Wörterbuch
ABCDEF s.VGHIJKL
  Ansicht: Standard Gliederung    |     Zusatzinformationen   Links      |     Portion: Artikel pro Seite

k – cadmia
kaf – kalc
calcaire – 2kalle
3kalle – kaltlîchen
kaltnisse – kamerærse
kamerbëlle – kamerselde
kamersidel – kampfer
kampfgenôʒ – kampfwât
kampfwërc – kanonîen
kanonike – kanzelschrîbære
kanzwagen – Cappadociære
kappân – kappûnen
capût (?) – kardenâldiaconus
karele – karra(t)sche
karre – karthiusære
kartur – kæselîn
kæse|lüppe – kasten
kastenære – kathecuminus
kathezizieren – kauerære (?)
kauergerihte – kefse
1kegel – keisertuom
keitivic (?) – kelken
këllære – këlre
këlstëchære – 2kemelîn
kemelînvleisch – kendelîn
kenecte – keppechîn
keppeler – kerkerhaft
kerl – kerrîne
kerschlich – kerzîn
kerzlach – ketenwambîs
kettelinc – keʒʒelære
keʒʒelærinne – kîche
kîchen – kiesærinne
kiesen – kindebet
kindechîn – kindestac
kindestohter – kintbettegemach
kintbetten – Kiperære
Kiper(e) – kirchenbrëchære
kirchenerbe – kirchhërre
kirchhof – kirchtac
kirchtor – kirnen
kirnîn – kitzelen
kitzelîn – kiuwe
kiuwen – klâfterlanc
klâftermâʒe – klagenôt
klagerede – klamben
klamen – klæret
klârheit – klëber
klëbereht – klegerse
klêgrüene – kleinlîche
kleinlîcheit – kleinvüegunge
kleinzëhende – klepfze
kleppisch – klinge
klingelære – klobeholz
klobelouch – klôsterknëht
klôsterlëben – klôsterweide
klôsterwërre – klûde
klüege – klupfen
kluppe – klutterât
klûwen – knëhtelîn
knëhten – kniel (?)
knieleip – knodebôʒe
knödel – knubelen
knugelîn – kobel
kobel – kochman
kochsudel – kôle
kôlegruobe – kolner
kölnisch – komelinc
komen – condewier
condewierde – konkavelite, konkavelit
conplêt – convëntkopf
convëntswester – koraze (?)
körbelîn, körbel, körblî – körnære
kornban – kornmesse
kornmetze – corporâl
corporâlgewæte – kostebæric
kostebærlich – kötze
kotzeht – koufgenôʒ
koufgiric – koufschalc
koufschanze – krachen
kradem – krâme
kræmel – kranc-
krancmüetic – 1krapfe
2krapfe – krëb(e)ʒ
krëbeʒen – krefticheit
krefticlich – kreiʒgengel
kreiʒlingen – kreter
kretscheme – kriechelîn
kriechen – krîgen
krîieren – krippen-
krîsch – kristâbent
kristalle – kristenin
kristenisch – kristiâne
kristier – kriutener
kriuzaltære – kriuzloht
kriuzphenninc – 1krœnen
2krœnen – krotenstein
krotenstutz – krülle
krüllel – krupfei
krüpfen – krûtmezzer
Krûtnowe? – kûchen
kuchenære – küechelmël
küefelære – kugelhuot
kügellîn – kumberlich
kumberlîn – kûmen
kumer – kunde
künde – künftigære
kunftlich – künigeslêhen
künigessilber – künstelîn
künstelôs – kuntmeister
kuntsame – kuosërtærinnesun
kuo|smër – kuppe
1kuppel – kurdewân
kurdewænære – kurpen
kürre – kurtois
kurtoisîe – kurzwîle
kurzwîlen – kuster
kusterîe – kutzelvleisch
kützen – kûze

   küchen- - küenheit    


küchen-, kuchi|swëster F. ‘Laienschwester, die in der Küche arbeitet’ ein stillú senftmuͤtikeit, nút allein gen den prelaten, oͮch gegen den minnesten kuchischwestran Seuse 422,1

MWB 3,2 664,15; Bearbeiter: Bohnert

kuchentopf stM. ‘Küchentopf’ die [Seele] hant sie mir gevnerit, / mit svnden maculerit / wil swerzer dan ein kvchen dob PrHess 51,197

MWB 3,2 664,19; Bearbeiter: Bohnert

küchenvar Adj. ‘nach der Küche aussehend, durch die Küchenarbeit fleckig, rußig, schmutzig geworden’ Rennewart der küchenvar Wh 189,1; daz küchenvar gewant ebd. 190,24; mit küchenvarwem velle ebd. 201,24

MWB 3,2 664,22; Bearbeiter: Bohnert

küchenvarwe stF. Ansatz unsicher, auch ein Syntagma ist möglich. ‘Aussehen nach der Küche’, auf fleckige oder rußige Kleidung bezogen: ouch gap nâch küchen varwe schîn / sîn [Rennewarts] swach gewant und ouch sîn har Wh 188,16

MWB 3,2 664,27; Bearbeiter: Bohnert

kuchenviurære stM. ‘jmd., der in der Küche das Feuer unterhält’ davon git man [...] zwein lantnærn zwen wek, vnd dem chuchenvivrær [ fivrærio coquine ] einn wek, vnd zwein haitzærn zwen wek UrkGeisf 422. 420 (13. Jh.)

MWB 3,2 664,32; Bearbeiter: Bohnert

kuchen-, kuchelvrischinc stM. ‘in die herrschaftliche Küche abzuliefernder vrischinc Marutayra geit [...] 1 faisten frischin und 1 chuchen frischin UrbSonnenb 23. 34; DRW 8,27; ain kuchelfrisching ebd. 8,21 (beide Belege in: BeitrSteirG.; 1. H. 14. Jh.)

MWB 3,2 664,37; Bearbeiter: Bohnert

kuder Subst. kulter

MWB 3,2 664,43;

kuderwan stNM. kurdewân

MWB 3,2 664,44;

küechelîn stN. Dimin. zu → kuoche . 1 eigentl., ein Backwerk aus Mehl (s.a. DWB 5,2494)
2 übertr., Pl., ‘Kindbettschmaus’
   1 eigentl., ein Backwerk aus Mehl (s.a. DWB 5,2494): prante chuchel aus semelmel UrkKlostern 1, Einl. 45 Anm. 8 (14. Jh.); da von [einer Handvoll Mehl] wil / ich machen ein kuchelin / mir und deme sune min / bi zwen spenen [Brennholzstücken; III Rg 17,12] Daniel 2521. – in Glossen (Näheres zur Bed. s. AWB 5,525 s.v. kuohhil, kuohhilîn); für lat. frixile: kuochelin, cuchiliu SummHeinr 1:336,312. 2:90,72; für lat. pastillus, -um: chvͦchelin vel phanzelt ebd. 2:425,01.34; cuͤchli, kuͤchli VocOpt 13.207. 13.208    2 übertr., Pl., ‘Kindbettschmaus’ darzuͦ ist verbotten, das kain froͧw ze den kuͤchlin noch zuͦ den kintbetten nit gan sol StRStGall 83,6.9

MWB 3,2 664,45; Bearbeiter: Bohnert

küechelmël stN. Mehl für küechelîn : du hast gepraten und gesotten / visch, vlaisch, wild und zam, / [...] und us kuͤchel mel / krapfen und bastel, / gefúrriert mit edelen dingen SHort 4095; wa buͦch ich dir ie min kuͤchel mel? ebd. 4108

MWB 3,2 664,59; Bearbeiter: Bohnert

küefelære stM. ‘Küfer, Fassbinder’ (Matzel, Wortschatz S. 181): Heinr. der muͤltzzer chneht von dem heiligen chrauts schol t. [d.i. totslach ] umb Perhttolden den chuͤffler UrkRegensb 734 (a. 1325–1350) (oder zu → köufelære ?)

MWB 3,2 665,1; Bearbeiter: Bohnert

küefer stM. zu → kuofe . ‘Fassbinder, Küfer, Böttcher’ (s.a. Nölle-Hornkamp, Handwerkerbez. S. 523f.): [der Burggraf] sol setzen meister uber alle die anbaht in der stat, uber di sateler [...], die kufere [ eorum qui faciunt vasa vinaria ] , die bechherere, [...] StRStrassb 59,44; die koufere [ cuparii ] ebd. 77,113; kuͤffer UrkStraßb 1:395,8 (a. 1263, kopial 1304). – als Personenname bzw. Bestandteil von Personennamen: jtem ein halb zweiteil v́ber das tâl bi deme Kuͤffere UrkCorp (WMU) N410,35; jch Heinrich der Kvͦffer von Morswilre ebd. N524,33; Seyfrit dez chuͤffers sun UrkRegensb 733 (a. 1325–  1350); Vlrich Chvͦfer SchenkRegensb 215 (undat., „Circa annum 1168” nach Th. Ried, Codex chronologico-diplomaticus, Bd. 1, Regensburg 1816, S. 270, kopial 13. Jh. nach Einl. S. 152); TradRegensb 533 (a. 1219?); UrkStraßb 3:173,10 (a. 1305); s.a. Matzel, Wortschatz S. 179 mit weiteren Belegen aus UrkRegensb 731–763

MWB 3,2 665,6; Bearbeiter: Bohnert

küeferknëht stM. ‘Geselle eines Fassbinders’ Örtel fronpot schol ein w. [d.i. wunden ] fuͤr Ch. den chuͤfferchneht UrkRegensb 732 (a. 1325–1350). 738 (a. 1325–1350); UrkFreiburg (Sch) 2,144 (Mitte 14. Jh.)

MWB 3,2 665,25; Bearbeiter: Bohnert

küefermeister stM. ‘Fassbindermeister’ und der koufer meister [ magister autem cupariorum ] der git daz holtz [für den becherere ] StRStrassb 77,112; und di chuffar meister schulen ie der meister zwei schaͤffel [...] vertigen UrkRegensb 727 (um 1320)

MWB 3,2 665,30; Bearbeiter: Bohnert

küelde, küeldene stF. vgl. mnd. kölde, auch küldene (MNDWB 2,612). ‘Kühle’ do nazzete ouch daz gras, / die wile daz die kvlde was Herb 7890; der mittir tac zugienc / und die kuolde ane gevienc Athis C* 4; were aber dy erde alleyne [wäre sie das einzige Element] , so eyn mochte vor groze dorde vnde kulden nycht gewaszen, so man wol suͤt in deme wyntere, alz et kalt yst, vnde yn deme somere, alz ez heyz yst ader czu dorre OvBaierl 2,7; wan et [ daz mensche ] eyn wennig to kalt [i.S. der Humoralpathologie] yst, so mag man eme eyn wenig warmez geben, dat en hilpet, vnde dy kuldene vortrybet ebd. 3,15

MWB 3,2 665,36; Bearbeiter: Bohnert

küele Adj. , kuole Adv. ‘kühl, kalt’ 1 eigentl.
2 übertr.
   1 eigentl.: ein vrischer küeler brunne Tr 16739. 9081; der brunne der was küele, lûter unde guot NibB 979,1; swer badit in kaldeme wazzere [...]. des lip wirt kule vnde vuchte SalArz 25,57; ein chvler lufft Warnung 1974; diu [vom Tau] küele prâerîe Tr 17151; mit einer küelen salben / lât iu daz houbet bestrîchen, / sô muoz iu diu hitze entwîchen Eracl 3118; den küelen schaten Walth 94,25; man schol die pirpaum [...] setzen an küel stet, sô wachsent si gern, wan si sint küeler nâtûr BdN 341,18; abir di stat, do man di vrucht sal legin, di sal syn ane wynt vnd meslichin kule Pelzb 132,26; so die [ sunne ] ie tiefer nider schinet in daz tal, so sie ie heizer ist. so sie ie hoher ist, so si ie kuͦler ist Lucid 40,5; die winde wâren von ir [der Linde] schate / süeze, linde, küele Tr 17177; die küelen scharphen winde KvWLd 13,7; küel [...] sam der nordenwint BdN 466,28. der küele winder Neidh SL 21:1,1; eines kulen meien blute Brun 1066; chuler abent StrKD 29,20; die küelen morgen SM:Had 23: 1,3; wê uns küeler stunden! ebd. 18: 4,11. eteslîchen von gedrange was niht küel Loheng 2085; und ist mir deste kúler Lanc 388,29. – Adv.: daz fiur bran vil grimme: / dâ saz diu maget inne / als sî kuole badete MargAntioch II 389; (bildl.:) [Minne bewirkt] daz er [der minnære ] brinnet als ein strô [...] / und machet daz er dar nâch stât / sunder mâze kuole [: schuole ] Flore (P) 741; nim ein verkelin [...] vnd bruͤ daz kuͤle [nicht zu heiß (F. Bech, Germ. 27 [1882], S. 162)] vnd zvͤhe im daz har allez abe BvgSp 8    2 übertr.: mit mæzlîcher nôt, / mit küelem herzeleide Tr 16625; küller mütt GTroj 11623. – mit Gen.d.S.: die sele des gerechten / [...] wirt nimmer kul / der waren gotes minnen HeslApk 7764; die wisheit [...], / die nimmer wirt gedanken kuel ebd. 13599

MWB 3,2 665,49; Bearbeiter: Bohnert

küele stF. auch swF. (Lucid ; BdN ). ‘Kühle, Kälte’ algor: chvͦle SummHeinr 2:179,01.47; gelu et frigus: chuͦle und frost PsM C 7,69; des wazzers kule Pass III 401,81; ain edliu kuͤl / und suͤzzer smak WhvÖst 4930; (bildl.:) [das Hohe Lied] ist ein koͮli der muͦdin. iz ist ein mandunge der rôwenton TrudHL 6,16; die [Heiligen] bringent in [den Seelen im Fegefeuer] [...] etwenne die kuͦlin Lucid 67,2; sô gibt si [die Lunge] dem herzen ain küeln, daz ez iht erstick von seiner aigen hitz BdN 26,14; eine küele vân UvZLanz 3127; der [Melancholiker] hat der kule mere vnde der trukene an siner complexionem SalArz 6,48; gein abent an der kuͤl WhvÖst 9906; ane der werlde küele, ir werme unde ouch ir labe / kein mensche leben niht gemac FvSonnenburg 2,6; manic guldin tuͦch durch kuͤl / fuͤr sunnen schin gespannen was WhvÖst 10138; in ainer küelen zwischen haiz und kalt BdN 166,24; einen tropfen sende [Lazarus] / ze küele mîner zungen [ ut refrigeret linguam meam Lc 16,24] LBarl 3517; Rol 4456; Tr 18144; RvEWh 3664; PrGeorg 70,19. 321,37

MWB 3,2 666,22; Bearbeiter: Bohnert

küelen swV. 1 tr., ‘kühl machen, kühlen’
1.1 eigentl.
1.2 übertr., sînen muot/  zorn ~
2 refl., ‘sich abkühlen’
2.1 eigentl.
2.2 übertr.
   1 tr., ‘kühl machen, kühlen’    1.1 eigentl.: ein brunne da [...] enspranc, / beide clar vnd kalt [...]. / da kulte ich mine zvngen Herb 2190; ain tuoch, daz geküelt sei in wazzer BdN 417,34; zuhant sie unfursunnen lag [...]. / ich labte sie und kuͤlte / mit tauwe, zwar ich fuͤlte, / daz sie zehant wart mundir Baldem 339; diu [ ros ] hêten sich verstanden. Wate hiez si küelen [mit Wasser übergießen] Kudr 1149,4; linin gewant [...] kulet den lip SalArz 22,39; wîn ~ StrKD 62,38; der môn küelt der sunnen hitz BdN 66,24. 5,28. 347,24; SalArz 47,42. 71,25. – mit Dat.d.P.: der ofen, der da gluote, / den chuldestu den chinden SüklV 679; der tou [...], / der küelet in ir vüeze Tr 17392; kule deme sichen daz antlize mit wazzer SalArz 47,2. 70,23; PrOberalt 118,35. – mit Ersparung des Obj.: du [Gott] wermis vnde kulis, / du fuhtes vnde dirres Litan 148. 68; er kan beide krefteklichen brennen und trostlichen kuͤlen Mechth 1: 44,76; [ krässelkraut ] ist guot für der lebern überhitz und küelt gar vast BdN 412,11; die aicheln küelent mêr wan die kesten ebd. 343,28 u.ö.; DvAStaff 271; SalArz 71,18    1.2 übertr., sînen muot/  zorn ~ : swenne Mâbûz erzürnet wart / und im iht leides wart getân, / sô hiez er einen man erslân. / alsus kuolt er sînen muot UvZLanz 3563; Herb 10296; sie kvlten irn zorn ebd. 7492; so went yr an myr rechen [...]des Wolffings ende und uwer selbest zorn, / so wollet yr sanffte kulen uwer hertzenleyt Alph 618; PrLpz (L) 76,14. – mit Präp. (an, mit): und küele ich dannoch mînen muot / an im zewâre reht, / swie ich wil UvLFrd 544,22; dô kuolten mit den wunden die geste wol ir muot NibB 2133,3; KvHeimUrst 1018; Daniel 7132    2 refl., ‘sich abkühlen’    2.1 eigentl.: die wolden sich dâ küelen unde badeten ir lîp NibB 1533,4; als ich mich kvulte alsus Herb 2193; und twuoc sîne hende / und kuolt sich undern ougen UvZLanz 4211; her Gwîgâlois [...] / kuolte sich und ruowet dâ [unter einer Linde] Wig 4077; Eilh R,1677; Er 4512; NibB 2058,2    2.2 übertr.: ez [das Wild, d.h. die Geliebte] mac sich küelen [erfrischen, erholen] in geselleschefte, / sô mac mich troesten niemen / wan ez allein Hadam 223,5; [Gott spricht zur liebenden Seele:] din suͤsses jagen machet mich so muͤde, / das ich begere, das ich mich kuͤle / in der reinen sele din Mechth 2: 25,46

MWB 3,2 666,44; Bearbeiter: Bohnert

küelîn stN. ‘kleine Kuh’ dune habest mir [...] / min einigez chuelin genomen, / da ez allez von solte chomen, / des ich armiu solte leben StrKD 126,187

MWB 3,2 667,27; Bearbeiter: Bohnert

küelnisse stF. ‘Kühle’ platanus [...] hat breite blater. / di blater schaten uzwenig / und geben kulnisse innewenig Brun 5934

MWB 3,2 667,30; Bearbeiter: Bohnert

küelunge stF. 1 ‘Kühlung’
2 ‘Kühle’
   1 ‘Kühlung’ du bist miner brust ein suͤssú kuͤlunge Mechth 3: 5,11; ain iegleich tier hât ain lungen daz auf dem land gêt und den luft in sich zeucht zuo ainer küelung des herzen BdN 29,30    2 ‘Kühle’ des morgens stunt die frauw off frú, umb das sie in der kúlung ryten wolt, wann es des tages heiß was Lanc 125,27

MWB 3,2 667,33; Bearbeiter: Bohnert

küene Adj. 1 ‘kühn, mutig, streitbar’ , in Bezug auf Krieg, Kampf
2 ‘wild, angriffslustig’
3 ‘dreist, verwegen, draufgängerisch’
4 ‘tapfer, standhaft’
   1 ‘kühn, mutig, streitbar’, in Bezug auf Krieg, Kampf: ein küener degen Iw 7001; der helt küene Parz 64,28; von küener recken strîten NibB 1,4; ein chuͦne wigant Eilh R,1610; der küene man NibA 21,3; KvWTroj 12390; der küene Sîfrit NibB 973,1. 979,4; Herb 3895; di chunen Sachsen Rol 5215; Franchen di chuͦnen ebd. 6849; ob ir kvne sit Herb 13630; swie küene er sî, / ern getorste den wurm nie bestân Wig 4730; der helt [...] / was sô küene und alsô quec KvWTroj 6825; und was er küene als ein swîn UvZLanz 3546; daz ich zehenstunt sterker bin / und kûner danne ich ê was En 11337; wie möht er küener gesîn? NibB 1946,4; ez enwart [...] / nie kvner man geborn Herb 10825; der aller chuͦniste helt VMos 67,19; sîn lîp ist küen und unverzagt Wartb (S) 133,4 = Wartb (H) , Einl. S. 174. – mit anderen Adj. verbunden: der degen küen’ unde balt NibB 43,4; Parz 267,2; chune unt biderbe Rol 7243; wol gezogen, küene, blîde, milde KLD: UvL 38: 2,2; getriuwe, küene, milte, rîch Tr 252; chuͦne unde snel Rol 126 u.ö.; Wh 351,18; starg, kvne, schone Herb 2980; der arme stolze kuͦne degen GrRud Hb 49 (ähnl. Lanc (WZ) 182 = Lanc 26,24 ); chune unt uermezzen Rol 3745; Ottok 29065; wise unde chuͦne Rol 1370; HistAE 1140; küen und witzic Ottok 22273. – mit Gen.d.S. oder Präp.: die wiges kuͤnn fuͤrsten stark WhvÖst 14770; di Prussen, / di sint chuͦne ze rossen Rol 8080; der herre was [...] / kvne zv schilde Herb 13271; er were / [...] kvne an der fechte ebd. 3080. – subst. M.: der küene und der zage Wh 303,14; der küene starke ebd. 142,19; inbeidinhalbin sich / der kuͦnin scade gemerte Athis C 51; der chunisten ainer Rol 2924. 4395; dem kaiser sint di sine chuͦnen alle erslan ebd. 8038; die chûnen von Tyre [...], / si fuhten alsô wildiu swîn VAlex 943. – subst. N.: di helde sint wol gar [...] : / uil gewis sit ir des, / daz nicht kuͦners mac sin Rol 8045; der schuf daz kone der was koner [Komp.] Brun 8424. – übertr.: küene grüene lît der anger widerstrît SM:Wi 3: 1,13    2 ‘wild, angriffslustig’ daz tier [ Cale ] voͤrhtet nith wen die swarzen varwe vnde ist so kuͤne in dem wassere als uf der erde Lucid 26,13; der [ lewe ] ist starch unde choͮne Spec 119,27; der tuvel ist so chune / alsam der lewo wilde, / ja vert er ruhelente [brüllend] , / wi er uns muge verswelhen HimmlJer 147; die perinne sint sterker und küener [ audaciores ] wan die pern BdN 162,30; ein wilt eber kone Brun 12587; [Gahmurets Pferd ist] küen dâ man solt strîten Parz 41,2; ain küener vogel BdN 198,7; er was kuen als ain straus HvNstAp 19656. 3674. – subst. N.: mit ir scharpfen gêren si wolden jagen swîn, / bern unde wisende: waz möhte küeners gesîn? NibB 916,4    3 ‘dreist, verwegen, draufgängerisch’ suelre ist heizer vnde trukener nature, der ist gachmuͦtich vnde kuͤne Lucid 50,14; daz fleuma machet den menschin [...] lutzel kune SalArz 5,41. 5,37; her kluͦcher helt, / ist her dan ein kune rouber grimmes muͦtes Rumelant (K) 4:8,9 (oder iron. zu 1, s. Anm. z.St.); wie Peleus, der kuͦne man, / die gottinne gewan AlbvHalbB 146; so tumplichen kuͦne / machet ime div minne / daz herz vnd al die sinne AlbvHalbA 110; subst.: die tump kûne [La. div tvmbe chvne ] Erz III 142,127 (viell. liegt ein Kompos. tumpküene vor, vgl. frnhd. dumkün, FWB 5,1732, und mhd. → tumpræʒe , tumpwîse ); diz wazzer verre küener ist / wen der küene Tristan; / [...] der entorste nie gerüeren dar / an die minnenclîche stat, / dâ hin mich nû gerüeret hât / âne sin diz wezzerlîn HvFreibTr 3788. – mit Präp.: er wart nu gein ir lîbe / noch küener HvFreibTr 5967; ain vorscher spricht von dem weien, daz der wei gar küen [ audax ] sei an klainen dingen, aber an grôzen dingen sei er zaghaft BdN 204,18; der [ sünder ] ist küen zuo allen kranken werken [...] und ist zaghaft zuo grôzen dingen ebd. 204,27. – übertr.: menig edel fögellin / in künner lutter stime sangk GTroj 683; heide [Pl.] , die stânt grüen / und gel von bluomen, und der sunne küen / sîs schœnen glanz [= sînes sch. glanzes ‘übermütig wegen ihres herrlichen Glanzes’ (Schiendorfer, Had. S. 71)] SM:Had 21: 1,8    4 ‘tapfer, standhaft’ des was er kune und balt [vgl. plenus [...] fortitudine Act 6,8] Pass III 37,87; die kuͤne marterer, die die himmelstrasse mit irme bluͦt begossen hant Mechth 5: 24,18. – mit herze, muot, sêle: wiͤ kuͤn ind wiͤ starc was ir herze, / dat si verdruͦch den herzlichen smerze MarlbRh 104,23; mit dem küenen herzen Kurâus UvZLanz 684; küenes herzen rât Parz 319,4; Eracl 3471; die heten also kunen mut Pass III 42,16; wis chüener sel [ animaequior esto Mc 10,49] EvAug 104,23

MWB 3,2 667,40; Bearbeiter: Bohnert

küene stF. 1 ‘Kühnheit, Mut, Stärke (im Kampf)’
2 ‘Wildheit, Angriffslust’
3 ‘Beherztheit, Mut’ (Ggs. zu Schüchternheit, Zurückhaltung)
   1 ‘Kühnheit, Mut, Stärke (im Kampf)’ küen [Hs. küene ] âne sinne sich erwüetet KLD: Namenlos D 232:3,6. – übertr. für den Kühnen: herte ist daz spil, / swa küne gein küne ritet / und menlichen stritet Frl 5:84,3    2 ‘Wildheit, Angriffslust’ ouch ist ein tier, heizzet einhurn [...]. / ez ist ein tier luzzil [...]. / ez ist chuonezorn [...]. / sin chuone diu meinet, daz [...] MillPhys 33,1; JPhys 3,21    3 ‘Beherztheit, Mut’ (Ggs. zu Schüchternheit, Zurückhaltung): bite, vrouwe muter [Maria] , bite! [...]. / stant uf in vrier kune, / sprich din kint [Christus] vor dine kint [uns reuige Sünder] Pass I/II (HSW) 18810

MWB 3,2 669,5; Bearbeiter: Bohnert

küenen swV. 1 ‘dreist, verwegen werden’ oder ‘kampf-, streitlustig werden’
2 in Verbindung mit herze .
3 ‘etw. stark, tüchtig machen’
   1 ‘dreist, verwegen werden’ oder ‘kampf-, streitlustig werden’ sie hetten leides alzuͦ vil, die armen lantgebure; / nu se ich, daz bi irme guͦte maniger kuͦnet Rumelant (K) 4:9,4 (vgl. ein kune rouber grimmes muͦtes ebd. 4:8,9 unter → küene Adj. 3 und s. Anm. z.St.)    2 in Verbindung mit herze. – ‘(das Herz) hochgestimmt, freudig, zuversichtlich machen’ daz velt was [im Mai] gar vergrüenet; / daz plœdiu herzen küenet / und in gît hôchgemüete Parz 96,16. – ‘hochgestimmt, freudig, zuversichtlich sein/  werden’ sust wart diu vintliche schar / bruͤderlich versuͤnet, / wan ir hertze gruͤnet [l. mit Hs. H: daz dâ ir herze küenet (Beckmann, WhvÖst. S. 87)] / zuͦ hoher vræuden gluͤsten WhvÖst 9148; mit derselben Bed. oder ‘tapfer, standhaft sein/  werden’ (vgl. → küene Adj. 4): mannes hertzen [La. herze ] kuͤnen / mag gæn den gedingen: / ain hertz scholt ringen / drizzic jar nach ainer naht / da minne laist volle maht ebd. 12824    3 ‘etw. stark, tüchtig machen’ [die aus Gold verfertigten Reben] waren ubergruͤnet, / als rebe wesen solde, und ouch darumb, daz gruͤn [stF.] die ougen kuͤnet / und gæb ouch schat vor mangen sunderglaste JTit 402,2 (vgl. G. Schleusener-Eichholz, Das Auge im Mittelalter, München 1985, S. 474)

MWB 3,2 669,18; Bearbeiter: Bohnert

küenheit stF. kuonheit

MWB 3,2 669,44;