k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kitzelîn stN. kitzevël stN. kitzîn Adj. kitzîn stN. kiuchel stN. kiule swF. kiuleht (?) Adj. kiulenslac stM. kiuschære stM. kiusche Adj., Adv. kiusche stF. kiuschede stF. kiuschegen swV. kiuscheheit stF. kiuscheloht Adj. kiuschicheit stF. kiuschiclich Adj. kiuschlich Adj. kiuschmæʒicheit stF. kiuschrîche Adj. kiuschvarwe stF. kiutel stN. 1kiuten swV. 2kiuten swV. kiuwe swstMF. kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
kitzelîn, kitzel
stN.
Dimin. zu
kitze
.
‘(Ziegen-)Kitz’
die gaiz [...] derwerfent auch ir
kitzlein von schädleicher kelten BdN
127,29;
bring von dem vihe ein kitzelin, / so kan ich dem vater din /
ein ezzen wol gemachin mite [vgl. Gn 27,9]
RvEWchr
5690;
hoedus: kiczel GlAnzfKdVz
8:104,478;
hedi: kizelin SummHeinr
1:141,369;
EnikWchr
4418.
– im Vergleich:
er scheidet si voneinander. als der hirte svndert di schaf
von den chitzlein [
sicut pastor segregat oves ab haedis Mt 25,32]
EvAug
64,13.
64,14
MWB 3,1 288,8; Bearbeiter: Hansen
kitzevël
stN.
‘Fell eines (Ziegen-)Kitzes’
Rebecca nam das kitzi vel: / swa Jacobe ir sune dú kel /
oder die hende waren bar [haarlos] , / die bloͤze dahte si
vil gar / und liez ez niender schinin bloz RvEWchr
5720
MWB 3,1 288,19; Bearbeiter: Hansen
kitzîn
Adj.
‘vom (Ziegen-)Kitz’
hedinum: chizzin Gl
3:626,50;
ez sol auch niemen cheinen chelberbuch noch cheinen
lemberbuch noch chein chitzin erschieben [(mit etw.) voll
stopfen] wande mit dem netze [Bauchfell,
Fettnetz] daz davon chomen ist StRAugsb
200,16
MWB 3,1 288,24; Bearbeiter: Hansen
kitzîn
stN.
→
kitze
MWB 3,1 288,30;
kiuchel, küchel
stN.
‘Vogeljunges, Küken’ (zu mnd. kü̂ken MNDWB 2,698; frnhd.
keuchel neben küchel, vgl. DWB 5,647 und FWB
8,1745):
wy dicke wolde ich samen dyne kindere czu glicher wiz alse dy
henne sament ere kuͤchele undir ere vlugele EvBerl
6,19;
glicherwis recht als der ar, / der di sinen kuchel tut / sen in der brenden
sunnen glut TvKulm
3567.
– astronom. vom Sternbild der Plejaden (vgl. die Bez. ‘Gluckhenne’ DWB
4,1,5,305; s.a. unter →
hüenelîn
):
sechs kuechel mit der hennen, / das ist das sibengestirne
Hiob
14350
MWB 3,1 288,31; Bearbeiter: Hansen
kiule
swF.
auch külle.
1 eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf.
Leben 2,213; s.a.
kolbe
) 2 Schlagkopf eines Streitkolbens
1
eine einfache Schlag- und Wurfwaffe, ‘Keule, Knüppel’ (vgl. Schultz, Höf.
Leben 2,213; s.a.
kolbe
):
mit sîner herten kiulen / mahte er starke biulen / den knehten, die dâ liefen
HBirne (W)
199;
mit swerten und mit kiulen / kam geriuschet manic helt, / der ûf den grâven ûz
erwelt / sluoc des mâles unde stach KvWPart
14318;
mitt küllen und bartten [Beilen] /
begunden sy den zartten / mürden allenthalben GTroj
8001;
mit swerten [...] unde mit kuͤlen [
cum gladiis et fustibus Lc 22,52]
EvBerl
62,12;
mit swerten unde mit kuͤlen [
cum gladiis et lignis Mc 14,43]
ebd.
56,24;
ein kiule wol beslagen Er
2350;
vor die sprengel starke kûlen / sie fûrten
Kreuzf
7233;
dî [Heiden] ouch in swindin
vreidin / wurfin kuilen unde sper / kegn den cristnen abe her NvJer
23692;
Macer
17,20;
Parz
75,7;
Brun
9872.
– als Ausrüstung des Hirten:
die heirti sal och [dem Hilfeschrei der
Vergewaltigten] volgi mit sinir cuilin undi mit siemi crummin
stabi· undi sal diz vie lazi ste Mühlh
109,16
2
Schlagkopf eines Streitkolbens:
einen kolbn er in der hende truoc, / des kiule grœzer denne
ein kruoc Parz
570,6.
– übertr. auf die Quaste (?) des Löwen:
der lewe bram unde grein / an grozer ungeberde. / er
sluc uf die erde / mit sines zagels kulen Vät
27415
MWB 3,1 288,42; Bearbeiter: Hansen
kiuleht (?)
Adj.
→
kugeleht
MWB 3,1 289,4;
kiulenslac
stM.
‘Schlag mit einer Keule’
der alde munich warf in neder / vnd gap ime einen kulenslak, / daz hee an der
erden gelak Zwickauer (DVN)
B,309;
du hast mich gejagt, gevangen, gebunden und so tief gewundet,
das ich niemer wirde gesunt. du hast mir manigen kúlenschlag geben
Mechth
1: 3,6.
1: 3,10
MWB 3,1 289,5; Bearbeiter: Hansen
kiuschære
stM.
jmd., der enthaltsam bzw. keusch lebt:
Noe bezeichent di lerere, / bi Daniel sint bezeichent di
kuschere Brun
5118
MWB 3,1 289,12; Bearbeiter: Hansen
kiusche, kiusch
Adj., Adv.
auch kuske, alem. auch künsche, künsch.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
1 allg. 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’
2.1 allg. 2.2
‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen) 2.3
‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern) 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’
1
allg.:
sîne meister lêrten in / zuht und hovelîchen sin, / wol
gebâren, kiusche wesen, / mit witzen an den buochen lesen / und reine küneges milte
hân RvEBarl
939.
5096;
sî ist schœne, sî ist guot, / kiusche, blîde, stæte, / zühte
rîch, wîplîch gemuot KLD:UvL
47: 5,6.
54: 7,6;
si [die zwölf Fürsten] waren kuske
unde reine. / den lip furten si ueile / durch willin der sele Rol
77;
kiuschiu wîpheit diu ist wert / des besten lobes, des man
gert RvEBarl
11821;
daz starke trinken überstreit / sîne kiusche zuht und lêret
in zorn Wh
276,13;
vnd was diu froͮwe chusche vnd reine vnd marhte vil
andæhticliche sant Johannes lere Konr
12,22;
der vil künsche tegen GTroj
1512;
diu guote, / diu kiusche gemuote ZwBüchl
778;
wis stete, milde, kusch, gezogen HeslApk
5909;
sagt mir mit kiuschen witzen [ruhig,
besonnen] , / wie der zorn sich an gevienc, / dâ von got iwern haz
enpfienc Parz
462,4;
der werde clâre Anfortas / manlîch bî kiuschem herzen was
ebd.
823,24.
26,15;
diz treip der kiusche [wohlerzogene, anständige]
jungelinc KvWSilv
514;
mit kiuschem munde rôsenrôt ebd.
354;
dô sprach aber sîn kiuscher wirt [der fromme,
asketische Trevrizent]
Parz
472,12.
452,15.
493,9;
Iw
6466
u.ö.;
StatDtOrd
29,16;
ironisch:
ein wolf mit alsô kiuschen siten / in die schâfes stîge siht
/ [...], / als dô der marcrâve sach Wh
129,14;
subst.:
der kúnsche und der
plide [Freundliche]
RvEWh
514
u.ö.;
des kiuschen got [Nom.] geruochet
Parz
466,28.
459,22;
Frl
1:5,12;
personif.:
HvNstGZ
249.
1343.
–
~ mit worten unde mit wërken (u.ä.) ‘in Wort und Tat besonnen,
tugendhaft, ohne Falsch’
bis diemüetic unde kiusch / mit werken und mit worten
Ottok
700;
wis worte und werke kiusche, / mit wârheit âne getiusche!
RvEBarl
14839;
diu schœne frowe mîn, / diu ist wandels erlân: / sî ist
kiusch mit worten und mit werken SM:Had
30: 3,6;
vgl. ähnl.:
sun, dû solt kiuscher worte sîn / und stætes muotes Winsb
39,1;
si sulen haben kiuschiu wort WälGa
389;
is enwert nommer ritter guͦt / der nit kuͤsch met werken
ist MinneR 481
615
2
spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch’
2.1
allg.:
er [Moses] hiez si
[das Volk Israel] halten kúsche ir lip / und die
wile miden ir wip / biz darnach uf den dritten tag RvEWchr
11544;
Helyas der weisage, / [...] der
lebt cheusche hie nidene: / des wart er ze himele / von den englen gefueret, /
durch daz er vnberuͤret / was von allen weiben Wernh
A 1429;
sein genad und sein guͤt verwandelot also gaches an dem
suͤntær allez unrecht, [...] den hurær macht er chæusch
PrOberalt
113,25;
o quam pulchra est casta generatio cum claritate. ‘owî’,
sprach er, ‘wie scone ist div chûsce
[unbefleckte] geburt mit der berhtele!’
Spec
96,3;
MarlbRh
86,7;
UrkCorp (WMU)
2345,35;
BdN
491,20
u.ö.;
Konr
22,45.
– von Tieren:
der vogel ist von nâtûr gar rain, käusch und gar
mæzig, wan er unkäuscht neur ein stund und niht mêr in ainem ganzen jâr
BdN
189,22
u.ö.;
der elephant ist [...] kusch
und reine Brun
3797
2.2
‘unberührt, jungfräulich’ (von Frauen):
swenne mir der sêlden tac betaget, / daz mir getrûwet
würde ein maget, / die ich mînem lîbe / zu vrouwen und zu wîbe / in rechter ê
solde hân, / daz ich sie maget wolde lân / und kiusche ein umbe gêndez jâr
HvFreibTr
1079.
829;
sam ein lieht juncfrouwe in kiuschem magetuome
KvWLd
32,365.
– häufig von Maria (auch bildl. von auf Maria bezogenen Dingen und
Sachverhalten):
unser fraw, diu rain käusch magt voller gnâd
BdN
271,24.
246,3;
ich pünd mich in der maid grüzz, / der rainen chäuschen
himelporten KvMSph
4,14;
si [Maria] beleip kiusch âne
man KvWLd
1,225.
wie manigen zaher si gaben ze dem selben male / diniu
chiusken ougen, min vil liebiu frouwe AvaLJ
156,7;
KvWLd
1,36;
HvBurg
534.
552
(vgl.:
und hât im [sich] got
selber auz dem käuschen holz ain arch gemacht, dâ er sich inn beslôz
BdN
338,25)
2.3
‘ohne sexuelles Verlangen bzw. Potenz’ (von Männern):
wer sein [Pfeffer] vil izt,
dem entsleuzt er den leip und verzert des menschen sâmen und macht in keusch
BdN
374,5;
wan etlich sint chüsch di von der mveterleib also geborn sint [
sunt enim eunuchi, qui de matris utero sic nati sunt Mt
19,12]
EvAug
45,4.
45,5.
45,6
3
spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘maßvoll, genügsam, asketisch’
an ezzen und an tranke / lâ kiusche dich beschouwen!
KvWTroj
15031;
bî fremder koste ist si [die personifizierte Gier]
gar frêzic, / ûz irem biutel kiusche und mêzic Renner
4586;
swie vil er az untz an die zît, / er wart so rehte keusche
sit, / daz er minner denne ein kint az StrKD
8,30;
RvEBarl
6767;
KvWAlex
411.
– subst. (phras.?) in der Wendung der kiusche unde der vrâʒ
‘der Genügsame wie der Verfressene, jeder’
in kleiniu goltvaz man nam, / als ieslîcher spîse zam, /
salssen, pfeffer, agraz. / dâ het der kiusche und der vrâz / alle gelîche genuoc
Parz
238,28;
an keinr stat man nie gaz / baz. der kuͤshe und der vraz
/ heten vil gnuͦg die beide Rennew
32454.
– Lit.: W. Haubrichs, Zur Ausstattung des inneren Menschen, in: Innenräume
in der Lit. des dt. Ma., Tübingen 2008
, S. 295-308
MWB 3,1 289,15; Bearbeiter: Hansen
kiusche
stF.
selten
sw.
(
Lucid
87,18
)
auch chiuske, chuske, alem. auch kiunsche,
künsche.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
1 allg. 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1 allg. 2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen) 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
1
allg.:
ia waren di herren edele / in cristenlichem lebene. /
[...] si heten zucht unt scam, / chuske unt gehorsam, /
gedult unt minne Rol
3422.
9061;
ir magetlîcher kiusche scham / grôz weinens klage in benam, / daz si hæten
getân / ob siez durh zuht niht hæten lân LvRegFr
4384;
[Parzival] riet sîn manlîchiu zuht / kiusch unt
erbarmunge Parz
451,5;
si kom dicke ûz frouwenlîchen siten: / sus flaht ir kiusche
sich in zorn ebd.
365,21.
472,16
u.ö.;
ei Heimrîch von Narbôn, / waz was erblüet ûz dîner vruht /
kiusche, milte, manheit, zuht! Wh
167,22.
190,11;
ir wîplîch kiusche und ir scham / machte si rôt und dar nâch
bleich Wig
8969;
scham treit ir den spiegel, dâ von kiusche sî mit ganzer /
tugende minnet KLD:BvH
5: 3,5;
wizz, daz reht käusch sich gar hôch swinget über leipleich
nâtûr BdN
363,4;
sprichtt sannd Augustin: ‘wo wol leben ist, da ist seltten
keusch’ SchlierbAT (LS)
1,197;
waz rehtev chevsch si, da sprechent die hiligen vil vrag dar
vber PrBerthKl
1,56;
Konr
23,71;
Erz III
36,370.
– bildl./ personif.:
der triuwen muome, der kiusche base /
[...], die blunde Isôt HvFreibTr
6452;
sô wol dir, hôchgeloptez adel [...],
/ mâz unde kiusche sint dîn ingesinde KLD:Kzl
16: 1,14;
si hæte kiusche an sich gedruht / mit herzeclichem flîze
KvWKlage
11,7;
Frl
5:102,3;
PrWack
31,59.
– im Vergleich:
an tat ein lewe, an kuͤsche ein meit
TürlArabel
*R 22,24;
hie wellnt ein ander vâren / die mit kiusche lember
wâren / und lewen an der vrecheit Parz
737,20
2
spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1
allg.:
div driv: kvsche, armvot, gehorsaim, die sint in allen
orden, vnd die foderet got an dem ivnxsten geriht vor allen dingen von
geislichen lvten SpitEich
2,10.
2,9;
si was schamender kiusche bar, / si nam sich solhes
lebenes an, / daz si lie deheinen man, / si gæb im ir minne solt, / was si sînem
lîbe holt RvEBarl
10332;
Spec
98,1;
PrBerthKl
4,19
2.2
‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen):
so zucket er Dinam unde fuͤret si sinen weck. unde besclâfet si und nimet
ier. ier kuͥschi uͥber ier willen PrSchw
2,61;
si behuotent ir chiuske unde ir magetuom, des habent si
ewichlichen ruom AvaA
5,4;
so vienc si dar zo, / daz si di kusche verkof / vnde kint ir magetvm
verlos / mit bosen knechten Glaub
2269;
Mai
236,26;
HvNstAp
243.
15805.
– von Maria:
frouw aller fröude, ich lobe an dir daz dû den got
gebære, / des tohter und des muoter dû bî ganzer kiusche wære
KvWLd
32,47.
1,182;
daz was die wandels vrie, / die iuncvrowe Marie, / die im zu mutere
wart erkorn, / von der kusche er wart geborn / uns zu grozer selikeit
Pass III
79,26;
der prunn bedäutt unser frawen, diu ain prunn ist
der käusch und aller rainikait BdN
484,5.
460,2;
SM:EvS
1: 13,8;
im Vergleich:
Maria ein elefant was / an irre kusche als ich las
Brun
4124
3
spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
er [Trevrizent] hete gar
versprochen / môraz, wîn, und ouch dez prôt. / sîn kiusche im dennoch mêr gebôt, /
der spîse het er keinen muot, / vische noch fleisch, swaz trüege bluot
Parz
452,20;
er az vnt tranc genote, / der gar verlorne tote: / wie moͤcht in gefristen
daz? / gefrumt het im chivsche baz Warnung
644
MWB 3,1 290,60; Bearbeiter: Hansen
kiuschede
stF.
‘Sittsamkeit, Tugend’ (vgl.
kiusche
stF.):
mit kiuschede gurten sie sich wol, / ir liehtvaz wâren oleis vol, / hei, wie
klâr sie brunnen! LBarl
5111
MWB 3,1 292,3; Bearbeiter: Hansen
kiuschegen
swV.
‘sexuell enthaltsam leben’
etlich sint chüsche di sich selber gechestigt habent oder
chüschigent dvrch daz riche der himel [übers. sunt eunuchi, qui se
ipsos castraverunt propter regnum caelorum Mt 19,12]
EvAug
45,7
MWB 3,1 292,7; Bearbeiter: Hansen
kiuscheheit, kiuscheit
stF.
auch kusheit, alem. kúnschait.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
modestia: kusheit GlAnzfKdVz
3:49,223;
kuisheit, daz ist inthaldunge fon den dingin di forbodin sint
oder frieheit fon bekorungen [Versuchungen]
Parad
71,33;
HartmKlage (G)
1315.
– häufig spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
von dez künigs keüschait [
de regis castitate (Überschrift)] o genädiger kaiser,
du sollt nit naigen zu dem gelust der weibe: unkeüsch ist ain semlich aigenschaft
der schwein HvHürnh
14(Überschr.);
der [Josef] sol dich
[Maria] ze ainer frowen han / mit dienste dinem libe,
/ nút unkúnschlich ze wibe. / [...] / er haͮt mit
kúnschait sin leben / als du mit trúwen got ergeben WernhMl
1965
u.ö.;
sô hât diu käuschait auch zwuo aigenchait, wan si ist
unfruhtpær und ist sauber oder rain BdN
61,13;
der rehten leben ist niht mê / wan driu: ich mein die rehten ê, / magetuom
unde kiuscheheit Freid
75,20;
dú angebornú kúscheit oder angenomen Mechth
5: 4,8
u.ö.;
StatDtOrd
52,17
u.ö.;
Eracl
2019;
~ des Körpers:
ich entheize unde gelobe kûscheit mînes lîbes
StatDtOrd
128,8;
ganzú kúschehait an libe und an herzin PrGeorg (Sch)
9,31;
die wege der tugende, als kúscheit des lichamen und armuͤt
und gehorsamkeit Tauler
242,19;
HvBurg
3076;
Daniel
1848.
– von Maria:
muͦter aller kúscheit, / ich klagen dir alles min herzeleit.
/ salve regina! Mechth
7: 26,17;
do du gebaͤrd aͮn allen smertz / in gantzer rainer kúschhait / gottes sun,
Jhesum gemait KvHelmsd
4447
u.ö.;
Daniel
1062;
bildl. vergleichend:
das helffen bain [bedeutet] ir kúschait, / mit der
sÿ schon was beklait KvHelmsd
583;
du der kuscheit ein einhorn, / du ein rose sundir dorn, / du
ein viol an der schouwe Brun
325;
ir kuscheit gelichet / der lylien an der wize Pilatus
1,96;
HeslApk
5456;
MarlbRh
38,4.
65,23;
HvBurg
536
MWB 3,1 292,12; Bearbeiter: Hansen
kiuscheloht
Adj.
‘sittsam, tugendhaft’ (hier subst.):
ach ymmer! was sol ich / tuͦn, du kuͤschelohter zart? /
[...] / schol ich lenger din enbern, / so muͦz sel,
lip, hertz swern / in wernder marter ymmer WhvÖst
6701
MWB 3,1 292,56; Bearbeiter: Hansen
kiuschicheit, kiuschekeit
stF.
alem. auch kúnsch-.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung
auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen)
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’
(vgl.
kiusche
stF.):
van genaden has du die duͦgede der selen, alse verduldicheit, otmuͦdicheit,
cuschicheit, wischeit, inde der geliche Lilie
2,2;
so schein des herren [Landgraf Ludwigs] kuschekeit.
/ [...] / menlich, stede was sin muͦt Elis
3191;
daz sich die volhertung halte zuo den betrüebden, alse sich
die chuschkeit heltet zuo der begerung der böser lüste ThvASu
208,12;
kewschkait HvBurg
4357;
RvEWchr
14816.
27981;
PsM
H 5,3.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit;
Jungfräulichkeit’
do wurden si der vergift so vol gemessen, das si verluren der
engele reinekeit und vergassen ir megtliche kúschekeit Mechth
3: 9,61.
1: 44,49;
daz bezaichet die kúnschikait die únser herre an sinem leben und an siner
lieben muͦter hatte PrGeorg
9,1
u.ö.;
Seuse
105,2;
Elis
5431.
5544;
~ des Körpers:
sinnes und herzen reinecheit / und des lîbes kiuschecheit / wonten ir ze
staete mite / mit scham und êrebaerem site WvRh
1540;
zu rechter notdurft dez libez mit reiner kushekeite HlReg
20,23;
bildl./ personif.:
eya liebú vrowe Kúschekeit, ich bevilh úch min magetlich
kleit Mechth
7: 48,60;
ein wisses kleit der luteren kúschekeit ebd.
1: 44,20.
1: 46,9.
– von Maria:
also sprichit ain hailich man von vnsirre liebun vroͮwn: ‘ir kivschichait
ubirtriffet allir menschen kivschichait’ PrGeorg (Sch)
29,14;
Tauler
7,19;
SM:EvS
1: 4,1;
Philipp
1276.
1436.
– im Vergleich:
auch muͦz er ane schant / gelich dem dyamant / sin an rehter
kuͤschekait WhvÖst
4091
MWB 3,1 292,61; Bearbeiter: Hansen
kiuschiclich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
der grâl ist mit hôher kür. / sô suln sîn rîter hüeten / mit
kiuscheclîchen güeten Parz
493,24;
si erwirbt im kiuscheclîche / einen sun vil ellens rîche
ebd.
367,27;
niht zückent mir von mîner schame / dekeinen lasterbæren
roup, / durch daz mîn lop niht werde toup / an kiuscheclicher stætekeit
KvWTroj
21831;
Konr
6,54.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
mvget ir gar sein ane wip / vnt wol betwingen ivren lip / ze chivschechlicher
ræinichæit Warnung
1418;
der sich kunschklich haltet, der wird hie geeret und von got
gekroͤnet Seuse
106,11;
DvAOff
34;
Parz
526,5;
von Maria:
die hete diu reine muoter, mîn frouwe sant Marîâ, gar volleclîchen unde
kiuscheclîchen unde reineclîchen PrBerth
1:256,4.
–
~ lëben
‘geistliches Leben’
der mantel wart [...] einer megede nu gegeben, / di
sich in kuschecliches leben / in godelicher gnade / iezu bestricket hade
Elis
8362
MWB 3,1 293,33; Bearbeiter: Hansen
kiuschlich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen; alem. auch kúnsche-,
chiunsch-.
‘maßvoll, selbstbeherrscht’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf
den Aspekt der (zurückhaltenden) Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der
Enthaltsamkeit; auch allgemeiner i.S.v. ‘sittlich rein, sittsam, tugendhaft’
er hât ouch kiuschlîche zuht. / man mac in ziehen als ein
maget: / er leistet gerne swaz man im saget Wh
272,18.
157,7;
von geburte ein frouwe / ist si, und von tugenden wîp. /
kiuschlîch smielen lachen / kan ir kleinvelrôter munt KLD:UvL
47: 7,1;
sît muoz sîn [des Grales] pflegn
getouftiu fruht / mit alsô kiuschlîcher zuht Parz
454,28;
alle die. die reht vnd chiunschlich lebent. vnd den hailigen geloben behaltent
wider ir eben christen PrWack
30,46;
Elis
832.
– spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuell enthaltsam, keusch;
jungfräulich’
âne wîp er wolde sîn / und leben kûschlîche
Kreuzf
355;
die gode iren magethum gevent, / inde imer kuͦsliche hie levent
Lilie
64,11;
kúschlich lebin in deme libe, daz enist niht menschlich lebin, ez ist himils
lebin PrGeorg (Sch)
4,56;
PrGeorg
32,15;
in eim rôtguldîn vingerlîn / sol man in [den
Saphir] kiuschlichen tragen Volmar
139;
swelich vrowe ane man kuselike leuet na ires mannes dothe UrkCorp
(WMU)
2,31;
Spec
97,36
u.ö.;
PrOberalt
15,39;
SpitEich
5,32;
Dietr
178.
– bildl.:
dine kuschlichen cleit / soldestu mit werdekeit / behalden
gar in aller macht Pass I/II (HSW)
13639
MWB 3,1 293,58; Bearbeiter: Hansen
kiuschmæʒicheit
stF.
‘Mäßigung, Selbstbeherrschung (in sexueller Hinsicht)’
mit sulchir kuschmezikeit / der meide vridil was beweit [d.i.
beweget; dadurch, dass der Feldherr Scipio Africanus ihm seine
Verlobte unberührt zurückgegeben hat] / daz he di herrin der
heidinschaft / sinis gezcungis und ire kraft / vugete zcu den Romern
PfzdHech
189,31
MWB 3,1 294,24; Bearbeiter: Hansen
kiuschrîche
Adj.
‘keusch, sittsam, rein’
[Maria,] frewe dich der reinen tât, / daz dir, der
geschaffen hât / al die welt, ist worden holt / dur dînen kiuscherîchen solt [
per castitatem tuam V. 1452
]
WvRh
2676
MWB 3,1 294,32; Bearbeiter: Hansen
kiuschvarwe
stF.
ein Gras oder Kraut (genauere Bed. unklar; vgl.
buschvarwe
, Verschreibung aus diesem?):
ascania: kúschvarwe, buschvarwe [im Kapitel de graminibus
et herbis
]
VocOpt
50.041
MWB 3,1 294,37; Bearbeiter: Hansen
kiutel
stN.
wohl ‘Tausch, Kauf’ (vgl.
kûten
swV.):
man vindet in den kremen [Krämerbuden] / hantschu,
rymen, buͤtel / daruz so werden kuͤtel KgvOdenw
6,100
MWB 3,1 294,41; Bearbeiter: Hansen
1kiuten
swV.
‘sprechen, plaudern’ (hier subst.; vgl.
quëden
stV.):
si lânt gedœnes wunder / dâ schellen unde erliuten. / ir
kôsen unde ir kiuten / wirt mit ir vil manicvalt KvWTroj
15360
MWB 3,1 294,45; Bearbeiter: Hansen
2kiuten
swV.
‘tauschen’
→
kûten
MWB 3,1 294,49;
kiuwe
swstMF.
auch kew(e)
(:lëwe
PleierMel (St)
10062,
Krone (Sch)
12760
u.ö.;
:êwe
Marner (W)
1:4,11;
:sêwe
WhvÖst
1198
),
koͤwe, koͮwe.
1
‘Kiefer’
2
‘Schlund’ (meist von Tieren)
1
‘Kiefer’
in schedel unde in kiuwen / enpfiengens tiefe scharten Neidh
WL 14:6h,13;
des berges was dennoch me / oberhalb dem sewe; / eines visches
chewe / was des sewes bruggen tor WhvÖst
1198;
an der stunde do gesigt er an dem helle hunde. / sine chiwen
er im brach AvaLJ
161,2;
mandibula: baccho, ein kew SummHeinr
1:126,152.
– im Pl. auch i.S.v. ‘Rachen, Schlund’ (vgl.
2):
den grôzen leun / mit sînen wîten keun Iw
6688
2
‘Schlund’ (meist von Tieren):
in dem wysen stugk ain zöbelin lew, / der gint wyt mit siner chew
PleierMel (St)
10062;
wilde esel und löuwen / mit ir wîten köuwen [Hs. C loͤwen:
koͤwen
]
WvRh
72,50;
und vuor ime diu zunge / enwâge in der chewen Krone (Sch)
10557.
12760;
faux: choͮwe chiwe Gl
4:213,17;
UvZLanz
1954.
–
do nam sant Johannes das wisse lamp mit sinen roten
wunden und leit es in den koͮwen irs mundes [in den Mund des
Marienbildes]
Mechth
2: 4,100.
–
des tiuvels
~ bildl. für die Hölle:
die muͦssen in des tievels kewen, / da sint si lebent in jamer tot von
ewen und ze ewen Marner (W)
1:4,11;
den hat des tivels chiwe / verslunden vntz andie fvzze
Warnung
540;
o wi sin gite gecuwe [l. gitege
cuwe
] , / wi manigen si uerslunde / vnde wi manigen si uerwunde
Litan
418.
1285
MWB 3,1 294,50; Bearbeiter: Hansen |