Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
      2krapfe swM.
      krapfenbacher stM.
      krappelen swV.
      cras Adv.
      kraspelen swV.
      krastelen swV.
      krastplen swV.
      kratte swM.
      kratzber stF.
      kratzboum stM.
      kratze swF.
      kratzen swV.
      kratzen stN.
      Kratzhan M.
      Kratzhart stM.
      Kratziân stM.
      kratzmûs stF.
      kraz stM.
      krazte F. (?)
      crêatiure swstF.
      crêatiurlich Adj.
      crêatiurlîcheit stF.
      crêatiurlîn stN.
      krëbe swM.
      krëb(e)ʒ stswM.
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   2krapfe - krëb(e)ʒ    


2krapfe swM. aus semantischen Gründen von 1krapfe getrennt angesetzt. ‘hakenförmiges Gebäck (mit Füllung), Krapfen’ (vgl. Heyne, Hausaltertümer 2,276f.): artocrea: krapho SummHeinr 2:40,167; artocrea: crapho ebd. 2:173,380.1; artocreę: krephilin, kraphun ebd. 1:336,312; einen krapfen. so du wilt einen vasten krapfen machen, so nim nuͤzze vnd stoz sie in einem mörser vnd nim epfele als vil vnd snide sie drin wuͤrfeleht vnd menge sie mit wuͤrtzen, welherley sie sin, vnd fuͤlle daz in die krapfen. vnd lege sie in ein pfannen vnd la sie backen BvgSp 59. 58. 60. 61; ein Trühendingær phanne / mit kraphen selten dâ erschrei Parz 184,25. 207,2; weder krapfe noch daz smalz / von den werden mannen / selten lûte in der pfannen ErnstD 3548; us kuͤchel mel / krapfen und bastel, / gefúrriert mit edelen dingen SHort 4096; das wælisch ezzen git man nivr zwir in dem iar, an send Johans tag vnd ze herrenvasnaht, so git man ez des morgens, vnd ze demselben male git man ovch chrapfen vnd pfadelat UrkGeisf 416 (13. Jh.); UrkCorp (WMU) 3204,9. 487,14; StiftZwettl 663; nû nenne mir [...] dîne gesellen, [...] die dich daz gelêret haben, / daz dû dem rîchen manne / sîne habe nemest danne, / sô er zuo den krâphen izzet brôt Helmbr 1183. 1143; wan mich hât her Rûmolt / mit kraphen und mit brâten / in strîte alsô berâten / daz mir diu lide müezen swern Bit 12699. 10615. – als Bild der Schlemmerei: mir tuont mîn drî rihte [Gerichte, Speisen] / dâ heim volliclîch alsô wol, / sam ob ich wære kraphen vol / und manger hand present Helbl 2,10; sô trûwet maniger niht, daz er iemer genesen müge, daz er ze allen zîten niht vol ist als ein krapfe PrBerth 1:103,39; so sol man des geruchen, / daz ie den hunden [den Jagdhunden vor der Jagd] sin die krapfen ungesunt Frl 5:64,7

MWB 3,2 551,61; Bearbeiter: Tao

krapfenbacher stM. ‘Krapfenbäcker’ (vgl. Matzel, Wortschatz, S. 175): umb Hoͤrdlein den chrapffenpacher UrkRegensb 751 (ca. 1325–1350)

MWB 3,2 552,34; Bearbeiter: Tao

krappelen swV. 1 ‘sich krabbelnd bewegen’
2 viell. ‘zwicken’ (s. Glossar s.v.; vgl. aber auch grappeln DWB 4,1,5, 1892f.), subst.
   1 ‘sich krabbelnd bewegen’ aber ich wæn, daz si [die Küken] dick die airschaln mit irn snäbeln öffen und her für krappeln mit dem haupt des êrsten BdN 193,35; ich bin mit sußer mynne gewel / so girlich uber krupfet, / daz mir daz hertze hupfet / innewendig und krabelt Minneb 2367    2 viell. ‘zwicken’ (s. Glossar s.v.; vgl. aber auch grappeln DWB 4,1,5, 1892f.), subst.: zu hant in siner cloen / vor zorn er [Adler] mich da uff zucket; / zu samen er die drucket, / daz ich vor leide wart zabeln. / sin grymmen und sin crabeln / durch greyf mich gentzlich in unguͤt Minneb 5268

MWB 3,2 552,37; Bearbeiter: Tao

cras Adv. lat. ‘morgen, am folgenden Tag’, hier als Ruf des Raben (vgl. TPMA 8,244): ih brestiger habin scherne [l. habinscherbe ‘Topfscherbe’ (vgl. Litan (M) , App. z.St.)] , / waz ob ih morgen sterbe? / [...] ih spreche jemer same der rabe cras cras, / daz quit morgen morgen, / so wil ih besorgen / daz ih gote miner sundin wandel getu. / wir gibit mir frist biz morgen frv, / daz ih hute uf scube? Litan 488; sô schrîet der unsælige rappe: ‘cras, cras’, daz ist ein wort in latîne unde bediutet in tiutsche: ‘morgen’ PrBerth 1:423,15

MWB 3,2 552,49; Bearbeiter: Tao

kraspelen swV. ‘rascheln’ ist dann daz im [dem Wolf, der auf die eingezäunten Schafe lauert] ain fuoz rauscht oder kraspelt an dem zaun, sô peizt er sich selber in den fuoz, sam ob der fuoz dar an schuldig sei BdN 148,11

MWB 3,2 552,60; Bearbeiter: Tao

krastelen swV. ‘knistern’ daz mir daz hertze krasteln / wart sam ein durrer spach Minneb 3292

MWB 3,2 553,1; Bearbeiter: Tao

krastplen swV. Vermischung von kraspeln und krasteln (vgl. DWB 5,2068). ‘knistern’, von brennendem Holz, hier subst.: und dar umbe, ê diz her zuo kome [dass das Holz ganz im Feuer aufgeht] , sô ist dâ iemer ein rouch, ein widerkriec, ein prasteln [La. krastplen ] , ein arbeit und ein strît zwischen viure und holze Eckh 5: 34,2

MWB 3,2 553,3; Bearbeiter: Tao

kratte, krette, gratte swM. ‘Korb’ calathus, cartallum: zeina, cretto, crezzo, crato SummHeinr 1:346,463; cartallum, canistrum: cratto ebd. 2:214,124; sporta: korb, krat GlAnzfKdVz 4:236,241; sînen [ -n für -m, Dat. Sg., vgl. Anm.z.St.] gratten er si [die Beute] gît Messgebr 19

MWB 3,2 553,10; Bearbeiter: Tao

kratzber stF. ‘Brombeere’ daz sint mori oder rubi silvestres, die haizent prânper oder kratzpaum und ir früht [...] haizent prânper oder kratzper dar umb, daz si die läut kratzent oder reizent, wenn man die paum angreift BdN 330,28

MWB 3,2 553,16; Bearbeiter: Tao

kratzboum stM. ‘Brombeerstrauch’ daz sint mori oder rubi silvestres, die haizent prânper oder kratzpaum BdN 330,25

MWB 3,2 553,21; Bearbeiter: Tao

kratze swF. ‘Werkzeug zum Kratzen, Scharren, Steinebrechen’; im Bergbau: wir bedorften dennoch mere / kerwen, kratzen und keilhowen, / dar zu einer kowen Erz III 56,141; als Teil einer Belagerungsmaschine: gâhes wurden dô bereit / trîbocken, pheterære, / [...] ebenhœhe, mangen, katzen / mit kîlhouwen und mit kratzen UvEtzAlex 2516

MWB 3,2 553,24; Bearbeiter: Tao

kratzen, kretzen swV. 1 ‘jmdn. / ein Tier (zer-)kratzen, kratzend verletzen’ , vereinzelt auch refl. mit Präp. mite
1.1 von Tieren
1.2 von Menschen
1.3 von Dornensträuchern
2 ‘sich kratzen’
3 ‘jmdn. kratzend peinigen’
4 ‘jmdm. durch Kratzen etw. (Wunde) zufügen’
5 ‘etw. kratzend entfernen’
6 ‘kratzen, scharren’
7 tr. ‘etw. (Kleidung) glatt streichen’ oder intr. ‘(auf dem Boden) schleppen’ ? nur subst. Inf.
8 mit wider , ‘sich sträuben gegen etw.’
   1 ‘jmdn. / ein Tier (zer-)kratzen, kratzend verletzen’, vereinzelt auch refl. mit Präp. mite    1.1 von Tieren: kratzen unde bîzen kunde ez [der gefesselte Bär] niht den man NibB 950,1; so sezzent si [Pelikane] sich wider ir vater un̄ krezzent in mit ir fuͤzen under sin antluͥt PrSchw 1,106. 1,31; mit den langen tatzen / pegunde er [Drache] in kratzen HvNstAp 8466; in Verbindung mit krimmen: er [Bär] begreif ez [den Kobold] mit den tatzen, / bîzen, krimmen unde kratzen / begonde er ez Schrätel 232. 241. 260; wie er [der Adler] mich grimmet und kratzet Minneb 5313. – mit Ersparung des Akk-Obj.: nu kratzâ, kratz! nu krimmâ, krim! Schrätel 258; mit den voderen tatzen / pegund es vaste kratzen HvNstAp 5012; swer da hetzet / mit musen eine starke katzen, / der tuͦt unrecht. sol sie hin wider kratzen, / so mac sie betwingen wol die múse Meissner 16:2,10. – subst.: hoher muot wird leiht betrogen. / so der lewe leit gesmogen / durch vorhten vor den katzen, / da siht man michel chratzen, / grimmen vnd rowen Krone 3822    1.2 von Menschen: si begunden harte kratzen / einander ûf den glatzen HundesNot 209; liebiu tohter,[...] / swenne er zürnet mit dir / unde wirfet dich dar nider, / kratze und bîz und roufe in wider! Sibote 292; mit iren langen tatzen / pegunde sy [das wilde Weib Gargana] in vaste kratzen / und vaste in mit irn armen slanck HvNstAp 9576; vorchtestu daz sie dich kratze? Minneb 4923. – mit Ersparung des Akk.-Obj.: we hey sy woulde noitzuchten / [...] ind we sy kratzede so, / dat hey kusses wart unvro KarlGalie 10952. – subst.: sich huop umb vleisch und brôt, umb mete und wîn / von manigerlei volc roufen und kratzen Loheng 5886; swaz der man tut in rehter notwer, ez si umbe den totslac, ez si von wunden oder von raufen oder von slahen oder von chratzen StRAugsb 113,7; HundesNot 217. 222. – refl. ‘kratzend mit einem Tier kämpfen’ swer sich kratzet mit dem bern, / dem muoz sîn hût vil dicke swern Freid 139,7    1.3 von Dornensträuchern: daz sint mori oder rubi silvestres, die haizent prânper oder kratzpaum [...] dar umb, daz si die läut kratzent oder reizent, wenn man die paum angreift BdN 330,28; der dorn siv niht me kretzit, / den hie der tiefil wetzit Martina 4,30; swie vil in dorne kretzet, / des aht er ze nihte WhvÖst 4802    2 ‘sich kratzen’ vil zites sah in an [dünkt ihn gut (vgl. Anm.z.St.] soͤlichú luterkeit, daz er sich selb niene an dem libe wolte krazen noh an ruͤren, denn allein an henden und fuͤssen Seuse 46,9; wenne er im selb mit den henden wolte helfen, so fuͦr er schlaffende mit den spizzigen steften in buͦsen und krazte sich ebd. 40,21. – als Ausdruck des Leids: vor grossem laide [...] / roͮft und zarte si us ir har, / ir schoͤnen wangen here / wart si kreczen, schúrphen sere / mit iren henden grimmelich WernhMl 9870. 10088. 10166; (subst.:) manigen hals sleht und linden / sach man mit bluote überloufen / von kratzen und von roufen, / des die frouwen phlâgen, / der [deren] man dort tôt gelâgen Ottok 64141. – als Ausdruck des Zorns: von zorne sich dô krazte / der bâbest und die cardinal Ottok 174    3 ‘jmdn. kratzend peinigen’ sumelich wurden an den galgen, da si uf gehangen wurden, mit ysninen crulin gecracet Konr 20,39; gekratzet sint din [Christi] wangen / vil unbermeliche! MarlbRh 25,32; daz in die tiufel her nâch iht kratzen Renner 2710    4 ‘jmdm. durch Kratzen etw. (Wunde) zufügen’ er [Löwe] kratzt im eine wunden grôz, / daz daz bluot dâ nider schôz UvZLanz 1965    5 ‘etw. kratzend entfernen’ si chratzent die dorn auz dem akcher PrOberalt 45,21; swenne man iuch wîhet, sô wirt ein karacter gedrücket in iuwer sêle, dâ man iuch iemer mêr bekennet [...]. unde kumet ir halt zer helle [...], dâ möhten ez alle tiuvele ab iu niemer gebrennen noch gekratzen, ez muoz iemer und iemer mêre an iu sîn PrBerth 1:362,11    6 ‘kratzen, scharren’ do er [der Hahn] chratzen begunde, / do vant er in churtzer stunt / einen wolgetanen funt StrKD 65,4; bildl. von jmdm., der Geld scharrt: swer sîn arme liute beschatzet / und hin und her zesamen kratzet Renner 18958; – die erde, den sant ~ : als sî den grôzen leun / [...] sâhen [...] mit sînen langen clân / die erde kratzen vaste Iw 6691; der kratzet unde beiz dan / holz und erde unz er gewan / ein gerûme ûzvart ebd. 6747; die erde er [Löwe] kratzte vnd brah Krone 20906; wie die roß [...] den sant schurren, / gratzten und sprungen! HvNstAp 7439. – mit Präp. in: sô diu krot kratzt in im [Nero] , / sô wirt er an den sinnen blint, / wan er wænt, er trag ein kint EnikWchr 23094    7 tr. ‘etw. (Kleidung) glatt streichen’ oder intr. ‘(auf dem Boden) schleppen’? nur subst. Inf.: mit gelwem gibende / wellent sich die gebiurinne an allem ende / des rîchen mannes tochter ginôzzen / mit ir chratzen unt mit ir stôzzen / daz si tûnt an ir gewande Erinn 332 (vgl. Bein u.a., HvMelk z.St.)    8 mit wider, ‘sich sträuben gegen etw.’ der stein bezeichent di maze, / ich enruche wer da wedir kratze Brun 1705

MWB 3,2 553,32; Bearbeiter: Tao

kratzen stN. ‘das Jucken, Krätze’ der stain ist für die räudichait oder für daz kratzen guot BdN 454,20. 471,25. 476,32; daz kratzen an der haut ebd. 455,27; sô hailt ez [Goldpulver] den auzsetzel und daz kratzen, wenn man ez mischt mit edeln salben ebd. 474,13

MWB 3,2 555,6; Bearbeiter: Tao

Kratzhan M. Personifikation für jmdn., der Geld scharrt: Krazhan und her Kratziân / behaltent des niht üm ein blat, / daz wîlent meister Graciân / ûf gotes genâde geschriben hât Renner 9077

MWB 3,2 555,12; Bearbeiter: Tao

Kratzhart stM. Ableitung zum swV. → kratzen 6 mit deonymischem Suffix -hart. – Personifikation wie → Kratzhan: und sîn bruoder Trügenhart, / [...] Krazhart [...] / pflegent des hofes naht und tac Renner 9074

MWB 3,2 555,16; Bearbeiter: Tao

Kratziân stM. Ableitung zum swV. → kratzen 6 mit deonymischem Suffix -iân (vgl. Wackernagel, Appellativnamen, S. 326). – Personifikation wie → Kratzhan: Renner 9077

MWB 3,2 555,21; Bearbeiter: Tao

kratzmûs stF. ‘kratzende Maus’ da hais ich kratzmusz / vnd kan wol mit der ubli min / sin maister als min selbes sin Sibote l 776

MWB 3,2 555,25; Bearbeiter: Tao

kraz stM. Pl. krezze (Seuse ). 1 ‘das Kratzen’
2 ‘Habgier’
3 ‘Krätze’
   1 ‘das Kratzen’ min schilt vor aller schiutze und vor des tivels kratze / ist wol daz vrone kruͤze JTit 968,1; si begunden harte kratzen / einander ûf den glatzen, / sô enphienc eins iesliches glaz / manegen ungefüegen kraz, / daz ie nâch dem kratze / gienc daz bluot uz dem glatze HundesNot 212f.; der valscheite widersaz / kêrt ûf der huofslege kraz [Spur] Parz 249,2; Terramêrs huove kraz Wh 314,10. – als Gebärde der Totenklage: wîbe siufzen, herzen jâmers kratz / gap Ithêrs tôt von Gaheviez Parz 155,12 (vgl. Bartsch/  Marti, Parz. u. Tit. z.St.; anders Eichholz, Komm. z.St.: h. j. k. ‘Herzenswunde aus Trauer’). – die durch Kratzen entstandene Schramme, Wunde: etslîcher grôze wunden / ahte als einer brâmen kraz [Stich] Wh 449,15; si muoz deun [ döuwen, ‘büßen’ ] den kraz, daz bluot, / daz si umb sust hât getân EnikWchr 26840; er machet als grúlich krezze, als ob in ein ber under sinen spizigen klawen heti zerkrawet Seuse 40,22    2 ‘Habgier’ sie taten, daz in wart bevoln, / durch iren girlichen hat [nd. = haz; La. cratz ] / und namen der juden schat HeslNic 2445    3 ‘Krätze’ prurigo: kratz, kracz VocOpt 43.007.

MWB 3,2 555,28; Bearbeiter: Tao

krazte F. (?) ‘Angriff, Anfechtung’ ditz ist der stein den Jakob sazte / zu eime zil kegen des tubels krazte Brun 1234; got uns dru leben sazte / kegen des leidigen tubels krazte ebd. 2022

MWB 3,2 555,52; Bearbeiter: Tao

crêatiure, crêatûre swstF. zu afrz. creature, lat. creatura (vgl. Palander 116; Suolahti 1,130f.; Rosenqvist 1,137). ‘(von Gott) Geschaffenes, Schöpfung, Geschöpf’ 1 bezogen auf die Gesamtheit (im Sg. oder Pl. mit alle ) oder jedes geschaffene Ding
2 bezogen auf unbelebte Dinge und nicht vernunftbegabte Wesen, die den Menschen gegenübergestellt werden
3 bezogen auf Lebewesen.
3.1 allg.
3.2 von Seelen, Engeln
3.3 von Menschen
3.4 von Waldmenschen, Ungeheuer u.ä.
   1 bezogen auf die Gesamtheit (im Sg. oder Pl. mit alle) oder jedes geschaffene Ding: gêret sî diu gotes hant / und al diu crêatiure sîn Parz 283,3; diner creature du gist / misliche gnade unde wnne: / uon regen ioh von sunne / machestv die erde berhaft, / den uogellinen gistu die chraft / daz [...] Wernh D 560 (vgl. gescheffede Wernh 554; schepfede ebd. A 492 ); wart ez von lûten niht geseit, / ez sprach die creatûre gotes: / die was gehôric sînes gebotes EbvErf 3743; von anebegynne der creaturen, dy got geschuf [ ab initio creaturae quam condidit Deus Mc 13,19] EvBerl 124,18; ain iegleich crêatûr ist belaidigt mit der sünd des êrsten menschen, aber allermaist die edeln stain BdN 472,20. – im Pl.: er [Gott] hât in sîner meisterschaft / alle crêatiure, / bœse unde tiure. / die himel stênt in sîm gebot; / aller dinge ist er got Wig 6877; ir [Marias] nevbornes kint, / dem alle createvre vndertan sint Wernh A 3868; alle creatur die da sind, / luft, wasser, man, weib und kind, / schacz, perig und stain HvBurg 4233; alsus hat got alle creaturen gemacht wirklich im selber gelich: den himel, die sunne, die sternen und denne úber alle ding verre den engel, den menschen, ieklichs nach siner wise Tauler 156,30; gelust an allem dem das creatúrlich ist, es sin creaturen lebendig oder tot ebd. 235,7; diu vernunft ist begreifleich aller dinge gotes und aller crêatûr BdN 212,18    2 bezogen auf unbelebte Dinge und nicht vernunftbegabte Wesen, die den Menschen gegenübergestellt werden: do geschvf got den menschen vber alle creatvr PrBerthKl 1,59; ob niht leut da [am Nordpol] wonten, so wonten doch ander creatur an den selben steten, als die element luft, wazzer und erd und ander dink KvMSph 51,14; kain ander crêatûr hât vernunft ân den engel und den menschen BdN 3,8; die [ edele creature, d.i. der Mensch] muͦs vil adellicher wirklich sin wan die unvernúnftigen creaturen Tauler 157,6; nu hat got alle creaturen wider die [menschliche] nature gesast: den himel, die sunne, die sternen; nu frúrt dich, nu ist dir ze heis; nu riffen, nu sne; nu ist dir wol, nu zehant we; nu hunger, nu turst [...] ebd. 198,8; da von en mach chein ander creatvr got geniezzen, wan div nach im gebildet ist an der natvr vnd geordent ist, als der gvͦt engel an den tvgenten vnd der gvͦt mensch DvAPatern 171    3 bezogen auf Lebewesen.    3.1 allg.: wazzer früht al die geschaft, / der man für crêatiure giht Parz 817,27; elliu creatiure / diu müeze da von jungen! Tannh 7,11; crêatiuren zam und wilden beiden tet der arge winter wê KLD: Kzl 7: 2,1; syn [sind (die vier Elemente bzw. Primärqualitäten)] an eyner yclichen creatuͤren glich getemperyrt [...], so weszet [wächst] se OvBaierl 3,7; alle toten creaturen, da zuͦ alle lebenden creaturen: vische, vogele, [...] túfel, heiden, juden [...] Mechth 5: 31,19    3.2 von Seelen, Engeln: ich [die Seele] waz ein edel creature, / und nach gotes figure / selig und dugende rich / zu gnaden waz geformet ich, / und waz vor allem meine / in dem taufe worden reine HvNstVis 53; o du edele sele, o edele creature, waz gest du uz dir suchen den der alzuͦmole und aller werlichest und bloͤslichest in dir ist, und sit das du bist teilhaftig goͤtlicher nature, waz hest du denne zuͦ tuͦnde oder zuͦ schaffende mit allen creaturen? Tauler 10,5; niͤ ’n dwanc in [Gott] diͤ engelsch creature, / dat he an sich nem diͤ engelsch nature MarlbRh 60,17. 61,28. 87,21. 88,18; die edelsten crêatûren daz sint die engel und sint zemâle vernünftic und enhânt niht lîplicheit an in Eckh 1:65,8; dise nidirsten dinc schephit got mit mittele der obirsten dinge. abir der engil und die sele, geistliche creature [vgl. creatura spiritualis, Seppänen, Parad., S. 209] , werden alleine von gode geschaffin one mittil Parad 23,29. 32,23    3.3 von Menschen: dirre man der ist / ein menlîch crêatiure Tr 10855; got gebe süeze âventiure / sô süezer crêatiure! ebd. 3272; ist dehein crêatiure / diu ganzer triuwe geniezen sol, / so genist mîn vrouwe Japhîte wol Wig 7900; get in alle dy werlt unde prediget daz ewangelium allen creaturen [ omni creaturae Mc 16,15] EvBerl 97,29 (Mc 16,15); GvJudenb 2824; ich unwirdigú creature Mechth 4: 21,17; wie mohte ich nu geliden, / daz mich vor ime [Christus] sehe ieman / mit golde sten gecronet dan, / mich arme creatúre? Elis 955. 1919; in dûht an dem wîbe, / daz nie von wîbes lîbe / kein crêatiure als ûz erkorn / ze dirre werlde würde geborn Tr 17443; schœne ~ : dô si der meister ane sach, / in sînem herzen er des jach / daz schœner krêâtiure / al der werlte wære tiure AHeinr 1199; Wig 936; KLD: UvW 20:4,1; Tannh 2,39. 3,32; KLD:GvN 18: 5,2; werdiu ~ : Tannh 5,112; SM:UvB 6: 2,1; HvNstAp 2028; edeliu ~ : gedenkch, herre, das ich / dein edlew creatur pin HvBurg 4539; Tauler 157,6; daz so wiplich ungemach / dü edel creatüre laid GTroj 7445    3.4 von Waldmenschen, Ungeheuer u.ä.: waz crêatiure bistû? Iw 487; daz got sô ungehiure / deheine crêatiure / geschepfen ie geruohte ebd. 986; sol ich [...] âne wer ersterben / von dirre crêatiure? Wig 6393. 6540; in dirre vinster lief in an / ein vremdiu crêatiure ebd. 6932; daz sô ungehiure / deheine crêâtiure [wie den Drachen Pfetân ] / ie gesæhe dehein man ebd. 5023

MWB 3,2 555,56; Bearbeiter: Tao

crêatiurlich Adj. ‘kreatürlich, geschöpflich’ 1 attr.
2 präd.
   1 attr.: dâ diu crêatûre endet, dâ beginnet got ze sînne. nû begert got niht mê von dir, wan daz dû dîn selbes ûzgangest in crêatiurlîcher wîse und lâzest got got in dir sîn Eckh 1:92,8. 1:93,4; Tauler 117,29; Seuse 329,3; das gnade ain creaturlich mittel ist der verainunge gottes vnd des menschen Gnadenl 1,325. 1,131. bilde: Eckh (J) 90,11; PrWack 62,29; Seuse 494,19; HvFritzlHl 187,12. dinge: Tauler 155,30. 218,33; Seuse 476,17. geist: Seuse 193,17. iht: es ist oͮch in im selbe ein kreatúrlichs iht Seuse 353,35. kunst: man mac mit aller nâtiurlîcher crêatiurlîcher kunst niht für baz komen Eckh (Pf) 417,19. vernunftikeit: Seuse 328,22. werc: Seuse 348,17. wesen: wan waz hat der stein dest me oder der mensche oder kein kreature in ire kreaturlichem wesenne, daz sú ewklich in gotte got sint gewesen? Seuse 332,20    2 präd.: die weltliche italkeit der herzen mit aller affechtiger gelust an allem dem das creatúrlich ist, es sin creaturen lebendig oder tot Tauler 235,7; daz furben lit an usgetribenheit alles des, daz creatur ald creatúrlich ist Seuse 390,7. – im Ggs. zu götlich: och úwere guͦten werk die goͤtlich solten sin, die werdent alle creaturlich Tauler 222,6.

MWB 3,2 557,37; Bearbeiter: Tao

crêatiurlîcheit stF. ‘Geschaffenheit, Kreatürlichkeit; Kreatürliches, Geschöpfliches’ (vgl. Rosenqvist 1,139): und dar umbe: als man sprichet, daz der mensche mit gote ein sî und nâch der einicheit got sî, sô nimet man in nâch dem teile des bildes, an dem er gote glîch ist, und niht nâch dem, und er geschaffen ist. wan dâ man in got nemende ist, dâ ennimet man in niht nâch der crêatiurlicheit; wan als man in got nimet, sô enlougent man der crêatiurlicheit niht, daz diu lougenunge ze nemenne sî nâch dem, daz diu crêatiurlicheit ze nihte werde, sunder [...] Eckh 2:277,10f.; hie dringet der geist fúrbaz in mit einer verlornheit anhaftender creaturlichkeit, dur den ring in, der da betútet die ewigen gotheit, und kunt da in geistrich volkomenheit Seuse 193,2. 335,20. 332,17; es was ein mensche einest in einem so froͤlichem gegenwurf der suͤssen goͤtlichen gegenwúrtikeit, und was doch so gelassen von aller creaturlicheit ebd. 430,7. 490,28; es ist grosse sorge obe sú iemer behalten werdent, wanne ir grunt ist gewennet und wissenliche verstricket mit creatúrlicheit Tauler 127,30; sol got in, so muͦs creatúrlicheit uz und alle besitzunge ebd. 314,12

MWB 3,2 557,62; Bearbeiter: Tao

crêatiurlîn stN. ‘kleines Geschöpf’ aller tierlin und voͤgelin und gotes creatúrlin mangel und truren, so ich daz sah ald hort, so gie es mir an min herz Seuse 85,13; so ist kein creaturli so kleines, es si dir ein stapf, got zuͦ nehen ebd. 455,18

MWB 3,2 558,22; Bearbeiter: Tao

krëbe swM. ‘Korb’ (vgl. DWB 5,2126): do hiez si ir gewinnin / ein wol gezúnit koͤrbelin, / das man sach gevlohten sin, / gedrungen nahe alsam ein krebe [vgl. sumpsit fiscellam scirpeam Ex 2,3] . / mit zehim letten [Lehm] unde klebe / hiez si vil wol bestrichen das / fúr wazzer und hiez in das vaz / mit vesteklichen sachen / das kindelin [Moses] virmachen RvEWchr 8934; Maria / half das kint virmachin sa / in das vaz [La. den kreben Hs. P, fol. 53#’r#’b] ebd. 8942; swelche wingartman on des herren wizzende deheine bere heimtreit [...], der giͤt ie von dem kreben oder hengelen 60 #(pfennig) WüP 106h,3

MWB 3,2 558,27; Bearbeiter: Tao

krëb(e)ʒ, krëb(e)ʒe stswM. auch kriuʒ ( der krewss HvNstAp 10032), krouʒ ( eynen chrouczzyn Albrant 3,22), auf älteren Varianten beruhend; zur Formvarianz in der Glossenüberlieferung (zu cancer) aus mhd. Zeit (vor allem SummHeinr ) s. AWB 5,390. – ‘Krebs’ 1 das Tier
2 die Krankheit
3 das Sternbild
   1 das Tier: von dem krebz. cancer haizt ain krebz BdN 248,20; crebeze di da wachsin in suzeme luttern wazzere daz uaste rinnet SalArz 18,21; uns enwil min træhtin / dar umbe niht verderben lan, / daz wir daz vleisch versprochen han! / den chrebzem hat uns got gesant / her uz dem wazzer an daz lant StrKD 49,51; der kreuß viel wider in den pach HvNstAp 10066; e danne ich lange lebt alsô, / den crebz wolte ich ê ezzen rô Walth 76,9; du [...] truͤge der smeh erbolge [Zorn über die Schmach] noch groͤzer dann den krebz ezzen rohen JTit 4333,2; swer [...] boͤse oder fule krebze veil hat, der git 1 #(pfennig), als dicke er daz tuet WüP 29,5; NüP 131; das selbe wazzer slangen treit / die groz und egebere / sint: si hant krebzen schere RvEWchr 1819; man sol nemen chrebsen vnd sol die gar wol sieden in wazzer BairFärb 7,1; wazzer da krebze inne sin gesoten SalArz 75,44. – der Gang des Krebses: der krebz gât allez hinder sich / mit füezen vil, deist wunderlich Freid 142,5; [Marias] sun der machet uns den crebez / bi siner art bezeichenlich: / den siht man allez hindersich / criechen unde gahen [...] sin tot der verwet in gesoten / vil schœner dan sin leben tuo. / da wil ich crist gelichen zuo [...] er gie des males unde crouch / von dir, maget wünneclich, / alsam ein crebez hindersich, / do wider menschlicher art / sin lip von dir geboren wart / her uf des ertriches grien [...] KvWGS 900; er gêt hinder sich, und spricht Adelînus, daz er nümmer nâch seinem antlütz gê. iedoch hân ich den krebz für sich sehen gên gar sain und trægleichen BdN 248,24; im Vergleich: ez gênt sam krebzen ûz dem bach / mîn herre und alle sîne man / von slegen rückelingen dan Bit 11116; er muose ouch die widervart / nâch der krebze site gân ebd. 11145. – häufig als Bestandteil von Arzneien: des crebzes bein Ipocr 167; gestozen krebeze mit esel milc SalArz 74,39; dri dragme gebranter krebze aschen ebd. 75,40; zo stos eynen chrouczzyn Albrant 3,22. – in Namen: jch Krebes von Liehtenberg UrkCorp (WMU) 2197,43,8; vnd welre gebure [...] von der vorgenanten Krebes mv́le zuͦ Gybichwilre fuͦre maln ebd. 2197,4    2 die Krankheit: cancer: krebs [im Abschnitt über die Krankheiten des Menschen] VocOpt 43.117; so wirt da uon ein krebz. daz ist ein geswer daz uleisch hin izzet SalArz 76,13; di salbe ist guͦt wider den crebiz Macer 75,9; guot für den siehtuom, der der krebz haizt BdN 320,33    3 das Sternbild: die zal der himelzaichen die sint also: wider, ohs, zwinlein, krebs, leo, [...] KvMSph 23,3; als Wendezeichen: ein ander zeichen heizit kanker. wan als der crebse hinder sich gat, als gat danne die sunne zuo dem understen emisperio von irme hohsten gange MNat 14,15; KvMSph 23,16; in einem Merkreim: der krebs die sunwenden geit / uͤmb dez heiligen Veits zeit ebd. 28,2

MWB 3,2 558,40; Bearbeiter: Plate