kôlegruobe
F.
‘Grube der Qual, des Leidens’
[Gebet an Gott:] irbarme dih ubir dine hant getat, / wande
[...] din gute [...] machit di
arme sele fri / uz dirre colegrubin Litan
191
MWB 3,2 422,35; Bearbeiter: Tao
kôle-, kœlkrût
stN.
wie
kôl
:
drîer kôlekrûte [dreimal täglich Kohl] / wirt im
noch vil selten buoz: / dâ von strûbet im der nac Neidh
WL 22:6,5;
von dem kölkraut. caulis haizt kölkraut. daz hât ainen
langen rôten stengel und hât grôzeu praiteu pleter, diu werdent rôt, wenn si der
frost durchgêt BdN
394,2;
setzet man ain haseln zuo dem weinreben, diu derrt im sein
wurzeln und verderbt den weinreben, und daz tuot auch kolkraut ebd.
354,5
MWB 3,2 422,39; Bearbeiter: Tao
kolemeise
stF.
‘Kohlmeise’
vnd wer eyne kolemeyse fienge mit lymen, ader mit slagegarn, der sal vnserme
herrn geben eine falbe henne mit sieben hünkeln WeistGr
1,535
(a. 1324)
MWB 3,2 422,48; Bearbeiter: Tao
kolenmâz
stN.?
oder ist -mâze F. anzusetzen?
‘Hohlmaß für Kohle’
von den kolenmazen, da man kolen mete miszet, gebit man deme vicztum iodes jares
vir schillinge WeistErf
139
(1. Hälfte 14. Jh.)
MWB 3,2 422,52; Bearbeiter: Tao
koler
stM.
‘Köhler, Kohlenbrenner’ (s. a. →
kolner
):
alle koler, swie si genant sint, suln secke haben zu irn koln
[...] und suln ie zwene seck koln geben umb 7 haller
und niht hoher NüP
126;
die coler sol man setzen von der stat uber anderthalb meile, unde inwendic
anderthalber meile sol man niht colen brennen bei der stat umbe und umbe ebd.
174;
die minnære, / dien ir frowe nicht gan ir ougen blike: / die
sint wol koler genôz, / wan die ruowe sint lære, / und die müezzen haken unde
riuten SM:Had
17: 1,5.
– als Bestandteil von Personennamen s. WMU 2,1019:
MWB 3,2 422,57; Bearbeiter: Tao
colera
F.
aus griech.-lat. cholera;
Akk.Sg. auch in lat. Flexion: coleram (z.B.
SalArz
16,25.
29,47.
53,22;
HvHürnh
39,11;
BdN
88,17.
341,9
).
‘Galle’ (Körpersaft; vgl. ausführlich →
1galle
und 2DWB 2,1128):
da [in der Leber] werdent die uier
vuchte [...] : blut, colera, flecma vnde melancolia
SalArz
1,54.
3,46
(mit längeren Ausführungen zu verschiedenen Arten von
~
);
di nature heiset sust: di erste heiset colera, di ist heis unde
trocken; di ander heiset sangwis [...]
Macer
Prosavorr. 22;
di wermute furbet di coleram oben vnde niden uz dem magen
SalArz
83,44;
der pforr ist haiz und trucken
[...] und pringt auch die pœsen fäuht in dem
leib, diu colera haizt BdN
415,34;
aber wem träumt von fewer und von plitzen und von kriegen,
der hât vil materi in im, diu dâ haizt diu rôt colera ebd.
53,11;
und wem träumt, daz er vil swarzer ding sehe oder prauner
ding oder der im vil fürht und vil derschricket in dem slâf, der hât vil in im der
materi, diu dâ haizt diu swarz colera oder melancolia ebd.
53,18;
di rote colera machet den menschin tzornic
SalArz
5,36;
ich [
der aventiure
hauptman
] bin haiz und fuͤhte, / an miner menschait
alsus / bin ich der art sangwineus; / colera regiert auch mich, / diu ist haiz und
trucken [...] / an mir regniert auch flema
[...]
WhvÖst
3311.
– im Zusammenhang mit den Jahreszeiten:
da [im Juni] hebit sich der rotin
colera merunge vnde werit biz in den manen [...] september
SalArz
5,4;
HvHürnh
38,7;
der herbst ist ain kalte zeite unnd trukenn, in dem sich
erhebtt die schwartz colera unnd ist nutz ze essenn haiß unnd naß speise ebd.
39,7.
39,11.
– als Ursache bestimmter Krankheiten:
daz hilft in für die darmgiht und wider den siehtum, der von
der fäuhten colera kümt BdN
446,21;
so daz houbit we tut uon der colera di da rot ist
SalArz
30,17;
jst iz [die Augenentzündung] uon
der rotin colera ebd.
35,30;
vil dicke wirt diu lungel wund von der colera
Barth
152,7;
causon ist di brennende sucht vnde wirt, so sich di colera
erzundet in den adern, di da nahen bi dem herzen sint SalArz
68,31;
sô vertreibt si [Birne] des leibes
hinlauf [Durchfall] , der dâ kümt von colera in dem
leib, daz ist ain pitter peizent fäuhten in dem leib und ist gel und grüen
BdN
340,27.
345,29.
358,12
MWB 3,2 423,5; Bearbeiter: Tao
colerisch
Adj.
‘mit der gelben Galle in Beziehung stehend’, daz colerische zeichen,
Sternzeichen, dem die gelbe Galle zugeordnet ist:
unnd ist die sunne in dem colerischen zaichenn, so sol man
scharppf machenn die ertznei. wann sunne und man sind in dem colerischen zaichen, wirt
dann ertznei genomen, die kümt ze nütz HvHürnh
58,11
MWB 3,2 423,50; Bearbeiter: Tao
kolerlêhen
stN.
"vermutlich nach Leiherecht zum Zwecke des Kohlebrennens ausgegebenes Waldland"
(DRW 7,1169):
Lauatte hat 1 lehen pei Valmulare, daz ist 1 cholerlehen
UrbSonnenb
111
MWB 3,2 423,57; Bearbeiter: Tao
kœlgarte
swM.
‘Kohlgarten’
item 1 koͤlgarten, lit vor dem nidern tor UrbHabsb
2,1:546,2
MWB 3,2 423,61; Bearbeiter: Tao
kôlgras
stN.
1
‘Kohl’
2
‘Koriander’
1
‘Kohl’
caulis: choli, colgras SummHeinr
2:223,230;
weitere mhd. Belege AWB 5,302
2
‘Koriander’
colandrum: kolgras SummHeinr
1:201,401.
2:55,420.
2:212,119;
weitere mhd. Belege AWB 5,302
MWB 3,2 423,63; Bearbeiter: Tao
kolgruobe
stswF.
Grube zur Holzverkohlung; hier nur in Vergleichen:
der tunst ouz ir [der Kämpfer] libe rouch / in aller
der gebære, / sam ouf dem wale wære / tousent chol gruͦb erzundet an
Dietr
8852;
sîn ors daz sach man temphen / alsam die kolgruoben Reinfr
8671;
dô der abt daz vernam, / daz er niht von sinnen kam, / daz was
ein wunder grôz: / der krucken er manigen stôz / tete mit der nasen, /
[...] ûz der platten im brach / und ûz dem hirne ouch / ein
tamph und ein rouch / als ûz einer kolgruoben Ottok
36046
MWB 3,2 424,4; Bearbeiter: Tao
kôlhenger
stM.
Bedeutung und Etymologie unklar; „in Speyer und Heidelberg vorkommende Bez.
e. wohlhabenden, zunftgebundenen Bürgers, der vermutl. Feldfrüchte anbaut” s. DRW
7,1169 (mit zwei mhd. Belegen):
wir die dritzehen gezunfte zu Spire, [...] die kolhenger,
gertner unde ackerlute UrkSpeyer
297,1
(a. 1327);
[Zunftsiegel mit d. Aufschrift:] der kolhenger. Spir
DRW
7,1169
(Siegelsammlung; a. 1327)
MWB 3,2 424,15; Bearbeiter: Tao
kolhopfe
swM.
Ansatz unsicher; kol- wohl kontrahiert aus kogel (eine
Nebenform von →
gugele
F. ‘Kapuze’), -hopfe zu
hebe
swMF. ‘Hefe’ (vgl. Kluge, S. 377) oder zu
1hupfen
swV. (vgl. DWB 4,1,6,1050 )?
– ein Gebäck, ‘Gugelhupf’?
er machet einen kolhopfen [vgl. Anm.z.St.]
KgvOdenw (S)
2,68
MWB 3,2 424,24; Bearbeiter: Tao
koliander, koriander
stM.
aus lat. coliandrum, coriandrum
(vgl. auch
SalArz
55,12.
76,21
u.ö.;
BdN
227,3.
395,8;
coriandron [: linpollon
]
VMos
78,29
);
durch Vermischung mit holunter auch holinder; entstellt
choller und krollo, krolle (swM.); zur Formenvielfalt s.
Marzell 1,1160.
–
‘Koriander’
coliandrum: kolinder, holinder, krollo [La.
krolle
]
SummHeinr
1:192,280;
coriandrum: kolinder, krollo ebd.
2:51,331;
collindir ebd.
2:224,234;
choller Gl
3:679,23;
coriander ebd.
3:539,3;
weitere Glossenbelege des 12. bis 14. Jh.s s. AWB 5,312 (s.v.
koriander) und 457 (s.v. kullanter, kolinder,
koller);
der coriander mit getrockentem winber
[...] gestosen Macer
30,3;
swer den coriander liset dez morgens ebd.
30,11;
col, ruͦte, coliander, girstinmel ebd.
50,2;
corianders same ebd.
30,4
u.ö.;
corianderz saf ebd.
30,8
MWB 3,2 424,31; Bearbeiter: Tao
collâcio, collâcie
F.
aus lat. collatio; oft lat. flekt.; Akk. Sg. auch
collacione StatDtOrd
43,29;
collazien
HvFritzlHl .
1
‘abendliche Lesung’ aus Cassians ‘Collationes Patrum’ oder anderen erbaulichen Schriften 2
‘abendliches Lehrgespräch, predigtartiger Vortrag’
1
‘abendliche Lesung’ aus Cassians ‘Collationes
Patrum’ oder anderen erbaulichen Schriften:
jst ez abir ein vast tag, som [= so
man
] denne vespir gesingit vnde ein chleinnv stunde hin
chvnt, so svns gan ze collatione BrEng
42;
den brûderen, die ambeht hânt, ist erloubet, daz sî underwîlen
von gotes dieneste unde von collatione sîn [fernbleiben] ,
sô sî die nôtdurfte ir ambehte dar kumen niht enlêzet StatDtOrd
35,14.
–
‘abendlicher Umtrunk (während der Fastenzeit)’ (mit oder ohne Lesung;
s.a. →
âbenttrinken
stN.):
von der collacione StatDtOrd
27,34;
alle tage, sô man vastet, sô sulen die brûdere collacione
halden ebd.
43,29;
an dem tage, sô collacio ze halden ist, sô sulen die
brûdere nâch vespere vor complête zu trinkene zu collacien kumen unde sulen dâ
[...] nemen daz trinken, daz man in dâ schenket
ebd.
44,1;
sint man in anderen geistlichen
lebenen [Orden] , sô man nahtes zu collatione
trinket, die lectien hat, die sî alle swîgende hôrent, so manen wir des die
brûdere, daz sî zu collatio ir swîgen halden ebd.
44,7;
die brûdere in den hûseren sulen âne sunderlichen urlop
niht trinken ûzwendic des ezzenes, ez ensî denne wazzer oder zuhant nâch nône
oder zu collatione oder mit gesten ebd.
57,12;
so er denn ze collacion oder ob tische also turstige den
win von im saste [von sich wegschob]
Seuse
47,21
2
‘abendliches Lehrgespräch, predigtartiger Vortrag’
daz sint die rede, die [...] der
prior von Erfurt, bruoder Eckhart predigerordens mit solchen kindern hâte, diu in
dirre rede vrâgeten vil dinges, dô sie sâzen in collationibus mit einander
Eckh
5: 185,6
(vgl. Anm.z. St. und Largier, Eckh. 2,793);
dis ist ein collacie [vgl. Erl. dazu S. 307 u. 379]
meister Ekarts PrWack
59,91
(=
Eckh
3:69,2App
);
lob und ere und dank si dem an dirre collacione der vol ist guͤti und
wissenhait und aller suͤssekait PrGeorg
56,26;
hie wollen wir dise collazien lâzen HvFritzlHl
17,19.
26,38.
44,39.
– Lit.: LexMA 3,33 und 2,1550f.; Y. Koda, Mystische
Lebenslehre, in: E. C. Lutz, Mitttelalterliche Lit., Freiburg (Schweiz)
1997, S. 242-249
MWB 3,2 424,48; Bearbeiter: Tao
colle
stF.
aus lat. cunila, conila; zur Form vgl. AWB 7,602; s.a.
vëltcolle
und
quënel
.
‘Feldthymian’ (Thymus serpyllum L. Marzell 4,699-714):
der gebranten collen rouch oder ruch vertribet di natern
Macer
28,4;
di colle getrunken mit wine fuͦrdert di wip an ir
suche, di zu lange mit beten [= beiten
]
ebd.
28,9
MWB 3,2 425,29; Bearbeiter: Tao
collecta, collecte
F.
liturg. ‘Kollektengebet’
guzinz: collecta GlHvB (GE)
323;
die collecta [vgl. Anm.z.St.] , die
er ob dem alter sprichet, bezeichent [...]
Lucid
95,3;
nâch der collecten lesen wir die episteln PrBerth
1:497,32;
capitel, collecten, legend [...] /
das hat er [Papst Gregor der Große] gerichtet / und manig
puech getichtet Märt
3908;
als dicke man unser vrowe nent in den collecten, sô sal man
venien StatDtOrd
122,14;
die collecte sal man sîn an der venie ebd.
121,27;
PrGeorg
9,14;
Tauler
281,3.
338,3;
die êrsten collecten [
ad primam
collectam
]
[...] sal man venien StatDtOrd
120,27.
121,24;
waz betútet die iungeste collecta
Lucid
102,22.
103,1
(Schlussgebet, Postcommunio, vgl. Glossar
z.St.)
MWB 3,2 425,36; Bearbeiter: Tao
collectenære, collectære
stM.
vgl. mlat. collectanarius, collectarius (MLatWB 2,837 und
839).
– liturg., Buch, das Kollektengebete enthält, ‘Kollektar’ (vgl. AWB
5,304):
guziminz: collectenere, collectere GlHvB (GE)
314
MWB 3,2 425,51; Bearbeiter: Tao
koller
stM.
→
koliander
MWB 3,2 425,56;
koller, kollier
stN.
→
gollier
MWB 3,2 425,57;
kollirium
stN.
aus gr.-lat. collyrium.
‘Augensalbe’
nim daz atramentum vnde daz wize des eiges vnde daz honec, vnde
mischez zesamine vnde legiz vbir div oͮgin. diz collirium ist wndirliche
goͮt ze der finsternisse der oͮgon Ipocr
76.
83;
swem diu ougen wê tuont, der neme des gîres gallen unde siede
die in honege âne rouch [...]. ouch sprechent die physici,
daz Ypocras nie nehein collirium gemachete, dâ er zuo des gîres gallen wolt enbern
Barth
155,21;
wer ain trauf macht, diu collyrium haizt, mit dem cinamom,
daz macht diu augen klâr BdN
362,18;
diz ist kollirium genant, / dar got uns umme tut gemant / daz
wir unse ougen salben mite / noch der ougswernder lute site HeslApk
7091.
7151
MWB 3,2 425,58; Bearbeiter: Tao
Kolmârhuot
stM.
‘Helm aus Kolmar’
slah die stahelbîzzen dar, / daz die kolmerhüete ûf köpfe
erhellen SM:Go
1: 3,10
MWB 3,2 426,9; Bearbeiter: Tao
colmarisch
Adj.
‘in Kolmar gültig’
zweintzig mark jerlicher gulde colmarisches gewihtes uf dem judencins zu
Colmar MGHConst
8:325,35
(a. 1347)
MWB 3,2 426,12; Bearbeiter: Tao
kolmeister
stM.
Aufsichtsperson über den Kohlen- u. Pechhandel:
welchen knecht der colmeister dar gibt, der sol die secke tragen
StRPrag
83;
auch sol der colmeister haben ein bechwagen, dor an sol man wegen alles bech, das
in der stat gekaufft ebd.
83
MWB 3,2 426,15; Bearbeiter: Tao
kolner
stM.
wie
koler
‘Köhler’, nur als Bestandteil von PN belegt:
F. der cholnær UrkCorp (WMU)
2306,29.
bruder Vlrich der cholner ebd.
1396,33
MWB 3,2 426,21; Bearbeiter: Tao |