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ABCDEF s.VGHIJKL
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k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
      klêgrüene Adj.
      kleibasche (?) swSubst.
      kleiben swV.
      kleiber stM.
      kleibermeister stM.
      kleibetuoch stN.
      kleiden swV.
      kleiderchîn stN.
      kleideren swV.
      kleiderlîn stN.
      kleidertuoch stN.
      kleidunge stF.
      kleinbereit Adj.
      kleindienest stM.
      kleine Adj., Adv.
      kleine stF.
      kleine swM. (subst. Adj.?)
      kleinen swV.
      kleineren swV.
      kleinewîn stM.
      kleinheit stF.
      kleinicheit stF.
      kleiniclîche Adv.
      kleinlich Adj.
      kleinlîche stF.
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   klêgrüene - kleinlîche    


klêgrüene Adj. ‘grün wie Klee’ klêgrüene was ir van, / von einem samît rîche Bit 9802

MWB 3,1 328,8; Bearbeiter: Richter

kleibasche (?) swSubst. Ansatz und Bed. unklar, wohl eine breiartige Speise (vgl. Anm.z.St.): si ezzent [in der Wetterau] kleybaschen / und gênt umb naschen / und leckent daz koch [Gekochte] ab der want [Wand eines Gefäßes] EnikWchr 27429

MWB 3,1 328,10; Bearbeiter: Richter

kleiben swV. Part.Prät. auch ohne ge- ( UrkCorp (WMU) N79,39 ). 1 intr. ‘(zusammen)kleben’
2 ‘etw./sich (an etw.) kleben, schmieren, anbringen’ (mit ane/  in ; s.a. klëben und klîben )
2.1 tr.
2.2 refl.
2.3 Part.Prät./ Part.-Adj.
   1 intr. ‘(zusammen)kleben’ swanne im in der zit der munt / cleibete unde in der durst twanc, / so satzete er ie vor sich den tranc Vät 15557    2 ‘etw./sich (an etw.) kleben, schmieren, anbringen’ (mit ane/  in; s.a. klëben und klîben )    2.1 tr.: [die Weißgerber] habent daz reht gen den laederern, daz si kain lo an diu vael klaiben suln, noh kain vael an daz ander heften [...], man sule si besunder lazzen StRAugsb 44,18. 72,7; gekleibet und gevelzet / wart in sîn [des Herkules] verch diu veige wât [das Nessoshemd voller Gift] / und în gedrücket dur daz brât / biz ûf daz bein ze grunde KvWTroj 38436; wâ man den aschen hin klaibt, der auz dem unk geprant wirt, dâ mag kain spinn ir netz geweben BdN 264,20    2.2 refl.: daz sunt ir wizen, daz div súnde sich klaibit an die sele, daz si von der súnde ir schoͮni virliuret PrGeorg (Sch) 32,12; vier ketten, die mit flize zuo den ankern warn geworht, / die selben nimt in nu der stein. / si fuorn zuo zir angesihte hin über des kieles bort / und kleibten sich hin an des velses want / in hoher luft, / daz menschen hant / niht mohte gereichen zuo der selben kruft Wartb (H) 568:15,13; wilt du sú [die Nattern im eigenen Herzen] allein an dem sweif ruren, so kleibent sú sich dest vester und bissent dest wirs Seuse 371,27. 460,25    2.3 Part.Prät./ Part.-Adj.: do solt du es in der minnen haben, in dime grunde, in der worheit, nút gekleibet, sunder in der lutern worheit Tauler 408,29; daz er uffe die hof stat niht buͤwen sol want eine cleibete want [mit Lehm gebaute Wand] , div zehen schiuͤhe hoch si UrkCorp (WMU) N79,39

MWB 3,1 328,16; Bearbeiter: Richter

kleiber stM. ‘Lehmarbeiter; Handwerker, der Lehmwände macht’ dem claiber, der maister ist, sol man niht mer geben denne 14 hallere NüP 171; umb sulchen lon, als sie gesetzt haben zimerleuten, stainmaisseln, maurern, dekkern, tuͤnchern, klaibern und auch allen andern tagwerkern ebd. 289

MWB 3,1 328,50; Bearbeiter: Richter

kleibermeister stM. ‘Zunftmeister der Lehmarbeiter’ [man gibt] ainem murer maister des tags zwen und zwaintzig pfenning, ainem murer knecht achtzehen pfenning, [...] ainem klaibermaister sechtzehen pfenning StRRavensb 248,8

MWB 3,1 328,57; Bearbeiter: Richter

kleibetuoch stN. ‘Flicken’, in einer Glosse des 13. Jh.s, vgl. AWB 5,235

MWB 3,1 328,62; Bearbeiter: Richter

kleiden swV. Prät. kleidete, kleite, Part.Prät. gekleidet, gekleit; Präs. auch gekleiden (Tauler ). 1 ‘jmdn./ sich ankleiden, anziehen’ ( mite etw., seltener in/  von etw.)
1.1 mit Akk.d.P.
1.2 mit Refl.-Pron.
1.3 mit Poss.-Pron. und lîp anstelle eines Akk.d.P.
1.4 von einem einzelnen Körperteil, hier passivisch
1.5 bildl., von Seele/  Geist
1.6 Part.-Adj.
1.7 übertr. (s.a. unten 4.1.3 )
2 ‘einkleiden, mit Kleidung ausstatten, versorgen’
2.1 mit Akk.d.P. (nicht immer klar von 1.1 zu trennen)
2.2 mit Dat.d.P. ‘jmdm. Kleidung geben’
2.3 intr.
3 etw. ane jmdn./sich ‘etw. anlegen, anziehen, um sich hüllen’ (bildl.)
4 ‘ausstatten, einhüllen, bedecken’ , auch ‘schmücken, zieren’
4.1 tr.
4.1.1 allg. (mit Akk.d.S.)
4.1.2 von Natur, meist vom Pflanzenwuchs (mit Akk.d.S. oder Refl.-Pron.)
4.1.3 bildl. (mit Akk.d.S. oder d.P.)
4.2 intr.
5 (von Kleidung als Subj., auch übertr.) ‘jmdn. zieren’
   1 ‘jmdn./ sich ankleiden, anziehen’ (mite etw., seltener in/  von etw.)    1.1 mit Akk.d.P.: die hailigen mægt [...] / nament Marien zarten lip / und klaitent si mit flisse wol / [...]. / sú laitent ir an das gewant / das ir von hymel was gesant WernhMl 13821; mit rôtem samît gekleit / was diu maget wol getân Wig 9276; Lanc 128,24; der was gekleidet mit armen lininen tuͦchen als ein arbeitende man Mechth 7: 11,3; er kleite den mûrære / als er ein bischolf wære StrAmis 1703; Eckh 1:153,7; NibB 417,1; Tr 4067; Parz 273,23; Wig 4113; MarlbRh 22,25    1.2 mit Refl.-Pron.: sus kleite sich der küene man. / zwô scharlaches hosen streich er an / mit grôzem vlîze an diu bein Wig 4087; nu kleidet iuch, mîne meide NibB 831,1. 347,3; die herren sich kleitten / von svlchem gewanden, / so sie in krichen landen / vunden daz beste Herb 474; der kúng [...] klait sich in aines knechtes schin KvHelmsd 2030; bi siner hut sol er sich kleiden mit hertem gewande wider die manige suͤssekeit Mechth 6: 2,22; Eilh St,7450; SalArz 55,2; SM:JvR 1: 1,4; KvHeimHinv 1148    1.3 mit Poss.-Pron. und lîp anstelle eines Akk.d.P.: sie begunden ir lîp zieren, / strîchen und zimieren / und kleiden mit gewande Eracl 1825; ouch was nâch vollem werde / ir lîp gecleidet schône KvWWelt 93    1.4 von einem einzelnen Körperteil, hier passivisch: die hant was wiß als ein schne, und der arm was mit rotem samid gecleidet Lanc 507,27    1.5 bildl., von Seele/  Geist: wil er [der seine Seele durch Sünde entblößt hat] die wider kleiden LvRegFr 4186; sin bluͦt gôss er [Christus] ôch dar umbe daz er die selen klaidete PrGeorg 26,23; die cleider sin die toufe, / damite wir cleiden unsen geist, / die beschirment uns allermeist HeslApk 4645    1.6 Part.-Adj.: er fuor sô wol gekleidet sam eines edeln ritters brût NibB 1885,4; si machet mich gar sorgen bar, / swenn ich si sihe gekleidet stân / und alsô schœne vor mir gân / alsam ein engel wol getân KLD:UvL 1: 1,5; und fand yn uff sim bette siczende gecleit und geschucht Lanc 612,8; Kreuzf 2640; Iw 308; Eckh 5: 41,5    1.7 übertr. (s.a. unten 4.1.3 ): al mîn fröide ist gunterfeit, / welt ir, frowe, mich niht kleiden / schiere in fröiderîchiu kleit SM:WvK 1: 4,6; daz er anderweide / uns kleitte mit dem kleide / der unbewollenen luterkeit Pass III 84,89; wand sunderlich quam in din [Marias] lif / godes sun, allerreinste wif, / inde kleid sich bit dem kleide / dines vleischs vol reinicheide MarlbRh 87,17; KLD:UvL 51: 2,3    2 ‘einkleiden, mit Kleidung ausstatten, versorgen’    2.1 mit Akk.d.P. (nicht immer klar von 1.1 zu trennen): myn herre der konig [...] cleyt manigen ritter herlich und gab herlich gaben. ich [...] kam zu spate, das alle die cleyder waren gegeben ee ich zu hofe kem Lanc 45,14; er cleite arme lút und schucht sie [gab ihnen Schuhe] ebd. 544,24; ich waz nacket unde ir cleydetet mich EvBerl 21,14; wie unde wâmite man die brûdere mac cleiden unde waz zu ir bettegewande gehôret StatDtOrd 38,17; KvHelmsd 667; Eracl 1330; Iw 6847; HeslApk 5113. – im Zusammenhang mit der Aufnahme in einen geistl. Orden/ ein Kloster: wir wollen ouch, daz man dekein kint cleide oder entphâhe in disen orden, ê danne ez kume zu der zal sîner vîrzehen iâre StatDtOrd 51,25; wir wollen dise jungen kinder di dâ nûwens gekleidet sint her uber gên lâzen beten, ob her [der Teufel, der einen hofeman besessen hatte] von irme gebete rûmen wolde HvFritzlHl 77,2. – wohl hierher ‘(mit Kleidung?) ausstatten, ausrüsten’ swanne ez sumeret von des winters zîten, / sô sî wir gekleidet und suln aber her ze hove rîten Kudr 260,4    2.2 mit Dat.d.P. ‘jmdm. Kleidung geben’ do wart der magit Gayte / gegin der hochgecite / gecleidit so nie magit baz / an irn brutestuol gesaz Athis C* 7    2.3 intr.: got also chleidet [ deus sic vestit Mt 6,30] EvAug 12,23. 167,11; das lamp spiset vnd kleidet Eckh 1:225,17    3 etw. ane jmdn./sich ~ ‘etw. anlegen, anziehen, um sich hüllen’ (bildl.): die menschliche wat / die got an sich gecleidet hat HeslApk 14696. 16463 u.ö.; wa lieplich liep bi herzenliebe luzet [im Verborgenen liegt] , / die minne alsam ein vederspil sich muzet [wechselt die Federn] : / sie reret [mausert, lässt fallen] leit unt kleidet an sich lieplich gevider JMeissn A4:2,3; wizze got und wizzen tu / ouch ander lute al dar zu / myn eynvalt, myne reynekeit, / dy got wol weyz an mich gecleit! Hiob 11624; Meissner 5:4,15    4 ‘ausstatten, einhüllen, bedecken’, auch ‘schmücken, zieren’    4.1 tr.    4.1.1 allg. (mit Akk.d.S.): entrinde eyn czwik eynis aldin appilboumis odir eynis birboumis [...]. vnd kleyde das gebloste teyl mit eyner ryndin eynis vremdin boumis Pelzb 121,2; cleide in [den Aal] mit einen duͤnnen teige BvgSp 37. 8; he kleid den thron, als he solde, / bit dem allerpurstem golde MarlbRh 62,23; ein munster liez er machen, / daz man wol ordenierte / unde vrielichen zierte, / wand er vil hete gutes / und was ouch sulches mutes, / daz er ez erlich kleitte Pass III 258,39; UvLFrd 209,2; HagenChr (G) 777. – übertr.: angezogen und gecleit / ist min vleisch mit vulekeit, / und mine hut ist verderret Hiob 2417    4.1.2 von Natur, meist vom Pflanzenwuchs (mit Akk.d.S. oder Refl.-Pron.): nû siht man die heide breit wol beschœnet mit den liehten bluomen manicvalt: / meie hât si schôn gekleit KLD:GvN 34: 1,3; wert diz holtz versniten zwar, / iz brenget zwyge anderweyt / und wirt mit loube schon gecleit Hiob 5432; Rabanus spricht, daz sich der paum ê mit plüeten klaid dann kain ander paum BdN 315,20; dâbî cleidet sich der walt: / der hât der loube ein wunder KvWLd 4,7; Walth 51,31; EnikWchr 2680; SM:Ta 1: 1,6; KLD:UvL 28: 1,2. 31: 2,2. – subst.: sumerwunne, / nîg dem süezzen meijen / dur sîn kleiden, / wan er birt uns mange bluot, / rôte rôsen, / vîolvar die gleijen / und ûf heiden / mangerleije wunne fruot SM:Wi 6: 1,3. – vom Winter: seht, wie der winter die werlt gekleidet hât! SM:KvL 1: 1,11    4.1.3 bildl. (mit Akk.d.S. oder d.P.): wiltû kleiden dîne jugent, / daz si ze hove in êren gê, / snît an dich zuht und reine tugent Winsb 22,1; bî der wünne wol mit êren / sol sich cleiden mannes lîp, / daz im künne fröude mêren / ein bescheiden sælec wîp KvWLd 20,9. 13,18; SM:KvA 2: 5,8; EnikWchr 9774; du kleidest dich mit der sele min / und du bist oͮch ir nehstes cleit Mechth 2: 5,7. 6: 1,115; er sol sin gekleidet mit den tugenden unsers herren Jhesu Christi Tauler 311,13; si was gekleidet mit der sterke ze widerstânne aller unvolkomenheit, und was gezieret mit der wârheit Eckh 2:146,5; die sicherheit [die der vürgedanc bringt] verwegenen mut kan cleiden Frl 11:3,7; Seuse 440,2; HeslApk 7058    4.2 intr.: treit ein rein wîp niht guoter kleider an, / sô kleidet doch ir tugent MF:Sperv 1:17,2; wie diu Sælde kleiden kan, / daz si mir gît kumber unde hôhen muot Walth 43,1    5 (von Kleidung als Subj., auch übertr.) ‘jmdn. zieren’ diz edel guot gewæte / vil baz ein herren kleidet / dan samît pfellol purpur golt KLD:Kzl 2: 6,15; muot und zuht ist in gewant: / swen si cleident mit ir reinen muote, / guot und edel daz gewant / ist KvWLd 13,31; sô scheidet gote allez daz abe, daz in kleidende ist, und nemet in blôz in dem kleithûse, dâ er entdecket und blôz in im ist Eckh 2:274,5; ave Maria, magt süverlich! / liljen ind rosen kleident dich MarlbRh 112,38. 106,34

MWB 3,1 329,1; Bearbeiter: Richter

kleiderchîn stN. ‘(ärmliche) Kleidung’ (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 3 § S 218): und von der trîbunge des heiligen geistes und mit der jungvrowen willen stunt her [Alexius] ûf des nachtes und nam silbers unde goldes vile und gap daz armen lûten al zu mâle und nam bôse kleiderchîne ane daz in nimant irkente, unde saz in ein schif und vur in Ceciljen und ginc dô umme brôt in eines betelers wîse HvFritzlHl 162,3

MWB 3,1 331,23; Bearbeiter: Richter

kleideren, kleidern swV. ‘jmdn./sich kleiden’ swie gern ich kamerære / dâ gewesen wære, / dâ man die minniclichen / kleidert heimelichen / in die næhsten wât Ottok 7891. 40323; die Beier kleiderten sich / mit dem pantel und mit dem wîzen strich [Wappenzeichen] ebd. 37010

MWB 3,1 331,32; Bearbeiter: Richter

kleiderlîn stN. ‘(ärmliche) Kleidung’ (vgl. Mhd. Gr. (KSW) 3 § S 218): so gab in aber stu̍re / di reine unde die gehu̍re, / cleiderlin unde alte wat, / wi man si dicke veile hat, / uz ir selbes henden Elis 3755; der juden kint ouch quâmen, / ir kleiderlîn sie nâmen, / fur daz nôz [den Esel, auf dem Jesus saß] sie wurfen dar Erlös 4630

MWB 3,1 331,38; Bearbeiter: Richter

kleidertuoch stN. auch klader- mit bair. a für ei (vgl. 2 5Mhd. Gr. § L 45 Anm.1). Stoff für Kleidung: flavi panni [(rötlich-)gelbes Tuch] , qui pannus claidertvch dicitur BehBrf 214,14 (a. 1256); lib. 2 minus 60 hall. in 6 ulnis cladertuch Holzschuher 151; item dimidiam ulnam cladertuch ad capucium ebd. 1317 u.ö.

MWB 3,1 331,45; Bearbeiter: Richter

kleidunge stF. 1 ‘Kleidung’
2 ‘Einkleidung’
   1 ‘Kleidung’ ir kleydunge ist von der tier vel MarcoPolo 31,19. 11,25. 22,22. – hier ‘Ordenstracht’ oder ‘Investitur’ (?): dirre brûdir Herman, / dô der itzunt was intpfân / zu dem dûtschin ordin / und îdoch nicht wordin / dennoch des ordins brûdir was, / dô sold er rîtin, als ich las, / inpfâhin der cleidunge segn NvJer 10377    2 ‘Einkleidung’ in eynem iclichin fest kleydit her mit ym czwelf bayorn [Adlige] , den gipt her kleydir [...]. abir in dem fest der geburt des grozen chaam do geschit czu vordirst di vor gesprochin cleydunge unde kukil vur [ goukelvuore, Ausgelassenheit] und vil andirs dingis irbotin chaam czu eren MarcoPolo 22,27

MWB 3,1 331,52; Bearbeiter: Richter

kleinbereit Adj. ‘schlecht vorbereitet’, hier subst.: dú Ewig Wisheit: ich bin dien [l. den ] wolbereiten daz lebende brot, dien kleinbereiten daz trucken brot, aber dien unbereiten ein zitlicher schlag, ein toͤtlicher val und ein ewiger vluͦch Seuse 300,13; die wolbereiten sind die geluterten, die kleinbereiten die vermittelten [die am Irdischen haften] , aber die unbereiten die súndigen, die mit willen oder mit werken in toͮtsúnden stant ebd. 300,19

MWB 3,1 332,1; Bearbeiter: Richter

kleindienest stM. geringfügige Abgabe (von Eiern, Käse, Kleinvieh u.ä.), vgl. kleiner/-eʒ 1dienest (unter 1.1) und DRW 7,1079: dar tzu schol ich den noch geschriben chlain dienst von den guetern innemen [...], des sint von dem lehen sehtzich ayr, zwen chaes, der isleicher vier pfenning wert schol sein UrkSeitenst 225 (a. 1348); dar zue den chlein dienst, daz ist sechs ches und vierzig eir DRW 7,1079 (Rockinger; a. 1349). – als Bestandteil von Personennamen: her Herman Chlæîndienst UrkCorp (WMU) 2040,31

MWB 3,1 332,10; Bearbeiter: Richter

kleine, klein Adj., Adv. adv. auch kleinen. Formvarianten (auch klen-, klin-, klæ(i)n-) s. WMU 2,1011 und Lexer 1,1613. ‘klein, fein, wenig’ (vgl. auch lützel , wênic ) 1 von geringer Größe/ Ausdehnung, ‘klein, schmal’
1.1 allg.
1.2 von Tieren
1.3 vom menschlichen Körper
1.4 zur Benennung bestimmter Teile des Körpers
1.5 von der geringen Größe des Kindes übergehend auf das Alter ‘klein, jung’ , subst. ‘Kind’
2 von geringer Zeitdauer, ‘kurz’
3 von geringer Intensität, von geringem Ausmaß, von geringer Zahl ‘leicht, schwach, wenig’
3.1 allg.
3.2 von geringer Bedeutung, niedrigem Rang, ‘gering, untergeordnet’
3.3 von Anzahl/ Menge ‘wenig, gering’ , übergehend zu ‘kein’
3.4 litotisch für ‘kein, gar nicht’
4 ‘fein, kunstvoll’
4.1 allg.
4.2 von Textilien ‘fein, edel’
4.3 ‘feinkörnig’
4.4 ‘fein, verflüssigt’ (vgl. Hamm, Lucid., S. 225)
4.5 von Wein ‘rein, edel’ (vgl. aber kleinewîn )
4.6 ‘rein, unschuldig’
5 von der Stimme ‘hell, fein, dünn, leise’
5.1 von Tieren
5.2 von Menschen
6 ‘scharfsinnig, klug’
7 im Doppelausdruck mit einem Gegenbegriff summarisch i.S.v. ‘jeglicher Art, alle(s)’ bzw. negierend ‘niemand, nichts, (gar) kein’ (vgl. Friedrich, PhrasWB S. 182f. u. 246f.)
7.1 mit grôʒe
7.2 mit michel
7.3 mit vil
8 vasnaht Donnerstag vor Estomihi
9 als Bestandteil von Personennamen
10 als Bestandteil von Toponymen oder Astronymen
   1 von geringer Größe/ Ausdehnung, ‘klein, schmal’    1.1 allg.: so hett sie lieber ein clein lant mit uch dann alle dieß welt mit eim andern Lanc 515,17 u.ö.; wie mach aber daz gesin, daz sich der grozze got verbirget in einer chlæinen oblaten? PrBerthKl 6,9; diu porta ist uile enge. unt daz phad ist uile chleine. daz zuͦ dem êwigen libe leitet JPhys 11,22; sus wirt der michele Rîn / vil kûme ein cleinez rinnelîn Tr 19442; dar umb, daz der paum hôch ist und klain [ alta est et gracilis ] , dar auf der fenix nistet BdN 362,31; schuͦpe die vische vnd [...] hau sie zvͦ cleinen stuͤcken BvgSp 15; Herb 3745; Macer 84,3; RvBib 27,17. – adv.: da nam sie das heiß brot und legt es in milch klein gebrocket Lanc 567,28; den getiurten layen / sluͦg er daz die stain / von der hayen [Keule] clain / zersprungen in diu stucke WhvÖst 12096; er [Moses] hiz ez [das goldene Kalb] malen [zermahlen, zerstampfen] cleine VMos 54,10. – Superl. oder Gen. in adv. Verwendung: snit dar nach [von dem Brot] schiben, so du duͤnnest muͤgest. [...] vuͤge der schiben viere zvͦ sammene vnd snit sie smal als einen riemen vnd snit sie den[ne] twerhes vͤber, so du kleinest [Hs. kleines ] maht BvgSp 24    1.2 von Tieren: dar zuo wil der winter twingen / kleiner vogel süezez singen, / daz si swîgent über al KLD:GvN 22: 1,5; ez sint auch diu selben tier klainer dann andriu tier BdN 30,8; Lucid 30,18. – ~ viech/  wilt ‘Kleinvieh, Kleinwild’ dâ was diu heide und diu ouwe / veister rinder vol / und swaz darzuo gehôren sol / von swînen und von kleinem vich Ottok 7758; von dem grozzen viech zwen pfenning ie von dem haupt vnd von dem chlainen viech von iegleihem ainen UrkCorp (WMU) 67,44; sunst mag er vnd sein erben clains wild vnd gegait fogeln [jagdbare Vögel] oder andern damwild jagen ebd. 2299,20    1.3 vom menschlichen Körper: [Menelaos] was ein ebenwassen man, / zv groz noch zv kleine Herb 2973; ein kleiner, / herr Hadmâr von Liehtenwert, / [...] / swie er twergen wær gelîch, / sô was er doch sinne rîch Ottok 1312; ein klein bauch und dunne gar, / der ist auch guter krefte bar Physiogn 347; der hals under dem haupt schol ain klain grœzen haben BdN 50,28; [als er sich mit der Salbe einrieb] wart im der lip [der angeschwollen war] wiedder cleyn Lanc 568,7. – ‘mager, schwach’ etwenne wirt ouch daz selbe fiuer uon trurikeit. vnde uon angest. so werdent di ougen tief. vnde der lip cleine SalArz 67,15    1.4 zur Benennung bestimmter Teile des Körpers: dur selche nôt verlüre ich niht den cleinen vinger SM:UvS 5: 2,6; den kleinsten vinger RvEBarl 3419; da er sy [seine Hand] in den prunnen stieß, / do ward im der klaine nagel / schwartz als aines peren zagel HvNstAp 11766; de maghe eder de cleyne darm vorsniten is dotlich OvBaierl 68,28. 162,2; daz clain augäpfelein [die Pupille] nimpt ain pild aines ganzen menschen oder ains grœzern dinges BdN 10,14    1.5 von der geringen Größe des Kindes übergehend auf das Alter ‘klein, jung’, subst. ‘Kind’ lasent die kleinen zuͦ mir komen Tauler 200,28; den kleinen Jhesum MarlbRh 42,36; duͦ ich kleine was an ’n jaren ebd. 97,3 in kleiner iare ivgent TürlArabel *A 242,24; (vgl. swie klein [wenig] er [Fivianz] doch der iare hat ebd. F 360 ); liep kond es sich machen / insiner klaine jugende / mit mæniger grossen tugende WernhMl 581; der ezzenten was mit der zal fünftusent der manne. vzgenvmen wiben vnd chinden oder chleinen [ exceptis mulieribus et parvulis Mt 14,21] EvAug 33,26    2 von geringer Zeitdauer, ‘kurz’ – ~ stunde: da von wissest daz wir der zit niht me hant denne ein vil cleines stundel MNat 4,7; in einer cleinen stunde Tr 1313; MarlbRh 22,1; BdN 481,14; RvBib 127,14. – ~ wîle: nuͦ bite / noch eine cleine wile Athis C 133; ein kleyn wil Lanc 12,11 u.ö.; Mechth 7: 59,5; BdN 220,15. – ~ zît: ain klain zeit BdN 33,34. naht: der tag, der wil so schiere ûf gân. / [...] / der nacht ist noch so kleinen SM:Had 14: 2,5. – von einer Wegstrecke bzw. Reisedauer: es was ein cleyne tagefart dannen da man da stryten solt Lanc 197,24; sie rittend cleyne tagreiße und lagen nehelich all tag in pavilunen ebd. 203,13. – ausdrückend, dass eine Strecke verhältnismäßig kurz ist, oder Gegenbegriff zur grôʒen mîle ( → grôʒ 1.5.3)?: vil cleiner mile viere / sint dar, herre, da ich in liez Rennew 34656; das selb waßer leuffet vier cleine mile nah zum ende Lanc 486,12    3 von geringer Intensität, von geringem Ausmaß, von geringer Zahl ‘leicht, schwach, wenig’    3.1 allg.: sô sich geruorte ein cleiner wint KvWTurn 498; Eckh 5: 412,3; donen was sin klage kleine / nicht ReinFu K,479; mîn sin ist kleiner dan der dîn. / nû gip uns, frou, dînen rât! Pyramus 124; Frauentrost 166; Physiogn 160. 328; Tr 4924; BdN 394,8; ez enist iuwer keinez sô grop noch sô kleine von verstantnisse noch sô verre, er enmüge dise vröude in im vinden in der wârheit Eckh 3:113,9; subst: waz sit ir vorhtik ir chleinen des gelavben [ modicae fidei Mt 8,26] EvAug 16,21. – von Lebenszeichen: einen kleinen âten siu bevant, / der im von dem munde gie UvZLanz (K) 2134; sîn leben daz was kleine; / iedoch was im der lîp warm Wig 5365; vnde wirt der slac [Pulsschlag] an dem arme kleine SalArz 67,16; dy pulz ys eme cleyne vnde sleyt drade OvBaierl 4,8. – vom Summen von Insekten: sô ez an den âbent gêt, sô prumment si [Bienen] in dem vaz und daz prummen wirt ie klainer und klainer BdN 290,14. – Adv.: daz ich ûf diz brœde leben / ahte harte kleine AHeinr 697; Eckh 2:445,8; swenne [...] sî mîn nimt so kleinen war SM:Had 23: 3,4; Tr 1291; hút minnent wir Got vil, morn minnent wir in klein PrGeorg 55,5; Silvester der gute man / entsaz die vorchte kleine [mit Leichtigkeit] Pass III 63,65; ich fürhte iuch alsô cleine / als der habich tuot daz huon KvWHvK 126; nû wârn alsô gar vorsmacht / dî brûdir und ir gevertin, / daz sî sich cleine wertin NvJer 12286; der biderb und der guote / mit grôzer kestigunge twanc / den lîp, wan er az unde tranc / vil wênic und vil kleine KvWAlex 669; StrAmis 89; sie bekennent der wârheit kleine oder niht Eckh 1:8,7; Parz 598,27; Tauler 30,35    3.2 von geringer Bedeutung, niedrigem Rang, ‘gering, untergeordnet’ du ne woldest behuten / ein uil cleinez gebot VMos 8,19; ez ensîn niht kleiniu mære, dar umb’ er her geriten ist NibB 103,4; ich han noch schoner swester dri. / der en ist deheine / so snode noch so kleine, / sie si ein kvneginne Herb 2712. 9685; SM:Had 53: 6,7; dem sal man ouch umme cleine schult cleine bûze setzen StatDtOrd 55,15; vmb die chlæinesten tægliche svnde PrBerthKl 3,44; PsM 75,11; UvZLanz 6444; nu hât ir unser herre Krist / nâch ir ahte ein kleinez [bescheidenes, armseliges (?)] leben / in ir kintheit gegeben Wig 3643; subst.: dâ des kleinen im gewalt / gegeben ist, dâ ist gezalt / diu grœzer gâbe sîner hant RvEBarl 5845. – ‘demütig’ du bist mir, herre, kleine mit diner undertenekeit und ich bin dir gros in dem jamer miner bosheit Mechth 5: 20,5; er sol oͮch kleine sin in verworfener demuͤtikeit Tauler 15,22; subst.: der kleine, der demuͤtige Tauler 90,13; ich begich dir vater herre himels vnd ertriches, daz dv̍ dis hast verborgen vor wisen vnd vor witzzigen vnd hast es geoffnot kleinen [ revelasti ea parvulis Mt 11,25] , daz ist, diemuͤtigen RvBib 141,15. – ~ dienest (vgl. kleindienest ): swaz aver chlaines dinstes avf der mul ist, daz sol der nemen [...], der [ der ] selben mvl phleger ist UrkCorp (WMU) 1606,18. – von Ämtern o.ä.: von deme ambehte des cleinen commendûres StatDtOrd 108,37. 108,38; kleine meister [wohl baccalaurii theologiae, vgl. Anm.z.St.] lesent in der schuole, daz alliu wesen sîn geteilet in zehen wîse Eckh 1:147,3. – jmdm. ~ sîn (umbe etw.) ‘jmdm. gleichgültig sein’ des enahte ich nihtes niht, daz ist mir allez kleine Eckh 2:245,4; krankiu bant diu bindent kranke sinne, diu in doch kleine wæren, ob man liehte sinne hæte GvSlath 212; umb dat goit were mir’t clein, / beheilde ich wijff ind kint allein HagenChr (G) 3481    3.3 von Anzahl/ Menge ‘wenig, gering’, übergehend zu ‘kein’ dâ ûzgânt die krefte von der sêle in diu werk, dâ enwizzen wir niht von; wir wizzen wol ein wênic dâ von, ez ist aber kleine Eckh 1:124,4; pruͤve, wie ich dis meine: der luteren megde zal ist cleine Mechth 4: 1,8; daz er und die sînen / mit sô cleiner ritterschaft / an gesigten sô starc der heidenschaft Kreuzf 133; Wh 265,22; SAlex 4772; mîn habe ist worden kleine SM:Pf 1: 1,13; schluge ich uch alhie zu tode, des hette ich kleyn ere Lanc 100,9. 280,31; ebd. 430,29; wenn er [Zwiebel] niht gesoten ist oder gerœstet, sô hât er klain narung [Nährwert] , aber sô er gekocht ist pei dem feur, sô pringet er ain grôz dick fäuht, diu etwaz nert BdN 388,29. 385,24; die wurzel schol man [...] aufhâhen an ain vinster stat oder dâ der sunnen schein klain sei ebd. 391,23; ze vil, ze kleine schadet an allen dingen JTit 1918,3; Flore (P) 707. 6711; Ottok 51430; Boner 74,48. – von einem städtischen Gremium: vnd sin uͤberein chomen mit dem grozzem rate, mit dem chlainem rate vnd mit der gemaine der stat [Augsburg] uͦberal UrkCorp (WMU) 1331,7; der merer tail des cleinen rates StRAugsb 252,37. – Adv.: dy speyse und das getranck / was in klain gnug gegeben, / das sy kawm mochten leben HvNstAp 6921; des koniges lut ritten uß vergatern mit hunderten und mit zweinhunderten cleyn und clein [in kleinen Gruppen] , und wart manig herlich jost da gethan von beiden siten Lanc 261,11. – subst. (?): wen [wenn nicht gewesen wäre] die inre craft, / geschutze vnd steine, / ir were genesen kleine Herb 14488; nuͦ lobe wir unsern herren Krist, / daz der geladeten so vil ist / unt der erwelten chleine StrKarl (S) 8919; vil cleine cristen LivlChr 354; die kouflûte im santen brôt, / des im doch zû cleine was ebd. 465; uns allen gemeine / ist hie des öls ze kleine [oder stN.?] RvEBarl 3572; doch ist ir leider kleine / die got sô êren SpdtL 75,4. 78,9; ich wil von fürsten singen, – / der vinde ich leider kleine gar – / die nu nach lobe ringen Tannh 6,100; Eracl 3378; SM:Gl 1: 4,1; Kreuzf 6611    3.4 litotisch für ‘kein, gar nicht’ mîn ruowe wirt noch kleine [wird zunichte] HartmKlage (G) 1754; ir lip der was in cleiner maht [ohnmächtig] / von den noͤten die sie leit Rennew 32592; ich wêne, cleiner gemach, / grôze mûe in geschach Kreuzf 7437. – Adv.: harte kleine half ir wer Wh 415,20; Isôt die küneginne clâr / des hundels kleine verdrôz HvFreibTr 4581; jâ volge ich iuwer ræte harte kleine Neidh SL 18:3,7; golt und edel gestein: / des mügt ir ezzen klein EnikWchr 28786; den recken wac daz kleine [es kümmerte die Recken nicht] UvZLanz (K) 7784; gib in des landis swa du wilt, / vil kleinin mih des iht bevilt [verdrießt] RvEWchr 8097; wer nu haimleich früht suoch, der schrei klain dâ von, ê die rauber im den schatz versteln BdN 193,23; Kreuzf 2749; Tr 7691; Wernh D 1947    4 ‘fein, kunstvoll’    4.1 allg.: pellin vnde cleine gewire [Geschmeide] / die sconen gezire Roth 3572; dâ lâgen gimmen inne, / erwünschete steine, / vil lieht und iedoch cleine Tr 10968. 2538; daz werc was guot und kleine, / ûz eim karfunkelsteine / ergraben harte schône Wig 838. – adv.: deme [Helm] was die liste / gewracht mit allen vlize / gewierit vile cleine Roth 1114; Exod 2892; der wibe name grozer ist dan vrouwen lob. / kleine oder grob, / kurz oder lanc genennet Frl 5:107G,2. – ‘zart’ min edel cleine hut Eilh St,7172. – von Haaren ‘dünn, weich’ ir hâr daz was kleine, / goltvar unde reit Wig 868; das hare was im kleyn und liecht bluͦt, dwil das er kint was Lanc 35,17    4.2 von Textilien ‘fein, edel’ dô gap si im ein tuoch dar / daz was kleine unde blanc / und wol hundert ellen lanc StrAmis 1037; sie tet an ein hemde kleine, / daz was wol gezieret, / gelesen vnde geriddiret [gefältelt] Herb 616; mit spæhen borten kleine, / die verwieret wâren mit gesteine Wh 154,15; al kleine wîz sîdîn / ein hemde der künegîn Parz 101,9; niwe und cleine / was daz lîlachen [Bettlaken] UvZLanz 4160; Wig 766; Iw 3455; ein kunkel diu wart im gemaht, / ab der span er dâ cleinez garn KvWTroj 15873; Wernh 2505. – ‘feinmaschig, dünn’ ein kleit [...] was sô kleine, als ich vernam, / daz man dar durch ir wîze hût / [...] / sach liuhten KvWEngelh 3038; nim die toter unde trîp die durch ein chleinez lînîn tuoch: daz danne dar ûz rinne, daz trouphe in daz inôre [in den Gehörgang] Barth 147,10; winter wendet uns süezzer ougenblike. / man sach dur klein ermel blanker arme schîn SM:Had 28: 2,6. 44: 4,4. – adv.: wîze lînwât reine, / geridiert [gefältelt] harte cleine Iw 6484. – phras. (vgl. TPMA 11,73f.) → spinnen : nû wirt niht sô klein gespunnen, / ez kome doch an die sunnen Ottok 76890; Boner 49,55    4.3 ‘feinkörnig’ so leget man pulver dar in / in honic gesoten und in win, / daz tribet von dem sune / die vinster nebelbrune, / der blintheite gestob, / her sie cleine oder grob; / diz ist kollirium genant HeslApk 7090. – adv.: so ribin si di wurcz und czuslissin si gar cleyne und machin dor us brotelin MarcoPolo 65,30; dar nach pulverez. vnde rit ez vil cleine Ipocr 199    4.4 ‘fein, verflüssigt’ (vgl. Hamm, Lucid., S. 225): die spise [des Embryos] ist so cleine, daz si zergat alse der toͮ uon der sunnen Lucid 63,3    4.5 von Wein ‘rein, edel’ (vgl. aber kleinewîn ): wizer win vnde grozer vuchtet luzel. wizer win vnde cleiner ist vil vruchtic. vnde kumit zu mazin den di heizer naturn sin SalArz 21,7; so sal man deme ummechtigen gebin wazzir. mit iuiubis [vermutlich Brustbeeren, chinesische Datteln] vnde cleinen win mit wazzer ebd. 47,17; ander tage sal er ezzen uogel di sich lichte deuwen. vnde sal kleinen win trinken ebd. 72,1; den kleinen wîn virne / trank er dâ sô vaste, / des latte er ze eime gaste / den slâf in daz houbet, / daz er wart betoubet RvMunre 240    4.6 ‘rein, unschuldig’ ir gewizzen kleine / bliebe unbewollen reine Elis 1767    5 von der Stimme ‘hell, fein, dünn, leise’    5.1 von Tieren: der walt / aber mit maneger kleinen, süezen stimme erhillet / : diu vogelîn sint ir sanges ungestillet Neidh SL 24:1,2; in allen tiern sint diu weip behender und ainr hellern stimm wan die man, ân an den rindern: dâ hât der ohs ain klainer stimme wan daz rint BdN 159,24; sin [des Tiers] stim sol syn cleyn und schamlich als eyner jungfrauwen stymm Lanc 504,24. 505,3. – adv.: dorch die ruͦren get der wint / oben in die linde, do die fogel [hohle, aus Gold gewirkte Vögel] sint. / so singent sie gein ein ander, einer kleine, der ander groz RosengC (LKN) 52,3    5.2 von Menschen: zwuo stimme in irm munde sint: / diu eine ist kleine, als ein kint / diu wort niht vol drücket / und si halbiu underzücket Renner 12290; tuot aber ir [seiner Ehefrau] der wirt iht zorn, / sô ist diu kleine stimme verlorn / und schillet ein grôziu stimme als ein horn ebd. 12294; Johannes naigte sich ze im [Jesus] / und sprach mit ainer klainer stim: / ‘wer ist der dich hin wil geben / und verraten dir din leben?’ WernhMl 8276; RvMunre 1296. – adv.: man hôrte manege stimme hel / erlûten ûz maneger kurzen kel, / einiu kleine, diu ander grôz LaurinD 1847    6 ‘scharfsinnig, klug’ mit alsô cleinen sinnen Tr 11436; deyn rade is cleyne KarlGalie 943. – subst.: argutus: cleiner quia argumentum cito in loquendo invenit SummHeinr 1:292,305. 2:179,01.53; subtilis: cleiner ebd. 2:490,01.87. – adv. ‘genau, sorgfältig’ dô die helde mit witzen solten rûmen daz lant, / dô hiez man allenthalben vil kleine nemen war, / swaz si füeren solten, daz siz hêten gar Kudr 275,1; si nút erlie / her Moyses gebotte, / da mit man claine gotte / selber eren solte WernhMl 120; [diejenigen,] die kusche leben, / in den ist der gotes geist, / wand si als du kleine weist, / sin heilic tempel sin genant Pass III 28,70    7 im Doppelausdruck mit einem Gegenbegriff summarisch i.S.v. ‘jeglicher Art, alle(s)’ bzw. negierend ‘niemand, nichts, (gar) kein’ (vgl. Friedrich, PhrasWB S. 182f. u. 246f.)    7.1 mit grôʒe: nehein sunde, chleiniv noch grozziv Spec 110,3; er sach dâ volkes ungezalt, / kleine, grôz, junc und alt Wh 126,28; Herb 8502. 1625; alle die brûdere, die dâ ambeht hânt, sie sîn cleine oder grôz StatDtOrd 66,8; swer auch die trinkvaz bricht in den winhoͤfen, ez sin glas, becher oder krusen, clein oder groͤz WüP 55,3. 98,4; alleu tier auf erden, si sein grôz oder klain, habent ir lebern in der rehten seiten BdN 238,11; UrkCorp (WMU) 1653,10; LobSal 204; Eracl 904; KLD:Kzl 2: 13,16. – subst.: do îlte er [Noah] uzlazen / cleinez unde grozez / svaz so da gehalten was VMos 13,12; [sie] wusten von im wedder cleyn noch groß [gar nichts] Lanc 260,18; wir finden aber nymand der uns von im groß oder cleyn [irgendetwas] sage ebd. 449,19; ir must von swertis orte sterbin gar, der groze und der kleine Köditz 39,11. bî kleinem unde bî grôʒem ‘im Kleinen und Großen, in allen Einzelheiten’ (?): was der Schranchbovmer in hab genomen bei chleinem vnd bei grozzem von den pflegnvssen di er hat inne gehabt UrkCorp (WMU) 1475,44    7.2 mit michel: nu bitte ich iuch gemeine, michel unde chleine, / swer dize buoch lese, daz er siner sele gnaden wunskende wese AvaJG 35,4    7.3 mit vil: sô hât sî mich in ir huote, / daz ich weder vil noch kleine / mîner selbes eigen bin SM:Wi 5: 2,2    8 ~ vasnaht Donnerstag vor Estomihi: dis geschach [...]an der cleinen vahsnaht UrkCorp (WMU) 1544,30    9 als Bestandteil von Personennamen: jch Cuͦnrat von Talhein, ein riter, genant der Clein UrkCorp (WMU) 1697,35; der cleiner Baldemar hat anderhalben morgen ebd. 13,1    10 als Bestandteil von Toponymen oder Astronymen: dar mögen ritter von Gallen komen und dem cleynen Britanien und von Schottenlant und von Irlant und von Cornvail und von manigen andern landen Lanc 544,14; von der cleinen India / warn zwene kuͤnige da Rennew 18677; die ain himlspitz ist pei dem grozzen wagen gegen dem klainen himelwagen KvMSph 21,13

MWB 3,1 332,21; Bearbeiter: Richter

kleine stF. auch sw. ( BdN 31,9 ) und N. ( KLD:UvW 2:5,3; Helbl 1,667; BdN 53,5 ), M. oder N. ( BiblMK 282 ). 1 ‘Kleinheit, geringes Maß’
2 ‘Kleinigkeit, Weniges, Bisschen’
2.1 allg.
2.2 oft als adv. Akk. ‘ein bisschen, geringfügig’
3 schmale Stelle
4 ‘Feinheit, Subtilität’ (bezogen auf die erkenntnistheoretische Vorstellung, Dinge in der Welt gelangten in feiner, sublimierter Form durch Licht und Luft ins Auge, vgl. Parad 63,22ff. )
5 unklar, i.S.v. ‘Detail, Feinheit’ unter 2 oder als ‘Größe, Ausmaß’ anzusetzen?
   1 ‘Kleinheit, geringes Maß’ ir grozú demuͤtikeit siht nit an die kleini der gabe, si siht an richheit des willen Seuse 265,16. 285,10; welchir di mittel maze hat an der groze vnde an der kleine SalArz 20,45; dú mugge ist also klein irchant / das si vil kume oder niht / ieman von ir kleine siht RvEWchr 10077; Vät 781; PrWack 56,99; KvMSel 300    2 ‘Kleinigkeit, Weniges, Bisschen’    2.1 allg.: diu vil reine [...] ist gar ân allen wandel ganzer tugende vol. / wan ein kleine daz beswæret leider dicke mir den sin: / sîst gen mîner bet ze strenge KLD:UvW 2:5,3; des wirtes bettziehen / ziuht er ab durch den sin, / daz kleine vazzt er allez drîn: / gürtel, hosen unde schuoch, / sleier, binden, ermel, tuoch Helbl 1,667; nun schüll wir durch ain kluoghait sagen ain clain, waz etleich träum bedäutent an dem menschen BdN 53,5; kain wurm hât pluot denn gar ain klain nâch seiner grœz ebd. 287,4. – häufig mit part. Gen.: dar zu ein cleine winez gesprenget Macer 75,9; dar zuo wart ein cleine / kæses dar gehouwen HBirne 80; ein kleine honicseimes RvEBarl 4697; ain klain wazzers BdN 70,20. 71,2; Seuse 46,24; KvWLd 18,23; frouwe, habt genâde mîn, / gebt mir iuwer fröide ein kleine KLD:BvH 6: 3,7; unse herre straphite sine jungerin und sprach: ‘in uch ist eine cleine lichtis [ modicum lumen in vobis est Io 12,35] ’. si inwarin nicht ane licht, ez was aber cleine Parad 64,10. – zeitl.: nach eime cleine [ post pusillum Mt 26,73] BiblMK 282    2.2 oft als adv. Akk. ‘ein bisschen, geringfügig’ er schilwete [schielte] ein cleine Herb 3160; mîn herze ein kleine erliuhtet ist RvEBarl 13876; ich wil iu ein vil claine / verwizen [tadeln] UvLFrb 112; iedoch ist des cypressen holz ain klain herter wan der viechten holz BdN 319,8 u.ö.; ich muͦs dir eins sagen, daz du enklein dester bas dines lidens vergessest Seuse 443,4; Mechth 4: 2,42; JTit 1184,1. – in der Form ein kleinen: trût muoter mîn, noch troeste dich / dur disen trôst ein kleinen / unde lâ dîn weinen! WvRh 10688. niht ein ~ ‘nicht wenig, in nicht geringem Maße’ dâ nâch [nachdem der Pelikan seinen Nachwuchs getötet hat] zeuht er sein federn ab und traurt niht ain clain umb seineu kindel BdN 210,10. 168,5. – zeitl.: ein kleine und ein wênic und ein lützel, und ir ensehet mich niht; aber ein kleine, und ir sult mich sehen [vgl. Io 16,16 modicum et iam non videbitis me, et iterum modicum et videbitis me ] Eckh 3:187,2. 3:199,4; als diz was ergangen / mit iamere ein vil kleine, / so tet die edele reine / ir ougen uf und wart vro Pass III 627,13; gip mir die súle indie hant / beide und tuͦ mir si bechant, / das ih mih dran geleine / unz ich geruͦwe ein kleine RvEWchr 21157    3 schmale Stelle: ein siechtum starc und swære / kom in daz rehte bein / niden an der klein Ottok 38169. – ‘schmale Ausläufer, Spitze, Ende’ ûzen an dem steine [dem Fels der Minnegrotte] / und an des steines cleine / dâ nam er [Marke] manege kêre Tr 17494    4 ‘Feinheit, Subtilität’ (bezogen auf die erkenntnistheoretische Vorstellung, Dinge in der Welt gelangten in feiner, sublimierter Form durch Licht und Luft ins Auge, vgl. Parad 63,22ff.): sich selbir irkennit he [der Engel] sunder cleine und sundir bilde. also bekennit sich auch di sele sunder cleine und sundir bilde und glichnisse Parad 63,32; sal ich got bekennen ane cleine und ane allis mittil, so muz got vil noch ich werdin und ich vil noch he ebd. 63,36    5 unklar, i.S.v. ‘Detail, Feinheit’ unter 2 oder als ‘Größe, Ausmaß’ anzusetzen?: der menschen antlitze / die sint algemeine / wol gelich ander cleine / und an der forme missewant [ ‘gleichermaßen in Detail und Form verschieden’ oder: ‘gleich an Größe, und in der Form verschieden’?] . / swaz ie lute wart irkant / unde noch kunftec nach uns sin, / der vint man an ir forme schin / nindert zwei gelich gar Vät 16106

MWB 3,1 338,1; Bearbeiter: Richter

kleine swM. (subst. Adj.?) Bedeutung unklar, in einer Auflistung von Merkmalen des Auges (verschiedene Augenfarben): die besten man, die wene, / und alle zit den kleinen sehen / sol man dez besten gesichtes iehen Physiogn 169; von kleinen sehen merket grozzen daz, / ir gesichte daz mak weren baz ebd. 171

MWB 3,1 339,16; Bearbeiter: Richter

kleinen swV. 1 ‘klein werden’
2 ‘klein machen, verringern’ , auch subst.
3 ‘fein, zierlich, handwerklich geschickt herstellen’
   1 ‘klein werden’ iuwer leit beginnet grôzen, / und iuwer fröude kleinen Georg 851; dîn schulde ist, daz ir hulde gegen mir kleinet SM:Had 15: 1,11; Helbl 8,136; KLD:WvBreis 1:1,12; Pass III 551,2. – ‘abmagern’ alsus [indem er ihr nicht genug Nahrung gab] wolde er [der Ehemann] verswachen / Anastasien die reinen. / si begonde ouch vaste kleinen / an ir und werden krank Pass III 32,28    2 ‘klein machen, verringern’, auch subst.: daz kraut ist haiz und trucken und entlœst und klainet grôz materi BdN 399,27; er remte [Alkimus trachtete] mit dem kleinen sus / zustoren, daz die ersten man / wol haten zu bereitet dran [am Tempel, vgl. I Mcc 9,54] Macc 4388; daz wir der drier personen / suln eweclichen schonen, / daz wir der namen nicheinen / weder grozeren noch cleynen, / noch minneren noch meren HeslApk 674; KvMSph 39,16. 39,22. – mit Refl.-Pron. ‘sich verkleinern’ wenn si [die Lunge] den luft in sich zeucht, sô grœzt si sich, wenn aber si den luft von ir sleht, sô klaint si sich BdN 29,28; zeitl. ‘sich verkürzen, kürzer werden’ merent sich oder klainent sich die tag oder die neht KvMSph 43,28    3 ‘fein, zierlich, handwerklich geschickt herstellen’ daz sint halsberge sunder wan / von ringen wol gecleinet Blanschandin 70,15

MWB 3,1 339,23; Bearbeiter: Richter

kleineren, kleinern swV. ‘etw./sich kleiner machen’ wenn man ez [Blei] zerlæzt in ainem fewer, sô klainert ez sich mêr dann ander gesmeid BdN 481,18. – hier ‘dünn machen’ oder ‘schwächen’ (?): daz ist daz gemaln eisen, daz von der feiln kümt. ez hât die kraft, daz ez klainert und trückent [ vim attenuandi et desiccandi ] den menschen BdN 479,24

MWB 3,1 339,49; Bearbeiter: Richter

kleinewîn stM. unklar, ob Syntagma (s.a. kleine Adj., Adv. unter 4.5). ‘Ehrenwein’, in Glossen ab dem 12. Jh., vgl. AWB 5,241

MWB 3,1 339,56; Bearbeiter: Richter

kleinheit stF. ‘Kleinheit’ 1 körperlich, stofflich
2 übertr. ‘Unbedeutsamkeit, Geringfügigkeit, Nichtigkeit’
   1 körperlich, stofflich: – ‘geringer Umfang, Dünne’ man spricht auch, daz etleich scorpen zwuo spitz haben an dem zagel. ez sint die ern [Männchen] under in gräuleicher wan die sien [Weibchen] und die erkent man an der leng und an der klainheit umb sich [ intelliguntur autem gracilitate et longitudine ] BdN 282,21. – ‘Feinheit, Dünnflüssigkeit’ und sint die este der âdern klain dar umb, daz daz pluot von seiner klainhait dester sneller werde verkêrt in der glider nâtûr BdN 36,32    2 übertr. ‘Unbedeutsamkeit, Geringfügigkeit, Nichtigkeit’ ich bekenne ouch mîner buoze kleinheit gegen mîner sünden grôzheit PrNvStr 284,19; die kleinheit miner werke Seuse 266,12. 304,29. – vom Menschen bzw. der Seele: ein kint ist uns geborn, ein sun ist uns geben, ein kint nâch kleinheit menschlîcher natûre, ein sun nâch der êwigen gotheit Eckh 1:379,6; so im ie klerlicher und bloslicher in lúcht gottes grosheit, so im ie bekentlicher wirt sin kleinheit und sin nichtkeit Tauler 250,1 u.ö.; nement her fúr úwer kleinheit und huͤtend úch vor hofart! gedenkent, wer ir sient, Seuse 383,6; PrEngelb 190,314; Parad 13,9. – zur Übers. von lat. extremitas ‘das Geringste, Letzte’ (s.a. kleinlîche stF.): der sehste der demvͦti grede ist ib aller svacchait oder clainhait ginvͦgende si der munich [ si omni vilitate vel extremitate contentus sit monachus ] BrZw 7

MWB 3,1 339,59; Bearbeiter: Richter

kleinicheit stF. ‘Kleinheit’, hier übertr. von geist/  sin i.S.v. ‘geringes Vermögen, Eingeschränktheit’ die nahent pei gesehen, die habent ainenn sichtigen geist unnd verwundenlichen und klaren, der von sein selbs klainigkait [ ex sua parvitate ] nichtt wenüeget sich aus zegiessenn zue den ferren dingenn HvHürnh 46,8; wer klaineu ripp hât, daz bedäut ain klainichait des sinnes. wer aber weiteu oder braiteu ripp hât, daz bedäut guoten sin BdN 48,8

MWB 3,1 340,24; Bearbeiter: Richter

kleiniclîche Adv. ‘wenig’ (vgl. Anm.z.St. S. 371): dâ bî siht man sie [die mit dem ererbten Besitz nicht angemessen umgehen] schatz vil snudelîchen zern [La. vnde siht man si doch kleinekliche zern ] WernhSpr (Z) 40,6

MWB 3,1 340,34; Bearbeiter: Richter

kleinlich Adj. , -lîche Adv. adv. auch -lîchen ( Parad 82,22 ). 1 ‘klein, gering, wenig’
2 ‘fein, zart, zierlich’
3 ‘fein, geistig, subtil’
4 ‘fein-, scharfsinnig, klug’
   1 ‘klein, gering, wenig’ dis ist die himmelsche gottes minne, die hie vil kleinliche beginnet und doͤrt niemer ende gewinnet Mechth 7: 45,19; so geschiht dicke, daz si do von werdent gehúndert und nit kleinliche gesumet Seuse 474,16    2 ‘fein, zart, zierlich’ da sach ich boͮme, loͮp und cleinlich gras und niht uncrutes Mechth 7: 57,5. – von Personen: dy stat hot ouch schone und alczu schone wip, der lebin gar kleynlich unde czart ist MarcoPolo 45,3; do gab got Ade von herzeklicher liebi ein gezogne, edel, kleinliche jungfroͮwen, das was Eva Mechth 3: 9,40. 5: 23,59; nu has du lon, den virveldichen, des lichamen; dat he sal sin starc, snel, cleinlich, inde schone Lilie 7,3    3 ‘fein, geistig, subtil’ de dritte sterre mag heizen durchverdicheit; dat din lichame so cleinlich sal sin, dat in geinre hande lichame dir widerstain in mach, du in muges dar durch varen Lilie 6,30; so ist die spise [...] so kleinlich das keine vernunft enkan vinden wie und wo die subtilkeit lige und wurke Tauler 121,22; diu sêle muoz geliutert werden und kleinlich gemachet in dem liehte und in der gnâde und alles abegescheiden werden Eckh 2:549,3; sol ich sehen die varwe an der want, sô muoz si werden kleinlich gemachet in dem liehte und in dem lufte und ir glîchnisse getragen werden in mîn ouge ebd. 3:193,1; etlîche krefte der sêle nement von ûzen, als daz ouge: swie kleinlîche daz in sich ziehe und abespalte daz gröbeste, nochdenne nimet ez etwaz von ûzen, daz zuoversiht hât ze hie und nû ebd. 1:364,8 u.ö.    4 ‘fein-, scharfsinnig, klug’ willen wir noch diͤfer gan / ind diͤ zwelf stern kleinelicher verstan, / diͤ in din krone sint gesat MarlbRh 120,18; also ist ez umme di di da sprechin, minne si bezzir wan bekentnisse, wan minne grop ist, so ist si intsebilicher [leichter sinnlich wahrnehmbar] , und bekentnisse ist so cleinlich daz man ez hi nicht gehabin inmac Parad 90,10. – hierher oder zu 1: si sullent hi um nit verzan / obe ich sy cleinlich leren an, / ich meynen das snoede abc. / ich sal si wol geleren me / konste grois na cleiner ler MinneR 481 828

MWB 3,1 340,39; Bearbeiter: Richter

kleinlîche stF. zur Übers. von lat. extremitas ‘das Geringste, Letzte’ (s.a. kleinheit unter 2): djr sehste grad dir diemvͦti ist daz. daz dir mvnch si bignvͦgit allir wenichlichi. vnde allir chleinlichi [ si omni vilitate vel extremitate contentus sit monachus ] BrEng 7

MWB 3,1 341,18; Bearbeiter: Richter