kluppe
swF.
etwas Gespaltenes (zu
klieben
)
1 von gabel-, zangen- und scherenartigen Werkzeugen (vgl. AWB 5,264 und
kluft
) 2 bezogen auf gespaltene Holzstücke, hier bildl.
1
von gabel-, zangen- und scherenartigen Werkzeugen (vgl. AWB 5,264 und
kluft
):
si a pilo ut forcipes, quę sunt tonsorum kluppa (vel) clufta
SummHeinr
1:249,275;
der sol den [als Symbol einer Hausverpfändung
stehenden] span in einer kluppen offenlichen auf dem margt ân allez
gevaͤr vail tragen StRMünch
429,24;
iecur, quod servatur domino venatoris, quod portatur domino in eyner cluppen
Jagdpredigt
72
2
bezogen auf gespaltene Holzstücke, hier bildl.:
man kan die rede nu anders snüeren / und in maniger kluppen spalten
Renner
21853
(vgl.
ein rede in siben stücke spalten ebd.
18332
)
MWB 3,1 380,43; Bearbeiter: Diehl
klüppelîn
stN.
‘Holzspießchen’
snit zwei cluͤppelin eines vingers lanc, als ein eln schaft
fornen sleht sinewel, vnd nim des gesoten [von einer
Hackfleischmasse] als groz als ein
morche [Morchel] , walkez sinewel in der hant vnd fuͤge
ez vͤmme den spiz als ein marach [morchelförmig] vnd
zwengez vzzene, daz ez krusp si BvgSp
23
MWB 3,1 380,57; Bearbeiter: Diehl
klûse, klôse
stswF.
entlehnt aus mlat. clusa bzw. clausa (zum bereits ahd.
vorliegenden Vokalismus vgl. 2
5Mhd. Gr. § L 41; vgl. auch MlatWB 2,733f. u. 691 sowie EWA
5,625f.).
1
‘Kluft, Fels- oder Gebirgsspalte, Schlucht, Engpass’
2 umschlossener, daher abgeschiedener, geschützter Ort (meist bezogen auf Gebäude,
aber auch einzelne Räume) 2.1 allgem. 2.2 häufig bezogen auf religiöse Einrichtungen (vgl. LexMa 5,1195), meist
‘Klause, Einsiedelei’
2.3 übertr. 2.3.1 als ‘Gefängnis, Gefangenschaft’
2.3.2 bezogen auf den menschlichen Körper und seine Teile 2.3.3 bildl.
1
‘Kluft, Fels- oder Gebirgsspalte, Schlucht, Engpass’
den sînen dô der künc gebôt / daz sie næmen in ir phlege /
ein enge klûse diu die wege / wîste kuntlîche / dar in daz künecrîche. / durch die
klûse muost man hin, / gegen dem land ûz und in / varn, niender anderswâ
RvEAlex
16886.
5621;
ez was ein wildiu clûse / und ein vil tiefiu schrunde, / dar
inne er sîne stunde / und alliu sîniu jâr vertete KvWTroj
5898;
ûz der velse clôsen / brunnen clingent dâ KvWLd
7,21
BdN
427,16;
Wernh
A 657;
UrkCorp (WMU)
530A,30.
1294,11;
der chuͦnc uon Tuse / der furt uz siner cluse
[seinem in den Bergen liegenden Reich] / manigen helm
prunen Rol
2660.
– mit einer solchen Enge verbundene Zollstelle bzw. Befestigung:
der bischolf hiez an der stet / rihten ûf den berc /
sîniu antwerc, / diu er dar het brâht. / dâmit er tac und naht / muot die in der
klûse Ottok
28662;
diu burc ze Werven und diu klûs ebd.
8396.
30677;
auf den vesten Chuͦfstein, Chitzpuͤhel, Werberch, Ebs mit allen den
clausen, di darzv gehoͤrent UrkWittelsb
2,269
(a. 1319)
u.ö.
2
umschlossener, daher abgeschiedener, geschützter Ort (meist bezogen auf Gebäude,
aber auch einzelne Räume)
2.1
allgem.:
von der lewen huse / und von den bergen der lebharten
kluse [vgl. Ct 4,8]
Brun
637;
eines beteleres kluse / ist baz beraten den die min
Erz III
40,80;
GTroj
1974
u.ö.;
ich lazz iuch sehen, wellt ir, / noch mer hie ze huse: /
get dan in mine cluse / und schawet min clainoͤde WhvÖst
3878;
in dem huse, / mines palasis cluse Daniel
3526;
Ottok
80256;
zir clûse [der Minnegrotte] ist
daz geverte / arbeitsam unde herte; / die berge ligent dar umbe / in maneger
swæren crumbe / verirret hin unde wider Tr
17079
2.2
häufig bezogen auf religiöse Einrichtungen (vgl. LexMa 5,1195), meist
‘Klause, Einsiedelei’
closter, munster, kirchen, clus / und alle gotes bete hus
HeslApk
19503.
22262;
also nu die welt ussewendig geflohen ist, es si in klosen
oder in kloͤstern Tauler
13,13.
326,25;
Eckh
5: 192,2;
da daz sheiden under in geshach / und diu cluse wart
beslozzen, / manig wange wart begozzen / von wiben und von mannen
Rennew
33685;
Kchr
12799;
Mai
168,32;
UrkCorp (WMU)
1534,4.
– auch bezogen auf Kirchenräume, Klöster:
Nabuchodonosor hiez / [...] /
daz geveze tragen vort / merende des gotis hort / der sin was, und ouch die
clus / zieren, sines gotis hus Daniel
139;
in sinen ungeberden / meilget er des tempels clus
ebd.
7137
2.3
übertr.
2.3.1
als ‘Gefängnis, Gefangenschaft’
[Samson] gieng gewaltenklich hin uss / uss siner
herten vÿgent klus KvHelmsd
2828;
der [Traum des Mundschenken] maint das er
uss bandes klus [Beengung] / solt bald frÿ und
ledig gaͮn ebd.
420
2.3.2
bezogen auf den menschlichen Körper und seine Teile:
nescitis quod corpora nostra sunt templum spiritus
sancti. / horet wie sanctus Paulus gicht [I Cor
6,19] . / [...], / daz ower lip si
gotes hus / und des vil heiligen geistes klus Brun
4273;
set wie daz gotes bethus / wonet in menschlicher klus [
ecce tabernaculum Dei cum hominibus Apc 21,3]
HeslApk
20540;
der inner alter in dem hus / bezeichenet des herzen
klus, / da der geist wonet inne ebd.
11824;
Erz III
6,113;
LvRegSyon
4119.
– überw. der weibl. schwangere Körper (Mariens als Gottesmutter),
die Gebärmutter:
des selben wunderæres [Jesu] hûs / was
einer reinen megde klûs / wol vierzec wochen und niht mê / âne alle
sünde und âne wê Walth
5,36;
wazzer, luft, fiur, erde und himelrîche, / des wære
dû [Maria] ein klôse hie SM:JvR
1: 4,11;
daz götleich himeltaw
[...] prâht uns gotes aingepornen sun in
den umbvanch der käuschen clausen Marien BdN
246,3.
460,4;
daz sich der sâm des mannes tailt in der frawen
clausen ebd.
486,34
2.3.3
bildl.:
Helêne ist aller wunne dach / und aller fröuden
klûse, / dar în sich hât ze hûse / heil unde sælden vil gezogen
KvWTroj
19855;
Brun
507;
der Êren klûse KvWEngelh
928;
der Triuwen klûse ebd.
6295;
mînes sinnes klûse LvRegFr
4944;
HvNstAp
16432.
1822;
die verschamten rîchen tugentlôsen, / die sich in der
schande clôsen hânt getân KvWLd
19,8;
in des nîdes klûsen Renner
14127.
–
nu set an des gelouben klus! / daz criuze ein rigel ist in dem hus
Frl
2:19,5;
dú sele, dú min in der heinlichen kluse eins
abgescheidenen lebens inrlich enphinden und suͤzklich niessen wil
Seuse
296,27;
ir heil sich immer meren / sal, in der werlde cluse
Daniel
45
MWB 3,1 381,1; Bearbeiter: Diehl
klûsen
swV.
‘etw. einschließen, wegschließen’
ich klag iu über den Tûfersær - / ein kündiger glîchsenær, / er neiset
[schädigt] liut unde lant, / / swann er ze soum
geklûset / sîn kündigen gewin, / den sent er zuo der Etsch hin Helbl
5,46.
– refl. ‘sich in eine klûse, ein Kloster begeben’
do clusete sich de konigin / got der gaf ir den sin Roth
5189
(Hs. A)
MWB 3,1 382,29; Bearbeiter: Diehl
klûsenære, klôsenære
stM.
in ahd. Glossen seit dem 12. Jh. belegt (vgl AWB 5,262).
‘Bewohner einer klûse, Klausner, Einsiedler’
inclusus: klosinari SummHeinr
1:279,113
u.ö.;
dô machte her ein hûsichîn verre von den lûten, und grup ein grap in sîner
zellen, alse der klûsenêr gewonheit ist, daz si gedenken sullen alle tage daz si
sterben sullen HvFritzlHl
60,35;
uf deme selben steine / saz ein mensche aleine / ruch als ein ber der was, /
[...]. / der was ein clusenere Brandan
363;
also ist maniger der spricht: ‘eya, wer ich zu himelriche; eya, were ich also
kuͦsche und also guͦt als der clusnere oder als ein ansidel oder als der closterman’
PrLpz
14,9;
Parz
439,14;
ich hôrte verre in einer clûs / vil michel ungebære. / dâ weinte ein
clôsenære, / er clagete gote sîniu leit Walth
9,37;
GTroj
4382;
UrkCorp (WMU)
1241,8
MWB 3,1 382,37; Bearbeiter: Diehl
klûsenærinne, klôsenærinne
stF.
‘Bewohnerin einer klûse, Klausnerin, Einsiedlerin’
Wernher der graue von Eîstat sol han alles das guͦt, das Cvͦnrates seligen des
Schuͦlers was vnd gab siner dohter, der closenerinun von Keppenbach UrkCorp
(WMU)
1980,20;
ich hôrt ie sagen mære, / klôsnærinne und klôsnære / die
solten mîden âmûrschaft Parz
439,14;
obe si durch godes minne / mochte sitzen inne / beslozzen alters eine / in
geistlicher meine / same ein cluseneren Elis
6479;
NvJer
10825;
Albert
170;
HvNördlBrf
33,125
MWB 3,1 382,54; Bearbeiter: Diehl
klûsene
swF.
hier nur klôs-.
‘Klause, Einsiedelei’
kuͤnden wir, swester Gerdrut, [...] vnd swester
Kuͦnigunt [...] closnerina ze Eistat
[...] das wir beidesament
[...] die closenun ze Eistat, da wir inne sessehaft vnd
wonende sin, hus vnd hof, vnd alles, das vornan und hindenan dar zuͦ hoͤret
[...], haben gegeben [...]
UrkFreiburgGr
12,453
(a. 1326);
duͦ selbe vorgenante closene ebd.
12,454
(a. 1326)
u.ö.
MWB 3,1 383,1; Bearbeiter: Diehl
klûsenen
swV.
hier nur klôs-.
‘sich in eine klûse, ein Kloster begeben’
er het mir hiute minen muͦt / mit riwen so verseret, / daz
ich vil nah was becheret / und wolt ich mich gechlosent han StrKD
101,47
MWB 3,1 383,9; Bearbeiter: Diehl
klûsentor
stN.
‘Tor einer Klause, Grenzfeste’
ê si [die Gegner] komen für der klûse tor
[La. vor daz klusen tor
] , / si müezen uns ze phande geben / bêdiu lîp unde leben
PleierGar
12924
MWB 3,1 383,14; Bearbeiter: Diehl
klûsentür
stF.
hier nur klôsen-.
‘Tür einer Klause’
daz venster miner klosentür Frl
1:9,4
MWB 3,1 383,18; Bearbeiter: Diehl
klûsenvrouwe
swF.
‘Bewohnerin einer klûse, Klausnerin, Einsiedlerin’
di closen vrowe hette di dudeschen brudere
[Deutschordensleute] wurbaz meir vil werdere und
libere dan andere geistliche lute HlReg
63,13.
63,7
MWB 3,1 383,20; Bearbeiter: Diehl
klûster
Subst.
wohl metallenes Schließeisen, Schloss o.ä. (zu mlat. claustrum, MlatWB
2,699f.; vgl. s.v. Klauster DRW 7,1074; DWB 5,1040 und RheinWb
4,672):
Wylande [(einen Schmied) bezahlen] um zwelf kluster
Lexer
Nachtr. 276
MWB 3,1 383,25; Bearbeiter: Diehl
klûter, kluter
stM.
auch klutter (vgl. DWB 5,1008), nur im Reim auf
lûter.
‘Schmutz, Fleck, Makel’
ein balsama luter, / da ist zugemenget kein kluter
Brun
5798.
6642;
heilec unde luter / waren ane cluter / ir beger unde ir gedanc, / ir herze
reine sunder wanc Elis
8672;
ir muot der was vil lûter / von alles lasters klûter EbvErf
1428;
daz man daz herze luttere / von allen valschen kluttere
HeslApk
8890
u.ö.;
owe mensche, din gesprinc [Ursprung] / daz hub sich
erst vil luter; / da macht ich manic cluter / darunder, daz iz trube wart
HeslNic
3380
MWB 3,1 383,30; Bearbeiter: Diehl
kluterære
stM.
‘Täuscher, Gaukler’ (hier personif., vgl. Glr.z.St.):
so kumet danne bruͦder itel spot · vnd bruͦder cluterere · vnd bruͦder
schimphelin · vnd bruͦder vnnuͤzze · vnd bruͦder zit verlies · vnd bruͦder itel ere
· vnd machent ein schal da gotes ere clein an liget SelbhReg
438,53
MWB 3,1 383,41; Bearbeiter: Diehl
kluterât
stF.
auch clutterât.
‘Täuschung, Gaukelei, arglistiger Anschlag, schändliches Verhalten’
manic herze in der cluterat / vil groze betrupnisse enphat
Vät
13087;
daz di selbe cluterat / were also gentzlich vor erdacht, /
als si sit wart vollenbracht / mit Johannis tode Pass I/II (HSW)
38122;
ich weiz wol, von wes râte / dî selbe clutterâte / zaller êrst sich irhûp
Widerstr
1757.
1764
MWB 3,1 383,47; Bearbeiter: Diehl
kluterdinc
stN.
‘Täuschung, arglistige Machenschaft’
do irhub der ungeneme [Sathanas] /
aber do ein cluter dinc: / rehte alsam ein jungelinc / werltlich er im
[dem Einsiedler] irschein / unde gienc im uf dem wege
gein Vät
18691
MWB 3,1 383,55; Bearbeiter: Diehl
kluteren, klutern
swV.
‘etw. ohne rechten Nutzen tun, herumwerkeln’
alles das man clútteret und arbeitet sunder nutz und sunder
not, das ist alles vor gotte tot Mechth
6: 1,89
(vgl. Anm.z.St. mit Lit.).
– subst.:
daz wir volgen Cristes spore / unde deme tiuvele wîderstân /
[...] / unde lâzen allez klutern
[überflüssige Erwägungen, Grübeleien] sî / unde
gelouben einvaltich an die drî, / die in ein beslozen sint Kröllwitz
3763
MWB 3,1 383,60; Bearbeiter: Diehl
kluterhaft
Adj.
‘befleckt, mit einem Makel versehen’
augustiner, predier, parfuͦssen / git [der
Geiz] mit der welt unmuͦssen / und mit unrehter aigenschaft / tuͦt
vil maͤnigen klutterhaft SHort
4898
MWB 3,1 384,5; Bearbeiter: Diehl
kluterheit
stF.
‘Täuschung, schändliches Verhalten’
demuͤtig vnd minnesam, / dem eltesten gehorsam, / dar zvͦ miden aller
klv̀terheit Reimr
66
MWB 3,1 384,9; Bearbeiter: Diehl
kluterîe
stF.
‘Täuschung, arglistige Machenschaft’
die fürsten rîch von hôher kür / mit kluterîe [Hs.
claterie
] er dâ verriet, / sô daz er si von gelte schiet / und leite ez sînen
friunden an KvWPart
17921
MWB 3,1 384,12; Bearbeiter: Diehl
kluternisse
stF.
‘Fleck, Makel’
der sunder sal des hoffen / daz er [der hl. Geist]
czu hant guzze drin / der genadin wider schin, / der gar alle vinsternis / und aller
sunde cluternis / dan uz der sele triebet / und si mit tugnt durch schribet
TvKulm
5570.
–
‘Täuschung’ oder ‘überflüssige Erwägungen’
aber wer an alle crye / wil besen wer Jesus sye /
[...] / gar an alle cluternis / mit dem wissagen er
sicze / einsam in guter wicze / und czy sich von den luͦten / und von der werlde
truten! TvKulm
2884
MWB 3,1 384,17; Bearbeiter: Diehl
kluterspil
stN.
‘Täuschung, Gaukelei’
als ouch der tuvel gesach, / wie er also nicht erwarb / und im sin wille
verdarb, / do was im harte leide / und erdachte anderweide / ein kluterspil mit dem
er quam. / eine forme er an sich nam / als ir man Pass III
322,93.
323,80
MWB 3,1 384,28; Bearbeiter: Diehl
kluterwort
stN.
oder kliuter- (?; vgl. Anm.z.St. Lexer 1,1641 und
kliuter
).
unklar, ob ‘Schmeichelwort, unernsthaftes Gerede’ oder ‘üble
Nachrede’
daz der guote mensch alle zît sî in einem güetlîchem ernste,
[...]. dâ mite enpfliuhet er vil schaden an
verlâzenheit, an îteler vreude, an kliuterworten [Laa. klùtter-,
chlvͦter-, chluhter-
] , an spotte, an müeziger rede, an unnützen mæren, an urteilen, an
kivelworten unde an andern sachen DvASchr
318,4
MWB 3,1 384,34; Bearbeiter: Diehl
klutter
stM.
→
klûter
MWB 3,1 384,44;
klutterât
stF.
→
kluterât
MWB 3,1 384,45; |