k – cadmia kaf – kalc calcaire – 2kalle 3kalle – kaltlîchen kaltnisse – kamerærse kamerbëlle – kamerselde kamersidel – kampfer kampfgenôʒ – kampfwât kampfwërc – kanonîen kanonike – kanzelschrîbære kanzwagen – Cappadociære kappân – kappûnen capût (?) – kardenâldiaconus karele – karra(t)sche karre – karthiusære kartur – kæselîn kæse|lüppe – kasten kastenære – kathecuminus kathezizieren – kauerære (?) kauergerihte – kefse 1kegel – keisertuom keitivic (?) – kelken këllære – këlre këlstëchære – 2kemelîn kemelînvleisch – kendelîn kenecte – keppechîn keppeler – kerkerhaft kerl – kerrîne kerschlich – kerzîn kerzlach – ketenwambîs kettelinc – keʒʒelære keʒʒelærinne – kîche kîchen – kiesærinne kiesen – kindebet kindechîn – kindestac kindestohter – kintbettegemach kintbetten – Kiperære Kiper(e) – kirchenbrëchære kirchenerbe – kirchhërre kirchhof – kirchtac kirchtor – kirnen kirnîn – kitzelen kitzelîn – kiuwe kiuwen – klâfterlanc klâftermâʒe – klagenôt klâftermâʒe stF. klâftersnuor stF. klagant M. klagære stM. klagærinne stF. klage stF. klagebære Adj., klagebërnde Part.-Adj. klagebote swM. klageboum stM. klagebrief stM. klagegalm stM. klagegëlt stN. klagegewant stN. klagehaft Adj. klagehaftic Adj. klagekleit stN. klagelich Adj. klageliedel stN. klageliet stN. klagemære stN. klagemæʒe Adj. klagen swV. klagende Part.-Adj. klagenôt stF. klagerede – klamben klamen – klæret klârheit – klëber klëbereht – klegerse klêgrüene – kleinlîche kleinlîcheit – kleinvüegunge kleinzëhende – klepfze kleppisch – klinge klingelære – klobeholz klobelouch – klôsterknëht klôsterlëben – klôsterweide klôsterwërre – klûde klüege – klupfen kluppe – klutterât klûwen – knëhtelîn knëhten – kniel (?) knieleip – knodebôʒe knödel – knubelen knugelîn – kobel kobel – kochman kochsudel – kôle kôlegruobe – kolner kölnisch – komelinc komen – condewier condewierde – konkavelite, konkavelit conplêt – convëntkopf convëntswester – koraze (?) körbelîn, körbel, körblî – körnære kornban – kornmesse kornmetze – corporâl corporâlgewæte – kostebæric kostebærlich – kötze kotzeht – koufgenôʒ koufgiric – koufschalc koufschanze – krachen kradem – krâme kræmel – kranc- krancmüetic – 1krapfe 2krapfe – krëb(e)ʒ krëbeʒen – krefticheit krefticlich – kreiʒgengel kreiʒlingen – kreter kretscheme – kriechelîn kriechen – krîgen krîieren – krippen- krîsch – kristâbent kristalle – kristenin kristenisch – kristiâne kristier – kriutener kriuzaltære – kriuzloht kriuzphenninc – 1krœnen 2krœnen – krotenstein krotenstutz – krülle krüllel – krupfei krüpfen – krûtmezzer Krûtnowe? – kûchen kuchenære – küechelmël küefelære – kugelhuot kügellîn – kumberlich kumberlîn – kûmen kumer – kunde künde – künftigære kunftlich – künigeslêhen künigessilber – künstelîn künstelôs – kuntmeister kuntsame – kuosërtærinnesun kuo|smër – kuppe 1kuppel – kurdewân kurdewænære – kurpen kürre – kurtois kurtoisîe – kurzwîle kurzwîlen – kuster kusterîe – kutzelvleisch kützen – kûze
|
klâftermâʒe
stF.
‘Klaftermaß’
so wirt ouch etslichs pris alda gerucket / di hoͤhe [La.
hohste
] clafter maze JTit
1442,4
MWB 3,1 300,31; Bearbeiter: Hansen
klâftersnuor
stF.
md.
‘Schnur in der Länge eines Klafters’ (vgl. DRW 12,1010 s.v.
1Schnur II. ‘ein Längenmaß bzw. das entspr. Messinstrument’; vgl.
auch ebd. 3,348 s.v. 2Faden II. ‘Längenmaß, insbes.
Klafter’):
dem [
visch
] was der unreine giel [Schlund] / wit, lanc
maniger claftersnur Brandan
1425
MWB 3,1 300,34; Bearbeiter: Hansen
klagant
M.
ein Fabelwesen:
von dem klagant [Überschrift] .
nereides mügent klagant haizen. daz sint merwunder [...]
und ist ir weis reht als ob si klagen und wainen, wenn ir aineu sterben muoz
BdN
239,25
MWB 3,1 300,41; Bearbeiter: Hansen
klagære, klegære
stM.
1 jmd., der wehklagt, ‘Klagender’
2 rechtssprachl. ‘Kläger, Ankläger’ (vor Gericht bzw. einer Rechtsinstanz; vgl. DRW 7,1051ff. mit differenzierter Gliederung und weiteren Belegen)
1
jmd., der wehklagt, ‘Klagender’
clagere in der pine enberent sehs dingen; wie man súche und
smacheit tragen sol [Überschrift]
Mechth
6: 14,1;
querulus: klagari SummHeinr
1:301,463;
querulus: klegere ebd.
2:25,497.
– spez. jmd., der einen Toten beklagt:
schwartz was alles sein gewant; / zeflochten und
zestreuwet gar / was sein gel, raides har, / recht in der gepäre / als er ain
klager wäre HvNstAp
19258;
den doten hieß er pegraben / und di klager wol gehaben
ebd.
6388
2
rechtssprachl. ‘Kläger, Ankläger’ (vor Gericht bzw. einer Rechtsinstanz;
vgl. DRW 7,1051ff. mit differenzierter Gliederung und weiteren Belegen):
ez sol ein iegleicher chlager, swenn er fuͤr gericht chumpt
und einen ansprechen wil, von erst einen vorsprechen nemen StRMünch
307,23
u.ö.;
unser wort spricht kainer pas / den du, wir wellen das / das
du unser klager sullest sein HvBurg
5825;
so mac er [der reuige Sünder] wol
erwerben daz, / daz got der chlagære haz / mit sinen gnaden
understet [abwehrt] , / daz ir chlage ninder uf in get
StrKD
103,188;
bringt der clager daz fuͤr in gerihte NüP
140;
SpdtL
119,18;
Mühlh
135,8
u.ö.;
UrkCorp (WMU)
847,4
u.ö.;
StRAugsb
81,14.
– von Gott beim Jüngsten Gericht:
dú vierde zuͦkunft da ist únser herre gelich aim starken rihter, daz ist
an dem jungsten tag. [...] er wil da gewaltklichen
reden und ôch selb klager und rihter sin PrGeorg
72,11
MWB 3,1 300,46; Bearbeiter: Hansen
klagærinne
stF.
‘Anklägerin’
dú jungfroͮwe [Maria] ist ein
beschirmerin aller kúscheit und ein klagerin der
bekorten [Verleiteten] , die sich mit rúwen voͤrhtent
hie vor der heligen drivaltekeit; das gerihte noch an iren henden stat
Mechth
6: 16,60
MWB 3,1 301,11; Bearbeiter: Hansen
klage
stF.
rip. auch sw.
(
MarlbRh
66,33
u.ö.
);
auch klauge
(
Herb
5836
u.ö.
).
‘Klage’
1 Äußerung eines (seelischen) Schmerzes, ‘Wehklage’ (in Worten oder ritualisierten Gesten wie Schreien, Weinen, Händeringen, selbstverletzendem Verhalten wie Haareraufen u.ä.) 2
‘Leid, Elend, Unglück, Schmerz’ (offen zu 1 ) 3 rechtl. ‘Klage, Klageerhebung, Beschwerde (vor einer Gerichtsinstanz)’ (vgl. DRW 7,1034ff. mit Lit. und weiteren Belegen)
1
Äußerung eines (seelischen) Schmerzes, ‘Wehklage’ (in Worten oder
ritualisierten Gesten wie Schreien, Weinen, Händeringen, selbstverletzendem
Verhalten wie Haareraufen u.ä.):
weder sit noch éé / endorfte nie grozzer chlage werden: / si
uielen zu der erden, / daz har brachen si uon der swarte, / si wuͦften alle harte
Rol
1732;
da wart geschreige / vnd klauge maniger leige
Herb
15791.
10838
u.ö.;
die clage, die Jeremias hete, do Ierusalem wart zerfuͤret
Lucid
109,8;
vone tage ze tage mêrôt sich des hungeres chlage
Gen
2591;
maneger zunge sprâche klage Wh
450,12;
Wig
11622;
RvEBarl
4392.
– Krankenklage:
doch hât er [der wohlhabende
Kranke] daz hûs und sîn nôtdurft an spîse und an tranke, an
râte der arzete [...], an klage und an bîwesenne sîner
vriunde Eckh
5: 17,3;
nû hiez er im künden dô, / [...]
daz er an dem andern tage / durch rât, durch vriuntlîche klage / zuozim wolde
komen dar / und nemen sîner siecheit war RvEBarl
7500.
– Totenklage:
die lantliute hêten [...] /
Jacobes michile chlage folle sibenzig tage Gen
3000
u.ö.;
ê daz zem grabe kœme daz Sîfrides wîp, / dô ranc mit
solhem jâmer ir getriuwer lîp, / [...]. / mit klage ir
helfende manic vrouwe was NibB
1067,2;
die amerliche chlage unde div amerlichen dinc, div man
beget, da man die tôten handelet Spec
154,12;
BuchdKg
28,12;
Tr
1689.
–
senende/ senelîche ~
‘Klage über schmerzliches Verlangen (in der Minne), Sehnsucht’ (vgl. auch
2):
clage ich mîne seneden clage, /
[...] / mit der clage ich niht bejage / noch
bejagete nie wan wîlent smæhen danc SM:UvS
19: 6,1;
liep vertrîbet riuwe, / liep wendet sende klage
KLD:Kzl
15: 3,8;
KLD:UvL
21: 1,5
u.ö.;
dô hâte ich von sender klage / einen brief, daran ein angil
was, / den hieng ich an sî SM:Had
1: 1,9;
si mich hât verhouwen / unz ûf den tôt mit sender clage
KvWHerzm
293;
nu helfent, küniginne, / von senelicher klage! SM:Tr
5: 2,13;
vgl.:
dar umbe muoz ersterben / mîn armer lîp den ich hie
trage / nâch im mit herzenlîcher klage Parz
698,14.
– Äußerung von Unzufriedenheit, Unmut (vgl. 3):
wen des verdriez, der sei ân clag und vlieh mein
wunderleicheu werch BdN
Reimvorr. 4,5
2
‘Leid, Elend, Unglück, Schmerz’ (offen zu 1):
hilf uns herre hivte / uon susgetaner not daz wir niht ligen tot, / noch wir
werden ze bane, / unsiren urivnden ze chlage GenM
161,14;
daz ist vor aller nôt mîn clage, / die ich unsanfte dulde
SM:KvT
6: 1,5;
er hatte eine groze klage, / er mvste hvͤten alle tage / siner
hvner vor Reinharte ReinFu
K,21
u.ö.;
dâ wirt der slîchære
klage [Verhängnis] / daz dürre holz ime hage: / daz
pristet [knistert] unde krachet Parz
172,17;
Gâwân truoc minne und ander klage ebd.
588,7
u.ö.;
SalArz
63,57;
RvEBarl
605.
–
nû wirt aber kalt, / nû der winter lanc. / dast der vogel
nôt unde ir meistiu klage KLD:GvN
25: 1,8
3
rechtl. ‘Klage, Klageerhebung, Beschwerde (vor einer Gerichtsinstanz)’
(vgl. DRW 7,1034ff. mit Lit. und weiteren Belegen):
is och daz ein man din andirin wundit· undi cumin sie beidi mit
clagi vur dien richteri Mühlh
103,13
u.ö.;
mägede unde wîp muozen mit rehte vor ieglîchem gerihte und in
ieglîcher klage ir vormunt bî in hân SpdtL
137,13
u.ö.;
wir fechten doch nit umb dhein gut oder umb dheynerhand clage
Lanc
153,16;
ob [...] ein geschihte da geschehe
und daz ze klage keme fuͤr den raͤt WüP
48,4.
92,8;
StRAugsb
36,11;
die clage erhebn SSp (W)
3:17,1;
Greg
1795;
Parz
95,29;
Iw
5736;
KvWSchwanr
187;
Roth
1737;
Walth
16,16
MWB 3,1 301,17; Bearbeiter: Hansen
klagebære
Adj.,
selten
Adv.
(vgl. 3.2)
auch clabære, clæbære
(
RvEWh
1024.
1102
).
1
‘zu beklagen’
1.1 von Dingen und Sachverhalten, ‘beklagenswert, schmerzlich, traurig’
1.2 von Personen, ‘beklagenswert, bedauernswert’
2
‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1 ) 3 rechtl. (vgl. DRW 7,1032f. mit weiteren Belegen) 3.1
‘klagbar, (gerichtlich) verhandelbar’
3.2
‘(an)klagend’
1
‘zu beklagen’
1.1
von Dingen und Sachverhalten, ‘beklagenswert, schmerzlich, traurig’
ich chlage, daz ein biderbe man / siner tugende niht
genizen chan, / als er wol wert wære; / daz ist vil chlagebære
StrKD
158,274;
ich klage zwei dinc, diu klagebêr sint Renner
17493;
die klagebære flust, / diu der kristenheit geschach, /
dô Akers zebrach / der soldan von Baldac Ottok
44604;
diu clagebæren mære Tr
1715;
sin tot ist klagebaere Tannh
14,45;
WvRh
9873.
14494;
KvWPart
6238
1.2
von Personen, ‘beklagenswert, bedauernswert’
so ist es ein klagberi natur diu gat umentum und klaget sich gar hertzlich
und schriget gar kleglich won si sichet wol das si gentzlich under getruket ist
worden PrWack
68,151.
68,171;
deke, ors unde gevilde / begunden sere roten; / clæbæren
toten, / die menic herze sit unvro / machten, die vielen do RvEWh
1102;
subst.:
an dirre veigen lantwer / wart der vil clagebære erslagen,
/ den al diu werlt wol solte clagen Tr
1677.
– spez. ‘der Totenklage würdig’
allez rômisch rîche, / daz beweinte in glîche: / er was ouch klagebêre
EbvErf
2313;
ez ist manic man erslagen, / dem ich ungelîche wære / hie ze lande
klagebære Flore (P)
4578;
er viel tot uf den sant. / der ellenthafter wigant /
wart wibes herzen swaͤre, / in witen landen clagebare RvEWh
1126
2
‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1):
diu bitterlîche siure / [...] / macht in sô
klagebære, / daz er die naht biz an den tac / niht anders in dem herzen phlac / wan
trûrens unde sorgens KvWPart
9608.
9668;
dô daz volc daz vernam, / dô huop ez clagebæren schal / und ouch die fürsten
überal, / von den wart jâmer niht verborn UvEtzAlex
20739.
21950;
der klagbære schal / [...] / umb
grâf Albrehtes tôt Ottok
71200;
WhvÖst
11884.
– subst.:
durch aventiure mære er vragen do begunde / die suͤzen clagebære,
[...] wen si da clagte JTit
5486,2.
4494,1;
UvZLanz
3664
3
rechtl. (vgl. DRW 7,1032f. mit weiteren Belegen)
3.1
‘klagbar, (gerichtlich) verhandelbar’
sit der koneg rihten sal fon rehte ubir hals unde ubir haubit, unde ubir
alliz daz, waz clagebere ist in deme lande UrkFrankf
1,422
(a. 1303);
dise schultheizen suln allez, daz clageber ist, rihten nach rehte vnd als
ez der stete erber si UrkCorp (WMU)
29,6.
2958,6
3.2
‘(an)klagend’
ûf den sagt klagebære / einer, der vor gerihte was HvBer
1885
MWB 3,1 302,25; Bearbeiter: Hansen
klagebërnde
Part.-Adj.
auch clagbarende.
1
‘zu beklagen, beklagenswert’
2
‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1 )
1
‘zu beklagen, beklagenswert’
sich sol mîn clagebernder lîp / von der werlde ziehen / und alle wunne fliehen
UvEtzAlex
8832;
Wildhelm tet auch ir schaiden / vil wirs denne sin kuͤnftig
tot: / er het auch clagebernde not / mit marter an dem wan WhvÖst
10582
2
‘klagend, schmerzerfüllt’ (offen zu 1):
der [
jüngeling
]
[...] hortte den clagbarenden man / in jomer serre sich
quellen GTroj
6230;
dirre klagebernde man KvWPart
17537
MWB 3,1 303,10; Bearbeiter: Hansen
klagebote
swM.
‘rechtl. Bevollmächtigter (des Klägers) bei Gericht’ (vgl.
bote
1.1.3):
woldestu haben gesprochen / din gebet hin zu gote, / da als manic klagebote /
uber dich sin schrien tut, / deme du unschuldigez blut / aldort hast vergozzen?
Pass III
247,46
MWB 3,1 303,20; Bearbeiter: Hansen
klageboum
stM.
1 Baum, an dem geklagt wird 2 im Namen des Wiener Siechenhauses zum Klagbaum, das sich der Pflege der Aussätzigen widmete
1
Baum, an dem geklagt wird:
quercus haizt ain aich und ist als vil gesprochen als
quernus, daz spricht ain klagpaum, wan als Isidorus spricht, die alten haiden heten
ir abgötter in den aichen, und wenn si in iren kumer klagten, sô antwurtten in diu
abgötter auz den paumen [vgl. Isidor, Etym. 17,7,38]
BdN
343,4
2
im Namen des Wiener Siechenhauses zum Klagbaum, das sich der Pflege der
Aussätzigen widmete:
Sw̌ikers hofstat, der zv den zîten der siechen samner was ze dem chlagboͮm
UrkCorp (WMU)
N470,24;
StiftZwettl
324.
– wohl übertr. als Sammelplatz für Ausgestoßene (vgl. Anm.z.St.):
daz urvar [Landeplatz] bî Ûzensê / ist ir
rehter klagboum, / ich hân des genomen goum Helbl
1,798
MWB 3,1 303,26; Bearbeiter: Hansen
klagebrief
stM.
‘Klageschrift’ (vgl. DRW 7,1040):
vnd swaz auch klage vnd klagebrieue darvͦber weren, die sollen kein kraft oder
maht haben UrkHohenz
3,199
(a. 1349)
MWB 3,1 303,41; Bearbeiter: Hansen
klagegalm
stM.
‘Klagegeschrei, Wehklage’
da er was entnuͤcket, / der geist wart im verzuͦcket, / daz er
quam in einen twalm [Traum] . / do hort er einen clage galm
HvNstVis
10
MWB 3,1 303,45; Bearbeiter: Hansen
klagegëlt
stN.
bei Erhebung der Klage durch den Kläger zu entrichtender Anteil an den
Gerichtskosten → DRW 7,1041 mit Belegen ab a. 1348
MWB 3,1 303,49; Bearbeiter: Hansen
klagegewant
stN.
‘Trauerbekleidung’
er warff von im das clag gewant / und legt an seinen leib
zehant / reiche kunigliche klaid HvNstAp
16817
MWB 3,1 303,52; Bearbeiter: Hansen
klagehaft
Adj.
1
‘klagend, schmerzerfüllt’
2
‘beklagenswert, schmerzlich’ (offen zu 1 ) 3 rechtl. ‘(an)klagend’ (vgl. DRW 7,1062)
1
‘klagend, schmerzerfüllt’
wê dir, armchlîchiu gotes gischaft, / uber die dîn schephære
wirt chlaghaft / allem himelischem gedigene! Priesterl
348;
swaz man der [
geste
] klagehaften siht, / waz wirret, machet si die frô?
Bit
1852
2
‘beklagenswert, schmerzlich’ (offen zu 1):
diu süeze von sînem blicke / noch manegem wîbe dicke / sol
vüegen klaghafte nôt Wh
167,29
3
rechtl. ‘(an)klagend’ (vgl. DRW 7,1062):
für gienc daz klagehafte wîp, /
[...]. / si bat mit klagenden worten / den künec durch
alle wîpheit, / daz er im lieze ir laster leit, / [...]; /
wær er ze rihtære erkant, / daz er denne riht ir swære Parz
526,24.
527,28
MWB 3,1 303,55; Bearbeiter: Hansen
klagehaftic
Adj.
in der Wendung (jmdm.)
~ wërden
‘(vor jmdm.) zur Klage gebracht werden’
wirt daz [die Straftat] unserme herren claghafftig,
so hat he darane dry scherff unde dry phunt StRHeiligenst
25
MWB 3,1 304,4; Bearbeiter: Hansen
klagekleit
stN.
‘Trauerbekleidung’
wir legen an clage claid / und tuen als es uns sey laid
HvNstAp
16031
MWB 3,1 304,9; Bearbeiter: Hansen
klagelich, klegelich
Adj. , -lîche
Adv.
adv. auch -lîchen.
1
‘zu beklagen’
1.1 von Dingen und Sachverhalten, ‘beklagenswert, schmerzlich, traurig’
1.2 von Personen, ‘beklagenswert, bedauernswert’
2
‘klagend, schmerzerfüllt’
3 rechtl. ‘(an)klagend’
1
‘zu beklagen’
1.1
von Dingen und Sachverhalten, ‘beklagenswert, schmerzlich, traurig’
ez ist doch rechte klagelich, / daz nû der sumer schœne /
von hinnan sol SM:Had
36: 1,1;
die mere von den heiligen lande [...], als wir
sie lasen an irne briefen, die leider clegelich sint allen cristen lv́ten
UrkCorp (WMU)
93,20;
das ist doch ein kleglich ding Tauler
243,18
u.ö.;
Ottok
63662;
Hiob
6534;
bildl.:
der angel / der klagelichistin erbeit
RvEWchr
22179
1.2
von Personen, ‘beklagenswert, bedauernswert’
er clagete alsô clegelîch, / daz sie alle gemeinlîch /
mit im clagen begunden HvFreibTr
6743.
– spez. ‘der Totenklage würdig’
daz si sô unverschrôten / âne wer verlurn ir lîp, /
daz klaget man unde wîp. / deiswâr, si wâren klägelîch Wig
5201
2
‘klagend, schmerzerfüllt’
dô hôrtens eine stimme / klägelîch und grimme / in dem walde,
bî einem sê / ruofen vaste ‘wê! wê!’ Wig
2042;
er [...] viel nider ûf den estrîch /
kriuzling und bat klegelîch / die almehtigen gotheit, / wan im was ân mâzen leit
EnikWchr
11868;
si sprach vil clagelîche Wernh
494;
Job [...] vluchte zu der selben stunt
/ clegelichen und mit ach / synem tage Hiob
1243
u.ö.;
Vät
37874;
PrOberalt
81,32;
von Tieren:
der vogel [
künigsvogel
] hât die art, wenn ain küng sich schol verändern oder sterben in dem
lande, dâ er wont, sô hât er klägleich und wainleich stimme BdN
185,17.
224,3.
–
~ tuon
‘klagen, trauern’
uns saget ouch di glôs verwâr / daz nicht allein der
vrowen schar / sunder ouch vil der man / heten klegelich getân. / si weinten
bitterlîchen / um Jesum JvFrst
8120.
–
~ tage, von der Trauerzeit:
nah ir klagelichin tagin / do si hate ir man
virclagit [in vollem Umfang beklagt]
RvEWchr
28850.
–
~ tal bildl. für die Welt (vgl.
jâmertal
):
daz er die werlt alle / erlose uon dem ualle, / den der
eriste menniske tet / uz der wnneklichen stet / in ditze chlagliche tal
Wernh
D 4062.
67.
– adv. häufig pleonastisch:
sîn wîp und al sîn êre / begunde er clegelichen clagen
KvWTroj
23431;
das klagter klageliche gar RvEWchr
29205
u.ö.;
dâ klagten si dô klegelîch EnikWchr
6373
u.ö.;
MinneR 64
1;
WolfdA
529,3
3
rechtl. ‘(an)klagend’
ir muoter clegelîchiu wort / leit aber umbe ir schaden für /
dem künge rîch von hôher kür, / si bat gerihtes KvWSchwanr
438;
als vil daz mit rehtem gerihte und klegelich dervordert werde
WüP
49,4;
HvNstAp
282
MWB 3,1 304,12; Bearbeiter: Hansen
klageliedel
stN.
Dimin. zu
klageliet
.
‘Klagegesang, Klagelied’
mîniu senelîchen klageliedel / gênt ir in diu ôren sam daz wazzer in den stein
Neidh
WL 26:4,1
MWB 3,1 304,61; Bearbeiter: Hansen
klageliet
stN.
‘Klagegesang, Klagelied’ (vgl.
liet
):
swaz ich nû gesinge, daz sint klageliet: / dâ envreut sich lützel leider iemen
von Neidh
WL 34:4,1;
dô [...] der sumer was zergân / und alsô flühteclîch
von uns schiet: / dô sang ich disiu klageliet UvLFrd
411,26;
ez wart da vil geweinet, do si von dannen schieden, / vil triwen rich
erscheinet, die si do sungen mit ir klagelieden JTit
6089,2
u.ö.
– spez. bei der Totenklage:
die er [der verstorbene König] het
gerîchet ie / unde von armuot schiet, / die sungen manic klageliet
Ottok
86552;
da nu tot was kung Josias, / da machte Jeremias / clage und vil clagelit
HistAE
3803.
3739.
–
~ singen auch allgemeiner i.S.v. ‘sich beklagen’
swer in dem sacke koufet / und sich mit tôren roufet / und borget ungewisser
diet, / der singet dicke klageliet Freid
85,8
MWB 3,1 305,1; Bearbeiter: Hansen
klagemære
stN.
‘klagende Rede, Klage’
dâ gienger trûrende hin, / dâ stuont er guote wîle ob in /
weinende unde clagende, / sîniu clagemære sagende Tr
18652;
Parmenîe daz was vol / clage unde clagemære ebd.
5859.
1418.
2388
MWB 3,1 305,18; Bearbeiter: Hansen
klagemæʒe
Adj.
‘beklagenswert, der Totenklage würdig’ (vgl.
klagebære
1.2):
ei, Waridach, dû bist gelegen [gefallen] , / wer sol
nâch dîns vater tôt der rîche pflegen? / dû einic sun, dû bist wol klagemaeze
Loheng
5723
MWB 3,1 305,23; Bearbeiter: Hansen
klagen
swV.
auch kontrahierte Formen:
Inf. claen
(
Karlmeinet
413,64
),
1./3.Sg. Ind. Prät. kleit(e)
(z.B.
UvLFrd
102,21;
GenM
68,15;
ReinFu
K,819
),
2.Pl. Ind. Präs. kleit
(
NibA
934,1
),
Part. gekleit
(
NibA
932,3;
Walth
25,23
),
1.Sg. Ind. Präs. klitisch klaich
(
SüklU
42
);
auch klaugen
(
Herb
429
u.ö.),
glagen
(
Rol
925
).
1 einen (seelischen) Schmerz äußern, ‘wehklagen’ (in Worten oder
ritualisierten Gesten wie Schreien, Weinen, Händeringen, selbstverletzendem
Verhalten wie Haareraufen u.ä.) 1.1 ohne Obj. ‘wehklagen, klagen, trauern’
1.2 mit Akk.d.P. ‘jmdn. beklagen’
1.2.1
‘jmdn. bedauern, bemitleiden’
1.2.2
‘den Tod von jmdm. beklagen, (rituelle) Totenklage halten, jmdn.
betrauern’
1.3 mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz ‘etw. beklagen’
1.3.1 ein Leid, ein Schicksal beklagen, (jmdm.) ein Leid klagen 1.3.2
‘sich (bei jmdm.) über etw. beschweren’ (offen zu
1.3.1 und zum rechtssprachl. Gebrauch, vgl.
2.1 ) 1.3.3 den Verlust oder das Zugrundegehen von etw. beklagen 1.3.4 seine Sünden (bes. vor Gott) beklagen, bereuen 1.4 mit Präp.-Obj. ( von, über, umbe, nâch ) ‘über etw. oder jmdn.
klagen’
2 rechtssprachl. ‘(vor einer Rechtsinstanz) klagen’ (vgl. auch DRW 7,1045ff.
mit zahlreichen weiteren Belegen) 2.1 ohne weitere Erg. oder mit Akk.d.S. bzw. Obj.-Satz ‘(etw.) (vor einer
Rechtsinstanz) klagen, etw. als Klage vorbringen, anzeigen’
2.2 mit Präp. ûf (seltener auch nâch, umbe ) oder Pron.-Adv.
zur Angabe eines Sachverhalts oder Streitobjektes, ‘auf etw. klagen, wegen
bzw. in Bezug auf etw. klagen, etw. (ein Recht, einen Anspruch)
einklagen’
2.3 mit Präp. ûf (seltener auch über, (hin/ hër) zuo ) zur
Angabe einer Person und fakultativem Akk.d.S. ‘jmdn. (einer Sache) anklagen,
gegen jmdn. klagen’
2.4 mit Akk.d.P. und Gen.d.S. ‘jmdn. einer Sache anklagen, beschuldigen’ (hier in Pass.-Konstr.)
1
einen (seelischen) Schmerz äußern, ‘wehklagen’ (in Worten oder
ritualisierten Gesten wie Schreien, Weinen, Händeringen, selbstverletzendem
Verhalten wie Haareraufen u.ä.)
1.1
ohne Obj. ‘wehklagen, klagen, trauern’
diu schœne enclagete dô niemê: / sin sprach dô weder ach
noch wê Tr
1741;
si klageten mit den gesten, want in was harte leit
NibB
1037,1;
sie hette geweinet vnde geclauget, / daz ir ougen vnde ir
mvnt / gar vz sime rechten stunt Herb
10634;
MF:Mor
3: 2,2;
AvaJG
14,1.
– subst. ‘Wehklagen; Not, Unglück’ (vgl.
klage
):
von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen, /
von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen NibB
1,3;
lâze mich von dir nemen den trôst, / daz ich ûz mînem
langen klagen werde erlôst MF:Wolfr
6: 3,6;
waz ist diseu werlt wan weinen und chlagen
PrOberalt
38,15;
PrMd (J)
340,33;
Wig
7836;
senedez clagen Tr
213.
4819
1.2
mit Akk.d.P. ‘jmdn. beklagen’
1.2.1
‘jmdn. bedauern, bemitleiden’
mîne vriunde mir dicke sagent - / und liegent -, daz
mîn niemer werde rât. / wol in, daz si mich sô klagent! MF:Reinm
50: 6,3;
dem keiser was leit umbe sînen bruoder
[den geblendeten Leo III.] unde klagete in als
er von rehte solte SpdtL
110,14;
er [der Vogel] klaget
mich, daz hôrte ich wol Wig
2594.
– meist mit Refl.-Pron. i.S.v. ‘sich beklagen, klagen, jammern’
der kaplan begonde sich klagen ReinFu
K,1563;
vil sêre er klagen sich began RvEBarl
7472;
âne nôt ir iuch sô sêre klaget. / ir habet verlorn einen man / den ich
iu, ob mirs got gan, / harte wol ersetze Er
6389;
SM:Gl
1: 1,1;
HartmKlage (G)
603.
– mit Refl.-Pron. und Präp. (von, umbe) bzw. Pron.-Adv.
i.S.v. ‘etw. oder jmdn. beklagen, über etw. oder jmdn. klagen’ (vgl.
auch 1.4):
mít cedâr sint filii tenebrarum bezêichenet. uon dén
íh mih chlágon Will
9,7;
man ensach deheinen unfuoc / dâ von sich ieman
clagete UvZLanz
5701;
heize weinende klagete sî sich [...] umb ir
amîs Flore (P)
1474.
274
1.2.2
‘den Tod von jmdm. beklagen, (rituelle) Totenklage halten, jmdn.
betrauern’
Jacob starp. in klageten sîne süne und allez lant ze
Egipten BuchdKg
28,9.
30,6;
der kaiser chlagete sine toten Rol
7531
u.ö.;
mich beginnet noch nâch mînem tôde klagen / maniger,
der nu lîhte enbaere mîn MF:Reinm
25: 5,6;
Gen
3034;
NibB
1013,1
u.ö.;
übertr.:
duo der unser ewart / also unsculdiger irslagen wart,
/ [...] / der umbehanc zesleiz sich al, / sinen
herren chlagete der sal [Tempelsaal]
VEzzo
268.
–
[die Bienen] habent auch die art an in, daz si
leich [Tote] klagent an ainander
BdN
292,1;
sîn lîp was wol ze klagen PleierGar
15441
1.3
mit Akk.d.S. oder Obj.-Satz ‘etw. beklagen’
1.3.1
ein Leid, ein Schicksal beklagen, (jmdm.) ein Leid klagen:
vrouwe, ir klaget ze lange den Sîfrides tôt
NibB
1110,2;
ze sinen vuozen si sich pot, si chlagete im weinunde
ir not AvaLJ
72,6;
er chlagete der verworhten burge
verlor [Verlust, Verderben]
Vateruns
181;
o, wer hilfet mir clagen, wie we ir ist?
Mechth
3: 3,3;
Eckh
5: 27,4;
Wig
7758;
mit Ersparung des Obj.:
der minir genoze / quamen sechscene / vf ir alemene /
vnd clagetin [...] / deme liebin vatir min
Roth
5132;
mit zusätzlicher Präp.:
kein andriu darf ez von mir klagen
Parz
313,28;
eine magt, / nâch der mîn herze kumber klagt ebd.
606,28;
swaz man über sî hie claget, / des wil ich in ir
schulden stân Iw
5180.
– spez. (auch phras.) etw. Gott klagen:
sin herze er ze gote bot / svigente chlagete er
ime di not VMos
46,2;
gechlaget si ez immir got: hie huͦp sich angist und not
GenM
13,35;
owe daz ich dich ie gesach / oder ie dehaine
kunde gewan! / daz wil ich iemir gote chlagen Rol
6093
u.ö.;
ich wil abe imer gote clagen, / daz ich an dir
muoz verzagen UvZLanz
1067;
wi harter gote chlagete / was er irliten habete
VMos
55,7;
Eracl
3909;
KvWSchwanr
849;
mit Ersparung des Obj.:
do begeint im ein bote / weinende vnde klaugende
gote, / blutic vnd sere wunt Herb
1512
1.3.2
‘sich (bei jmdm.) über etw. beschweren’ (offen zu
1.3.1 und zum rechtssprachl. Gebrauch, vgl.
2.1):
vns habent gechlagt die erbern geistlichen lauͤt von sand Florian, daz
man in ier zehent nicht geb in der Wachau UrkEnns
5,547
(a. 1329);
vmbe die selben not chomen do der iuden fuͤrsten vnd
iͤr ewart fvr den keyser Constantino [...] vnde
clegt im die Konr
5,62;
[Elisabeth] fuͦr kaiser Fridrich nach und clegt
daz vnrecht das ir beschehen was Kuchim
29,21
1.3.3
den Verlust oder das Zugrundegehen von etw. beklagen:
sô soltû niht klagen die tûsent mark, die verlorn
sint. dû solt gote danken, der dir hât gegeben tûsent mark, die dû verliesen
mohtest Eckh
5: 36,2;
ovch klait ser her Ysengrin / den vil lieben zagel
sin, / den mvste er do zv pfande lan ReinFu
K,819;
jâ klage ich die sumerzît: / winter gît / sorgen vil
SM:Had
42: 1,1;
KLD:GvN
1: 1,5.
30: 1,8;
KvWLd
12,12.
32,279.
– tote Tiere (vgl. 1.2.2):
man sach in jæmerlîche klagen / zwêne winde die
bî im lâgen Wig
9959
1.3.4
seine Sünden (bes. vor Gott) beklagen, bereuen:
ich súndiger mensche ich klage und bekenne gotte
alle mine súnde Mechth
7: 38,3;
trûren ist ze wâre niemen guot / wan dem einen der
sîn sünde klaget KLD:UvL
46: 2,2;
ob wirs innenchlichen vnd mit rehten riwen got
chlagen Konr
23,34;
wainend und klagend ir sünd BdN
240,2;
Ägidius
706
u.ö.;
StatDtOrd
80,20;
vgl.:
ih clage daz ih je uerwarf / dine helfe heiliger man
Litan
769
1.4
mit Präp.-Obj. (von, über, umbe, nâch) ‘über etw. oder jmdn.
klagen’
da clagt hǐt selbe der himelsche vater an dem heiligen
ampt v́ber die stat ze Ierusalem Konr
2 W1,6;
ich danke got aller guͤti und klage úber mich selber
alle die wile das ich lebe Mechth
5: 2,3;
bruder, swester, nifteln, neben / klageten vm sin leben
Herb
10456;
ieslîchen nâch den vriunden hôrte man dô klagen
NibB
2134,2.
– häufig i.S.v. ‘sich (bei jmdm.) über jmdn. oder etw.
beschweren’ (rechtssprachl. s.u. 2.2 und
2.3):
er clagte vil harte / dem kvnige von Reinharte
ReinFu
K,1735;
von der dinge allere varwe oder grozzi nit clagen di munic [
de quarum rerum omnium (d.i. der Kleidung) colore aut
grossitudine non causentur monachi
]
BrZw
55;
StatDtOrd
109,19;
vber dich klaget alle diet. / dv hast vil vbele getan
ReinFu
K,1672.
K,1800;
ich hœr vil liuten ab iu klagen Boner
53,22;
Elmend
A 1033;
subst.:
davon so haisset si mich / das ich des sulle pitten
dich / das du sy ledig sullest sagen / und horen uber sy kain valsches
klagen HvBurg
5954
2
rechtssprachl. ‘(vor einer Rechtsinstanz) klagen’ (vgl. auch DRW 7,1045ff.
mit zahlreichen weiteren Belegen)
2.1
ohne weitere Erg. oder mit Akk.d.S. bzw. Obj.-Satz ‘(etw.) (vor einer
Rechtsinstanz) klagen, etw. als Klage vorbringen, anzeigen’
swem sin tuͤr gestoͤzzen wirt, klagt er daz niht in 3
tagen dem rate, der sol die stat einen manden rumen 3 mile von der stat
WüP
39,2;
wirt ez geklaget voͤr dem rate ebd.
53,3.
71,11;
wirt ein man gewundet [...] vnde ne wil her nicht
klagen; die richtere ne mach den man nicht dwingen zuͦ klagende
UrkBresl
22
(a. 1261);
swelch rihter die schulde niht enrihtet diu im geklaget
wirt und der er überkomen wirt, die selben pîn sol der rihter lîden
BuchdKg
41,5;
Mühlh
101,5;
si sol varn für ir rihter unde sol ze dem êrsten einen
vormunt nemen, unde sol ir der helfen klagen SpdtL
138,11;
SSp (W)
3:16,3
2.2
mit Präp. ûf (seltener auch nâch, umbe) oder Pron.-Adv.
zur Angabe eines Sachverhalts oder Streitobjektes, ‘auf etw. klagen, wegen
bzw. in Bezug auf etw. klagen, etw. (ein Recht, einen Anspruch)
einklagen’
ist daz ein man sînes wîbes morgengâbe verkaufet oder
versetzet [...], die wîle der man lebet, unde klaget si
dar ûf, man sol ir rihten umb ir morgengâbe SpdtL
97,3;
her en clage dâr ûf erbe oder ûf gût oder umb schult SSp
(W)
3:79,2.
1:61,1;
daz guit, da min uf giclagit heit Mühlh
129,7.
120,13.
129,1;
so suln si fur den rihter varn unde suln nah ir gute
clagen unde nah ir erbe StRAugsb
140,14;
alli die [...], die icht zu
vordirndi habin unde zu claginde umme corn daz zu diesimi vuluri gihorit
Mühlh
151,27
2.3
mit Präp. ûf (seltener auch über, (hin/ hër) zuo) zur
Angabe einer Person und fakultativem Akk.d.S. ‘jmdn. (einer Sache) anklagen,
gegen jmdn. klagen’
klaget ieman ûf in [den Totschläger in
Notwehr] , der rihter sol für in antwurten SpdtL
140,8;
sô ist hie site, / swer ûf den anderen clage, / daz er im
wol vierzec tage / kampfes müeze bîten Iw
5743;
so sulin su uf un [ihn] dan
clagi einin roib den he un roiblichi unphurt heit Mühlh
153,12.
113,1
u.ö.;
ûf den von Sahsen dô geclaget / von in beiden sêre wart: /
die frouwen rîch von hôher art / dem künge ir schaden seiten
KvWSchwanr
226;
so sal he biten eines rechten urteiles, wen he eine heimsuchunge geklaget
habe [...] uf denselben Cunrat
StRFreiberg
179,29;
ob unser burger einer in einer andern stat hince iemen
iht ze clagenne hat StRAugsb
129,34;
swaer hince den iuden claget, daz sol ein vogt rihten
ebd.
126,30.
100,12;
waz mag man herce [d.i. her ze
] mir gechlagen? Warnung
700;
Athis
A 138;
he sal un [...] vur girichte vuri
unde sal ubir un clagi alsi ubir einin diep Mühlh
154,21;
er [Gott] rihtet iu, dâ er vogt ist, / clagt ir
joch über den tievel ûz der helle Walth
12,17;
bildl.:
ich clage ûf die sælderîchen, /
[...], / ich klage ûf der minneklichen / ir
wolstênden rôten munt. / sôst mîn klage, ir schœne an sehen / gît mir jâmer alle
tage SM:Tr
1: 3,1;
Boner
60,5
2.4
mit Akk.d.P. und Gen.d.S. ‘jmdn. einer Sache anklagen, beschuldigen’
(hier in Pass.-Konstr.):
ettelicher forte fere [l. sêre
‘befürchtete sehr’
] / her wurde des rovfens geclagit / mit vil grozen bulslagen / ob
der helit kone / vf den hof queme Roth
1768
MWB 3,1 305,28; Bearbeiter: Hansen
klagende
Part.-Adj.
1
‘Klage hervorrufend, beklagenswert, schmerzlich’
2
‘wehklagend, (etw.) (be)klagend’ s.u.
klagen
swV.
1
‘Klage hervorrufend, beklagenswert, schmerzlich’
mîme kinde wil ich erben dise nôt / und diu klagenden leit, diu
ich hân von ir MF:Mor
3: 3,2;
ach owê, / sol mîn leben / klagenden sorgen sîn gegeben
KLD:UvL
21: 1,8;
sie hatte clagende not HvNstVis
15;
Pass I/II (HSW)
41072;
RvEBarl
5248
u.ö.
2
‘wehklagend, (etw.) (be)klagend’ s.u.
klagen
swV.
MWB 3,1 308,38; Bearbeiter: Hansen
klagenôt
stF.
‘schmerzliche Not’
wie groß di freude nu hie sey, / doch was ain klaines lait da
pey, / da von sich hub ain clage not HvNstAp
17444;
swie starc ir aller clagenôt / und swie grôz ir swære / von
disem mære wære Tr
5834;
ir jâmer unde ir clagenôt ebd.
7167.
2377.
5478;
KvWEngelh
5551.
– wohl hierher, wortspielend mit note (vgl. Suolahti
1,123):
der don von [...] tambur und von busine, / di giengen
alle krumbes. si muͦsten von gedrange liden pine, / klagenot, bedoͤnet gar mit leide
JTit
4104,3
MWB 3,1 308,46; Bearbeiter: Hansen |