasse zur Aufbewahrung von (öffentlichen, institutionellen) Geldern,
metonymisch für die jeweiligen (Geld-)Mittel (vgl. DRW 7,1021 mit Belegen ab dem
15. Jh.):
so sol er einen chnecht an siner stat haben, vnd dem sol man daz brot
gebn, daz man im von der chisten [
ex prebenda
] git, so vil vnd ers geezen mac UrkGeisf
434
(13. Jh.?)
1.4
als Sarg:
da von gar die kristen / muͤzen in des todes kisten
Rennew
17610
1.5
zum Transport gelähmter Menschen:
dâ was ein wîp, diu was lam, / daz sie niht wan die zungen ruorte. / in
einer kisten man die fuorte / ze dem grabe [von St.
Franzikus] unde wart gereht / und an allen liden sleht
LvRegFr
4486
2
bildl. ‘Behälter, Gefäß’
alles daz in dem menschen ist, / wi tyf iz in des herzen kist
/ des menschen lyet begraben Hiob
3858.
12437;
diz dutet Jhesum Cristen, / der in der erden
kisten [im Grab] / lac tot biz an den dritten tac
HeslApk
8402.
– i.S.v. ‘Inbegriff’
aller suze suzes kist / beslust der nam Jesu Crist TvKulm
2849;
du [Maria] czu mole bist / schöne, reiner
tugende kist, / aller libstes vrundel myn ebd.
1254;
er [Gott] ist
[...] der richen salden kyst Hiob
73.
– nur umschreibend:
gewalt und arge list, / begraben inder richter kyst, /
ist di erste sache durch dy / dy unschuldegen werden hy / gemartert gar
unseleclich Hiob
3708;
vur mir me / sint kunge gewesen e, / und villichte erger vil, / und ich
bin gar sunder spil / in dem nicht vorleschet ist / des kunglichen somen kist, /
und vorleschet wirt er in mir HistAE
3652
MWB 3,1 285,33; Bearbeiter: Hansen
kistelîn, kistel
stN.
Dimin. zu
kiste
, ‘kleine Kiste, Truhe, Kistchen’
vater mîn, / sage mir, hâst du ein kistelîn? Schlegel
597;
du hetest ungerne hinne / daz selbe kistel lâzen stân ebd.
799.
810;
cistella: kistilin SummHeinr
1:345,454.
cistella: kistilin
2:93,155
MWB 3,1 286,26; Bearbeiter: Hansen
kistenphant
stN.
als Pfand gegebene Gegenstände (z.B. Schmuck, Kleidung u.ä.), die in einer →
kiste
verwahrt werden können (vgl. zur Sache 2HRG 2,1842f. sowie DRW
7,1023f. mit vorwiegend mnd. Belegen):
wirt einem manne gesatzit kistinpfant oder allirhande varnde habe, di man
getriben unde getragen mac StRFreiberg
36,25;
[bei unpünktlicher Zahlung] so mogent siͤ de zwo merc zuͦ
schaden nemin uffe kistenpant, den schaden sulle wir en ufrichten unde abeduͦn alse
wol alse den ziͤns UrkWetzl
1,407
(a. 1323)
MWB 3,1 286,32; Bearbeiter: Hansen
kistenstat
stF.
Ort, an dem Verkäufer Kisten aufstellen dürfen, um ihre Waren zu lagern (vgl.
Anm.z.St.):
ez sol auch kain rintschuhster ze strazze mit tischen stan
wan an dem fritage; in sinem huse unde uf sime laden unde ze gesatzten kistensteten
mag er alle tage stan StRAugsb
45,4
MWB 3,1 286,43; Bearbeiter: Hansen
kisterchen (?)
stN.
hier custercen, costercen.
in einer Ortsbezeichnung; Bed. unklar, Dimin. zu
kiste
? (vgl. Glr.z.St. 2,2:311 s.v. custercen):
super vetus forum et inter custercen [Überschrift]
UrkKölnSchr
2,1:276
(12. Jh.);
quod Berwaldus et uxor eius Heilewigis emerunt domum sitam inter costercen
ebd.
2,1:277
(13. Jh.)
u.ö.
MWB 3,1 286,49; Bearbeiter: Hansen
kitel
stM.
auch kidel, kittel.
ein langes Obergewand (mhd. sicher nur als Kleidungsstück für Frauen belegt, in
frnhd. Zeit auch für Männer, vgl. FWB 8,981):
doch was wunnenclich ir schin / ir cleit ein sidin kittel / ein gúrtel obe
der mittel / bevangen hatte das zarte wip / ich engesach nie schoenre lip
MinneR 333
41;
an irn fuezen cleine / truog sú zwei schuehelin reine / gebristen an ir
beinlin wol / die stundent ir uzer mazen wol / do der kittel hette den bast
[Saum]
ebd.
65;
blôzer nac und gelwer kitel / lockent manigen valschen bitel
[Freier, Bewerber]
Renner
12577;
gelwe kitel und muorsnitze [ein leichtes Kleid] /
lâzent manige meide niht sitze, / die mit flîze arbeiten sölten, / ob si ir zuht
behalten wölten ebd.
405
u.ö.;
teristrum: kitel, kittel [vgl. lat. (Hs. 15. Jh.): est
vestis muliebris linea subtilis, tenuis et attrita
]
VocOpt
17.101;
Elis
906.
– repräsentativ verziert:
ander edeln brút wart / weder klain noch gross gespart. / uf
rokel, kitil, sidin clait / och wurdent raineclich gesprait / wis, rot, blaw berlin
clain SHort
6977;
versniten gewant, an kiteln bilde / machent manic einveltic herze wilde
Renner
12735
MWB 3,1 286,56; Bearbeiter: Hansen
kitelîn
stN.
Dimin. zu
kitel
. ‘(kleines) Obergewand’
vil liebiu Katherin, / leg an din hübsches kittelin / und ganc mit mir an eine
stat / dar man mich hiut am morgen bat! ArmKonr
260
MWB 3,1 287,15; Bearbeiter: Hansen
kitteren
swV.
‘kichern, lachen’
ob sie vor freuden kittert, / wenn mir min hertze zittert, /
und ob sie dar umb snewet [schnaubt] , / ob ich mich durch
sie frewet? Minneb
2329
MWB 3,1 287,19; Bearbeiter: Hansen
kitzbûch (?)
stM.
Bed. unklar, wohl ‘Bauch-, Rumpfstück von der jungen Ziege’ (vgl. Beleg
StRAugsb unter
kitzîn
; Glr.z.St. erwägt dagegen ‘Keule einer jungen Ziege’, vgl. auch
Schmeller, BWB 1,196):
duͥ [
guͤter
] geltent mitenandren [...] 2 kitzbuͥch, der
jetweder(s) 4 Haller wert sin sol, 21 kese [...] und 11
huͤnr UrbHabsb
1:467,7
MWB 3,1 287,23; Bearbeiter: Hansen
kitze
stN.
auch kizze, chitzi, chuze, kitz; frmhd. auch kitzîn, kizzin
(vgl. AWB 5,210 s.v. kizzîn stN.); alem. auch gitzi, giczzi (
VocOpt , vgl. SchweizId 2,577f. s.v. Gitzi).
‘Kitz’
1 Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’
2 Jungtier des Rehs, ‘Rehkitz’
3 im bildl. Vergleich springen als(am) ein ~
‘(wie ein Tierjunges) umherspringen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 246)
1
Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’
si [Rebekka] hiez in
[Jakob] louffen zwei chitzi bestrouffen, / mit
michelem flîzze machen sînem vater einen imbîz [vgl. pergens ad
gregem, affer mihi duos haedos optimos Gn 27,9]
Gen
1126;
ein chitze si sluogen [...]. / den
Josebes roch dunkten si in daz bluot ebd.
1826.
1134;
iz [das Einhorn] ist lutzil tîer.
unte ist deme chitzîne gilich [
est hedo simile
]
JPhys
3,3;
daz der einhurne dem chizze gelich ist. daz bezeichinot
unseren haltare ebd.
3,30;
unte uuêidene dîne zíkkin [La. kitzin
] bî den héribergon déro hírto Will
14,3;
edus [d.i. haedus
] : gitzi, giczzi VocOpt
45.053;
hedi: kizzin SummHeinr
1:141,369.
2:57,8;
bi den chuzen SalArz
17,1;
EvAug
179,4;
VMos
23,4.
– als Abgabe:
der hof der giltet [...] ze osteren ein chize vnd
dreizech aier UrkCorp (WMU)
N772,15;
zwaintzich air und ein chitzz UrkBrixen (R)
259
(a. 1313)
2
Jungtier des Rehs, ‘Rehkitz’
nû sprichet unser gemahele: dîne bruste die sint same diu
zwinelîn chitzę der rechgaize [vgl. duo ubera tua sicut duo
hinnuli, capreae gemelli Ct 4,5]
TrudHL
112,14;
gelîch zuain chitzin der rêchgaize ebd.
50,25
3
im bildl. Vergleich springen als(am) ein ~
‘(wie ein Tierjunges) umherspringen’ (vgl. Friedrich, PhrasWB, S.
246):
da det Flordelise war: / si sprang umb in als ain kitz
HvNstAp
20261;
ein altiu diu begunde springen / hôhe alsam ein kitze enbor
Neidh
SL 1:1,2
MWB 3,1 287,30; Bearbeiter: Hansen
kitzele
F.
Jungtier der Ziege, ‘Ziegenkitz’
capella: gitzella [alle späteren Hss. gayslin, gaißlin
u.ä.]
VocOpt
45.052
MWB 3,1 287,62; Bearbeiter: Hansen
kitzelen, kützelen
swV.
ahd. kizzilôn, kuzzilôn vgl. AWB 5,209f.
‘kitzeln, reizen’ (hier bildl.):
ich forcht mir sy vergiftet / min freudenricher wandel, /
[...]. / ir mynnenclicher sußer glast / mich in dem
hertzen kitzelt, / daz mir min freude verhutzelt / ist und auch gar verdorret
Minneb
2315;
daz kützelt den muot KLD:BvH
1: 3,4
MWB 3,1 288,1; Bearbeiter: Hansen |